Mittwoch, 12. Dezember 2018

An der Börse kriegt man nichts geschenkt. Auch Gratisaktien nicht!

Wenn Unternehmen ihre Aktien splitten, hat dies real keine Auswirkungen auf den Wert des Unternehmens; dieser verteilt sich nur auf mehr Anteile und dem entsprechend ist jeder dieser Anteile weniger wert. Dennoch erfreut sich die Ausgabe von Berichtigungsaktien (auch Gratisaktien genannt) bei Unternehmen als auch bei Anlegern großer Beliebtheit. Vor allem in den USA. Aber auch zunehmend in Deutschland, wo sich manche Kritiker (ungern) an den Hype am Neuen Markt erinnern, als den damals rasanten Kursanstiegen sehr schnell Aktiensplits folgten, um die Aktien optisch wieder "billiger" zu machen.  Und viele Anleger dachten, dass eine Aktie, die zuvor von 20 auf 100 DM gestiegen und nach dem Split wieder für 20 DM zu bekommen war, erneut auf 100 DM steigen würde. Oder gar müsste. Eine geradezu wundersame Geldvermehrung also, wie bei einem Schneeballsystem.

Auswirkungen eines Aktiensplits
Ein Aktiensplit bringt einige nicht unwesentliche Änderungen mit sich. Zunächst ist er technisch eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft aus Gesellschaftsmitteln.

In der Bilanz erfasst das Eigenkapital einer Aktiengesellschaft die Differenz zwischen Vermögen und Schulden und teilt sich wie folgt auf:
  1. Gezeichnetes Kapital
  2. Rücklagen (Kapital- und Gewinnrücklagen)
  3. Gewinnvortrag/ Verlustvortrag und Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag
Bei einem Aktiensplit werden Rücklagen in Grundkapital (Gezeichnetes Kapital) umgewandelt, wodurch dem Unternehmen nicht mehr Geld zur Verfügung steht. Allerdings verändert sich die Qualität des Eigenkapitals...


Das Gezeichnete Kapital ist das haftende Eigenkapital, das als Sicherheit für die Gläubiger dient, falls das Unternehmen insolvent gehen sollte. Ein Zugriff auf das Gezeichnete kapital ist nicht ohne Weiteres möglich; eine Veränderung erfordert einen Beschluss der Hauptversammlung und muss ins Handelsregister eingetragen werden.

Dem gegenüber kann man die Rücklagen auch als "variables Eigenkapital" bezeichnen, denn es kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Zu den Rücklagen gehören die aus Sonderzahlungen der Anteilseigner stammenden Kapitalrücklagen sowie die aus zurückbehaltenen Gewinnen gebildeten Gewinnrücklagen. Neben diese offenen Rücklagen, die aus der Bilanz klar ersichtlich sind, kann es noch sog. stille Reserven geben, die z.B. aus unterschiedlichen Bewertungsansätzen herrühren können. Etwa bei Grundstücken, Immobilien oder Wertpapieren, die in der Bilanz zu Anschaffungswerten oder Niederstwerten angesetzt sind, deren Verkehrswert aber über diesem Bilanzansatz liegt. Die Rücklagen stehen prinzipiell für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung und können durch HV-Beschluss herabgesetzt werden. Änderungen an den Rücklagen erfordern keine Eintragung im Handelsregister.

Der Aktiensplit bzw. die Erhöhung des Grundkapitals aus Gesellschaftsmitteln macht also aus variablem Eigenkapital haftendes Eigenkapital und erhöht damit das Sicherheitspolster für Gläubiger. Aus Sicht der Aktionäre ist jedoch nicht die Veränderung der Qualität des Eigenkapitals entscheidend, sonder ein anderer Aspekt reizvoller: denn durch den Aktiensplit erhöht sich die Anzahl an Aktien am Markt und dadurch in der Regel die Handelbarkeit. Und aufgrund des niedrigeren Börsenkurses und der höheren Stückzahlen erhöht sich nicht selten sogar der Gesamtumsatz der Aktien an der Börse.

Bei Aktien mit relativ niedrigen Aktienkursen erschließt sich die Sinnhaftigkeit nicht auf den ersten Blick, aber wenn man sich mal die die A-Aktien von Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway Inc. ansieht, die momentan bei rund 300.000 Dollar (in Worten: Dreihunderttausend) gehandelt wird, erkennt man schon, dass hohe Kurse viele Anleger abschrecken oder gar ausschließen können. Wobei die seit den 1960er Jahren niemals gesplittete Aktie von Berkshire Hathaway natürlich ein Extrembeispiel ist und nur das Prinzip verdeutlichen soll. Man kann sie auch als günstigere B-Aktie erwerben (eine A-Aktie kann in 1.500 B-Aktien eingetauscht werden, wobei jede B-Aktie nur ein Zehntausendstel Stimmrecht hat; ein Rücktausch ist nicht möglich). Die B-Aktie notiert aktuell bei 200 Dollar.

Gratisaktien sind also kein Geschenk und erhöhen nicht den Wert des Unternehmens. Sie stellen lediglich eine Maßnahme zur Kurspflege dar und sollen positive Auswirkungen auf die Handelbarkeit und Interesse seitens der Anleger mit sich bringen. Dabei sollten Anleger allerdings berücksichtigen, dass die bisherigen Angaben zu Kennzahlen, die sich auf den Kurs beziehen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis, zunächst von den Analysten an den neuen Kurs angepasst werden müssen. Und das Ergebnis je Aktie (EPS) sinkt natürlich im gleichen Verhältnis, wie es mehr Aktien gibt. Der absolute Unternehmensgewinn ändert sich durch die Kapitalmaßnahme jedoch nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen