Dienstag, 28. Mai 2013

Gratisaktien sind kein Geschenk!

Am morgigen Mittwoch wird der Aktienkurs des Beteiligungsunternehmens Aurelius AG um etwa Zweidrittel einbrechen, doch die investierten Anleger verlieren dabei nicht einen Cent. Das liegt daran, dass Aurelius seine Aktien splittet, also Berichtigungsaktien ausgibt. Im Sprachgebrauch auch Gratisaktien genannt.

Jeder Aktionär erhält morgen für eine "alte" Aktie in seinem Depot zwei zusätzliche Aktien und da diese Maßnahme selbst das Unternehmen ja nicht in seinem Wert steigen lässt, dürfte sich der Kurs eben dritteln, so dass der Depotwert der Aktien in etwa unverändert bleiben dürfte. Da sich der Kurs ausschließlich auf Angebot und Nachfrage hin bildet, wird er dann auf dem ermäßigten Niveau schwanken.

Aktiensplits sind in den USA beliebt und in Deutschland dürften sich viele (ungerne) an den Hype am Neuen Markt erinnern, wo den damals rasanten Kursanstiegen sehr schnell Aktiensplits folgten, um die Aktien optisch wieder "billiger" zu machen.

Ein Aktiensplit bringt drei wesentliche Änderungen mit sich. Zunächst ist er technisch eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft aus Gesellschaftsmitteln. Es werden also Rücklagen in Grundkapital umgewandelt. Durch die höhere Anzahl an Aktien am Markt erhöht sich in der Regel die Handelbarkeit und nicht selten sogar der Gesamtumsatz der Aktien an der Börse. Da erschließt sich auf den ersten Blick nicht unbedingt, wenn man den aktuellen Aurelius-Kurs von etwa 60 EUR mit dem vermutlichen von morgen von rund 20 EUR vergleicht. Aber wirft man einen Blick auf die A-Aktien von Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway Inc., die momentan bei rund 130.000 EUR (in Worten: Einhundertdreißigtausend) gehandelt wird, erkennt man, dass hohe Kurse viele Anleger abschrecken oder gar ausschließen können. Wobei die seit den 1960er Jahren niemals gesplittete Aktie von B.H. Inc. natürlich ein Extrembeispiel ist, das nur das Prinzip verdeutlichen soll. Man kann sie auch als günstigere B-Aktie erwerben (eine A-Aktie kann in 1.500 B-Aktien eingetasucht werden, wobei jede B-Aktie nur ein Zehntausenstel Stimmrecht hat; ein Rücktausch ist nicht möglich).

Gratisaktien sind also kein Geschenk und erhöhen nicht den Wert des Unternehmens. Sie stellen lediglich eine Maßnahme zur Kurspflege dar und sollen positive Auswirkungen auf Handelsbarkeit und Interesse bei Anlegern mit sich bringen. Dabei sollten Anleger allerdings berücksichtigen, dass die bisherigen Angaben zu Kennzahlen, die sich auf den Kurs beziehen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis, zunächst von den Analysten an den neuen Kurs angepasst werden müssen. Und das Ergebnis je Aktie (EPS) sinkt natürlich im gleichen Verhältnis, wie es mehr Aktien gibt. Da der Unternehmensgewinn bei Aurelius künftig auf drei Aktien entfällt statt wie bisher auf eine, sinkt der Gewinn je Aktie mithin auf ein Drittel des vorherigen Wertes. Der absolute Unternehmensgewinn ändert sich durch die Kapitalmaßnahme jedoch nicht.

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