Mittwoch, 27. September 2017

Gratisaktien sind kein Geschenk!

Wenn Unternehmen ihre Aktien splitten, hat dies real keine Auswirkungen auf den Wert des Unternehmens; dieser verteilt sich nur auf mehr Anteile und dem entsprechend ist jeder dieser Anteile weniger wert. Dennoch erfreut sich die Ausgabe von Berichtigungsaktien (auch Gratisaktien genannt) bei Unternehmen als auch bei Anlegern großer Beliebtheit. Vor allem in den USA. Aber auch zunehmend in Deutschland, wo sich manche Kritiker (ungerne) an den Hype am Neuen Markt erinnern, als den damals rasanten Kursanstiegen sehr schnell Aktiensplits folgten, um die Aktien optisch wieder "billiger" zu machen.  Und viele Anleger dachten, dass eine Aktie, die zuvor von 20 auf 100 DM gestiegen und nach dem Split wieder für 20 DM zu bekommen war, erneut auf 100 DM steigen würde. Eine wundersame Geldvermehrung, wie bei einem Schneeballsystem.

Auswirkungen eines Aktiensplits
Ein Aktiensplit bringt einige nicht unwesentliche Änderungen mit sich. Zunächst ist er technisch eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft aus Gesellschaftsmitteln. Es werden also Rücklagen in Grundkapital umgewandelt. Durch die höhere Anzahl an Aktien am Markt erhöht sich in der Regel die Handelbarkeit und nicht selten sogar der Gesamtumsatz der Aktien an der Börse.


Bei Aktien mit relativ niedrigen Aktienkursen erschließt sich die Sinnhaftigkeit nicht auf den ersten Blick, aber wenn man sich mal die die A-Aktien von Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway Inc. ansieht, die momentan bei rund 273.000 Dollar (in Worten: Zweihundertdreiundsiebzigtausend) gehandelt wird, erkennt man schon, dass hohe Kurse viele Anleger abschrecken oder gar ausschließen können. Wobei die seit den 1960er Jahren niemals gesplittete Aktie von Berkshire Hathaway natürlich ein Extrembeispiel ist und nur das Prinzip verdeutlichen soll. Man kann sie auch als günstigere B-Aktie erwerben (eine A-Aktie kann in 1.500 B-Aktien eingetauscht werden, wobei jede B-Aktie nur ein Zehntausendstel Stimmrecht hat; ein Rücktausch ist nicht möglich). Die B-Aktie notiert aktuell bei 182 Dollar.

Gratisaktien sind also kein Geschenk und erhöhen nicht den Wert des Unternehmens. Sie stellen lediglich eine Maßnahme zur Kurspflege dar und sollen positive Auswirkungen auf die Handelbarkeit und Interesse seitens der Anleger mit sich bringen. Dabei sollten Anleger allerdings berücksichtigen, dass die bisherigen Angaben zu Kennzahlen, die sich auf den Kurs beziehen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis, zunächst von den Analysten an den neuen Kurs angepasst werden müssen. Und das Ergebnis je Aktie (EPS) sinkt natürlich im gleichen Verhältnis, wie es mehr Aktien gibt. Der absolute Unternehmensgewinn ändert sich durch die Kapitalmaßnahme jedoch nicht.

1 Kommentar:

  1. Hallo Michael,

    Danke für den Artikel. Die Erläuterungen sind mir an einer Stelle aber etwas kurz.

    du schreibst im zweiten Absatz:
    "Ein Aktiensplit bringt einige nicht unwesentliche Änderungen mit sich. Zunächst ist er technisch eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft aus Gesellschaftsmitteln. Es werden also Rücklagen in Grundkapital umgewandelt."

    Das verstehe ich nicht. Wenn ein Unternehmen 1000 Aktien zu je 1000 Euro ausgegeben hat, ist die Marktkapitalisierung also 1 Mio €. Werden nun die 1000 Aktien 1:10 gesplittet, ist jede Aktie 100 € wert, es gibt allerdings 10.000 Aktien. Wo genau ist hier die "Erhöhung des Grundkapitals" und welche Rücklagen werden hier wofür verwendet und in Grundkapital umgewandelt?
    Das Grundkapital und die Rücklagen werden doch bei diesem Vorgang gar nicht angetastet?

    Danke im Voraus

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