Montag, 27. Mai 2013

Niedrigzinsen fressen Vermögen auf

Gegen die Finanzkrise, die Bankenkrise, die Wirtschaftsflaute, die Eurozonenprobleme und gegen Crash-Tendenzen wählen die Notenbanken seit mehr als einem Jahrzehnt immer das gleiche Mittel: Geld. Und zwar Unmengen davon. Üblicherweise führt ein starkes - und auch noch globales - Geldmengenwachstum nach der klassischen Lehre zu Inflation, denn wenn (zu) viel Geld im Umlauf ist, sind Preissteigerungen leichter durchzusetzen und Inflation ruft steigende Zinsen seitens der Notenbanken hervor, um die Preissteigerungen wieder in den Griff zu bekommen. Doch diesmal scheint alles anders zu sein, in den führenden Wirtschaftszonen der Welt ist trotz des vielen verfügbaren Geldes die Inflation weit unter den Zielwerten der Notenbanken und dem entsprechend sinken die Zinsen auf Rekordniedrigststände.

Das ruft mehrere Effekte hervor. So wird der Konsum billiger, denn es kostet weniger Geld (Zinsen), sich zu verschulden und selbst Krisenstaaten wie Portugal, Irland oder Italien können sich zu vergleichsweise moderaten Zinssätzen refinanzieren. Bedeutet im Umkehrschluss, dass die Zinscoupons ihrer Staatsanleihen weniger abwerfen, als man es bei dem hohen Risiko erwarten sollte, bedenkt man, dass die Krise nicht ohne Grund "Staatsschuldenkrise" heißt und vor allem Länder der Eurozone betrifft.

Für den deutschen Sparer bedeutet die niedrige Inflation, dass sein Geld nur langsam an Wert verliert. Doch die Freude hierüber verfliegt schnell, wenn man bedenkt, dass die zu erzielen Zinsen teilweise sogar noch unterhalb der Inflationsrate liegen und ggf. sogar noch versteuert werden müssen. "Negative Realzinsen" nennt man dieses Phänomen und es hat zur Folge, dass man zwar Zinsen für sein Erspartes bekommt, am Jahresende aber dennoch weniger Kaufkraft. Deutlich gesagt, man ist trotz Zinsen weniger vermögend als zuvor. Für die deutschen Sparer errechnet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ein Minus von 14,3 Mrd. Euro pro Jahr, was etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) entspricht.

Um dieser schleichenden Verarmung zu entgehen, suchen die Anleger immer häufiger nach Alternativen. (Auch) deshalb explodieren in Deutschland die Immobilienpreise oder das Geld wandert auf vermeintlich besser verzinste Konten im Ausland. Doch steigt hierbei das Risiko signifikant an, denn Immobilien sind nicht so leicht wieder veräußerbar und wenn dann mit erheblichem Verlust. So gab es zwischen 1991 und 2009 kaum Wertzuwächse, während die Inflation mit fast 3 Prozent pro Jahr am Vermögen knabberte. Und gerade in Irland und Island haben Deutsche Sparer mit "sicheren" Geldanlagen Milliarden verloren, als die Banken infolge der Finanzkrise Pleite gingen.

Als Alternative galten Anleihen, doch Staatsanleihen bergen eben auch erhebliche Risiken, wie man bei griechischen Bonds sehen konnte, wo es einen sog."Haircut" gab und die Anleger auf einen Schlag rund die Hälfte ihres Geldes verloren hatten. Und wenn man von 1.000 eingesetzten Euros nur 500 zurückbekommt, dann tröstet einen darüber ein höherer Zinssatz von 3 oder Prozent kaum hinweg.

Die Anleger stecken also in einer Misere und zuletzt kamen deshalb verstärkt Unternehmensanleihen auf den Markt und fanden zumeist reißenden Absatz. Denn sie bieten nicht selten Zinsen von 6 oder mehr Prozent und verglichen mit Bundesanleihen, die weniger als 1 Prozent bieten, scheinen das echte Schnäppchen zu sein. Allerdings nur, wenn die Firmen solide sind und Zinsen und Anlagekapital auch (Zurück)zahlen können. Schaut man auf die Unternehmen der kriselnden deutschen Solar-Branche, wie Solar World, Solar Millennium, Q-Cells usw. wird schnell klar, dass das Risiko eines Totalverlustes auch bei Unternehmensanleihen allgegenwärtig ist. Und verglichen mit den erheblichen Risiken sind die Renditen der Unternehmensanleihen eben doch viel zu niedrig, warnt Star-Investor Warren Buffett in einem Interview mit dem Finanzdienstleister Bloomberg.

Doch was bleibt Anlegern übrig, wenn sie ihr hart verdientes Geld anlegen wollen? Investmentsfonds schneiden ganz überwiegend schlechter ab als der Markt und bieten sich daher als Alternative nicht unbedingt an, so dass es am Ende auf ein Aktiendepot hinausläuft, in dem man auf große Unternehmen setzt, die seit längerem gute Erträge erwirtschaften und attraktive Dividenden ausschütten. Solche Dickschiffe finden sich nicht nur in Deutschland und Europa, sondern vor allem auch in den USA: Unternehmen der Konsumgüterindustrie, wie Nestlé, Procter & Gamble, Henkel, Beiersdorf, Johnson & Johnson, Reckit Benckiser, oder Chemiegiganten, wie BASF, Lanxess, DuPont. Sicher, deren Kurse sind seit Jahren gestiegen, aber eben auch ihre Umsätze und Gewinne. Und sie gelten als defensive Werte, weil sie Produkte verkaufen, die nicht "in" sind, sondern einfach nur gebraucht werden: Windeln, Rasierer, Zahnbürsten, Toilettenpapier, Waschmittel usw. Ob die Menschen viel oder wenig Geld zur Verfügung haben, an diesen Dingen können sie nur begrenzt sparen. Das neue Auto oder der hippste Fernseher oder das neuste Smartphone wird viel eher mal auf die lange Bank geschoben.

Nun kommt es bei der Geldanlage darauf an, niedrig zu kaufen und - wenn überhaupt - hoch zu verkaufen. Und viele verwechseln dies mit Markttiming. Aber das sollte man den Zockern und Tradern überlassen, den Spekulanten und Finanz-Hasardeuren. Anleger, Investoren, Privatleute sollten sich über Timing an der Börse gar keine Gedanken machen! Vielmehr sollten sie ausschließlich auf die fundamentale Bewertung der Unternehmen schauen, wie sie aus den Geschäftsberichten hervorgehen: steigen die Umsätze, nehmen die Gewinne zu, wird eine attraktive Dividenden ausgeschüttet und das kontinuierlich über viele Jahre hinweg? Wenn diese Unternehmen dann noch zu akzeptablen Aktienkursen gehandelt werden, spricht nichts gegen ein langfristiges Engagement. Achten Sie auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis, auf den Cash-flow und die Dividendenrendite. Sie geben gute Anhaltspunkte dafür, ob ein Unternehmen gerade zu hoch oder zu niedrig von der Börse bewertet wird. Und in letzterem Fall, kaufen sie dessen Aktien. Das ist das "Marktiming" der Langfristanleger, der Value Investoren. Ob die Konjunktur dies macht oder der Dollar jenes oder Gold gegenüber Rohöl eine Korrelation ausbildet - vergessen Sie's einfach. Darüber zerbrechen sich die Vorstände in den Unternehmen, deren Aktien sie kaufen, den Kopf. Und wenn Sie Unternehmen auswählen, die den von mir beschrieben Kriterien entsprechen, dann können Sie (fast) sicher sein, dass sie sich erfolgreich auf die neuen Herausforderungen einstellen. Sie als Anleger brauchen nichts weiter zu tun, als auf ihrem Hintern zu sitzen und die Dividenden zu kassieren, die die Unternehmen für Sie verdienen.

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