Freitag, 6. Oktober 2017

Aktienrückkauf: Das Wundermittel mit Nebenwirkungen

Sobald ein Unternehmen einen Aktienrückkauf ankündigt, zündet der Kurs ein Feuerwerk. Und das ist verständlich, bildet doch ein Aktienkurs das Ergebnis des Aufeinandertreffens von Angebot und Nachfrage und wenn das Unternehmen seine eigenen Aktien über die Börse zurückkauft, stellt dies zusätzliche Nachfrage dar. Außerdem gehen viele Anleger davon aus, dass das Unternehmen den besten Überblick hat, bei welchem Kurs die eigenen Aktien unter ihrem fairen Wert zu haben sind. Also sind Aktienrückkäufe für die Aktionäre immer eine gute Sache. Oder nicht?

Es gibt allerdings einiges zu beachten. Grundsätzlich verfügt das Unternehmen über Geldmittel, um damit Investitionen zu tätigen und neue Produkte zu entwerfen und zu vermarkten. Das ist der Daseinszweck des Unternehmens und wenn das Unternehmen nun dieses Geld für den Rückkauf eigener Aktien oder für Dividendenausschüttungen an die Aktionäre verwendet, ist das nur dann eine gute Idee, wenn es das Geld nicht besser für sein (operatives) Geschäft einsetzen könnte. Wenn also das Unternehmen selbst eine Rendite von 8% erwirtschaftet und mehrere Übernahmeziele ins Auge gefasst hat, die nur 5% erreichen, dann ist aus Sicht der Aktionäre ein Aktienrückkauf rentierlicher. Sollten neue Investitionen in den Maschinenpark die Rendite im Unternehmen heben, kann dies lohnender sein, als Aktien zurückzukaufen oder Dividenden auszuschütten. Es kommt eben auf den Einzelfall an.


Gehen wir also davon aus, dass das Unternehmen keine lukrativeren Ideen verfolgen kann, als das Geld den Aktionären zukommen zu lassen. Dann stehen sowohl eine Dividendenzahlung als auch ein Aktienrückkauf als Maßnahmen zur Verfügung. Wobei die Dividendenausschüttung der 25-prozentigen Abgeltungssteuer unterliegt, während der Aktienrückkauf keine Steuerpflicht auslöst. Durch den Rückkauf der eigenen Aktien verringert sich die Gesamtzahl der Aktien nicht automatisch. Sie werden zunächst im Bestand der AG gehalten und bleiben bei Dividendenausschüttungen unberücksichtigt. Der Gewinn je Aktie für den einzelnen Aktionär steigt also durch Aktienrückkäufe. Und sollte das Unternehmen die Aktien dann einziehen, also vernichten, verringert sich die Anzahl aller Aktien und jede einzelne Aktie stellt einen größeren Anteil am Unternehmen dar. Ihr Wert steigt also (was nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch ihr Preis, der Aktienkurs, entsprechend steigt).

Doch es gibt auch Beispiele, wo Unternehmen mit dem Rückkauf eigener Aktien das Geld ihrer Aktionäre zum Fenster hinauswerfen. Denn eigene Aktien werden gerne auch als Akquisitionswährung eingesetzt, um andere Firmen zu übernehmen und (teilweise) mit eigenen Aktien zu bezahlen. Hier muss man ganz genau hinsehen! Denn diese Aktien werden nun nicht eingezogen, sondern gelangen wieder in den Börsenverkehr und für den Aktionär bringt dies nur einen Vorteil, wenn die Aktien vom Unternehmen zu niedrigeren Kursen gekauft wurden, als sie nun bei der Akquise angerechnet werden. Wurden die Aktien durchschnittlich zu 11 EUR gekauft und nun bei der Übernahme nur mit 8 EUR angerechnet, dann ergibt dies einen Verlust von 3 EUR - unabhängig davon, ob das andere Unternehmen zu einem überteuerten Kaufpreis erworben wird oder ein Schnäppchen darstellt. Und Geldvernichtung in Perfektion stellt ein Aktienrückkauf dar, wenn diese Aktien anschließend für Aktienoptionen für den Vorstand herhalten müssen. Dann kann man grundsätzlich von einem deutlichen finanziellen Verlustgeschäft für das Unternehmen - und die Aktionäre - ausgehen.

Daher sollte man sich nicht von der Überschrift blenden lassen, sondern sich genau ansehen, an welche Bedingungen und zu welchem Zweck die eigenen Aktien zurückgekauft werden sollen. Hat man - was ein Value Investor stets tun sollte - in ein Unternehmen mit einem fähigen und vertrauenswürdigen Management investiert, dann sollte man vor den negativen Aspekten weitgehend gefeit sein. Bei kleinen Unternehmen, die in den "Nebensegmenten" der Börsen notieren, wo die Zulassungserfordernisse und die Offenlegungspflichten gering(er) sind, ist ein wachsames Auge stets der beste Freund der Investition.

Grundsätzlich stellen Aktienrückkäufe für die Aktionäre eine positive Maßnahme dar und Warren Buffett ist einer ihrer größten Fans. Sie stellen für ihn die beste Art dar, wie das Unternehmen seine Aktionäre am Erfolg teilhaben lassen kann. Denn unter dem Strich sind Aktienrückkäufe so zu betrachten, als würde man die Dividenden kassieren und das erhaltene Geld sofort wieder in das Unternehmen investieren (Thesaurierung). Nur ohne Steuerabzug und Börsentransaktionskosten. So kann der Zinseszinseffekt seine größte Wirkung erzielen, ohne dass der Anleger selbst nochmals tätig werden müsste.

Wenn also ein Unternehmen den Rückkauf eigener Anteile ankündigt, schauen Sie als Anleger genau hin. Es könnte eine hervorragende Chance sein, an der sie langfristig ordentlich (mit)verdienen können.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    was denkst Du in diesem Zusammenhang über das Aktienrückkaufprogramm der Patrizia? Erst 10 % neue Aktien (Gratisaktien) ausgeben und jetzt Rückkauf. Mich verwirrt das ein wenig

    VG, Holger

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  2. Wie und vor allem wo informierst du dich über Aktienrückkaufprogramme? Also wo findest du z.B. die Informationen, ob ein Unternehmen die Aktien vernichtet oder einfach nur einbehält?

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  3. Aktienrückkaufe eignen sich auch gut, um dem Aktionär eine Gewinnsteigerung vorzugaukeln, die so nicht existiert. Hätte z.B. P&G seit 2007 von ursprünglich 3,3 Mrd. Aktien nicht schon rund eine halbe Mrd. Aktien zurück gekauft, wäre die Entwicklung des Gewinns pro Aktie noch schlechter, als es eh schon ist. D.h. jeder Aktionär würde verstehen, dass P&G heute faktisch weniger verdient als vor 10 Jahren - was aus Managementsicht natürlich verhindert werden muss.

    Was mich bei Aktienrückkäufen bilantechnisch stört, ist die Verbuchung. Durch die volle Anrechnung des Rückkaufpreises wird das EK stark reduziert und kann sogar negativ werden, wie bei Colgate. Oberflächlich betrachtet steht das Unternehmen dann vor der Insolvenz. Auch Kennzahlen wie Debt-To-Equity kann man bei Unternehmen mit Aktienrückkäufen (und das sind viele) getrost in die Tonne treten.

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  4. ich verstehe von diesen Börsengeschäft so gut wie gar nichts.Kaufe eine Aktie immer wenn eine hohe Dividente ausgeschüttet wird und muss dann ewig dranbleiben bis der Kurs einigermasen meinen Einstiegskurs hat.Habe mein Geld in Publityaktien gesezt
    und warte bis der kurs wieder ein Gewinn für mich ausweist.Wer kann mir etwas über diese Aktie sagen.

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    1. Unter dem Label "Publity" findest Du alle Artikel, die ich hier im Blog zu Publity verfasst habe.

      Allerdings verstehe ich Deine Anlagestrategie nicht ganz. Du kaufst de Aktien, um die Dividenden zu kassieren, und wenn der Kurs den Dividendenabschlag wieder aufgeholt hat, dann verkaufst Du die Aktien wieder? Dann machst Du aber unter dem Strich keinen Gewinn. Im Gegenteil, die Dividende wird ja sofort mit Abschlagssteuer belegt und mehr als 25% einbehalten (sobald der Sparerfreibetrag überschritten ist). Oder verstehe ich Dich da falsch?

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