Dienstag, 18. Dezember 2018

Peter Lynch hält Aktienrückkäufe für die einfachste und beste Art, wie ein Unternehmen seine Anleger belohnen kann

Sobald ein Unternehmen einen Aktienrückkauf ankündigt, zündet der Kurs ein Feuerwerk. Verständlich, bildet doch ein Aktienkurs das Ergebnis des Aufeinandertreffens von Angebot und Nachfrage und wenn das Unternehmen seine eigenen Aktien über die Börse zurückkauft, stellt dies zusätzliche Nachfrage dar. Außerdem gehen viele Anleger davon aus, dass das Unternehmen den besten Überblick hat, bei welchem Kurs die eigenen Aktien unter ihrem fairen Wert zu haben sind. Und so sind Aktienrückkäufe für die Aktionäre immer eine gute Sache, findet Börsenlegende Peter Lynch.

»Aktienrückkäufe sind die einfachste und beste Art, wie ein Unternehmen seine Anleger belohnen kann. Wenn ein Unternehmen an seine eigene Zukunft glaubt, warum sollte es dann nicht in sich selbst investieren, genauso wie die Aktionäre?«
(Peter Lynch)

Doch wie wie bei allen Wundermitteln, gibt es auch bei Aktienrückkäufen einige Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen, über die man sich vorher ein Bild machen sollte. Damit sich der gewünschte positive Effekt auch wirklich einstellt...


Grundsätzlich verfügt das Unternehmen über Geldmittel, um damit Investitionen zu tätigen und neue Produkte zu entwerfen und zu vermarkten. Das ist der Daseinszweck des Unternehmens und wenn das Unternehmen nun dieses Geld für den Rückkauf eigener Aktien oder für Dividendenausschüttungen an die Aktionäre verwendet, ist das nur dann eine gute Idee, wenn es das Geld nicht besser für sein (operatives) Geschäft einsetzen könnte. Wenn also das Unternehmen selbst eine Rendite von 8% erwirtschaftet und mehrere Übernahmeziele ins Auge gefasst hat, die nur 5% erreichen, dann ist aus Sicht der Aktionäre ein Aktienrückkauf rentierlicher. Sollten neue Investitionen in den Maschinenpark die Rendite im Unternehmen heben, kann dies lohnender sein, als Aktien zurückzukaufen oder Dividenden auszuschütten. Es kommt eben auf den Einzelfall an.

Gehen wir also davon aus, dass das Unternehmen keine lukrativeren Ideen verfolgen kann, als das Geld den Aktionären zukommen zu lassen. Dann stehen sowohl eine Dividendenzahlung als auch ein Aktienrückkauf als Maßnahmen zur Verfügung. Wobei die Dividendenausschüttung der 25-prozentigen Abgeltungssteuer unterliegt, während der Aktienrückkauf keine Steuerpflicht auslöst. Durch den Rückkauf der eigenen Aktien verringert sich die Gesamtzahl der Aktien nicht automatisch. Sie werden zunächst im Bestand des Unternehmens gehalten und bleiben bei Dividendenausschüttungen unberücksichtigt. Der Gewinn je Aktie für den einzelnen Aktionär steigt also durch Aktienrückkäufe. Und sollte das Unternehmen die Aktien dann einziehen, also vernichten, verringert sich die Anzahl aller Aktien und jede einzelne Aktie stellt einen größeren Anteil am Unternehmen dar. Ihr Wert steigt also (was nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch ihr Preis, der Aktienkurs, entsprechend steigt).

Hinsichtlich des ansteigenden Gewinns je Aktie sollte man natürlich auch im Blick behalten, dass Aktienrückkäufe diesen in gewisser Weise schönen. Hier lohnt auf jeden Fall der zweite, skeptische Blick, ob denn eventuell (nur) operative Schwächen verdeckt werden sollen. Denn es gibt auch Beispiele, wo Unternehmen mit dem Rückkauf eigener Aktien das Geld ihrer Aktionäre zum Fenster hinauswerfen.

So werden eigene Aktien gerne auch als Akquisitionswährung eingesetzt, um andere Firmen zu übernehmen und (teilweise) mit eigenen Aktien zu bezahlen. Hier muss man ganz genau hinsehen! Denn diese Aktien werden nun nicht eingezogen, sondern gelangen wieder in den Börsenverkehr und für den Aktionär bringt dies nur dann einen Vorteil, wenn die Aktien vom Unternehmen zu niedrigeren Kursen gekauft wurden, als sie nun bei der Akquise angerechnet werden. Wurden die Aktien durchschnittlich zu 11 Euro gekauft und nun bei der Übernahme nur mit 8 Euro angerechnet, dann ergibt dies einen Verlust von 3 Euro - unabhängig davon, ob das andere Unternehmen zu einem überteuerten Kaufpreis erworben wird oder ein Schnäppchen ist.

Und Geldvernichtung in Reinkultur stellt ein Aktienrückkaufprogramm dar, wenn diese Aktien anschließend für Aktienoptionen für den Vorstand oder Mitarbeiter herhalten müssen, bei denen diese die Aktien deutlich unter Marktwert erhalten können. Dann kann man grundsätzlich von einem finanziellen Verlustgeschäft für das Unternehmen - und die Aktionäre - ausgehen.


Augen auf beim Aktien(rück)kauf!


Daher sollte man sich auch bei Aktienrückkäufen nicht von der Überschrift blenden lassen, sondern sich genau ansehen, an welche Bedingungen und zu welchem Zweck er stattfinden soll. Hat man - was ein Value Investor stets tun sollte - in ein Unternehmen mit einem fähigen und vertrauenswürdigen Management investiert, dann sollte man vor den negativen Aspekten weitgehend gefeit sein. Bei kleinen Unternehmen, die in den "Nebensegmenten" der Börsen notieren, wo die Zulassungserfordernisse und die Offenlegungspflichten gering(er) sind, ist ein wachsames Auge stets der beste Freund der Investition.

Grundsätzlich stellen Aktienrückkäufe für die Aktionäre eine positive Maßnahme dar und Warren Buffett ist einer ihrer größten Fans. Sie stellen für ihn die beste Art dar, wie das Unternehmen seine Aktionäre am Erfolg teilhaben lassen kann. Denn unter dem Strich sind Aktienrückkäufe so zu betrachten, als würde man die Dividenden kassieren und das erhaltene Geld sofort wieder in das Unternehmen investieren (Thesaurierung). Nur ohne Steuerabzug und Börsentransaktionskosten. So kann der Zinseszinseffekt seine größte Wirkung erzielen, ohne dass der Anleger selbst nochmals tätig werden müsste.

»Keine andere Maßnahme nützt Aktionären so viel Aktienrückkäufe. Sofern das Unternehmen über ausreichend Liquidität für das operative Geschäft verfügt und die Aktie mit einem nennenswerten Abschlag auf den inneren Wert notiert - konservativ gerechnet.«
(Warren Buffett)

Wenn also ein Unternehmen den Rückkauf eigener Anteile ankündigt, schauen Sie als Anleger genau hin. Es könnte eine hervorragende Chance sein, an der sie langfristig ordentlich (mit)verdienen können.


Meine Lese-Tipps
▶ "Aktien für alle: So verdienen Privatanleger an der Börse" von Peter Lynch
▶ "Der Börse einen Schritt voraus: Wie auch Sie mit Aktien verdienen können!" von Peter Lynch
▶ "Lynch III. Der Weg zum Börsenerfolg" von Peter Lynch

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