Montag, 22. Juni 2015

Aktienrückkäufe: Wundermittel mit Nebenwirkungen

Sobald eine Firma einen Aktienrückkauf ankündigt, zündet der Kurs ein Feuerwerk. Und das ist verständlich, bildet doch ein Aktienkurs das Ergebnis des Aufeinandertreffens von Angebot und Nachfrage und wenn das Unternehmen seine eigenen Aktien über die Börse zurückkauft, stellt dies zusätzliche Nachfrage dar. Außerdem gehen viele Anleger davon aus, dass das Unternehmen den besten Überblick hat, bei welchem Kurs die eigenen Aktien unter ihrem fairen Wert zu haben sind. Also sind Aktienrückkäufe für die Aktionäre immer eine gute Sache. Oder nicht?

Es gibt allerdings einiges zu beachten. Grundsätzlich verfügt das Unternehmen über Geldmittel, um damit Investitionen zu tätigen und neue Produkte zu entwerfen und zu vermarkten. Das ist der Daseinszweck des Unternehmens und wenn das Unternehmen nun dieses Geld für den Rückkauf eigener Aktien oder für Dividendenausschüttungen an die Aktionäre verwendet, ist das nur dann eine gute Idee, wenn es das Geld nicht besser für sein (operatives) Geschäft einsetzen könnte. Wenn also das Unternehmen selbst eine Rendite von 8% erwirtschaftet und mehrere Übernahmeziele ins Auge gefasst hat, die nur 5% erreichen, dann ist aus Sicht der Aktionäre ein Aktienrückkauf rentierlicher. Sollten neue Investitionen in den Maschinenpark die Rendite im Unternehmen heben, kann dies lohnender sein, als Aktien zurückzukaufen oder Dividenden auszuschütten. Es kommt eben auf den Einzelfall an.

Gehen wir also davon aus, dass das Unternehmen keine lukrativeren Ideen verfolgen kann, als das Geld den Aktionären zukommen zu lassen. Dann stehen sowohl eine Dividendenzahlung als auch ein Aktienrückkauf als Maßnahmen zur Verfügung. Wobei die Dividendenausschüttung der 25-prozentigen Abgeltungssteuer unterliegt, während der Aktienrückkauf keine Steuerpflicht auslöst. Durch den Rückkauf der eigenen Aktien verringert sich die Gesamtzahl der Aktien nicht automatisch. Sie werden zunächst im Bestand der AG gehalten und bleiben bei Dividendenausschüttungen unberücksichtigt. Der Gewinn je Aktie für den einzelnen Aktionär steigt also durch Aktienrückkäufe. Und sollte das Unternehmen die Aktien dann einziehen, also vernichten, verringert sich die Anzahl aller Aktien und jede einzelne Aktie stellt einen größeren Anteil am Unternehmen dar. Ihr Wert steigt also (was nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch ihr Preis, der Aktienkurs, entsprechend steigt).

Doch es gibt auch Beispiele, wo Unternehmen mit dem Rückkauf eigener Aktien das Geld ihrer Aktionäre zum Fenster hinauswerfen. Denn eigene Aktien werden gerne auch als Akquisitionswährung eingesetzt, um andere Firmen zu übernehmen und (teilweise) mit eigenen Aktien zu bezahlen. Hier muss man ganz genau hinsehen! Denn diese Aktien werden nun nicht eingezogen, sondern gelangen wieder in den Börsenverkehr und für den Aktionär bringt dies nur einen Vorteil, wenn die Aktien vom Unternehmen zu niedrigeren Kursen gekauft wurden, als sie nun bei der Akquise angerechnet werden. Wurden die Aktien durchschnittlich zu 11 EUR gekauft und nun bei der Übernahme nur mit 8 EUR angerechnet, dann ergibt dies einen Verlust von 3 EUR - unabhängig davon, ob das andere Unternehmen zu einem überteuerten Kaufpreis erworben wird oder ein Schnäppchen darstellt. Und Geldvernichtung in Perfektion stellt ein Aktienrückkauf dar, wenn diese Aktien anschließend für Aktienoptionen für den Vorstand herhalten müssen. Dann kann man grundsätzlich von einem deutlichen finanziellen Verlustgeschäft für das Unternehmen - und die Aktionäre - ausgehen.

Daher sollte man sich nicht von der Überschrift blenden lassen, sondern sich genau ansehen, an welche Bedingungen und zu welchem Zweck die eigenen Aktien zurückgekauft werden sollen. Hat man - was ein Value Investor stets tun sollte - in ein Unternehmen mit einem fähigen und vertrauenswürdigen Management investiert, dann sollte man vor den negativen Aspekten weitgehend gefeit sein. Bei kleinen Unternehmen, die in den "Nebensegmenten" der Börsen notieren, wo die Zulassungserfordernisse und die Offenlegungspflichten gering(er) sind, ist ein wachsames Auge stets der beste Freund der Investition.

Grundsätzlich stellen Aktienrückkäufe für die Aktionäre eine positive Maßnahme dar und Warren Buffett ist einer ihrer größten Fans. Sie stellen für ihn die beste Art dar, wie das Unternehmen seine Aktionäre am Erfolg teilhaben lassen kann. Denn unter dem Strich sind Aktienrückkäufe so zu betrachten, als würde man die Dividenden kassieren und das erhaltene Geld sofort wieder in das Unternehmen investieren (Thesaurierung). Nur ohne Steuerabzug und Börsentransaktionskosten. So kann der Zinseszinseffekt seine größte Wirkung erzielen, ohne dass der Anleger selbst nochmals tätig werden müsste.

Wenn also ein Unternehmen den Rückkauf eigener Anteile ankündigt, schauen Sie als Anleger genau hin. Es könnte eine hervorragende Chance sein, an der sie langfristig ordentlich (mit)verdienen können.

Kommentare:

  1. Hallo Michael
    wieder mal ein sehr anschaulich erklärter Artikel!
    VIelen Dank und weiter so!
    Eine Frage hätte ich noch: was denkst du wie die Griechenland-Krise ausgeht bzw. wie sie sich in nächster Zeit weiter entwickelt und was das für die Börsen bedeutet?
    Grüße Malte

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  2. Moin Malte, danke für das Lob.

    Bei Griechenland gibt es viele Möglichkeiten, ich kann nicht abschätzen, welche davon am Ende herauskommt. Eigentlich müsste man auf die Vernunft setzen, also dass Griechenland als Bittsteller die Forderungen (die die Vorgängerregierung für damalige Hilfsleistungen ja bereits zugesagt hatte!) erfüllt und man im Gegenzug seitens der Gläubiger die Rückzahlungen streckt, die Zinsbelastung vielleicht reduziert und flankierend aus anderen EU-Töpfen eine Konjunkturspritze für Griechenland finanziert. Hier waren ja schon bis zu 35 Mrd. EUR als Investitionszuschüsse angeklungen. Nur... die Griechen machen nicht den Eindruck, dass sie eine Lösung wollen. Sie scheinen auf die Pleite hinzuarbeiten und "nur" einen Sündenbock dafür zu suchen, den sie dann der Welt präsentieren können. Die dauernden Ankündigungen, man habe neue Vorschläge unterbreitet und nun werde es sofort eine Einigung geben, passen ja in keinster Weise zu dem, was wirklich passiert: das Versprochene wird nicht eingehalten seitens Athen und substanzielle, verbindliche, verifizierbare, messbare Vorschläge werden nicht vorgelegt.

    Da ein Scheitern der Verhandlungen für alle teuer wäre, denke ich, dass es zu einem Kompromiss kommen wird. Und es wird dann weitergewurschtelt. Es wird keine "befreiende Lösung" für das eigentliche Problem geben. Und die Börsen werden sich damit begnügen, dass es keinen Grexit geben wird, jedenfalls jetzt nicht, und sich neuen Themen zuwenden. Im Übrigen sollte es für einen Langfristanleger auch egal sein, was als Ergebnis herauskommt. Denn die Unternehmen, deren Aktien man an der Börse kauft und an denen man sich beteiligt, werden sich der neuen Situation stellen und auf der neuen Basis Geschäfte machen. Warren Buffett sagte ja kürzlich, er könne sich nicht erinnern, jemals aufgrund von Makrofaktoren eine Aktie gekauft oder nicht gekauft zu haben. Ein sehr vernünftiger Ansatz, wie ich finde, auch wenn er für Otto-Normalanleger schwer umzusetzen ist, weil deutlich rote Börsenkurse uns Normalmenschen eben nervös machen und unglücklich. Also, die Börse wird sich kurz schütteln und dann haben alle das Szenario verarbeitet und weiter geht's...

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  3. Wieder ein sehr guter Artikel. Könnte man fast für die eigene Seite abkupfern^^

    Ich bin da auch immer etwas vorsichtig mit den Rückkäufen, gerade weil sehr oft Optionen von Mitarbeitern und vor allem Vorständen bedient werden. Das ist leider teilweise zu einem Selbstbedienungsladen verkommen und grenzt schon fast an Diebstahl gegenüber den Eigentümern. Rückkaufe werden leider auch oft zur Kurspflege genutzt. Eigentlich ein wunderbares Mittel, aber leider ist das in den letzten Jahren etwas verkommen. Wie Du schreibst, genauer hinschauen lohnt sich und sagt auch etwas über die Qualität und Integrität des Managements aus.

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    1. Richtig, Alexander, die Qualität des Managements ist ein ganz wesentlicher Punkt bei der Anlageentscheidung. Warren Buffett betont das ja auch bei jeder Gelegenheit, das dies für ihn einer der wichtigsten Aspekte beim Investieren ist. Als Coca Cola vor gut einem Jahr sein völlig überteuertes Aktienoptionsprogramm für den Vorstand verabschiedet hat, äußerte sich Buffett ja sogar öffentlich kritisch, was eigentlich gar nicht seinem Naturell und Stil entspricht. Die Konsequenz war, das die Coke-Manager einen Rückzug machten und das Programm deutlich abspeckten. In vielen anderen Firmen gehen solche "Deals" aber viel zu einfach und zu unbeachtet über die Bühne - zum Schaden der Aktionäre. Daher halte ich Anlegerschutzgemeinschaften auch für wichtige Institutionen, weil sie hier eben den Finger in die Wunde legen und betont kritisch auf solche Missstände hinweisen. Ich bin daher seit vielen Jahren Mitglied der DSW, der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz e.V. Das Jahresabo ist erschwinglich und man erhält kostenlos die Wochen-Zeitschrift Focus Money oben drauf.

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