Mittwoch, 7. März 2018

Wer den Zinseszinseffekt nutzt, wird reich. Alle anderen zahlen drauf...

 Zinseszinseffekt über 30 Jahre betrachtet
Das entscheidende Kriterium für den Erfolg einer Anlage ist die erzielte Rendite. Diese kann aus Zinsen stammen, aus Dividenden oder aus Kursgewinnen. Während man Kursgewinne einfach laufen lassen kann, fließen Zinsen und Dividenden aufs Konto und können dann für andere Zwecke als das Investieren verwendet werden. Es zahlt sich aber aus, diese Ausschüttungen wieder zu investieren, damit sie selbst auch Renditen abwerfen. Das nennt man Zinseszinseffekt. Er besteht darin, dass Zinsen, die aufgrund einer verzinslichen Kapitalanlage am Ende eines bestimmten Zeitraums gutgeschrieben werden, ab Beginn der darauffolgenden Periode die Einlage erhöhen und sich somit in der Zukunft selbst verzinsen.

Beim Investieren wirkt das Prinzip des Zinseszinses in einer ähnlichen Art und Weise. Die von einem Investor erworbenen Vermögensgegenstände generieren Gewinne, werden reinvestiert und produzieren zukünftig mehr Gewinn. Und je mehr Zeit man dem Zinseszinseffekt gibt, desto gewaltiger wird seine Kraftentfaltung, denn das Zinseszinswachstum macht aus einem kleinen Betrag einen großen, ganz von alleine.

Der Faktor Zeit ist ganz entscheidend, was an einem Beispiel schnell deutlich wird. Wenn man heute 100.000 Euro in Aktien investiert und 6 Prozent Ertrag annualisiert, hat man nach 30 Jahren fast 575.000 Euro zusammen. Und nach 60 Jahren sind es dann schon etwa 3,3 Millionen Euro. Also konkret: in den ersten 30 Jahren erwirtschaftet der Zinseszinseffekt auf unsere ursprünglich eingesetzten 100.000 Euro satte 475.000 Euro Rendite, in den weiteren 30 Jahren dann nochmals 3,2 Millionen Euro oben drauf. Ja länger wird das Geld und den Zinseszinseffekt für uns arbeiten lassen, desto gewaltiger die Summe, die am Ende dabei herauskommt. Kein Wunder, dass ein Zahlengenie wie Albert Einstein von diesem Zinseszinseffekt dermaßen angetan war, dass er ihn als das achte Weltwunder bezeichnete.

»Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn.«
(Albert Einstein)

Um den Zinseszinseffekt für sich zu nutzen, hat den Investor zwei Möglichkeiten: Er kann die Barmittel, die ihm aus Zins- oder Dividendenzahlungen zufließen entweder selbst erneut anlegen oder er investiert in Kapitalanlage, die ihre erzielten Gewinne einbehalten und reinvestieren (thesaurieren).

Ausschüttung von Erträgen
Die Ausschüttung z.B. in Form von Dividenden stellt den Anleger vor zwei Probleme. Denn einerseits wird seine Rendite durch Steuern geschmälert, die auf die Dividenden fällig werden, und er muss für den ihm verbleibenden Teil eine neue Investitionsmöglichkeit suchen.

Thesaurierung von Gewinnen
Viele Anleger suchen daher bevorzugt nach Unternehmen, die den überwiegenden Teil ihrer Gewinne einbehalten und über möglichst lange Zeiträume profitabel reinvestieren können. So fällt keine vorzeitige Versteuerung von Ausschüttungen an, sondern die Versteuerung trifft den Anleger erst beim Verkauf, wenn er seine angesammelten Kursgewinne realisiert. Der Zinseszinseffekt tritt hier also im Unternehmen selbst ein, weil die erwirtschafteten Gewinne dort wieder reinvestiert werden und selbst weitere Gewinne erwirtschaften.

Warren Buffett hat diesen Effekt wie kein zweiter ausgenutzt, indem er den Buchwert je Berkshire Hathaway-Aktie von 19 Dollar im Jahr 1965 auf über 220.000 Dollar im Jahr 2015 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von knapp 20% gesteigert hat. Berkshire Hathaway zahlt deshalb auch keine Dividenden und seine Aktionäre können froh darüber sein. Denn durchschnittliche 20% über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren hätte keine andere Anlage gebracht. Auch nicht unter Einbeziehung des Zinseszinses.

Anleger sollten daher auf die Kraft des Zinseszinses setzen bei ihren Investitionen. Sie ist die Treibkraft, die aus kleinen Beträgen große Vermögen schafft.

Kommentare:

  1. Wollte mal unabhängig vom Artikel dich loben, ich bin öfters die Woche auf deinem Blog und freue mich über deine kompetente Art. Geschimpft ist schnell, gelobt wird selten.
    Möchte dich hiermit motivieren unbedingt weiter zu machen!
    LG aus München

    AntwortenLöschen
  2. Schließe mich Frank an. Gute Seite!

    AntwortenLöschen
  3. Über Facebook sehe ich immer was Du aktuell schreibst. Mache weiter so, so lernen wir alle von Dir. Freue mich auf viele gute BDC Stories.

    AntwortenLöschen
  4. Von mir auch ein großes lob und vielen Dank dass du dein Wissen mit uns teilst!

    AntwortenLöschen
  5. Diese Seite ist eine der Besten (wenn nicht DIE Beste) im deutschsprachigen Raum was das Thema Value Investing angeht! Auch von mir großes Lob! Macht bestimmt sehr viel Arbeit.

    Sicherlich wäre es in der Phase des Vermögensaufbaus am besten wenn man Nicht-Dividenden-Zahler kaufen würde. Allerdings stellt sich hier das Problem, dass man erst hinterher wissen kann ob das Investment gut war. Studien zeigen, dass stetige Dividendenzahler die Nicht-Zahler himmelweit outperformen...
    Nicht viele Nicht-Zahler entpuppen sich nach Jahren als eine Berkshire, Markel oder Danaher. Die Mehrzahl dürfte schlecht abschneiden.
    Stetige Dividendenzahlungen sind eben auch ein gewisser Beweis, dass das Geschäftsmodell tragfähig ist. Und man hat mit der Zeit immer weniger Capital at Risk. Ich habe z.B. die Hälfte meiner Allianz Aktien bereits in Form von Dividenden wieder zurückgezahlt bekommen.

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Michael,

    ich schließe mich auch den anderen an. Ich komme regelmäßig hierher. Du vermittelst soviel Wissen, wie keine andere Webseite zum Thema Value Investing. Ich wünsche dir viel Gesundheit und mach bitte weiter so.

    AntwortenLöschen
  7. Hallo,

    muss sagen, guter und knackiger Content. :-) Das Wachstum der Zinses-Zinsen ist wirklich gewaltig. Die meisten Menschen sind sich dessen exponentiellen Wachstum gar nicht bewusst und sorgen mit Konsum-Verbindlichkeiten dafür, das der Zins und Zinses-Zins gegen sie arbeitet. Das 8.Weltwunder ist Segen und Fluch zugleich. Segen für die, die ihn zu verstehen wissen und Vermögen mehren; Fluch für die, die unwissenden sind und verzinste Schulden generieren.

    AntwortenLöschen
  8. Es ist in der heutigen Zeit wirklich selten, dass jemand uneigennützig hilfreiche Ratschlage gibt. Denn entweder will der Betreffende doch etwas verkaufen ("geben Sie hier Ihre Mail-Adresse ein, für mehr Informationen.."), oder es sind einfach dumme Spinner, die sich wichtig machen.
    Daher wirklich ein ganz, ganz dickes Lob an Herrn Kissig und vielen Dank für seine wirklich neutralen Tipps.
    Bitte weiter so-und alles Gute für Sie!

    AntwortenLöschen