Montag, 8. Oktober 2018

Aktienrückkaufprogramme: Positive Effekte mit Nebenwirkungen und Besonderheiten...

Wenn die Aktionäre auf der Hauptversammlung dem Vorstand grünes Licht geben, im genehmigten Umfang eigene Aktien kaufen zu können, und das Unternehmen dies dann umsetzt, spricht man von einem Aktienrückkauf. Dieser ist in der Regel auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt und oft wird ein Höchstkurs für die zurückzukaufenden Aktien vorgegeben. Und nach geltendem deutschem Recht darf eine Aktiengesellschaft nicht über mehr als 10% ihres eigenen Grundkapitals verfügen.

Anleger lieben Aktienrückkäufe
Aktienrückkaufprogramme sind bei Anlegern aufgrund ihrer positiven Nebenwirkungen in der Regel sehr beliebt, weil sie durch die zusätzliche Nachfrage nach den Aktien des Unternehmens tendenziell zu steigenden Kursen derselben führen. Jedenfalls, wenn der faire Wert des Unternehmens oberhalb des aktuellen Aktienkurses notiert. Darüber hinaus repräsentiert nun jede andere Aktie einen höheren Anteil am Unternehmensgewinn, weil das Unternehmen ja keine Gewinne an sich selbst ausschüttet, und die Gewinn bezogenen Bewertungskennziffern sinken entsprechend, wie zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Als direkte Folge steigt auch der faire Wert der Aktien.

Daher werden Aktienrückkäufe oft auch als Alternative zu Dividenden angesehen. Sie bleiben zunächst auch steuerfrei, bis die Aktien irgendwann verkauft werden und dann auf die erzielten Kursgewinne Kapitalertragsteuer anfällt.

»Keine andere Maßnahme nützt Aktionären so viel wie Aktienrückkäufe. Sofern das Unternehmen über ausreichend Liquidität für das operative Geschäft verfügt und die Aktie mit einem nennenswerten Abschlag auf den inneren Wert notiert - konservativ gerechnet.«
(Warren Buffett)

Ein paar Aspekte sind aber dennoch zu beachten, damit die Freude über Aktienrückkäufe nicht getrübt wird.


Was tun mit den eigenen Aktien?
Wenn das Unternehmen nun im Besitz eigener Aktien ist, kann es diese entweder als Akquisitionswährung bei Firmenübernahmen verwenden oder aber es kann die Aktien einziehen. Das bedeutet, dass sie aus dem Verkehr genommen werden und sich die Anzahl der Aktien verringert, so dass jede einzelne verbliebene Aktie dauerhaft einen prozentual höheren Anteil am Unternehmen darstellt. Darüber hinaus sinkt durch das Einziehen der Anteil an selbst gehaltenen Aktien und es können wieder neue eigene Aktien angekauft werden, auch wenn die 10-Prozent-Grenze zuvor bereits erreicht wurde. Denn diese bezieht sich immer auf die Gesamtzahl der ausgegebenen Aktien.

Allerdings können zurückgekaufte eigene Aktien vom Unternehmen auch anders verwendet werden. Zum Beispiel zur Bedienung von Mitarbeiteroptionsprogrammen oder einfach nur zur Kurspflege. Beides sind durchaus zweischneidige Schwerter.

Legt das Unternehmen ein Optionsprogramm für Mitarbeiter und/oder Vorstand auf, verwässert die Wandlung dieser Optionen natürlich die Anteile der übrigen Aktionäre. Ärgerlich, wenn die Optionen zu unvertretbar niedrigen Wandlungspreisen ausgegeben werden - wenn der Mitarbeiter also für $1 optionieren kann, um die Aktie umgehend zum Marktpreis von z.B. $10 zu verkaufen. Noch blöder ist es allerdings, wenn das Unternehmen diese neuen Aktien nicht durch Ausgabe neuer Aktien zuvor "erschafft", sondern selbst über die Börse für $10 zurückkauft.

Bei der Kurspflege kommt es entscheidend darauf an, ob die Aktien über oder unter ihrem fairen Wert gekauft werden. Ist die Aktie $10 wert, das Unternehmen kauft sie jedoch über die Börse für $15 zurück, stellt diese Maßnahme keine Wertschöpfung für die Aktionäre dar. Im Gegenteil, es wird hier Geld verbrannt.

Anleger sollten sich also nicht von Aktienrückkäufen blenden lassen, sondern auch hier genau(er) hinsehen. Das erspart vielleicht so manches böse Erwachen...

USA: Blackout-Periode für Aktienrückkäufe
Eine gesetzliche Besonderheit gibt es in den USA. Dort ist es Unternehmen untersagt, rund um die Berichtssaison herum eigene Aktien zurückzukaufen; sie dürfen fünf Wochen vor und noch zwei Tage nach Vorlage ihrer Ergebnisse keine Aktienrückkäufe vornehmen.

Diese sinnvolle Regelung, um Marktbeeinflussung durch die Unternehmen von vornherein zu unterbinden, hat natürlich auch eine Schattenseite. Denn da Aktienrückkäufe ein immer beliebteres Mittel der Unternehmen ist, ihre Aktionäre am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen, stellen sie inzwischen durchaus einen eigenen Markt beeinflussenden - stützenden - Faktor dar. Und durch die erzwungene Blackout-Phase kann dies in der betreffenden Börsenzeit zu verstärkter Volatilität führen. Insbesondere im Herbst, wenn ohnehin die Märkte zu größerer Nervosität neigen als in den anderen Monaten.

Anleger sollten dies also mit auf der Rechnung haben, und ggf. diese Blackout-Phase für ihren günstige(re)n Einstieg in die ausgesuchten Unternehmen wählen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    Danke für die gute Erklärung!

    Gibt es denn irgendwo eine Übersicht oder Publikationen, aus denen man ersehen kann, was ein Unternehmen mit zurückgekauften Aktien macht?

    Oder muss man bei jedem einzelnen Programm / Unternehmen im Geschäftsbericht nachschauen - dann würde man das ja aber erst nach dem erfolgten Kauf wissen!?

    Viele Grüße
    Thorsten

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Unternehmen behält sich bei Ankündigung des Aktienrückkaufprogramms zumeist vor, alle erdenklichen Verwendungen gem. des zuvor von der Hauptversammlung gefassten Beschlusses nutzen zu können. Mit dem Rückkauf selbst erfolgt noch zweiter Schritt - die Aktien sind erstmal "nur" im eigenen bestand und finden damit keine Anrechnung mehr bei der Gewinnverteilung.

      Wenn die Aktien später eingezogen werden und damit vernichtet, muss dieses auch formal umgesetzt werden. Das heißt, dass die verminderte Anzahl der Aktien bzw. die Reduzierung des Grundkapitals im Handelsregister eingetragen wird - darüber muss das Unternehmen dann auch den Kapitalmarkt informieren. Zunächst über die Absicht und später über die erfolgte Eintragung. So "nebenbei" kann das Unternehmen die Aktien also nicht einfach laufend einziehen...

      Löschen
  2. Vielen Dank für den guten Beitrag.

    Covestro kauft aktuell Aktien im Wert von 10% des Grundkapitals zurück und hat auch beschlossen, dass diese größtenteils eingezogen werden (siehe:

    http://mobile.dgap.de/dgap/News/cms/covestro-veroeffentlichung-einer-kapitalmarktinformation/?newsID=1089449

    D.h. wenn das Aktienrückkaufprogramm zu Ende ist, werden die Aktien erst eingezogen. Und erst nachdem das Geschehen ist wird das Grundkapital nach unten gesetzt und es kann ein neues Aktienrückkaufprogramm beschlossen werden.

    Sehe ich das richtig?

    Diese 10% Regelung gibt es nur in Deutschland?

    AntwortenLöschen