Montag, 30. Juni 2014

Börsenweisheit der Woche 26/2014

"Das Verhältnis von Wirtschaft und Börse ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund. Der Mann (Wirtschaft) geht stetig voran, der Hund (Börse) rennt vor und zurück".
(André Kostolany)

Mittwoch, 25. Juni 2014

Gewinne mitnehmen bei der Dresdner Factoring AG

Im Februar 2012 hatte ich die Aktien der Dresdner Factoring AG zum Kauf empfohlen und die Performance kann sich sehen lassen. Nach zwischenzeitlich zwei Übernahmeangeboten hat sich der Kurs seit geraumer Zeit zwischen 9 und 11 EUR eingependelt, und sich seit meiner Empfehlung zeitweilig mehr als verdreifacht.

Der Bericht zur Hauptversammlung gibt den aktuellen Stand des Unternehmens sehr gut wieder: nach wie vor ist die DFAG erfolgreich am Markt unterwegs, leidet aber unter Margendruck und weist inzwischen mit einem KGV von gut 16 keine zwingend günstigen Bewertungskriterien mehr auf. Für 2013 erhalten die Aktionäre auch keine Dividende und für nächstes Jahr geht man von 20 Cents je Anteilsschein aus. Magere 2 Prozent also für einen ehemaligen Dividendenstar.

Auch wenn das Unternehmen in einem interessanten Markt erfolgreich unterwegs  und die Bewertung nicht völlig überteuert ist, verbleibt auf dem derzeitigen Niveau weniger Potenzial als in der Vergangenheit. Zeit, die Gewinne mitzunehmen und woanders für sich arbeiten zu lassen. Ich streiche daher die DRAG  nach knapp zweieinhalb Jahren  mit rund 180 Prozent Zuwachs von meiner Empfehlungsliste.

Montag, 23. Juni 2014

Börsenweisheit der Woche 25/2014

"Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt".
(Charlie Munger)

Montag, 16. Juni 2014

Deutsche Telekom: Siechtum oder Renaissance?

Die Deutsche Telekom ist einer der großen Spieler im weltweiten Telekommunikationsmarkt. Ob Telefon, Mobilfunk, Internetzugänge oder TV-Entertainment, die Telekom bietet Endkunden jede Menge Möglichkeiten. Und auch Geschäftskunden werden Lösungen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie, Internet- und Cloud-Services angeboten.

Sorgenkind und in aller Munde ist die Mobilfunktochter in den USA, T-Mobile US. Nachdem der Verkauf an den großen Rivalen AT&T aufgrund von Kartellbedenken gescheitert war, fusionierte man mit dem fünftgrößten Mobilfunkanbieter der USA, MetroPCS. Unter dem neuen Chef John Legere macht T-Mobile US Furore und nimmt nach Jahren der Kundenverluste den Konkurrenten wieder deutlich Marktanteile ab. Verluste fährt man nach wie vor ein. Inzwischen wurde der US-Konkurrent Sprint vom Internetgiganten Softbank übernommen und strebt nun seinerseits die Übernahme von T-Mobile-US an. Zusammen wäre man "nur" der drittgrößte Anbieter in den USA sein, so dass die Chancen auf eine Genehmigung höher anzusiedeln sind, als beim seinerzeitigen Übernahmeversuch durch AT&T. Medien berichten von einem angeblichen Übernahmevolumen von 32 Mrd. USD.

Dieses Szenario würde für die Telekom erhebliche Vorteile bieten. Nicht nur, dass man erhebliche Mittel erhalten würde, um die hohe Verschuldung abzubauen und so seine Bonität und Finanzierungskosten zu senken, man würde sich auch die anstehenden enormen Investitionen in das US-Netz sparen. Reduzierte Investitionen und geringere Finanzierungskosten würden den ausschüttungsfähigen Cashflow deutlich ansteigen lassen und die Telekom wieder in die Lage versetzen, eine höhere Dividende auszuschütten. Diese hatte die Telekom letztes Jahr von 0,70 auf 0,50 EUR je Aktie gesenkt, nachdem sie zuvor bereits aus der Substanz Ausschüttungen vorgenommen hatte.

In das Geschäft in Europa muss die Telekom weitaus weniger investieren. Zwar steht hierzulande noch der weitere Ausbau des neuen Mobilfunkstandards LTE auf der Agenda, aber ein anderer Bereich wird vom Sorgenkind zur Goldgrube: Kupferkabel. Die Telekom verfügt über ein deutschlandweites Netz aus Telefonkabeln, ist der einzige flächendeckende Anbieter. Als Ex-Monopolist muss die Telekom alle anderen Anbieter zu staatlich regulierten Preisen in ihr Netz lassen - sie verdient also nicht nur an den über sie abgewickelten Telefonaten direkt, sondern auch indirekt an denen der Konkurrenz. Und das betrifft nicht nur das Telefonieren, sondern insbesondere auch das Internet. Seit Jahren schleppt sich der Ausbau mit Glasfaserkabeln in Deutschland vor sich hin, denn der flächendeckende Ausbau verschlingt Unsummen. Dabei sind es weniger die Glasfaserkabel, die entlang der Hauptstraße verlegt werden müssen, hier sind oftmals bereits Leerrohre verlegt worden oder die Kabel können kostengünstig "geschossen" werden, anstatt alles aufzugraben (und dieser Tiefbau ist der eigentliche Kostenblock, nicht die Kabel an sich). Das besonders Teure sind die Anschlüsse, die zwischen Verteilerkasten bzw. Straße und Haus erfolgen müssen. Diese kosten mehre tausend Euro und rentieren sich dem entsprechend bei Eigenheimen nicht, nur bei großen Wohnanlagen, wo die Anschlusskosten sich auf viele Nutzer verteilen. Hier sind denn auch viele private Anbieter unterwegs, die ihre Chance im Glasfaserausbau sehen. Oder sahen. In der Branche herrscht nämlich Katerstimmung, die Geschäftsmodelle sind ins Wanken geraten...

Denn eine neue Technik wirft die bestehenden Denkmodelle über den Haufen, aus dem alten Ackerweg wird mit minimalem (Kosten-)aufwand eine achtspurige Autobahn, ohne Tempolimit. Die Rede ist vom Vectoring. Dabei wird "der letzte Meter" zum Haus eben nicht mehr mit Glasfaserkabel überbrückt, sondern es wird auf die alten, in jedem Haushalt vorhandenen Kupferkabel gesetzt. Lediglich die alten Verteilerkästen an der Straße müssen erneuert und mit neuster Software bestückt werden. Und schon sind Geschwindigkeiten von 100 MB pro Sekunde möglich, also "das schnelle Internet". Und diese Entwicklung ist noch nicht am Ende, denn die Telekom prüft in Feldversuchen eine noch schnellere Variante, die bis zu 1.000 MB/s erlaubt.

Das Entscheidende an dieser Entwicklung ist, dass der Kostenaufwand vergleichsweise gering ist - weniger als ein Zehntel der für einen flächendeckenden Glasfaserkabelausbau benötigten Summe. Und dass das Netz für das schnelle Internet nun doch schon vorhanden ist, deutschlandweit, in jedem Haushalt. Und es gehört der Telekom!

Natürlich muss die Telekom auch weiterhin ihre Konkurrenten in ihr Netz lassen, auch weiterhin erhält sie dann lediglich den staatlich festgelegten Durchleitungspreis. Aber das bisher als alt und abgängig angesehene Kupferkabelnetz ist auf einmal wieder ein zukunftsfähiges Netz und die eigentlich drohenden Zig Milliarden für den Netzausbau schrumpfen auf einen überschaubaren Betrag zusammen. Das größte Asset der Telekom ist viel werthaltiger als bisher angenommen. Und die Investitionssummen in das Netz fallen erheblich geringer aus, so dass die Telekom viel schneller bei der Umstellung voranschreiten kann als dies bei einem Glasfaserkabelausbau der Fall wäre. Auch dies wird dem Cashflow sehr zugute kommen und die Ertragskraft der Telekom mittel- und langfristig erhöhen.

Aktuell notiert die Telekom bei 12,60 EUR und einem 2015er KGV von 18,9 sowie einer Dividendenrendite von 3,9%. Doch sie dürfte vor einer Neubewertung stehen. Die aktuellen Kennziffern werden schon bald überholt sein und die neue Ertragskraft wird sich hier widerspiegeln. Die Telekom wird von einem globalen zu einem europäischen Telekommunikationsanbieter und das Netz in Deutschland wird noch lange Jahre hohe Erträge in die Kasse des Unternehmens spülen. Und dieses Netz ist durch die neue Technik auf absehbare Zeit unangreifbar geworden, denn die Konkurrenten werden sich den Aufbau eigener Glasfasernetze weitgehend sparen, weil er schlicht zu teuer ist und zu wenig abwirft. Und so haben denn auch Vodafone, O2 und andere große bereits Abkommen mit der Telekom geschlossen, dass sie das neue "Vectoring-Netz" nutzen dürfen.

Die Deutsche Telekom betreibt wieder ein zunehmend langweiliges Geschäft, aber die Ertragsaussichten haben sich nachhaltig verbessert. Unabhängig davon, ob ihre Konkurrenten ihr im direkten Kundengeschäft den einen oder anderen Prozentpunkt bei den Marktanteilen abnehmen werden. Sie alle werden weiterhin das Netz der Telekom nutzen (müssen). Es gibt schlicht keine bezahlbare Alternative. Und das sind Aussichten, die ein Value-Investorenherz höher schlagen lassen, auch wenn die aktuellen Bewertungskennzahlen noch keine Unterbewertung der Aktie erkennen lassen wollen. Noch nicht...

Börsenweisheit der Woche 24/2014

"Aktienpreise schwanken stärker als Aktienwerte".
(Sir John Templeton)

Montag, 9. Juni 2014

Börsenweisheit der Woche 23/2014

"Die Zeche zahlen jetzt all jene, die Geld langfristig anlegen. Also die Sparer und die Besitzer von Lebensversicherungen.“
(Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts, zur Negativzins-Entscheidung der EZB)

Freitag, 6. Juni 2014

Ist Apple noch ein Investment wert?

Apple dürfte inzwischen jedem bekannt sein, bis vor kurzem war es die wertvollste Marke der Welt (das ist nun Google) und das nach Marktkapitalisierung teuerste Unternehmen. Nach dem Tod seines Gründers Steve Jobs hat Apple deutlich an Innovationskraft eingebüßt, es gab keine bahnbrechenden Neuerungen mehr, die auf iPod, iPhone oder iPad folgten, nur Gerüchte um anstehende Neuerungen. Doch Apple lebt nicht nur von seinem Kultstatus, der noch immer exorbitante Margen erlaubt, nach denen sich andere Hersteller sehnen, sondern auch von seinem eigenen abgeschotteten Kosmos - wer sich einmal auf Apple-Produkte einlässt, deren vernetzte Vorteile genießt und via iTunes in die Apple-Medienwelt eintaucht, der kann sich nur schwer wieder davon trennen. Emotional wie auf finanziell, denn es ist deutlich einfacher, ein neues Apple-Gerät zu integrieren als komplett auf andere Technik umzusteigen. Und bisher, Apples größter Vorteil, bleiben die Kunden dem Unternehmen treu, auch wenn es nicht mehr der Trendsetter und nicht mehr der Innovationsführer vergangener Tage ist. Für den Herbst ist jedenfalls mit neuer Hardware aus Cuppertino zu rechnen, und doch auch dann wird es Apple schwer haben, die Erwartungen zu erfüllen. Denn diese sind inzwischen dermaßen hoch angesiedelt, dass sie kaum zu toppen sind.

Apropos toppen: Apples letzte Quartalszahlen haben die Erwartungen getoppt und zwar deutlich. Und hier kommen wir zu dem Punkt, wo es für Investoren interessant wird. Apple verdient richtig viel Geld und der Geldberg, auf dem das Unternehmen sitzt, wächst weiter rasant an. Dies ist der ungebrochenen Nachfrage nach iPhones zuzurechnen, denn obwohl Apple Marktanteile im Smartphone-Markt verliert, verkauft es doch immer mehr Geräte, da der Mart an sich stark wächst. Und Apple ist eben kein Massenprodukt, sondern ein Premiumhersteller mit entsprechend hohen Margen. Hohe Stückzahlen sind nicht das Hauptziel, auch wenn Apple hier natürlich über die nachgelagerten Services, wie iTunes, auch bei iPad Minis oder den gerade in Asien erkauften älteren iPhone-Modellen dann weiteres Geld verdient. Fast 44 Mio. Smartphones hat Apple zwischen Januar und März verkauft und stolze 57 Prozent der Erlöse stammen inzwischen aus diesem Bereich.

Und hier kommen wir zu den nackten Zahlen: der iPhone-Hersteller konnte im traditionell eigentlich ruhigen zweiten Finanzquartal beachtliche 45,6 Mrd USD einnehmen bei einem Gewinn von 10,2 Mrd USD. Die Cash-Maschine läuft also ungebrochen und Apple-Chef Tim Cook hatte einige Goodies für die Aktionäre im Köcher, wie er Apples Cashreserven von 145 Mrd. USD an den Mann bringen möchte: zunächst wird das Aktienrückkaufprogramm von 60 auf 90 Mrd. USD ausgeweitet, dann wurde die Quartalsdividende angehoben und es erfolgt ein Aktiensplit im Verhältnis 1 zu 7. Wer heute 100 Aktien im Depot hat, wird am Montag 700 haben. Der Kurs wird sich natürlich entsprechend anpassen, so dass unter dem Strich der eigentliche Wert sich nicht verändert haben wird. Allerdings wird die Apple-Aktie dann wieder unter 100 USD notieren und optisch so günstig sein, dass sie mehr Anleger anlocken dürfte. Und es besteht die Aussicht, dass Apple sogar in den Dow Jones Index einziehen wird, was für eine erhöhte Aufmerksamkeit und einen zusätzliche Nachfrage der Indexfonds sorgen würde.

Dem Kurs haben die vielen positiven Nachrichten jedenfalls schon sehr gut getan, er ist deutlich angezogen. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei 2 Prozent und das KGV für 2015 bei etwa 14, das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis bei mehr als 10. Das sind keine überragenden Werte, aber teuer ist das Unternehmen auch nicht. Für einen Wachstumswert sind derartige Bewertungen auf jeden Fall moderat. Nur ist Apple noch ein Wachstumswert oder eher einer dieser großen Tech-Dinos, wie IBM oder Microsoft?

Die Frage ist, ob Apple es schafft, mit seinen bisherigen Produkten seine Kunden weiterhin an sich zu binden und zusätzlich weitere Kundengruppen zu erschließen. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch, gerade nach iPhones, und die Zufriedenheit der Kunden mit ihren Apple-Produkten ebenso. Die neuen Produkte dürften auch neue Kundengruppen erschließen und die jüngst erfolgte Beats-Übernahme zeigt, dass sich Apple die Erhaltung seines Mikrokosmos einiges kosten lassen wird, denn man hat hier wohl überwiegend auf den Streaming-Dienst gezielt und weniger auf die Bass-Kopfhörer, für die Beats bekannt ist. Dass Apple nun bei jungen Leuten dank dieser Übernahme "hipper" ist, ist nur ein netter Nebeneffekt. Viel wichtiger ist, dass es Apple kürzlich gelungen ist, endlich auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Denn seit Januar bietet China Mobile Apples Geräte an und obwohl Apple hier wohl deutliche Zugeständnisse machen musste, wächst der Absatz gerade in China rasant. Ein riesiger Markt, der nun auch für die Geräte und die Apple-Welt geöffnet wurde, so dass sich der Cash-Strom Richtung Apple noch vergrößern wird. Auch wenn die Margen hier niedriger sein dürften als bisher.

Fazit: Apple ist mehr als ein reiner Smartphone-Hersteller, Apple dringt zunehmend in die Vernetzung aller Medien ein und wer sich einmal in diesem Apple-Universum eingefunden hat, der bleibt. Gleichzeitig erschließt sich Apple neue Käuferschichten, insbesondere in dem Riesenmarkt China, und genießt weiterhin Kultstatus. Es kommen große Mengen frischen Geldes herein und die Margen sind weiterhin rekordverdächtig hoch, auch wenn sie nicht mehr die absoluten Höchstwerte vergangener Jahre erreichen, als Apple quasi keine Gegenspieler im Smartphone-Markt hatte. Darüber dürfte das ausgeweitete Aktienrückkaufprogramm kursfördernd sein und der am Montag erfolgende Aktiensplit die Aktie für viele noch attraktiver machen. Über den Sommer werden die Spekulationen um die neuen Apple-Produkte, insbesondere das neue iPhone, das Interesse am Köcheln halten und zusammen mit der enormen Ertragskraft und der attraktiven Bewertung des Unternehmens sollte sich ein Investment in den Tech-Giganten rentieren. Auch wenn keine Durchschnittsrenditen von 37 Prozent pro Jahr mehr zu erwarten sind.

Ich nehme Apple auf meine Empfehlungsliste.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Deutsche Rohstoff AG: antizyklisches Value-Investment

Deutsche Rohstoff AG? Klingt nach einem Widerspruch in sich, denn wenn Deutschland etwas nicht hat (außer Kohle), dann sind das Rohstoffe. Jedenfalls nicht im globalen Maßstab.
Aus der Unternehmenspräsentation: Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) ist eine Holding, deren Ziel es ist, einen international tätigen, diversifizierten, neuen deutschen Rohstoffproduzenten aufzubauen. Dazu werden bereits in der Vergangenheit erkundete Lagerstätten (wieder-)erschlossen und kleinere, bereits in Produktion oder kurz davor stehende Minen hinzugekauft. Geplant ist dabei neuste Bergbau-Technologie zu nutzen. Der Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Öl & Gas sowie Hightech-Metalle wie Seltene Erden, Zinn und Wolfram. Der Konzern agiert dabei als Holding, die bereits bestehende Gesellschaften kauft oder neue Projekte selbst entwickelt und deren Finanzierung übernimmt. DRAG unterhält Unternehmensbeteiligungen, Produktionsstätten oder Bergbauprojekte in politisch stabilen Ländern wie Deutschland, Australien, Kanada und den USA. Die Holding produziert Wolfram und Molybdän-Konzentrate in Australien sowie Erdöl, Erdgas und Erdgaskondensate in den USA.
Das 2006 gegründete Unternehmen ist durchaus erfolgreich. So wurde 2011 in Australien das Goldsuchen eingestellt und die entsprechende Tochter gut verkauft und jüngst hat man einen Riesendeal abgeschlossen: Tekton Energy, die 72-prozentige Tochter der Deutsche Rohstoff, hat ihre Vermögenswerte, also ihre Explorations- und Fördergebiete im Wattenberg-Feld verkauft. Tekton hat von Extraction Oil & Gas aus Denver bereits 220 Mio. USD erhalten, behält aber seinen Anteil von 560 Acres (2,3 qkm) an der Fläche im sogenannten Magpie-Gebiet südlich von Windsor. Das Gebiet wird vom Management als äußerst prospektiv angesehen. Extraction hat dafür ein Vorkaufsrecht, welches vor Beginn des geplanten Bohrprogramms, spätestens im März 2015 ausgeübt werden muss. Sollte Extraction davon Gebrauch machen, erhält Tekton weitere 60 Mio. USD.

Die Gesellschafter der Tekton haben nun beschlossen, die Mittel auszukehren. Zum einen wird ein Darlehen der Deutschen Rohstoff AG an Tekton von 39 Mio. USD zurückgezahlt und dann fließt der Deutschen Rohstoff USA, einer 100%-Tochter der Deutschen Rochstoff AG, 129 Mio. USD an Ausschüttung zu.

Insgesamt fließen der Deutschen Rohstoff aus diesem Deal also rund 168 Mio. USD zu, während 1,5 Mio. USD in der Tekton verbleiben, um dort neue Geschäfte im Öl- und Gasbereich in den USA anzugehen.

Allerdings läuft außerhalb der Tekton nicht alles nach Plan. So gab unlängst die Rhein Petroleum GmbH, eine 10%-Beteiligung der Deutschen Rohstoff AG, bekannt, dass nach dem Abschluss von ersten Produktivitätstests bei ihren beiden Bohrungen "Stockstadt 2001" und "Allmend 1" in Riedstadt-Crumstadt die Arbeiten vorerst ruhen, da nicht die erwartete Menge Öl an die Oberfläche gebracht werden konnte. Und heute kam die Meldung, dass man seine Wolfram-Mine in Australien losschlagen wolle. Hierzu würden Verhandlungen geführt und der Verkauf könne bereits kurzfristig zustande kommen - und zwar möglicherweise sogar unterhalb des Buchwertes.

Parallel gab die Deutsche Rohstoff AG heute auch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 bekannt und die schockieren - auf den ersten Blick. Die Umsatzerlöse im Konzern stiegen 2013 auf 17,8 Mio.  EUR  (Vorjahr 3,1 Mio. EUR). Tekton Energy trug 9,0 Mio.  EUR  zum Umsatz bei, Wolfram Camp 8,6 Mio.  EUR. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) liegt bereinigt um die einmaligen Kosten für die Anleihebegebung (2,0 Mio. EUR ) bei 3,9 Mio.  EUR  (Vorjahr 2,3 Mio.  EUR). ABER... auf die Vermögenswerte von Wolfram Camp bzw. Tropical Metals wurde für 2013 eine außerplanmäßige Abschreibung im Konzernabschluss in Höhe von rund 4,4 Mio. EUR bzw. 10 Mio. EUR.  Das Konzernergebnis beläuft sich aufgrund der planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von 7,3 Mio. EUR auf -7,65 Mio. EUR (Vorjahr 2,3 Mio. EUR). Für die Deutsche Rohstoff AG bedeutet das unter dem Strich einen Jahresverlust in Höhe von -12,1 Mio. EUR (Vorjahr Jahresüberschuss 3,8 Mio. EUR). Das Eigenkapital nahm aufgrund des Konzernverlustes und der Verrechnung von Währungsverlusten auf 38,9 Mio. EUR (Vorjahr 48,9 Mio. EUR) ab.

Der Jahresverlust in dieser Größenordnung ist nicht nur überraschend, er hat auch die negative Konsequenz, dass keine Dividende ausgeschüttet werden darf. Die Aktie brach dann in der Spitze auch um gut 15 Prozent ein.

Doch dieser Ausverkauf dürfte übertrieben sein!

Denn der Tekton-Deal erfolgte in 2014, so dass die positiven Effekte hieraus selbstverständlich nicht in den 2013er Zahlen enthalten ist. Bewertet man die Deutsche Rohstoff AG zum heutigen Schlusskurs von 21,90 EUR bei 5,32 Mio. Aktien, ergibt dies eine Marktkapitalisierung von 116,5 Mio. EUR. Alleine aus dem Tekton Deal fließt dem Unternehmen ein Erlös von 123,5 Mio. EUR zu - was die gesamte Marktkapitalisierung mehr als abdeckt. Dazu gesellen sich die zum Verkauf stehende Mine Wolfram Camp sowie Tropical Metals, die Beteiligung an Rhein Petroleum und weitere Beteiligungen. Alles on Top!

Und, nicht zu vergessen, Tekton Energy. Diese wird in den kommenden Tagen in "Elster Oil and Gas" umbenannt werden. Die beiden Mitgründer Jerry Sommer und Earl Norris werden ihre Anteile an die Deutsche Rohstoff USA veräußern, die dann 93 % an der Gesellschaft halten wird, der Rest entfällt auf das Management. Dieses wird personenidentisch wie Cub Creek Energy besetzt - und das ist die neue "Spielwiese" im Öl- und Gasbereich in den USA. Denn die Deutsche Rohstoff hat in den USA dieses neue Unternehmen gegründet. Mitgründer von Cub Creek Energy sind die bislang für Tekton Energy tätigen Vice President Engineering, Robert Gardner, und der Vice President Land & Business Development, Scott Baily. Beide werden gemeinsam mit Dan Berberick, einem in den Zielgebieten sehr erfahrenen Erdölgeologen, das Management der Gesellschaft stellen. Die Gesellschaft wird den Schwerpunkt zunächst auf die Bundesstaaten Colorado (insbesondere Wattenberg-Feld), Utah und North Dakota legen, da das Management-Team dort bereits operativ tätig war und umfassende Erfahrung besitzt. Die Deutsche Rohstoff AG hält mit 74% die Mehrheit der Anteile. Die restlichen Anteile hat das Management übernommen, das sich auch wesentlich an der Finanzierung der Gesellschaft beteiligen wird. Cub Creek geht davon aus, noch im Laufe dieses Jahres erste Flächen sichern und mit der Entwicklung beginnen zu können.

In Kürze sollen darüber hinaus Einzelheiten zur neuen Ausrichtung bekannt gegeben werden. Dabei dürfte es neben den Öl- und Gasaktivitäten auch um das neue Projekt, der Gewinnung sog. Seltener Erden aus Gipshalden gehen.

Man könnte also sagen, die Deutsche Rohstoff AG habe Blut geleckt und will ihre Erfolgsstory im Öl- und Gasgeschäft in den USA fortschreiben. Das Potenzial hierzu hat sie und die nötigen Mittel nach dem Tekton-Deal erst recht. Man kann das Unternehmen zur Zeit mit einigem Abschlag auf seine Vermögenswerte kaufen und erhält noch interessante Explorationsprojekte als Bonus oben drauf. Dass es für 2013 keine Dividende geben wird, sollte zu verschmerzen sein. In Rede standen hier 10 Cents je Aktie, was eine Dividendenrendite von nicht einmal einem halben Prozent ausgemacht hätte. Handels- und Aktienrechtliche Beschränkungen lassen die Ausschüttung nicht zu, aber das Unternehmen will seinen Aktionären dennoch etwas Gutes tun und hat ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt, das noch im laufenden Jahr starten soll.

In der 2013er Bilanz stehen für DRAG rund 90 Mio. EUR an Verbindlichkeiten zu Buche bei einem Cashbestand von etwa 40 Mio. EUR. Hinzu kommen jetzt die Erlöse aus dem Tekton-Deal.

Fazit: es sollte sich hier die Chance bieten, mit Sicherheitsabschlag in ein interessantes Unternehmen im Bereich der Rohstoffexploration zu investieren. Aufgrund des Tekton-Deals kann man das Restgeschäft mit deutlich reduziertem Risiko erwerben und das zu einem Zeitpunkt, da die Rohstoffpreise überwiegend eine längere Talfahrt hinter sich haben. Aus einem möglichen Anziehen der Weltmarktpreise würde sich zusätzliches Potenzial für das Unternehmen und den Aktienkurs ergeben, so dass die Chancen die Risiken deutlich überwiegen dürften. Ich halte die  Deutsche Rohstoff für eine interessante Depotbeimischung für langfristig orientierte Investoren und nehme  das Unternehmen daher auf meine Empfehlungsliste.

Montag, 2. Juni 2014

Börsenweisheit der Woche 22/2014

"Investiere in der Zeit des größten Pessimismus".
(Sir John Templeton)