Donnerstag, 30. Juli 2015

Bei der H.P.I. Holding ist ganz schön was im Busch

Die H.P.I. Holding ist eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt auf der Fassring-Produktion - da ist man inzwischen unangefochten Europas Marktführer. Und sie ist für die Leser meines Blogs keine Unbekannte, denn vor etwas dreieinhalb Jahren stellte ich sie hier erstmals als schön langweiliges Beteiligungsdornröschen vor. Nach anfänglichen rasanten Kurssteigerungen aufgrund operativer Erfolge und Firmenzukäufe, lief es zuletzt nicht mehr so rund und zusätzlich wurde durch zwei Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre das Stammkapital erheblich verwässert. Letztlich habe ich die Aktien dann auf meiner Empfehlungsliste auf Beobachtung gesetzt - mit negativem Ausblick, würden die Ratingagenturen sagen.

Doch alte Liebe rostet nicht und so blicke ich mit einem Auge durchaus noch auf "mein Dornröschen" und ob es vielleicht doch irgendwann einmal aus dem Tiefschlaf wachgeküsst wird. Und vielleicht hat sich nun ein wackerer Ritter gefunden, der das Dickicht durchdringen und Dornröschen erlösen kann? Die Anzeichen dafür mehren sich, auch wenn es noch nur Vermutungen sind. Doch der Reihe nach...

 H.P.I. Holding (Quelle: comdirect.de)
05.11.2014 Vorstandserweiterung
Ende letzten Jahres verkündete die H.P.I., Holding der Vorstand würde verstärkt werden. Dabei handelte es sich um Konstantin Winterstein, der zum Vorstand für das operative Geschäft und das technische Beteiligungsmanagement bestellt wurde. Der Diplomingenieur hält einen M.B.A. und war über 15 Jahre für ein deutsches Automobilunternehmen tätig, zuletzt in Führungspositionen im operativen Bereich und im Bereich Zulieferindustrie.

03.07.2015 Kapitalerhöhung
Die H.P.I. Holding beschließt eine Bar-Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre und zwar um gut 10% oder 2 Mio. EUR. Sämtliche neu ausgegebenen 2.080.000 Aktien wurden preislich in enger Anlehnung an den Börsenkurs ausgegeben und vollständig platziert. Man kann nun prächtig darüber spekulieren, ob es "institutionelle Anleger" waren, die die Aktien abnahmen, oder aber es sich doch eher um eine Beteiligung des Neu-Vorstands Winterstein handeln könnte, der sich nach einem halben Jahr der gegenseitigen Prüfung auch als Miteigentümer in "sein" neues Unternehmen einbringen möchte. Immerhin soll er ja den Bereich der Zukäufe und Übernahmen verantworten und genau dafür stehen die zusätzlichen Geldmittel nun bereit.

31.08.2015 Letzte Hauptversammlung der H.P.I. Holding
Am letzten Tag im Augst wird die diesjährige Hauptversammlung stattfinden und der Vorstand schlägt eine Dividendenzahlung von 5 Cents je Aktie vor - man könnte jetzt fragen, wieso die gerade erst im Juli 2015 ausgegebenen neuen Aktien auch schon für 2014 dividendenberechtigt sein sollen, was ich für mehr als ungewöhnlich halte. Aber auch für eine Stütze meiner Winterstein-These. Interessanter ist allerdings, was in der zumindest auf der Homepage der H.P.I Holding veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung enthalten ist. Denn die Zeichen stehen auf Umbruch...

.: Unter TOP 6 Wahlen zum Aufsichtsrat müssen gleich zwei der drei Kontrolleure neu gewählt werden, da zwei Amtsinhaber ihre Mandate zum 31. August vorzeitig niederlegen.

.: Unter TOP 7 soll erneut die Ermächtigung zur Erhöhung des Kapitals ("genehmigtes Kapital 2015") gegeben werden und die Gesellschaft soll das Recht erhalten, bis zum 30. August 2020 das Grundkapital durch ein- oder mehrmalige Ausgabe neuer auf den Inhaber lautenden Stückaktien (Stammaktien) gegen Bar- und/ oder Sacheinlagen um bis zu Euro 3.120.000,00 zu erhöhen, ggf. unter Ausschluss des Bezugsrechts für die Altaktionäre.

.: Unter TOP 8 geht es um das bei der letzten Hauptversammlung genehmigte zusätzliche Kapital ("genehmigtes Kapital 2014") und wer gedacht hat, dieses würde nun gestrichen, da man ja unter TOP 7 neues Kapital beschließen würde, rutscht auf der falschen Seite des Rasiermessers ins Tal. Denn die H.P.I Holding scheint einen enormen Kapitalhunger zu entwickeln und das aktuell noch genehmigte Kapital 2014 von 8.120.000 EUR soll weiterhin zur Verfügung stehen. Beide Maßnahmen zusammen würden also bei vollständiger Platzierung eine Ausweitung des Stammkapitals um weitere gut 50 Prozent bedeuten!

.: Unter TOP 9 kommt nun das Ende der H.P.I. Holding AG, wo lapidar die Firmierung geändert werden soll in "Ringmetall AG".

Und fast in einem Nebensatz geht unter, dass künftig ausgegebene Aktien auch als Vorzugsaktien begeben werden können.

Mein Fazit
Schaue ich mir die Abfolge der letzten Ereignisse an und beziehe die erheblichen Änderungen und neuen Weichenstellungen mit ein, die die Hauptversammlung beschließen soll, dann drängen sich mir ein "Kulturwandel" bei der H.P.I Holding AG Ringmetall AG auf. Ich habe den Eindruck, hier soll mit neuem Personal und neuem Elan ein deutlich größeres Rad gedreht werden als bisher. Die momentan noch recht einseitige Festlegung auf die Berger-Gruppe (Spannringe) begrenzte das Wachstum alleine schon aufgrund des erreichten fast monopolartigen Marktanteils in Europa. Hier kann man entweder durch Zukäufe in Übersee wachsen oder durch die massive Stärkung des neuen zweiten Standbeins, der HMS Sauermann. Sofern es nicht sogar um den Aufbau eines dritten Standbeins gehen sollte - jedenfalls wird es sich wohl um Metallverarbeitung handeln, so viel verrät der neue Firmenname auf jeden Fall.

Warten wir mal die Hauptversammlung ab, vielleicht wird aus dem "very extremly hidden Champion" ja doch noch eine "aufgeweckte Prinzessin". Und auch wenn es nebensächlich erscheint angesichts der möglichen anstehenden Veränderungen, so wäre es sehr wünschenswert, wenn das Unternehmen seine doch eher suboptimale Kapitalmarktkommunikation aufpeppen würde. Man könnte damit anfangen, Berichte zeitnah zu veröffentlichen und zwar nicht nur auf der eigenen Internetseite, sondern auch bei den einschlägigen Finanz-Nachrichten-Portalen. Zusätzlich auch Berichte über operative Erfolge oder Zukäufe der Tochtergesellschaften. Vielleicht könnte man die eigene Website auch so aktuell halten, dass man dort nicht mehr die Angaben per Dezember 2013 zu Aktienanzahl und Börsenkurs findet, sondern zeitnahe Informationen für Investoren anbietet. Und auch wenn man nicht gleich in ein höheres Börsensegment wechseln muss, so kann man durchaus regelmäßig Corporate News zu den Entwicklungen der Holding und der Töchter veröffentlichen.

Ich bin gespannt, ob und was sich hier so tut. Und vielleicht lautet dann mein nächster Bericht über die H.P.I. Holding AG Ringmetall AG ja "Dornröschen ist erwacht"...

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