Freitag, 24. Februar 2012

H.P.I. Holding AG: schön langweiliges Beteiligungsdornröschen

Über die H.P.I Beteiligungen AG stolperte ich unlängst im Datenbankteil der Börse Online, als ich diesen nach niedrigen KGVs bei gleichzeitig hohen Dividendenrenditen durchstöberte. Und ein 2012er KGV von 8 und eine Rendite von 9 findet man nicht alle Tage, also fing ich an zu recherchieren...

Firmenportrait
Die H.P.I. Holding AG ist die Muttergesellschaft von mittelständischen Produktions- bzw. Nischenunternehmen der H.P.I. Gruppe und als solche nicht operativ tätig. Zu ihren Aufgaben zählt die Unterstützung der in- und ausländischen Tochterunternehmen in den Bereichen Controlling, Kostenmanagement, Investitionen, Finanzierungen und Expansion. Zur Gruppe gehören die August Berger Metallwarenfabrik GmbH und die Zimmer + Kreim GmbH & Co. KG mit ihren jeweiligen Töchtern. Die August Berger Metallwarenfabrik produziert dabei Spannringe zum Verschluss von Kunststoff- und Metallfässern, während das Maschinenbauunternehmen Zimmer & Kreim Erodiermaschinen, Handlingsysteme und Softwarelösungen herstellt.

Ganze zwei Beteiligungen? Das klingt nicht sehr imposant, hat andererseits jedoch den Vorteil, dass H.P.I. keinen riesigen Gemischtwarenladen im Auge behalten muss, sondern sich auf seine Kernkompetenzen beschränken kann. Der zweite Blick ging auf die Beschäftigungsfelder der beiden 100-Prozent-Töchter und dabei konnte ich fast Warren Buffett schmunzeln sehen, als ich "Spannringe" und "Erodiersysteme" las. Ich kann mir Langweiligeres vorstellen, als Spannringe für Fässer herzustellen. Aber nicht vieles... Doch Buffett liebt langweilige Geschäftsmodelle, solange sie einträglich sind und die jeweiligen Unternehmen in ihren Nischen bzw. Märkten eine starke Markt- und/oder Markenmacht haben. Und Berger ist mit 70% Marktanteil in Europa in einer Position, dass jeder Fasshersteller bei dem Unternehmen Kunde ist. Doch gut ist nicht gut genug und so startete man vor Kurzem eine Niederlassung in China, um dort in neue Dimensionen zu wachsen. Doch auch in Europa solle aus viel noch mehr werden und so ist man in fortgeschrittenen Übernahmegesprächen mit einem deutschen sowie einem südeuropäischen Wettbewerber. Und auch H.P.I. selbst ist in Gesprächen über einen Zukauf, der signifikant zu Umsatz und Ertrag beitragen soll.

Geschäftsentwicklung
Die eigentlichen Geschäfte laufen bei den H.P.I.-Töchtern wieder rund, nachdem sie im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 massiv eingebrochen waren. Doch bei H.P.I. hat man die Zeichen der Zeit erkannt und die Töchter mit Kostensenkungsprogrammen fit für die Wirtschaftserholung gemacht, die dann 2010 auch eingetreten ist. Die Finanzkennzahlen zeigen, dass man auf einem hervorragenden Weg ist und das bei weiterem Potenzial auf der Kostenseite, so dass die Margen noch ausgebaut werden können.
  
Finanzkennzahlen
Kurs am 24.02.2012: 1,095 €
Anzahl der ausgegebenen Aktien: 15,6 Mio. Stück (Streubesitz: 57,64%)

Weitere wichtige Kennzahlen sind (Jahresabschluss 2010 nach HGB):
  • gezeichnetes Kapital: 15,6 Mio. €
  • wirtschaftliches Eigenkapital: 11,7 Mio. €
  • Eigenkapitalquote; 46,26%
  • Marktkapitalisierung: 17,08 Mio. €
  • liquide Mittel: 3,1 Mio. €
  • Bruttorendite; 5,47%
  • Dividende 2010: 0,10 €.




Die beiden Grafiken stammen von der H.P.I.-Website.

Meine Einschätzung
Die H.P.I. ist ein weiterer Micro-Cap auf den deutschen Kurszetteln, den man nicht ohne Mühe findet. Selten wird über diese kleinen Werte berichtet und man muss sich schon strecken, um an Informationen zu kommen. Aber die Mühe lohnt sich, jedenfalls bei H.P.I.

Die Gewinnprognosen von Börse Online für 2011 und 2012 liegen bei 0,18 und 0,13 € und für 2011 wird von einer konstanten Dividende von 0,10 € ausgegangen. Das 2012er KGV von 8,4 sowie die Dividendenrendite von 9,1% beziehen sich auf die heutige M.P.I. ohne Akquisitionen. Wenn diese erfolgen sollten, werden sie deutliche Auswirkungen haben und nach Einschätzung des Managements etwa 20 Mio. € zum Umsatz beitragen, was einer Steigerung um ein Drittel bezogen auf die 2010er Zahlen entspräche. Und die beiden Übernahmeziele sollen Vorsteuermargen zwischen 15 und 20% erzielen, so dass das Ergebnis überproportional zulegen dürfte.

Die Übernahmen sollen nach den Vorstellungen des H.P.I.-Vorstands ohne Kapitalerhöhung zu stemmen sein, allerdings müsste hierfür wohl - zumindest vorübergehend - auf die bisher sehr üppigen Dividendenrenditen verzichtet werden. Eine Kappung auf rund die Hälfte wäre denkbar, womit das Unternehmen noch immer auf eine Dividendenrendite von gut 4,5% käme. Im Gegenzug hierfür sollten sich die Zukäufe aber deutlich im Aktienkurs positiv bemerkbar machen, sollten die bisher kolportierten Zahlen so realisiert werden. Denn mit den zu erwartenden zusätzlichen Erlösen läge das 2012er KGV dann deutlich unter 5.

Mein Fazit
Das Management von H.P.I. hat in der Wirtschaftskrise Augenmaß und Weitsicht bewiesen und seine beiden "Perlen" hervorragend aufgestellt. Die attraktive Bewertung geht mit einer weit überdurchschnittlichen Dividendenrendite einher und zusätzlich bietet das Unternehmen neben dem eigenen starken organischen Wachstum der Töchter interessante Phantasien im Bereich möglicher Zukäufe. Mit der H.P.I. Holding sollten Langfristanleger sowohl unter Value- als auch unter Growthgesichtspunkten viel Freude haben - quasi das beste aus beiden Welten.

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