Freitag, 31. Juli 2015

Was ist... ein Margin Call?

Der Begriff Margin Call, also ein "Aufruf zur Sicherheitsleistung", stammt aus dem Devisenhandel, wo Broker einem Investor Kapital für dessen Spekulationen zur Verfügung stellen. Dafür muss der Investor eine Sicherheitsleistung zwischen 0,25% und 1% , die Margin, hinterlegen. Drohen nun Verluste aus den Handeslpositionen, die die Margin überschreiten würden, erfolgt ein Aufruf zum Nachschießen. Andernfalls werden die Handeslpositionen durch den Broker zwangsweise geschlossen.

Analog hierzu verhält es sich mit Wertpapierkrediten, bei denen Wertpapiere als Sicherheiten für den Kreditbetrag verpfändet werden. Fallen Kursverluste an, so dass die Sicherheiten unter den Kreditbetrag sinken, erfolgt der Margin Call - es muss Geld nachgeschossen werden, oder Wertpapiere verkauft werden, bis mindestens die Margin wieder höher ist als der restliche Kreditbetrag.

Chancen der kreditfinanzierten Spekulation
Kredite aufzunehmen, um dann mit diesem Geld Aktien oder womöglich noch spekulativere Finanzprodukte, wie Optionen, zu kaufen, ist verlockend, denn man kann mit geringem Einsatz eigenen Geldes große Spekulationssummen bewegen. Solange die Kurse in die gewünschte Richtung laufen, wachsen die Buchgewinne schnell an. Doch dieser sog. "Hebel" wirkt in beide Richtungen...

Risiken der kreditfinanzierten Spekulation
Und wo Chancen sind, sind auch Risiken. Wenn nämlich die Spekulation nicht aufgeht und sich die Kurse nicht wie erwartet entwickeln, dann türmen sich sehr schnell große Verluste auf. Unter Umständen so schnell, dass sie größer sind, als das eigene Kapital, das man ursprünglich zur Verfügung hatte. Die "Margin Call" ist dann eher als finanzieller Todesstoß zu verstehen, wenn man nicht noch irgendwo anderes Geld parat hat - nur um seine Verluste aus den riskanten Wetten abdecken zu können. Denn wenn der Broker anruft und frisches Geld einfordert, dann ja gerade zu dem Zeitpunkt, wo einem finanziell das Wasser eh bis zum Hals steht.

"Geliehenes Geld hat keinen Platz im Investoren-Werkzeugkasten.
An den Märkten kann jederzeit alles passieren."
(Warren Buffett)

Value Investoren meiden kreditfinanzierte Investments
Value-Investing ist auf mittel- und langfristige Sicht angelegt und nicht auf das Mitnehmen kurzfristiger Kursschwankungen. Wenn man nun für eine Aktie, die man jahrelang im Depot behält, 6,5% Zinsen pro Jahr für den Kredit bezahlen muss, muss die Aktie um diese 6,5% pro Jahr steigen, um nur die Kreditzinsen zu verdienen. Zusätzlich verliert man durch die Kreditfinanzierung seine Handlungsfreiheit, nämlich die Freiheit, nichts zu tun, Geduld zu haben, sein Geld für sich arbeiten zu lassen. Das Geld arbeitet bei auf Kredit finanzierten Wertpapieren gegen einen, das Chance-Risiko-Verhältnis ist deutlich negativ. Daher ist eine der "goldenen Regeln des Value Investings": kaufe niemals auf Kredit!

Kommentare:

  1. Nutzt nicht auch Warren Buffet in gewissem Umfang den Hebel des Fremdkapitals?

    Mein Effektenkredit bei der DAB kostet 2,25% - da sieht die Rechnung doch anders aus...
    Bei einer Rendite (Dividende und/oder Kurssteigerung) von 4,41%/Jahr bleiben nach KESt, Soli und Sollzins immerhin 1% Nettoertrag.

    Oder gibt's da einen Denkfehler?

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    1. Das Prinzip bleibt ja das gleiche, auch wenn der Zinssatz niedriger sein sollte. Wenn es zu einem massiven Kurseinbruch kommt und man den Kredit bis zum Maximum ausgereizt hat, dann kann das zum Totalverlust des Investments führen, wenn man zur Begleichung seiner Wertpapier-Kreditschulden eben diese Wertpapiere verkaufen muss. Denn damit sinkt ja auch gleichzeitig wieder die maximale Beleihungsgrenze für den Wertpapierkredit und erfordert ggf. weitere Verkäufe - in einen fallenden Kurs hinein.

      Warren Buffett nutzt keine Wertpapierkredite. Seine Investmentholding hingegen ist natürlich nicht ausschließlich über Eigenkapital finanziert, sondern begibt auch Anleihen und nimmt langfristige Darlehen zur Finanzierung auf. Diese Mittel fließen dann, wie auch die Gelder der Versicherungstöchter, wie General Re oder Geico in dann Cashpool des Unternehmens und stehen Buffett für seine Investments zur Verfügung.

      Aber wenn jemand ein Wertpapierdepot hat und gleichzeitig seine Immobilie bei der Bank abzahlt, dann ist dies ja auch keine direkte Kreditfinanzierung der Wertpapiere. In einer Gesamtbetrachtung würde man aber zu einer teilweisen Fremdfinanzierung des Vermögens kommen.

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  2. Ich misch mich auch mal kurz ein :)
    Der große Unterschied bei Buffet und seinen "gehebelten" Investments ist die Tatsache, dass er die geliehenen Mittel zu einem großen Teil - wie von Michael schon beschrieben - von seinen Versicherungstöchtern einsammelt. Das führt dazu, dass er für seine "Kredite" keine Zinsen zahlen muss. Besser noch - Buffet lässt sich das wie jedes Versicherungsunternehmen auch noch in Form von Gebühren, bzw. Überschüssen indirekt bezahlen.

    Beste Grüße
    Stefan

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    1. Genau, Stefan. Ich mache es ähnlich (auch wenn mir keine Versicherung gehört, die mir stetigen Cashflow aufs Konto spült zum Investieren), denn ich habe meine Aktien alle in meine GmbH eingebracht als Vermögen und die GmbH ist zu einem kleinen Teil auch mit mittel- und langfristigen Darlehen finanziert. Dieses Geld nutze ich weniger für das originäre operative Geschäft, sondern für meine Investments. Natürlich muss ich dabei immer im Blick behalten, dass ich die Darlehen bei Laufzeitende auch zurückzahlen und mich entsprechend frühzeitig darauf einstellen muss. Entweder durch Verlängerung der Kredite, durch Austausch der Kreditnehmer oder aber durch Reduzierung meines Portfolios zu einem Zeitpunkt, den ich wähle. Und danach kann ich eben keine Investments mehr eingehen in dieser Größenordnung, denn ich kann ja nicht bis zum 29.Dezember Aktien halten, wenn ich dieses Geld am 1. Januar zurückzahlen muss. Das wäre ja ein Kamikazekurs, denn ein starker Kurseinbruch würde mich ja zum Liquidieren zwingen, notfalls sogar mit Verlust. Daher setze ich die Fremdfinanzierung sehr behutsam ein und behalte sie stets im Auge. Cashmanagement eben.

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