Freitag, 24. April 2020

Charlie Munger rät zu Buy & Hold: "Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn du abwartest."

Charles Thomas Munger ist der kongeniale Geschäftspartner von Warren Buffett und beide setzen bei ihren Investments seit jeher auf Buy & Hold. Diese Anlagestrategie zielt darauf ab, Wertpapiere langfristig zu halten, womit das Risiko durch die Schwankungen an den Märkten gesenkt und die Erfolgsaussichten auf außerordentliche Renditen steigen.

Historische Daten belegen für für den S&P 500 zwischen 1926 und 2010 eine durchschnittliche jährliche Aktienrendite von 9,7 Prozent, während Staatsanleihen nur 5,6 Prozent p.a. brachten. Dabei unterliegen die Kurse in einzelnen Jahren durchaus heftigen Schwankungen, die auch schon mal 50 Prozent und mehr ausmachen können. Auch in diesen Phasen kann und sollte man nicht panisch verkaufen und versuchen, den Markt zu timen. Mit Geduld und Ruhe hat man in den letzten 90 Jahren jedenfalls nichts falsch gemacht am Aktienmarkt. Denn die durchschnittliche Überrendite von 4 Prozent pro Jahr erzielte man durch Nichtstun.

»Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn du abwartest.«
(Charlie Munger)
Dabei muss man wissen, dass zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagegewinne in einem relativ kurzen Zeitfenster entstehen, nämlich zwischen 2 und 7 Prozent der Anlagedauer. Die meiste Zeit über bringt eine Aktie also kaum Performance, während sie in kurzen Phasen deutlich ansteigt. Wer diese wenigen kurzen Phasen verpasst, lässt auch den Großteil der Gesamtrendite dieser Aktie liegen. Und senkt damit seine Durchschnittsrendite ganz erheblich ab.
»Es ist so gut wie unmöglich, mit Markt-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)
Das erfolgreichste Vorbild für klassisches Buy & Hold ist die Aktie von Buffetts und Mungers Investmentholding Berkshire Hathaway selbst. Als Buffett sie 1965 kaufte, stand sie im Tief bei 19 Dollar. 2015 war sie die mit Abstand teuerste Aktie der Welt und durchbrach die Marke von 220.000 Dollar. Buffett hat seine Aktien nie gesplittet. Und doch ist auch Buffetts Aktie nicht ohne größere Rücksetzer 50 Jahre lang nur angestiegen. Vielmehr gab es Phasen mit erheblichen Kurseinbrüchen, wie zwischen Juni 1998 und März 2000 als Berkshire Hathaway einen Maximum Drawdown von knapp 49 Prozent einstecken musste oder während der Finanzkrise im Jahr 2009, als vom Höchstkurs sogar 51 Prozent Kurseinbruch zu verzeichnen waren. Wer die Aktien damals verkauft hat, hat eigentlich alles falsch gemacht. Denn sie stieg nach diesen heftigen Kursabstürzen auf neue Höchststände und wurde zur teuersten Aktie der Welt. Keine andere Firma hat so viele Aktionäre zu Millionären gemacht - aber natürlich nur die, die ihre Aktien nicht in Panik verkauft, sondern auch in den Schwächephase Buffett die Stange gehalten haben. Diese Buy & Hold-Anleger wurden für ihre Geduld und ihre Ausdauer reichlich mit Kursgewinnen entlohnt.
»Richtiges Geld habe ich verdient, wenn ich Unternehmen über sieben, acht, neun Jahre gehalten habe. Du musst Aktien kaufen, wenn sie keiner haben möchte. Das ist das wahre Geheimnis. Es klingt sehr einfach aber es ist wirklich schwierig in die Tat umzusetzen. Wenn alle etwas hassen, dann kaufst du es. Und dann, wenn jeder die Aktie haben möchte, verkaufst du sie an diese Leute. Genau das machen wir.«
(Carl Icahn)
Charlie Munger und Warren Buffett wurden mit ihrem Investmentansatz Milliardäre und Buffett gehört seit vielen Jahren zu den reichsten Menschen der Welt. Allerdings ist er der einzige von diesen, der es nicht mit einer Geschäftsidee so weit gebracht hat, sondern durch Investieren: das Investieren in Werte, in Unternehmen. Er folgt diesem Investmentansatz seit mehr als 60 Jahren und er ist leicht zu kopieren, von jedermann. Jeder von uns kann erfolgreich mit Aktieninvestments werden, er muss nur langfristig agieren und konsequent dem Beispiel Charlie Mungers folgen und den Weg des Warren Buffett gehen: Buy & Hold.

Doch Buy & Hold bedeutet nicht, Kaufen und Vergessen. Vielmehr muss man sicherstellen, dass die Qualitäten des Unternehmens, in das man investiert hat, weiterhin Bestand haben. Buffett und Munger setzen daher auf Qualitätsunternehmen, auf Firmen mit einem starken ökonomischen Burggraben und hohen Cashflows bei solider Bilanz mit möglichst geringer Verschuldung.
»Value Investing ist der einfachste Weg zum Reichtum, doch nur wenige nutzen ihn. Niemand will langsam reich werden.«
(Warren Buffett)
Mit Qualitätswerten im Depot kann man ruhig schlafen und ziemlich sicher sein, dass sich sein Geld vermehrt. Mit der heißesten Cannabis-Aktie oder der angesagtesten Biotech-Rakete geht das nicht, deren heftige Kursausschläge zerren am Nervenkostüm und verleiten zu Aktionismus. Sie stehen damit im genauem Widerspruch zum Grundgedanken des Buy & Hold.



Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    könntest du mir/uns mal dein Motiv hinter Cisco vostellen? Bin aktuell auf der suche naCh einem cybersecurity unternehmen und habe bis auf googLe und Microsoft keinen Spezialisten. Denke aber das, dass Thema in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

    Viele Grüber

    Kevin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Falls Dich meine Meinung interessiert: Zscaler (Firewall in der Cloud), Crowdstrike (Antivirus in der Cloud) und Okta (Identifizierung und Zugriffsmanagement in der Cloud) sind meiner Meinung nach aktuell führend.

      Löschen
    2. Bei Cisco bin ich aktuell abwartend; ich kann überhaupt nicht abschätzen, wie sich deren Geschäfte entwickeln. Der Trend in die Cloud müsste die Nachfrage mächtig ankurbeln, anderseits könnte der Wirtschaftseinbruch für eine Zurückhaltung bei vielen Unternehmen bzgl. der Cisco-Produkte führen. 5G ist ein Megamarkt, aber wie Corona sich hierauf auswirkt, muss man abwarten (v.a. die Zeitschiene). Bzgl. Sicherheit wäre Cisco nicht meine erste Wahl, weil diese Sparte einen zu geringen Teil zu Ciscos Umsätzen beisteuert.

      Für mich steht Cisco - erneut - am Scheideweg: entweder man geht den Weg einer IBM hin zu latentem Siechtum, das nur noch über Zukäufe gepimpt werden kann, oder man kriegt die Kurve wie Microsoft und erfindet sich neu. Wie bei MSFT hängt man von einigen Blockbustern ab (bei MSFT waren das Windows und Office), aber MSFT hat diese abgeschotteten Produkte geöffnet und auf SaaS gesetzt. Wie Cisco bei Routern und Switches das Ruder herumreißen will, das sehe ich noch nicht. Arista ist hier sehr erfolgreich am Markt und Ciscos Transformation in diesem seinen Kernsegment bisher nicht überzeugend. Klar, wegen dieser Probleme/Bedenken und des eher lauen Wachstums wird die Aktie ja auch so moderat bepreist...

      Bzgl. Cybersecurity bin ich nach wie vor zu "short" aufgestellt in meinem Depot. Es fällt mir schwer, hier die Vor- und Nachteile der einzelnen Angebote zu verstehen. Also den Burggraben auszumachen, weshalb die eine Firma wachsenden Erfolg haben wird und die andere aufs falsche Pferd setzt. Hier finde ich die Analysen von Stefan Waldhauser immer sehr hilfreich; er sich hat ja auch ausführlich zu Scaler und CrowdStrike positioniert. Klingt für mich sehr spannend, nur ist die Bewertung immer unheimlich hoch. Und ob Corona jetzt wirklich gerade in diesem Bereich für einen Boom gesorgt hat, kann ich auch noch nicht abschätzen. Sicherheit war bei den meisten Firmen, die schlagartig auf Home Office umstellen mussten, wohl kaum oberste Priorität, sondern erstmal ausschließlich, dass es überhaupt funktioniert und alle Mitarbeiter überhaupt an den Start kommen. Und dann dürften auch viele Unternehmen jetzt massive wirtschaftliche Probleme haben und nicht wenige auch pleite gehen, die fallen als Kunden und Zahler ja aus. Hier bin ich gespannt auf die Zahlen und den Ausblick der Unternehmen und hoffe, dann die für mich "richtigen" Unternehmen erkennen zu können - dann muss nur noch der Kurs so tief sinken, dass ein Einstieg sich auch lohnt (als Aktieninvestment gesehen).

      Secunet hat den großen Vorteil, dass sie so viele Behörden als Kunden haben, die fallen als Zahler ja nicht aus. Und die Behörden erfahren auch gerade einen Digitalisierungsschock, denn die sind ja eher unterirdisch auf Home Office und digitales Arbeiten (v.a. bei der Kundennähe) eingestellt.

      Aber... ich habe bei allen Firmen dieses Sektors den Einstieg verpasst, als es Ende März so stark abwärts ging. Da waren so viele Aktien im Ausverkauf, da hatte ich den Fokus woanders und hab die Gelegenheiten verpasst. Zumindest bei Secunet; bei den anderen Werten bin ich ja noch in der Findungsphase...

      Löschen
  2. Danke für den Hinweis, werde mir die unternehmen mal näher anschauen.

    VG

    Kevin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Kevin,

      ich habe selbst Okta und ZScaler im Depot. Ansonsten kenne ich noch ein deutsches Unternehmen, Secunet (WKN 727650).

      Gruß
      Jens

      Löschen
  3. Okta sieht vielversprechend aus! Vielen Dank!

    AntwortenLöschen