Mittwoch, 27. Februar 2019

Charlie Munger rät zu Buy & Hold: Du machst kein Geld mit Traden, sondern mit abwarten!

Charles Thomas Munger ist der kongeniale Geschäftspartner von Warren Buffett und beide setzen bei ihren Investments seit jeher auf Buy & Hold. Diese Anlagestrategie zielt darauf ab, Wertpapiere langfristig zu halten, womit das Risiko durch die Schwankungen an den Märkten gesenkt und die Erfolgsaussichten auf außerordentliche Renditen steigen.

Historische Daten belegen für für den S&P 500 zwischen 1926 und 2010 eine durchschnittliche jährliche Aktienrendite von 9,7 Prozent, während Staatsanleihen nur 5,6 Prozent p.a. brachten. Dabei unterliegen die Kurse in einzelnen Jahren durchaus heftigen Schwankungen, die auch schon mal 50 Prozent und mehr ausmachen können. Auch in diesen Phasen kann und sollte man nicht panisch verkaufen und versuchen, den Markt zu timen. Mit Geduld und Ruhe hat man in den letzten 90 Jahren jedenfalls nichts falsch gemacht am Aktienmarkt. Denn die durchschnittliche Überrendite von 4 Prozent pro Jahr erzielte man durch Nichtstun.


»Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn Du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn Du abwartest.«
(Charlie Munger)

Dabei muss man wissen, dass zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagegewinne in einem relativ kurzen Zeitfenster entstehen, nämlich zwischen 2 und 7 Prozent der Anlagedauer. Die meiste Zeit über bringt eine Aktie also kaum Performance, während sie in kurzen Phasen deutlich ansteigt. Wer diese wenigen kurzen Phasen verpasst, lässt auch den Großteil der Gesamtrendite dieser Aktie liegen. Und senkt damit seine Durchschnittsrendite ganz erheblich ab.

»Es ist so gut wie unmöglich, mit Markt-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)

Das erfolgreichste Vorbild für klassisches Buy & Hold ist die Aktie von Buffetts und Mungers Investmentholding Berkshire Hathaway selbst. Als Buffett sie 1965 kaufte, stand sie im Tief bei 19 Dollar. 2015 war sie die mit Abstand teuerste Aktie der Welt und durchbrach die Marke von 220.000 Dollar. Buffett hat seine Aktien nie gesplittet. Und doch ist auch Buffetts Aktie nicht ohne größere Rücksetzer 50 Jahre lang nur angestiegen. Vielmehr gab es Phasen mit erheblichen Kurseinbrüchen, wie zwischen Juni 1998 und März 2000 als Berkshire Hathaway einen Maximum Drawdown von knapp 49 Prozent einstecken musste oder während der Finanzkrise im Jahr 2009, als vom Höchstkurs sogar 51 Prozent Kurseinbruch zu verzeichnen waren. Wer die Aktien damals verkauft hat, hat eigentlich alles falsch gemacht. Denn sie stieg nach diesen heftigen Kursabstürzen auf neue Höchststände und wurde zur teuersten Aktie der Welt. Keine andere Firma hat so viele Aktionäre zu Millionären gemacht - aber natürlich nur die, die ihre Aktien nicht in Panik verkauft, sondern auch in den Schwächephase Buffett die Stange gehalten haben. Diese Buy & Hold-Anleger wurden für ihre Geduld und ihre Ausdauer reichlich mit Kursgewinnen entlohnt.

» Richtiges Geld habe ich verdient, wenn ich Unternehmen über sieben, acht, neun Jahre gehalten habe. Du musst Aktien kaufen, wenn sie keiner haben möchte. Das ist das wahre Geheimnis. Es klingt sehr einfach aber es ist wirklich schwierig in die Tat umzusetzen. Wenn alle etwas hassen, dann kaufst du es. Und dann, wenn jeder die Aktie haben möchte, verkaufst du sie an diese Leute. Genau das machen wir.«
(Carl Icahn)

Charlie Munger und Warren Buffett wurden mit ihrem Investmentansatz Milliardäre und Buffett gehört seit vielen Jahren zu den fünf reichsten Menschen der Welt. Allerdings ist er der einzige von diesen, der es nicht mit einer Geschäftsidee so weit gebracht hat, sondern durch Investieren: das Investieren in Werte, in Unternehmen. Er folgt diesem Investmentansatz seit mehr als 60 Jahren und er ist leicht zu kopieren, von jedermann. Jeder von uns kann erfolgreich mit Aktieninvestments werden, er muss nur langfristig agieren und konsequent dem Beispiel Charlie Mungers folgen und den Weg des Warren Buffett gehen: Buy & Hold.

Doch Buy & Hold bedeutet nicht, Kaufen und Vergessen. Vielmehr muss man sicherstellen, dass die Qualitäten des Unternehmens, in das man investiert hat, weiterhin Bestand haben. Buffett und Munger setzen daher auf Qualitätsunternehmen, auf Firmen mit einem starken ökonomischen Burggraben und hohen Cashflows bei solider Bilanz mit möglichst geringer Verschuldung.

»Value Investing ist der einfachste Weg zum Reichtum, doch nur wenige nutzen ihn. Niemand will langsam reich werden.«
(Warren Buffett)

Mit Qualitätswerten im Depot kann man ruhig schlafen und ziemlich sicher sein, dass sich sein Geld vermehrt. Mit der heißesten Cannabis-Aktie oder der angesagtesten Biotech-Rakete geht das nicht, deren heftige Kursausschläge zerren am Nervenkostüm und verleiten zu Aktionismus. Sie stehen damit im genauem Widerspruch zum Grundgedanken des Buy & Hold.



Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark

Kommentare:

  1. »Value Investing ist der einfachste Weg zum Reichtum, doch nur wenige nutzen ihn. Niemand will langsam reich werden.«
    (Warren Buffett)

    Könnte ich bitte die Quelle dieses Zitates haben.

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    1. Wann und wo Buffett dies gesagt hat, kann ich Dir nicht sagen; es ist aber noch nicht so lange her (also innerhalb der letzten zwei Jahre). Ich meine, es war ein Interview, wo Buffett die Vorzüge des Value Investings herausstellte und der Interviewer (Jason Zweig?) ihn dann fragte, weshalb das dann nicht jeder mache. Und Buffetts Antwort war, weil eben niemand langsam reich werden wolle.

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  2. Viele vergessen, dass wir nicht in 1980 leben, wo man die KGVs in der Zeitung nachlesen kann und dann die Reports per Post bestellt. Unterbewertungen werden innerhalb von Tagen oder Monaten abgebaut, insb. bei Qualitätswerten. Mit der Buy & Hold Strategie von überbewerteten Aktien wie Amazon und Adobe wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren den Markt underperformen, wenn es eine längere Seitwärtsphase geben sollte. Für die tolle Qualität zahlt man heute das 25-50 fache an Cash Flow und entwickelt Phantasien wie die Unternehmen in diesem hochdynamischen Umfeld in 15 Jahren stehen werden. Ich sage dazu, viel Erfolg dabei! Ich frage mich, warum Buffett, Klarman und Co nicht die "tollen" Chancen bei FANG & Co. entdeckt haben, sondern riesige Cashaummen zu 0% Rendite halten ;)

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    1. Du bist ja lustig. Seth Klarman und Buffett/Munger sind zwar alle Value Investoren, aber sie investieren sehr unterschiedlich. Klarman ist nah an Grahams Ansatz und setzt auf abgestürzte Werte, während Buffett/Munger auf Qualitätstitel setzen. So hat Buffett GE aus dem Depot geworfen, als das Scheitern von Immelts Strategie erkennbar wurde, während Seth Klarman sich fast genau zu diesem Zeitpunkt erstmalig eine GE-Position eingekauft hat.

      Unternehmen wie Amazon, Adobe o.ä. haben eine herausragende Marktstellung und generieren hohe und stetig wachsende Cashflows. Und das in Branchen, die auf viele Jahre hinaus Wachstum versprechen, weil sie unsere Welt verändern. Für diese Dynamik muss man einen höheren Preis bezahlen, aber das deutlich höhere Wachstum gleicht diesen höheren Einstandspreis bzw. die aktuell höhere Bewertung mehr als aus.

      "Wenn ein Unternehmen über 40 Jahre 6% Kapitalrendite verdient und man es 40 Jahre lang hält, wird man nicht viel mehr als 6% Rendite erzielen - selbst wenn man ursprünglich mit einem großen Preisnachlass gekauft hat. Verdient ein Unternehmen im Gegensatz dazu über 20 oder 30 Jahre 18% Kapitalrendite, wird man, auch wenn man einen teuer aussehenden Preis bezahlt hat, letztendlich ein gutes Ergebnis erzielen."
      (Charlie Munger)

      Das bedeutet nicht, dass man jeden Preis bezahlen sollte für solche Qualitätsunternehmen. Auch hier kommt es darauf an, möglichst günstig einzusteigen, um am Ende die Rendite zu maximieren. Denk nur mal an SAP. Die sind seit ihrem Börsengang vor knapp 30 Jahren immer mit die höchstbewerteste Aktie im DAX gewesen. Und auch lange Sicht hat keine der DAX-Werte besser performt. Schon gar nicht die "Buchwert-Schnäppchen" Eon (früher VIAG und VEBA) oder RWE oder gar die seit vielen Jahren "günstigen" Banken.

      Und dass Buffett bei Amazon und Alphabet (Google) "gepennt" und die ihnen innewohnende große Wertschöpfungskraft nicht erkannt hat, hat er selbst nun bereits mehrfach öffentlich bekundet.

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    2. "Und das in Branchen, die auf viele Jahre hinaus Wachstum versprechen" = Kaffeesatz lesen, denn was in 5 Jahren geschieht weiß weder der Orakel von Omaha noch der von Boston oder sonstige Orakel nicht.
      "Für diese Dynamik muss man einen höheren Preis bezahlen" - kannst Du gern machen, ich zahle es nicht, Munger auch nicht, Klarman schonmal gar nicht.
      "Und dass Buffett bei Amazon und Alphabet (Google) "gepennt" und die ihnen innewohnende große Wertschöpfungskraft nicht erkannt hat, hat er selbst nun bereits mehrfach öffentlich bekundet." - Lustig, dass sie jetzt wo sie wissen, wie qualitativ diese Unternehmen sind, trotzdem nicht einsteigen.

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    3. "Mit der Buy & Hold Strategie von überbewerteten Aktien wie Amazon und Adobe wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren den Markt underperformen"

      Dass man mit überbewerteten Aktien in den nächsten Jahren den Markt underperformen wird, ist ja die Definition von Überbewertung. Aber welche Unternehmen überbewertet sind und welche nicht, weiß man immer erst nachher. Vorher hat jeder seine eigene Strategie, in die Zukunft zu blicken. Und niemand weiß, welche am erfolgreichsten sein wird. Daher lässt sich ja so trefflich drüber streiten.

      Im Übrigen wissen Sie bei aktuell langsam wachsenden Unternehmen genauso wenig, wie die sich in den nächsten 5 Jahren verhalten werden, wie bei aktuell schnell wachsenden Unternehmen. Die langsamen können noch langsamer werden, schrumpfen und Pleite gehen und die schnellen können noch schneller wachsen und alle anderen verdrängen. Da muss man schon genauer hinschauen.

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  3. Apropos Bewertung. Habe ich nicht vor ein paar Wochen FTR und MNK erwähnt?

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    1. Wie ist denn dein praktisches Vorgehen, um deine Value-Perlen zu finden? Du stellst das ja immer als völlig simpel dar...

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    2. Moritz was sagst Du zu TUI? Die Aktie ist nach der letzten Gewinnwarnung schon um 40% eingebrochen und das Management hat schon Aktien in Millionenhöhe gekauft?

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  4. Ich handle genauso wie Peter Lynch oder David Dreman in ihrem Büchern beschreiben. Mehr mache ich nicht... klingt theoretisch einfach, ist aber anscheinend für die meisten Menschen nicht einfach auszuhalten. Der Fluchtinstinkt und Herdentrieb ist bei den meisten Menschen so tief in den Genen eingebrannt, dass sie nichts dagegen machen können, deshalb denke ich auch, dass die meisten Menschen nichts an der Börse verloren haben. Auch die hochgelobten ETFs sind keine Allheilmittel, wenn man die im Crash bei minus 30-50% verkauft.
    Eigentlich bei jeder neuen Investment Idee werde ich am am Anfang für bescheuert erklärt und praktisch jeder mir erklären möchte, warum ich mein ganzes Geld damit verlieren werde. Und am Anfang haben diese Leute auch meistens recht. Denn nach der ersten Tranche fallen die meisten der Werte noch über Wochen bis Monate , was mir aber entgegen kommt, weil ich über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten und teilweise bis zu drei Jahren kaufe.

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  5. Was haltet Ihr zur Zeit von Freenet? Der Umbau geht voran man hat in den letzten Jahren angefangen sich breiter aufzustellen. Die Hohe Dividendenrendite schreckt irgendwie ab, aber auch nicht. Ein Einstieg reizt mich schon, aber bisher bin ich noch nicht überzeugt.

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