Freitag, 22. September 2017

Lynchs Lehrsätze: Versuche nicht, den Aktienmarkt zu timen

Die Börsen schwanken heftig und die meisten Anleger starren gebannt auf die Aktienkurse. Sie denken, "hätte ich mal da bloß verkauft" oder "wäre ich zu dem Zeitpunkt mal eingestiegen".

Doch diese Gedanken sind müßig, weil sie sich mit der Vergangenheit beschäftigen und zeigen, dass wir es nicht mit einem Investor zu tun haben, sondern einem Zocker. Denn er betrachtet die Aktienkurse als Chance, schnell reich zu werden, die Kursschwankungen sind für ihn der Gradmesser. Dabei orientieren sich die erfolgreichen Value Investoren nicht am Kurs, sondern am Wert einer Aktie.

»Niemand war je in der Lage, die Börse vorherzusagen. Es ist eine totale Zeitverschwendung. In der von Forbes veröffentlichten Hitparade der Reichen der Welt war noch nie ein Börsentiming-Experte vertreten.«
(Peter Lynch)

Bevor sie auch nur eine Aktie erwerben und zu diesem Zweck den Aktienkurs checken, nehmen Value Investoren eine genaue Bewertung des Unternehmens vor. Sie studieren seine Geschäftsberichte und analysieren sein Business, schauen sich das Management an und versuchen herauszufinden, ob das Geschäftsmodell einen ökonomischen Burggraben (Moat) hat, also schwer angreifbar ist durch die Konkurrenten. Hat das Unternehmen eine Preissetzungsmacht, oder muss es sich ggf. auf ruinöse Preiskämpfe mit den Mitbewerbern einlassen, um Kundenwachstum zu generieren? Wie sehen seine Umsätze und Gewinne aus und natürlich der freie Cashflow, denn er bestimmt, wie viel Geld für den Aktionär wirklich übrig bleibt, für Dividenden und Aktienrückkäufe.

Am Ende dieser Bewertung haben Value Investoren einen fairen Wert für das Unternehmen ermittelt und teilen diesen durch die Anzahl seiner Aktien. Diesen Wert je Aktie vergleichen sie nun mit dem Börsenkurs und hier erst treffen sie ihre Entscheidung, ob die Aktien unterbewertet sind und damit jetzt gekauft werden sollten. Oder ob sie überbewertet sind und damit auf niedrigere Kurse gewartet wird.

Zu diesem Zweck haben erfolgreiche Anleger immer ausreichend Cash auf dem Konto, um dann in Börseneinbrüche hinein die Aktien kaufen zu können, deren Aktienkurs sich dann unterhalb ihres Aktienwertes befindet. Sie wissen, langfristig bringt Liquidität die Rendite.

Auf diese Art ist man zwar nicht vor Kursstürzen sicher, aber man macht sich nicht zum Sklaven der Kurse, sondern zu ihrem Herren. Indem man die Aktienkurse als reines Stimmungsbarometer erkennt, das weniger über den Wert der Aktien aussagt als vielmehr über die Gemütslage der Anleger, kann man geduldig auf seine Einstiegschancen warten und diese dann auch nutzen. Wer hingegen meint, er könne die Aktienkurse timen, der kann sich auch gleich beim Roulette versuchen und auf Rot setzen. Die Chancen stehen ähnlich gut oder schlecht. Mit Vermögensaufbau und solider Geldanlage hat das allerdings nichts zu tun, daher sollten Anleger es auch lassen und einen unaufgeregten, langfristigen Vermögensaufbau betreiben. Trotz und unter Zuhilfenahme der Schwankungen des Aktienmarktes.

Kommentare:

  1. Tja die DAX put's waren ja auch schon letztes Jahr ein reinfall. Genauso der Versuch Aurelius zu timen. Ich danke dir damals für deine Offenheit und deine weiterhabe der negativen Erfahrungen. Macht leider kaum ein Investor öffentlich. Meist wird versagen tot geschwiegen und schnell zum nächsten Invest gewechselt. Darum schätz ich deinen Blog so sehr. Hast mir guten Einstieg zum eigenen Depot aufgemacht und den mut gegeben zu investieren ;) Und durch deine erfahrungen konnte ich auch überstürzte Anfängerfehler meiden !

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    1. Ja, die DAX-Puts und mein Aurelius-Timing-Versuch haben echt Geld gekostet. Waren nicht meine einzigen Fehlgriffe, z.B. bei Western Digital bin ich zu früh eingestiegen und habe dann die Geduld verloren und mich mit mehr als 40% Verlust verabschiedet. Fast genau ab diesem Zeitpunkt erholte sich der Kurs. Blöd. Aber Jammern nützt ja auch nichts, sondern nur der Versuch, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und trotzdem wird es immer wieder zu Fehlern beim Investieren kommen, einfach weil man Annahmen für die Zukunft treffen muss, und die Annahmen dann auch mal nicht eintreffen. Oder man hat sich halt geirrt. Auch das passiert immer wieder. Man muss dann "nur" bereit sein, seinen Irrtum einzusehen und konsequent damit umzugehen. Daran arbeite ich...

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  2. Hallo Michael,

    wie siehst Du aktuell die DRAG?
    Kann man wieder einsteigen? Warum ist der Kurs immer noch unter 20 EUR?

    Traue mich nicht einzusteigen, da sich der Kurs weiterhin im Dümpelmodus befindet

    Liebe Grüße

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    1. Ich hatte vor einer Woche in meinem Investor-Update auch etwas zur Deutschen Rohstoff AG geschrieben.

      "Bei der Deutschen Rohstoff AG haben sich die Perspektiven merklich aufgehellt. Die Kupfer- und Wolframpreise sind stark angestiegen und der Aktienkurs der Beteiligung Almonty hat sich in ihrem Zuge verdreifacht. Die befürchtete Abwertung der Beteiligung in den Büchern der DRAG ist damit passé. Und auch der Ölpreis hat sich wieder auf über $50 (WTI) erholt und scheint, auch dank der Wirbelstürme in den USA, sich dort zu etablieren. Einzig der schwache Dollar bereitet noch einige Kopfzerbrechen, denn die Musik spielt für die DRAG weiter vor allem im US-Öl- und Gasgeschäft. Und auch wenn es unterjährig kaum Geldflüsse von den US-Töchtern an die deutsche Mutter gibt (bis auf die Dividenden und Zinszahlungen für Kredite der Mutter), so wird am Jahresende die Bewertung in der Bilanz der DRAG natürlich von Euro-Dollar-Kurs beeinflusst. Und momentan bei einem Wechselkurs von 1,19 Dollar/Euro negativ ggü. den Planungen. Auf das operative Geschäft hat der Wechselkurs allerdings keinen Einfluss, da die Ausgaben und die Einnahmen in den USA in Dollar anfallen. Viel wichtiger ist, dass das Bohrprogramm weiter fortgesetzt wird und immer mehr Quellen in Produktion gehen. Denn die DRAG produziert noch immer weit unter $40 je Barrel.

      Nachdem ich vor einiger Zeit meinen Bestand reduziert hatte, habe ich Anfang der Woche meine DRAG-Position wieder etwas aufgestockt. Die DRAG wird kaum noch einen positiven Beitrag zu Jahresergebnis beitragen können, denn verglichen mit den 26 Euro zu Jahresbeginn liegt sie noch meilenweit im Minus. Aber sie hat jetzt die Chance, zumindest ein Stück weit verlorenes Terrain aufzuholen".

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