Donnerstag, 8. Dezember 2016

Lynchs Lehrsätze: Versuche nicht, den Aktienmarkt zu timen

Die Börsen schwanken heftig und die meisten Anleger starren gebannt auf die Aktienkurse. Sie denken, "hätte ich mal da bloß verkauft" oder "wäre ich zu dem Zeitpunkt mal eingestiegen".

Doch diese Gedanken sind müßig, weil sie sich mit der Vergangenheit beschäftigen und zeigen, dass wir es nicht mit einem Investor zu tun haben, sondern einem Zocker. Denn er betrachtet die Aktienkurse als Chance, schnell reich zu werden, die Kursschwankungen sind für ihn der Gradmesser. Dabei orientieren sich die erfolgreichen Value Investoren nicht am Kurs, sondern am Wert einer Aktie.

»Niemand war je in der Lage, die Börse vorherzusagen. Es ist eine totale Zeitverschwendung. In der von Forbes veröffentlichten Hitparade der Reichen der Welt war noch nie ein Börsentiming-Experte vertreten.«
(Peter Lynch)

Bevor sie auch nur eine Aktie erwerben und zu diesem Zweck den Aktienkurs checken, nehmen Value Investoren eine genaue Bewertung des Unternehmens vor. Sie studieren seine Geschäftsberichte und analysieren sein Business, schauen sich das Management an und versuchen herauszufinden, ob das Geschäftsmodell einen ökonomischen Burggraben (Moat) hat, also schwer angreifbar ist durch die Konkurrenten. Hat das Unternehmen eine Preissetzungsmacht, oder muss es sich ggf. auf ruinöse Preiskämpfe mit den Mitbewerbern einlassen, um Kundenwachstum zu generieren? Wie sehen seine Umsätze und Gewinne aus und natürlich der freie Cashflow, denn er bestimmt, wie viel Geld für den Aktionär wirklich übrig bleibt, für Dividenden und Aktienrückkäufe.

Am Ende dieser Bewertung haben Value Investoren einen fairen Wert für das Unternehmen ermittelt und teilen diesen durch die Anzahl seiner Aktien. Diesen Wert je Aktie vergleichen sie nun mit dem Börsenkurs und hier erst treffen sie ihre Entscheidung, ob die Aktien unterbewertet sind und damit jetzt gekauft werden sollten. Oder ob sie überbewertet sind und damit auf niedrigere Kurse gewartet wird.


Zu diesem Zweck haben erfolgreiche Anleger immer ausreichend Cash auf dem Konto, um dann in Börseneinbrüche hinein die Aktien kaufen zu können, deren Aktienkurs sich dann unterhalb ihres Aktienwertes befindet. Sie wissen, langfristig bringt Liquidität die Rendite.

Auf diese Art ist man zwar nicht vor Kursstürzen sicher, aber man macht sich nicht zum Sklaven der Kurse, sondern zu ihrem Herren. Indem man die Aktienkurse als reines Stimmungsbarometer erkennt, das weniger über den Wert der Aktien aussagt als vielmehr über die Gemütslage der Anleger, kann man geduldig auf seine Einstiegschancen warten und diese dann auch nutzen. Wer hingegen meint, er könne die Aktienkurse timen, der kann sich auch gleich beim Roulette versuchen und auf Rot setzen. Die Chancen stehen ähnlich gut oder schlecht. Mit Vermögensaufbau und solider Geldanlage hat das allerdings nichts zu tun, daher sollten Anleger es auch lassen und einen unaufgeregten, langfristigen Vermögensaufbau betreiben. Trotz und unter Zuhilfenahme der Schwankungen des Aktienmarktes.

Kommentare:

  1. Das oben genannte war definitiv eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich an der Börse. Übrigens bin ich durch dich auf MBB und Blackstone aufmerksam geworden und irgendwann sind sie auch bei mir im Depot gelandet -- was für Raketen die letzten Wochen :-)

    Gruß, Chris

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    1. Hallo Michael,
      ich finde, Chris spricht da nen interessanten Punkt an: Bei Private Equity findet in der Tat ja grad eine unfassbare Rallye statt (gut, im Moment findet grundsätzlich eine - mE nur in Teilen erklärliche - Rallye statt, aber das mein ich nicht), und dabei is es egal, ob man jetzt die Beteiligungsgesellschaften hierzulande, also die genannte MBB, aber auch Aurelius nimmt (ausgenommen ist sonderbarerweise die DBAG) oder die überm Teich, also zB die genannte Blackstone oder auch KKR usw. Hast du eine Erklärung dafür? Würd mich echt interessieren.
      Beste Grüße! Marc

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    2. Moin Marc,
      steigende Zinsen sind generell schlecht für die Aktienkurse, weil sie andere Anlagen attraktiver machen. Zum Beispiel Anleihen. Jedenfalls die Anleihen, die neu ausgegeben werden mit höheren Nominalzinssätzen. Für Anleihen, die schon in den Depots schlummern, sind steigende Zinsen Gift, da ihr Wert sinkt und die Besitzer ggf. Wertberichtigungen vornehmen müssen. In Europa also vor allem Banken, die sind ja größter Halter von Staatsanleihen. Aber auch Unternehmen halten viele Bonds.

      Für die USA denke ich, dass es um den erwartete neuen Boom in der Öl- und Gasbranche geht, hier stehen die Zeichen auf Erholung und Neustart, aber auch auf Übernahmen. Viele US-Finanzinvestoren und Banken, vor allem im Süden, haben hier Beteiligungen und/oder Kredite laufen, die wieder werthaltiger werden. Evtl. können hier auch bereits gebildete Rückstellungen abgebaut werden mit entsprechenden Auswirkungen auf die GuV. Des Weiteren erhofft man sich eine bessere Konjunktur und weniger Regulierung, auch das könnten Triebfedern sein.

      In Europa/ Deutschland steigen die Zinsen zwar auch an, aber hier wird die EZB noch den Deckel drauf halten und es wird moderat(er) zugehen. Insgesamt hat sich das Sentiment für die Finanzbranche aufgehellt und daher haben einige Kurse auch deutlich zugelegt. Einen wirklichen Grund, sehe ich aber auch nicht. Abgesehen von Einzelwerten und deren Entwicklung. Wie bei einer MBB oder auch bei Aurelius oder bei Bavaria.

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    3. Hallo Michael, vielen Dank für deine Antwort. Trifft idF mE nicht so ganz das Thema, va der Anleihe-Ansatz. Macht aber auch nix, hast ja heute in deinem großen Post über die deutschen Beteiligungsgesellschaften eine umfassende Analyse vorgestellt.
      Besten Dank, schönen Gruß!
      Marc

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