Mittwoch, 4. Juli 2018

Christopher H. Browne mahnt: "Es ist so gut wie unmöglich, mit Markt-Timing zuverlässig Geld zu verdienen!"

Die Börsen schwanken heftig und die meisten Anleger starren gebannt auf die Aktienkurse. Sie denken, "hätte ich mal da bloß verkauft" oder "wäre ich zu dem Zeitpunkt mal eingestiegen".

Doch diese Gedanken sind müßig, weil sie sich mit der Vergangenheit beschäftigen und zeigen, dass wir es nicht mit einem Investor zu tun haben, sondern einem Zocker. Denn er betrachtet die Aktienkurse als Chance, schnell reich zu werden, die Kursschwankungen sind für ihn der Gradmesser. Dabei orientieren sich die erfolgreichen Value Investoren nicht am Kurs, sondern am Wert einer Aktie.

»Es ist so gut wie unmöglich, mit Markt-Timing zuverlässig Geld zu verdienen; es lohnt sich mehr, langfristig zu investieren und Unebenheiten auszuhalten.«
(Christopher H. Browne)

Bevor sie auch nur eine Aktie erwerben und zu diesem Zweck den Aktienkurs checken, nehmen Value Investoren eine genaue Bewertung des Unternehmens vor. Sie studieren seine Geschäftsberichte und analysieren sein Business, schauen sich das Management an und versuchen herauszufinden, ob das Geschäftsmodell einen ökonomischen Burggraben (Moat) hat, also schwer angreifbar ist durch die Konkurrenten. Hat das Unternehmen eine Preissetzungsmacht, oder muss es sich ggf. auf ruinöse Preiskämpfe mit den Mitbewerbern einlassen, um Kundenwachstum zu generieren? Wie sehen seine Umsätze und Gewinne aus und natürlich der freie Cashflow, denn er bestimmt, wie viel Geld für den Aktionär wirklich übrig bleibt, für Dividenden und Aktienrückkäufe.

Am Ende dieser Bewertung haben Value Investoren einen fairen Wert für das Unternehmen ermittelt und teilen diesen durch die Anzahl seiner Aktien. Diesen Wert je Aktie vergleichen sie nun mit dem Börsenkurs und hier erst treffen sie ihre Entscheidung, ob die Aktien unterbewertet sind und damit jetzt gekauft werden sollten. Oder ob sie überbewertet sind und damit auf niedrigere Kurse gewartet wird.

Zu diesem Zweck haben erfolgreiche Anleger immer ausreichend Cash auf dem Konto, um dann in Börseneinbrüche hinein die Aktien kaufen zu können, deren Aktienkurs sich dann unterhalb ihres Aktienwertes befindet. Sie wissen, langfristig bringt Liquidität die Rendite.

Auf diese Art ist man zwar nicht vor Kursstürzen sicher, aber man macht sich nicht zum Sklaven der Kurse, sondern zu ihrem Herren. Indem man die Aktienkurse als reines Stimmungsbarometer erkennt, das weniger über den Wert der Aktien aussagt als vielmehr über die Gemütslage der Anleger, kann man geduldig auf seine Einstiegschancen warten und diese dann auch nutzen. Wer hingegen meint, er könne die Aktienkurse timen, der kann sich auch gleich beim Roulette versuchen und auf Rot setzen. Die Chancen stehen ähnlich gut oder schlecht. Mit Vermögensaufbau und solider Geldanlage hat das allerdings nichts zu tun, daher sollten Anleger es auch lassen und einen unaufgeregten, langfristigen Vermögensaufbau betreiben. Trotz und unter Zuhilfenahme der Schwankungen des Aktienmarktes.

Kommentare:

  1. thenextbigthing4. Juli 2018 um 12:27

    Völlig richtig, konnte man in der letzten Zeit wieder bei BC und MBB sehen.
    Wobei man sich nicht davon freimachen kann, auch mal die Rendite mitzunehmen um liquider zu werden.

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  2. LOL, die Jäger der Ein- und Ausstiegschancen sind die Zocker, wer denn sonst?

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    1. "Entweder versteht man Value Investing in fünf Minuten, oder man versteht es nie."
      (Benjamin Graham)

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  3. Ja, entweder man vesteht Value Investing in fünf Minuten oder man vesteht es nie...Ist echt die absoulte Wahrheit...Lob nochmal an dich Michael...ein super Blog mit wertvollen Informationen...Danke!

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  4. Toller Artikel, leider musste ich dies in meiner jungen Boersenzeit (1,5 Jahre Jahre) schon leidhaft miterleben. Meine erste Aktie waren die M1 Kliniken zu 10 Euro. Leider kaufte ich bei Kursen unter 8 Euro nicht zu und bei 11,75Euro verkaufte ich um wieder guenstiger Einzusteigen. Der Zug machte aber nur einen kurzen halt unter meinem Verkaufsertrag und ich verpasste den grossen Kursanstieg auf mittlerweile 17 Euro. Es sollte doch ein Langfrist-Investment werden... . Meine erste Aktie fuer immer. Doch ich kaufte dann die Muttergesellschaft fuer 4 Euro, sah den inneren Wert bei 5 Euro. Wieder sackte der Kurs ohne Begruendungen ab, bei 3,20Euro kaufte ich aber stark zu. Depotbeitrag lag bei fast 20%. Bei 4Euro wollte ich keine abgeben und als der Gesamtmarkt stark fiel schmiess ich meine ganze Position bei 3,67Euro. Ein Tag danach als der Martk weiter fiel, stieg MPH fast 10% ohne News. Mittlerweile liegen sie bei meinen 5Euro drueber. Dank des Tradens wieder verzockt - und mein Langzeitinvestment ist futsch. Die Verkaeufe um guenstiger wieder einzusteigen haben dazu gefuehrt das ich die grossen Buchgewinne nie einstreichen konnte. Mittlerweile bin ich ruhiger geworden und versuche aus den Trading fehlern zu lernen. Mal schauen wie ich die grosse Unebenheit bei Corestate aushalte. :) Gruss und bis bald Dau7hy

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    1. Warren Buffett hat mal einen einprägsamen Satz gesagt: "Kaufe niemals eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert". Diese Überzeugung stammt aus seinen ersten eigenen Erfahrungen als Investor, denn er hatte sich für sein erstes Geld ganz akribisch eine Aktie ausgewählt und gekauft. Und der Kurs fiel ins Bodenlose. Als sein Einstiegskurs wieder erreicht war, verkaufte er alle Aktien. Die sich in der Folgezeit vervielfachten. Buffett schloss daraus, dass er zu sehr auf den Kurs geachtet hatte. Dabei hätte er sich alleine auf das Unternehmen konzentrieren sollen. Solange seine Überlegungen richtig waren, hätte ihm der Kursverlauf egal sein sollen. Wenn man richtig liegt, sollte/darf einen ein Kursrutsch nicht beirren. Der Kurs weiß nichts! Der Kurs entsteht durch Zufall wenn Mr. und Mrs. Market in unterschiedlicher emotionaler Gemütsverfassung aufeinanderprallen und ihre Aktien zu willkürlichen Preisen anbieten. Das ändert den Wert des Unternehmens nicht!

      Wenn man also sicher ist, dass man etwas im Wert von 5 Euro für 4 Euro gekauft hat, dann sollte man einen Kursrückgang auf 3 Euro ignorieren. Oder zum Nachkaufen nutzen. Stellt man jedoch fest, dass die Aktie nicht die 5 Euro wert ist, sollte man sie verkaufen. Das stellt man aber nicht dadurch fest, dass der Kurs/Preis gefallen ist! Sondern weil man zuvor einen wichtigen, Wert beeinflussenden Faktor übersehen oder sich eine neue Situation ergeben hat.

      Und was Du da an Aktionen beschrieben hast, kennt wohl fast jeder: das ausschließlich Starren auf den Kurs und das Gefühl, hier durch traden einen Zusatzgewinn herauszuholen. Klappt manchmal auch - nur eben nicht immer. Ist halt Glückssache. Oder dann auch mal Pech, wenn einem der Kurs davon läuft. Gerade bei Nebenwerten passiert das öfter, dass der Kurs sich längere Zeit in einer festen Range hin- und herbewegt und dann innerhalb weniger Tage stark auszubrechen. Um dann wieder auf dem neuen Niveau zu verharren. Wenn man diese kurzen Kurssprünge verpasst, versaut man sich seine komplette Rendite.

      Also, immer auf die Unternehmen achten, nicht so sehr auf die Kurse. Oder wie Buffett es ausdrückte: immer schön auf das Spielfeld schauen, nicht nur auf die Anzeigentafel...

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  5. Danke SirMike, genau diese Weisheit werde ich in Zukunft mehr beherzigen. Schönes Wochenende Dau7hy

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