Freitag, 7. Juni 2019

Peter Lynch mahnt: Stop-Loss-Orders sind als Absicherung einfach unsinnig!

"Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen" lautet eine in korrigierenden Marktphasen gerne zitierte Börsenweisheit und sie klingt nicht nur sinnvoll, sie ist es auch. Schon Warren Buffetts Regel Nummer 1 lautet: "Niemals Geld verlieren", auch das klingt nur vernünftig.

Der Teufel liegt aber, wie so oft, im Detail. Oder genauer gesagt in der Anwendung. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass niemand weiß, wohin sich die Börsenkurse entwickeln werden, alles beruht alleine auf Annahmen und Einschätzungen. Und zwar nicht nur unsrer eigenen, sondern der von allen Marktteilnehmern.

Daher hat irgendjemand mal den Stop-Loss erfunden, eine automatisierte Verkaufsorder, die vor (weiteren) Kursverlusten schützen soll. Auch das klingt wieder vernünftig, ist aber beim zweiten Hinsehen eher eine Mogelpackung mit weiteren Nebeneffekten.

»Es ist ganz einfach unsinnig, sich auf Stop-Orders als Absicherung gegen Kursverfälle zu verlassen, ebenso wie auf künstlich gesetzte Kursziele in Aufwärtsphasen.«
(Peter Lynch)

Was bewirkt eine Stopp-Loss-Order eigentlich?
Der Durchschnittsanleger denkt, mittels einer Stop-Loss-Order würde er sich einen garantierten Mindestverkaufspreis für seine Aktien sichern. Fällt der Aktienkurs auf den Stop-Loss, wird automatisch verkauft. So weit, so klar. Oder eben unklar. Denn es wird nicht, wie gemeinhin angenommen, zu diesem Stop-Loss-Kurs verkauft! Es wird beim erreicht der Stop-Loss-Marke lediglich eine unlimitierte Verkaufsorder ausgelöst. Soll heißen: wenn die Aktien einbrechen und den Stop-Loss-Kurs erreichen, werden sie auf den Markt geschmissen, zu jedem Preis!


Mit teilweise dramatischen Folgen, sprich Kursabschlägen. Denn üblicherweise werden Stop-Loss-Marken bei runden Kursen gesetzt, bei charttechnisch wichtigen Marken und natürlich dort, wo Börsenbriefe ihre empfohlenen Stopps gesetzt haben. Also genau dort, wo alle anderen sie auch platzieren. Und wenn nun diese Marke erreicht wird, kommen alle diese Stop-Loss-Orders gleichzeitig und unlimitiert zur Auslösung. Ein gewaltiger Angebotsüberschuss ergießt sich in den Markt und reißt den Kurs in die Tiefe, weil auf der Angebotsseite ja nicht automatisch ebenso viel Nachfrage in den Markt kommt. Im Gegenteil, in korrigierenden Börsenphasen ist die Nachfrageseite ohnehin zumeist sehr ausgedünnt. Das gleichzeitige Auslösen der vielen Stop-Loss-Orders erzeugt somit einen Schneeballeffekt und treibt den Kurs völlig unnötig weiter in die Tiefe. Und die vermeintliche Sicherheit, die der Stop-Loss bieten sollte, hat nicht gegriffen, sondern sogar das Problem noch verschlimmert, ja sogar mit ausgelöst.

»Stop-Losses garantieren keinen Schutz gegen Verluste. Sie erhöhen sogar die Chancen, Kursgewinne zu verpassen, und sie steigern definitiv die Transaktionskosten.«
(Ken Fisher)

Und so bleiben zwei Erkenntnisse: Ein Stop-Loss ist eher ungeeignet, um vor Kursverlusten zu schützen. Und die Stop-Loss-Marke stellt nicht den Mindestverkaufspreis für die Wertpapiere dar, sondern bestimmt nur den Startzeitpunkt für den Verkaufsauftrag zum nächstmöglichen Kurs. Eine Stop-Loss-Order sichert also nur den Kursverlust ab, nicht den Aktienkurs und das Depot selbst. Ich arbeite daher nicht mit diesem Werkzeug, ich halte es schlicht für Irrsinn. Und zwar nicht nur für Buy & Hold-Anleger und Langfristinvestoren, die auf Qualitätsaktien setzen, sondern generell. Trügerische Sicherheit ist nur eines: trügerisch.


Meine Lese-Tipps
▶ "Aktien für alle: So verdienen Privatanleger an der Börse" von Peter Lynch
▶ "Der Börse einen Schritt voraus: Wie auch Sie mit Aktien verdienen können!" von Peter Lynch
▶ "Lynch III. Der Weg zum Börsenerfolg" von Peter Lynch

Kommentare:

  1. Wieder was gelernt. Danke für die Erläuterungen. Folgt daraus, dass es grundsätzlich sinnvoller ist Verkaufsorders mit möglichst krummen Beträgen zu setzen?

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    1. Ich kann Dir nicht ganz folgen. Meinst Du eine "normale" Verkaufsorder? Wenn man dabei ein Limit setzt, sollte dies ja eigentlich nur dazu dienen, nicht über den Tisch gezogen zu werden, weil man "bestens" ausgewählt hat und der Ausführungskurs dann sehr weit unter dem zuletzt angegebene landet. Ich kritisiere aber ja festgesetzte Limit-Orders, die im Markt liegen, um sich vermeintlich gegen Kursverluste abzusichern. Die halte ich für Unsinn und Geld vernichtend, ob sie nun mit runden oder krummen Kursen eingestellt werden. Wobei an "runden" Marken natürlich viele Limitorders anderer Leute schlummern können (vor allem, wenn ein Börsenblättchen ein solches "empfohlen" hat), die dann eine Art Flash-Crash im Aktienkurs auslösen können.

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  2. Schöner Beitrag und für Aktien gebe ich dir definitiv Recht. Allerdings sollten doch die meisten oben kritisierten Punkte über eine Stop-Limit Order umschifft werden, oder ?

    Handelt man mit Derivaten oder Optionen sieht die Sache schon anders aus.

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    1. Ich halte Stop-Loss-Limit-Orders für Augenwischerei. Fällt der Kurs auf 80 Euro, wo ich mein Limit gesetzt habe, führt eine Stop-Loss-Order dazu, dass die Aktien zum nächsten Kurs ausgeführt werden - egal welchem. Bei der Stop-Loss-Limit-Order hingegen würde nur dann ein Verkauf ausgelöst, wenn der nächste mögliche Kurs/Verkauf nicht unter 80 Euro ausgeführt werden könnte.

      Variante 1: Bleibt der Kurs bei 80 Euro festgezurrt, hat man den Verlust weiterhin im Depot. Das ist dann so, als hätte man gar kein Stop-Loss gesetzt.

      Variante 2: Klettert der Kurs wieder auf 90 Euro, hat man die Aktien weiter im Depot. Das ist dann so, als hätte man gar kein Stop-Loss gesetzt (siehe Var. 1).

      Variante 3: Der Kurs fällt unter 80 Euro, dann wird die Position glattgestellt bei einer Stop-Loss-Order und der Verlust wird realisiert. Bei der Stop-Loss-Limit-Order nicht, die Verlustposition verbleibt im Depot und die Verluste weiten sich ggf. aus, wenn die Aktie auf 70 Euro, 50 Euro, 10 Euro fällt. Macht also keinen Unterschied, ob man eine Stop-Loss-Limit-Order im Markt hatte, oder keine.

      Für den Anleger bringt das gar nichts!

      Für "den Markt" hingegen schon, denn je mehr Stop-Loss-Limit-Orders im Markt sind an einer Kursschwelle anstelle der üblichen Stop-Loss-Orders, desto geringer fällt die automatische Verkaufswelle bei Erreichen und Unterschreiten der Limitschwelle aus. Es wird als ein automatischer Abverkauf abgeschwächt. Doch in der Praxis... wenn der Kurs massiv gefallen ist und weiter fällt, dann behält doch kein Anleger/Trader seine Aktien, nur weil seine Limitorder nicht ausgeführt wurde. Er verkauft dann eben händisch.

      Womit ich wieder bei meiner Einschätzung bin: Stop-Loss-Limit-Orders gaukeln Anlegern eine Kontrolle und Sicherheit vor, die sie gar nicht bieten! Sie bedienen die menschliche Charakterschwäche nach Aktionismus, weil das Adrenalin das einfordert. Wer sich als Trader versucht, baut auf Charts und weiteren Tinnef, die kein "ernsthafter" Anleger/Investor auch nur eines zweiten Blickes würdigen würde, und als Trader kann man dann auch solche obskuren Instrumente einsetzen. Das ist halt ein Paralleluniversum - was nicht heißt, dass es das nicht gibt. Aber nicht in meiner Welt, in der Welt des Value Investings.

      Aber ich will ja keinen Shitstorm der Charties auslösen. ich bin mir sicher, die haben alle irgendeine dubiose Rechtfertigung, weshalb sie sich nicht an bodenständiges Investieren herantrauen. Und das ist total okay für mich. Jeder Trader ist Teil der Börse und gewährleistet damit die Fungibilität von Aktien. Seine Motive sind mir ja herzlich egal, wenn ich ihm seine Aktien abkaufen oder ihm meine verkaufen will.

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