Dienstag, 29. November 2016

PNE Wind bei YieldCo-Riesendeal auf der Zielgeraden mit Allianz Global Investors

PNE Wind nähert sich beim YieldCo-Verkauf der Zielgeraden und hat bekanntgegeben, dass man nun Exklusivität mit einer Tochtergesellschaft des Energie- und Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors GmbH verwaltet wird, vereinbart habe. Konkret hat man für den 80-prozentigen Mehrheitsverkauf des Windparkportfolios Cuxhaven (YieldCo) heute beim Bundeskartellamt den im Rahmen der Fusionskontrolle erforderlichen Antrag auf Zustimmung der Transaktion gestellt.

In der PNE Wind YieldCo Deutschland GmbH hat die PNE Wind AG bislang Windparkprojekte mit insgesamt 142,5 MW gebündelt, es besteht eine Option auf den Erwerb weiterer 9,9 MW von der PNE Wind Gruppe.

Die verbindliche Unterzeichnung des Vertrags über die angestrebte Veräußerung soll in den nächsten zwei bis drei Wochen stattfinden und das Zustandekommen des Verkaufs wird einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der diesjährigen Ergebnisziele der PNE Wind AG - immerhin ein EBIT von €100 Mio. Zum Vergleich: die Börsenkapitalisierung beträgt aktuell knapp €165 Mio.

Meine Einschätzung
PNE Wind erhofft sich aus dem Verkauf bis zu €300 Mio. und würde damit auf Schlag die seit Jahren angesammelten stillen Reserven in Gewinne ummünzen. Hierauf wartet die Börse und dies dürfte der Befreiungsschlag sein, auch für den Aktienkurs. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf ein Wiedererstarken der PNE Wind, nachdem die internen Querelen im Aktionariat endlich der Vergangenheit angehören und ein neuer Chef frischen Wind in den Laden bringt. Am 8. Dezember präsentiert sich PNE Wind auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz und die Aussagen des Vorstands dürften reges Interesse auf sich ziehen.

PNE Wind befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 28. November 2016

Deutsche Forfait, SBF AG, United Electronic Technology: Turnarounds seldom turn. But if...

Turnaround-Spekulationen sind bei Anlegern beliebt aber selten erfolgreich. Der Reiz liegt einfach darin, Aktien eines Unternehmens zu ausgebombten Kursen zu kaufen, die früher in ganz anderen Spähren zuhause waren. Was so stark abgestürzt ist, muss ja eine Riesenchance darstellen, der Kurs muss sich ja wieder erholen, so lauten die gängigsten Ansichten. Nun, er muss nicht. Es gibt zumeist sehr gute Gründe, weshalb Aktienkurse abstürzen und nicht selten folgt auf den Kursabsturz die Pleite und damit der Totalverlust des investierten Geldes. Anleger tun also gut daran, sich an Turnaround-Versuche nur unter größter Vorsicht und Sorgfalt heranzuwagen.

Ich habe mich in zwei ausführlichen Artikel bereits diesem Thema gewidmet. Anfang 2013 unter "Turnaround: Profitieren, wenn gefallene Engel wiederauferstehen" und Anfang 2016 unter "Turnaround-Spekulation: Wenn Totgesagte länger leben" und die hierin vorgestellten Werte haben die Hoffnungen nicht alle erfüllt, zumindest ist kein Totalausfall darunter. Darüber hinaus habe ich kürzlich mit der Frage "Turnaround-Spekulation als Value Investment?" beschäftigt. Neben diesen drei Artikeln habe ich ab und zu auch Einzelwerte in Turnaround-Situationen hier im Blog besprochen und bisweilen auf meine Empfehlungsliste gesetzt. Und darum geht es auch heute, um drei Unternehmen, deren Business total abgestürzt ist und ihr Aktienkurs ebenso. Bei denen aber die Hoffnung besteht, dass sie die Kurve kriegen und den latenten Krisenmodus wieder verlassen können und wieder zu stinknormalen Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell werden.

Also werfen wir einen Blick auf die drei Turnaround-Kandidaten...


:: Deutsche Forfait
Die Deutsche Forfait war ein sehr erfolgreiches Forfaitierungsunternehmen, doch dann wurde sie auf die Sanktionsliste des US-Außenminsteriums gesetzt, weil man angeblich Geschäfte mit dem Iran getätigt hatte. Das Geschäft brach in sich zusammen, der Aktienkurs ebenfalls und es folgt die Insolvenz. Inzwischen ist man längst wieder von der Liste gestrichen und die Vorwürfe sind nie belegt worden. Der Schaden war trotzdem angerichtet und die Aktionäre haben fast alles verloren.

Nach Insolvenz, Sanierungsplan, Kapitalherabsetzung, Forderungsverzicht der Gläubiger und Kapitalerhöhung kann die Deutsche Forfait nun wieder durchstarten. Im Juni gab es eine Kapitalerhöhung um €7,5 Mio. und diese wurde vollständig vom neuen Großaktionär Dr. Shahab Manzouri aus London gezeichnet, der eine langjährige Erfahrung im Trade Finance Sektor aufweist. Die ebenfalls im gerichtlich bestätigten Insolvenzplan beschlossene Sachkapitalerhöhung in Höhe von €3.707.483,00 ist ebenfalls erfolgt und nach Durchführung und Eintragung der beiden Kapitalmaßnahmen beträgt das Grundkapital der Gesellschaft €11.887.483, eingeteilt in 11.887.483 auf den Namen lautende Stammaktien.

 DF Deutsche Forfait (Quelle: finanzen.net) 
Mitte Oktober legte die DF dann einen angepassten Budgetplan vor, da sich abzeichnete, dass man das operative Geschäft noch nicht in 2016 wieder aufnehmen würde. Vor dem Wiedereintritt in den Markt für Außenhandelsfinanzierung sollte das Compliance- und Risikomanagementsystem der Gesellschaft dahingehend optimiert werden, dass es höchsten internationalen Maßstäben vollumfänglich gerecht wird. Die Gesellschaft wurde dazu von mehreren internationalen auf Compliance und Sanktionsrecht spezialisierten Anwaltskanzleien beraten.

Am 9. November, dem Tag des US-Präsidentenwahl, legte die DF dann den Geschäftsbericht für das Rumpfgeschäftsjahr vor vom 1. Januar bis 1. Juli 2016. Der Bilanzstichtag entspricht dem Tag der Aufhebung des Insolvenzverfahrens der Gesellschaft und die DF-Gruppe hat in diesem Rumpfgeschäftsjahr 2016 einen Konzerngewinn von €34,2 Mio. (1. Hj. 2015: €-5,3 Mio.) verbucht, der im Wesentlichen aus dem im veröffentlichten Insolvenzplan ausgewiesenen Sanierungsgewinn aus dem beschlossenen Teilverzicht der Gläubiger resultiert. Dieser Sanierungsgewinn wurde durch die im Rumpfgeschäftsjahr entstandenen Kosten und operativen Verluste reduziert.

Das Geschäftsvolumen der DF-Gruppe lag erwartungsgemäß bei lediglich €3,4 Mio. (1. Hj. 2015: €37,3 Mio.), da das operative Geschäft während des Insolvenzverfahrens nahezu eingestellt wurde. Diesen Zahlen sollte man also nicht allzu viel Bedeutung beimessen; viel interessanter ist der Blick auf die Zukunft. Zum Bilanzstichtag 1. Juli 2016 wies die DF-Gruppe ein positives Eigenkapital in Höhe von €12,7 Mio. (31.12.2015: €-32,1 Mio.) auf, womit der Gesellschaft wieder eine ausreichende Kapitalbasis zur Wiederaufnahme des operativen Geschäfts zur Verfügung steht. Die in der Konzernbilanz aufgeführten "Verbindlichkeiten Gläubiger" werden allein aus der Verwertung des zum Zeitpunkt der Feststellung des Insolvenzplans bestehenden Vermögens bedient, hier gibt es also keine offenen Flanken für die Zukunft mehr.

Eine seriöse Bewertung kann man heute natürlich nicht vornehmen, denn die DF hat zwar wieder ein solides Eigenkapital, dem aber vergleichsweise hohe Kosten gegenüber stehen. Denn bisher verfügt die DF noch über kein operatives Geschäft, das soll nun jedoch anlaufen. Und einer der Schwerpunkte wird die Finanzierung von Geschäften mit dem Iran sein, was seit Ende der Atom-Sanktionen ja als einer der lukrativsten Zukunftsmärkte angesehen wird aufgrund des enormen Nachholbedarfs der Iraner. Inwieweit sich Trumps negative Haltung zum Iran-Abkommen künftig einmal auswirken wird, bleibt abzuwarten. Beim Iran-Abkommen handelt es sich ja um ein UN-Abkommen, unterzeichnet von vielen Staaten, nicht nur den USA und dem Iran. Darüber hinaus wird die DF nicht nur mit Iran Geschäfte machen, sondern wie früher auch für viele Länder Außenhandelsfinanzierungen anbieten. Iran ist eine interessante, aber eben auch nur eine von vielen Optionen für lukrative Geschäfte.

Ich habe mich hier schon über die letzten Tage mit kleinen Stückzahlen eingekauft, weil mir das Chance-Risiko-Verhältnis überdurchschnittlich attraktiv erscheint. Hierbei setzte ich natürlich auf auf den neuen Großaktionär und Neu-Vorstand Manzouri, ohne den die DF haute wohl nicht existieren würde und der viel Geld in die Hand genommen hat, um sie wieder mit Leben zu füllen. Ich setze also auch und besonders auf seinen Eigennutz, denn er will sein Geld ja sicherlich vermehren.

P.S.
Nun habe ich meinen Artikel endlich fertig und da platzt die DF mit einer wichtigen Meldung herein: Die DF Deutsche Forfait-Gruppe unterzeichnet eine Absichtserklärung mit der iranischen Saman Bank., einer der größten privaten Banken Irans, im Bereich Außenhandelsfinanzierung . Gemeinsam möchte man das Angebot von Finanzierungslösungen für den Güteraustausch zwischen deutschen sowie internationalen Exporteuren und iranischen Handelspartnern ausbauen und Beratungsleistungen zur Etablierung von Handelsbeziehungen mit iranischen Geschäftspartnern anbieten. Beide Partner erwarten einen deutlichen Anstieg des Handelsvolumens mit dem Iran in den nächsten Jahren, nachdem die Europäische Union und die USA mit Abschluss des Atomabkommens (JCPOA) Anfang des Jahres 2016 zuvor bestehende Sanktionen gelockert haben. Die Marktchancen für Spezialisten in der Außenhandelsfinanzierung hätten sich aus Sicht des Managements angesichts weltweit zunehmender Krisenherde und steigender Risiken für Exporteure weiter erhöht und die DF-Gruppe legt dabei den Fokus in den nächsten Monaten auf Märkte im Mittleren Osten wie dem Iran, wo Wirtschaftsexperten in den kommenden zwei bis drei Jahren allein für Deutschland eine Verdoppelung der Handelsvolumina erwarten.

Der Aktienkurs reagiert jedenfalls schon einmal positiv auf die Meldung und sollte sich weiter Richtung Norden orientieren, sobald die DF das operative Geschäft aufnimmt und hierüber berichten wird.


:: SBF
Unter SBF AG kann sich noch niemand etwas vorstellen, doch als Corona Equity Partner AG hat das Unternehmen bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich, auch an der Börse. Und das ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, denn die Erfolge als Beteiligungsunternehmen sind kaum auszumachen. Vielmehr stand man mit dem Rücken zur Wand und musste dringend neues Geld auftreiben. Um bei einem Pennystock aber eine Kapitalerhöhung durchführen zu können, muss dessen Aktienkurs zuerst über die Marke von €1 gehoben werden und Corona tat dies im Wege einer Kapitalherabsetzung - es wurden zehn alte Aktien zu einer neuen zusammengelegt. Der entstehende Betrag wurde zur Deckung des aufgelaufenen Bilanzverlust herangezogen und die Reste in die Kapitalrücklage eingestellt. Hieran erkennt man, dass es noch Leute gibt, die an ein erfolgreiches Weitermachen glauben.

 SBF AG (Quelle: finanzen.net) 
Ganz nebenbei wurde das im m:access der Börse München notierte Unternehmen in SBF AG umbenannt, was der einzig verbliebenen Tochter zu verdanken ist, der SBF Spezialleuchten GmbH, einem international tätigen Systemanbieter für Decken-, Beleuchtungs- und Belüftungssysteme für Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen hat sich dabei auf LED-Systeme für den Außen- und Innenbereich von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart spezialisiert und Großkunde ist naturgemäß die Deutsche Bahn.

Die Bilanz zu bereinigen ist eine Sache, sie mit Kapital aufzufüllen eine andere. Ende Mai erfolgte dann die Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen, bei der insgesamt 5.047.959 neue auf den Inhaber lautende Stückaktien ohne Nennbetrag, jeweils mit einem anteiligen Betrag am Grundkapital von €1,00 und voller Gewinnbeteiligung ab dem 1. Januar 2015 ausgegeben wurden und zwar zu einem Preis von €1,10. Damit floss der Gesellschaft ein Gesamtemissionserlös von €5,6 Mio. zu. Und das Geld wurde gleich gewinnbringend eingesetzt, denn es wurde umgehend die ausstehende 6%-Wandelanleihe abgelöst und damit künftig ein um rund €200.000 pro Jahr signifikant verbessertes Finanzergebnis erreicht.

Ganz entscheidend für die SBF ist also der operative Erfolg der Tochter und diese konnte erstmals in der Unternehmensgeschichte ein positives Halbjahresergebnis vorlegen. Für die Aktionäre der SBF AG bleibt hiervon allerdings noch nichts übrig, weil die AG selbst in dieser Zeit ja erheblichen Aufwand für ihre Kapitalmaßnahmen hatte und dieser Aufwand dem entgegensteht.

Nachdem die SBF AG nun aber bilanziell wieder auf soliden Füßen steht, dürfte sich dies auch positiv auf die Tochter und somit das operative Geschäft auswirken. Der Trend hin zur Schiene spielt der SBF in die Karten und nicht nur bei neuen Zügen kommt die SBF-Technik zum Einsatz, sondern auch bei der Erneuerung der Beleuchtungssysteme in aktiven Zügen. Durch den Einsatz moderner LED-Systeme kann nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es sinkt auch der Energieverbrauch sowie der Wartungsaufwand für die Kunden, die Bahnbetreiber.

Die SBF AG ist ein kleiner Nischenwert und hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, Ruhe und Solidität in ihr Geschäft zu bringen. Ohne Erfolg, wie man letztlich erkennen musste. Nun hat man sich zu einem harten Schnitt bereit gefunden und das Unternehmen finanziell wieder solide aufgestellt - und damit die Basis geschaffen, künftig erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein. Risikobereite Anleger können sich ein paar Stücke als Depotbeimischung gönnen; man muss hier aber einen langen Atem mitbringen.


:: United Electronic Technology
Die UeT war schon einmal Thema hier im Blog und zwar im August letzten Jahres, als ich eine Leseranfrage beantwortet habe. Dass United Electronic Technology ein klassischer Turnaround-Kandidat sei, habe ich damals verneint und nachdem der Aktienkurs sich seitdem mehr als halbiert hat, wage ich einen erneuten Blick. Im Grunde hat sich nicht viel verändert, operativ kann zwar bisweilen punkten, aber die Bilanzsituation ist ziemlich brenzlig. Das sahen auch die Eigentümer so und haben zuletzt einige Verrenkungen gemacht, um das Unternehmen endlich solide(r) aufzustellen.

Die Tochter UET Electronic Holding GmbH stand bisher nur zu 51% im Eigentum der UET AG, doch nun wird der bisherige Minderheitseigner Palace Park Ltd. seine 49-prozentige Beteiligung an der GmbH als Sachkapitaleinlage in UET AG einbringen.

Durch diese 3 Millionen Euro schwere Sachkapitalerhöhung wurde die UET AG Alleingesellschafterin an der UET Electronic Holding GmbH und somit auch mittelbar Alleingesellschafter an ELCON Systemtechnik, NewTal Elektronik + Systeme, SUCONI Service und Letron Electronic und damit stehen die Ergebnisse künftig komplett der UET AG zu. Außerdem können nun in einem weiteren Schritt  die operativen Gesellschaften ALBIS Technologies und ELCON Systemtechnik besser operativ integriert werden.

 United Electronic Technology (Quell: finanzen.net) 
Darüber hinaus hat der Konzern seine Schulden um €7 Mio. reduziert, indem man für jeweils €1 von den bestehenden Aktionären Palace Park Ltd. und FIGLIO Beteiligungsverwaltung deren bestehende Gesellschafterdarlehen samt bisher angelaufener Zinsen im Ausmaß von rund €7 Mio. zurückkauft.  Somit reduzieren sich nicht nur die sonstigen Verbindlichkeiten im Konzern um €7,0 Mio., sondern es wird durch die Maßnahme zu einem außerordentlichen Ertrag aufgrund des Forderungsverzichts kommen. Wichtiger ist indes, dass das Finanzergebnis künftig nicht mehr durch die Zinsen belastet wird und daher positiver ausfallen wird als bisher.

Diese Schritte waren notwendig, weil die bisherigen operativen Fortschritte, die sich auch aus den Halbjahreszahlen ablesen lassen, durch die katastrophale Bilanz- und Verschuldungssituation mehr als zunichte gemacht wurden. Hier stehen die Zeichen nun auf Besserung, allerdings wird noch eine zusätzliche Kapitalspritze nötig sein, um die UET-Gruppe endlich auf solide Beine zu stellen, denn auch nach den bereits erfolgten Maßnahmen weist die UET-Bilanz noch immer ein negatives Eigenkapital auf. Und so wird es zu einer Kapitalerhöhung kommen (müssen), was bisher undenkbar erschien. Doch nachdem man die Bilanz aufgeräumt und die Konzernstruktur vereinfacht hat, mit dem begleitenden Nebeneffekt, dass künftig ohne die abfließenden Minderheitsanteile mehr Geld in der UET-Kasse verbleiben wird, sollten sich hier die Chancen erheblich verbessert haben. Auf dieser Basis könnte es durchaus erfolgreich zum Einwerben von frischem Geld kommen und das nicht nur aus dem Kreis der bisherigen Eigentümer.

Eigentlich ist es ja immer ein schlechter Zeitpunkt, vor einer Kapitalerhöhung Aktien zu erwerben. Allerdings wäre diese bei der UET ja lediglich Teil einer erfolgreichen Sanierung, nachdem schon erhebliche Vorleistungen der Gesellschafter erfolgt sind. Es könnte daher für spekulative Anleger durchaus lohnen, sich auch heute schon einige Aktien der UET ins Depot zu legen und auf einen erfolgreichen Turnaround zu setzen. Sähen die bisherigen Kapitalgeber und Gläubiger hier keine aussichtsreiche Chance, hätte man die bisherigen Schritte unterlassen und einfach nur den Ausverkauf der Tochtergesellschaften versucht.


Ausdrücklicher Risikohinweis
Bei allen Aktienkäufen besteht das Risiko eines Totalverlusts, bei Turnaround-Werten liegt dieses allerdings noch signifikant höher, denn die Unternehmen befanden bzw. befinden sich ja in ernsten und bisweilen existenzbedrohlichen Schieflagen. Wer hier zu spekulieren bereit ist, sollte es nur mit kleinem Einsatz tun, die Werte allenfalls als Depotbeimischung verstehen, und sich in Klaren darüber sein, dass sie einer ständigen und erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen. Der Blick alleine auf die Chancen eines erfolgreichen Turnarounds reicht keinesfalls aus, die Risikobetrachtung kommt zuerst! Denn Aktien können auch auf Null fallen, warnte schon Börsenlegende Jesse Livermoore.

»Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds.«
(Michel C. Kissig)

Ich nehme die DF Deutsche Forfait, SBF und United Electronic Technology als hoch riskante, jedoch aussichtsreiche Turnaround-Spekulationen auf meine Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 48/2016

"Das große Geld kann man an der Börse nur auf lange Sicht und mit antizyklischem Verhalten machen. Dazu braucht es Disziplin, Mut und Erfahrung."
(André Kostolany)

Freitag, 25. November 2016

Umfrage: Wie kommt ihr an Unternehmensnews?

Angeregt durch eine Leserfrage möchte ich von euch wissen, wie ihr an aktuelle News herankommt. Über News-Sammler wie finanznachrichten.de, News-Services wie DGAP, Google Alerts, spezielle US-Websites wie Seeking Alpha oder The Motley Fool oder aber schlicht und einfach durch eigene Recherche auf Unternehmenswebsites oder ggf. deren Emailverteiler?

Ich habe daher eine entsprechende Umfrage gestartet, die ihr in der rechten Menüleiste findet und die bis Ende November aktiv ist. Und ich würde mich freuen, wenn ihr über die Teilnahme daran hinaus auch noch zahlreich hier eure Meinungen/Eindrücke und vor allem Anregungen als Kommentare abgeben würdet, weil Informationsbeschaffung zu Einzelwerten gerade auch für Börsenanfänger eine echte Hürde darstellt.

Mittwoch, 23. November 2016

Geldregen: Bavaria Industries verkauft Automotive-Tochter Tristone für 170 Mio. Euro

Bavaria Industries ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständischen Unternehmen übernimmt, wenn man bei diesen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Oftmals handelt es sich hierbei um Restrukturierungsfälle, auch im europäischen Ausland. Und eine dieser Gelegenheiten war die Tristone Flowtech Group, die Bavaria im Jahr 2010 übernahm.

Seitdem wurde das Geschäft erfolgreich restrukturiert und wieder zu Erfolgen geführt, denn bei der Übernahme setzte Tristone knapp €130 Mio. um und das bei einer mageren EBITDA-Marge von nur 2%. Heute liegt der Umsatz annähernd doppelt so hoch und wird 2016 rund €250 erreichen, während die EBITDA-Marge auf 11% gesteigert werden konnte. Von der Umsatzverdopplung bleibt also auch noch das Fünffache hängen.

Käufer von Tristone, die 2.800 Mitarbeiter beschäftigt an zehn Standorten in Europa, NAFTA, China und Indien ist die chinesische Zhongding Gruppe und die legt für die Übernahme satte €170 Mio. auf den Tisch sobald alle kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen.

In der Bavaria-Bilanz wird der Verkauf tiefe Spuren hinterlassen, denn Tristone war die mit Abstand größte Beteiligung der Münchner. Bavaria bilanziert sehr konservativ und weist nur die Beteiligungen auf, die auch operativ zum Konzern beitragen. Was noch nicht mindestens ein Jahr im Konzern ist oder was Verluste schreibt, taucht nicht auf, so dass im Fall einer Veräußerung einer Beteiligung ein sehr großer Einmalertrag auf die Aktionäre wartet. Und genau das wird mit dem Tristone-Deal erreicht und es lohnt ein Blick auf die Zahlen.

Einzug der Aktien aus dem Aktienrückkaufprogramm erhöht Gewinn je Aktie
Erst vor wenigen Tagen hatte Bavaria Industries erklärt, die im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms seit 2014 erworbenen eigenen Aktien eingezogen zu haben - immerhin 4,6% des Grundkapitals. Das Grundkapital der Bavaria Industries Group AG ist nun noch eingeteilt in 5.351.294 auf den Inhaber lautende Stückaktien und damit war Bavaria vor Bekanntgabe des Deals bei €53,50 mit insgesamt €286 Mio. an der Börse kapitalisiert. Allein hieran zeigt sich schon die Bedeutung des 170-Millionen-Euro-Deals.

 Bavaria Industries (Quelle: finanzen.net) 
Ein Bewertungsversuch
Doch wichtig(er) ist natürlich, was unterm Strich als Ergebnis herauskommt. Da Bavaria in seinen Geschäftsberichten keine Angaben zum NAV einzelner Gesellschaften macht, sondern nur zum Buchwert in Gänze, stochert man diesbezüglich etwas im Nebel. Aus dem Segment Automotive, dem Tristone zuzurechnen ist, wurden in 2015 zwei Beteiligungen veräußert, so dass hier nur noch Tristone und die wesentlich kleineren Beteiligungen Carbody und Vosla aufgeführt sind. Zum Gesamtumsatz der Sparte von €177 Mio. im ersten Halbjahr 2016 trugen dabei Tristone €126 Mio., Carbody €28 Mio. und Vosla €23 Mio bei.

Aufgrund des anhaltenden Wachstums bei Tristone können wir von etwa €255 Mio. Umsatz für 2016 ausgehen und wenn wir die EBITDA-Marge von 11% berücksichtigen, führt uns das zu einem EBIDTA von rund €28 Mio. Nehmen wir weiter an, dass Bavaria seine Beteiligung mit dem Fünffachen des EBITDA in den Büchern bewertet hat(te), käme der bilanzielle Wertansatz von Tristone auf rund €140 Mio. Folglich würde Tristone bei einem Preis von €170 Mio. mit einem Aufschlag von 21% bzw. €30 Mio. über dem bisherigen Wertansatz verkauft. Bezogen auf die Anzahl der ausstehenden rund 5,35 Mio. Aktien bedeutet dies, dass alleine dieser Verkauf etwa €5,6 je Aktie zusätzlich in die Bavaria-Kassen spült.

Noch immer ein kräftiger Abschlag auf den NAV
Allerdings notierte die Bavaria-Aktie zuletzt schon mehr als 20% unterhalb ihres bisher anzusetzen NAV, worin Tristone noch mit den etwa €140 Mio. berücksichtigt war. In Konsequenz führt uns das dazu, dass wir - trotz des starken Kurssprungs heute - Bavaria-Aktien auch bei Kursen von €60 gut 25% unterhalb des fairen Werts kaufen können, den man nun auf mindestens €80 beziffern kann. Und darin sind die noch nicht die Töchter eingerechnet, die noch keine Profite erwirtschaftenden; diese finden erst Eingang in die Betrachtung, wenn sie operativ auf Kurs sind und Gewinne schreiben.

Meine Einschätzung
Bavaria dürfte eine der günstigsten Beteiligungsgesellschaften auf dem deutschen Kurszettel sein, denn ihre Bilanz enthält eine Menge an stillen Reserven, die erst bei erfolgreichen Exits zu richtig zur Geltung kommen. Die nach dem Tristone-Verkauf verbleibenden Beteiligungen machen noch immer etwa €500 Mio. Jahresumsatz und liquide Mittel inkl. der Aktienanlagen werden von Bavaria mit rund €200 Mio. angegeben. Rechnen wir nun einfach mal diese liquiden Mittel und den Verkaufserlös für Tristone zusammen, kommen wir auf €370 Mio. Bezogen auf die Anzahl der 5,35 Mio. Bavaria-Aktien ergibt sich dann ein Betrag von gut €69 je Aktie. Kauft man also heute die Aktien, bezahlt man 15% weniger als an Cash vorhanden ist. Gratis on Top erhält man das operative Geschäft mit €500 Mio. Umsatz.

Abzüge in der B-Note gibt es für die äußerst sparsame Unternehmenskommunikation, hier ist kein Vergleich zu Aurelius oder der Deutschen Beteiligungs AG, und dann für den geringen Streubesitz. Nur eine geringe Menge an Aktien sind noch auf dem freien Markt und es besteht immer wieder mal die Befürchtung, der Gründer und Chef von Bavaria könnte irgendwann einmal ein Delisting anstreben. Ernsthafte Absichten in dieser Richtung gibt es bisher allerdings nicht.

Und dann wäre da noch die Frage, was Bavaria nun mit dem vielen Geld anstellen will. Zuletzt tat man sich schwer, noch geeignete Targets für Unternehmenszukäufe zu finden und hat damit begonnen, das Cash in große, börsennotierte Aktienbeteiligungen zu stecken, allen voran Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck einer Unternehmung wie Bavaria mit Fokus auf Sanierungssituationen, aber es ist besser, als das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, wo es kaum Erträge abwirft. Vielleicht sehen wir auch bei Bavaria bald eine Kapitalherabsetzung, um so Gelder aktionärsfreundlich (und steuerunschädlich) an die Aktionäre auszuschütten. Oder ganz klassisch könnte es auch zur Aufnahme von Dividendenzahlungen kommen. Wir werden es abwarten müssen, auf jeden Fall bleibt es spannend.

Bavaria Industries befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und auch in meinem Depot. Wer geduldig ist, ohne stetige Neuigkeiten aus dem Unternehmen klarkommt und sich auch von der Marktenge sowie immer mal wieder aufkommenden Delisting-Spekulationen nicht abschrecken lässt, für den dürfte Bavaria eine interessante Depotbeimischung sein mit der Aussicht darauf, die in der Bilanz versteckten Werte sukzessive zu heben. Der rund 25-prozentige Abschlag auf den NAV sollte dabei als Sicherheitsmarge und Kursabsicherung nach unten wirken, so dass sich ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis darbietet. Ein wahres Benjamin-Graham-Schnäppchen eben.

Legendäre Investoren: Benjamin Graham

Benjamin Graham (* 9. Mai 1894 in London als Benjamin Grossbaum; † 21. September 1976) war ein einflussreicher US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und legendärer Investor. Er gilt als Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse, der Basis für das Value-Investing.

Benjamin Graham
Zwischen 1928 und 1957 lehrte Graham an der Columbia University, wo auch Warren Buffett zu seinen Schülern gehörte. 1934 veröffentlichte Graham gemeinsam mit David Dodd das Buch "Die Geheimnisse der Wertpapier Analyse" (orig.: "Security Analysis"), welches noch heute als Bibel für Value-Investoren gilt. 1949 erschien die Erstausgabe von "Intelligent investieren" (orig.: "The Intelligent Investor"), einer etwas populärwissenschaftlicheren Version von "Security Analysis".

Graham, der auch "Dekan der Wall Street" genannt wurde, vertrat die Lehre, dass eine Aktie nur deutlich unterhalb ihres fundamentalen Wertes gekauft werden sollte. Um den Wert einer Aktie bestimmen zu können, setzte Graham auf die fundamentale Wertpapieranalyse und auf die Verwendung von Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Gewinnwachstum, Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder Dividendenrendite. Nach dem Bestimmen des fairen Wertes sollte nach Graham hiervon eine Sicherheitsmarge (Margin of Safety) von 40% bis 50% abgezogen werden, um den maximalen Einstiegspreis zu ermitteln. Derartig unterbewertete Unternehmen kaufte Graham und wartete geduldig darauf, dass der Markt die Unterbewertung irgendwann erkennen und durch Kurssteigerungen beheben würde.

  • Graham-Artikel auf Wikipedia
  • Graham-Biographie auf valueinvesting.de
  • Value-Investing nach Benjamin Graham

    In "The Intelligent Investor" definierte Graham für den privaten Investor die 7 Value-Investment-Kriterien.

    Kriterium 1: ausreichend hoher Umsatz
    Unternehmen mit einer bestimmten Mindestgröße versprechen ein höheres Maß an Sicherheit. Daher legte Graham den Mindestumsatz für Industrieunternehmen auf $100 Mio. fest, was heute etwa $1 Mrd. entspräche.

    Kriterium 2: niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
    Günstig ist in Grahams Augen, wenn das KGV nicht über 15 liegt, als  nicht oberhalb des Fünfzehnfachen des Jahresgewinns.

    Kriterium 3: niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
    Wichtig ist für Graham das Verhältnis zwischen Vermögen und Kurs und dieses KBV sollte nach seiner Meinung nicht über 1,5 liegen.

    Kriterium 4: stabile Gewinne
    Unter stabilen Gewinnen versteht "der Dekan der Wall Street", dass das Unternehmen in den letzten 10 Jahren einen Überschuss erzielt hat, also in keinem Jahr einen Verlust ausweisen musste.

    Kriterium 5: Gewinnwachstum
    Zusätzlich soll sich der Gewinn je Aktie in den vergangenen 10 Jahren mindestens um ein Drittel erhöht haben. Die "neumodische Sitte" vieler Unternehmen, starken Gebrauch von Aktienrückkäufen zu machen und so den Gewinn je Aktie künstlich in die Höhe zu treiben, hat dieses einst harte Kriterium doch etwas aufgeweicht.

    Kriterium 6: regelmäßige Dividendenausschüttungen
    Regelmäßige Gewinnausschüttungen deutet auf eine nachhaltige Finanzkraft hin und Graham fordert an dieser Stelle eine stabile oder steigende Ausschüttung in den letzten 10 Jahren.

    Kriterium 7: gesunde Balance zwischen Vermögen und Schulden
    Eine solide Finanzlage ist für Graham das A und O und so fordert er, dass der Wert des gegenwärtigen Vermögens mindestens doppelt so hoch ist, wie der Wert der Schulden. Darüber hinaus sollen die langfristigen Schulden das aktuelle Nettovermögen nicht übersteigen.

    »Kaufe eine Aktie, als würdest du das ganze Unternehmen kaufen. Strebe nicht nach dem schnellen Dollar. Suche nach Unternehmen, deren Aktien du ein ganzes Leben lang halten kannst.«
    (Benjamin Graham)

    Alle Kriterien bzw. Kennzahlen haben für sich betrachtet ihre Stärken und Schwächen. Die Ermittlung des Gewinns liegt in der Hand des Vorstands und kann von ihm maßgeblich beeinflusst werden, ebenso der Wert des Unternehmens, wenn hier z.B. hohe immaterielle Vermögenswerte, wie Firmen- oder Markenwerte enthalten sind. Daher setzte Benjamin Graham auf eine Kombination verschiedener Bewertungskriterien, um so die Spreu vom Weizen zu trennen. Auf diese Weise fallen krisenanfällige Unternehmen schnell raus aus der Betrachtung und es bleiben die beständigen und soliden Unternehmen übrig. Wer sich an diesen Kriterien orientiert, sollte daher auf der sicheren Seite sein und zugleich in Werte investieren, die auch einiges an Chancen zu bieten haben. Wenn er nun noch die nach Graham oberste Tugend des Investors an den Tag legt, nämlich Geduld, kann auf lange Sicht an der Börse eigentlich nichts mehr schief gehen...

Im Interview... mit Investorenausbildung.de

Das Interview mit mir führte Florian Günther von Investorenausbildung.de, wo der Artikel am 21. November 2016 zuerst erschien.


FG: Ich hatte die Möglichkeit Michael Kissig von intelligent-investieren.net zu interviewen. Er ist ein Blogger „der frühen Stunde“ und einer der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. Herr Kissig, bitte stellen Sie sich kurz vor.

MK: Ich bin ein gemütlicher Mittvierziger, der das Leben im schönen Norden Deutschlands genießt; die Elbe und die Hamburger Stadtgrenze erreiche ich zu Fuß in 10 Minuten. Gerade diese Mischung aus städtischem Leben und ländlicher Ruhe gefällt mir außerordentlich gut und ich nutze dies gerne zum Ausgleich, indem ich im Wald oder am Deich Rad fahre oder Nordic walke.

Seit 30 Jahren interessiere ich mich für Finanzen, und wirtschaftliche Zusammenhänge, vor allem für die Börse. Das hat mich als Hobby immer neben meiner Ausbildung und meinen beruflichen Tätigkeiten begleitet und inzwischen ist es mehr als ein Hobby, worüber ich sehr glücklich bin.


FG: Auf Ihrer Homepage intelligent-investieren.net betreiben Sie einen Blog. Nun ist es so, dass es viele andere Finanzblogs schon gibt. Was macht Sie unter diesen vielen besonders?

MK: Ich habe das Blog vor fünf Jahren gestartet, ohne einen wirklichen Plan zu haben, was ich damit eigentlich erreichen will. Meine damalige, spontane Überlegung war, mir ein öffentliches Instrument zur Selbstkontrolle und Selbstdisziplin zu schaffen. Denn indem ich meine Meinung und vor allem meine Investmententscheidungen öffentlich und für alle Leute zugänglich verkünde, mache ich mich ja auch angreifbar für Kritik. Das Internet ist weitgehend anonym und das macht es für jemanden, der sich als reale Person dort zu erkennen gibt, besonders herausfordernd. Aber genau dieses Spannungsfeld war das, was ich suchte. Ich wollte mein Verständnis vom Investieren mitteilen und andere dazu bringen, von mir zu lernen.

Die andere Seite der Medaille, die mindestens genauso wichtig ist, stellt mein eigenes Lernen dar. Immerhin habe ich schon so manche schlechte Entscheidung in den letzten fast 30 Jahren an der Börse getroffen, den Neuen Markt habe ich beide Richtungen voll mitgenommen. Durch das Blog bekomme ich Feedback, Kritik und Anregungen, die mir helfen, meine Fehler zu erkennen, sie abzustellen (wenn möglich) und selbst ein besserer Investor zu werden. Durch das Blog lerne ich also, ich lasse mich von den Lesern stetig aus- und weiterbilden. Das bringt mich jeden Tag ein Stück weiter und es ist auch ein Grund dafür, weshalb ich das Blog kostenlos betreibe und nicht mit Werbung zupflastere. Meine Absicht ist nicht, mit dem Blog selbst Geld zu verdienen, sondern durch die Ideen und das Wissen, das ich dort von den Lesern erhalte, ein erfolgreicherer Investor zu werden – und dadurch bessere Gewinne an der Börse einzufahren.

Ich habe mich beruflich inzwischen so aufgestellt, dass ein nicht geringer Teil meiner Zeit in die Verwaltung meines eigenen Vermögens fließt, das ich in meiner Firma gebündelt habe. Daher beschäftige ich mich zu einem erheblichen Teil meiner Arbeitszeit mit Investments, vornehmlich in Aktien. Und meine Überlegungen und Erfahrungen teile ich dann über das Blog mit anderen.


FG: Bitte berichten Sie unseren Lesern von Ihrem „Blog Alltag“.

MK: Einen wirklichen Alltag gibt es hierbei nicht. Ich bin Investor und daher beschäftige ich mich mit der Börse und Unternehmen, lese viel zu diesem Thema, insbesondere Unternehmensmeldungen und Geschäftsberichte. An manchen Tagen habe ich Zeit und Muße Grundsätzliches über das Investieren zu schreiben, nehme mir oft ein Zitat eines großen Investors vor und beschreibe anhand dessen, was erfolgreiches Investieren ausmacht. Im Grunde ist es eine Charakterfrage, ob man die Disziplin und die Geduld aufbringt, um ein guter und erfolgreicher Investor zu sein. Und da ich in beiden Bereichen weit von Perfektion entfernt bin, hilft mir das intensive Beschäftigen mit diesen Grundsätzen, mich selbst immer wieder an diese grundlegenden Erfolgsgaranten zu erinnern und sie jedes Mal wieder ein Stück mehr zu verinnerlichen.

Und dann gibt es Tage, da geht es eher um konkrete Unternehmen, um wichtige Meldungen oder Entwicklungen. Dann befasse ich mich damit, schreibe auch im Blog hierzu meine Einschätzung und suche die Diskussion mit den Lesern. Ich habe nicht immer Antworten und schon gar nicht immer die richtigen. Es kommt vor, dass ich aufgrund der Diskussionen im Blog meine Meinung zu einem Unternehmen oder einer Situation ändere; nicht spontan, aber eben so, dass ich ins Grübeln komme und den neu gewonnenen Aspekten nachgehe. Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi sagte einmal: „Zweifel ist eine Frage der Intelligenz“. Und wenn man sich eine Meinung gebildet hat, fällt man leicht in ein Verhaltensmuster, das „Confirmation Bias“ genannt wird: wir suchen nach Bestätigung und werten derartige Informationen höher als solche, die unsere Position schwächen. Kritik und andere Einschätzungen sind hier ein gutes Instrument, seine eigene Position sattelfester zu machen. Oder sie über den Haufen werfen zu müssen. Auch das ist ja ein Fortschritt, wenn man erkennt, dass man Dinge übersehen hat und falsch liegt.


FG: Wie sind Sie zum Thema Finanzen gekommen?

MK: Ich mag Geld. Schon als Kind gab es mir ein beruhigendes Gefühl, wenn mein Vermögen stetig anwuchs, es gab mir Sicherheit. Mit Vermögen meine ich hier allerdings mein Guthaben auf meinem Taschengeld-Blümchen-Sparbuch, also ziemlich bescheidene Summen. Ich habe dann, noch als Schüler, das Thema Börse für mich entdeckt und nach dem Abitur mit einer Banklehre die Grundlage dafür gelegt, dass ich kaufmännische Zusammenhänge besser verstehe, aber auch die Art und Weise, wie Geld entsteht, welche Wege es nimmt, wie es sich vermehrt und welche Abläufe im Hintergrund nötig sind, um die Geldströme zu steuern und am Laufen zu halten. Ich denke, dass mir diese Einblicke auch heute noch helfen, manche Meldungen aus einer anderen Sicht zu betrachten, nicht nur aus Sicht eines Investors.


FG: Es ist interessant, dass sich auch Unternehmensberater für Finanzen interessieren. Gibt es in Ihrem Fachgebiet Dinge, die Sie für Ihr Finanzleben ableiten können?

MK: Der Weg war ja anders herum, das Interesse für Finanzen war zuerst da und ist sicherlich auch ein Grund für meine berufliche Ausrichtung. Ich bin ja auch noch Aufsichtsratsmitglied und seit einigen Jahren Aufsichtsratsvorsitzender eines kommunalen Energieversorgungsunternehmens. Auch dabei geht es um Zahlen, Geschäftsberichte, Anpassungserfordernisse beim Geschäftsmodell und ich erkenne bei jeder Aufsichtsratssitzung aufs Neue, dass ich viel zu wenig weiß und dass andere Leute ganz andere Fragen stellen als ich. Fragen, die selbst auch hätte stellen sollen, weil die Antworten mir neue Einblicke und Informationen gebracht haben. Ich bin zwar Vorsitzender aber eben auch Mitglied eines Teams, das den Vorstand berät, aber eben auch überwacht. Andere Leute haben andere Hintergründe, andere Fachgebiete und andere Interessen. Daraus ergeben sich andere Sichtweisen und neue Denkansätze. Und hier schlage ich den Bogen zurück zum Blog: ich bin als Blogbetreiber auch hier in einer herausragenden Position, ich verfasse die Artikel und gebe damit meine Meinung vor. Als Diskussionsgrundlage und als Teil des Teams, zusammen mit den Lesern, gewinnen wir zusammen in den Diskussionen neue Erkenntnisse, neue Sichtweisen. Das ist der wahre Mehrwert für mich, den ich aus dem Blog ziehe. Nur wenn man versucht, ständig besser zu werden, hat man die Chance, gut zu sein und zu bleiben.


FG: Wie kommen Sie zu Ihren Inhalten? Welche Bücher lesen Sie?

MK: Der Schwerpunkt bei der Lektüre liegt schon im Bereich Value Investing. Im Grunde gibt es hier seit Benjamin Graham keine neuen Erkenntnisse, aber es gibt immer wieder neue Ansätze, das Wissen in der Praxis umzusetzen. Wir Menschen sind verschieden und wir allen brauchen unterschiedliche Wege, um zur Erkenntnis zu gelangen.

Des Weiteren lese ich auch Bücher über Behavioral Finance. Die eigenen Emotionen sind unser Feind an der Börse, die der anderen sind unser Freund. Denn emotionale Ausnahmesituationen sorgen für Übertreibungen des Marktes, für einseitige Schieflagen, in denen Investoren ihre Chancen nutzen können. Hier klaffen die Abstände zwischen Wert und Kurs einer Aktie stark auseinander und je nach Lage ergibt sich eine herausragende Kauf- oder Verkaufsgelegenheit. Das Verständnis für emotionale Beweggründe an der Börse ist für Value Investoren elementar, sie ist der Schlüssel dafür, Chancen als solche zu erkennen und vermeintlichen Chancen aus dem Weg zu gehen.


FG: Was war Ihre allererste Investition?

MK: Meine erste Aktie habe ich 1988 gekauft, ich glaube sogar noch vor meinem 18. Geburtstag, die Vereins- und Westbank AG aus Hamburg, heute eine Tochter der italienischen UniCredit. Weil die ein tolles Buffet auf der Hauptversammlung haben sollten, wie mir aus Insiderkreisen versichert worden war, denn ein Nachbarjunge war der Neffe eines Vorstandsmitglieds. Dem war auch so und daher hat sich das Investment letztlich gelohnt. Kursgewinne habe ich kaum eingefahren, aber zum Reinschnuppern in die Welt der Aktien war das kein ganz schlechter Start. Ich habe die Hauptversammlung besucht, eine Dividendenausschüttung miterlebt, mich über die Bank- und Börsenprovisionen – und die Steuern – geärgert und am Auf und Ab der Börsenkurse teilgenommen.


FG: Welchen Ratschlag können Sie unseren Lesern in kurzen Worten zu der aktuellen Börsenlandschaft geben?

MK: Auf lange Sicht sind Aktienkurse immer gestiegen, selbst wer zum Höchstpunkt eingestiegen ist, hat bisher immer Kursgewinne eingefahren. Auf den Gesamtmarkt gesehen, bei einzelnen Investments erleidet man durchaus auch mal Schiffbruch. Es gibt keine Möglichkeit, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden. Nur im Rückspiegel erkennt man sie, aber sich damit zu beschäftigen, ist völlig überflüssig. „Kaufe nicht, wenn der Kurs am niedrigsten ist, verkaufe nicht, wenn er am höchsten ist. Das können nur Lügner“, mahnte uns diesbezüglich schon Börsenlegende Bernard Baruch.

Es kommt also nicht darauf an, den günstigsten Kurs zu erwischen, sondern darauf, das richtige Unternehmen zu finden. Ein Unternehmen, das den Widrigkeiten trotzen kann, ein fähiges und ehrliches Management hat und eine solide Bilanz. Und dessen Aktienkurs unterhalb seines fairen Wertes liegt. Findet man ein solches Unternehmen, dann ist immer der richtige Zeitpunkt, seine Aktien zu kaufen. Und dann muss man Geduld haben, dem Unternehmen einfach die Zeit lassen, sich zu entwickeln. Sein Aktienkurs mag Kapriolen veranstalten, aber der Wert seiner Aktien tut das nicht einmal ansatzweise. Übertreibungen nach unten sind Nachkaufgelegenheiten, Übertreibungen nach oben sollte man zu Gewinnmitnahmen nutzen. Ansonsten sollte man einfach abwarten und auf seinem Hintern sitzen, so lautet Charlie Mungers Rat. Und als Partner von Warren Buffet sollte er mit am besten wissen, wie man an der Börse erfolgreich investiert.


FG: Herr Kissig, Sie erhalten heute 1 Million Euro geschenkt. Wie verwenden Sie das Geld?

MK: Die Börsen sind momentan vergleichsweise hoch bewertet, was auch an den niedrigen Zinsen liegt. Ziehen Inflation und damit auch die Zinsen an, kann das negativ für die Börsenkurse wirken. Und es bleibt abzuwarten, was Trump als Präsident wirklich tut, das wird Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Börsen haben, nicht nur in den USA. Ich würde in der aktuellen Situation daher nicht „all in“ gehen, also nur rund die Hälfte des Geldes in ausgesuchte Werte stecken, die zurzeit ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Die andere Hälfte hielte ich in Cash, um bei einem möglichen deutlicheren Rücksetzer der Börsen beherzt zugreifen zu können.


FG: Wer ist Ihr größtes Vorbild?

MK: Es mag jetzt einfallslos klingen, als Value Investor Warren Buffett zu nennen, aber er ist es. Nicht, weil er der wohl erfolgreichste Investor aller Zeiten ist oder der zweitreichste Mensch der Welt, sondern weil er eine feste Überzeugung hat, einen genauen Plan, wie erfolgreiches Investieren funktioniert. Und von diesem Plan weicht er nicht ab, er hat die nötige Geduld, er hat die nötige emotionale Distanz zu den Aktienkursen, um im günstigsten Moment gegen den Markt zu handeln, wenn es ihm richtig erscheint. Er setzte auf dem Hochpunkt der Finanzkrise Milliarden auf Goldman Sachs und auf die Bank of America, als niemand mehr eine Zukunft sah. Aber Buffett kaufte nicht blind, nur weil die Aktien abgestützt waren, sondern er war überzeugt davon, dass die Banken und insbesondere diese Banken die Krise überstehen würden, dass das Finanzsystem als ganzes die Krise überleben würde. Und deshalb kaufte er sich in die Banken ein, als alle anderen die Aktien in Panik auf den Markt warfen. Für Buffett war es eine rationale Entscheidung, während alle anderen emotional kollabierten. Buffett kann zu jeder Zeit das Business eines Unternehmens von seinem Aktienkurs trennen und geht konsequent seinen Investmentweg. Und deswegen ist er mein größtes Vorbild, denn es ihm gleich zu tun, macht uns zu besseren Investoren.


FG: Vielen Dank Herr Kissig für die tollen Einblicke. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Ihrem Blog und Ihren Investments.

Dienstag, 22. November 2016

Zukauf: Die Deutsche Rohstoff AG kommt in den USA jetzt ganz groß raus

Die Deutsche Rohstoff AG hat einen Lauf und das nicht nur beim Aktienkurs. Der hatte die letzten Tage davon profitiert, dass der Ölpreis wieder merklich anzog, da sich die Zeichen auf eine Förderbegrenzung beim nächsten OPEC-Treffen verdichteten. Und das Öl- und Gasgeschäft in den USA ist das Kerngeschäft der DRAG, das nun gerade erst richtig an Fahrt aufnimmt.

Die jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen waren noch verhalten aufgenommen worden, da die DRAG einen Verlust berichten musste. Allerdings war das auch zu erwarten, denn sich hatte im laufenden Jahr ihr Bohrprogramm in den USA kräftig ausgeweitet und die dafür anfallenden Kosten haben das Ergebnis bisher belastet, während die Einnahmen erst im ab dem vierten Quartal zu sprudeln anfangen, da die Quellen nun an die Produktion gehen. Für das Gesamtjahr 2016 erwartet das Unternehmen einen Nettogewinn im Konzern von €8-10 Mio. Das Ergebnis wird wesentlich von den Öl- und Gasverkäufen der US-Töchter Elster Oil & Gas und Cub Creek Energy im 4. Quartal sowie von Steuererstattungen in den USA bestimmt sein. Diese erhält die DRAG, weil sie beim Verkauf ihrer damaligen Tochter Tekton Energy für mehr als $200 Mio. knapp $38 Mio. an Steuern bezahlen musste und diese Steuern werden anteilig zurückerstattet, wenn die DRAG wieder in den USA in die Exploration neuer Lagerstätten investiert. Ein ziemlicher Wettbewerbsvorteil also...

Bisher fuhr die DRAG ihr Bohrprogramm sukzessive hoch und immer mehr dieser Quellen gingen ans Netz. Doch jetzt macht sie einen Riesenschritt, denn ihre US-Tochterfirma Salt Creek Energy hat soeben eine Akquisition von Flächen in North Dakota für einen Kaufpreis von $38,1 Mio. unterzeichnet. Es handelt sich um insgesamt 1,795 Netto-Acres (726 Hektar) mit 60 bereits produzierenden und rund 90 geplanten Bohrungen. Die Bohrungen produzieren aus den Formationen "Bakken" und "Three Forks" im Williston Basin und der durchschnittliche Anteil von Salt Creek an den Bohrungen wird etwa 8% betragen.

Die auf Salt Creek entfallende Produktion beläuft sich derzeit auf ca. 550 BOEPD (Barrel Ölequivalent pro Tag), so dass unter der Annahme eines durchschnittlichen Ölpreises (WTI)von $50 je Barrel mit einem Umsatz für Salt Creek von $6,5 Mio. und einem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von $4,8 Mio. für 2017 zu rechnen ist. In den Folgejahren werden Umsatz und EBITDA nach der Planung dann stark steigen. Alle neuen Flächen sind "non-operated", Salt Creek ist also nicht Betriebsführer. Die Bohrungen werden vielmehr von einigen der bekanntesten und größten US Öl & Gas Unternehmen wie Hess Corporation, EOG Resources,Statoil, Whiting Petroleum und XTO Enery durchgeführt.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net) 
Der Stichtag der Transaktion ist der 1. September 2016, so dass Salt Creek Umsätze und Kosten ab diesem Zeitpunkt zugerechnet werden. Salt Creek erwartet, dass die Akquisition bis Ende Dezember 2016 abgeschlossen sein wird. Die Finanzierung erfolgt durch eine Kombination von Eigenkapital- und Fremdkapital. Unter anderem wird Salt Creek ein auf die erworbenen Reserven abgestelltes Darlehen einer US-Bank in Anspruch nehmen (Reserved Based Lending Facility). Nach Abschluss der Transaktion wird die Deutsche Rohstoff einen Anteil von 90% an Salt Creek halten.

Die verbleibenden, noch nicht abgeteuften 90 Bohrungen, die einen signifikanten Anteil des Wertes der Flächen ausmachen, werden von den Betriebsführern voraussichtlich in den nächsten 3 bis maximal 5 Jahren gebohrt. Die dafür notwendigen Investitionen wird Salt Creek weitgehend aus dem Cashflow der bereits produzierenden Bohrungen finanzieren können. Der Gesamtumsatz aller Bohrungen des Projekts über einen Zeitraum von 20 Jahren wird über $200 Mio. und das EBITDA über $140 Mio. betragen unter der Annahme, dass alle ausstehenden Bohrungen tatsächlich abgeteuft und die erwartete Produktion erbringen werden.

Meine Einschätzung
Mit diesem Deal gelingt der DRAG ein großer Wurf. Sie kann den Eigenanteil des Kaufpreises aus ihren hohen Cash-Reserven bezahlen und es fließen unmittelbar Erlöse in die Kasse, da bereits 60 Bohrungen in der Produktion sind. Und das bereits rückwirkend ab September. Die DRAG ist nicht Betriebsführer, sondern hängt sich hier an einige der größten US-Förderer ran, so dass dieser Kauf eher eine Art Finanzbeteiligung darstellt. Die DRAG weitet ihr US-Geschäft signifikant aus auf einige der hochwertigsten Flächen für Öl- und Gas- Entwicklung in den USA und auch aus regionaler Sicht erfolgt hierbei eine Diversifikation. Und wie Tim Sulser, CEO von Salt Creek Oil & Gas, kommentierte, stellt diese Transaktion nicht nur einen wichtigen Meilenstein für Salt Creek und die DRAG dar, sondern diese Flächen sollen vielmehr als Ausgangspunkt für den Aufbau einer signifikanten Position im Williston Basin genutzt werden.

Die DRAG kann sich durch den Zukauf eine langfristige und wirtschaftlich robuste Produktion sichern und ihr Geschäft in den USA auf eine breitere Basis stellen. Der Kaufpreis wird aus Eigen- und Fremdmitteln bestritten und die in den nächsten Jahren anfallenden Kosten für die 90 weiteren Bohrungen sollen weitgehend aus dem erzielten Cashflow der bisher schon produzierenden 60 Quellen finanziert werden. Es wird also nicht zu umfangreichen weiteren Mittelabflüssen aus der DRAG kommen, während der neue Strom an Öl und Gas neben Cash auch Gewinne in die Bilanz der DRAG treiben wird. Das EBITDA aus diesem Deal wird auf Sicht der nächsten 20 Jahre bei $140 Mio. gesehen, während der heutige Kaufpreis $38 Mio. beträgt. Als Ölpreisannahme für die EBITDA-Schätzung wurde die WTI-Terminkurve vom 15. November 2016 zugrunde gelegt, so dass über den anvisierten Zeitraum ein Durchschnittspreis im Bereich von rund $55 je Barrel zugrunde gelegt wird. Eine mögliche Steigerung des Ölpreises ist also nur bedingt eingepreist und es würde sich direkt auf die Höhe der erzielten Gewinne auswirken, sollte der Ölpreis in den nächsten Jahren die Marke von $60 je Barrel durchbrechen und höher notieren. Jeder Dollar Preisanstieg beim Öl findet sich fast eins zu eins in der Kasse der DRAG wieder.

Die DRAG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eine der größten Positionen in meinem Depot. Obwohl das Explorationsgeschäft größeren Risiken unterliegt, weist die DRAG aufgrund des hohen Cash-Bestands und der vergleichsweise niedrigen Förderkosten von knapp $30 je Barrel ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis auf und der neue Deal belegt eindrucksvoll, dass die DRAG hier auf einem sehr erfolgreichen Weg ist. Die nächsten Zahlenwerke werden hier ganz neue Eindrücke vermitteln, nachdem die Produktion nun so massiv angelaufen ist und auch die Gewinne sprudeln.

Helma Eigenheimbau: Bauen Anleger hier auf Sand oder Beton?

Die Helma Eigenheimbau AG war ein Börsenhighflyer, denn seit Ende 2012 hast sich der Aktienkurs bis zum Sommer von €10 auf €60 glatt versechsfacht. Seitdem geht alles schief und der Kurs sackte um gut 25% ab, heute alleine noch einmal 7%. Und es scheint wirklich alles gegen Helma zu laufen.

Problem 1: heißgelaufener Immobilienmarkt
Der Immobilienmarkt in Deutschland boomt seit 2010 und die Preissteigerungen kennen kaum ein Halten. Die Nachfrage nach schicken Einfamilienhäusern ist stark angezogen, auch gerade im hochpreisigen Segment, das Helme Eigenheimbau bedient. Energiesparhäuser sind der Klientel sehr lieb und teuer. Doch immer mehr Stimmen werden laut, das das Wachstum, die Preissteigerungen nicht endlos so weitergehen können, dass der Markt in eine Übertreibung hineinläuft.

Problem 2: steigende Zinsen
Spätestens nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen und seinem angekündigten öffentlichen Investitionsprogramm steigen die Zinsen an den Märkten an; sie nehmen die immer wahrscheinlicher werdenden Leitzinserhöhungen der US-Notenbank FED vorweg. Und steigende Zinsen bremsen die Nachfrage nach Immobilien, denn je höher der Zinssatz umso teurer die monatliche Rate für den Immobilienkredit. Das wirkt insofern preisdämpfend, als dass  sich dann immer weniger Menschen noch den Kauf leisten können und somit die nachlassende Nachfrage zu Preisrückgängen führt.

Problem 3: zurückgehender Auftragseingang
Helma hat neulich Zahlen für die ersten 9 Monate des Jahres präsentiert und dabei musste man einen erheblichen Rückgang beim Auftragseingang ggü. dem Vorjahreswert einräumen. In den ersten 9 Monaten lag der Nettoauftragseingang bei €190,5 Mio., während er im Vorjahreszeitraum noch bei €205 Mio. gelegen hatte. Und ein sinkender Auftragseingang bedeutet sinkende Umsätze und gewinne in der absehbaren Zukunft.

Es spricht also alles gegen Helma Eigenheimbau und der Kursrückgang sollte somit gerechtfertigt sein. Allerdings... kann man die Dinge auch anders sehen.

 Helma Eigenheimbau AG (Quelle: finanzen.net) 
Bisher ist nämlich nicht absehbar, dass sich der Immobilienboom seinem Ende nähert. Im Gegenteil, in den Metropolen steigt die Nachfrage weiter stark an und an den Stadträndern schießen Neubaugebiete für Einfamilien- und Reihenhäuser aus dem Boden, während in den Stadtkernen der Metropolen eher auf Geschosswohnungsbau gesetzt wird. Die dortige Verdichtung drängt immer mehr junge Familien an die Stadtgrenzen.

Steigende Zinsen in den USA müssen nicht sofort zu steigenden Zinsen in der Eurozone führen, denn die Konjunktur und Wirtschaftswachstum hinken in Euroland der US-Wirtschaft noch deutlich hinterher und solange die Inflation in der Eurozone nicht deutlich anzieht, wird die EZB nicht viel Spielraum für Zinserhöhungen haben. Auch dürften Zinssteigerungen nur langsam erfolgen und somit nicht allzu starke Auswirkungen auf die Immobiliennachfrage haben - im Gegensatz, es könnte zunächst eine verstärkte Nachfrage aufgrund von Vorzieheffekten geben.

Und dann war da noch der Auftragseingang. Das Helma-Management hatte bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass 2016 der Auftragseingang über das Jahr gesehen gleichmäßiger eintrudeln würde als 2015. Dort hatte gerade das dritte Quartal für einen einsamen Rekord gesorgt, als sich der Wert auf €94,9 Mio. mehr als verdoppelt hatte. Und das lag vor allem daran, dass der Verkauf eines Wohnimmobilienprojektes mit einem Volumen von €25,5 Mio. gelang, welches ursprünglich für den Einzelvertrieb vorgesehen war und im August 2015 vollständig an einen institutionellen Investor verkauft werden konnte. Wäre der Verkauf wie normal üblich über Einzelveräußerungen erfolgt, hätten diese sich etwa hälftig auf 2015 und 2016 verteilt. Bereinigt man also den Auftragseingang um diesen Großauftrag liegt er in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 sogar um €11,0 Mio. über dem Vorjahreswert!

Nun, wenn also die kritischen Aspekte gar nicht so kritisch sind, dann kann man auch mal den Blick nach vorne richten. Helma erwartet ein starkes viertes Quartal und hält an seinen Jahresprognosen fest. Und greift man auf die Prognosen von GBC Research zurück, sollte der Umsatz in diesem Jahr bei rund €266,4 Mio. landen und im nächsten Jahr bereits €341 Mio. betragen und bis 2018 auf € 421 Mio. steigen. Der Jahresüberschuss soll unter Margen-Ausweitung sogar noch etwas stärker zulegen und zwar von erwarteten €13,04 Mio. für 2016 über €18,63 Mio. in 2017 bis auf €25,14 Mio. in 2018. Auf die einzelne Aktie bezogen ergeben sich Ergebnisse je Aktie von €3,26 für 2016, €4,66 für 2017 und €6,29 für 2018.

Derart rasante Gewinnsteigerungen lassen auch ein entsprechend hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis zu. Doch basierend auf den genannten Zahlen läge beim aktuellen Börsenkurs von €46 das 2017er KGV bei knapp 10 und für 2018 sogar bei nur 7,3. Das würde man unter normalen Umständen einem gesättigten Unternehmen zubilligen, das keinerlei Umsatz- und Ergebniswachstum mehr aufzuweisen hat.

Meine Einschätzung
"Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt und der dümmste Grund eine Aktie zu verkaufen ist, weil sie fällt", lehrt uns Warren Buffett. Andererseits mahnt Peter Lynch: "Nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann". Und damit läuft alles wieder auf Immanuel Kants Rat hinaus, man solle sich doch bitte seines eigenen Verstands bedienen. Und das habe ich getan. Dabei komme ich zu der Überzeugung, dass der Kurssturz bei Helma Eigenheimbau um knapp 25% übertrieben ist, dass die allgemeine schlechte Stimmung für alle Bau- und Immobilienwerte auf eine missverstandene Erfolgsmeldung stieß, und diese Gemengelage hat in der Folge dann Kursverluste ausgelöst, die ihrerseits wiederum weitere Verkäufe von Anlegern nach sich zogen, die auf hohen Kursgewinnen saßen.

Für mich als Nicht-Aktionär bei Helma Eigenheimbau stellte sich also die Frage, ob sich hier eine große Chance bietet, zu vergleichsweise günstigem Preis in ein herausragendes Unternehmen zu investieren. Und meiner Meinung nach bietet Helme Eigenheimbau auf dem aktuellen Kursniveau ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis. Der vermeintliche Rückgang beim Auftragseingang ist ein bereits seit Längerem kommunizierter Einmaleffekt, der keinerlei negative Auswirkungen auf das Unternehmen hatte. Ganz im Gegenteil. Und im aktuellen Quartal laufen die Geschäfte wie geplant und daher muss auch an der Jahresprognose nichts verändert werden; der Vorstand geht sogar davon aus, dass das vierte das stärkste Quartal des Geschäftsjahres werden dürfte.

Der hohe neue Auftragseingang sichert die Auslastung für die kommenden Quartale und auch wenn die Stimmung nicht mehr uneingeschränkt rosig ausfällt, so ist sie doch weit davon entfernt, sich deutlich einzutrüben. Daher denke ich, Helma Eigenheimbau ist auf diesem Niveau eine Investition wert und spätestens die Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal werden "Zittrigen", die jetzt ihre Aktien in Panik auf den Markt geschmissen haben, die Augen öffnen. Die "Hartgesottenen", wie André Kostolany sie nannte, dürften zugreifen und ihre zweite Chance suchen, um bei dieser erfolgreichen Wachstumsstory mittel- und langfristig dabei zu sein.

Ich nehme Helma Eigenheimbau mit meinem Einstiegskurs von €45,66 auf meine Empfehlungsliste.



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ERGÄNZUNG vom 23.02.2017, 16:30

Helma Eigenheimbau streicht langfristige Prognosen drastisch zusammen

Das Unternehmen vermeldete Rekordzahlen für 2016, musste aber seine langfristigen Prognosen drastisch reduzieren. So kalkuliert Helma Eigenheimbau für 2017 nur noch mit Umsätzen von 290 bis 300 Mio. € statt bisher mit 340 Mio. €. Für 2018 wurde die Messlatte von 420 Mio. € auf 325 bis 340 Mio. € tiefer gehängt und 2019 sollen dann 370 bis 400 Mio. € erlöst werden. Zwar sollen die Umsätze/Aufträge "nur" in Folgejahre verschoben werden, aber die Begründung ist doch einigermaßen verstimmend: Bauanträge würden zu langsam bearbeitet in den Bauverwaltungen und "Marktteilnehmer wären überlastet". Das klingt nach dauerhaften Problemen und so wird Helma wohl die nächsten mit weniger Wachstum klarkommen müssen. Das reduziert natürlich die Erwartungen und damit den Wert des Unternehmens. Dass eine solche gewaltige Prognosesenkung stattfinden muss, wirft Fragen auf, ob der Vorstand nicht viel zu optimistisch geplant hat und ob er nicht früher hätte gegensteuern und ggf. warnen müssen. Die letzten Insiderverkäufe im Dezember haben jedenfalls in diesem Zusammenhang ein echtes Geschmäckle und meine Einstellung zum Unternehmen hat sich erheblich verschlechtert. Eine Kaufchance sehe ich hier auch nach dem mehr als 15-prozentigen Kurseinbruch nicht, dazu ist das Vertrauensverhältnis zu stark gestört.

Im Gegenteil: Ich streiche Helma Eigenheimbau nach nur drei Monaten bei €45,46 von meiner Empfehlungsliste!

Montag, 21. November 2016

Unter Strom: Bringt MBB seine E-Mobility-Tochter Aumann jetzt an die Börse?

Beim Beteiligungsunternehmen MBB SE spielt das Thema Elektromobilität eine immer größere Rolle und dem trägt das Unternehmen nun mit einer Umstrukturierung Rechnung. So negativ dieser Begriff besetzt ist, beflügelt er doch in diesem Fall die Phantasie, denn es geht um neu zu schaffende Strukturen, um aus einer Position der Stärke heraus weiteren Wert für das Unternehmen zu schaffen.

Vor einigen Jahren übernahm MBB von der Claas-Gruppe den Automobilzulieferer Claas Fertigungstechnik und die neue MBB Fertigungstechnik katapultierte die Beteiligungsholding in neue Dimensionen beim Umsatz und Gewinn. Letztes Jahr erfolgte dann der richtungsweisende Zukauf der Aumann-Gruppe, einem auf Anlagen zur Spulenwicklung für Elektromotoren spezialisierten Unternehmen. Eigentlich war der Plan, freie Kapazitäten der MBB Fertigungstechnik mit Aumann-Aufträgen zu füllen, aber da die MBB FT selbst wieder voll ausgelastet war, muss Aumann aus eigener Kraft das enorme Wachstum abfedern. Dabei führt die Nachfrage nach E-Mobilitätslösungen, insbesondere der Motorwickelmaschinen und voll automatisierten Fertigungslinien, führt zu außerordentlichen Auftragseingängen bei Aumann. Diese Entwicklung hat sich im Geschäftsjahr 2016 deutlich beschleunigt, weil die Automobilindustrie verstärkt in diesen Bereich investiert.

Die Aumann-Gruppe wächst außerordentlich
Während im Geschäftsjahr 2015 unter Berücksichtigung der unterjährigen Erstkonsolidierung €94 Mio. Umsatz erzielt wurden, plant die Aumann-Gruppe (zur der neben Aumann selbst auch die MBB FT gehört) im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von über €150 Mio. Der Auftragseingang des laufenden Geschäftsjahres liegt aktuell bei €180 Mio., wobei für das Segment Elektromobilität im Geschäftsjahr 2016 bereits ein Umsatzanteil von rund 25% erwartet wird. Die Aumann-Gruppe beschäftigt derzeit 569 Mitarbeiter, 94 Mitarbeiter mehr als noch zum 31. Dezember 2015. Zudem wurde im Geschäftsjahr 2016 entschieden, mehr als 7.000 qm neue Betriebsgebäude zu errichten, wovon rund 2.000 qm bereits genutzt werden. Die Aumann-Gruppe ist per Saldo unverschuldet und verfügt zum Ende des dritten Quartals 2016 über ein Eigenkapital von rund €40 Mio., was einer Eigenkapitalquote von etwa 32% entspricht.

Und jetzt werden jetzt die Voraussetzungen dafür geschaffen, dieses sehr starke Wachstum der MBB-Maschinenbauunternehmen in Umsatz und Gewinne ummünzen zu können. Daher bündelt MBB seine Maschinenbaukapazitäten künftig in neuen Strukturen:

  • Die MBB Technologies GmbH wird zur Aumann AG umgewandelt und unter ihrem Dach werden die vollkonsolidierten Gesellschaften Aumann GmbH, Aumann Berlin GmbH, Aumann Immobilien GmbH, Aumann North America Inc., MBB Fertigungstechnik GmbH und MBB Technologies (China) Ltd. zusammengefasst.
  • Ingo Wojtynia, der als geschäftsführender Gesellschafter bisher Minderheitsanteile an den 2015 mehrheitlich von MBB erworbenen Aumann Gesellschaften hält, bringt diese Anteile in die Aumann AG ein. MBB SE wird somit 93,5% der Aktien der Aumann AG halten und Ingo Wojtynia 6,5%.
  • Zu Vorständen der Aumann AG wurden Ludger Martinschledde und Rolf Beckhoff bestellt. Aufsichtsratsvorsitzender der Aumann AG ist Gert-Maria Freimuth, der Mitgründer und Verwaltungsratsvorsitzender der MBB SE ist.

MBB prüft Börsengang der Aumann AG
Die neue Struktur ist aber kein Selbstzweck und soll nicht nur die sehr erfolgreiche Führung der Tochterunternehmen an das Unternehmen binden und mehr Kompetenzen einräumen. Sie ist vielmehr Voraussetzung für einen weitergehenden Plan der MBB. Denn um der Aumann-Gruppe im sehr stark wachsenden Zukunftsmarkt der Elektromobilität größtmögliche Entwicklungsspielräume zu eröffnen, wird derzeit ein Börsengang in Erwägung gezogen.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net) 
Auf diese Weise würde der wachsenden Bedeutung der E-Mobilität im MBB-Konzern deutlicher Rechnung getragen und MBB bzw. die Aumann AG würden bei einem Börsengang frische Mittel für die weitere Expansion und den Ausbau des Geschäfts generieren. MBB wird in jedem Fall mehrheitlicher Aktionär der Aumann AG bleiben und so die Zügel in der Hand behalten. Wie es auch bei einer anderen Tochter der Fall ist, der Delignit AG, die ebenfalls von MBB an die Börse geführt wurde und wo man etwas mehr als 75% der Anteile hält.

Meine Einschätzung
MBB hat im richtigen Moment den richtigen Zukauf getätigt, da kann man nur den Hut ziehen. Die Aumann-Gruppe und auch die MBB Fertigungstechnik wachsen stark und sind die beiden Haupt-Umsatz- und Gewinnbringer im MBB-Konzern. Diesem Umstand wird nun Rechnung getragen und ein Börsengang würde der Aumann AG eine viel höhere Aufmerksamkeit und ein größeres Spektrum an Entfaltungsmöglichkeiten bieten. So wäre auch denkbar, künftig Übernahmen mit Aumann-Aktien zu begleichen und in der aufstrebenden Branche zu einem bestimmenden Faktor bei anstehenden Konsolidierungen zu werden.

MBB wird in jedem Fall profitieren, denn durch die neue Gewichtung der Aumann-Gruppe im Konzern wird auch der Blick häufiger auf MBB selbst gerichtet werden und auf die Perlen, die in ihrem Beteiligungsportfolio schlummern. Da "versteckt" sich nicht nur die Delignit, auch Hanke Tissue oder CT Formpolster, OBO Werke oder DTS IT, ein Cloud- und Security-Spezialist.

MBB wird mit ruhiger Hand geführt von den Gründern Freimuth und Nesemeier und reift sukzessive zu einem immer wertvolleren Unternehmen heran. Anleger dürften auch künftig gut damit fahren, die beiden einfach machen zu lassen, sich zurückzulehnen und dem Wert- und Kurszuwachs ihrer Aktien zuzusehen. Geduld wird bei MBB belohnt und auch bei über €44 dürfte die Luft noch nicht dünn werden angesichts der Wachstumsperspektiven für Umsatz und Gewinn. Gespannt dürften auch die Zahlen zum dritten Quartal erwartet werden, die MBB am 30. November vorlegen will.

MBB und Delignit befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.


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ERGÄNZUNG
Sehr informativ ist die aktuelle Unternehmenspräsentation, die zum dieser Tage stattfindenden Eigenkapitalforum in Frankfurt veröffentlicht wurde, auf dem sich u.a. auch MBB Investoren präsentiert.

Jubiläum: seit fünf Jahren wird hier intelligent investiert

Heute vor fünf Jahren hatte ich die Idee, ein Blog zu starten und über das zu schreiben, was mich schon seit vielen Jahren, eher Jahrzehnten, fesselt: die Börse. Und zwar über die Art und Weise, wie man es richtig macht, wie man erfolgreich sein Vermögen an der Börse anlegt oder aber erst einmal eines aufbaut. Knapp 25 Jahre Erfahrung und eine Menge an Fehlgriffen waren eine gute Basis, um mich mit anderen über das Thema auszutauschen und meine gewonnenen Erkenntnisse mit ihnen zu teilen. Im Grunde wusste ich nicht genau, was mich erwarten würde, denn wie schon Oscar Wilde anmerkte, es ist leichter über Geld zu schreiben, als welches zu machen.

Ich stürzte mich in das neue Projekt und gab ihm den Namen eines Buches, das mich sehr beeindruckt hatte: "intelligent investieren". Benjamin Graham ist der Autor und es handelt vom Value Investing, dem Investieren in unterbewertete Assets, überwiegend Aktien.

Da ich eine Vorliebe für Zitate habe, startete ich am 21.11.2011 mit diesem Beitrag, einer Weisheit Benjamin Grahams, die auch ein Leitmotiv für dieses Blog sein sollte. Und bis heute ist.

»Man hat weder Recht noch Unrecht, weil andere derselben Meinung sind. Man hat Recht, weil die Fakten stimmen und die Überlegungen folgerichtig sind.«
(Benjamin Graham)

In diesem Blog geht es um Fakten, aber ihre Auslegung ist mindestens genauso wichtig, denn sie macht den Unterschied zwischen einem Gewinn und einem Verlust an der Börse. Der Theorie der effizienten Märkte, auch wenn sie mit einem Wirtschaftsnobelpreis geadelt wurde, konnte ich nie etwas abgewinnen. Sie klingt wie das allmächtige Schicksal, der Gedanke, dass alles bereits vorherbestimmt ist und man daher eigentlich keine Entscheidungen mehr selbständig zu treffen braucht. Willkommen in der Matrix - aber nicht mit mir. Ich folge hier Kant und benutze meinen eigenen Verstand.

Und gerade die Ineffizienzen des Marktes sind es, die Value Investing überhaupt erst möglich machen. Der Unterschied zwischen Preis und Wert einer Aktie ist der Grund, weshalb Value Investing funktioniert. Und Menschen wie Benjamin Graham, Walter Schloss, Charlie Munger, Warren Buffet, Bernard Baruch, Phillip Carret, Shelby Davis, Philip A. Fisher, John Maynard Keynes, André Kostolany, Peter Lynch oder Sir John Templeton waren deshalb so erfolgreich, weil sie den Grundsätzen de Value Investings folgten, wenngleich auch mit unterschiedlichen Ansätzen, und die an durch die Übertreibungen des Marktes reich wurden. Die Theorie der effizienten Märkte stempelt sie alle zu statistischen Abweichungen ein, zu vernachlässigenden Einzelfällen. Wenn man aber sieht, dass einige von ihnen über 30, 40 oder mehr Jahre den Markt ausperformt haben, wird aus zu vernachlässigenden statistischen Anomalien ein Muster, eine Gesetzmäßigkeit. Und dieses Muster heißt Value Investing. Darum ging es in diesem Blog und darum wird es auch künftig hier gehen, egal ob über grundlegendes Basiswissen oder um Einzelwerte.

 Entwicklung der Besucherzahlen 2011 bis 2016
Mit der Zeit habe ich auch immer mehr Persönliches einfließen lassen in das Blog, manchmal vielleicht mehr als gut ist. Aber meine Motivation ist, über meine Einschätzungen zu schreiben, zum Markt, zu Unternehmen, nicht nur abstrakt, sondern auch konkret. Und mit euch darüber ins Gespräch zu kommen. Das ist mir wichtig und der eigentliche Antrieb für mich, dieses Blog immer wieder aufs neue zu füttern. Ich bringe euch etwas bei und ich lerne von euch. Meine Ansichten und Einschätzungen basieren auf meiner Erfahrung, meiner Ausbildung, meinen Überzeugungen. Ihr habt hier andere Positionen und Meinungen, andere Schwerpunkte bei der Bewertung von Sachverhalten und daher ist eure Meinung für mich so wichtig. Ich sehe die Aktien und das Investieren nicht mehr nur durch meine Brille, sondern auch mit euren Augen. Und da ich nicht der einzige bin, der eure Kommentare liest, sondern auch andere Leser, profitieren auch sie von den unterschiedlichen Aussagen und können sich ein besseres Bild machen und ihre eigene Meinung kritisch hinterfragen. Ich bilde mir ein, dass dieses Blog für uns alle einen Mehrwert bietet und so lange ich dieses Gefühl habe, werde ich damit weitermachen.

Und ich werde auch in Zukunft dieses Blog kostenlos anbieten; es ist nicht mein Ziel, damit Geld zu verdienen. Was nicht heißt, dass ich nicht die laufenden Kosten über Werbeeinnahmen finanziere und die noch immer ansteigende Zahl der Leser und euer regelmäßiges Klicken auf interessante Anzeigen hilft dabei. So kommen immer mal wieder einige Euros zusammen. Und auch der noch relativ junge "Donate-Button" in der rechten Menüleiste kommt ab und zu zum Einsatz. Es gibt immer mal wieder Zuwendungen zwischen €5 und €50 und ich möchte mich auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für die Anerkennung meiner Arbeit bedanken. Aber bitte versteht mich nicht falsch, so sehr ich mich über diese Art der Bestätigung freue, sie ist doch nicht mein Antrieb, dieses Blog mit Inhalten zu füllen. Der liegt weiterhin darin, mich mitzuteilen und mit euch im Dialog zu stehen über die richtige Art zu investieren, intelligent zu investieren.

Und daher hoffe ich, dass der eine oder andere noch nicht genug von mir und diesem Blog hat und auch sich auch künftig auf diese Seiten verirrt und zuweilen mal einen Kommentar hinterlässt, damit wir alle einen Mehrwert aus diesem Projekt ziehen können. Ich zähle auf euch!

Börsenweisheit der Woche 47/2016

"Bärenmärkte machen die Leute reich. Nur erkennen sie es in dem Moment nicht."
(Shelby Davis)

Donnerstag, 17. November 2016

Schlag auf Schlag: Publity punktet ab jetzt mit gewinntreibenden Exits

Die Publity AG, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, wartet die letzten Wochen mit immer besseren Neuigkeiten auf. Nachdem mehrere NPL-Deals im Volumen von €2,4 Mrd. an Land gezogen wurden und die Einnahmen aus Gebühren und Erfolgsprovisionen in den kommenden Jahren nach oben treiben werden, konnte Publity heute nun den avisierten Verkaufsmarathon starten.

So verkauft das Unternehmen nach etwas über zweijähriger Haltedauer das prominente Büro- und Businesscenter "Wappenhalle" an den französischen Asset Manager Ardian France. Das bekannte Objekt in bester Lage gegenüber der Münchner Messe weist eine Gesamtmietfläche von rund 33.700 qm Bürofläche sowie 544 PKW-Stellplätze auf. Nachdem Publity einige Neuvermietungen vornehmen konnte, ist das Objekt in der Messestadt Riem inzwischen auf dem Weg zur Vollvermietung. Hauptmieter sind das Wappenhalle Businesscenter, die auf Datensicherung spezialisierte Secunet AG sowie die im Bereich Virenschutzsoftware tätige Symantec (Deutschland) GmbH. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, Publity erhält als Asset Manager allerdings einen signifikanten Anteil an der Wertsteigerung, die nun durch die Veräußerung realisiert werden konnte.

 Publity (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Die großvolumige Transaktion bildet den Auftakt zu einer Reihe von Objektveräußerungen, die im Rahmen der Unternehmensstrategie als Asset-Manager in den kommenden Wochen umgesetzt werden sollen. Diese werden dazu beitragen, dass Publity seine angekündigten Jahresziele, immerhin eine Verdoppelung des Jahresüberschusses auf €25 Mio., eine Steigerung des EBIT von €20,3 Mio. auf €37,5 Mio. sowie des Umsatzes von €23,0 Mio. auf €44 Mio., erreichen wird. Mindestens.

Weil sich der Verkaufsprozess etwas länger hingezogen hatte als erhofft, waren Anleger zuletzt etwas nervös geworden. Das hat auch den Publity-Aktienkurs gedeckelt und trotz der großen operativen Fortschritt bei Kunden-Neuakquisitionen und Vermietungen Zweifel am Erreichen der Prognosen genährt. Diese dürften mit dem Auftakt-Verkauf nun endgültig ausgeräumt sein und den Weg frei machen zu einer angemessenen Kursbewertung. Denn wenn wir in den nächsten Tagen und Wochen noch einige solcher Erfolgsmeldungen bekommen, wird das den Kurs jedes Mal aufs neue Zunder geben und die Anleger daran erinnern, dass die Wachstumsstory bei Publity voll in Takt ist.

Ich habe meinen Aktienbestand jedenfalls etwas ausgebaut, weil der Druck auf den Kurs mit jeder weiteren Verkaufsmeldung immer weiter zunimmt. Von unten, wohl gemerkt, wie bei einem Vulkan. Da weiß man auch nur, dass er ausbricht, wenn's brodelt, aber nicht genau, wann. Schlau ist, wer sich rechtzeitig drauf einstellt und nicht erst, wenn's knallt und alle loslaufen...

Der Jahreshöchstkurs lag schon bei knapp €44 und perspektivisch sollte der Weg in diese Richtung frei sein, wenn wir uns im Frühjahr der Hauptversammlung und der Dividendenausschüttung nähern. Denn die angekündigte Dividende von €2,80 je Aktie für das laufende Geschäftsjahr ist ebenfalls ein zündendes Argument für ein Engagement in Publity-Aktien. Setzt Publity seine Erfolgsserie Anfang nächsten Jahres fort, könnten auch neue Allzeithochs winken. Aber das bleibt abzuwarten.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eines meiner größeren Investments in meinem Depot.

Dienstag, 15. November 2016

Zahlen & Mehr: Lloyd Fonds, PNE Wind, Publity, Surteco

▸ Lloyd Fonds
Der Asset-Manager macht ernst mit seinem neuen Geschäftsfeld und hat die "Lloyd WohnWert GmbH & Co. KGaA" gegründet. Damit wird deutschlandweit die erste kapitalmarktorientierte Investmentgesellschaft etabliert, über die vorwiegend institutionelle Anleger in den wachsenden Markt des staatlich geförderten Wohnungsbaus investieren können. Die Aktien werden zunächst vorbörslich an langfristig orientierte institutionelle Investoren platziert und der anschließende Börsengang soll im zweiten Halbjahr 2017 erfolgen. Die Lloyd WohnWert strebt eine Ausschüttungsrendite von 3% pro Jahr an.

Ziel der Gesellschaft ist es, in den kommenden Jahren über Kapitalerhöhungen ein attraktives Portfolio aus Immobilienobjekten im Segment des geförderten Wohnungsbaus mit einer langfristigen Haltestrategie aufzubauen. Dabei werden die Investments maßgeblich in Metropolregionen stattfinden, in denen der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum angesichts wachsender Bevölkerungszahlen und steigender Wohnungs- und Mietpreise besonders groß ist. Ein erstes Objekt in Hamburg wurde auch bereits erworben.

Meine Einschätzung
Die Lloyd Fonds AG stößt mit ihrem neuen Produkt in eine attraktive Nische vor, den Sozialen Wohnungsbau. Während dieses Segment bis vor wenigen Jahren noch ein stiefmütterliches Dasein fristete, hat sich in diesem Bereich einiges gewandelt. Insbesondere sind die Kriterien, nach denen Menschen berechtigt sind, in Sozialwohnungen einzuziehen, ausgeweitet worden. In Schleswig-Holstein gelten inzwischen für Single-Haushalte Einkommensgrenzen von 19.400 Euro pro Jahr. Das ist meilenweit weg vom "Einkommen" auf Hartz IV-Niveau. Die Ausweitung ist Folge der rasant ansteigenden Urbanisierung und des großen Mangels an bezahlbarem Wohnraum über die Gruppe der sozial Bedürftigen hinaus. Auch für normale Angestellte, Polizeibeamte oder Rettungsassistenten ist es in den boomenden Großstädten kaum mehr möglich, eine aus ihrem Gehalt bezahlbare Wohnung zu finden.

Einen Ausschüttungsrendite von 3% ist durchaus attraktiv angesichts der vorherrschenden Nullzinsphase. Und wenn die Wohnungen nach Tilgung der Kredite in vielen Jahren aus der Sozialbindung herausfallen, winken hier unter Umständen noch erhebliche stille Reserven, weil dann Mietanpassungen möglich wären. Insofern dürfte es großes Interesse bei institutionellen Investoren für diese Art der Investment geben und für Lloyd Fonds bietet sich hier eine attraktive Chance, in einem neuen Geschäftsfeld stetige Gebühreneinnahmen zu generieren.

Das Nachsteuer-Ergebnis der Lloyd Fonds AG zum Ende des dritten Quartals lag bei €2,2 Mio. Das Unternehmen bestätigte auf dieser Basis noch einmal seine Prognose, für das Gesamtjahr 2016 ein Ergebnis im oberen Bereich der Spanne zwischen €2 und €3 Mio. zu erreichen.

Der Turnaround bei Lloyd Fonds ist in vollem Gange und Anleger können weiter auf eine kräftige Erholung in den nächsten Jahren setzen, sowohl in Bezug auf die Geschäfte als auch auf den Aktienkurs.


▸ PNE Wind
Der Windpark-Projektierer konnte einige Fortschritte vermelden. Auch wenn es sich (noch) nicht um den mit Spannung erwarteten "großen Deal" bzgl. des YieldCo-Portfolios handelt, ist der Frankreich-Deal der Tochtergesellschaft WKN ein gutes Zeichen. Das Windenergieprojekt Saint Martin l’Ars wurde in der vergangenen Woche an die John Laing Group plc verkauft. Es ist kurz nach der Veräußerung des Windparks „Sommette“ (21,6 MW) im September bereits das zweite Projekt aus dem Anfang des Jahres geschlossenen Rahmenvertrag für John Laing. Das Projekt, das sich bereits in der Bauphase befindet, kommt auf eine Gesamtleistung von 10,25 Megawatt. WKN zeichnet für den Bau der Projekte verantwortlich und wird seitens John Laing erneut als Generalunternehmerin beauftragt.

Meine Einschätzung
Der Aktienkurs steht noch unter Druck wegen der Auswirkungen der Trump-Wahl auf die PNE-Pläne, in Nordamerika die Geschäfte auszuweiten. Hier könnte Trumps Ignoranz ggü. dem globalen Klimawandel und der Mitschuld des CO2-Ausstoßes hieran sowie der Erfordernis, auch saubere Energie zu setzen, hemmend wirken. Des Weiteren muss PNE Wind endlich zu neuen finanziellen Mitteln kommen, also das YieldCo-Portfolio endlich verkaufen und somit bis zu €300 Mio. einnehmen. Hierauf wartet die Börse und dies dürfte der Befreiungsschlag sein, auch für den Aktienkurs. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf ein Wiedererstarken der PNE Wind, nachdem die internen Querelen im Aktionariat endlich der Vergangenheit angehören und ein neuer Chef frischen Wind in den Laden bringt.


▸ Publity
Publit ist weiter gefragt, jedenfalls bei seinen Kunden, den internationalen Finanzinvestoren. Nachdem man in diesem Jahr bereits mehrere Deals im neuen Standbein "Non-performing-Loans" (NPL) erzielen konnte, wurde Publity nun mit der Betreuung eines weiteren Portfolios im Volumen von €700 Mio. betraut. Das zusätzliche Portfolio umfasst etwa 1.200 Immobilien-Kredite mit einer Forderungshöhe von insgesamt mehr als €700 Mio. und der Servicing-Vertrag läuft über 5 Jahre. Publity ist dabei in Form einer Servicing Fee mit 22% am Verwertungserlös beteiligt, es winken also erkleckliche erfolgsabhängige Provisionen. Nachdem man bereits €1,7 Mrd. von einem anderen Investor anvertraut bekam, erhöht sich durch das neue Portfolio das Volumen der NPL-Portfolios nun auf €2,4 Mrd.

Meine Einschätzung
Publity befindet sich voll auf Kurs. Bis zum Jahresende will man die AuM auf €3 Mrd. steigern und mit dem neuen NPL-Deal liegt man nun bei rund €3,2 Mrd., Ende 2017 sollen die AuM dann bereits €5 Mrd. betragen.

Das NPL-Segment soll als zweite Säule des Geschäftsmodells von Publity zum dynamischen Wachstum der Gesellschaft beitragen und das Co-Investment-Kerngeschäft bei Joint Ventures mit institutionellen Investoren ergänzen. Aus diesem Bereich fließen weniger hohe Einnahmen, dafür jedoch verstetigen sie die Einnahmebasis und balancieren sie ein Stückweit aus.

Für Anleger ist der Deal insoweit interessant, als dass die hieraus zu erwartenden Einnahmen erst ab dem nächsten Jahr ihren Niederschlag in den Geschäftszahlen von Publity finden werden, wenn die NPLs auch verwertet werden. Neben der bereits angekündigten Rekorddividende von €2,80 je Aktie, was eine Dividendenrendite von mehr als 8% bedeutet, sollte die Aussicht auf weiter steigende Einnahmen aus Gebühren und Provisionen das Geschäft und den Aktienkurs von Publity befeuern. Darüber hinaus winkt noch der schon länger erwartete größere Exit bei einigen Portfolio-Immobilien, dessen Abschluss einen weiteren kräftigen Impuls für den Aktienkurs zünden würde.

Das Geschäftsmodell von Publity ist (noch) nicht so stetig wie das anderer Gesellschaften und weist höhere Risiken auf. Auf der anderen Seite liegen hier auch besondere Chancen, so dass sich das Chance-Risiko-Verhältnis weiterhin sehr positiv darstellt.


▸ Surteco
Eher unspektakulär kommen die 9-Monatszahlen von Surteco daher, dem weltweit führenden Hersteller von dekorativen Oberflächenmaterialien. Der Konzernumsatz stieg um €7 Mio. auf €490,9 Mio. und das EBIT um 28% auf €30,6 Mio. Die Jahresprognose sieht das Management voll im Zielfenster. So soll der Konzernumsatz leicht gegenüber dem Vorjahreswert (€638,4 Mio.) steigen, während das EBIT des Konzerns voraussichtlich im mittleren bis unteren Bereich der prognostizierten €38 bis €42 Mio. landen soll. Dies wäre "substanziell über dem Vorjahreswert von €31,1 Mio." wie der Vorstand betont.

Meine Einschätzung
Surteco hatte sich an der Übernahme der Süddekor verhoben und die Integration benötigte viel mehr Zeit und Geld als gedacht. Die erhofften Potenziale lassen sich nicht nachhaltig heben und die neue Schlagkraft des Unternehmens lässt auf sich warten. Anleger brauchen hier Geduld und setzen darauf, dass das Management seine Pläne erfolgreich umsetzen kann, auch wenn es (noch) länger dauert, als geplant.

Lloyd Fonds, PNE Wind, Publity und Surteco befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.