Mittwoch, 3. Oktober 2018

Grenke: Es läuft. Einfach, oder...?

Das Familienunternehmen Grenke ist ein Unternehmen, das fast immer unter dem Radar fliegt, denn das Businessmodell IT-Leasing klingt sowas von unsexy. Zu Unrecht - was das Business angeht, nicht den Sexappeal. ツ

Grenke (WKN: A161N3) habe ich viel zu spät entdeckt, die Story und die Kursrallye ist jahrelang an mir vorbei gegangen. Zu unsexy, ihr wisst schon... Dann gab es 2016 eine ausgedehnte Konsolidierungsphase und ich habe mir das Unternehmen endlich mal genauer angesehen - und mich dafür begeistert. Ein echtes Qualitätsunternehmen mit starkem ökonomischen Burggraben.

Mitte 2017 hat der Kurs dann die alten Höchststände hinter sich gelassen und ich habe den Wert hier im Blog vorgestellt als "relativ krisenfestes Wachstumsunternehmen" und mir die Aktien erstmals ins Depot gepackt. Eine Entscheidung, die ich nicht bereue, denn mein Investmentcase ist bisher voll aufgegangen - und auch der Kurs spielt erfreulicherweise mit. Diese Seite der Medaille gehört ja auch zu einem erfolgreichen Investment dazu. Eine positive Kursentwicklung basiert auf lange Sicht letztlich auf überzeugenden Geschäftszahlen. Die zum dritten Quartal hat Grenke soeben vorgelegt. Und die sind durchaus bemerkenswert...


Anhaltende Wachstumsdynamik

Die Zahlen sind schnell zusammengefasst: Das Neugeschäft im Bereich Leasing wuchs in den ersten neun Monaten um 22,6% und liegt damit sogar leicht oberhalb der Jahresprognose (18% bis 22%). Gleichzeitig ist der Deckungsbeitrag 2 um 20,2% gestiegen, so dass neben der Quantität auch die Qualität des Geschäfts weiter zunimmt. Ein absolutes Zeichen von Stärke!

Das akquirierte Volumen der Grenke Gruppe Leasing wurde im dritten Quartal um 21,0% auf 559,7 Mio. Euro gesteigert (462,4 Mio. Euro im vergleichbaren Vorjahresquartal). Dabei wurde im Kernmarkt Deutschland im dritten Quartal ein Plus von 18,1% erzielt und in den weiteren Kernmärkten Frankreich 20,2% und Italien 23,6 %. Damit nahm das Neugeschäft im neunten aufeinander folgenden Quartal um mehr als 20% zu. Beeindruckend!

Die Leasingsparte verzeichnete von Januar bis September 2018 insgesamt 395.264 Leasinganfragen (davon international 330.012), aus denen 195.708 neue Leasingverträge (davon international 160.026) geschlossen wurden. Der mittlere Wert pro Leasingvertragsabschluss bewegte sich mit 8.779 Euro (9M-2017: 8.610 Euro) auf dem geschäftstypischen Niveau. Die Umwandlungsquote, also das Verhältnis von Anfragen zu Vertragsabschlüssen lag insgesamt bei 50%, wobei sie in der DACH-Region 55% erreichte und bei den internationalen Märkten 48%.

"Unser Leasinggeschäft zeichnet sich weiterhin durch sein über alle Regionen hinweg starkes Wachstum sowohl beim Neugeschäftsvolumen als bei den Deckungsbeiträgen aus. Gleichzeitig wahren wir Stabilität bei Umwandlungsquoten und mittleren Vertragswerten. Dies zeigt, dass wir weder zusätzliche Risiken bei der Bonität unserer Kundenbasis noch hinsichtlich der individuellen Vertragsvolumina eingehen, um unser Wachstum aufrecht zu halten."
(Sebastian Hirsch, Mitglied des Vorstands der Grenke AG)

Das Neugeschäft der Grenke Gruppe Factoring profitierte wie schon im ersten Halbjahr 2018 auch im Berichtszeitraum von kräftigen Zuwächsen bei den internationalen Franchisepartnern. Die Summe der angekauften Forderungen nahm im dritten Quartal um 19,1% auf 130,6 Mio. Euro zu (Vorjahreszeitraum: 109,6 Mio. Euro).

Im Segment Factoring legte das Neugeschäftsvolumen in den ersten neun Monaten um 18,4% zu auf 366,2 Mio. Euro (9M-2017: 309,3 Mio. Euro). Die Brutto-Marge des in Deutschland erzielten Neugeschäftsvolumens von 128,6 Mio. Euro betrug 1,66% (9M-2017: 1,72%), während sie in den internationalen Märkten auf 1,31% gesteigert werden konnte (Vorjahreszeitraum: 1,25%)bei einem Neugeschäftsvolumen von 237,6 Mio. Euro.

Die Grenke Bank verzeichnete im Neunmonatszeitraum 2018 beim Kreditgeschäft für kleine und mittlere Unternehmen (inkl. Existenzgründungsfinanzierungen und Mikrokredite) einen gegenüber dem Vorjahreszeitraum sehr kräftigen Anstieg um 46,2% auf 29,3 Mio. Euro (9M-2017: 20,0 Mio. Euro). Das Einlagevolumen stieg um 29,9% und betrug zum 30. September 2018 624,8 Mio. Euro nach 481,0 Mio. Euro zum 30. September 2017.

Im dritten Quartal nahm Grenke zwei neue Standorte in Betrieb und damit insgesamt neun im bisherigen Jahresverlauf.

Meine Einschätzung
Grenke (Quelle: wallstreet-online.de)
Wolfgang Grenke leitete als Gründer bis vor kurzem noch das Unternehmen selbst und über die Grenke Vermögensverwaltungs GmbH hält die Familie mehr als 42% der Anteile. Seit Februar ist Antje Leminsky neue Vorstandschefin und führt die Geschäfte fort – erfolgreich, wie man sieht. Über seinen neuen Aufsichtsratsposten ist und bleibt Wolfgang Grenke dem Unternehmen nicht nur als Hauptaktionär, sondern auch mit Rat und Tat verbunden.

Die Grenke AG bietet viele gute Argumente: starke Wachstumsperspektiven bei einem überdurchschnittlich Krisen resistenten Geschäftsmodell, eine solide Bilanz mit hoher Eigenkapitalrendite und ein stetiges Umsatz- und Gewinnwachstum mit attraktiven Margen.

Das alles hat natürlich seinen Preis und so bezahlt man die Aktie mit dem 30-fachen Gewinn, der für 2019 zu erwarten ist. Dieses KGV liegt über dem Marktdurchschnitt, wobei Grenke auch deutlich stärker wächst als der Markt. Und das schon seit Jahren und bei weiter steigender Profitabilität. Die erst kürzlich angehobenen Jahresprognosen belegen, dass dieses Wachstum keine Eintagsfliege ist, sondern sich auch auf absehbare Zeit fortsetzen dürfte.

Neben der weitgehenden Konjunkturresistenz ist vor allem die starke Wettbewerbsposition von Grenke ein Garant für den anhaltenden Erfolg. Die über Jahrzehnte aufgebauten Kundenbeziehungen stellen für potenziellen Wettbewerber eine hohe Hürde dar und die eigene Bank als assoziierter Dienstleister im Hintergrund ist ein starkes Alleinstellungsmerkmal - und weiteres Argument für Neukunden, sich gerade auf Grenke als Leasingpartner einzulassen. Grenke ist ein Value- und ein Groth-Unternehmen mit einem starken Burggraben. Allerdings nicht zu einem Value-Preis. Aber Qualitätsunternehmen gibt es selten zu Ausverkaufspreisen…

Disclaimer
Grenke befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Grenke ist schon ein Phänomen. Solider geht es nicht. Der Preis erlaubt keine Schwäche, es sei denn eine allgemeine Marktschwäche, in der Grenke dann stehen wird wie ein Fels in der Brandung. Schwer zu sagen, ob der Preis nochmal runtergehen wird. Der Wert wird es sicher nicht.

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  2. Kissig stellt einfach zu viele begehrenswerte Unternehmen vor...

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