Freitag, 29. Mai 2020

Versenkst Du auch viel Geld mit Aktien-Rebalancing oder investierst Du schon richtig erfolgreich?

Investieren ist wie einen Baum zu pflanzen: man pflanzt und anfangs muss man sich ein bisschen drum kümmern, vielleicht düngen, ab und zu mal gießen. Dann der erste Spross, die Freude ist groß! Niemand würde doch jetzt das Bäumchen ausreißen, oder?

Man lässt ihn wachsen, bei Sonne, Sturm und Schnee. Ab und zu schaut man ihn sich mal an, erfreut sich an seinem Wachstum, bisweilen erstaunt darüber, wie groß er schon geworden ist. Man lässt ihn wachsen und manchmal denkt man sich, man könnte ihn fällen, Platz schaffen für einen anderen Baum. Oder das Holz verkaufen und damit Profite einstreichen.
»Heute sitzt jemand im Schatten, weil ein anderer vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.«
(Warren Buffett)
Oder sollte man den Baum vielleicht doch lieber stehen und wachsen lassen? Das kann man jahrelang machen, jahrzehntelang. Und der Baum wächst und treibt Knospen aus und aus der einen oder anderen dieser "Dividenden" wird ein weiterer Baum, so dass der natürliche Zinsenszinseffekt unseren Investment-Wald mit weiteren Bäumen füllt. Und am Ende steht dort ein ganzer Wald voller kräftiger großer Bäume. Aber nur, weil man nicht nach den ersten Zentimetern des Wachstums und auch später nicht den Fehler gemacht hat, den Baum zu fällen.
»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)
So stellen wir fest, dass investieren letztlich nichts anderes ist, als den Baum zu pflanzen und ihn dann nicht daran zu hindern, zu wachsen, sich zu entwickeln, größer und stärker zu werden. Wir sollten uns um unseren Baum kümmern und ab und zu tote Triebe entfernen und auch Unkraut und Wildwuchs eindämmen, damit der Baum ungehindert wachsen kann. Doch gerade hierbei stellen sich die meisten Anleger ziemlich dumm an, sie rebalancen ständig die Gewichtung ihrer Aktien und das kostet richtig viel Geld. Nicht nur unnätige Gebühren, sondern vor allem Rendite...

Aktienrebalancing ist ein Konzept für Loser

Bezogen auf unsere Investments bedeutet dies, die Fehlgriffe beizeiten auszusortieren und unser Geld  lieber konzentriert dort zu investieren, wo unser Investmentcase aufgeht. Auf die erfolgreichen Investments setzen, nicht aus diesen Geld abziehen, um es in die gescheiterten Versuche umzuleiten in der Hoffnung, dass auch aus diesen irgendwann noch einmal etwas werden wird. Das ist der völlig falsche Gedanke und er ist wahnsinnig teuer! Denn die meisten unserer Investmentideen funktionieren nicht oder nicht gut genug. Wir erleben einige totale Flops und eine Vielzahl von Solala-Investments. Nur ganz wenige sind echte Treffer, die sich über die zeit vervielfachen und richtig Rendite abwerfen. Tja, und wenn man gerade diese Investments zu früh beschneidet, um das Geld in die Rohrkrepierer umzulenken, dann düngt man das Unkraut, während man den kraftstrotzenden Trieb beschneidet.

Konkretes Beispiel: Wer jedes Mal, wenn sich der Kurs seiner SAP-Aktien mal wieder verdoppelt hatte, seine Positionsgröße halbiert und stattdessen in andere, kümmerlich performende DAX-Werte umgeschichtet hat, der hat dort eine Ansammlung von Commerzbank, Deutsche Bank, Daimler, Telekom und weiteren Flops. Einfach mal die Charts der letzten 20, 30 Jahre ansehen, seitdem SAP an der Börse und im DAX ist. Ohne diesen Highflyer ist die DAX-Performance gleich um einen erheblichen Teil schlechter und genauso wäre es unserem Depot ergangen.

Gleiches gilt für Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Adobe und viele andere mehr. Diese Unternehmen sind seit Jahrzehnten erfolgreich - wer sie frühzeitig verkauft hat, und dann auch noch, um Loser-Aktien zu kaufen!!!, der hat einen Berg von Geld verschenkt. Für nichts! Denn erfolgreiches Investieren ist so einfach: auf lange Sicht investieren, Geduld haben, auf Qualitätsaktien setzen, auf Unternehmen mit breitem Burggraben, hohen Cashflows, niedriger Verschuldung. Und nicht Traden oder gar "rebalancen".

Selbst Benjamin Graham kam einmal in die Verlegenheit fast sein gesamtes Vermögen in nur einer Aktie zu halten: Geico. Er hatte 1948 einen Anteil von 50% an der Firma gekauft; obwohl er selten mehr als 5% des Investmentkapitals in eine einzelne Aktie steckte, waren es bei Geico gleich 25%. Und deren Kurs schoss immer weiter in die Höhe, so dass Geico sich über die Jahre zu einem 500-Bagger entwickelte - und zu Grahams bestem Investment. Dem entsprechend groß war der Geico-Anteil an seinem Gesamtvermögen und er war niemals in Versuchung, die Aktien dieses hervorragenden Unternehmens zu verkaufen, nur um sein Depot auszubalancieren und das Geld dann in ein weniger herausragendes Unternehmen stecken zu müssen.
»Investoren können 90 Prozent ihres Vermögens in einer Firma haben - sofern es die richtige Firma ist.«
(Charlie Munger)
Leider wird Anlegern oft erklärt, sie sollten möglichst häufig ihr Depot umschichten und Anpassungen vornehmen - was unnötig Gebühren kostet und auf falschen Annahmen beruht. So wie die Empfehlung auf finanzfluss.de, wo es heißt:
"An dieser Stelle hat das Rebalancing noch einen weiteren Vorteil: Durch die gestiegenen Aktienkurse kannst du die rentablen Papiere mit Gewinn verkaufen. Nach einem Tief am Aktienmarkt hast du hingegen die Möglichkeit, Wertpapiere günstig nachzukaufen. Aus diesem Grund trägt das Portfolio Rebalancing oftmals ebenfalls zur Rendite-Optimierung bei."
Richtig gelesen, die Empfehlung lautet, die gut laufenden Aktien zu rasieren und die Rohrkrepierer aufzustocken. Da kann man sein Geld ja lieber gleich verbrennen!

Aktienrebalancing ist einfach nicht smart, denn es geht von der irrigen Annahme aus, dass alle unsere Investments gleich gut oder gleich erfolgreich sein werden - und dass nur zu einem willkürlichen Zeitpunkt die eine Aktie schon gestiegen ist, während die andere noch auf diesen Sprung wartet. Was für ein Quatsch! Nur weil sich eine bestimmte Anzahl von Aktienwerten in unserem Depot befindet, werden die nicht zu Erfolgsinvestments. Und schon gar nicht alle! General Electric und Apple sind zwei völlig unterschiedliche Unternehmen, sie sind in völlig unterschiedlichen Geschäftsfeldern aktiv, die mit völlig unterschiedlichen Chancen und Risiken behaftet sind. General Electric befindet sich in schweren Turbulenzen und seit Jahren im Absturz, während Apple von Erfolg zu Erfolg eilt. Wer in den letzten 10 Jahren immer wieder seine steigenden Apple-Aktien teilweise verkauft hat, um damit die immer weiter sinkenden GE-Aktien zu kaufen, hat der clever gehandelt? Hat er das Teure verkauft und das Billige gekauft? Nein, er hat das Wertvollere verkauft, um das Wertlosere zu kaufen! Hätte er beide Aktien nicht wieder angefasst, wäre er viel erfolgreicher gewesen. Der eigentlich dümmliche Spruch "Aktien können tausende Prozente steigen, aber maximal einhundert Prozent fallen", spielt hier seine volle Gültigkeit aus: der hohe Verlust einer Position kann auf lange Sicht vom Gewinn einer anderen Position mehr als ausgeglichen werden - und unterm Strich zu einer überdurchschnittlichen Performance des Depots führen. Wenn man nämlich nicht die Überflieger abrasiert, sondern ihnen die Chance gibt, ihr volles Potenzial zu entfalten. Und da man nie weiß, wer diese Überflieger sind und sein werden, macht es keinen Sinn, hier ständig einzugreifen. Solange der Investmentcase "fliegt", bleibt mann an Bord und zwar mit dem vollen Einsatz!

Wer also seinen wenigen Top-Treffern, den Tenbaggern, frühzeitig das Geld entzieht, um die Rohrkrepierer zu pimpen, wird niemals überdurchschnittliche Ergebnisse an der Börse einfahren. Er kann in einem stetig steigenden Markt durchaus erfolgreich sein, aber kaum besser als der Markt. Die Wahrscheinlichkeit, die Erfahrung und der gesunde Menschenverstand stehen gegen ihn.

Und ja, natürlich, ich nehme mich davon nicht aus. Auch ich neige dazu, diesem Drang zum Rebalancen meiner Aktienpositionen nachzugeben. Es liegt in unserer Natur, unsere erlegte Beute zu beschützen, unsere Buchgewinne zu sichern. Aber an der Börse ist das einfach dämlich. Eine Aktie nur zu verkaufen, weil im Depot ein Gewinn angezeigt wird... niemanden interessiert das! Schon André Kostolany warnte uns davor, Aktien im Verhältnis zu unserem Einstandskurs zu bewerten; man soll und muss sie zum Tagespreis bewerten, ist ihr Kurs heute gerechtfertigt oder jenseits von Gut und Böse bezogen auf ihren fairen Wert? Dann muss/sollte man verkaufen. Nicht weil man beim Kauf ein glückliches Händchen bzgl. des Markttimings hatte. Einfach mal auf den Chart der Aktie von Berkshire Hathaway schauen oder Apple. Und dann überlegen, wann in den letzten Jahrzehnten ein Anleger als clever gelten durfte, der die Aktien verkauft hat.

Also Leute, hört auf, sklavisch auf den Kurs zu starren und eure Anlageentscheidungen von ihm abhängig zu machen. Schaut auf den Wert und setzt auf die Unternehmen, die ihren Wert dauerhaft und auch künftig steigern werden. Kauft euch in diese Unternehmen bei einer Kursschwäche ein und freut euch, wenn es gedeiht. Oder anders formuliert: sät im Frühling und freut euch, wenn die Saat aufgeht. Und wenn nicht, dann schüttet nicht immer an der falschen Stelle Dünger und Wasser nach, sondern konzentriert euch auf die Triebe, die austreiben. Setzt auf die Blumen, nicht auf das Unkraut...

Kommentare:

  1. Was für eine irreführende Verwendung des Begriffs "Rebalancing".
    Rebalancing bedeutet normalerweise die Wiederherstellung der gewünschten Quoten aus verschiedenen Anlageklassen, also z.B. 50% Aktien, 20% Anleihen, 20% Gold. 10% Cash.
    Die Assetquoten sollten dem persönlichen Risikoprofil entsprechen.
    Eine Umschichtung innerhalb der Anlageklasse "Aktien" hat nichts mit Rebalancing zu tun, denn man kennt a priori nicht das Risiko der einzelnen Aktien. Für die anderen Assets kennt man es auch nicht, aber es gibt historische Erfahrungen für die Asset Allocation.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Hinweis. Dass Rebalancen sich auf unterschiedliche Assetklassen bezieht, ist mir bewusst. Da das selbe Grundprinzip auch auf das Austarieren der Gewichtung in einem reinen Aktiendepot Anwendung finde kann, habe ich den Begriff auch hierfür verwendet. Ich sehe aber, dass dies zu Irritationen führt und habe daher den Titel und im Artikel Passagen geändert; nu verwende ich entweder "Aktien Rebalancing" oder habe es genauer umschrieben. Damit sollte klar sein, um was es mir geht - und ich würde mich über eine Diskussion zu meinem eigentlichen Anliegen freuen, weil vielen gar nicht klar ist, dass sie hier viel Geld vers(ch)enken.

      Löschen
  2. Hallo Michael,
    vielen Dank für den wieder sehr inspirierenden Artikel! Ich halte als größte Position amazon und Microsoft und diese sind in ihrer Gewichtung in den letzten jahren natürlich extrem überproportional gewachsen. Insofern trifft Dein Artikel derzeit meine Gretchenfrage, ob ich diese "Unwucht" so laufen lassen soll. So habe ich mit Erstaunen in Deinem letzten Investors Update (da, wo Du Deine 10 größten Positionen aufgezeigt hast) gesehen, dass Deine größten Lieblinge alle bei 8% Anteil stehen. Wie geht das zusammen? Ich werde meine Versuchung, doch ein paar amazons zu verkaufen, nochmal überdenken, glaube ich ...
    Dir schöne Pfingsten
    Isabella

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Isabella,
      das erste Quartal 2020 ist schon eine Besonderheit gewesen. Wie Du richtig schreibst, lagen am Ende mehrere meiner Spitzenpositionen gleichauf und das lag an zwei Gründen:

      1. habe ich eine Reihe von Aktienpositionen verkauft, die besonders von Corona betroffen sein würden und dieses Geld in die Corona-resistenteren Aktien umgeschichtet. Das hatte ich in meinem Investor-Update ja auch ausführlich erläutert. Bei dieser Umschichtung kam es dann dazu, dass ich nicht meine Top-Werte alle um den gleichen Betrag aufgestockt habe, sondern letztlich dem Drang gefolgt bin, die Positionen anzugleichen. Und da der Absturz und meine Neuausrichtung kurz vor dem Stichtag 31.3. erfolgte, lagen die Werte nahe beieinander.

      2. Neige ich dazu, runde Zahlen zu bevorzugen. Lieber 1000 Aktien im Depot als 750, aber lieber 750 als 648 Stücke. Und dann kam Kollege Zufall hinzu, dass die Top-Positionen Ende März seitens ihrer Kurse alle an runden Marken standen, so dass die Gewichtung mehrer Positionen fast exakt gleichauf lag.

      Ich habe Anfang April bei einigen Werten, die zuvor nicht so hoch gewichtet waren, aufgestockt, und zwei, drei haben sich sehr kräftig erholt. Das führt dazu, dass sie jetzt, Ende Mai, weit nach oben gespült wurden in meiner Top 10. Und diese auch nicht mehr so gleichgewichtet ist wie Ende März. Ich nenne da mal Hypoport und Paypal, die ich beide aufgestockt hatte und die nun ganz weit vorne liegen, obwohl sie Ende März nicht (mehr) zu den Top 10 gehörten. Ebenso lief es mit dem High-Tech- Wiki von Stefan Waldhauser, das habe ich ebenfalls aufgestockt und das hat seine Kursverluste ja mehr als wieder aufgeholt. Dem entsprechend haben diese Werte jetzt eine deutlich höhere Gewichtung als jene, die ich im Absturz nicht oder nur wenig aufgestockt habe, obwohl diese sich auch gut erholt haben von den Kursen her.

      Stand heute liegen die TOP 5 bei 9,7%, 8,5%, 8,0%, 7,95% und 7,5% - aber es sind nur noch 2 der "damaligen" TOP 5-Werte darunter, da sich Hypoport, PayPal und das Wiki noch vorne geschoben haben.

      Und dann noch eine Anmerkung zum Schluss: ich kritisiere weniger, dass man mehrere gleich große Positionen hat, weil man ggf. mal einen Nachzügler unter den besten Werten aufstockt. Der große Fehler liegt darin, diese besonders erfolgreichen Werte abzurasieren, um damit Depotleichen aufzustocken in der Hoffnung, dass man sich bei denen in seinem Investmentcase doch nicht geirrt hat und der Kurs irgendwann auch noch anspringen wird. Also eine Amazon verkaufen, um eine General Electric aufzustocken. Das kostet im Regelfall viel Geld, sofern man nicht zufällig die Perle in den ganzen scheintoten Austern erwischt. Also eine Apple, als sie kurz vor der Pleite stand... Die Wahrscheinlichkeit, eine Sears oder eine Praktiker kurz vor der Pleite zu erwischen, ist ungleich höher. Daher lieber Quality Investmen als Turnaround-Spekulation.

      Löschen
  3. Du hast es nicht verstanden.

    Rebalancing bezieht sich auf eine Asset Allocation und die zugrundeliegende Strategie hinsichtlich der persönlichen Risikobereitschaft.

    Das was du hier beschreibst sind Überlegungen zur Gewinnrealisierung (profit taking). Dabei sind zwar einige Punkte richtig (Gewinner nicht unnötig stutzen wenn der Businesscase erhalten bleibt), hat aber nichts mit dem eigentlichen Rebalancing zu tun.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch Dir Dank für den Hinweis. Ich kritisiere nicht das reine Profit Taking, also das unsinnige Gewinnemitnehmen, sondern mir geht es vor allem um den falschen Anreiz, der dazu führt. Nämlich sein Aktiendepot ständig neu auszubalancieren, bestimmte Gewichtungen herzustellen und dabei die großen Gewinneraktien zu kastrieren. Deshalb ist "Profit Taking" für meine Zwecke zu kurz gesprungen.

      Löschen
  4. Ich denke auch, dass das Wort "Rebalancing" in der Überschrift nicht passt. Stimme aber zu, was die grundsätzliche Aussage angeht. Die Ursache dafür ist letztlich die langfristig schiefe Renditeverteilung bei Aktien wie hier beschrieben: https://www.marko-momentum.de/die-langfristige-schiefe-verteilung-von-aktienrenditen/

    AntwortenLöschen
  5. Die Frage ist, wie agiert man richtig bei Aktien wie Endor, wenn eigenes Kursziel was man sich in 5 Jahren ausgemalt hat innerhalb von 6 Monaten aufeinmal erreicht ist. Und das depot auf allen nähten zu platzen beginnt :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Blende die Emotionen aus, also die Angst, Kursgewinne "zu verlieren". Die Entscheidungsgrundlage muss doch sein, ob der Kursanstieg völlig unbegründet ist und die Aktien nun maßlos überbewertet sind, also alles Zukunftspotenzial der nächsten Jahre bereits im Kurs enthalten ist. Wenn das Unternehmen aber weiter wachsen wird, seine Cashflows und Gewinne weiter wachsen in den nächsten Jahren, wenn es sich in einem Markt bewegt, der zulegt, dann spricht auch nichts dagegen, die Aktien weiter zu halten.

      Oder anders: wenn alle Deine Aktienpositionen den gleichen Umfang hätten und nicht diese eine so herausstechen würde, würdest Du dann über einen Verkauf dieser Position nachdenken? Oder nur, weil sie in Deinem Depot ein so großes Gewicht einnimmt? Folglich wäre dann nicht der Kurs Dein Problem und Deine Einschätzung zum Unternehmen und seinen Aussichten, sondern ausschließlich Deine eigene Depotgewichtung. Und das ist alleine Dein Problem, nicht das des marktes, nicht das der Aktie. Und sollte es dann Basis Deiner Entscheidung sein?

      Löschen
    2. Moin Michael,
      aber gibt es denn für dich gar keine Grenze, bei der eine Aktie einen zu hohen Depotanteil hat. Wenn in deinem Depot Amazon ca. 10 % ausmacht, hast du doch bestimmt auch schonmal einen Teil der Aktien verkauft, oder nicht?
      In meinem Depot macht Microsoft z.Z. 16% aus und manchmal denke ich, am besten wären es 100%! Aber ist es wirklich auf Dauer schlau, wenn eine Aktie deutlich mehr als 10% des Depots ausmacht?
      Beste Grüße Isabelle

      Löschen
    3. Moin Isabelle,
      es kommt darauf an, wie Deine Einstellung zu Aktien ist. Ist es für Dich nur eine andere Form von Geld, ein Surrogat, oder ist es ein Anteil an einem Unternehmen? Viele Anleger sehen Aktien als Möglichkeit, reich zu werden, Wohlstand anzuhäufen. Daran ist nichts verkehrt; für mich ist das aber "nur" der schöne Nebeneffekt der Aktienanlage. Als Aktionär bin ich Miteigentümer eines Geschäfts, eines Business. Mir gehören Teile an wundervollen Unternehmen, an Amazon, an Microsoft, an MasterCard.

      Schaut man auf die reichsten und/oder erfolgreichsten Menschen der Welt, haben diese fast ihr gesamtes Vermögen in einer einzigen Aktie - ihrem Unternehmen. Bill Gates? Microsoft. Jeff Bezos? Amazon, Warren Buffett? Berkshire Hathaway. Elon Musk? Tesla. Richard Branson? Virgin Group. Klar, die sind auch die Unternehmer hinter diesen Firmen, aber das Prinzip ist das gleiche: man investiert in die besten, in das Unternehmen, und man sieht die Aktie nicht als Geldersatz an.

      Buffetts Ratschlag lautet, man solle sich vorstellen, man könne in seinem ganzen Leben in nur 10 Aktien investieren und unter diesem Gesichtspunkt solle man seine Aktieninvestments auswählen. Dann würde man nicht die zweit- oder drittbeste Wahl mitnehmen, man würde nicht mal eben einen Zock nebenbei wagen, nein, man würde sich auf die Top-Investments fokussieren. Aber selbst dann würde man ja nicht zwangsläufig zehn Mal richtig liegen und nur Amazons, Apples, Microsofts im Depot haben, sondern auch oft falsch liegen und Underperformer oder Marketperformer erwischen. Doch die ein oder zwei Superaktien, warum sollte man die verkaufen, um die nicht so guten Aktien dafür zu erwerben? Weshalb sollte man sich als Miteigentümer von Amazon umentscheiden und lieber Miteigentümer von Daimler oder von General Electric oder von Kraft Heinz werden wollen? Ja, deren Aktien können mal zeitweise besser performen, aber möchte ich dort auf lange Sicht lieber Aktionär sein als bei Amazon? Oder bei Apple?

      Solange Du von einem Unternehmen überzeugt bist, Dein Investentcase fliegt, kann der Depotanteil auch deutlich höher ausfallen als von anderen Aktien. Im Grunde ist es ein Zeichen dafür, dass Du hier die richtige Wahl getroffen hast. Du solltest daher nicht diese Aktie abrasieren, sondern diejenigen, bei denen Du keinen Erfolg hattest. Und dieses Geld dann lieber in aussichtsreichere Werte stecken, die auch das Zeug haben, sich neben Microsoft zu behaupten und zu einem solchen Schwergewicht in Deinem Depot zu werden.

      Übrigens, in Buffetts Aktiendepot hat Apple aktuell eine Gewichtung von mehr als 35%...

      Löschen
  6. Hallo an alle,
    also ich besitze genau 7 Aktien und daraus besteht mein gesamtes Vermögen (sechsstellig) und fühle mich damit sehr wohl ... Warren Buffett hat wörtlich gesagt im Youtube-Video der letzten Hauptversammlung, dass er zufrieden wäre, wenn er lediglich 3 seiner besten Aktien besitzen würde.
    Und zur Diversifikation nur soviel ... jeder, der sich selbständig macht, kauft nur eine Aktie (nämlich sein Unternehmen).
    Es gibt sehr viele Menschen, die nur mit einem Unternehmen (eine Aktie) sehr reich geworden sind: Zuckerberg, Bezos, Gates usw.
    Aber: Jeder muss seinen ganz eigenen Anlagestil entwickeln.
    Schöne Grüße
    Uwe

    AntwortenLöschen
  7. "Es gibt sehr viele Menschen, die nur mit einem Unternehmen (eine Aktie) sehr reich geworden sind: Zuckerberg, Bezos, Gates usw."

    Ja das alleine aber als Begründung für eine Verengung der Positionen im Depot zu sehen halte ich für nen starken Tunnelblick bzw Bias.

    Es ist richtig, dass man 3 Amazons, Apples oder Microsofts gerne halten würde, aber das unterscheidet sich auch fundamental von der generellen "breiten Streuung" die allseits vorgebetet wird. Mir ist eher klar, dass die Botschaft dahinter wichtig ist: Streue damit du möglichst wenig Volatilität nach unten hast und die Nieten nicht deine Performance fressen". So lese ich das meistens.

    Dazu kommt, dass je nach Einstieg man vorher nie weiss ob der Online Buchhändler in den 90ern für 6,5€ je Aktie wirklich mal ein großer Fang wird, oder ob Amazon doch in 2 Jahren Pleite ist ( nu sind wir alle schlauer.)

    Und auch den vergleich mit einem Unternehmer kann ich nicht so stehen lassen.
    Denn ja: Wenn ich ein Unternehmen gründe und es gut läuft, ich Geld am Kapitalmarkt über die Börse einsammel und wachse, dann kaufe ich i.d.R meine eigenen Aktien aus Vielerlei Gründen.

    Aber diese Leute schiessen in 5-10 Jahren nach Beginn bis zum Unicorn Status auch im Vermögen nach oben und dann wird ein bezos wohl keine 150 Mrd. nur in Amazon haben. Oder anders gesagt, zum Einen ist ein großer Player wie auch ein facebook relativ konkurssicher gewesen in den Boom Jahren der sozialen Netzwerke, als sie begannen.

    Auf der anderen Seite wird ein Zuckerberg auch nicht alles Geld nur in Facebook haben, sondern sich etwas nachziehend absichern. Und sei es nur durch Immobilien.

    Ich halte von den Sprüchen und Weisheiten per Se nicht viel die suggerieren, dass man ( wenn man es weiss) nur 1-3 Aktien halten soll. Aber das ist personal taste. Keine allgemeine Faktenlage.

    Die Börse ist so subjektiv wie kaum ein anderer Tummelplatz der "freien Wirtschaft" Und wohl auch meist mehr Psychologie, als mancher zugeben will.

    Ich würde keine 100 Positionen halten wie ein Herr Röhl das manchmal fallen lässt ^^. Aber lediglich 4-5 Aktien oder weniger und gar aus ähnlichen Sektoren ist mir bevor ich weiss ob das langfristig Outperformer werden viel zu unsicher.

    Und selbst ein Herr Kissig gönnt sich ja die eine oder andere Spekulation am Seitenrand :)

    Also jedem das Seine und man kann sich rausziehen, was man grade möchte oder eben braucht.

    AntwortenLöschen
  8. Vielleicht noch ein nachtrag oben zu dem Unternehmer Vergleich. Wenn ich meine eigenen Aktien kaufe und halte, das Unternehmen und so mein Aktienvermögen 8-9 oder 10 stellig wird.

    Dann ist es leichter zu reden und geht meist schneller, als als kleiner Privatanleger, der eben nicht sagen kann ich kauf nur das eine Unternehmen, denn das kenne ich so gut wie kein anderer und damit werde ich reich.

    Und ein berühmter Mann sagte auch mal, dass niemand langsam reich werden will.
    Auch wenn ich ihm da für mich widersprechen will, so ist die Wahrheit dahinter zugleich der Zwiespalt vieler Anleger, grade in Deutschland und laut gängiger Statikstiken eher bei den Jüngeren: Es gäbe nur eine Entscheidung zwischen der goldenen Kursrakete oder den langweiligen Depotleichen die Inflationsausgleich betreiben.

    Diversifizierung ist daher für mich mehr als nur eine breite Wertpapierauswahl.

    AntwortenLöschen