Montag, 3. Oktober 2016

Investieren ist... wie einen Baum zu pflanzen

Investieren ist wie einen Baum zu pflanzen: man pflanzt und anfangs muss man sich ein bisschen drum kümmern, vielleicht düngen, ab und zu mal gießen. Dann der erste Spross! Niemand würde doch jetzt das Bäumchen ausreißen, oder?

Man lässt ihn wachsen, bei Sonne, Sturm, Schnee. Ab und zu schaut man ihn sich mal an, erfreut sich an seinem Wachstum, bisweilen erstaunt darüber, wie groß er schon geworden ist. Man lässt ihn wachsen. Und manchmal denkt man sich, man könnte ihn fällen, Platz schaffen für einen anderen Baum. Oder das Holz verkaufen und damit Profite einstreichen.

»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)

Hm... vielleicht doch lieber stehen und wachsen lassen? Das kann man jahrelang machen, jahrzehntelang. Und der Baum wächst und treibt Knospen aus und der einen oder anderen dieser "Dividenden" wird ein weiterer Baum. Der natürliche Zinsenszinseffekt, der unseren Investment-Wald mit weiteren Bäumen füllt. Denn am Ende steht dort ein Wald voller kräftiger, großer Bäume. Aber nur, weil man nicht nach den ersten Zentimetern des Wachstums und auch später nicht den Fehler gemacht hat, den Baum zu fällen. Letztlich ist investieren nichts anderes, als den Baum zu pflanzen und ihn dann nicht daran zu hindern, zu wachsen, sich zu entwickeln, größer und stärker zu werden...

Kommentare:

  1. Ja, eine bekannte Methapher und vielen Leuten fällts so schwer. Viele Leute verwechseln Aktionismus mit sinnvollem Handeln. Am besten ist es, sich fast ausschließlich um die Erweiterung des Portfolios zu kümmern und das bestehende nur in größeren Zeitabständen zu prüfen, ob sich die Fundamentaldaten so verändert haben, dass man tatsächlich handeln sollte. Ich verkaufe so gut wie nie Aktien, außer das Geschäftsmodell eines Unternehmens kommt so unter Druck, dass das Unternehmen gefährdet ist. Bei so großen Unternehmen wie Johnson & Johnson oder Coca Cola denke ich kaum nach. Die erhöhen jedes Jahr gemütlich die Dividende und werden auf lange Sicht immer profitabler. Von daher bin ich ganz bei dir mit deinem Artikel.

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  2. Sehr schöne Metapher! Dazu fällt mir ein Warren Buffett Zitat ein, der meinte, heute könne nur deshalb jemand unter einem Baum im Schatten sitzen, weil vor langer Zeit jemand diesen Baum gepflanzt hat. Invest for the long run!

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  3. Eine wirklich treffende Methapher, Darüber sollte man vor jedem Handeln einfach mal nachdenken.

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  4. Wenn ich daran denke dass ich unter anderem Unternehmen wie Adidas 2010 abgestoßen habe anstatt diesem Baum weiter beim wachsen zu zugucken....

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  5. Hallo Herr Kissig,

    ich habe lange mit mir gerungen, habe mich aber entschieden ein persönliches Thema, welches mir zu schaffen macht, an dieser Stelle zu thematisieren: Als Vater, dem das Wohl seiner Tochter am Herzen liegt, als Bürger dieses, ja meines Vaterlandes, und Investor, der gerade dabei ist, einen Baum zu pflanzen, machen mir die aktuellen Entwicklungen in Deutschland, so wie ich sie wahrnehme, Sorge. Durch die unkontrollierte (kulturfremde) Armutszuwanderung sehe ich das Leben, wie ich es bisher kannte, und die Wettbewebsfähigkeit Deutschlands in Gefahr. Aus diesem Grund mache ich mir Gedanken, inwieweit ich das Deutschland-Engagement im Familien-Depot begrenzen sollte.
    Zu meinen obigen Bedenken, mich in Deutschland als Investor zu engagieren, stehen konträr Ihre hauptsächlich auf Deutschland/deutsche Unternehmen konzentrierten Investitionen. Dass es einen Unterschied zwischen deutschen Unternehmen, die ihr Geld auch oder vorallendingen im Ausland verdienen, und Unternehmen, die Ihr Geld nur in Deutschland verdienen, gibt, ist mir bewußt. Berücksichtigt man diesen Unterschied, könnte dieser zu einer differenzierteren Risikoeinschätzung führen.

    Ich würde Ihr Investitionsverhalten in Bezug auf Deutschlands, zumindest wirtschaftliche, Zukunft als optimistisch interpretieren.

    Es würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Gedanken zum obigen Thema, mit uns, Ihren Lesern, teilen würden.


    Vielen Dank und viele Grüße
    Andrej

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    1. Moin Andrej,
      ich denke, man kann die heutige Flüchtlingsproblematik nicht als Armutszuwanderung einstufen, das wird dem Problem nicht ganz gerecht. Es ist ein Unterschied, ob Menschen aufgrund von Verfolgung o.ä. als Asylbewerber nach Deutschland kommen und sich hier einer entsprechenden Überprüfung stellen müssen. Wer nicht als Asylant anerkannt wird, muss meiner Meinung nach auch konsequent abgeschoben werden. Die aktuelle Flüchtlingssituation hat in sofern den Vorteil, als dass die bisher äußerst lasche Abschiebepraxis inzwischen kritisch hinterfragt wird.

      Auf der anderen Seite kommen viele Kriegsflüchtlinge zu uns, insbesondere aus Syrien. Diese sind keine Asylbewerber und Deutschland hat sich ggü. der UN verpflichtet, Kriegsflüchtlinge aufzunehmen. Momentan sinken die Zahl der Zuwanderer deutlich ab, nachdem sie im letzten Jahr geradezu explodiert sind. Wir können aber davon ausgehen, dass die meisten von diesen Menschen lieber schnell als langsam wieder in ihre Heimat zurück wollen - jedenfalls wenn der Krieg endet und sie nicht mehr um ihr Leben fürchten müssen.

      Abgesehen davon, dass viele dieser Flüchtlinge also nicht hierbleiben wollen und werden, hat sich bzgl. der Integration sehr viel getan; im Gegensatz zu früher, werden überall Sprachkurse angeboten und es gibt eine große Anzahl von Helfern, die die Flüchtlinge an unser Leben und unsere Gepflogenheiten heranführen. Auch das ist eine positive Entwicklung und macht Hoffnung, dass Integration künftig viel besser gelingt als früher.

      Auf der anderen Seite gibt es auch erhebliche Probleme mit den Flüchtlingen. Ob Kriminalität oder (subjektives) Unbehagen in der Öffentlichkeit, das sind Faktoren, die die Bürger beunruhigen und auch ihre Hilfsbereitschaft sinken lässt. Und ihre Angst schürt. Hier muss die Politik Antworten finden und diese Ängste und Sorgen ernst nehmen und nicht als "rechts" einfach abtun. Sonst spielt man der AfD und noch weiter rechts stehenden Organisationen nur in die Hände.

      Was die wirtschaftlichen Auswirkungen angeht, sehe ich das momentan noch gelassen. Einerseits kosten die Flüchtlinge die Sozialkassen viel Geld, andererseits fragen sie alle aber auch Waren und Dienstleistungen nach. Und gerade die Kinder integrieren sich hier rasend schnell, wie ich aus Gesprächen mit Kita-Trägern weiß. Hier können wirklich die "Facharbeiter von morgen" heranwachsen, die der Wirtschaft fehlen.

      Fakt ist, dass die Deutschen zu wenig Kinder bekommen, um das Problem der Überalterung der Gesellschaft in den Griff zu bekommen. Solange sich dies nicht ändert, werden wir auf qualifizierten (!) Zuzug angewiesen sein, um unseren Wohlstand halten zu können. Dass hierbei nicht zuvorderst Kriegsflüchtlinge im Fokus stehen, liegt auf der Hand. Aber sie sind nun einmal da und ich denke, wir sollten das beste daraus machen. Sie sind weder bessere noch schlechtere Menschen als wir, sie sind nur anders. Und ich glaube, dass wir mit der Anzahl, die inzwischen hier ist, umgehen können. Aber es darf nicht wieder auf dem hohen Level Zuwanderung stattfinden wie im letzten Jahr. Dann kann Integration nicht (mehr) funktionieren. Der Schlüssel zum Ende der Flüchtingsbewegung ist Frieden in Syrien. Hoffen wir darauf...

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  6. Hallo,
    ein toller Artikel und wirklich weise Worte wie es richtig gemacht wird :)
    Der Blog gefällt mir wirklich sehr gut.
    Viele Grüße
    Jules

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  7. Sehr schöner Vergleich! Vielleicht noch eine Ergänzung:
    "Und manchmal denkt man sich, man könnte ihn fällen, Platz schaffen für einen anderen Baum. Oder das Holz verkaufen und damit Profite einstreichen."
    Wirklich verlockend, aber was würde nach Jahren übrig bleiben? Ein Wald aus vielen kleinen schwachen Pflänzchen, statt eines kräftigen Baums, der auch starken äußeren Einflüssen standhält, im Frühling eine herrliche Blüte trägt, im Sommer Schatten spendet und im Herbst seine Früchte abwirft.

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  8. Wenn man nur immer so genau wüsste, was Kraut und was Unkraut ist!

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  9. Das ist wirklich eine sehr schöne Metapher! Das Zitat von Peter Lynch gefällt mir auch sehr gut. Dass man nicht den Fehler machen sollte, den Baum irgendwann zu fällen, ist bestimmt ein weiser Ratschlag. Darüber sollte man in Ruhe nachdenken. Danke jedenfalls für die Inspiration!

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