Donnerstag, 12. November 2020

Kapitalerhöhung: Nynomic geht auf die Jagd nach dem nächsten Wachstumsschnäppchen

Nynomic sorgt für lange Gesichter in den Abendstunden, denn der Photonic-Spezialist kündigte eine Kapitalerhöhung an, bei der unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre bis zu 253.500 neue Aktien an institutionelle Anleger ausgegeben werden sollen. Der Kurs bricht ritualgemäß ein und hinterlässt blutrote Minuszeichen im Depot. Denn da haben wohl einige reflexartig auf den Verkaufsknopf gedrückt, dabei wäre die umgekehrte Reaktion wohl die ertragreichere gewesen...

Nynomic, die frühere m-u-t AG, habe ich bereits zum zweiten Mal auf meiner Beobachtungsliste. Ende September habe ich sie wieder eingesammelt und seitdem konnte der Kurs kräftig zulegen. Nun geht es um 10% abwärts, weil eine Kapitalerhöhung immer bedeutet, dass die Altaktien weniger wert werden. Denn es gibt ja künftig mehr Aktien.

Doch momentemal, die jungen Aktien werden ja nicht verschenkt, sondern das Unternehmen verkauft sie gegen Geld. Und dieses Geld fließt ins Unternehmen und somit stehen den neuen Aktien frische Barmittel gegenüber.

Dennoch sind zwei Aspekte zu berücksichtigen: 1. Der Ausgabepreis liegt üblicherweise unterhalb das aktuellen Börsenkurses, um das Angebot schmackhaft(er) zu machen und 2. das neue Geld bringt erstmal nichts ein und damit sinkt der Gewinnanteil der alten Aktien.

Also haben die Verkäufer alles richtig gemacht? Kommt drauf an... Darauf, was mit dem frischen Geld geschieht. Müssen damit Löcher gestopft werden, ist die Maßnahme nicht unbedingt Wert steigernd. Dient das Geld dazu, die Produktion auszubauen und/oder wird es sinnvoll und Ertrag steigernd in Firmenzukäufe gesteckt, dann lohnt sich der Schachzug - auch für die verwässerten Altaktionäre.

Quelle: wallstreet-online.de
Und Nynomic hat angekündigt, die frischen Mittel genau zu diesem Zweck einzusammeln, nämlich um das anorganische Wachstum zu forcieren. Da viele Firmenübernahmen scheitern, muss das keine gute Nachricht sein. Doch Nynomic hat unter dem aktuellen Vorstand eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte bei Übernahmen vorzuweisen und so spricht nichts dagegen, dem Managementteam weiter das Vertrauen auszusprechen und gespannt auf die nächsten Ergänzungen des Nynomic-Portfolios zu warten.

Ich nehme jedenfalls den Kurseinbruch auf €29 als Chance wahr und zwar im doppelten Sinn; ich habe daher meine Position zu diesen Kursen ausgebaut, obwohl ich natürlich weiß, dass es in den nächsten Tagen für den Kurs erstmal holprig bleiben wird. Die Unsicherheit über die Kapitalerhöhung und das Target für die Übernahme lasten auf dem Kurs - aber das ist für mich als Langfristanleger und Miteigentümer nicht von Belang. Bald schon wird man sich kaum noch daran erinnern und im Chart auch nicht mehr ablesen können, wann die Kapitalerhöhung stattfand.

Apropos Chart... schaut man sich den mal an über die letzten Jahre, dann kann man daran die Erfolgsgeschichte des Vorstands ablesen. Und ich bin mir sicher, dass diese noch länger fortgeschrieben wird. Auch und gerade mit dem frischen Geld.

Disclaimer: Nynomic befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.


Ergänzung vom 13.11.2020, 10:50

Kapitalerhöhung vollständig platziert

Nynomic meldet bereits Vollzug. Sämtliche 253.00 Aktien wurden im Rahmen eines beschleunigten Bookbuildingverfahrens zu €28 je Aktie bei institutionellen Anlegern platziert. Hieraus ergibt sich ein Bruttoemissionserlös von €7.098.000,00 und das Grundkapital der Gesellschaft erhöht sich auf €5.692.000,00.

Kommentare:

  1. Natürlich müssen Kapitalerhöhungen nicht zwingend schlecht sein für die Altaktionäre. Aber warum werden diese vom Bezugsrecht ausgeschlossen? Die Firma braucht frisches Geld? Ok, kann Sie VON MIR haben. Und vielen anderen Altaktionären sicher auch, welche an das Unternehmen glauben.
    Immer wieder ärgerlich, wenn der Pöbel ausgeschlossen wird, und Instis unter Kurs einsteigen dürfen.
    Zudem wären weitere Infos in Zusammenhang mit dieser Meldung hilfreich gewesen. In welche Wichtung wird gekauft? Worum geht es, grob umrissen? und den genauen Preis hätte man auch gerne direkt mitliefern können.

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    1. Ich finde, Du siehst das einseitig und zu negativ. Wenn man gegen eine Kapitalerhöhung per se ist, ist das okay. Eine kleine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre sehe ich im Regelfall nicht als problematisch an. Großaktionäre haben ggf. das Problem, dass sie verwässert werden, aber Otto Normalanleger kann seinen kleinen Bestand problemlos über die Börse aufstocken und so der Verwässerung entgehen. Er ist dann nicht schlechter gestellt als bei einer Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht. Eine solche birgt übrigens den Nachteil, dass sie lange dauert und damit der Kurs wochenlang unter Druck ist. Und auch der Ausgang ist ungewiss, denn wenn einem ein heftiges Ereignis dazwischenkommt, erzielt das Unternehmen wegen der Marktturbulenzen evtl. nicht den gewünschten oder gar benötigten Emissionserlös.

      Dass vorab nicht benannt wird, was für ein Zielunternehmen gekauft werden soll, ist auch die Regel. Man will ja keine Konkurrenz auf das Zielobjekt aufmerksam machen und auch nicht, dass ggf. dessen Belegschaft während der Kapitalerhöhung öffentlich Sturm gegen die Übernahme läuft (muss nicht passieren, könnte aber). Das wäre alles nicht im Sinn des Unternehmens.

      Letztlich muss man hier dem Vorstand vertrauen. Was man ohnehin tun sollte, wenn man in einem Unternehmen investiert ist, ob nun vor, während oder nach der Kapitalerhöhung. Glaubt man, das Management wird nichts Sinnvolles mit dem frischen Geld anfangen, ist man in dem Unternehmen falsch. Denn man sollte (subjektiv eingeschätzt) schlechten Leuten nicht sein Geld anvertrauen.

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  2. Nynomic meldet bereits Vollzug; Kapitalerhöhung vollständig platziert.

    Sämtliche 253.00 Aktien wurden im Rahmen eines beschleunigten Bookbuildingverfahrens zu €28 je Aktie bei institutionellen Anlegern platziert. Hieraus ergibt sich ein Bruttoemissionserlös von €7.098.000,00 und das Grundkapital der Gesellschaft erhöht sich auf €5.692.000,00.

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  3. Danke Michael, für die Artikel und deine Empfehlungen. na dein Nach-invest bei ca. 30 EUR hat ja in den letzten 2.5 Wochen fast 15% erwirtschaftet und damit deine angepeilte Jahresrendite erzielt :-) und wer nach so einem Anstieg wie seit Mitte Oktober weiter zukauft, ist entweder sehr risikobereit, gierig oder gut informiert :-) ich habe Nynomic nach dem 14m Auftrag im Mai direkt nachgekauft für ca. 22 EUR - herrlich dieses Jahr: Hönle, MBB, Nynomic 30%/50%/fast 100% im Plus vs. Ende 2019 - unglaublich. ciao ciao und schöne Adventszeit, m-t

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