Donnerstag, 24. Oktober 2019

Focus Investing: Charlie Munger rät, sich nur auf die besten Investments zu konzentrieren

Benjamin Graham war ein großer Befürworter des Diversifizierens. Seiner Überzeugung nach kann eine möglichst breite Streuung im Portfolio das Risiko deutlich reduzieren, Opfer von hochemotionalen Kurseinbrüchen zu werden. Und Peter Lynch kaufte für seinen Fonds immer mehrere Werte eines ganzen Sektors, wenn er bei einem Unternehmen auf eine Perle gestoßen war. Allerdings war dies vor allem dem enormen Investitionsvolumen des Magellan-Fonds geschuldet, für den die Börsenkapitalisierungen vieler Einzelwerte einfach zu klein waren und darüber hinaus hatte er hier strikte zu befolgen, die eine stärkere Fokussierung auf einige wenige Titel erschwerten.

»Fokussieren ist die Kunst, zu wissen, was man ignorieren sollte.«
(James Clear)

Warren Buffett und Charlie Munger hingegen lehnen die Strategie des Diversifizierens ab und sind klare Verfechter des "Focus Investing": einige wenige sehr gute Werte sollen das Portfolio beherrschen. Sie sind der Überzeugung, dass man nur die besten Unternehmen auswählen und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen sollte. Klingt ziemlich einleuchtend...

»Warum sollte ich die zweitbeste Aktie kaufen, wenn ich die beste haben kann?«
(Warren Buffett)

Sie spekulieren nicht mit Aktien, sie investieren in Unternehmen, sie beteiligen sich, werden Partner. Diese qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio ihrer Investmentholding Berkshire Hathaway hatten sich die vier größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert. Bis Bank of America und Apple ganz schnell ganz groß in die Spitze drängten. In Summe stehen die sechs größten Werte für gut 70% des Berkshire-Depotvolumens.

Ebenso sieht es Börsenlegende Philip A. Fisher, der ebenfalls dazu rät, sich auf einige wenige Aktien zu konzentrieren: die besten.

»Anleger sollten peinlich genau darauf achten, nicht die meisten, sondern die besten Aktien zu halten. Bei Aktien kann Masse niemals mehr als schwacher Ersatz für Klasse sein.«
(Philip A. Fisher)

Für Fisher stellt eine breite Diversifikation weniger einen zusätzlichen Schutz vor Risiken dar, als viel mehr eine (zu) starke Verwässerung der Chancen. Klasse statt Masse ist auch hier sein Credo und das fußt natürlich darauf, dass man sich zuvor intensiv mit "seinen" Unternehmen auseinandergesetzt und diese gründlich analysiert hat, bevor man sich ihre Aktien ins Depot legte. In seinem Buch "Die Profi-Investment-Strategie" hat Fisher hierzu konkrete Ausführungen gemachte und die aus seiner Sicht optimale Aufstellung eines Depots dargelegt.

»Eine Politik der Portfoliokonzentration kann das Risiko verringern, wenn sie sowohl die Intensität, mit der ein Anleger über ein Unternehmen nachdenkt, als auch das Komfortniveau erhöht, das er vor dem Kauf empfinden muss.«
(Warren Buffett)

Ich bevorzuge den Ansatz von Buffett, Mungers und Fisher, denn wenn man nicht davon überzeugt ist, die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld doch eher in Investmentfonds oder ETFs anlegen. Ein zu breit gestreutes Portfolio, bei dem einzelne Werte jeweils nur wenige Prozente des Gesamtbestands ausmachen, ist letztlich ein eigener Fonds im Kleinen. Und zu viele Werte verwässern auch die mögliche außergewöhnliche Performance, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Kurs an der Börse entsprechend gestiegen ist.

»Diversifikation ist bis zu einem gewissen Punkt sinnvoll. Wenn man nicht weiß, was man tut, ist es sinnvoll, seine Investitionen zu streuen. Bei Berkshire versuchen wir, weniger zu tun. Wir konzentrieren uns nur auf die wenigen Dinge, die wir gut kennen. (...) Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Mein Fazit

Für mich heißt es Konzentration statt (zu) breiter Diversifikation. Meine fünf Top-Positionen machen etwa die Hälfte meines Depots aus und die Top 10 knapp 70%. Neben diesen höher gewichteten Werten und halte ich zusätzlich einige kleinere Positionen, die sich in Sondersituationen befinden oder bei denen trotz eines überdurchschnittlichen Chance-Risiko-Verhältnisses ein höheres Risiko vorhanden ist. Über die Entwicklung meines Investmentdepots gebe ich vierteljährlich Auskunft in Form meiner "Investor-Updates".


Meine Lese-Tipps
▶ "Charlie Munger: Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin
▶ "Das Tao des Charlie Munger" von David Clark
▶ "Die Profi-Investment-Strategie" von Philip A. Fisher

Kommentare:

  1. Ich halte mich gerade so in einem Zwitterbereich zwischen Fokussierung und Diversifikation auf: Bin dabei, ca. 40 Unternehmen mit den höchsten Qualitätseigenschaften zu finden und ergänzend dazu in ca. 10 Hochdividenden-ETFs/Fonds zu investieren, um den nötigen Cashflow für zwangsläufig auftretende Marktschwächen zu generieren. Dieser soll dann konsequent in die Top40 gesteckt werden...

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    1. 40 Aktienwerte und 10 ETFs sind aber schon breit diversifiziert, das kann man kaum als fokussiert bezeichnen, sofern alle Positionen etwa gleich groß sind. Bei 50 Werten hätte dann jeder 2% Depotanteil.

      Was spricht aus Deiner Sicht dafür, 40 "höchste Qualitätswerte" ins Depot zu legen und sich nicht auf die 10 oder 15 besten von ihnen zu beschränken? Und willst Du alle Branchen/Sektoren abdecken oder die aussichtsreichsten? Wenn Du Dich hier auf einige wenige Sektoren/Themen beschränkst, reduziert das auch die Zahl der "nötigen" Werte, um alles abzudecken.

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