Dienstag, 14. Februar 2017

Mache es lieber einfach statt kompliziert

Value Investing, das wertorientierte Investieren, kommt ohne komplizierte mathematische Formeln aus, es setzt vielmehr auf den gesunden Menschenverstand und Geduld. Je einfacher und langweiliger das Geschäftsmodell ist, desto interessanter ist es grundsätzlich für Value Investoren. Man kauft Anteile an soliden Unternehmen, die von ehrlichen und fähigen Leuten geführt werden und das zu einem Kurs, der unterhalb des fairen Wertes liegt, also das Gewinnpotenzial des Unternehmens (noch) nicht widerspiegelt.

»Wenn ein Unternehmen gut läuft, wird die Aktie letztendlich folgen.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett ist der Überzeugung, dass man sich weder mit Marktprognosen noch mit Charts aufhalten sollte, sondern vor allem mit dem Lesen der Geschäftsberichte der Unternehmen. Da steht alles drin, was ein Value Investor über das Unternehmen wissen muss und dort findet er die Zahlen und Daten, die er für die Bewertung des Unternehmens und die Ermittlung von dessen fairen Wert benötigt. Und er rät, Geld nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft man auch versteht.

»Man sollte sein Geld in Unternehmen stecken, die auch ein absoluter Vollidiot leiten könnte. Denn irgendwann wird unweigerlich genau das passieren.«
(Peter Lynch)

Machen Sie's wie Warren Buffett, machen Sie's nicht unnötig kompliziert. Intelligentes Investieren ist keine Wissenschaft, es ist solides Handwerk anhand einiger weniger, aber wichtiger Regeln. Man muss nicht zaubern können, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen.

Börsenkurse steigen langfristig an
Dabei sollte man sich (auch) nicht mit der Suche nach dem perfekten Timing beschäftigen, dem besten Zeitpunkt für einen Einstieg. Denn langfristig macht es kaum einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man in Aktien investiert hat, langfristig steigen die Kurse schier unaufhaltsam an. Der ökonomische Fortschritt, das Wachstum der Weltbevölkerung und der (auch deshalb) global zunehmende Wohlstand, schlagen sich in der Kursentwicklung nieder.

»Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.«
(Sir John Templeton)

 Quelle: tradingeconomics.com

Insbesondere der Chartverlauf des Dow Jones Index über die letzten hundert Jahre zeigt die Entwicklung sehr deutlich an. Die ganz kleine Delle ziemlich weit links ist übrigens "der große Crash" von 1929 mit der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
(Warren Buffett)

Daraus können wir lernen, dass für den nachhaltigen Börsenerfolg das Market-Timing einen geradezu zu vernachlässigenden Faktor darstellt, während eine andere Charaktereigenschaft ganz wesentlich zum Erfolg beiträgt: Geduld, die nach Benjamin Graham "oberste Tugend des Investors".

Anleger sollten also auf die einfachen, unkomplizierten Unternehmen setzen und dann die nötige Muße aufbringen, bis diese sich positiv entwickeln. Den Fortschritten im operativen Geschäft werden die Aktienkurse fast unweigerlich folgen.

Kommentare:

  1. Guter Artikel!
    Das zweite Zitat stammt aber von Peter Lynch. Warren Buffets Spruch lautete "Purchase a Business That a Ham Sandwich Could Run"

    Beste Grüße

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    1. Hast Du dafür eine Quelle (Lynch) - also nicht eine Zitatesammlung, sondern vielleicht das Original? Ich habe dieses Zitat bisher immer bei Buffett verortet gesehen und das in diversen Websites/Artikeln.

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  2. Hallo Herr Kissig,

    mich würde Ihre Meinung zu KST Beteiligung interessieren, die mit hoher Dividende und Insidertrades glänzen.

    Gruss Mario

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    1. KST Beteiligungen notiert unterhalb ihres NAV von ca. €1,50. Eigentlich hatten die Großaktionäre vereinbart, das Unternehmen aufzulösen und die Erlöse an die Aktionäre auszukehren. Doch nun wurde die Rechtslage zu Verlustvorträgen geändert und man hat diesen Plan erst einmal auf Eis gelegt. Denn KST hat noch einige Verlustvorträge vorzuweisen, die nun auf einmal einen eigenen Wert darstellen und somit nutzbar sein könnten. Man möchte nun abwarten, ob sich die neue Rechtslage auch als solche verfestigt. In der Zwischenzeit kaufen Insider (Vorstand und Aufsichtsrat) massiv eigene KST-Aktien auf bei Kursen um €1,30. Ein gutes Zeichen. Wer einen langen Atem hat, kann evtl. bei KST eine Wiederauferstehung mit operativem Geschäft erleben und möglicherweise auch einiges an Rendite einfahren. KST ist übrigens am Immobilienunternehmen RCM Beteiligungen beteiligt, die wiederum direkt und indirekt (über ihre 76%-Tochter) SM Wirtschaftsberatung gut 20% an KST halten. Ich habe beide Aktien mit einer kleinen Position als "langfristige Chancen" im Depot.

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  3. Getting the story on a company is a lot easier if you understand the basic business.
    One Up On Wall Street:
    That’s why I’d rather invest in panty hose than in communications satellites, or in motel chains than in fiber optics. The simpler it is, the better I like it. When somebody says, “Any idiot could run this joint,” that’s a plus as far as I’m concerned, because sooner or later any idiot probably is going to be running it.

    Peter Lynch that appears in the newspaper USA Today in 1989 [PL2]:

    Lynch visited USA TODAY last week and talked about where amateur investors most often go wrong when they invest in individual stocks. … “Go for a business that any idiot can run – because sooner or later any idiot probably is going to be running it.”

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  4. “They say in the stock market, ‘Buy into a business that’s doing so well an idiot could run it, because sooner or later, one will,'” hat Buffett den Lynch 2008 in einem Zeitungsartikel zitiert.

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    1. Okay, Moritz, ich bin überzeugt und ändere dies entsprechend. Danke für den Hinweis und die Zitate!

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