Montag, 18. Dezember 2017

Mache es lieber einfach statt kompliziert

Value Investing, das wertorientierte Investieren, kommt ohne komplizierte mathematische Formeln aus, es setzt vielmehr auf den gesunden Menschenverstand und Geduld. Je einfacher und langweiliger das Geschäftsmodell ist, desto interessanter ist es grundsätzlich für Value Investoren. Man kauft Anteile an soliden Unternehmen, die von ehrlichen und fähigen Leuten geführt werden und das zu einem Kurs, der unterhalb des fairen Wertes liegt, also das Gewinnpotenzial des Unternehmens (noch) nicht widerspiegelt.

»Wenn ein Unternehmen gut läuft, wird die Aktie letztendlich folgen.«
(Warren Buffett)


Warren Buffett ist der Überzeugung, dass man sich weder mit Marktprognosen noch mit Charts aufhalten sollte, sondern vor allem mit dem Lesen der Geschäftsberichte der Unternehmen. Da steht alles drin, was ein Value Investor über das Unternehmen wissen muss und dort findet er die Zahlen und Daten, die er für die Bewertung des Unternehmens und die Ermittlung von dessen fairen Wert benötigt. Und er rät, Geld nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft man auch versteht.

»Man sollte sein Geld in Unternehmen stecken, die auch ein absoluter Vollidiot leiten könnte. Denn irgendwann wird unweigerlich genau das passieren.«
(Peter Lynch)

Machen Sie's wie Warren Buffett, machen Sie's nicht unnötig kompliziert. Intelligentes Investieren ist keine Wissenschaft, es ist solides Handwerk anhand einiger weniger, aber wichtiger Regeln. Man muss nicht zaubern können, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen.

Börsenkurse steigen langfristig an
Dabei sollte man sich (auch) nicht mit der Suche nach dem perfekten Timing beschäftigen, dem besten Zeitpunkt für einen Einstieg. Denn langfristig macht es kaum einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man in Aktien investiert hat, langfristig steigen die Kurse schier unaufhaltsam an. Der ökonomische Fortschritt, das Wachstum der Weltbevölkerung und der (auch deshalb) global zunehmende Wohlstand, schlagen sich in der Kursentwicklung nieder.

»Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.«
(Sir John Templeton)

 Quelle: tradingeconomics.com

Insbesondere der Chartverlauf des Dow Jones Index über die letzten hundert Jahre zeigt die Entwicklung sehr deutlich an. Die ganz kleine Delle ziemlich weit links ist übrigens "der große Crash" von 1929 mit der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.«
(Warren Buffett)

Daraus können wir lernen, dass für den nachhaltigen Börsenerfolg das Market-Timing einen geradezu zu vernachlässigenden Faktor darstellt, während eine andere Charaktereigenschaft ganz wesentlich zum Erfolg beiträgt: Geduld, die nach Benjamin Graham "oberste Tugend des Investors".

Anleger sollten also auf die einfachen, unkomplizierten Unternehmen setzen und dann die nötige Muße aufbringen, bis diese sich positiv entwickeln. Den Fortschritten im operativen Geschäft werden die Aktienkurse fast unweigerlich folgen.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese grundlegende Sicht der Dinge.
    Man sollte sich dies immer wieder ins Gedächtnis rufen, wenn die eigene psyche "Kaufen!" oder "Verkaufen!" schreit.

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  2. Langfristcharts besser logarithmisch darstellen, sonst sieht man sozusagen "nichts". Die generelle Botschaft teile ich, wobei die genaue Strategie bzw. Asset-Aufteilung von der persönlichen Situation abhängt... :-)

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  3. Hallo Michael,

    ich lese gerade 'Invest like a Guru' und darin hat der Autor eine passende Buffett-Aussage zitiert, nämlich dass der Down Jones in den nächsten 100 Jahren mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit auf über 1 Mio. steigt. Dafür ist lediglich eine unterdurchschnittliche Rendite von knapp 4,5 % notwendig...

    Von daher macht es durchaus Sinn, sich mit der Thematik zu befassen. Aber dir muss ich das ja nicht sagen :-)

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    1. Ja, der Zinseszinseffekt ist wohl die am meisten unterschätze Kraft bei der Geldanlage...

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    2. Welches der Unternehmen auf deiner Empfehlungsliste kann denn ein "absoluter Vollidiot" leiten? Ich sehe nicht eines ....

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    3. Kommt drauf an, wie eng man das Zitat auslegen will. Auch die USA kann ein kompletter Vollidiot leiten, wie man aktuell sieht. Da kommt es dann auf die zweite Ebene an, dass diese gut (genug) ist, das Schiff auf Kurs zu halten. Und das ist der zentrale Gedanke hinter Buffetts Bonmot: Solidität, Beständigkeit, Struktur, Verlässlichkeit.

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  4. Hallo Michael! Hatte B. Graham über 100 Aktien in seinem privaten Depot ? Konnte keine Infos finden ! Danke für eine Antwort ! Gruß Horst !

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    1. Nach meiner Kenntnis hat er ein eher konzentriertes Depot geführt, wie auch Buffett es bevorzugt. Peter Lynch hingegen hat hingegen eher breiter diversifiziert.

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    2. Er hatte beides geführt. Auf der einen Seite konzentriert auf der anderen Seite sehr diversifiziert.
      Er hatte über 100 Unternehmen im Portfolio, aber nur ein Unternehmen machte teils über 50% aus, sofern ich das richtig im Kopf habe.

      Er hatte das Unternehmen nie aufgestockt aber es wuchs und wuchs... Und die Gewinner verkaufte er auch nicht. Das Unternehmen hieß Geico und gehört heute zu Berkshire.

      Gruss
      Valueer

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