Montag, 27. August 2018

Warren Buffett rät: Mache es einfach statt kompliziert, suche nachvollziehbare Geschäftsmodelle, die Bestand haben werden

Value Investing, das wertorientierte Investieren, kommt ohne komplizierte mathematische Formeln aus, es setzt vielmehr auf den gesunden Menschenverstand und Geduld. Je einfacher und langweiliger das Geschäftsmodell ist, desto interessanter ist es grundsätzlich für Value Investoren. Man kauft Anteile an soliden Unternehmen, die von ehrlichen und fähigen Leuten geführt werden und das zu einem Kurs, der unterhalb des fairen Wertes liegt, also das Gewinnpotenzial des Unternehmens (noch) nicht widerspiegelt.

»Mache es einfach, nicht kompliziert: suche Unternehmen mit nachvollziehbaren Geschäftsmodellen aus, die Bestand haben werden.«
(Warren Buffett)


Warren Buffett ist der Überzeugung, dass man sich weder mit Marktprognosen noch mit Charts aufhalten sollte, sondern vor allem mit dem Lesen der Geschäftsberichte der Unternehmen. Da steht alles drin, was ein Value Investor über das Unternehmen wissen muss und dort findet er die Zahlen und Daten, die er für die Bewertung des Unternehmens und die Ermittlung von dessen fairen Wert benötigt. Und er rät, Geld nur in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft man auch versteht.

»Man sollte sein Geld in Unternehmen stecken, die auch ein absoluter Vollidiot leiten könnte. Denn irgendwann wird unweigerlich genau das passieren.«
(Peter Lynch)

Machen Sie's wie Warren Buffett, machen Sie's nicht unnötig kompliziert. Intelligentes Investieren ist keine Wissenschaft, es ist solides Handwerk anhand einiger weniger, aber wichtiger Regeln. Man muss nicht zaubern können, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen.

»Wenn ein Unternehmen gut läuft, wird die Aktie letztendlich folgen.«
(Warren Buffett)

Börsenkurse steigen langfristig an
Dabei sollte man sich (auch) nicht mit der Suche nach dem perfekten Timing beschäftigen, dem besten Zeitpunkt für einen Einstieg. Denn langfristig macht es kaum einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt man in Aktien investiert hat, langfristig steigen die Kurse schier unaufhaltsam an. Der ökonomische Fortschritt, das Wachstum der Weltbevölkerung und der (auch deshalb) global zunehmende Wohlstand, schlagen sich in der Kursentwicklung nieder.

»Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.«
(Warren Buffett)

War da was?
Insbesondere der Chartverlauf des Dow Jones Index über die letzten hundert Jahre zeigt die Entwicklung sehr deutlich an. Die ganz kleine "Unwucht" ziemlich weit links ist übrigens "der große Crash" von 1929 mit der sich anschließenden Weltwirtschaftskrise (bei der logarithmischen Darstellung des Charts sieht dieser natürlich weniger dramatisch aus). Und auch im neuen Jahrhundert steigen die Aktien allen Unbillen zum Trotz weiter an, denn inzwischen kämpft der Dow Jones Index mit der Marke von 26.000 Punkten und notiert damit fast anderthalb mal so hoch wie zum 1. Januar 2000.

Aus dieser (Kurs-) Entwicklung können wir lernen, dass für den nachhaltigen Börsenerfolg das Market-Timing einen geradezu zu vernachlässigenden Faktor darstellt, während eine andere Charaktereigenschaft ganz wesentlich zum Erfolg beiträgt: Geduld, die nach Benjamin Graham "oberste Tugend des Investors".

»Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.«
(Sir John Templeton)

Anleger sollten also auf die einfachen, unkomplizierten Unternehmen setzen und dann die nötige Muße aufbringen, bis diese sich positiv entwickeln. Den Fortschritten im operativen Geschäft werden die Aktienkurse fast unweigerlich folgen.

Kommentare:

  1. Wenn schon "Einfachheit", dann "einfach" auch noch die Auswahl von einzelnen Unternehmen sparen, in einen MSCI ACWI / FTSE All World ETF zu 0,2% Kosten investieren und mit der gesparten Zeit das Leben genießen ;-)

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    1. Tja... und was sollen dann Leute wie ich machen, für die es zum Genießen des Lebens gehört, Aktien zu analysieren, einen Investmentcase aufzustellen, Bücher zum Thema zu lesen und sich mit dem Thema Value Investing zu beschäftigen? Ich jedenfalls gewänne viel freie Zeit, um sie dann mit Aktivitäten zu füllen, die mir weniger Freude bereiten. Also keine ETFs für mich... ^^

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  2. Sorry, sollte kein "Angriff" werden und ich will auch kein Aktiv-Passiv-Debatte lostreten...deshalb der Smiley. Konnte nur bei dem Wort "einfach" nicht widerstehen.

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    1. Ich hatte das auch nicht als Angriff verstanden, sondern wollte nur "einfach" meine Seelenpein kundtun ob des ETF-Siegeszugs. Daher die "^^".

      Dazu hatte ich sogar mal einen ganzen Artikel verfasst: "Weshalb ich auf Stock-Picking setze und nicht in Fonds oder ETFs investiere". Quasi der ultimative Hilferuf eines begeisterten Stock-Pickers... ^^

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    2. Der "ETF-Siegeszug" muss uns ja nicht weiter stören oder? Denn je mehr Leute ihre Aktien-Allokation nach aktuellem Marktwert betreiben, desto mehr sollten sich Anomalien ergeben, die wir Stock-Picker dann nutzen können. ETFs sind halt die große Gießkanne des Investierens. Als Stock-Picker kann man sich dagegen die Rosinen rauspicken :)

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    3. Nun, selbst der "Erfinder" der passiven Indexfonds, John Bogle, warnt inzwischen davor, dass eine ungebremste Entwicklung hin zu ETFs dazu führen kann, dass beinahe keine "Normalen" Aktientransaktionen mehr stattfinden und dann auch das passive Investieren am Ende sei. Wenn nämlich ETFs den Aktienmarkt komplett leer gesaugt haben. Bis dahin ist zwar noch ein weiter Weg, aber eine Preis-/Kursfestellung ohne genügend handelbare Aktien ist kaum vorstellbar. Aber warten wir mal den ersten großen Crash ab, den ETFs überstehen müssen und schauen wir mal, wie diese Produkte sich dann schlagen, wenn gleichzeitig sehr viele Anleger aus den ETFs raus wollen. Erfahrung bei einer Operation am offenen herzen, könnte man meinen...

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    4. Was passiert denn wenn alle raus wollen ? Dann muss der ETF einfach anteilig die Aktien verkaufen oder ?

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    5. Ne, das ist eben nicht "einfach". Wenn alle/viele Anleger gleichzeitig aus ETFs aussteigen wollen, fließt Geld aus den ETFs und sie müssen entsprechend Aktien/Wertpapiere verkaufen. Richtig. Aber... je mehr Menschen nur noch in ETFs anlegen und nicht mehr in Aktien selbst, desto weniger potenzielle Käufer stehen dann auch für die Aktien zur Verfügung, wenn sie auf den Markt kommen. Die ETFs trocknen den Aktienmarkt aus - und wenn diese Aktien aus den ETFs heraus verkauft werden (müssen), treffen sie auf wenig(er) Kaufinteresse am Markt, was zu noch stärkerem Verkaufsdruck und noch stärker fallenden Aktienkursen führt.

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    6. Noch ein Aspekt: Indexfonds/ETFs haben ja per Definition keinen Cashanteil, sondern sind immer zu 100% investiert. Anders als Investmentsfonds. Diese Investmentfonds sind also flexibler, wenn Anleger Anteile zurückgeben, weil sie das ein Stück weit über die Cahsquote abfedern können. Und sie können bei Markteinbrüchen auch selektiv zukaufen. Was ETFs nicht können, die bilden ja ihren zugrundeliegenden Vergleichsindex ab. Wenn ETF-Verkäufe den Markt in den Keller schicken, können diese ETFs/Indexfonds nicht als Käufer auftreten und den Markt stabilisieren. Das müssen dann die übrigen Marktteilnehmer tun. Von denen es aber immer weniger gibt und die immer weniger Gelder im Aktienmarkt haben (dank der ETF-Konkurrenz).

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    7. Die Panik am Aktienmarkt wird dann verstärkt. Das müsste doch gute Kaufgelegenheiten für Value-Investoren geben. Interessant wird, was dann mit Aktien passiert, die normalerweise nicht in ETF's enthalten sind, also vor allem solchen, die nicht Bestandteil der wichtigsten Indizes sind.

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    8. Logisch, jedoch aus meiner Sicht wenig problematisch für einen langfristig orientierten Anleger oder

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    9. Das bleibt abzuwarten. Wenn ein Kursabsturz, der unter normalen Umständen 30 oder Prozent betragen hätte dank der ETFs sich dann auf 70 oder 80 Prozent aufschwingt, kann das natürlich dazu führen, dass Anleger der Börse grundsätzlich den Rücken kehren, weil ihnen das zu volatil wird. gerade in den USA, wo die Altersversorgung ja zum großen Teil auf Aktien basiert kann ein massiver Kurseinbruch zu einem Zeitpunkt, wo man auf dieses Vermögen angewiesen ist, zu einem echten Problem werden. Hat man z.B. nur Techwert mit keiner/geringer Dividendenzahlung im Depot, muss man ja aus Verkäufen sein Dasein bestreiten. Bricht der Markt um 80% ein, reicht das Vermögen nur für eine kurze Zeit.

      Aber wie gesagt, wir werden den Praxistest abwarten müssen. Und er erleben...

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    10. Bei ETFs macht es Sinn, zwischen den Replikationsmethoden zu unterscheiden, wenn man die Auswirkungen bei Marktpanik untersuchen will. Bei physisch replizierenden ETFs ergibt sich m.E. fast kein Unterschied, denn das sind nichts anderes als Aktien-Sammelbecken. Verkauft jemand seinen ETF, werden in gleichem Umfang echte Aktien verkauft. Und umgekehrt: wenn die Aktienkurse ordentlich im Keller sind, sind es auch die ETF-Kurse und ermutigen ETF-Anleger, wieder günstig ETFs zu kaufen und damit echte Aktien. Auf diese ETFs trifft die Aussage, dass sie im Panikfall zu weniger Käufern führen, m.E. nicht zu. Das wäre die gleiche Panik mit den gleichen Auswirkungen.
      Anders sieht es bei den synthetischen ETFs aus, hier wird einfach das ETF-Kapital der Anleger in Sicherheiten wie vermeintlich sichere Staatsanleihen oder Blue Chip Aktien investiert, und eine (andere) Bank gibt einem dafür die Rendite von z.B. Schwellenländer-Aktien. Das birgt 2 Risiken:
      1. Die Sicherheiten könnten unerwartet viel Wert verlieren. Bei 0,5% Zinsen auf AAA-Staatsanleihen dürften deren Kurse fallen wie ein Stein, wenn die Zinsen doch mal deutlich angehoben werden sollten.
      2. Bei einer Bankenkrise könnte es zweifelhaft sein, dass die (andere) Bank in der Lage ist, die vereinbarte Rendite zu leisten.

      Wenn man meint, das seien nun sehr unwahrscheinliche Szenarien, darf man sich an 2008 erinnern, oder vor allem an die Zeit vor 2008, als es jeder für ausgeschlossen hielt, dass jemals eine Bank pleite gehen würde. Das würde der Staat nie zulassen. Nun, einige Staaten haben es 2008ff dann doch zugelassen... Und es muss gar nicht zur Pleite kommen, es reicht schon aus, wenn das Vertrauen sinkt. Auch das ist 2008 passiert, mit der Folge, dass die Banken gegenseitig nicht mal mehr Zinsswaps abschließen wollten, also solche Gechäfte, bei denen gar kein Grundkapital ausgetauscht wird, sondern nur die Zinsen selbst. Die galten bis dahin als praktisch ohne Ausfallrisiko, eben weil kein Grundkapital getauscht wird. Als man aber nicht mehr wusste, welche Bank als nächstes Pleite gehen könnte, ist plötzlich aus dem Nichts das völlig neue Risiko "andere Bank könnte evtl. Zinsen nicht mehr zahlen" aufgetaucht. Es war vor allem dieses völlig unerwartete Auftreten eines bis dahin nicht wahrgenommenen Risikos, das die Märkte so verunsichert hat. Und genau solche Risiken schlummern in den synthetischen ETFs.

      Dazu kommt, dass eine allgemeine Marktpanik durch die synthetischen ETFs dann zu unerwarteten Marktreaktionen führen würden. Denn wenn nun alle ihre synthetischen ETFs auf z.B. Schwellenländer-Aktien verkaufen wollen, würde der ETF-Anbieter ja entsprechend seine Sicherheiten verkaufen, d.h. nicht Schwellenländer-Aktien, sondern europäische Staatsanleihen oder Blue Chip Aktien. Diese Inkongruenz zwischen Preisfeststellung und tatsächlicher Investition könnte daher noch zu "schönen" Überraschungen führen...

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    11. Die Kritik ist jedoch auch (wenn ich es verstanden habe), dass Schwankungen durch kapitalgewichtete ETF Verstärkt werden. Dazu vermutet man in ETF eher Neulinge die dich Schwankungen nicht aushalten und Dadruch den Markt noch weiter in den Keller treiben. Jetzt müsste man schauen wie viel Kapital denn die ganzen Lieschen Müllers in ETF haben und ob das genug ist den Markt so zu manipulieren. Ich glaube der "Finanzwesir" hat mal vorgerechnet, dass es viel zu wenig Kapital ist um die Börse so zu beeinflussen.

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    12. Ps: Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Crash noch deutlich vor meiner Rente kommt (leider). In meinem Alter geht das bis mal 67 ist, ich werde dann im Rolator dynamisch und Motivierend vor den Leuten agieren:D

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    13. @Lion Rock: "...die Zeit vor 2008, als es jeder für ausgeschlossen hielt, dass jemals eine Bank pleite gehen würde. Das würde der Staat nie zulassen. Nun, einige Staaten haben es 2008ff dann doch zugelassen..."

      Es war genau anders herum. Man (d.h. die Mehrzahl der Marktteilnehmer) hielt es für ausgeschlossen, dass Banken wegen behaupteter systemischer Relevanz mit Steuergeld gerettet würden.
      Es gab doch auch vor der Finanzkrise immer schon Bankenpleiten. In D. sind von 2000 bis 2008/09 auch 15 Finanzinstitute in die Insolvenz geschlittert.

      Bis zur Finanzkrise (bis Lehman Bros.) galt es als kaum vorstellbar, dass Regierungen (manche) Großbanken für systemrelevant erklären und denen ab einer bestimmten Größe quasi einen unbegrenzten Freibrief erteilen ...
      Gruß, M.

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    14. @Lion Rock
      Du sagst: "Bei physisch replizierenden ETFs ergibt sich m.E. fast kein Unterschied, denn das sind nichts anderes als Aktien-Sammelbecken. Verkauft jemand seinen ETF, werden in gleichem Umfang echte Aktien verkauft. Und umgekehrt: wenn die Aktienkurse ordentlich im Keller sind, sind es auch die ETF-Kurse und ermutigen ETF-Anleger, wieder günstig ETFs zu kaufen und damit echte Aktien. Auf diese ETFs trifft die Aussage, dass sie im Panikfall zu weniger Käufern führen, m.E. nicht zu. Das wäre die gleiche Panik mit den gleichen Auswirkungen."

      Doch, genau diese Situation meine ich! Wenn alle Anleger nur noch ETFs kaufen, trocknet der Primärmarkt, der Aktienmarkt aus. Niemand kauft mehr Aktien (außer ETFs). Wenn nun die Anleger massenhaft Geld aus ETFs abziehen und diese deshalb Aktien verkaufen müssen, werden diese Aktien auf den Markt geschmissen - einen Markt, der kaum noch funktioniert, weil es kaum noch Käufer und Verkäufer gibt. Nur noch ETFs. Und die können nicht kaufen, weil sie ja gerade verkaufen müssen (!) aufgrund der Geldabzüge der Anleger. Deshalb verstärkt sich der Ausverkauf, der Kursabsturz noch zusätzlich. Und das werte ich als zusätzliches Risiko des ETF-Booms und als mehr als unangenehme Begleiterscheinung.

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    15. Mm, aber der Primärmarkt trocknet ja nicht aus, eben weil physisch replizierende ETFs dort ihre Aktien handeln. Sie müssen dort im Falle einer Panik nicht mehr verkaufen, als es der panische Anleger in Einzelaktien dort auch tun würde. Und doch, die ETF-Anbieter können (und müssen) Aktien am Primärmarkt kaufen, denn wenn ETF-Anleger intraday den 10% gefallenen ETF-Kurs sehen, werden viele wieder ETF-Anteile (nach)kaufen. Genauso wie es Anleger in Einzelaktien bei 10% gefallenen Aktienkursen machen würden. Eine Verstärkung von Panik kann man mit ETFs daher so nicht begründen.

      Oder meinst Du, dass der Creation-Redemption-Prozess einfach zu langsam wäre? So dass am Primärmarkt zuerst alle Verkäufe reinrauschen, und es dann zu lange dauert, bis die ETF-Nachkäufe sich am Primärmarkt in Nachfrage nach Aktien bemerkbar machen? Dazu müsste man aber zuerst mal tiefer in den Prozess einsteigen: über welchen Zeitraum werden ETF-Verkäufe/Käufe gesammelt, bis man damit an den Primärmarkt geht? In welchen Abständen erfolgt die Preisbildung des ETFs auf Basis der Einzelpreise am Aktienmarkt? Allein aufgrund der Indirektion ETFs -> Aktien kann man es nicht schlussfolgern.

      Ich stimme Dir aber zu, dass es letztlich auf den Praxistest noch ankommt. Denn wir wissen Stand heute noch nicht, wie sich das ganze Modell im Fall des Falles schlagen würde.

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    16. Grundsatz: wer ETFs kauft, kauft den Kurs. nicht den Wert, der dahinter steht. ETF und Value Investing schließt sich aus (nicht, dass es keine Value-ETFs gäbe, aber der Käufer eines ETFs betreibt kein Value Investing, keine Fundamentalanalyse).

      Ich versuche das Problem mal mit einem sehr vereinfachenden Beispiel zu verdeutlichen.

      Früher gab es 1.000 Börsianer, die alle mit Aktien handelten. Sie kauften und verkauften ganz munter und wenn es mal einen Crash gab, dann verkauften sie viel mehr als sie kauften. Auf irgendeinem Niveau kauften dann wieder mehr Börsianer als noch weiter verkaufen wollten und die Kurse stabilisierten sich.

      Heute gibt es noch 10 Börsianer, die direkt mit Aktien handeln und 990, die in Aktien-ETFs investieren. Wenn es zum Crash kommt, verkaufen alle ihre ETFs, die deshalb die in ihnen enthaltenen Aktien auf den Markt schmeißen müssen. Dadurch geraten die Kurse weiter unter Druck und der Index/die Aktienkurse rutschen weiter ab. Es verkaufen daher weitere ETF-Anleger und das Spiel geht weiter. Irgendwann scheinen die Aktien billig genug und es treten wieder Aktienkäufer auf. Von denen gibt es nicht mehr 1.000, sondern nur noch 10. Ihre Kaufkraft ist also um 99% geringer als "früher". Daher stürzen die Kurse länger und heftiger ab als früher. Denn... die ETFs können nicht kaufen "weil es billig" erscheint, sondern sie bilden den Markt ab. Sie "machen" den Markt nicht aktiv, sie sind passiv. Erst wenn wieder genügend Anleger Geld in die ETFs investieren, können/müssen diese als Käufer am Markt auftreten. Und genau dieses Kaufen, da bezweifele ich, dass es so stattfinden wird. Denn die ETF-Käufer kaufen nicht ETFs weil diese fundamental günstig sind. Sie kaufen, weil sie an der Marktentwicklung teilhaben wollen. Und wenn diese steil nach unten zeigt, dann halten sie sich fern. Sie sind keine Fundamentalinvestoren, sie sind Kursgläubige! Genau das meine ich mit "ETFs trocknen den Markt aus".

      Meine Schlussfolgerung aus diesen Überlegungen ist daher, dass ein Kursabsturz viel heftiger sein wird, je mehr Anleger in/über ETFs investieren und entsprechend weniger "aktive" Marktteilnehmer am Geschehen teilnehmen. Und wenn Kursverluste in Crashs dann nicht mehr 30% oder 40% betragen, sondern der Markt "regelmäßig" um 60% oder 70% herunter rauscht, dann werden sich mehr und mehr Anleger dauerhaft aus diesem Markt verabschieden. Weil er mehr und mehr einem Casino gleicht und die Kursausschläge immer weniger mit Investieren zu tun haben.

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    17. "Und genau dieses Kaufen, da bezweifele ich, dass es so stattfinden wird. Denn die ETF-Käufer kaufen nicht ETFs weil diese fundamental günstig sind."

      wenn es weiterhin die selben 990 Börsianer aus deiner Parabel sind, dann werden die sich ähnlich verhalten wie vorher auch, nur dass die eben den gesamtmarkt günstig kaufen und nicht einzelne rosinen. Außerdem bezweifel ich dass alle 990 vorher value betrieben haben bzw. Fundamentalanalyse.

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    18. Warum sollten sich denn (wertorientierte) EFT-Anleger grundlegend anders verhalten als (wertorientierte) Individualanleger? Die können (und viele werden dies vermutlich auch tun) den Kursrutsch genauso gut aussitzen wie geduldige Stockpicker, oder sie kaufen eben ETF-Anteile nach einem Kursrutsch (oder während dieses Kursrutsches) billiger nach. Die mutieren doch nicht qua ETF-Kauf zu Lemmingen ...
      Der Unterschied scheint mir da lediglich zu sein, dass Käufer von ETF-Anteilen einen breiteren Markt kaufen oder abverkaufen, also dass in der Folge die Kursunterschiede zwischen einzelnen Titeln (je nach Zusammensetzung der ETFs bzw. Basisindizes) geringer sind. Oder?

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  3. Im ETF holst du dir halt die guten und die schlechten Aktien.
    Klar als Sparplan zum Vermögensaufbau sind die ja nicht schlecht, da man regelmäßig zum Markt kauft. Wenn man aber schon etwas Vermögen hat, ist Stockpicking sicherlich eine der besseren Möglichkeiten sein Geld zu vermehren.

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  4. Hallo Michael, hast Du den für uns alle eine langweilige Aktie, gerne mal aus Australien oder Kanada? NMFC habe ich ja schon. lg Dieter

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    1. Australien und Kanada habe ich ja so gar nicht auf dem Schirm. Allerdings könntest Du Dir mal Stella Jones anschauen, einen kanadischen Holzverarbeiter. Ich hatte vor anderthalb Jahren das Unternehmen mal hier im Blog vorgestellt ("Stella Jones: Alles andere als auf dem Holzweg"). Da deren Hauptabsatzgebiet die USA sind und Trump ja auf Holzimporte aus Kanada hohe Strafzölle verhängt hat, wäre Stella Jones einer der Hauptprofiteure, sollte sich ein US-mexikanisches Handelsabkommen auch auf Kanada erstrecken.

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