Montag, 31. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 53/2012

"Erfahrung ist eine nützliche Sache. Leider macht man sie immer erst kurz nachdem man sie braucht".
(Johann Wolfgang von Goethe)

Samstag, 29. Dezember 2012

Übernahmeangebot für die Dresdner Factoring AG

Vor einigen Wochen gab es eine Mitteilung, dass der Großaktionär, die Wegold Holding AG von Aufsichtsratsmitglied Jürgen Freisleben, ein Pflichtangebot für die freien Aktien der Dresdner Factoring AG abgeben wird. Dabei liegt der Zeitpunkt der Kontrollerlangung und die damit einhergehende Pflicht zur Abgabe eines Übernahmeangebotes bereits 4 Jahre zurück - und muss somit gem. §38 WpÜG seit diesem Zeitpunkt rückwirkend verzinst werden. Inzwischen liegt das Pflichtangebot aber vor und wurde von der BaFin genehmigt.

Der offerierte Preis von 6,08 EUR liegt nur unwesentlich über dem letzten Börsenkurs von Freitag und errechnet sich wie folgt:
Pflichtangebot, § 4 II d: Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen
Die von der Bieterin angebotene Gegenleistung entspricht somit dem von der Ba-Fin ermittelten Drei-Monats-Durchschnittskurs in Höhe von 5,09 EUR zuzüglich der notwendigen Verzinsung in Höhe von 0,99 EUR. Somit entspricht der in der Angebotsunterlage benannte Angebotspreis in Höhe von 6,08 EUR je Dresdner Factoring-Aktie nach Kenntnis von Vorstand und Aufsichtsrat den gesetzlichen Mindestanforderungen gemäß §§ 39, 31 Abs. 1, Abs. 7 WpÜG i.V.m. §§ 4, 5 WpÜG-AngebVO sowie der Verzinsungspflicht nach § 38 WpÜG.
Vorstand und Aufsichtsrat der Dresdner Factoring AG befürworten das Angebot und halten es für angemessen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Aufsichtsratsvorsitzende der Dresdner Factoring AG, Dr. Norbert Hörmann, ebenfalls AR-Vorsitzender der Wegold Holding AG ist und dem sechsköpfigen AR der Dresdner Factoring AG auch noch Jürgen Freisleben (Alleineigentümer und Vorstand der Wegold) und Thomas Agerholm angehören. Agerholm hat in den vergangenen Jahren seinen Anteil an der Dresdner Factoring AG über seine Firma  HW Leasing GmbH sukzessive ausgebaut und zeichnet wesentlich für den Anstieg des Aktienkures in den letzten Monaten verantwortlich.

Die aktuelle Aktionärsstruktur der Dresdner Factoring AG:
  • WEGOLD Holding AG: 29,861%
    (Zurechnung Anteilsbesitz an Herrn Jürgen Freisleben)
  • HW Leasing GmbH: 15,939%
    (Zurechnung Anteilsbesitz an Herrn Thomas Agerholm)
  • SGB Sachsen-Anhalt mbH: 5,252%
  • Dresdner Factoring AG: 9,955%
    (279.957 eigene Aktien)
  • Free Float: 38,992%
Damit kontrolliert Freisleben/Wegold de facto die Mehrheit der Aktien und die Übernahme kann als erfolgreich angesehen werden, egal, wie sich die übrigen Aktionäre verhalten.

Für Agerholm hat sich das Engagement auf jeden Fall gelohnt, denn er ist zu deutlich niedrigeren Kursen eingestiegen. Reine Spekulation ist, ob er von dem versäumten Pflichtangebot des Jürgen Freisleben wusste und deshalb bei seinen Ankäufen quasi ohne Risiko agierte. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Geschäfte der Dresdner Factoring AG in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt haben und der steigende Aktienkurs daher auch fundamental gerechtfertigt war.

Auf meiner Empfehlungsliste befindet sich die Dresdner Factoring AG seit dem 10 Februar 2012, aufgenommen zu einem Kurs von damals 3,80 EUR. Zwischenzeitlich wurde eine Bruttodividende von 0,20 EUR ausgeschüttet, so dass sich bezogen auf den Angebotspreis von 6,08 EUR eine Gesamtrendite von 65,26% ergibt - für rund zehneinhalb Monate.

Es stellt sich nun die Frage, ob Aktionäre das Angebot, das bis zum Ablauf des 22.01.2013 gilt, annehmen sollten. Eine Pflicht zur Annahme besteht nämlich nicht. Fundamental ist das Unternehmen, das zuletzt seine Prognosen nochmals erhöht hatte, attraktiv bewertet. Auf Basis eines geschätzten Gewinns je Aktie von 0,73 EUR für 2013 errechnet sich ein KGV von knapp 8,3 und Ausschüttung einer geschätzten Dividende von 0,30 EUR je Aktie ergäbe dies eine Dividendenrendite von 4,9%. Je nachdem, wie viele freie Aktionäre das Pflichtangebot annehmen, kommt auf Freisleben/Wegold eine erhebliche Summe zu, die es zu stemmen gilt. Man kann - auch unter Berücksichtigung des positiven Verlaufs des operativen Geschäfts der Dresdner Factoring AG - darauf spekulieren, dass die Dividende signifikant angehoben werden dürfte. Alleine schon aus Refinanzierungsgründen seitens der Wegold AG. Perspektivisch würde also die Dividendenrendite eher steigen als fallen, so dass die Bewertung auf dem aktuellen Kursniveau nicht unbedingt den Ausstieg nahe legt.

Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass der erhebliche Kursanstieg der letzten Monate bei diesem marktengen Wert ganz erheblich auf die Käufe durch Angerholm/DW Leasing zurückzuführen war. Diese werden künftig unterbleiben, so dass die Nachfrage merklich zurückgehen dürfte. Andererseits verknappt sich das Angebot (der Free Float) an Aktien durch die Mehrheitsübernahme vermutlich ebenfalls deutlich, so dass nicht von einem erhöhten Abgabedruck auf die  Dresdner Factoring-Aktien zu rechnen ist.

Fazit: man kann das Übernahmeangebot annehmen, muss aber nicht. Wer ohnehin überlegt, auf dem aktuellen Kursniveau auszusteigen, sollte es wohl annehmen, weil sein Ausstieg dann nicht den Kurs drückt. Wer von den Perspektiven der Dresdner Factoring AG weiterhin überzeugt ist, kann dabei bleiben. Je nach Annahmequote ergibt sich ggf. sogar eine weitere heiße Spekulation, nämlich auf ein Squeeze-Out. Allerdings muss Freisleben/Wegold erst einmal die Mehrheitsübernahme an der Dresdner Factoring AG verdauen und die dafür benötigten Mittel stemmen, so dass hier eher mittel- bis langfristig zu spekulieren ist. Dennoch könnte dies ein interessanter Ansatz sein, da die attraktive Bewertung der Dresdner Factoring AG das Kursrisiko begrenzt und gleichzeitig die guten Perspektiven des Unternehmens auch weiterhin steigende Umsätze, Gewinne und Kurse vermuten lässt.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Beteiligungsgesellschaften bergen Potenziale

Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) warnt vor Erhöhungen bei Erbschafts- und Vermögenssteuern, denn bereits heute stünden viele Mittelständler vor dem Problem, keinen Nachfolger mehr für ihr Unternehmen zu finden - Tendenz steigend. Der DIHK hat vor Kurzem einen Report zur Unternehmensnachfolge vorgelegt, wonach 56 Prozent der Existenzgründer Schwierigkeiten haben, die Finanzierung einer Betriebsübernahme zu stemmen. Hinzu komme, dass viele Interessenten nicht hinreichend qualifiziert seien und die Herausforderungen bei der Übernahme eines Betriebes unterschätzten. 2011 hätten rund 39 Prozent der Senior-Unternehmer keinen passenden Nachfolger gefunden, während es 2008 noch 35 Prozent waren.

Dass es viele Selbständige gibt, die keine Nachfolger für ihr Ladengeschäft finden, ist nicht neu. Und es liegt nicht selten auch an der Branche, in der sie tätig sind: Kioske, Bäcker, Schuster, kleine Handwerker und Ladenbesitzer eben, die längst Opfer großer Ketten oder Kaufhäuser geworden sind und wo die eigene nachfolgende Generation kein Interesse an der Übernahme des elterlichen Geschäfts hat. Volkswirtschaftlich relevanter sind da die Mittelständler, die ohne Nachfolger schließen müssen und dabei viele (qualifizierte) Arbeitsplätze und viel Knowhow vernichten. Doch gerade hier gibt es zunehmend Hoffnung, denn neben Einzelpersonen, die das Unternehmen übernehmen und sich als Chef versuchen, gibt es auch die Möglichkeit von Management-Buy-Outs, also der Übernahme durch die bisherigen Geschäftsführer oder aber auch die Veräußerung an ein Beteiligungsunternehmen.

Was in anderen Ländern längst zum Normalfall geworden ist, erfreut sich in Deutschland nun auch zunehmender Beliebtheit. Sicher, es gibt auch die "bösen Heuschrecken", zumeist anglo-amerikanische Fonds, die Firmen aufkaufen, diese ausbluten, und die Reste dann teu(r)er weiterverkaufen. Aber es gibt eben auch eine Menge Unternehmen, die sich mittel- und langfristig an anderen Unternehmen beteiligen und deren Fokus nicht auf dem schnellen Geld liegt, sondern die die übernommenen Firmen stärken. Teilweise mit dem Ziel, sich dauerhaft zu beteiligen, teilweise in der Absicht, den Firmenwert des Übernahmeobjektes deutlich anzuheben, zum Beispiel durch eine Sanierung oder das heben stiller Reserven, um dann einige Jahre später ein prosperierendes Unternehmen am Markt platzieren zu können.

Das Problem der Einen, nämlich Schwierigkeiten bei der Unternehmensnachfolge zu haben, ist die Chance der Anderen - sie können sich aus einem immer größeren Teich die interessantesten Fische heraussuchen. Für Anleger wiederum bieten sich hier ebenfalls Chancen, denn auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl von börsennotierten Beteiligungsgesellschaften mit teilweise deutlich unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

Da gibt es Firmen, die sich auf Sanierungsfälle spezialisiert haben (z.B. Bavaria Industriekapital AG), und dem entsprechend Firmen kaufen, die kurz vor dem Kollaps stehen. Die Ausfallquote ist hier relativ hoch, aber wenn ein oder zwei Übernahmeobjekte die Kurve kriegen und wieder Tritt fassen, sind die Renditen in diesen Fällen sehr hoch - analog zu den niedrigen Einstiegskursen bei Pleitenkandidaten.

Oder Unternehmen, die sich auf Frühphasenfinanzierungen (sog. Venture Capital) spezialisiert haben (wie z.B. die mic AG), also relativ junge Unternehmen finanzieren, die noch keine großen Umsätze oder gar Gewinne vorweisen können. Schlägt das Geschäftsmodell allerdings ein, winken hohe Renditen, allerdings sind auch hier Pleiten nicht selten.

Dann gibt es Beteiligungsfirmen, die strauchelnde Unternehmen kaufen oder Randaktivitäten von großen Konzernen, die diese nicht weiter betreiben wollen. Hier hat sich z.B. die Aurelius AG einen hervorragenden Ruf erworben, niedrig bewertete Aktiva zu finden und nach einigen Jahren mit großen Gewinnen wieder zu veräußern.

Die ältesten und bekanntesten Beteiligungsunternehmen, die an deutschen Börsen notieren, sind wohl die Gesco AG und die Indus Holding AG, die sich zu Unternehmenskonglomeraten mit Fokus auf bestimmte Branchen entwickelt haben, und sich als langfristig Finanziers und Partner ihrer Beteiligungen verstehen. Sie verfolgen einen ähnlichen Ansatz wie die Beteiligungsholding Berkshire Hathaway von Investment-Legende Warren Buffett und seinem Partner Charlie Munger. Denn neben den bekannten großen Beteiligungen in Coca Cola, Wells Fargo & Co, American Express usw. finden sich im Portfolio viele Mittelständler, wie Möbelproduzenten, Süßigkeitenfabrikanten, Schuhhersteller, Teppichbodenhersteller, Regionalzeitungen usw., die allesamt solide und nachhaltige Renditen abwerfen. Verkäufe dieser oftmals 100-Prozent-Beteiligungen erfolgen nur selten und sind nicht Kerngeschäft der Beteiligungsholdings. Ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt auch die bisher noch recht unbekannte, aber dennoch sehr erfolgreiche MBB Industries, die in diesem Jahr ihren Umsatz verdoppeln und den Gewinn fast verdreifachen wird und trotz eines rasanten Kursanstiegs noch immer mit niedrigem einstelligem KGV und sehr attraktiver Dividendenrendite - mit deutlichem Steigerungspotenzial - aufwartet. Dank dieser "Goldgräberstimmung" ist MBB Industries nach wie vor einer meiner Top-Favoriten und in meinem Depot deutlich übergewichtet.

Eher kleine Beteiligungsgesellschaften finden sich ebenfalls auf deutschen Kurszetteln, wie die H.P.I. Holding AG und die Greiffenberger AG. Beide Unternehmen haben nur wenige Beteiligungen im Portfolio und sind stark auf ein oder zwei Geschäftsfelder spezialisert, wo ihre Beteiligungen in Nischenmärkten als (Welt-) Marktführer tätig sind.

Zuletzt gibt es noch Aktienbeteiligungsunternehmen, die sich ganz überwiegend auf börsennotierte Unternehmen spezialisiert haben, wie die Shareholder Value Beteiligungen AG oder die Scherzer & Co. AG. Sie investieren ihr Kapital in unterbewerte Börsengesellschaften und in Unternehmen in Spezialsituationen, also z.B. Übernahmekandidaten oder Squeeze-Out-Spekulationen. So zahlen Unternehmen, die ein börsennotiertes anderes übernehmen wollen, in der Regel deutliche Kursaufschläge, um deren Papiere von den übrigen Aktionären angedient zu bekommen. 40 Prozent und mehr sind hier keine Seltenheit und wer früh genug investiert ist, kann von der hohen Übernahmeprämie profitieren. Doch auch danach bieten die betreffenden Aktien durchaus noch Phantasie, weil meistens nicht alle Aktionäre das Angebot annehmen und so noch einige Stücke an der Börse bleiben. Hat der Übernehmende mehr als 97% der Aktien eingesammelt, kann er die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen (Squeeze-out) und zwar zu einem gesetzlich festgelegten Durchschnittskurs. Allerdings werden zumeist Spruchverfahren eingeleitet, bei denen häufig noch deutliche Nachbesserungen auf die ursprüngliche Abfindung festgelegt werden, so dass man bei Squeeze-Outs mit langem Atem sicher Geld verdienen kann.

Wie bei jedem Investment gilt auch hier, dass man sich vor dem Investieren gründlich Gedanken machen sollte. Insbesondere gilt es, die Chancen und Risiken bei den jeweiligen Geschäftsmodellen der Beteiligungsgesellschaften abzuschätzen und sich diejenigen herauszusuchen, die am besten zum eigenen Anlegerprofil passen. Und auch dann darf man die Unternehmen nicht blind kaufen, sondern muss sich mit ihnen genau beschäftigen. Also die Bilanzen ansehen, den Geschäftsbericht studieren und ein Gefühl dafür bekommen, ob das Management einen guten Job gemacht hat und wohl auch in absehbarer Zeit machen wird. Im Anschluss sind die üblichen Kennzahlen zu ermitteln, also die Gewinne je Aktie der letzten Jahre und der Ausblick für die nächsten ein, zwei Jahre samt dazu gehörigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder die Dividendenrendite.

In den vergangenen Jahren, fast Jahrzenten, notierten Beteiligungsgesellschaften fast immer deutlich unterhalb ihres Buchwertes. Das lag daran, dass es schwierig war (ist!), die jeweiligen Beteiligungen zu bewerten und so den Buchwert zu überprüfen. Folglich nahm die Börse Abschläge als Risikopuffer vor. Doch zuletzt haben sich die Unterbewertungen deutlich abgebaut und Aurelius, Berkshire Hathaway, Gesco, Indus und andere notieren inzwischen an oder sogar über ihren Buchwerten. Dabei haben sich die Rahmenparameter nicht geändert, allerdings kommt es immer häufiger vor, dass durch Veräußerungen von Beteiligungen teilweise enorme stille Reserven gehoben werden, so dass die Börse inzwischen bereit ist, für die Möglichkeit solcher stiller Reserven Aufschläge auf den bisher ermittelten Buchwert zu bezahlen. Denn die Buchwerte werden zum Einstiegskurs berechnet, während bei einer Veräußerung ja überwiegend Marktpreise gezahlt werden, die zumeist deutlich höher notieren. So führt die Veräußerung alleine der Beteiligung an der Schabmüller AG bei der Aurelius AG zu einer Sonderdividenden von zwischen 1,70 und 2,00 EUR für das Geschäftsjahr 2012. Also fast 5% Dividendenrendite zusätzlich zur regulären Dividende.

In Beteiligungsgesellschaften steckt also viel Potenzial - wenn man denn auf die richtigen setzt. Höhere Risiken und stärkere Schwankungen bei den Jahresergebnissen weisen sicherlich die Frühphasen- und Problem-Investoren auf, während die Konglomerate die stetigste Entwicklung aufweisen. Wer auf häufigere Umschichtungen und einen stetigeren News-Flow setzen möchte, dürfte mit der Aurelius richtig liegen, während die MBB Industries erst kürzlich in den Fokus gerückt ist aufgrund ihrer unaufgeregten, aber äußerst erfolgreichen Akquise-Politik und den daraus resultierenden weit überdurchschnittlichen Ergebnissen. Daneben stellen Gesco und Indus Kerninvestments dar, die man beruhigt seinem Portfolio beimischen kann.

Montag, 24. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 52/2012

"Der Gelassene nutzt seine Chance besser als der Getriebene".
(Thornton Wilder)

Montag, 17. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 51/2012

"Die erste Regel im Geschäft lautet: unterdrücke deine Emotionen. Sonst verlierst du den Kopf".
(Zitat aus Oliver Stones Film „Wall Street“)

Donnerstag, 13. Dezember 2012

First Quotation Board: rien ne vas plus!

Deutschland ist eher Entwicklungsland, was börsennotierte Unternehmen angeht, denn in den USA und anderen Ländern sind viel mehr Unternehmen, insbesondere auch kleiner und mittlerer Größe, an der Börse notiert und bieten so die Möglichkeit, sich an ihnen zu beteiligen. Von daher ist es schon bedauerlich, dass das First Quotation Board (FQB) der Frankfurter Börse zum 15. Dezember geschlossen und alle dortigen Listings eingestellt werden. Daher wird für gut 700 Unternehmen des wenig regulierten Open Markets am 14. Dezember der letzte Handelstag sein, ebenso für viele gelistete Bonds.

Mit höheren Anforderungen an die Unternehmen für eine Notierung in dem Segment Open Market soll dessen Qualität verbessert werden. Und das ist auch dringend nötig, denn die eigentlich gute Idee, ein Segment mit möglichst geringen Anforderungen zu etablieren, wurde sträflich missbraucht von Betrügern und dubiosen Geschäftemachern. Und die Frankfurter Börse hat zu lange tatenlos zugesehen, wie das Ansehen börsennotierter Gesellschaften durch immer perfidere Trickbetrügereien ramponiert wurde.

Damit soll nun Schluss sein und die betroffenen Unternehmen müssen entweder die verschärften Bedingungen für den neu regulierten Open Market erfüllen oder aber an andere Börsen wechseln. Einige zieht es nach Stuttgart, Düsseldorf oder nach München ins Einsteigersegment m:access. So wie u.a. die Studio Babelsberg AG. Für die Unternehmen bedeutet der Wechsel mehr Aufwand und mehr Kosten, für die Anleger hat er insofern Vorteile, als dass sie qualitativ bessere und häufigere Informationen über ihr Unternehmen erhalten. Und dass die Aktien handelbar bleiben. Und das ist keine Kleinigkeit, denn die Aktien (und Anleihen), die weder die neuen Standards in Frankfurt erfüllen noch sich eine andere Börse gesucht haben, werden ihr Börsenlisting verlieren. Das bedeutet, das die Aktien nicht mehr über die Börse ge- und verkauft werden können, was besonders für die Anleger ein erhebliches Problem darstellt, wenn sie mal an ihr Geld herankommen wollen. Für sie stellt sich ihr Investment zukünftig so dar, als wären sie an einer GmbH beteiligt. Verkauf nur möglich, wenn man einen Käufer findet oder die Gesellschaft selbst die Anteile zurücknimmt. Vermutlich kann sich jeder ausmalen, was das für den zu erzielenden Kurs bedeutet, wenn es fast keine Käufer mehr gibt.

Die Frankfurter Börse hat eine Sonderseite zur "Neusegmentierung der Aktienmärkte" eingerichtet, wo sich viele wichtige Informationen finden.

Es gibt keine Patentlösung für die Eigentümer betroffener Anteile. Auf jeden Fall sollten Sie sich informieren, ob ihre Gesellschaft an einer anderen Börse gelistet wird oder ob sie das Listing einstellt, wie z.B. Trading-House.net und Babylon Capital. Hier sollte man ggf. die Anteile noch verkaufen - allerdings ist mit erheblichen Abschlägen zu rechnen, da nur noch am 14.12. gehandelt werden kann.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Geldanlage leicht gemacht?

Wichtiger noch als die Rendite ist der Kapitalerhalt, wie man aktuell an den Staatsanleihen Griechenlands sehen kann. Ein Schuldenschnitt um 50% bedeutet nichts anderes, als dass die Hälfte des eingesetzten Kapitals verloren ist und selbst eine Verzinsung von 8 oder 9 Prozent wiegt dieses Risiko nicht auf. Und Risiken bestehen selbstverständlich auch bei Investments in Aktien, denn man geht eine Unternehmensbeteiligung ein und das Unternehmen kann scheitern. Spektakuläre Pleiten, wie die der Pfleiderer AG, der Solar Millennium AG oder der Q-Cells AG zeigen auf, wie wichtig die richtige Auswahl der Unternehmen ist und dass man diese Entscheidung auch ab und zu überdenken muss. Buy & Hold bedeutet eben nicht, einmal zu kaufen und sich nie mehr darum zu kümmern, sondern es bedeutet solange dabei zu bleiben, wie die ursprünglichen Parameter, die einst zum Kauf führten, noch gelten.

Die Auswahl einzelner Unternehmen ist anspruchsvoll und es ist die entscheidende Disziplin bei der Geldanlage. Die Tatsache, dass man Aktien schnell über die Börse wieder verkaufen kann, darf nicht dazu führen, dass die Sorgfalt bei der Auswahl der Unternehmen vernachlässigt wird. Denn nur wer die richtigen Unternehmen zu einem attraktiven Kurs kauft, verdient an der Börse langfristig Geld.

Nun ist es nicht jedermanns Sache, Bilanzen zu studieren und Kennzahlen zu bewerten. Dann sollte man auch keine Aktien direkt kaufen, sondern sich eher auf Fonds oder ETFs verlegen. Aktienfonds werden von Profis gemanagt und nehmen dem Anleger die Arbeit ab, selbst Anlageobjekte zu suchen. Allerdings hat die Sache doch ein paar Haken. Denn einerseits kosten Fonds nicht wenig Geld, das für Ausgabeaufschläge und/oder Managementgebühren aufgewendet werden muss - und die können durchaus 5 Prozent und mehr pro Jahr ausmachen. Um diese Kosten liegt der Anleger also per se im Minus und der Fondsmanager muss durch seine Arbeit nicht nur eine gute Performance des Fonds hinlegen, sondern eine herausragende, um neben diesen Kosten auch noch die Inflationsrate und eine zusätzliche Rendite zu erwirtschaften. Da nun Fonds zumeist mit dem Strom schwimmen, kann es nicht verwundern, dass rund 90% der Fonds schlechter abschneiden als der Durchschnitt bzw. vergleichbare Indizes. Und darüber hinaus gibt es inzwischen beinahe mehr Fonds als Aktien, so dass die Auswahl des richtigen Fonds mindestens so schwierig ist, wie die eines guten Unternehmens. Eher noch schwieriger, weil man keine Bilanz hat, sondern ein Sammelsurium von verschiedenen Unternehmen und Branchen, das sich ständig verändert.

Letzteres Problem stellt sich auch bei ETFs, die was die Kosten angehen, Fonds eindeutig vorzuziehen sind. Doch auch bei ETFs muss man erst einmal die richtigen herausfiltern und steht vor demselben Problem, wie Aktien oder Fonds.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, jemand anderem sein Geld anzuvertrauen, der dieses dann betreut und anlegt. Für Wohlhabende gibt es seit jeher Vermögensberater, die nur allzu gern diese Aufgabe übernehmen, auch und gerade die Privatbanken tummeln sich in diesem Segment. Für Ottonormalverbraucher mit seinem Ersparten, der seine Altersversorgung sichern möchte, ist in diesen Kreisen eher kein Platz. Doch abseits der Privatbanken gibt es auch Vermögensberater, die sich genau auf diese Zielgruppe spezialisiert haben und nicht nur darauf aus sind, kostspielige Versicherungen zu verkaufen.

Seit Kurzem findet man zum Beispiel das VZ VermögensZentrum auf Google+.  Das schweizerische Unternehmen wurde von der Zeitschrift Euro am Sonntag in die TOP 10 der besten Finanzberater des Jahres 2012 gewählt und ist inzwischen auch an mehreren Standorten in Deutschland aktiv. Es richtet sich mit seinem Angebot an angehende Ruheständler oder Menschen, die frühzeitig in Rente gehen oder ihren Nachlass regeln wollen. Derartige Vermögensverwalter führen keine eigenen Finanzprodukte, sondern finanzieren sich aus Beratungshonoraren und Vermögensverwaltungsgebühren. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er so wenig(er) Gefahr läuft, Produkte angedreht zu bekommen, die nicht für ihn das Beste sind, sondern vor allem für die Geldbörse des Vermittlers, weil dieser vielleicht zuvorderst auf seine eigene Vermittlungsgebühr schielt.

Beratungshonorare und Vermögensverwaltungsgebühren sind allerdings ebenfalls Kostenpositionen, die der Verwalter erst einmal wieder verdienen muss, bevor der Anleger eine Rendite erwirtschaftet. Andererseits bezahlt er auch bei Fonds für das Management und hat weitaus weniger Kontrolle, was mit seinem Geld passiert. Der Kontakt zum Vermögensberater ist direkter und schneller; Transparenz ist wichtig und wie bei allen Geldanlagen ist auch bei der Auswahl des Vermögensberaters Sorgfalt entscheidend. Man sollte sich vor einem Vertragsabschluss über das Unternehmen informieren, sich im Internet umsehen, ob es Kommentare oder Bewertungen gibt und wenn möglich den persönlichen Kontakt suchen. Denn die Bindung zu einem Vermögensberater muss auf Vertrauen gründen und sie ist auf eine lange Zeit ausgelegt. Daher ist es unerlässlich, dass man bei der Sache ein gutes Gefühl hat. Ansonsten sollte man sich nicht darauf einlassen.

Fazit: egal, wofür man sich entscheidet, man muss sich vorher ausgiebig kundig machen. Und die weisen Worte des Börsenaltmeisters André Kostolany beherzigen: "Manchmal ist es besser, eine Stunde über sein Geld nachzudenken, als eine Woche dafür zu arbeiten".

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Dieser Beitrag wurde gesponsort von  VZ VermögensZentrum

Dienstag, 11. Dezember 2012

Hohe Dividendenrenditen als Warnsignal?

E.on, Deutsche Telekom und nun ThyssenKrupp - sie alle haben massive wirtschaftliche Probleme und ihre Aktienkurse befinden sich seit längerem im Sinkflug. Dadurch sinken die KGVs und die Dividendenrenditen steigen, zumindest theoretisch. Denn diese basieren ja auf den Schätzungen der Gewinne und Dividendenausschüttungen des nächsten und ggf. übernächsten Jahres und die Prognosen werden nicht stündlich angepasst. Sie laufen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Aktienkursen hinterher. Und wenn also aufgrund eines deutlichen Kursrückgangs das KGV sinkt und die Dividendenrendite steigt, die Aktie also attraktiver erscheint, gilt das natürlich nur, wenn Gewinn- und Dividendenprognose nicht nach unten angepasst werden (müssen). Denn sobald dies geschieht, kehrt sich der Effekt um und das KGV schnellt hoch und die Dividendenrendite sinkt - ohne dass sich der Aktienkurs bewegt hätte.

Dass dieses Szenario nicht ganz so unwahrscheinlich ist und man mit optisch attraktiven Dividendenperlen auf die Nase fallen kann, sieht man der Telekom, die ab 2013 ihre Dividende je Aktie von 70 Cents auf 50 Cents senken will, oder an Daimler (Dividendenkürzung um 10%) und ThyssenKrupp, die die Dividende ganz streichen. Laufen die Geschäfte schlecht, wirkt sich das immer negativ für die Aktionäre aus. Bei der Dividende und/oder beim Aktienkurs. Denn selbst wenn ein Unternehmen, wie die Telekom, hohe Dividenden ausschüttet, muss es dies zuvor verdient haben, weil Dividendenausschüttungen aus der Substanz die Aktionäre schädigen, da sie das Unternehmen auszehren. Das kann mal für ein Jahr angebracht sein, als die Munich Re wegen des Fukushima-Katastrophe einen herben Gewinneinbruch hatte und trotzdem eine konstante Dividende zahlte, aber auch nur, weil im Folgejahr die Gewinne wieder auf das normale Niveau anstiegen und somit der Substanzverlust wieder kompensiert werden konnte.

Fazit: eine hohe Dividendenrendite kann, muss aber nicht, ein schlechtes Zeichen sein. Keinesfalls sollte sie alleine den Ausschlag für ein Investment geben! Vielmehr ist das Unternehmen zu prüfen, seine Bilanz, seine Umsatz- und Gewinnentwicklung der Vorjahre und die Prognosen für die Zukunft und natürlich kursbeeinflussende Sonderfaktoren. Denn wenn Auftragsverschiebungen ein Quartalsergebnis verhageln, die Jahresprognosen aber nicht in Gefahr geraten, der Kurs gleichwohl um mehrere Prozente einbricht, dann bieten sich hier interessante Einstiegsgelegenheiten. Aber eben nur in grundsolide Unternehmen, an denen man sich langfristig beteiligen möchte.

Montag, 10. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 50/2012

"Und manchen stürzte schon die Hoffnung auf Gewinn in sein Verderben".
(Sophokles)

Dienstag, 4. Dezember 2012

Letzte Chance Unternehmensanleihe?

Erst gestern habe ich mich über den "unheimlichen Boom bei Unternehmensanleihen" ausgelassen und bereits heute wird es wirklich gruselig. Denn die Metro AG will 500 Mio. EUR mit Hilfe einer Unternehmensanleihe einsammeln, die dann im Mai 2018 zurückgezahlt werden soll.

Metro? Kennt man doch, und dazu gehören noch Real, Media Markt und Saturn. Sollte also doch eine lohnende Sache sein, oder?

Eher oder! Denn im Konzern läuft es schon länger nicht mehr rund, der Umsatz stagniert bestenfalls, die Margen erodieren, der Aktienkurs folgt den Gewinnen in den Keller. Kurz: wirtschaftlich steht die Metro mit dem Rücken zur Wand, muss Sparten abstoßen und Märkte aufgeben. Nachdem kürzlich die Gewinnprognosen gekappt wurden und der Dauerkonflikt mit Media-Saturn-Mitinhaber Erich Kellerhals die dringend nötige Neuausrichtung der Elektroniksparte lähmt, kam auch noch die Meldung hinzu, dass der Metro-Großaktionär, die Franz Haniel & Cie. GmbH, seinen Anteil auf 30,01% abbauen will, um seine eigene horrende Verschuldung zu reduzieren. Das belastet den Aktienkurs zusätzlich und auch das öffentliche Fabulieren über hohe Dividendenrenditen von Vorstandschef Koch sind eher als das berühmte Pfeifen im Wald zu werten, denn Dividendenausschüttungen, die zuvor nicht als Gewinne verdient wurden, sind immer ein schlechtes Zeichen!

In dieser prekären Lage will sich Metro nun den Boom bei Unternehmensanleihen zunutze machen und kräftig zulangen. Denn man erhofft sich eine rege Nachfrage, da Bundesanleihen momentan historisch niedrige Zinsen abwerfen und Anleger wenig(er) Alternativen haben. Und da andere Mittelstandsanleihen kürzlich weggegangen sind, wie geschnitten Brot, will Metro sich so am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Doch auch und gerade bei einem schlingernden Riesen wie der Metro gilt, dass die Bonität des Emittenten im Vordergrund stehen muss. Und die beiden Ratingagenturen Moody's und Standard & Poors stufen die Metro nur knapp höher als Ramsch-Niveau ein, nämlich mit "Baa3" bzw. mit "BBB-". Bei solch negativen Einstufungen sollten die Alarmglocken schrillen und ein dermaßen hohes Risiko müsste man sich schon extrem gut bezahlen, also verzinsen, lassen. Allerdings wird die Metro-Anleihe kaum zweistellige Renditen aufweisen, die vielleicht eine gewisse Verhältnismäßigkeit mit dem erheblichen Ausfallrisiko herstellen könnten.

Das Ausfallrisiko bei Unternehmensanleihen ist kein kleines, wie Anleger z.B. bei der Solar Millennium AG und anderen Unternehmen erst in den letzten Monaten erfahren mussten. Und das beste Renditeversprechen ist nichts wert, wenn die Anleihe notleidend wird und nicht zurückgezahlt wird. Denn Insolvenzquoten von 20% bedeuten, dass man einen Verlust von 80% auf das eingesetzte Kapital zu verzeichnen hat. Und dazu kommen noch die entgangenen Zinsen.

Fazit: nicht jede Unternehmensanleihe ist eine gute Anlage und es gibt solidere und überzeugendere Emittenten als gerade die wankende Metro AG.

Montag, 3. Dezember 2012

Börsenweisheit der Woche 49/2012

"Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht".
(Werner von Siemens)

Der unheimliche Boom bei Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen ("Corporate Bonds") sind "in", sie werden den Emittenten geradezu aus den Händen gerissen und sind zumeist mehrfach überzeichnet, wie die letzten Emissionen von Berentzen, SAF Holland oder Techem gezeigt haben. Und für die hohe Nachfrage gibt es handfeste Gründe.

Zunächst einmal stellen Anleihen für den Emittenten Fremdkapital dar, das er für eine bestimmte Laufzeit nutzen darf und im Gegenzug verzinsen und am Ende der Laufzeit zurückzahlen muss. Emittenten sind Staaten, Kommunen oder eben auch Unternehmen. Und diese Anleihen können, müssen aber nicht, zum Börsenhandel zugelassen werden, dann kann man sie über die Börse jederzeit handeln und ihre Börsennotierung weist Kursschwankungen auf, die aus dem Verhältnis der Nominalverzinsung der Anleihe zum aktuellen Zinsniveau resultiert. Liegt das allgemeine Zinsniveau über dem Nominalzins der Anleihe, sinkt deren Kurs - und umgekehrt. Am Ende der Laufzeit wird die Anleihe vom Emittenten dann aber zum Nominalwert, also zu 100%, zurückgezahlt.

Eine Anleihe zu begeben ist eine nicht ganz preiswerte Angelegenheit und schon gar nicht, wenn sie zum Börsenhandel zugelassen wird. Die Banken verdienen dabei ordentlich mit und die formalen Hürden sind schon nicht ganz ohne und der bürokratische Aufwand muss auch bezahlt werden - und diese hohen Kosten sind auch der Grund, weshalb Anleihen als Finanzierungsinstrument nur von den größeren Unternehmen mit entsprechend hohem Finanzierungsbedarf aufgelegt werden und nicht von den Kleinunternehmen. Jedenfalls hier in Deutschland, in den angelsächsischen Ländern sind Unternehmensanleihen Usus.

Dabei konkurrieren Unternehmensanleihen mit anderen Arten, Fremdkapital aufzunehmen, zum Beispiel einem "normalen" Bankkredit. Der ist weit weniger bürokratisch zu haben und der zu zahlende Zinssatz hängt ebenso wie bei einer Anleihe von der Bonität des Schuldners ab. Je besser die Bonität, desto niedriger der Zinssatz. Es stellt sich also die Frage, weshalb Unternehmen überhaupt auf Anleihen als Finanzierungsinstrument zurückgreifen. Das liegt an den über die gesamte Laufzeit fest vereinbarten Konditionen, die für das Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit bedeuten, und an der Aussicht, nicht alleine von den Banken abhängig zu sein. Denn da diese selbst in finanzielle Probleme kommen können, wie die Bankenkrise 2008 gezeigt hat und bis heute zeigt, können auch die von ihnen finanzierten Unternehmen unter den Bankenproblemen leiden. Deshalb "emanzipieren" sich Unternehmen gerne und stellen ihre finanzielle Basis breiter auf. Der zweite Grund liegt darin, dass die Nachfrage aktuell zu groß ist. Und das liegt nicht etwa daran, dass Unternehmen per se risikolos wären oder sie stets Top-Bonitäten aufweisen würden, sondern es liegt an dem momentanen Niedrigstzinsniveau, das Geldanleger vor erhebliche Probleme stellt. Denn wer sein Geld nicht für 1 Prozent aufs Tagesgeldkonto legen will oder für weitaus weniger Bundesanleihen kaufen möchte und so durch die Geldentwertung und die Steuern am Ende sogar weniger Vermögen hat als vorher, dem bieten sich nur noch wenige Alternativen. Und neben Investitionen in Aktien oder Immobilien bleiben dann als mittelfristige und rentierliche Geldanlage Unternehmensanleihen übrig. Denn diese bringen ansehnliche Renditen von mehr als 5% bei Laufzeiten von um die 5 Jahre.

Allerdings weisen Unternehmensanleihen auch Risiken auf. Denn als Anleihegläubiger ist man nicht besser gestellt, als andere Gläubiger, sollte das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und vielleicht sogar Insolvenz anmelden müssen. Daher ist es wichtig, nicht alleine auf den Nominalzins oder die Rendite der Anleihe zu schauen, sondern sich als erstes um die Bonität des Unternehmens zu kümmern. Vermögenserhalt geht vor Vermögensmehrung! Und um sich ein Bild vom Emittenten zu machen, sollte man einen Blick in die letzte Bilanz werfen, sich die Höhe des Eigenkapitals ansehen und die Eigenkapitalrendite, den Verschuldungsgrad und die Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Nicht der Name des Unternehmens ist entscheidend für die Frage, ob es sich um ein sicheres und einträgliches Investment handelt, sondern seine finanzielle Leistungsfähigkeit und  wirtschaftliche Entwicklung. Wenn diese Bewertung positiv ausfällt, dann - und nur dann - kommt das Unternehmen infrage.

Der nächste Schritt ist dann, ob man sich an dem Unternehmen beteiligt, also dessen Aktien kauft, oder ob man ihm Fremdkapital überlasst, indem man seine Anleihen erwirbt. Dieser Frage bin ich bereits in dem Artikel "Sind Unternehmensanleihen besser als Aktien?" nachgegangen.

Fazit
Dass deutsche Unternehmen zurzeit ihre Finanzierung verstärkt über Anleihen sicherstellen, ist einerseits ein Anpassungsprozess an die Gepflogenheiten in anderen Ländern und auf der anderen Seite eine Reaktion auf das große Bedürfnis der Anleger, attraktive Renditen bei überschaubarem Risiko zu erzielen. Ein Selbstgänger sind Unternehmensanleihen deshalb allerdings nicht, sondern erfordern ebenso wie Aktieninvestments eine gründliche Recherche über das Unternehmen, dem man sein Geld anvertraut. Denn oberstes Prinzip der Geldanlage ist und bleibt Sicherheit. Sicherheit und Kapitalerhalt. Beherzigt man diese einfachen Grundregeln, kann man unter den Unternehmensanleihen attraktive Investments für seinen langfristigen Vermögensaufbau oder seine Altersvorsorge finden.