Dienstag, 6. November 2012

Goldgräberstimmung bei MBB Industries

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG hat heute ihre 9-Monatszahlen bekannt gegeben und die sind fulminant ausgefallen: das Ergebnis steigt nach 9 Monaten um 272 Prozent auf 9,1 Mio. EUR oder 1,41 EUR pro Aktie, der  Umsatzzuwachs beträgt 90 Prozent auf 151 Mio. EUR, das EBITDA legte um 190 Prozent auf 17,3 Mio. EUR (Vorjahr 6,0 Mio. EUR) zu. Bei einem EBIT von 13,6 Mio. EUR betrug der Zuwachs 348 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 3,0 Mio. EUR.

Die sehr positive Geschäftsentwicklung wurde von sämtlichen Beteiligungen getragen, zudem ist in den Zahlen die Ende des 1. Quartals 2012 erworbene MBB Fertigungstechnik anteilsmäßig enthalten. Für das Gesamtjahr 2012 geht die MBB Industries von einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung aus und erwartet unverändert einen Umsatz von mehr als 200 Mio. EUR. Der erfreuliche Geschäftsverlauf führte zu einer weiteren Erhöhung des Nettofinanzmittelbestandes per Ende September 2012 auf 28,3 Mio. EUR. Diese Erhöhung im Jahresverlauf 2012 konnte trotz der zwischenzeitlich erfolgten Übernahme der MBB Fertigungstechnik sowie der geleisteten Dividendenzahlung von rd. 2,8 Mio. EUR (0,44 EUR je Aktie), erzielt werden. Mit liquiden Mitteln von 51,5 Mio. EUR verfügt die MBB Industries über die Möglichkeit, neben dem internen Ausbau des Geschäfts auch durch weitere Akquisitionen zu wachsen.

Erst kürzlich im September hatte ich Ihnen die familiengeführte MBB Industries AG ans Herz gelegt und auf die rasant steigende Substanz- und Ertragskraft hingewiesen. Der Kurs lag damals bei 11,25 EUR, nachdem er bereits von 6 EUR um gute 50% zugelegt hatte, also rund 3 EUR niedriger als heute und es stellt sich die Frage, ob man auf diesem Kursniveau immer noch in das Unternehmen einsteigen sollte.

Anfang September lagen die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2012 bei 1,45 EUR je Aktie und das ergab beim damaligen Kurs ein 2012er KGV von unter 8. Doch heute gab MBB Industries bekannt, dass man in 2012 bereits nach 9 Monaten 1,41 EUR je Aktie Gewinn erzielt habe - und es stehen noch 3 gewinnträchtige Monate aus. Der Umsatz- und Gewinnbringer ist zweifelsohne die neue Tochter MBB Feinmechanik, die jedoch erst seit dem zweiten Quartal in der MBB-Konzernbilanz konsolidiert wird - die Analysten werden also ihre Ergebnis- und Gewinnprognosen für 2012 und die Folgejahre deutlich nach oben anpassen müssen. Was dazu führt, dass trotz des Kursanstiegs von gut 25% seit meiner Empfehlung im September die Aktie, was das die Gewinnbewertung angeht, (wieder) auf demselben Niveau notiert. Und geht man von einer gleich hohen Ausschüttungsquote bei der Dividende aus, wird auch diese auf dem aktuellen Kursniveau bei über 45% bleiben.

Fazit
Einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis, sehr attraktive Dividendenrendite, starkes Umsatz- und Gewinnwachstum und hoher Liquiditätsbestand für weitere Übernahmen - Anlegerherz, was willst Du mehr? Ich erneuere meine Einschätzung vom September: "Das Unternehmen hat noch erhebliches Potenzial hinsichtlich seiner Beteiligungen und dem möglichen Ausbau des Portfolios und bietet auf dem derzeitigen Kursniveau mit niedrigem KGV und attraktiver Dividendenrendite eine günstige Einstiegschance für ein langfristiges Investment".

Kommentare:

  1. Und da ist sie schon, die erste - und deutliche - Prognoseanhebung.


    MBB Industries: Höhere Prognosen nach den Zahlen

    07.11.2012 (www.4investors.de) - Die Analysten von Close Brothers Seydler bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB Industries. Das Kursziel liegt bei 21,50 Euro, zuvor stand es bei 17,20 Euro.

    Nach drei Quartalen macht die Gesellschaft einen Gewinn von 9,1 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 2,5 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie steigt von 0,37 Euro auf 1,41 Euro an. Die Bilanz sieht solide aus. Nach einer EBIT-Marge von 8,5 Prozent im dritten Quartal rechnen die Experten für 2012 mit einer Marge von 8,9 Prozent. Sie erhöhen ihre Gewinnprognose je Aktie von 1,45 Euro auf 1,84 Euro. Die Schätzung für 2013 wird von 1,71 Euro auf 1,89 Euro angehoben.

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  2. Ich möchte noch kurz erläutern, weshalb ich mich bei MBB Industries so lobend über die 9-Monatszahlen auslasse, obwohl ich kürzlich erst riet, "Lies Geschäftsberichte, ignoriere Quartalsergebnisse": MBB Industries hat zum 1. April die Claas Feinmechanik GmbH übernommen und damit den Konzernumsatz fast verdoppelt. Das ist natürlich eine signifikante Veränderung und hat Auswirkungen auf alle Kennzahlen, ob Umsatz, Gewinn, Buchwert. Und da die neue Tochter überaus profitabel ist, sind die Auswirkungen auf die Konzernkennzahlen von großem Interesse - natürlich nicht erst zum Jahresende, sondern möglichst frühzeitig. Daher ist in diesem Fall der 9-Monatsbericht nicht nur beachtenswert, sondern es wäre sogar fast fahrlässig, ihn nicht zur Kenntnis zu nehmen. Denn er belegt das enorme Potenzial der MBB Industries AG auf, das in ihren Töchtern steckt. Und zwar nicht nur in der neuen MBB Fertigungstechnik, sondern auch in den weiteren 5 Beteiligungen.

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  3. Börse Online hat in der aktuellen Printausgabe 45/2012 ebenfalls die Prognosen kräftig angehoben.

    erwarteter Gewinn
    2012e: 2,00 EUR (bisher 1,40)
    2013e: 2,10 EUR (bisher 1,50)

    Das 2013er KGV läge somit unter 7!

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  4. Eine Frage zum Verständnis: Wie relevant sind Prognosen der CBS, wenn diese doch Designated Sponsor von MBB ist? Heisst das nicht, dass die CBS am Handel mitverdient? Das würde wieder bedeuten, dass sie "die Werbetrommel" rühren. Korrigiere mich bitte, wenn ich Falsch liege. Es kommt mir schon merkwürdig vor, dass die CBS auffällig oft Prognosen und Empfehlungen zu MBB veröffentlicht.

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    1. Der Designated Sponsor ist der Betreuer der Aktien, der Market Maker. Er hat dafür zu sorgen, dass ausreichend Umsätze in de Wert möglich sind, also Geld- und Briefkurse zu stellen und dabei entsprechende Angebote bzw. Nachfragen vorzuhalten. Hierfür erhält er eine jährliche Gebühr vom beauftragenden Unternehmen und die dann vom ihm gehandelten Aktien handelt er auf eigene Rechnung.

      Da immer mehr große Banken und Brokerhäuser auf Research und Anaysen verzichten, übernehmen diesen Part zunehmend kleinere Brokerhäuser. Oft wird eine Aktie nur von einem Anlystenhaus gecovert. Die Prognosen, die die Analysten bzgl. Umsatz und Gewinn abgeben, sind schon fundiert und in den Studien auch überwiegend nachvollziehbar dargestellt. Die Kursziele liegen nicht selten ziemlich hoch und sind entsprechend mit Vorsicht zu genießen. Ich kaufe keine Aktie, nur weil irgendjemand meint, sein Kursziel liege um 100% über dem aktuellen Kurs. Ich kaufe, wenn ich meine, der aktuelle Kurs liegt um 20% oder mehr unterhalb des fairen Wertes des Unternehmens, während dieses solide Gewinne und gute Zukunftsperspektiven aufweist.

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    2. Danke für die Erklärung.
      Das mit den Umsatz- und Gewinnprognosen ist mir bewusst, habe ich vor vielen Jahren in meiner Börsen-Anfangszeit oft schmerzhaft erfahren ;-) Das bedeutet wiederrum, dass alles, was man der Empfehlung entnehmen kann, man bereits im Geschäftsbericht / Quartalsbericht gelesen hat.
      Eigentlich ist das verfolgen von Analysen aber ja sowieso für das Value Investing eher unvorteilhaft, oder nicht? Wenn man schon Quartalsberichte meiden sollte, dann doch erst recht Analysen von dritten ;)

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    3. Jein. Der Geschäftsbericht ist die wichstigste Quelle, aber in den Analysen finden sich oft weitergehende Erläuterungen zum Markt oder zur Branche oder zu Produkten, die einem einen noch besseren Einblick bzw. ein noch besseres Verständnis für das Unternehmen bieten.

      Die Analysen sind eine Bewertung dessen, was das Unternehmen tut und wohin die Reise gehen könnte. Es ist letztlich nur eine Meinungsäußerung und die sollte man nicht für bare Münze nehmen, sondern als Korrektiv für die eigene Ansicht. Der Unterschied zu Quartalsberichten wiederum liegt nicht in der Qualität, sondern vor allem darin, dass Quartalsberichte zu unscharf sind; sie betrachten stichtagsbezogen genau drei Monate und drei Monate haben für ein Unternehmensleben keine Relevanz. Schon Jahresberichte sind stichtagsbezogen und daher bisweilen erläuterungsbedürftig. Man sollte daher als langfristig orientierter Anleger Quartalszahlen wenig bis keine Relevanz zubilligen, sofern sie nicht eklatante Missstände und/oder dauerhafte Probleme aufzeigen. Bei einem grundsätzlich gut laufenden Unternehmen mit guten Erträgen und guten Aussichten führen Quartalsberichte bisweilen zu massiven Kurseinbrüchen. Für Value-Investoren sind dies dann genau die Kaufgelegenheiten, bei denen man die Aktien deutlich günstiger einsammeln kann, als üblich. So hat Buffett eben erst nach den schlechten Quartalszahlen von John Deere genau hier größere Aktienpakete gekauft. Antizyklisches Investieren in Reinkultur...

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    4. Sehr geehrter Herr Kissing,
      ich muss Ihnen leider widersprechen, wenn Sie Geschäftsberichte den Quartalsberichten vorziehen. Sicherlich gibt es unterjährige Schwankungen, aber hier muss man u.a. auch die Branche / das Geschäftsmodell sehr differenziert betrachten (Softwarefirmen erwirtschaften z.B. häufig über 50% ihres Gewinns im letzten Quartal aufgrund von Lizenzabrechnungen usw.).
      Viel wichtiger sind jedoch beispielsweise die Entwicklung des Auftragseingangs, sprich der zukünftigen Umsatzentwicklung eines Unternehmens. Hier lässt sich sehr gut die zukünftige operative Entwicklung des Unternehmens frühzeitig ablesen, was - wie Sie zurecht beschreiben - erhebliche Auswirkungen auf die (kurzfristige) Kursentwicklung haben kann.
      Und gerade im Fall MBB ist der Q3-Quartalsbericht von signifikanter Bedeutung. Mit der eingepreisten Claass bzw. MBB Fertigungstechnik lässt sich doch erstmals sauber die volle Ertragskraft der MBB ablesen, und die lag auf Quartalsebene bei eine EPS von 52 Cents - nochmal eine deutliche Steigerung nach den 89 Cents im 1. Halbjahr (Q1+Q2).
      Des weiteren wird in jedem Quartalsbericht eine Begründung der operativen Entwicklung sowie ein weiterer aktueller Ausblick gegeben. Und hierin lässt sich doch sehr genau ablesen, wenn eine vorübergehende Schwächephase in einem Quartal eingetreten wäre.
      Ansonsten vielen Dank für Ihre sehr informative und vor allem fundamental orientierte Seite hier ;-)

      Viele Grüße

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    5. Gerade Ihr Beispiel mit den Softwarefirmen zeigt doch, dass es vor allem auf den Jahresbericht ankommt, nicht auf einzelne Quartale. Und was die Auftragseingänge angeht, so sind auch hier Jahreszahlen wichtig, weniegr die Zahlen eines einzelnen Quartals. Denn die Verschiebung eines Großauftrages um wenige Tage kann auf Quartalsebene deutliche Auswirkungen haben, während dies auf Jahressicht wieder ausgeglichen würde. Aber ich verteufele ja nicht Quartalsberichte, sondern ich halte sie für die Analyse und Bewertung eines Unternehmens für vernachlässigenswert. Als Langfristanleger, der sich an einem soliden und prosperierenden Unternehmen beteiligen will, kommt es mir auf eine stetige Unternehmensentwicklung an und weniger auf die kurzfristige Perspektive. Als auf den Geschäftsbericht. Quartalsberichte können später dazu dienen, die Entwicklung des Unternehmens im Auge zu behalten, aber weniger aufgrund der gemeldeten Zahlen, als vielmehr wegen der Erläuterungen, also dem Prosateil.

      Und auch bzgl. der MBB Industries sind die Quartalsberichte nicht wirklich interessant. Denn mit der Übernahme der Claas Feinmachanik hat MBB ja bereits verlautbart, wie sich Umsatz und Gewinn perspektivisch in 2012 entwickeln werden. Und das die Claas Feinmechanik erst am dem zweiten Quartal in den MBB-Zahlen konsolidiert wird, wirken sich deutlichen Zuwächse auch nur im zweiten, dritten und vierten Quartal aus und also mit 50%, 66% und 75%. Die jeweils zu den Quartalen gemeldeten Zahlen lagen genau so, wie man es aufgrund der Übernahme erwarten konnte. Allerdings klingen die Steigerungsraten wie von mir eben angegeben natürlich nach einem immer besser laufenden Geschäft. Aber, wie gesagt, eigentlich sollten die Zuwächse keine Überraschung mehr sein, und deshalb kaufe ich auch bei 15 EUR noch weitere MBB Industries hinzu. Denn besagter Effekt wird sich ja auch bei den Jahreszahlen nochmal abspielen und die Bewertung ist weiterhin attraktiv günstig. Dazu kommt noch die Überlegung, ob nicht die Dividenden angepasst werden wird. Denn würde die bisherige Ausschüttungsquote beibehalten, dürfte sich die Dividende glatt auf mindestens 80 Cents je Aktie verdoppeln. Aber warten wir's ab; ich gebe jedenfalls keine einzige Aktie aus der Hand.

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