Donnerstag, 29. Dezember 2016

PNE Wind: Und es hat (noch nicht) Zoom gemacht. Noch nicht...

Kürzlich hatte PNE Wind den Verkauf- des YieldCo-Portfolios an den Energie- und Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors GmbH verwaltet wird, bekannt gegeben. Nachdem man nun für den 80-prozentigen Mehrheitsverkauf des Windparkportfolios Cuxhaven (YieldCo) die Freigabe seitens des Bundeskartellamts erhalten hat, floss auch das Geld an PNE Wind.

Für die in der PNE Wind YieldCo Deutschland GmbH mit Windparkprojekten von insgesamt 142,5 MW überwies die Allianz nun €103 Mio. an PNE Wind. Der Enterprise Value des Portfolios war seinerzeit mit mehr als €330 Mio. angegeben worden und da auch ein erheblicher Teil an Schulden mit abgelöst/übernommen wird, dürfen sich die PNE-Aktionäre freuen. Denn nachdem nun das Geld eingegangen ist, wird der Mehrwert der YieldCo-Strategie erst richtig sichtbar werden.

Denn bisher enthält die PNE-Bilanz Vermögenswerte im Volumen von €126,6 Mio. und dieser Wert entspricht den Investitionen, die PNE in die Windparks getätigt hat. Diese Vermögenswerte verschwinden nun aus der Bilanz, während die Differenz zum Enterprise Value als Buchgewinn hängen bleibt - und somit rund €200 Mio. an stillen Reserven aufgedeckt werden.

 PNE Wind (Quelle: finanzen.net) 
Mit Eingang der Zahlung dürften auch keine Zweifel mehr bestehen, dass PNE Wind sein verkündetes Ziel, in 2016 ein Konzern-EBIT von bis zu €100 Mio. zu erzielen, erreichen wird.

Meine Einschätzung
PNE Wind hat über Querelen und nicht eingehaltene Ziele jahrelang viel vertrauen verspielt, doch der neue Vorstand macht Nägel mit Köpfen. Am Ende hat sich die YieldCo-Strategie voll ausgezahlt, jedenfalls für das Unternehmen. Für die Aktionäre noch nicht, denn der Aktienkurs ist seit Ankündigung des Deals bis heute nur etwas mehr als 5% gestiegen - unverständlich angesichts der nun dingfest gemachten nackten Zahlen.

Ich denke, dass PNE Wind noch unter der allgemeinen Branchenschwäche inkl. der Unsicherheit bzgl. der neuen Ausschreibungsmodelle bei den EEG-Projekten leidet und sich auch erst nach und nach das negative Setting gegenüber dem Unternehmen legen wird. Auch wenn ein spektakulärer Kurssprung bisher ausblieb, so dürfte der Aktienkurs in den nächsten Monaten eigentlich nur eine Richtung kennen: nach oben. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf die sich sicherlich bald anschließende Debatte über die Verwendung des hohen Bilanzgewinns. Dividendenausschüttung, Kapitalherabsetzung, neue Projekte? PNE Wind ist wieder im Spiel und das zu noch attraktiven Kursen.

PNE Wind befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Als kurz- bis mittelfristige Turnaround-Spekulation könnte man das man machen, aber das ist nicht mein Metier. Langfristig gebe ich dem Geschäftsmodell keine Chance. Die "allgemeine Branchenschwäche" kommt ja nicht von ungefähr. Es ist auch eine politische Investition und ich habe mir schon einmal mit einer politischen Investition die Finger verbrannt: RWE. Ich hätte nicht gedacht, dass die Politik so stur sein kann. Da wird bis zum letzten Atemzug an den Endsieg der "erneuerbaren Energien" geglaubt, anstatt endlich die Reißleine zu ziehen. Im zweiten Weltkrieg hätte man Millionen Menschenleben retten können, hätte man ein halbes Jahr vorher kapituliert. Heute geht es zwar nur um Milliarden an Euros, aber auch daran hängen Arbeitsplätze, Wohlstand und Perspektiven.

    Ich bin aus RWE raus, als die ankündigten, noch mehr als ohnehin schon in "erneuerbare Energien" zu investieren.

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    1. Deine Einschätzung teile ich nicht. Regenerative Energien sind die Zukunft, es wird immer mehr Wind-, Solar-, Wasserstrom geben, ihr Anteil wird global massiv zulegen. Und es wird künftig immer weniger Subventionen geben müssen, weil sich die Investitionen selber tragen werden. Bisher hatten die noch keine Chance, weil einerseits alte Kraftwerke zu günstige Brennstoffe kaufen konnten und/oder so weit abgeschrieben waren, dass sie einfach Gewinne einfahren konnten. Die Verunsichherung liegt meines Erachtens ausschließlich in der frage, wie das in Zukunft mit dem Ausschreibungsverfahren laufen wird, nicht ob noch neue Windräder oder Solarfelder gebaut werden.

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    2. Das wird nicht passieren. Windkraftanlagen liefern im Durchschnitt nur ein Sechstel ihrer Spitzenleistung. Sobald ihr Anteil etwas 16% der Energieerzeugung erreichen läuft die Windenergie gegen eine Mauer und wird mit steigenden Anteil immer unprofitabler. Gleichzeitig steigen die Integrationskosten des Zappelstroms.

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    3. Das muss ich noch genauer ausführen: Dass die Windkraftanlagen nur so einen kleinen Nutzungsgrad haben, führt dazu, dass ein Mehrfaches an installierter Leistung notwendig ist im Vergleich zur Leistung die durchschnittlich tatsächlich abgegeben wird. Bei einem Anteil von 16% Windkraft übersteigt die installierte Windkraftleistung den durchschnittlichen Stromverbrauch. Es ist dann unvermeidlich einen hohen Anteil an durch Windkraft erzeugter elektrischer Energie ungenutzt zu entsorgen. Steigt der Anteil der Windkraft an der Energieerzeugung noch weiter, steigt der Anteil ungenutzter Energie überproportional stark. Windkraft wird dadurch immer unwirtschaftlicher. Systemisch betrachtet macht Energieerzeugung aus volatilen Quellen ohnehin nur wenig Sinn, weil dadurch effiziente Grundlastkraftwerke verdrängt werden.

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    4. Es gibt ja mehrere Entwicklungen, die den Problemen Rechnung tragen und alle zusammen regenerative Energieerzeugung effizienter machen. Nicht nur der Ausbau länderübergreifender Netze und die europaweite Verteilung des Stroms wird helfen, den Strom dorthin zu bekommen, wo er benötigt wird von dort, wo er gerade produziert wird. Auch im Kleinen, also innerhalb Deutschlands, entstehen ja aktuell große Verteilnetze bzw. werden die Routen von Nord nach Süd massiv ausgebaut.

      Bisher galt ja immer, dass das Netz der Speicher sei, aber das funktioniert halt immer seltener. Daher sind die großen Fortschritte bei der Energiespeicherung ein nicht unwesentlicher teil bei der mittelfristigen Energiesicherung. Und auch Power-to-Gas wird weiterhelfen, denn hierbei wird ja aus Sonne oder Wind erzeugter Strom in Gas umgewandelt und dieses lässt sich nicht nur speichern, sondern auch "normal" über die bestehende Infrastruktur nutzen.

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    5. 16% entsprechen 1400 äquivalente Stunden pro Jahr, das ist relativ gering, moderne Windkraftanlagen schaffen mehr (viel hängt natürlich auch vom Standort, Wind-Eigenschaften etc. ab) - PNE Wind baut Windkraftanlagen auch außerhalb Deutschlands! Neuere WKA sind z.T. auch darauf ausgelegt bei tieferer nominaler Leistung eine höhere Ausbeute zu erzielen (also größerer Rotor-Durchmesser bei gleichem oder kleinerem Generator).

      Das Problem wird auch nur schlagend wenn überall gleichzeitig die Windkraftanlagen nominale Leistung erreichen (und eventuell sogar gleichzeitig die Sonne stark scheint :D).

      Strom aus Windkraft ist bereits jetzt kompetitiv und wenn ich mir die letzten Groß-Installationen von PV-Anlagen z.B. auf der arabischen Halbinsel ansehe, dann hat auch PV Grid-Parity erreicht.

      Last-but-not-least sind die eventuellen Probleme mit besseren Energie-Speichern eher in den Griff zu bekommen, als die Umweltschäden durch Kohlekraftwerke.

      Aber natürlich stimmt es schon, daß durch erneuerbare Energien aus Sonne und Wind neue Herausforderungen für das Stromnetz entstehen - aber ich bin davon überzeugt, daß die Vorteile immer noch überwiegen und sich die erneuerbaren Energien durchsetzen werden. Das „echte“ Problem, welches ich bei solchen Investments sehe, ist, daß Investoren bereits öfters verbrannt wurden, v.a. in der Solarbranche und daher ein saftiger Risiko-Abschlag veranschlagt wird. PNE Wind ist fundamental günstig und sollte das Management stabil bleiben und keine unerwarteten Überraschungen auftreten, rechne ich mit einem Abbau des Risiko-Abschlags.

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  2. Trump liebt Kohle, der dicke Siggi liebt Kohle. Die Amis haben nicht das Establishment (siehe neues Kabinett), sondern u.a. den Klimawandel abgewählt. Früher oder später merkt das auch der angry white man.

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    1. Trump zettelt schon vor seinem Amtsantritt einen Handelskrieg mit China an und die werden sich ganz schnell umorientieren Richtung Russland und Europa. Und China steht auf regenerative Energien. Abgesehen davon sind viele Umweltbelange in den USA Sache der Bundesstaaten, man denke nur mal an Kalifornien und seine Abgasgrenzwerte. Kalifornien als sechstgrößte Wirtschaftsmacht der Welt steht vor enormen Umweltproblemen (u.a. Luftverschmutzung, Wassermangel) und ist seit jeher viel umweltfreundlicher und fortschrittlicher als der Rest der USA. Ich denke, in den USA wachsen Risiken und Chancen für die Branche...

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