Mittwoch, 15. November 2017

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2017?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha", musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 3. Quartal 2017
Im abgelaufenen Quartal gab es nur wenige, aber dafür bemerkenswerte Veränderungen an Buffetts Positionen.


▸ Käufe
Ganz neu ist Buffetts Position in Bank of America, die er allerdings nicht über die Börse erworben hat, sondern durch das Ausüben seiner Wandeloptionen; er hält nun 679 Mio. ihrer Aktien im Gesamtwert von 17,2 Mrd. Dollar per 30.09. BoA ist somit auf Schlag die fünfgrößte Position in Buffetts Aktiendepot. Bezahlt hatte er dafür vergleichsweise wenig. Denn Buffett stieg bereits 2011 bei der damals kriselnden BoA ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für 5 Mrd. Dollar kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für 5 Mrd. Dollar BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 7,14 Dollar je Aktie. Schlusskurs am Freitag an der NYSE war 25 Dollar! Er machte also mit der Ausübung der Optionen knapp 18 Dollar Gewinn je Aktie und in Summe sind das - festhalten - 12,6 Mrd. Dollar. Gewinn! Die ganzen erhaltenen Zinsen der letzten sechs Jahr nicht eingerechnet.

Um weitere 3,34 Mio. Aktien aufgestockt hat er bei Synchrony Financial., wo er nun mit 20,8 Mio. Aktien auf einen Beteiligungswert von 646 Mio. Dollar kommt. Bei der ehemaligen Finanzsparte von General Electric war Buffett erst im zweiten Auartal erstmals eingestiegen, nachdem die zunehmende Verschuldungskrise privater Haushalte in den USA den Kurs hatte taumeln lassen. Buffett liebt Kreditkartenfirmen und hält ja auch große Pakete an American Express, Mastercard und VISA.

Zugekauft hat er auch bei Mosanto, wo er die wachsende Unsicherheit über ein Gelingen der Übernahme durch den deutschen Chemiegiganten Bayer die Kurse unter Druck hielt. Die 831.658 neue Aktien entsprechen einer Ausweitung der Position um 10,34%.

Und zu guter Letzt hat Buffett bei Apple weiter zugekauft und mit 3,90 Mio. neuen Aktien seinen Bestand um 2,99% erhöht. Mit 134,1 Mio. Aktien im Gesamtwert von 20,67 Mrd. Dollar ist Apple inzwischen die drittgrößte Position in Buffetts Portfolio hinter Wells Fargo und Kraft Heinz.


▸ Verkäufe
Fast noch interessanter sind Buffetts Verkäufe. Und damit meine ich nicht den Verkauf der restlichen Kleinstposition an Wabco Holdings, sondern seinen weiteren erheblichen Positionsabbau bei IBM. Viele Jahre lang war Buffett der größte Verfechter von "Big Blue" und wurde nicht müde, die Strategie von Chefin Virginia "Ginni" Rometty zu unterstützen. Ihm hatten es die tief verwurzelten Kundenbeziehungen angetan, die er als den Moat ansah. Daher störten ihn auch 22 Quartale in Folge mit sinkenden Umsätzen nicht, denn er war ja eher auf der Kaufseite. Doch nun steckt Buffett in einem Dilemma. Denn als größer Aktionär kann er nicht einfach seine Aktien über die Börse verkaufen, ohne einen Crash in diesem Wert auszulösen. Doch er ist nicht mehr von IBM überzeugt, wie er selbst öffentlich zugab. Nachdem er bereits im ersten Quartal 2017 gut 17 Mio. Aktien und im zweiten Quartal weitere 10 Mio. Aktien verkauft hatte, reduzierte er im dritten Quartal seinen Bestand um weitere 31,53% bzw. 17,06 Mio. Aktien. Verblieben sind in seinem Depot nur" noch 37 Mio. Anteile, die mit 5,37 Mrd. Dollar noch knapp 3% von Buffetts Portfolio ausmachen. Zum Jahreswechsel hatte Buffetts IBM-Anteil als seine viertgrößte Position noch bei 9% gelegen und einen Gesamtwert von 13,5 Mrd. Dollar.

Und auch bei Wells Fargo, seiner inzwischen wieder größten Depotposition, verkaufte Buffett weitere Anteile, nämlich 3,755 Mio. Aktien bzw. 0,8% seiner Position. Der Hintergrund seines Aktienverkaufs ist schlicht, dass wegen der ständigen Aktienrückkäufe des Unternehmens Buffetts Anteil an Wells Fargo über 10% angestiegen ist und die Behörden Buffett keine Ausnahmeregelung zugestehen wollten. Wenn Berkshire Hathaway nämlich mehr als 10% der Anteile an dieser systemrelevanten Bank hält, hätte man Berkshire Hathaway selbst als systemrelevant eingestuft. Mit erheblich verschärften regulatorischen Auflagen, von erhöhten Eigenkapitalpflichten, Dokumentations- und Aufsichtspflichten bis hin zum Erstellen eines "Testaments" im Falle einer Abwicklung und/oder Konkurses. (Nur) um dies zu umgehen, reduzierte Buffett also seinen Anteil, so dass er nun wieder unter der Marke von 10% aller Aktien liegt. Da Wells Fargo weiter Aktien zurückkaufen wird, dürften wir also in jedem kommenden Quartal eine entsprechende Verkaufsmeldung bzw. Größenanpassung seitens Buffett sehen. Mit 14% an Buffetts Portfolio hat sich Wells Fargo wieder auf Platz 1 vorgeschoben vor Kraft Heinz. Allerdings liegt das vor allem am zuletzt schwächelnden Aktienkurs des Lebensmittelgiganten und wir können davon ausgehen, dass man sich bald den Spitzenplatz zurückerobern wird.

Abschließend hat Buffett seinen Anteil an Charter Communications um knapp 10% oder 954.100 Aktien verringert.


▸ Unverändert
Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei The Kraft Heinz Co.Coca ColaAmerican Express, Phillips 66US Bancorp und Moody's.


 Veränderungen in Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Buffett konzentriert sein Portfolio auf einige wenige große Kerninvestments. So machen seine füng größten Positionen Wells Fargo, Kraft Heinz, Apple, Coca Cola und Bank of America zusammen schon 60% aus und die sieben größten Positionen, also inkl. American Express und Phillips66, stehen für zusammen gut 72% seines Börsen-Portfolios.

Meine Einschätzung
Die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft birgt meines Erachtens ziemliche Risiken, doch die eingeläutete Zinswende in den USA wird den Versicherern dort das Leben wieder leichter machen. Buffett selbst sagte über diese Sparte, dass sie in den nächsten zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Auch wenn sich das Chance-Risiko-Verhältnis in diesem Bereich zuletzt wieder etwas verbessert hatte, kämpft die Versicherungssparte seit einiger Zeit operativ mit erheblichen Schwierigkeiten. Vor allem deshalb ging Berkshires Gewinn das dritte Quartal in Folge deutlich zurück, denn die Hurrikane "Harvey", "Irma" und "Maria", die in den USA und der Karibik wüteten, haben auch eine Schneise der Verwüstung durch Buffetts Bilanz gezogen. Hinzu kommen noch die Folgen des Erdbebens in Mexiko. Insgesamt dürften Versicherer und Rückversicherer allein für die drei Wirbelstürme mehr als 100 Mrd. Dollar zahlen und die Versicherungssparte steht für rund ein Viertel des Gewinns von Berkshire Hathaway.

Dass der Quartalsgewinn nur um 43% einbrach, lag auch an den besseren Absatzzahlen bei Autos, Oick-ups und SUV (General Motors) und einer Erholung im Eisenbahnbereich. Dort verspürte BNSF (Burlington Northern Santa Fe Railroad) einige Zeit kräftig Gegenwind aufgrund gefallener Rohstoffpreise für Öl und Kohle. Doch nachdem sich bereits im zweiten Quartal dieser Trend umzudrehen begann und gleichzeitig die Maßnahmen zur Kostenreduzierung bei BNSF begannen zu greifen, konnte BNSF wieder erkleckliche Beiträge zum operativen Ergebnis Berkshire Hatahways beisteuern.

Unter dem Strich stellt Berkshire Hathaway ein gutes Investment für langfristig orientierte Anleger dar. Sie ist inzwischen wie ein Fonds der erfolgreichsten Unternehmen der USA, garniert mit einer Reihe von nicht börsennotierten Mittelstandsperlen. Und Buffett ist weiter auf der Suche nach attraktiven Investments. So wurde zuletzt von seinem Luxusproblem berichtet: er sitzt inzwischen auf einem Cash-Berg von mehr als 100 Mrd. Dollar. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass wir in absehbarer Zeit einen oder mehrere große Deals sehen werden. Denn auch wenn Buffett Cash als Renditebringer sieht, dient es ihm vor allem dazu, bei günstigen Gelegenheiten zugreifen zu können. Wir dürfen also gespannt sein...


 Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen. So taucht die im Januar 2016 abgeschlossene 37-Milliarden-Dollar-Übernahme von Precision Castparts (PCP) in dieser Liste nicht auf, weil dieses Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert ist. Ebenso verhält es sich mit den milliardenschweren Unternehmen Duracell (die er im Tausch für seine Procter & Gamble-Aktien erhielt), General Re, Berkshire Hathaway Energy (vormals MidAmerican Energy) oder der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) sowie einer Vielzahl kleinerer Firmen, wie Nebraska Furniture, See's Candies oder dem Hamburger Motorrad-Zubehörhändler Detlev Louis, den Buffett 2015 erwarb.

Große mediale Beachtung fand Buffetts Einstieg beim kanadischen Immobilienfinanzierer Home Capital, der in massiven finanziellen Problemen steckt(e), da sich der kanadische Häusermarkt in einer ziemlichen Blase befindet. Anders als in den USA haben die kanadischen Immobilienwerte in der Immobilien- und Finanzkrise nämlich nur unwesentlich etwas abbekommen und strebten fast unbeirrt in neue, immer luftigere Höhen. Doch langsam braut sich in Land des Ahorns eine Krise zusammen rund um Immobilien und Immobilienkredite. Und nach bewährtem Muster ist Buffett antizyklisch eingestiegen bei Home Capital; Berkshire Hathaway gibt 400 Mio. CAD als Aktieninvestment und 2 Mrd. CAD als Not-Kreditlinie. Alleine Buffets Einstieg hat die Bonität verbessert und die Befürchtungen zerstreut, Home Capital könnte pleite gehen. Der Aktienkurs setzte nach Bekanntgabe von Buffetts Engagement denn auch gleich zu einer deutlichen Erholung an.


Preferred Stocks
Darüber hinaus enthält Buffetts Portfolio einige sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid-Instrumente angesehen, denn als Aktien.

▸ Dow Chemical
2008 stellte Buffett Dow Chemical $3 Mrd. für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder $255 Mio. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von $53,72 schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von $41,32. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.

▸ Goldman Sachs
2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für $5 Mrd. kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für $5 Mrd. Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von $115 je Aktie. Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei $160 und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu $115 kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus. Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!

▸ Lanxess
Im Mai stieg Buffett beim deutschen Chemiekonzern Lanxess ein. Über Berkshires Rückversicherungstochter General Re kontrolliert Buffett nun mehr als 3% der Anteile des ehemaligen Bayer-Spin-offs.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

1 Kommentar:

  1. Buffett reduziert seinen IBM-Anteil auf 3% des Depots. Gleichzeitig ist Wells Fargo mit 1,4% wieder die größte Beeteiligung. Ich denke da ist das Komma an der falschen Stelle (Vergleich zum Pie-Chart).

    AntwortenLöschen