Mittwoch, 19. Februar 2020

The easy way of investing: Besiege Deine Angst vor Kursverlusten

Die Angst vor Kursverlusten... davon sollte muss man sich beim Investieren frei machen. Denn Kursverluste gehören dazu, selbst die besten Investoren liegen selten bei mehr als der Hälfte ihrer Investments richtig; entscheidend ist, wie man mit seinen Fehlentscheidungen umgeht und dass man stets die Risiken im Blick hat - bevor man investiert und den Chancen nachjagt!

Ich habe in meinen mehr als 30 Jahren an der Börse sehr viel Lehrgeld bezahlt für die Erkenntnis, dass man sich auf die relativ sicheren Investments konzentrieren sollte und nicht auf die gehypten Hot-Stocks, Kursraketen oder Renditeknaller. Ich habe auch erst mit der Zeit und nach reichlich Fehlern herausgefunden, dass ich mit Quality Investments am besten fahre, mit überdurchschnittlichen Renditen bei geringerem Risiko. Alles ganz simpel, alles ganz sutsche...

Allerdings muss man dabei ertragen, dass man nicht die heißesten, angesagtesten Aktien im Depot hat und dass andere (vermeintlich) cleverer sind, wenn sie von ihren Kursraketen berichten. Ihre ganzen Rohrkrepierer und Beinahe-Totalausfälle erwähnen sie nicht, dabei sind die der Preis dafür, dass man auch mal die Kursgranaten im Depot hat. Den extremen Kick bezahlt man mit exorbitantem Risiko. Muss man schon mögen und aushalten können, doch dieses Mindset hat kaum ein Anleger, auch wenn die Selbstüberschätzung viele dies gerne glauben lässt. Der nächste Crash bildet wieder viele Charaktäre...
»Wenn der Mensch in den Abgrund blickt, dann erkennt er dort seinen wahren Charakter. Und der ist dann auch seine Rettung.«
(Lou Mannheim alias Hal Holbrok in "Wall Street")
Es geht natürlich auch anders, mit weniger Drama. Bevor ich eine Aktie kaufe, stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn ich die Aktien behalten müsste für eine längere Zeit, während die Börsenkurse auf Talfahrt gehen. Und bei den Qualitätsunternehmen mit hohem Cashflow, hohen Barmitteln, breitem Burggraben, da habe ich damit überhaupt keine Probleme; ich nenne das meine "Stars of Cash-Strategie". Damit bin ich Ende 2018 ziemlich entspannt durch das dreimonatige Kursgewitter gesegelt, mit Werten wie Adobe, Alphabet, Amazon, American Tower, Danaher, MasterCard, Microsoft im Depot.
»Es kommt nicht darauf an, ob man richtig liegt oder falsch. Entscheidend ist, wie viel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt.«
(George Soros)
Klar, die blutroten Kursverluste sehen trotzdem nicht schön aus im Depot, aber es sind halt eben auch nur Buchverluste. Sie sind nicht real, solange man die Aktien nicht verkauft. Und verkaufen sollte man Aktien nur, wenn sich die Aussichten für das Unternehmen deutlich verschlechtert haben, nicht aber, nur weil der Aktienkurs gefallen ist. Diese Lektion muss man lernen, auf die harte Tour, durch mitmachen, durch miterleben, durch überleben eines Crashs! Es gibt bei dieser Lektion keinen leichten Weg, wir alle müssen ihn gehen oder als Investoren letztlich scheitern.
»Man benötigt kein perfektes Timing, um überragende Renditen zu erzielen. Zeit im Markt schlägt Timing des Marktes.« ("Time in the market beats timing the market")
(Ken Fisher)
Die gute Nachricht ist, dass man sich durchaus vorbereiten kann. Und am besten sollte man (nur) Aktien von Unternehmen im Depot haben, an denen man langfristig beteiligt sein möchte, die solide sind und krisenfest. Aktien stellen ja einen Wert dar, einen Anteil an dem jeweiligen Unternehmen. Sie sind kein Wettschein, mit dem man nach Belieben Wetteinsätze platziert. Wer das nicht versteht, wer das nicht verinnerlicht, sollte sich nicht als Investor missverstehen.

Investoren sind Eigentümer, Mit-Unternehmer. So einfach ist das. Und dieser Gedanke beruhigt ungemein, wenn die Zeiten ruppig werden, weil Microsoft in einer Krise nicht umfällt, weil MasterCard trotz Corona-Virus weiter hervorragende Geschäfte macht, weil Amazon von mehr Online-Shopping, mehr Cloud-Anwendungen und immer mehr Prime-Nutzern profitiert, auch wenn es mal in der Wirtschaft kriselt oder die Kurs nachgeben. Diesen Unternehmen geht nicht so schnell das Geld aus, daher kann man mit denen relativ entspannt durch schwere See steuern, und die vorübergehenden Kursverluste aussitzen, ohne Existenzängste zu kriegen. Bei einer gehypten "Wasserstoffperle" ohne Aussicht auf operative Gewinne oder dem neusten 3D-Krypto-Cannabis-Startup sieht das anders aus.

Das sind meine Lehren aus der "New Economy" vor 20 Jahren, als die Buden beim Platzen der "Internetblase" dann reihenweise pleite gingen, weil keiner mehr frisches Geld nachgeschossen hat. Sowas darf man immer nur als Beimischung im Depot haben, in homöopathischer Dosis, sonst brechen einem diese Klitschen irgendwann mal finanziell das Genick - egal, wie aussichtsreich die vorher aussahen und welche Kursexplosionen vor dem endgültigen Absturz die mal hingelegt hatten.

Entspannt reich werden, mit Qualitätsunternehmen, das ist the easy way of investing. Mein Weg...

Disclaimer
Adobe, Alphabet, Amazon, American Tower, Danaher, MasterCard, Microsoft befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    Lese alle Artikel deines Blog mit großer Begeisterung jetzt schon seit knapp 2 Jahren. Genau solche Artikel, die zum Nachdenken anregen, sind die Krönung! Vielen Dank dafür!
    viele Grüße, Christof

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Michael, ich denke Joe Paulson hat es mit den high yield bond vorgemacht. Wenn man eine genügend grosse Anzahl an Wertpapieren im Depot hat, die bei niederer Qualität eine überdurchschnittliche Rendite versprechen (z. B. Turnoroundwerte) ist das Totalverlustrisiko gering. Man darf halt nicht plärrren, wenn einer mal hops geht. Viele Grüße Uschi

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Michael,
    Ab und zu ist es mal wieder gut Artikel zu lesen die einen, mir, wieder das Bodenhafte-Denken unter die Nase reiben. Es ist so leicht sich durch seinen eigenen Enthusiasmus in ein Risiko-volles Verhalten leiten zu lassen. Deshalb lese ich diene Artikel gerne. Auch deine Erfahrungsgeschichte von Sonntag, 16. Februar 2020 habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen. Viel Erfolg.
    Viele Grüsse Domin

    AntwortenLöschen
  4. Vielen Dank, Michael! Für diesen wieder gelungenen Artikel und Deine ganze Arbeit hier auf dem Blog! Ich lese hier immer sehr gern mit ... liebe Grüße und bleib schön gesund, Marco

    AntwortenLöschen
  5. Das leuchtet mir auch alles ein aber ganz ehrlich, ich denke ich bin nicht der einzige, der bei Kursverlusten feuchte Hände bekommt, ist wahrscheinlich eine menschliche Eigenheit.
    Ich muss einfach noch cooler werden....

    Mich verwundert auch, das du bei Wirecard die Reißleine gezogen hast und dich von einem Großteil (?) getrennt hast, wären die nicht wirklich buy and hold (longer..)?
    Anderseits zeigst du ja auch Hartnäckigkeit bei Firmen wie Blue Cap..

    VG

    JB

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hartnäckigkeit bei Blue Cap?
      Die hat er doch auch öfters getraded...

      Löschen
  6. Hallo zusammen, der Blog ist gelungen, keine Frage. Ich habe auch schon mehrere Trades hier abgeschaut. Ebay, Valeant (sogar mehrfach), GE, DB, Teva. Bloß ich glaube halt nicht das man das so und so machen muss. Z. B. Hat ja Max Otte im Jahr 2007 geschrieben, der Crash kommt. Und es hätte jedem Bekannt sein können, dass es in America eine Immobilienblase gab. Sollen wir uns Qualiaktien und den Verlauf anschauen seit dem Jahr 2007? Nehmt Allianz oder Cola. Wie lange haben diese Leute drauf gewartet auf 0 zu kommen. Und diejenigen die im Jahr 2010 oder 12 das Geld gebraucht haben sind besonders bitter dran. An Gewinnmitnahmen ist noch keiner arm geworden! Grüße Uschi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Uschi,
      Allianz ist für mich kein Quality Investment, zu (Lebens-) Versicherungen findest Du hier im Blog über viele Jahre hinweg äußerst kritische Beiträge. Ich habe konkret benannt, was Qualitätsunternehmen in meinen Augen ausmacht und auch konkrete Unternehmen benannt. Daran lasse ich mich messen, nicht an irgendwelchen Pseudo-Qualitätswerten anderer Leute.

      Do Max Otte habe ich auch eine andere Sicht; wer öffentlich von Blasen und Crash fabuliert, in seinen Publikumsfonds aber anders agiert, so dass seine Anleger viel Geld verbrennen, der hat für mich jede Glaubwürdigkeit verspielt. Otte gibt gerne viele Ratschläge, aber seine Performance hängt den Indizes meilenweit hinterher. Was soll man von solchen Theorie-Anlegern lernen können? Oscar Wilde hatte völlig Recht als er meinte: "Es ist leichter, über Geld zu schreiben, als Geld zu machen". Otte gehört zu der Gruppe von Schreiberlingen die als Investoren/Anleger wenig Erfolg vorzuweisen haben. Meide ich!

      Und dieser Spruch mit den Gewinnmitnahmen. Sorry, den halte ich für oberflächlich. Klassisches First Level Thinking - aber eben auch nicht weiter. Denn natürlich verliert man Geld, wenn man aus Aktien aussteigt und diese weiterhin Kursgewinne und Dividenden erzielen. Das Geld verschimmelt dann auf dem Konto und verdient nichts - das sind die sog. Opportunitätskosten, auf denen Warren Buffett so gerne rumreitet. Wenn man mit ausgewählten Qualitätsaktien dauerhaft mehr als 10% pro Jahr erzielt und weiß, dass nach zwölf Jahren Haltedauer statistisch das Verlustrisiko bei Aktien bei Null liegt, dann stellen 0,1% auf dem Tagesgeldkonto einen Verlust dar. Relativ und absolut, denn die Inflation knabbert den Wert zusätzlich an. Und wer zu einem bestimmten, absehbaren Zeitpunkt Geld benötigt, sollte dieses Geld keinesfalls irgendwo investieren. Nicht in Aktien, nicht in Immobilienfonds, nicht in Anleihen. Überall kann drohen Ausfälle und muss man zwingend an das Geld, kann man schlechte Phasen eben nicht einfach durchstehen. Das ist alles andere als clever.

      Löschen
  7. Ich denke, wer Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht ist mit Aktieninvestments schlecht beraten, da es wie bekannt ist ja gerade Baisse Time sein kann. Aber es hat wohl niemand was dagegen in der sauren Gurken Zeit sich mit ein bisschen Dividende zu trösten.
    Was Hr. Otte und Co. angeht stimme ich M. Kissig zu, die predigen dauernd den crash und wenn es dann mal wirklich irgendwann abwärts geht, sind das die Propheten, die es schon immer gewusst haben.

    Hr D. Müller ist auch so einer, der wirklich alles besser weiß und bei nicht eintreten seiner Prophezeiungen liegt es halt an einer Verschwörung.
    Mal seinen Fonds angeschaut? Der ist nach wie vor da wo er angefangen hat....
    Ist ja super abgesichert, auch gegen Gewinne...

    schönen Freitag

    JB

    AntwortenLöschen
  8. Die Zeit wird es zeigen...

    Uschi

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Michael,

    wieder mal ein sehr gelungener Artikel. Leider kann ich hier nie mit dem Firefox kommentieren, da deine Seite dann "merkwürdig" aussieht. Bin ich der einzige mit dem Problem (Adblocker etc. sind deaktiviert).

    MfG,

    Tobias

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Tobias,
      tut mir leid, wenn die Seite für Firefox-Nutzer zu Problemen führt. Ich nutze ein altes Standard-Template (das Blog läuft ja in einem Content-Management-System von Blogspot/Google), das ich nach meinen Bedürfnissen umgebaut habe. Mit Opera, Chrome, Safari funktioniert das; Firefox habe ich nie verwendet. Meine Fähigkeiten auf diesem Gebiet gingen allerdings noch nie über rudimentäre Basics hinaus und inzwischen vermutlich total verkümmert. Im Grunde müsste hier alles technisch überarbeitet werden, aber davor scheue ich nach acht Jahren und knapp 1.700 Artikeln zurück und fasse das lieber nicht an (neben der Technik müsste auch die Struktur der Artikel/Rubriken überarbeitet werden). Zumal mir die Seite von der Optik her noch sehr gefällt.

      Löschen
    2. Firefox auf MacBook funktioniert bei mir tadellos... Probleme habe ich auf dem Smartphone, allerdings mit mehreren Browsern (Safari und Opera), da wird die rechte Spalte nicht angezeigt.

      Löschen