Donnerstag, 28. Januar 2021

The easy way of investing: Besiege deine Angst vor Kursverlusten!

Die Angst vor Kursverlusten... davon sollte muss man sich beim Investieren frei machen. Denn Kursverluste gehören dazu, selbst die besten Investoren liegen selten bei mehr als der Hälfte ihrer Investments richtig; entscheidend ist, wie man mit seinen Fehlentscheidungen umgeht und dass man stets die Risiken im Blick hat - bevor man investiert und den Chancen nachjagt!

Ich habe in meinen mehr als 30 Jahren an der Börse sehr viel Lehrgeld bezahlt für die Erkenntnis, dass man sich auf die relativ sicheren Investments konzentrieren sollte und nicht auf die gehypten Hot-Stocks, Kursraketen oder Renditeknaller. Ich habe auch erst mit der Zeit und nach reichlich Fehlern herausgefunden, dass ich mit Quality Investments am besten fahre, mit überdurchschnittlichen Renditen bei geringerem Risiko. Alles ganz simpel, alles ganz sutsche...

Allerdings muss man dabei ertragen, dass man nicht die heißesten, angesagtesten Aktien im Depot hat und dass andere (vermeintlich) cleverer sind, wenn sie von ihren Kursraketen berichten. Ihre ganzen Rohrkrepierer und Beinahe-Totalausfälle erwähnen sie nicht, dabei sind die der Preis dafür, dass man auch mal die Kursgranaten im Depot hat. Den extremen Kick bezahlt man mit exorbitantem Risiko. Muss man schon mögen und aushalten können, doch dieses Mindset hat kaum ein Anleger, auch wenn die Selbstüberschätzung viele dies gerne glauben lässt. Der nächste Crash bildet wieder viele Charaktäre...
»Wenn der Mensch in den Abgrund blickt, dann erkennt er dort seinen wahren Charakter. Und der ist dann auch seine Rettung.«
(Lou Mannheim alias Hal Holbrok in "Wall Street")
Es geht natürlich auch anders, mit weniger Drama. Bevor ich eine Aktie kaufe, stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn ich die Aktien behalten müsste für eine längere Zeit, während die Börsenkurse auf Talfahrt gehen. Und bei den Qualitätsunternehmen mit hohem Cashflow, hohen Barmitteln, breitem Burggraben, da habe ich damit überhaupt keine Probleme; ich nenne das meine "Stars of Cash-Strategie". Damit bin ich Ende 2018 und im Corona-Crash 2020 ziemlich entspannt durch die Kursgewitter gesegelt, mit Werten wie Adobe, Alphabet, Amazon, AppleDanaher, Mastercard, Microsoft, PayPal im Depot.
»Es kommt nicht darauf an, ob man richtig liegt oder falsch. Entscheidend ist, wie viel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt.«
(George Soros)
Klar, die blutroten Kursverluste sehen trotzdem nicht schön aus im Depot, aber es sind halt eben auch nur Buchverluste. Sie sind nicht real, solange man die Aktien nicht verkauft. Und verkaufen sollte man Aktien nur, wenn sich die Aussichten für das Unternehmen deutlich verschlechtert haben, nicht aber, nur weil der Aktienkurs gefallen ist. Diese Lektion muss man lernen, auf die harte Tour, durch mitmachen, durch miterleben, durch überleben eines Crashs! Und die Kehrseite der Medaille ist, dass dies nur mit Qualitätswerten funktioniert und man sich daher gar nicht erst auf windige Investments einlassen sollte darf. Denn deren Buchverluste sind kaum guten Gewissens auszusitzen, weil am Ende eben auch die Insolvenz und der Totalverlust stehen können!

Es gibt bei dieser Lektion keinen leichten Weg, wir alle müssen ihn gehen oder als Investoren letztlich scheitern.
»Man benötigt kein perfektes Timing, um überragende Renditen zu erzielen. Zeit im Markt schlägt Timing des Marktes.« ("Time in the market beats timing the market")
(Ken Fisher)
Die gute Nachricht ist, dass man sich durchaus vorbereiten kann. Und am besten sollte man (nur) Aktien von Unternehmen im Depot haben, an denen man langfristig beteiligt sein möchte, die solide sind und krisenfest. Aktien stellen ja einen Wert dar, einen Anteil an dem jeweiligen Unternehmen. Sie sind kein Wettschein, mit dem man nach Belieben Wetteinsätze platziert. Wer das nicht versteht, wer das nicht verinnerlicht, sollte sich nicht als Investor missverstehen.

Investoren sind Eigentümer, Mit-Unternehmer. So einfach ist das. Und dieser Gedanke beruhigt ungemein, wenn die Zeiten ruppig werden, weil Microsoft in einer Krise nicht umfällt, weil MasterCard trotz Corona-Virus weiter hervorragende Geschäfte macht, weil Amazon von mehr Online-Shopping, mehr Cloud-Anwendungen und immer mehr Prime-Nutzern profitiert, auch wenn es mal in der Wirtschaft kriselt oder die Kurs nachgeben. Diesen Unternehmen geht nicht so schnell das Geld aus, daher kann man mit denen relativ entspannt durch schwere See steuern, und die vorübergehenden Kursverluste aussitzen, ohne Existenzängste zu kriegen. Bei einer gehypten "Wasserstoffperle" ohne Aussicht auf operative Gewinne oder dem neusten 3D-Krypto-Cannabis-Startup sieht das anders aus.

Das sind meine Lehren aus der "New Economy" vor 20 Jahren, als die Buden beim Platzen der "Internetblase" dann reihenweise pleite gingen, weil keiner mehr frisches Geld nachgeschossen hat. Sowas darf man immer nur als Beimischung im Depot haben, in homöopathischer Dosis, sonst brechen einem diese Klitschen irgendwann mal finanziell das Genick - egal, wie aussichtsreich die vorher aussahen und welche Kursexplosionen vor dem endgültigen Absturz die mal hingelegt hatten.

Entspannt reich werden, mit Qualitätsunternehmen, das ist the easy way of investing. Mein Weg...

Disclaimer: Habe Adobe, Alphabet, Amazon, Apple, Danaher, Mastercard, Microsoft, PayPal auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

Kommentare:

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen! Die aus deinen hervorragenden Beiträgen gewonnenen Erkenntnisse haben mich ebenfalls gut durch das letzte Frühjahr gebracht und die Buchwertverluste habe ich inzwischen dank vieler Qualitätsaktien (Amazon, Apple, Paypal, Mastercard, Visa, Microsoft) wieder aufgeholt.

    Danke erneut für deine ausführlichen, sachlichen und gut recherchierten Beiträge!

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  2. für mich persönlich gibt es zwei "Ängste" wenn man so will..
    1. Ich will einsteigen und erwische keinen niedrigen Kurs bzw. der Kurs könnte ja noch weiter fallen und deshalb warte ich oft ab.. (gab hier schon mal einen Artikel dazu)

    2. Kurs fällt, wie weit fällt der Kurs? War es eine kluge Entscheidung zu kaufen?

    An sich sind das eher bedenken, von denen ich mich mehr abkoppeln muss.

    VG aus Bayern

    Joe

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    1. Genau, es geht bei beiden Gedankensträngen ausschließlich um den Kurs und das Kursverhalten. Dabei sollte sich das Investieren vor allem um den Wert des Unternehmens drehen. Der Vergleich mit dem Kurs steht erst ganz am Ende der Überlegungen.

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  3. Der VIX bildet gerade eine schöne Wochen- und auch Monats-Aufwärtskerze aus. Ich weiß, dass sowas den Autor als einen "immer-zu-100%-investiert"-Anleger nicht sonderlich interessiert, aber für alle anderen könnten das möglicherweise bald ganz nette Kaufkurse ergeben... ;-)

    Ich selbst warte gerade auf schöne Gelegenheiten bei SAP, MSFT, AAPL, TXN, PEP und PAYX

    Beste Grüße
    Patric

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