Freitag, 8. Mai 2020

(Not so) good News bei... Intuit: Umsatzverschiebungen, Prognoseaussetzung - und doch...

Quartalszahlen standen beim Steuersoftware- und Buchführungs-Spezialisten Intuit noch nicht an, doch gestern gab das Unternehmen nachbörslich ein Update zur Unternehmensentwicklung. Und das ist wenig(er) erfreulich, wenn auch nicht wirklich überraschend: Intuit stellte seine Aktionäre darauf ein, dass aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie die bisherige Prognose nicht mehr zu halten sei und setzt sie daher aus.

Besonders betroffen dürften die Kleinunternehmner unter seinen Kunden sein, die vor stärkeren Einnahmeverlusten stünden, aber auch die Entscheidung der Regierung, die Einreichungsfrist für die Einkommensteuer bis zum 15. Juli zu verlängern, würde sich in Umsatzverschiebungen ins vierte Geschäftsquartal auswirken.

Dabei ist das dritte Geschäftsquartal traditionell das stärkste von Intuit, das hier nun einen um 15% niedrigeren Umsatz der Consumer Group im Jahresvergleich erwartet, was im dritten Quartal zu einem Umsatzrückgang von insgesamt rund 8% gegenüber dem Vorjahr führen wird. Intuit erwartet nun für das dritte Quartal einen Umsatz zwischen $2,99 und $3 Mrd. (bisher $3,6 bis $3,63 Mrd.) und einen Gewinn je Aktie zwischen $4,46 und $ 4,49 (bisher $5,90 bis $ 5,95 Dollar).

Um "die Unsicherheit über die aktuellen Trends bei Kleinunternehmen widerzuspiegeln" setzt Intuit daher seine Geschäftsprognosen für 2020 aus. CEO  Sasan Goodarzi erklärte hierzu: "In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres konnten wir den Gesamtumsatz des Unternehmens um 14% steigern und wir sahen, dass sich diese Dynamik bis zum Beginn des dritten Quartals fortsetzte. Die COVID-19-Pandemie führte jedoch zu einer Verlängerung der IRS-Steuererklärung und lokalen Shelter-in-Place-Richtlinien, die sich ab Mitte März negativ auf die Leistung auswirkten".

Intuit gab außerdem bekannt, dass das Unternehmen den vollen Betrag seiner revolvierenden Kreditfazilität in Höhe von $1 Mrd. in Anspruch genommen hat.

Meine Einschätzung

Quelle: wallstreet-online.de
Steuergesetze werden immer wieder Änderungen unterliegen und erfordern daher ständig Anpassungen - wenngleich Corona kaum unter die "üblichen" Änderungen fällt. Ich erstelle meine private Einkommensteuererklärung ja selbst und das wird von Jahr zu Jahr komplizierter. Auch weil die Steuererklärung inzwischen online abzugeben ist und ich alte und bewährte eigene Zusammenstellungen nicht mehr verwenden konnte, sondern unter erheblichem Aufwand vieles verändern musste, um die Daten überhaupt ans Finanzamt abliefern zu können. Ohne dass am Ende etwas anderes dabei herauskommt. Einfach nur Zusatzaufwand. Und das wird auch künftig nicht anders und daher wird die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die zu günstigen Kosten Abhilfe bzw. Unterstützung bieten, weiterhin hoch bleiben. Und sogar noch zunehmen, denn die Papierform wird weiter zurückgedrängt werden und bald nur noch Onlineerfassung möglich sein. Und da man nur einmal im Jahr mit seiner Steuererklärung zu kämpfen hat, stellt sich auch kaum ein Gewöhnungsfaktor ein. Daher wird man "seine" Steuersoftware nicht unnötig wechseln, wenn man einmal alle Daten erfasst hat und in etwas weiß, wo welche Beträge einzutragen sind und welche Teile der Steuererklärung man weglassen kann. Bequemlichkeit des Nutzers ist auch eine Art von Burggraben - für den Anbieter. Und das trifft insbesondere auf die vielen Buchhalter und Steuerexperten zu, die mit der Software von Intuit die Daten ihrer Kunden bearbeiten. Ein Wechsel wäre nicht nur für sie selbst, sondern auch für alle ihre Kunden mit enormen Aufwand verbunden, so dass schon gravierende Gründe vorliegen müssten, bevor ein solcher Schritt in Erwägung gezogen würde.

Intuit erzielt bisher nur einen Teil seiner Umsätze aus SaaS-Einnahmen und fast die Hälfte stammt noch aus den klassischen Lizenzverkäufen. Daher sind die Umsätze und Ergebnisse nicht so gut planbar wie bei reinen SaaS-Anbietern. Andererseits steigt der SaaS-Anteil an den Umsätzen kontinuierlich an, was zusätzliches Potenzial für Intuit bietet und die Bewertungsrelationen weiter erhöhen kann. Wenn nun Kleinunternehmer vor wirtschaftlichen Problemen stehen, könnte dies insbesondere bei den Lizenzverkäufen zu Einbußen führen, weil ggf. auf das jüngste Update verzichtet wird, um erstmal noch mit der "alten" Programmversion über die Runden zu kommen.

Ein Lichtblick ist die vor Kurzem für $7,1 Mrd. erfolgte Übernahme von Credit Karma, einer Verbrauchertechnologieplattform mit mehr als 100 Millionen Mitgliedern in den USA, Kanada und Großbritannien. Deren Finanzdaten sind ein echter Schatz, den Intuit nun heben möchte, und da die Angebote von Credit Karma kostenlos sind, dürften sich in der Wirtschaftskrise hier noch mehr Menschen bedienen, was zu mehr und besseren Daten führt. Auch wenn also der direkte Beitrag von Credit Karma nicht sofort wächst, tut es der indirekte durchaus.

Corona sorgt für Umsatzverschiebungen und auch -ausfälle, weil Intuits Kunden von der Rezession getroffen werden, aber Intuit wirkt auch aktiv bei der Problemlösung mit: über das CARES-Gesetz wurde von der US-Regierung ein 350-Milliarden-Dollar-Programm zur Vergabe von Notfallkrediten an kleine Unternehmen aufgelegt, die von der Corona-Krise betroffen sind, das sog. „Paycheck Protection Program“ (PPP). Intuit reicht diese PPP-Kredite für kleine Unternehmen über Module in seinen Softwareanwendungen weiter und erhält hierfür eine feste Provision, ohne damit eigene Kreditrisiken einzugehen. So kommen zusätzliche Einnahmen in die Kasse und gleichzeitig stützt man schnell und unbürokratisch die eigene Kundschaft, während man sich einen Status als zuverlässiger Krisenunterstützer erarbeitet. Mittel- und langfristig stärkt das die Wettbewerbsposition von Intuit zusätzlich.

Unterm Strich bleibt Intuit für mich daher ein aussichtsreiches Wachstumsunternehmen mit großem Potenzial. Es schreckt auch vor Übernahmen nicht zurück, um sich vertikal und horizontal zu verstärken und je größer der Anteil der SaaS-Umsätze wird, desto stärker steigen die Margen und damit die Skalierbarkeit der Produkte.

Disclaimer
Intuit befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    interpretiere ich dich richtig, dass du lieber wieder "analog" deine Steuererklärung abgeben würdest? Das es digital geht, hört sich bei dir schon fast nach einem Vorwurf an. So eine Einstellung von jemandem, der beim Investieren voll auf das Thema Digitalisierung setzt schockt mich, ehrlich gesagt.

    "Ich erstelle meine private Einkommensteuererklärung ja selbst und das wird von Jahr zu Jahr komplizierter. Auch weil die Steuererklärung inzwischen online abzugeben ist und ich alte und bewährte eigene Zusammenstellungen nicht mehr verwenden konnte, sondern unter erheblichem Aufwand vieles verändern musste, um die Daten überhaupt ans Finanzamt abliefern zu können."

    Hoffe du hast das nicht so gemeint, wie ich es interpretiere ;)

    Kevin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Würdest du den Absatz einfach nur weiterlesen, solltest du verstehen, dass deine Interpretation falsch ist!

      Löschen
    2. @Kevin

      Nein, da haste mich überinterpretiert. Meine Kritik ist, dass das Steuersystem immer komplizierter ist und man früher (analog) noch eigene Zusammenstellungen einreichen konnte, die das Finanzamt jahrelang akzeptiert hat. Doch nun nicht mehr. Das erzeugt Aufwand auf Seite des Steuerpflichtigen, während die Finanzbehörden entlastet werden. Und das nenne die "Bürokratieabbau". =(

      Was mich beim ELSTER-Programm besonders genervt hat, ist die Tatsache, dass ich das nicht mehr verwenden konnte, seitdem mir eine zusätzliche Steuernummer zugeteilt wurde - ich muss nun separate Einnahme-/Überschussrechnungen erstellen und separate Steuererklärungen unter separaten Steuernummern abgeben - die dann als Summen/Beträge wieder in die Hauptsteuererklärung einfließen müssen. Der "Clou" ist aber, dass das Programm "Elster" vom Finanzamt keine EÜR-Formulare zur Verfügung stellt. Also muss man das nun über die Online-Seite des Finanzamtes erledigen - und die ist noch unkomfortabler. DAS regt mich auf, nicht dass ich meine Steuererklärung online abgeben muss.

      Und nein, ich zahle keinem Steuerberater 2.000 Euro Honorar für die vier Stunden, die mich das selbst an Zeitaufwand (und nerven) kostet. Diesen Stundensatz "verdiene" ich mir lieber selbst. ;-)

      Löschen
    3. Hallo Michael,
      Hast Du denn Elster Online ausprobiert?
      Kenne das vor allem unter Linux die Probleme mit installieren usw.
      Elster-Online finde ich sehr angenehm. Da brauchst Du auch nix mehr zu installieren, einfach Browser auf und gut ist.

      Löschen
    4. Jep. Anstelle des Programms ElsterFormular nutze ich (notgedrungen) die Webstite ElsterOnline.de. Bin ich jetzt nicht der größte Fan von...

      Löschen
    5. Ich nutzte früher die Einreichung via Papier und jetzt Elster Online. Ganz gut finde ich, dass man die Werte aus dem Vorjahr importieren kann und somit gleich automatisch weiß, was man wo eintragen muss. Das geht in den diversen Programmen aber sicherlich auch.

      Löschen
  2. Danke für deine Einschätzung Michael! Sehr aufschlussreich!

    AntwortenLöschen