Donnerstag, 3. Februar 2022

Kissigs Aktien Report: Energiewendegewinner Energiekontor und PNE zu Unrecht abgestraft?!

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tage später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 73 vom 28.01.2022

Energiewendegewinner Energiekontor und PNE zu Unrecht abgestraft?!

Manchmal läuft es anders als man gedacht hat. Da hat man eine schöne Story ausgegraben, einen Megatrend identifiziert und sich die aussichtsreichsten Aktien aus diesem Sektor ins Depot gelegt, nur um dann festzustellen, dass deren Aktienkurse wider Erwarten einbrechen.

'Kann doch nicht sein', denkt man. Aber so läuft es eben manchmal. Und dafür kann es viele Gründe geben.

Zunächst einmal könnte es daran liegen, dass man selbst nicht der erste war, der auf die tolle Gelegenheit aufmerksam geworden ist, so dass sich viele andere bereits vorher in die Aktie eingekauft hatten und daher der Druck des Marktes, die Erwartungen zu erfüllen, entsprechend reduziert war. Wenn alle die gleiche Erwartung haben und bereits entsprechend positioniert sind, ist das Eintreten der Erwartung kein so starker Treiber mehr.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass das Sentiment für die Branche sich verschlechtert hat, oder lediglich für unser Unternehmen. Oder die Börsenstimmung hat sich allgemein eingetrübt und damit auch unsere Aktien mit in den Keller gezogen.

Und schließlich könnten wir uns mit unseren Überlegungen auch ganz einfach geirrt haben. Das kommt leider öfter vor als man sich selbst eingestehen will.

Megatrend Green Energy

Ein solcher Megatrend, der aktuell irgendwie nicht die zu erwartenden Erfolge einspielt, ist Green Energy.

Weltweit überschlagen sich die Regierungen und die Unternehmen dabei, die Dekarbonisierung voranzutreiben. Aus gutem Grund, denn die globale Erwärmung nimmt stetig zu und führt zu immer größeren Umweltkatastrophen. Selbst in den USA wird dies inzwischen als Problem erkannt, denn gerade dort nehmen die Naturkatastrophen immer stärker zu und kosten den Steuerzahler und die Versicherungskonzerne immer mehr Geld. Ob es Dürren sind, Überschwemmungen, Waldbrände oder Hurricanes.

Die Regierungen der Welt legen immer neue und immer größere Förderprogramme auf, teilweise in dreistelliger Milliardenhöhe, um Investitionen in regenerative Energien und die hierfür nötige Infrastruktur zu fördern. Und immer mehr große Energiemultis schwenken um - von Öl und Gas zu grünen Energieträgern; so wollen sie zu den Stromproduzenten im neuen Stromzeitalter werden.

Die stark ansteigende Nachfrage von Investoren und Unternehmen treibt die Preise an im Green Energy-Sektor, sowohl für bestehende Energieparks als auch für Projekte in der Entwicklung. Ihre Entwicklung ist langwierig und dauert selbst unter besten Voraussetzungen selten weniger als vier Jahre. Und Corona bringt keine besonders guten Voraussetzungen mit sich. Die Planer sind im Home Office, die Genehmigungsbehörden ebenso. Insbesondere die öffentlichen Verwaltungen waren und sind darauf schlecht vorbereitet und so kommt es immer wieder zu weiteren Verzögerungen. Auf lokaler Ebene müssen dann politische Gremien entscheiden und die ganzen „Träger öffentlicher Belange“ gehört und eingebunden werden ins Genehmigungsverfahren, unter anderem Betroffene und Umweltverbände. Auch hier führen die Coronaeinschränkungen zu weiteren Verzögerungen. Und ist das Projekt dann auf der Zielgeraden, werden oft noch die Gerichte bemüht – wo ebenfalls zu wenige Richter zu viele Fälle zu bearbeiten haben.

All diese Verzögerungen bei steigender Nachfrage treiben die Preise für Bestandsanlagen und Projekte in Planung bzw. Fertigstellung in die Höhe. Was sich positiv auf Bestandshalter und Projektierer auswirken sollte.

Soweit der – bisherige – Plan. Und die Aktienkurse von zwei deutschen Unternehmen, die beide Spielfelder aktiv beackern, haben sich bis Ende letzten Jahres auch entsprechend positiv entwickelt. Doch seit einigen Wochen ist der Wurm drin. Wir schauen uns deshalb Energiekontor und PNE mal genauer an, um herauszufinden, ob es sich um kurzfristige Irritationen des Marktes handelt oder um ernstzunehmende Störungen der Investmentthese.

Irritationen

Siemens Gamesa und General Electric haben kürzlich miese Zahlen präsentiert für ihre Windparksparten. Dabei gehören die beiden Unternehmen zu den weltweit führenden Anbietern von Windrotoren und -motoren und sollten in einem boomenden Sektor eigentlich alle Trümpfe in der Hand haben. Haben sie aber offenbar nicht.

Sie haben Probleme mit ihrer Produktion, sie haben Probleme in ihren Lieferketten, sie haben Probleme mit deutlichen Preissteigerungen bei Materialien und Coronaausfälle in der Belegschaft werfen die Unternehmen ebenso zurück wie Störungen in ihrer Logistik.

In der Folge trifft dies auch die Windparkprojektierer, deren Projekteplanungen in Verzug geraten und ggf. teurer werden. Zumeist handelt es sich nicht um schwerwiegende Verzögerungen, aber über den Jahreswechsel kann dies schon für Ungemach sorgen. Denn ob die Fertigstellung und die Inbetriebnahme eines Wind- oder Solarparks Ende Dezember oder Anfang Januar erfolgen, macht für das am 31.12. endende Geschäftsjahr durchaus einen Unterschied. Die Einnahmen und Gewinnanteile fließen so entweder im alten oder im neuen Jahr und können damit die Prognoseerfüllung beeinflussen – und das wirkt sich auch auf den Aktienkurs aus, zumindest kurzfristig.

Windflaute und Strompreisexplosion

Für Bestandshalter von Windparks ist die Windintensität von Bedeutung. Je mehr Wind, desto höher die Windausbeute und die Erlöse. 2021 war allerdings ein schwaches Windjahr, das ging schon im Januar los und zog sich durchs gesamte Jahr. Die Windausbeute wird also eher enttäuschen. Der Januar 2022 hingegen zeigt sich äußerst windintensiv und lässt für das neue Jahr viel erwarten.

In der zweiten Jahreshälfte 2021 stiegen die Energiepreise kräftig an, nicht nur bei Öl und Gas, sondern auch beim Strom. Zum Jahresende hin musste Frankreich mehrere Atomkraftwerke stilllegen. Teilweise wegen anstehender Wartungen, teilweise wegen aufgetretener Mängel. Da in Frankreich 70% des Strombedarfs aus Kernkraft erzeugt wird und Strom auch die überwiegende Heiztechnik ist, wirkt sich das in den kalten Wintermonaten natürlich besonders stark aus. Frankreich muss daher momentan enorme Mengen an Strom aus dem Ausland zukaufen – auch aus Deutschland. Das treibt die Preise stark an.

Gut für Windparkbetreiber. Die verkaufen ihren Wind über die Strombörse und erzielen hohe Einnahmen. Es sei denn, sie haben PPAs abgeschlossen (Power Purchase Agreements), nach denen sie dann feste Energiemengen zu festgeschriebenen Preisen zumeist an große Unternehmenskunden verkaufen müssen. Die schlechte Nachricht ist, dass diese PPAs zumeist keine Preisanpassungen während der Laufzeit vorsehen. Die gute Nachricht ist, dass sie zumeist für kurze Zeit abgeschlossen werden. Und damit stehen alle auslaufenden PPAs nun vor der Verlängerung bzw. dem Neuabschluss. Nachdem sich die Strompreise gegenüber dem Vorjahr vervielfacht haben. Den Stromproduzenten winken hier also ordentliche Gewinnzuwächse für 2022.

Taxonomie der EU-Kommission

Während die Energiepreise auf Höchstkurs stehen, schaltet die Ampel-Koalition in Deutschland die letzten drei AKWs ab. Was viele für Irrsinn halten. Andere jubeln, weil die Problematik um den Atommüll und die Gefahr, die von AKWs ausgeht, nicht gelöst ist.

Dennoch wird weltweit auf Atomenergie gesetzt im Kampf gegen die globale Erwärmung. Und auch die EU-Kommission hat sich neu positioniert. In ihrer sogenannten Taxonomie werden Atomkraft und Erdgas als nachhaltig eingestuft; Erdgas zumindest als Brückentechnologie. Die Folge ist, dass damit Milliarden in neue Gas- und Atomprojekte fließen dürfen, in neue Kraftwerke und in entsprechende Netzinfrastruktur.

Die Folgen zeigten sich auch an der Börse, denn institutionelle Anleger schichteten ordentlich Geld aus den "klassischen Green Energy-Aktien" in die neuen oder "Pseudo-Green Energy-Aktien" um. Alles ESG-konform. Und nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, das uns Adam Smith vor einigen Jahrhunderten so wundervoll nahegebracht hat, sorgte dies für Druck auf die Aktienkurse der bisherigen Green Energy-Highflyer. Und das in einem ohnehin stark rumpelnden Markt, wo Anleger aufgrund der anstehenden Zinswende Gelder von hoch bewerteten Wachstumsaktien in vermeintlich günstiger bewertete Vale-Aktien und Konjunkturzykliker umschichteten.

Diese unterschiedlichen Strömungen und Einflussfaktoren haben sich auch auf die Kurse von PNE und Energiekontor negativ ausgewirkt. Grundsätzlich sollten Anleger aber stets zwischen dem Kurs und dem Wert eines Unternehmens unterscheiden. Ist der Kursrückgang Folge von schlechter laufenden Geschäften, dann ist er wohl gerechtfertigt. Wenn die Geschäfte aber weiterhin rund laufen und vielleicht sogar in Zukunft noch besser, dann könnten sich emotional getriebene Kursrückgänge sogar als gute Nachkaufgelegenheiten erweisen.

Energiekontor

Energiekontor projektiert, baut und verkauft Windparks bzw. betreibt sie selbst und ist inzwischen auch bei Solarparks aktiv. Schwerpunkt ist allerdings die Windenergie, während die Solarenergie zunehmend an Gewicht gewinnt. Mit dieser Ausrichtung gehört man ganz sicher zu den großen Profiteuren der Energiewende.

Von den erstellten Windparks verkauft Energiekontor schon seit Jahren nur rund die Hälfte, die andere Hälfte wandert in das Eigenparkportfolio, das mittelfristig von 280 MW auf 500 MW ausgebaut werden soll. Auf diese Weise werden einerseits hohe Verkaufserlöse und Gewinne erzielt und damit die Eigenkapitalbasis gestärkt, während auf der anderen Seite stetige Cashflows durch die Stromeinspeisungen generiert werden. Entweder durch die Einspeisevergütung, zunehmend aber aufgrund des stark gestiegenen Strompreises durch Power Purchase Agreements (PPA). Dabei wird in einem Vertrag die Strommenge und der Preis für eine bestimmte Laufzeit festgeschrieben.

Der dritte Erlösstrom speist sich aus dem Betrieb der Projekte, denn Energiekontor betreibt nicht nur die eigenen Wind- und Solarparks, sondern übernimmt die Betriebsführerschaft oft auch bei veräußerten Projekten.

Da man die Hälfte der Projekte in den Eigenbestand überführt, steigt die eigene Stromerzeugungskapazität immer weiter an. Anderseits wird hierdurch natürlich auch Kapital gebunden und Gewinne "verschenkt". Die Projekte stehen zu Herstellungskosten in der Bilanz und haben daher über die Jahre Kosten erzeugt. Erst beim Verkauf eines Projekts oder eines fertigen Wind- oder Solarparks fährt Energiekontor den Verkaufspreis ein und damit auch die Gewinnmarge. In diesem Moment werden also alle bis dahin aufgelaufenen Kosten vergütet und der Erfolg wird sichtbar.

Bei den Eigenbestandsprojekten entfällt dieser Verkaufsgewinn und die Gewinne werden über die Nutzungsdauer von 20 Jahren und die dabei erzielten Stromverkäufe eingespielt. Das ist kein unbedeutender Unterschied, denn in GuV und Bilanz „fehlen“ die Einmalgewinne natürlich, was die aktuelle Bewertung der Aktie wiederum höher erscheinen lässt, als sie eigentlich ist.

Mitte letzten Jahres wurde dem Markt dies dann aber schlagartig klar, als RWE von Nordex ein 2,7 Gigawatt schweres Portfolio erworben hat zu einem bis dahin unvorstellbaren Preis. Auf einmal registrierte die Börse, welcher Wert in der Projektpipeline der Wind- und Solarparkentwickler steckt und es erfolgte eine kräftige Aufwertung mit entsprechenden starken Kurssteigerungen. Alleine Energiekontor verfügt über eine Projektpipeline (ohne USA) von 6.000 MW, nachdem es Ende 2019 noch 4.900 MW waren.

Im Jahr 2020 verbuchte Energiekontor einen Konzernumsatz von 146,6 Millionen Euro und damit deutlich mehr als die in 2019 erzielten 63,7 Millionen. Allerdings war ein Projekt über den Jahreswechsel gerutscht, so dass dessen Zahlen in 2019 fehlten und dann in 2020 aufschlugen. Die Gesamtleistung wurde 2020 von 96,4 auf 165,1 Millionen gesteigert, das EBITDA stieg von 38,9 auf 65,4 Millionen und das Jahresergebnis schoss von 0,2 Millionen auf 20,4 Millionen hoch.

2021 lief stark an und es konnten eine Reihe von Ausschreibungen der BundesNetzAgentur für neue Projekte gewonnen werden, sowohl im Wind- als auch im Solarbereich. Die eher schwache Wind- und Solarausbeute in der ersten Jahreshälfte 2021 hat das Ergebnis von Energiekontor dann etwas gedrückt. Nun liegen aber eher stürmische Wochen hinter uns, so dass sich das Ergebnis aufs Gesamtjahr verbessern sollte. Die größte Auswirkung wird ohnehin der Verkauf von Projekten haben, die oft erst kurz vor dem Jahreswechsel stattfinden. Während man in den USA noch immer nicht richtig „aus dem Quark“ kommt, hat sich die Schottische Pipeline gemausert. Hier konnte man zuletzt mehrfach Projekte gewinntreibend veräußern und strebt nun auch in Richtung der ersten vollständigen Realisierung eines Windparkprojekts. Dabei scheint es oft auf lokaler Ebene zu Ablehnungen von Projekten zu kommen, die dann später von der Zentralregierung genehmigt werden – und nicht selten dann sogar mit einem größeren Volumen.

Als Mittelfristziele bis 2023 peilt Energiekontor ein nachhaltiges Konzern-EBT von 55 bis 60 Millionen Euro an, wobei etwa 30 Millionen aus Projektierung und Verkauf stammen sollen und zwischen 25 und 30 Millionen aus der eigenen Stromerzeugung und der Betriebsführung. Für Energiekontor stellt das EBT das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit dar.

Der Aktienkurs stand Ende November bei fast 85 Euro und ist innerhalb von zwei Monaten bis auf 55 Euro abgetaucht. Aktuell notiert er um 60 Euro. Nach einer fulminanten Kursrallye in 2020 konsolidierte der Kurs in 2021 zwischen 50 und 60 Euro, ist also wieder auf seinem Ausgangsniveau angekommen.

Trotz der kurzfristigen negativen Einflüsse hat sich an den positiven Aussichten nichts geändert. Vielmehr haben sie sich weiter verbessert und das wird noch umso mehr gelten, wenn aus den vollmundigen Ankündigungen des neuen grünen Wirtschaftsministers Robert Habeck Taten werden sollten und die Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Zahl der Wind- und Solaranlagen kräftig ausgeweitet werden können. Den Deutschlands ist und bleibt für Energiekontor der mit Abstand wichtigste Markt.

PNE

PNE ging Ende 1998 an die Börse und war als Windparkprojektierer Plambeck bekannt. Das Unternehmen erlebte den ersten großen Hype bei Wind- und Solarherstellern und den Auf- und Niedergang des Neuen Marktes mit. Seitdem ist viel passiert.

PNE hat schwere Zeiten hinter sich, einige Namensänderungen und Strategieschwenks und grundlegende Änderungen in der Aktionärsstruktur. Doch seit einigen Jahren ist das Unternehmen zur Ruhe gekommen und richtet den Fokus alleine und sehr erfolgreich auf sein unternehmerisches Handeln. Und dabei ist der Name Programm: Pure New Energy.

Die PNE-Gruppe bietet die gesamte Wertschöpfungskette von Entwicklung, Projektierung, Realisierung, Finanzierung, Betrieb, Vertrieb und Repowering von Windparks an Land im In- und Ausland. Auf See werden Windparks bis zur Baureife entwickelt. PNE zählt hier zu den erfahrensten Akteuren am Markt.

Das klingt jetzt sehr vertraut und ganz ähnlich wie bei Energiekontor. Und im Grunde ist es das auch, wenngleich beide auch deutliche Unterschiede aufweisen.

2016 stand PNE finanziell mit dem Rücken zur Wand. Der damalige Vorstand ließ ordentlich Windparkprojekte planen und bauen, aber er verkaufte nur einen kleinen Teil von ihnen. Der überwiegende Teil wurde "gesammelt", um ihn im Paket an große Investoren zu verkaufen.

Die Idee dahinter war, dass einzelne Projekte zwar Geld einbringen, aber immer nur kleine Investoren anziehen. Ein gebündeltes Portfolio von entsprechender Größe mit Namen "YieldCo" sollte hingegen auch für global agierende Investoren interessant sein und damit einen höheren Preis erzielen können. Eine gewagte Strategie, denn die Kosten schlugen in der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz voll auf, während die Verkaufserlöse und damit erzielten Gewinne auf Sparflamme liefen. Der Verschuldungsgrad stieg so immer weiter an, während die Liquiditätslage stetig angespannter wurde. Und auch das Eigenkapital war wegen der ausbleibenden Gewinne unter Druck.

Im November 2016 gelang dann der Durchbruch und mit Allianz Global Investors wurde der "Wal" gefunden, der das YieldCo-Portfolio kaufte. Durch die hohen Einnahmen konnten die Verbindlichkeiten gesenkt und das Eigenkapital gestärkt werden. Vor allem stand die PNE-Gruppe finanziell wieder deutlich solider dar, was bei der Neuprojektierung hilfreich war.

Und der Vorstand wollte den Erfolg wiederholen und legte ein zweites „Windparkportfolio2020“ auf mit einem noch größeren Volumen. PNE bemühte sich aufgrund der zuvor gemachten Erfahrungen, den Wert dieses Portfolios in seinem Zahlenwerk herauszustellen, damit die Anleger die Fortschritte und den Zuwachs beim Unternehmenswert leichter erkennen können. Doch die Botschaft verfing nicht. Im direkten Kennzahlenverglich mit den Wettbewerbern stand PNE regelmäßig als wesentlich teurer dar und rutschte bei vielen Anlegern und auch bei den Medien durchs Raster. Bis heute.

Mitte 2019 stellte PNE das "Windparkportfolio2020" ins Schaufenster und begann mit der aktiven Vermarktung. Doch bereits im August sah man sich mit dem Interesse seitens Morgan Stanley Infrastructure Partners konfrontiert, und zwar nicht alleine für das Windparkportfolio, sondern für das gesamte Unternehmen. Der PNE-Vorstand stand dem Vorhaben positiv gegenüber und so erfolgte im Oktober 2019 ein Delistingerwerbsangebot zu 4 Euro je Aktie.

Mit einer solchen Offerte, bei der ein Delisting von der Börse angekündigt wird bei gleichzeitigem Angebot, die Aktien zu einem festgelegten Preis zu verkaufen, versucht der Übernehmende, die "zittrigen" Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen. Bei dem Wort Delisting und der Aussicht darauf, seine Aktien bald nicht mehr über eine Börse handeln zu können, wollen viele Aktionäre einfach nur noch raus aus den Aktien. Und der Kurs sackte erstmal kräftig ab.

Doch MSIPs Plan ging nicht auf. Der Preis von 4 Euro war nicht attraktiv genug und es kauften sich schnell "Endspielprofis", wie z.B. Scherzer & Co., in den Wert ein, so dass MSIP am Ende weniger als 40% der Aktien erhielt.

MSIP hat sich seitdem ruhig und wie ein "normaler" strategischer Großaktionär verhalten. Vor allem stoppte MSIP den angedachten Verkauf des "Windparkportfolio2020" und ließ diese Anlagen komplett in den Eigenbestand umbuchen. Seitdem verfügt PNE über einen solchen Eigenbestand und baut diesen weiter aus. Man verkauft inzwischen rund die Hälfte der Projekte, um Gewinne zu realisieren, und die andere Hälfte wandert in den Eigenbestand. Hier entfallen dann die einmaligen Verkaufsgewinne, aber der Verkauf der Stromproduktion speist die GuV für die nächsten 20 Jahre.

Doch in jüngster Zeit kamen Gerüchte auf, MSIP wolle sich nun von seinem Anteil an PNE trennen. Da das Unternehmen Investorengelder einsammelt und diese in unterschiedlichen geschlossenen Fonds für einen befristeten Zeitraum investiert, ist das kein ungewöhnlicher Vorgang. MSIP muss Kasse machen, um seine Investoren auszahlen zu können. Nach der zwischenzeitlichen Kursverdopplung hätte sich das Engagement für MSIP gelohnt.

Aus dieser Konstellation ergeben sich für alle anderen Anleger Chancen. Denn in den letzten anderthalb Jahren hat sich die Welt erheblich verändert. Es fließen enorme Summen in den Green Energy-Sektor, weltweit legen Staaten Förderprogramme auf und Investoren drängen in ESG-konforme Anlagen. Insbesondere der Eigenbestand wertet ständig weiter auf und das gilt auch für die Projektpipeline. Kaufinteressenten legen daher sehr viel mehr Geld auf den Tisch als noch vor zwei Jahren. Und dem entsprechend ist PNE auch sehr viel mehr wert. Bei einem Vergleich mit zuletzt realisierten Preisen bei Firmenübernahmen im Sektor würde man PNE-Aktien mit etwa 15 Euro bewerten.

Wenn ein Erwerber den MSIP-Anteil übernimmt, müsste er auch den ausstehenden Aktionären ein entsprechendes Kaufangebot unterbreiten. Um zu verhindern, dass es hierbei zu einem Durchmarsch samt folgendem Squeeze-out kommen kann, hat Active Ownership ihren Anteil an PNE auf 11,99% aufgestockt und wurde damit nach MSIP mit ihren 39,8% zweitgrößter Aktionär. ENKRAFT hält rund 3,13% der Aktien, Dimensional Holdings Inc. etwa 3,10% und GS&P rund 3,02% der Aktien. Alle anderen Aktien werden dem Streubesitz zugerechnet.

Doch was bekommt ein Käufer überhaupt für sein Geld? PNE projektiert Wind- und Solaranlagen, vor allem über seine Tochter WKN. Doch PNE hat seit zwei Jahren eine weitergehende strategische Positionierung vorgenommen und entwickelt sich zu einem "Clean Energy Solutions Provider" weiter, also einem Anbieter von Lösungen für saubere Energie aus den unterschiedlichen Erneuerbaren Energien.

Die strategische Ausrichtung der PNE-Gruppe umfasst künftig neben der Windenergie auch Photovoltaik sowie Speicherlösungen und Power-to-Gas-Technologien mit einem Schwerpunkt bei Wasserstoff.

Derzeit ist die PNE-Gruppe in 13 Ländern und auf 4 Kontinenten aktiv, vor allem in Europa, Südafrika und Nordamerika. Diese breite und flexible Aufstellung macht die PNE unabhängiger von Schwankungen in einzelnen Märkten und Geschäftsbereichen und daher ist auch die schrittweise Ausweitung der Aktivitäten auf weitere Technologien und Märkte geplant. Hierbei stehen unter anderem Schwellenländern mit stark steigender Energienachfrage im Fokus.

Als Käufer für PNE oder kommen Finanzinvestoren infrage, große Energiemultis wie Shell oder RWE und natürlich Wettbewerber, wie Energiekontor, ABO Wind oder Pacifico Renewables von Alexander Samwer, der mit seiner Firma ja große Pläne formuliert hat.

Für Anleger könnte bei einer Übernahme die Wertschöpfung mehrerer Jahre auf einen Schlag gehoben werden. Reizvoll. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, einfach an Bord zu bleiben. So wie es vor einigen Jahren bei der MSIP-Offerte lief. Wer damals nicht verkaufte, hat seinen Einsatz in zweieinhalb Jahren mehr als verdoppelt. Und das relativ risikolos.

Mein Fazit

Green Energy ist nicht am Ende, noch nicht einmal am Ende ihres Anfangs. Die Erwartungen der Anleger trieben Ende des Jahres die Kurse im Sektor schnell und stark in die Höhe, dieses Kursplus wurde nun wieder abgebaut. Die Aussichten für die Unternehmen haben sich aber weiter verbessert und einige konkrete Verbesserungen werden sich erst mit der Zeit einstellen.

Zeit ist beim Investieren ein wichtiger Faktor, sie ist der Hebel für die Rendite. Je länger man investiert, desto höher die Gewinne – wenn man nicht aufs falsche Pferd setzt. Und im Green Energy-Sektor gibt es einige große Chancen. Zwei Favoriten sind Energiekontor und PNE. Andere finden sich unter den reinen Bestandshaltern, wie 7C Solarparken und Encavis. Diese Unternehmen kaufen alte und neue Energieparks und verdienen an der Stromproduktion. Je höher die Strompreise, desto höher ihre Einnahmen und Gewinne. Die steigenden Preise für die Projekte belasten sie zwar beim Kauf neuer Anlagen, aber ihr Bestand wertet ebenfalls auf. Und auch wenn der Strompreis momentan auf Übertreibungsniveau notiert, wird er perspektivisch doch weiter steigen. Wegen der erhöhten Nachfrage, alleine schon wegen der vielen neuen E-Autos, aber auch wegen der politisch gewollten Verteuerung durch die Verschmutzungszertifikate.

Sonnige Aussichten für die Branche – und das mitten im Winter…

Disclaimer: Habe ABO Wind, Energiekontor, General Electric, PNE auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

4 Kommentare:

  1. Hi Michael,

    danke für den ausführlichen Meinungsbericht.
    Ist es immer noch so, dass z.B Encavis bei dir eine zweite Geige spielt als Betreiber und Fremdverwalter für andere, als bpsw. PNE?
    Spielen Dividenden da für dich eine durchaus relevante Rolle im Renditeziel auf 5-10 Jahre, oder wäre aus deiner Sicht das Geld besser im Unternehmen aufgehoben, gerade hinsichtlich erforderlicher Aquisitionen und Ausbauten?

    Viele Grüße,

    Dagobert

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    1. Moin Dagobert,
      ich bevorzuge ganz klar das "Zwittermodell" aus Projektierer und Bestandshalter und damit Energiekontor und PNE.

      Dividenden spielen für meine Investmententscheidung keine (positive) Rolle. Ich suche nicht nach Dividenden, nehme sie aber mit, wenn sie gezahlt werden. Sind sie zu hoch, kann das für mich ein KO-Kriterium sein - weil die Unternehmen damit zeigen, dass sie kein/wenig operatives Wachstum mehr erwarten. Das ist nicht so meine bevorzugte Spielwiese bei Investments...

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  2. Hallo Michael, wie siehst du unter den genannten Gesichtspunkten den Kurs/Verfall bei der 3U Holding?
    Du hast die Aktie ja auch im Wiki, aber nicht nachgekauft. Siehst du die Aktie im Moment fair oder eher unterbewertet. Denke über ein Aufstocken nach. Liebe Grüße Thorsten

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    1. Hm. 3U Holding hat zwar eine Sparte Windkraft, aber das ist unternehmerisch nicht der Schwerpunkt. Das ist Weclapp und deren möglicher Börsengang. Und da geht es natürlich um die Bewertung. Man hat hier vor einiger Zeit hohe und höchste Werte in den Raum gestellt, die vor allem aus dem Vergleich in der Peergroup mit US-amerikanischen börsennotierten Unternehmen erfolgte. Diese Firmen sind kursmäßig ja zwischenzeitlich deutlich eingebrochen und damit auch die Bewertungen - ich finde, das muss man auch bei der Weclapp-Einschätzung einpreisen und damit auch beim der Bewertung von 3U.

      Abgesehen davon habe ich mich sehr über die Selbstbedienungsmentalität des Vorstands geärgert, der sich beim 3U-IPO ordentlich Geld einstecken will. Finde ich mies in der durchgezogenen Art und Weise. Der richtige und beste Weg wäre gewesen, wenn der 3U-Vorstand endlich mal eine signifikante Aktienbeteiligung an 3U eingehen und Aktien kaufen würde. Dann wäre er bei einem erfolgreichen Weclapp-IPO und auch bei anderen unternehmerischen adäquat am Erfolg beteiligt.

      Bei einem 3U-Kurs von €3 sehe ich ordentliche Chancen. Weclapp kann einen ordentlichen Schub bringen. Kann. Ich sehe aber auch bei anderen Unternehmen attraktive Chance-Risiko-Verhältnisse und habe 3U daher nicht höher gewichtet und auch nicht aufgestockt.

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