Sonntag, 21. Mai 2023

Im Fokus: Münchener Rück - Der Versicherer der Versicherer reitet weiter die Erfolgswelle

Die Münchener Rückversicherung, der nach Prämieneinnahmen größte Rückversicherungskonzern der Welt, ist Gegenstand dieses Kurportraits. Das Unternehmen wurde bereits 1880 gegründet und tritt seit 2009 unter dem internationalen Label Munich Re auf.

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft ist ein deutscher Erst- und Rückversicherungskonzern, wobei die Rückversicherungssparte den deutlich größeren Anteil beisteuert, während man im Bereich der Erstversicherungen als Mutter der Ergo-Versicherungsgruppe auftritt. Diese bestand vormals aus den Versicherungsunternehmen D.A.S, Hamburg-Mannheimer, DKV und Victoria. Hier werden Risiken von Kunden abgesichert und dafür möglichst auskömmliche Prämien vereinbart. Dies ist ein recht simples Geschäftsmodell, bei dem es um Zahlen und Wahrscheinlichkeiten geht. Die Versicherung streicht die regelmäßigen Prämien all ihrer Versicherten ein und begleicht daraus die Schäden einzelner Kunden. Im Idealfall erzielt sie eine Überdeckung und streicht diese als Gewinn ein.

Zudem liegen zwischen Prämienzahlung und Auszahlung der Versicherungsleistung oft viele Jahre, in denen die Versicherung dieses Geld zum eigenen Vorteil investieren kann; das übernimmt hier die Munich Ergo Asset Management GmbH.

Warren Buffett liebt das Geschäftsmodell der Versicherungen und den hieraus entstehen 'Float', der das Rückgrat seines großen Investmenterfolgs darstellt.

Die Rückversicherung ist grundsätzlich ganz ähnlich aufgebaut, nur dass die versicherten Kunden hierbei Versicherungsunternehmen sind und keinen Privatpersonen, Unternehmen oder Staaten. Diese reichen Teile der von ihnen versicherten Risiken weiter, um das Risiko zu streuen. Daher werfen selbst große Katastrohen wie Hurricane Catrina oder die Atomkatastrophe von Fukushima keine Versicherungskonzerne mehr aus der Bahn, da sich die Last auf viele Schultern verteilt.

Prämienwachstum vs. Schadenaufkommen

Die Gewinne der Rückversicherungskonzerne schwanken teilweise stark, je nach Aufkommen großer Schadensereignisse. So hat die Flutkatastrophe in Deutschland große Zahlungen ausgelöst und diese drücken das Ergebnis auch der Rückversicherer. Andererseits ist dieses erhöhte Schadenaufkommen die Basis für die Höhe der Versicherungsprämien des Folgejahres und spülen damit höhere Prämieneinnahmen in die Kassen; was bei Ausbleiben noch größerer Schadenereignisse zu deutlichen Gewinnsteigerungen im Folgejahr führt.

In 2023 droht nun wieder das alle paar Jahre auftauchende Naturphänomen 'El Niño', das weltweit zu großen Katastrophen und damit einhergehenden hohen Schäden führt - von denen viele dann über Versicherungen und folgend Rückversicherungen beglichen werden (müssen). 

Doch sofern sich ein Versicherungskonzern nicht folgenschwer verkalkuliert, lässt sich in diesem Bereich relativ sicher und stetig Geld verdienen. Negativbeispiel ist hier der seinerzeit weltgrößte Versicherungskonzern AIG während der Immobilienkrise 2008/09, als man zum Insolvenz- und Stützungsfall wurde, weil man weltweit als einziger Konzern Hypothekenausfallversicherungen (CDS) für Ramschanleihen angeboten hatte - die nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers dann alle gleichzeitig fällig wurden und AIG das Genick brachen.

Ergebnisse des 1. Quartals 2023

Munich Re erzielte im 1. Quartal ein gutes Kapitalanlageergebnis und verzeichnete eine erfreuliche operative Geschäftsentwicklung. In der Schaden/Unfall-Rückversicherung betrug die Belastung aus Großschäden aufgrund von Naturkatastrophen 1,05 Mrd. Euro (Q1/22: 618 Mio.) und lag damit über den Erwartungen. Allein das Erdbeben in der Türkei führte zu einer Belastung von 0,6 Mrd. Euro. Die Schadenkostenquote lag trotz der Großschäden mit rund 86,5 % nur leicht über der Erwartung für das Gesamtjahr von 86 %; im Vorjahr waren es allerdings noch 77 % gewesen.

Das versicherungstechnische Gesamtergebnis der Rückversicherung Leben/Gesundheit übertraf mit rund 0,3 Mrd. Euro im 1.Quartal ein Viertel der Jahreserwartung von 1 Mrd. Euro. Das Nettoergebnis der ERGO lag mit rund 0,22 Mrd. Euro (+40 % ggü. Q1/22) ebenfalls bei über einem Viertel der Jahreserwartung von 0,7 Mrd. Euro.

Das vorläufige Nettoergebnis der Munich Re sank auf rund 1,27 Mrd. Euro (Q1/22: 1,48 Mrd.); für das Gesamtjahr 2023 erwartet Munich Re ein Nettoergebnis von rund 4 Mrd. Euro. Allerdings ist mit dem Ergebnis des 1. Quartals die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass dieses Ergebnis übertroffen werden kann.

Kursentwicklung

Quelle: wallstreet-online.de
Der Aktienkurs von Munich Re notiert in der Nähe seines Allzeithochs aus dem Jahr 2000, als der Kurs beinahe die Marke von 400 Euro überwinden konnte. Der folgende Absturz war gewaltig und ließ den Kurs im Frühjahr 2003 bis auf 50 Euro einbrechen. Seitdem tendiert er, wenn auch bisweilen unter heftigen Schwankungen, wieder nordwärts und notiert bei 340 Euro auf einem Mehrjahreshoch. Das Börsenjahr 2022 schloss der DAX mit einem Minus von 12 % ab, während Munich Re um 16,5 % zulegen konnte; nur Beiersdorf konnte bei den Anlegern noch stärker punkten. In 2023 kamen bisher knapp 12 % hinzu.

Fokus auf Dividenden

Die Dividendenentwicklung zeigt bei Munich Re grundsätzlich nach oben. Seit 28 Jahren wurde die Dividende nicht gekürzt, auch wenn nicht in jedem Jahr eine Erhöhung erfolgte. Auf Sicht der letzten 5 Jahre beträgt das durchschnittliche Dividendenwachstum 5,85 % pro Jahr, wobei die Ausschüttungsquote mit fast 73 % im 5-Jahresschnitt an ihre obere Grenze stößt.

Die Aktie notiert auf 20-Jahreshoch und daher ist die Dividendenrendite mit rund 3,5 %  vergleichsweise niedrig. Allerdings wird das erst in einem Jahr wieder richtig interessant, denn Anfang Mai erfolgte die diesjährige Dividendenausschüttung, die für 2022 je Aktie 11,6o Euro betrug.

Meine Einschätzung

Versicherungsunternehmen und allen voran Munich Re sind keine Rennpferde hinsichtlich der Umsatz- und Gewinnentwicklung, sondern solide Ackergäule. Solche Werte bilden die Basis in einem ausgewogenen Dividendendepot.

"Wenn man einen Float, also Bargeld aus Versicherungsprämien, das Berkshire Hathaway investieren kann, bevor Schäden bezahlt werden müssen, zu 3 % erwirtschaften und in Unternehmen investieren kann, die 13 % erwirtschaften, ist das ein ziemlich gutes Geschäft."
(Charlie Munger)

Durch den Float bekommen Versicherungen von ihren Versicherten kostenlosen Kredit, den sie für eigene Zwecke, also vor allem für ihre Aktionäre, gewinnbringend investieren können. Ein Geschäftsmodell, das Warren Buffett sehr anspricht, nachdem sein Lehrmeister Benjamin Graham ihn auf den Geschmack gebracht hatte. Auch deshalb war Buffett viele Jahre lang einer der größten Aktionäre bei Munich Re und ihrem größten Wettbewerber Swiss Re.
 
Disclaimer: Habe Munich Re weder auf meiner Beobachtungsliste noch im Depot/Wiki.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen