Freitag, 19. Mai 2023

Im Fokus: AFLAC - Kein Buffett-Investment, aber eine ganz spezielle Versicherung mit Fokus auf Japan

In diesem Kurzportrait geht es um AFLAC, ein ganz spezielles Versicherungsunternehmen mit hohem Japan-Exposure.

Die American Family Life Assurance Company ist ein US-amerikanisches Versicherungsunternehmen mit Sitz in Columbus, Georgia. Das im S&P 500 gelistete Unternehmen bietet vor allem Kranken- und Lebensversicherungen an und hat inzwischen mehr als 40 Mio. Kunden in den Vereinigten Staaten und Japan.

Warren Buffett liebt Versicherungen und folgt man seiner jüngsten Einschätzung, ist Japan momentan mehr als eine Wette wert...

Personalabteilungen im Fokus

Im Jahr 1964 und damit nur 10 Jahre nach dem Start überdachte AFLAC sein Vertriebsmodell über Versicherungsvertreter und –makler. Stattdessen ging man dazu über, mit Personalabteilungen großer Firmen zu kooperieren. Von da an boten die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Krebsversicherungen an, den ersten großen Verkaufsschlager von AFLAC. Willigten die Arbeitnehmer ein, wurde der Versicherungsbetrag einfach vom Lohn einbehalten. Durch dieses einfache, aber erfolgreiche Konzept konnte AFLAC überdurchschnittlich stark wachsen.

Ein weiterer wegweisender Schritt war der Markteintritt in Japan, der 1970 erfolgte. Das Konzept überzeugte dermaßen, dass AFLAC heute mehr als 70 % des Umsatzes in Japan erwirtschaftet. Dazu beigetragen hat auch, dass neben Personalabteilungen von Unternehmen zunehmend auch mit Bank- und Postfilialen kooperiert wird. So ist es AFLAC gelungen, sich erfolgreich mit Lebens- und verschiedenen Zusatzversicherungen perfekt auf dem Markt zu positionieren und langfristig zu behaupten.

Risiken

Die starke Fokussierung auf Japan stellt ein Risiko dar, da Japans Bevölkerung schrumpft. Mit einer Rate von 0,12 % pro Jahr ist der Rückgang noch gering, doch auch das Lebensalter der Japaner nimmt ständig weiter zu mit entsprechenden Herausforderungen für den Versicherungssektor.

Zudem gab es erhebliche Probleme mit dem Kooperationspartner Japan Post Holding, bei der Kunden teilweise falsch beraten und ihnen falsche Versicherungen verkauft wurden. Neben dem Vertrauens- und Reputationsschaden entstand auch ein finanzieller Schaden, denn es mussten 287.000 Verträge einzeln und manuell überprüft werden.


Rück- und Ausblick

Quelle: wallstreet-online.de
Der Aktienkurs von AFLAC folgte dem wirtschaftlichen Erfolg und ist in den letzten 10 Jahren deutlich und beinahe unablässig gestiegen. Die Ausnahme war die Corona-Delle, die aber inzwischen überwunden wurde. Die Pandemie führte weltweit zu einer Übersterblichkeit, vor allem bei alten Menschen, was bei den Lebensversicherungen zu einer Häufung von Fälligkeiten führte. Bei den Rentenversicherungen hingegen fielen entsprechend mehr Leistungsempfänger weg.

Eine von AFLACs Kernkompetenzen liegt im Bereich der Krebsversicherungen, die in Japan sehr gefragt sind. Und die Nachfrage dürfte weiter zulegen, da die Regierung inzwischen einen Kurs in Richtung neuer Atomkraftwerke eingeschlagen hat.

Das Geschäftsmodell basiert auf dem starken Vertriebsnetz und die steigenden Zinsen begünstigen die Versicherungsbranche, da sie für ihre eigenen Geldanlagen eine bessere Verzinsung erhält und damit höhere Margen erzielen kann.

Durchwachsenes 1. Quartal

Im 1. Quartal setzte AFLAC 4,8 Mrd. USD um und damit 9,4 % weniger als in Q1/22. Der Nettogewinn belief sich auf 1,2 Mrd. USD bzw. 1,94 USD je Aktie, verglichen mit 1,0 Mrd. USD bzw. 1,60 USD je Aktie vor einem Jahr.

Der Nettogewinn im 1.Quartal 2023 enthielt Nettoinvestitionsgewinne in Höhe von 123 Mio. USD bzw. 0,20 USD je Aktie, verglichen mit Nettoinvestitionsgewinnen in Höhe von 122 Mio. USD bzw. 0,19 USD je Aktie vor einem Jahr. Diese Nettoinvestitionsgewinne wurden durch Nettogewinne aus bestimmten Derivaten und Fremdwährungsaktivitäten in Höhe von 99 Mio. USD und Nettogewinne aus Verkäufen und Rücknahmen in Höhe von 57 Mio. USD erzielt, die beide weitgehend auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sind. Die Nettoverluste aus Kapitalanlagen enthielten auch einen Verlust von 3 Mio. USD aus einem Rückgang des Marktwerts von Aktien und einen Anstieg der CECL-Rückstellungen sowie Wertminderungen des Unternehmens in Höhe von 30 Mio. USD.

Der bereinigte Gewinn belief sich im 1. Quartal auf 953 Mio. USD verglichen mit 942 Mio. USD in Q1/22 (+1,2 %). Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg im 1. Quartal um 7,6 % auf 1,55 USD. Die variablen Kapitalerträge lagen mit 39 Mio. USD bzw. 0,05 USD je Aktie unter den langfristigen Renditeerwartungen des Unternehmens. Der schwächere Yen/Dollar-Wechselkurs wirkte sich mit 0,07  USD negativ auf den bereinigten Gewinn je Aktie aus.

Der durchschnittliche Yen/Dollar-Wechselkurs lag im 1. Quartal 2023 bei 132,30 oder 12,2 % schwächer als der Durchschnittskurs von 116,18 in Q1/22.

Die Gesamtinvestments und Barmittel beliefen sich Ende März 2023 auf 120,5 Milliarden USD, verglichen mit 132,6 Milliarden USD am 31. März 2022. Der Rückgang des Buchwerts des Portfolios ist in erster Linie auf den schwächeren Yen und höhere Zinssätze zurückzuführen.

AFLAC Japan

Blicken wir noch kurz auf das operative Geschäft. Die vereinnahmten Nettoprämien von AFLAC Japan lagen im 1. Quartal bei 287,0 Mrd. Yen oder 5,9 % unter dem Vorjahresniveau, was hauptsächlich auf Produkte mit begrenzter Laufzeit, die den Einzahlungsstatus erreichten, und die Umsetzung von AFLACs globaler Rückversicherungsstrategie zurückzuführen ist. Die bereinigten Nettokapitalerträge stiegen um 2,4 % auf 80,9 Mrd. Yen, was hauptsächlich auf die Auswirkungen von Wechselkursen auf auf Dollar lautende Kapitalanlagen zurückzuführen ist, die durch höhere Absicherungskosten ausgeglichen wurden.

Die gesamten bereinigten Erträge in Yen gingen um 4,1 % auf 369,1 Mrd. Yen zurück. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern in Yen für das Quartal stieg auf ausgewiesener Basis um 3,2 % auf 104,3 Mrd. Yen, was in erster Linie auf niedrigere Leistungen und Aufwendungen zurückzuführen ist, die durch den Umsatzrückgang im Quartal ausgeglichen wurden. Der bereinigte Gewinn vor Steuern ging währungsbereinigt um 3,0 % zurück. Die bereinigte Gewinnmarge vor Steuern für das Segment Japan stieg auf 28,2 %, verglichen mit 26,2 % vor einem Jahr.

In Dollar ausgedrückt sanken die vereinnahmten Nettoprämien im 1. Quartal um 17,3 % auf 2,2 Mrd. USD. Die bereinigten Nettokapitalerträge sanken um 10,1 % auf 611 Mio. USD. Die bereinigten Gesamteinnahmen gingen um 15,8 % auf 2,8 Mrd. USD zurück. Der bereinigte Gewinn vor Steuern ging um 9,4 % auf 788 Mio. USD zurück.

Im Berichtsquartal stieg der Gesamtumsatz an neuen Jahresprämien (also der Umsatz) um 10,8 % auf 13,2 Mrd. Yen bzw. 100 Mio. USD, was in erster Linie auf die fortgesetzte Einführung des neuen Krebsprodukts und der aufgefrischten Produkte des ersten Sektors zurückzuführen ist.

AFLAC U.S.

Die verdienten Nettoprämien von AFLAC U.S. stiegen im 1. Quartal 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 % auf 1,4 Mrd. USD. Die bereinigten Nettokapitalerträge stiegen um 7,1 % auf 197 Mio. USD, was hauptsächlich auf höhere Erträge aus variablen Zinssätzen zurückzuführen ist. Die bereinigten Gesamteinnahmen stiegen um 1,3 % auf 1,7 Mrd. USD. Der bereinigte Gewinn vor Steuern lag mit 352 Mio. USD um 5,7 % höher als im Vorjahr, was in erster Linie auf niedrigere Leistungen und höhere Einnahmen zurückzuführen ist, denen höhere Ausgaben gegenüberstehen. Die bereinigte Gewinnmarge vor Steuern für das US-Segment betrug 21,2 %, verglichen mit 20,3 % vor einem Jahr.

Der Umsatz von AFLAC U.S. stieg im Quartal um 5,3 % auf 315 Mio. USD, was eine kontinuierliche Verbesserung durch Investitionen in Wachstumsinitiativen sowie Produktivitätssteigerungen widerspiegelt.

Meine Einschätzung

AFLAC ist ein interessanter Spezialwert. Der Fokus des US-Versicherers liegt auf Japan und damit ist das Unternehmen seit Jahrzehnten erfolgreich. Nicht nur Warren Buffett richtet seinen Blick auf das Land der aufgehenden Sonne, sondern auch viele andere Investoren, wie z.B. Alternative Asset Manager wie KKR, Blackstone oder Apollo Global Management. Diese haben in den letzten Jahren auch zunehmend Versicherungsunternehmen übernommen, um deren 'Float' als Investitionskapital in die Finger zu bekommen. Damit könnte unter Umständen sogar AFLAC selbst als Übernahmekandidat auf deren Radar auftauchen...

(Noch) kein Dividenden-King

Seit 1973 zahlt man eine Dividende an seine Aktionäre aus und seit 1983 wird diese sogar Jahr für Jahr gesteigert - trotz der Globalen Finanzkrise und der Natur- und Atomkatastrophe in Japan 2011. In den letzten 10 Jahren lag die Steigerung durchschnittlich bei 7 %, in den letzten 5 Jahren sogar bei 13 %.

Die Ausschüttungsquote liegt bei 28,5 % und bietet reichlich Platz für künftige Dividendensteigerungen. AFLAC zählt zu den Dividendenaristokraten und ist auf dem besten Weg zu einem Dividendenkönig, sobald es die 50 Jahre Dividendenanhebungen vollmacht - die ersten 40 sind gemacht.
 
Disclaimer: Habe Apollo Global Management, Berkshire Hathaway, Blackstone, KKR auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

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