Samstag, 20. Januar 2024

Kissigs Kloogschieterei: Die Zinseuphorie ist schon an Ende? Nich euer Ernst!

Das neue Jahr stottert so vor sich hin. War die Jahresendrallye noch von der Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen angetrieben worden, herrschen nun schon wieder Moll-Töne vor. Denn die Inflationsdaten weisen in die falsche Richtung, die Preissteigerungen haben wieder leicht zugenommen. Eigentlich nicht unerwartet, denn überall werden höhere Löhne durchgesetzt, was die Inflation antreibt. Zudem zeigen die Angriffe der Huthi-Rebellen auf den Schiffsverkehr im Roten Meer erste Wirkungen, weil die Schiffe nun die längere Route um das Horn von Afrika nehmen (müssen). Das erhöht nicht nur die Kosten, sondern dauert auch viel länger. Was einige Lieferketten arg strapaziert. So ist Teslas Werk in Grünheide nicht der einzige Leidtragende, der seine Produktion wegen fehlender Teile runterfahren muss.

Auf der anderen Seite zeigen sich die Energiepreise weiterhin entspannt und auch die Mieten in den USA legen nicht mehr so stark zu, während bei Lebensmitteln erste Preiskämpfe zu beobachten sind. Das bremst die Inflation. Doch das reicht nicht. Denn die Börsen hatten schon die ersten Zinssenkungen eingepreist, als würden sie direkt am 2. Januar stattfinden, obwohl sie erst für das 2. Quartal winkten. Nun könnte es sogar noch etwas länger dauern, denn während die Inflationsrate nicht weiter sinkt, zeigen sich US-Wirtschaft und Kreditausfälle robust. Es gibt also bisher keinen Grund für die Fed, bei den Zinsen lockerzulassen.

Diese Aussichten kommen an der Börse nicht so gut an und dämpfen die Erwartungen. Gleichzeitig startete kürzlich die neue Earnings Season und da ist auch nicht viel positives Überraschungspotenzial zu vermuten. Also sieht alles finster aus? Mitnichten. Aber das herbeigeträumte neue 'Goldlöckchen-Szenario' können die Börsianer erstmal wieder in den Schrank hängen und sich auf die harte Realität einstellen: die Unternehmen müssen sich in einem herausfordernden Umfeld bewähren. Das gelingt nicht allen und daher bleibt fundiertes Stock-Picking oberstes Gebot. Das heißt: (Nur) die besten Unternehmen gehören ins Depot, der Risikoappetit sollte weiter gezügelt werden, Geduld und Ausdauer bleibt der Schlüssel zum Börsenerfolg. Und nicht vergessen: Vorfreude ist die schönste Freude! ツ

2 Kommentare:

  1. Ich frage mich auch der Markt auf die Idee kommt Zinssenkungen bereits so früh und in diesem Umfang einzupreisen...
    Wird warscheinlich länger dauern bzw. langsamer sinken wie viele erwarten ....

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  2. Alle Welt scheint zu meinen, dass die Zinsen von ihrem aktuellen Niveau ausgehend strukturell fallen müssten; wenn nicht jetzt, dann eben etwas später.

    Aber wer sagt das eigentlich? Warum sollten sie eigentlich nicht die nächsten 10 Jahren um den aktuellen Wert kreisen? Ist das unwahrscheinlicher? Oder gar steigen? Why not?

    Hey, wir haben die Dekade mit den niedrigsten Zinsen überhaupt hinter uns; ich glaube, in den USA hat es nie eine Dekade (Anfangs- und Endpunkt gern auch rollierend wählbar, das sind dann weit über 100 10-Jahrezeiträume und man kann glaube ich sogar weit über 150 Jahre zurückgehen) mit im Mittel niedrigeren Zinsen gegeben.

    Der Ankereffekt scheint allen zu sagen, dass es jetzt ja wieder in diese Richtung gehen müsste. Aber es hat noch nie ein „normal“ gegeben.

    Ich will gar nicht sagen, dass die Zinsen nicht auch fallen könnten. Natürlich können sie das. Sie können sich aber auch im Zickzack nach oben bewegen oder jetzt noch auf 7% steigen und dann zurück auf 0% gehen und in 10 Jahren wieder bei 4% stehen.

    Der Punkt ist: nobody knows.

    Was kann man tun?
    - Auf hohe oder niedrige Zinsen wetten, indem man sich in den entsprechenden Investments positioniert. (Z. B. „Es wird wieder dauerhaft unter 2% gehen“ oder „die Inflation kommt - ich rechne mit über 6% über viele Jahre“)
    - sich Investments suchen, die mit durchschnittlichenoder/und schwankenden Leitzinsen gut zurechtkommen (z. B. 2% bis 7%) . Und die vielleicht auch noch historisch eher günstig bewertet sind.

    Da ich keine Ahnung habe, was passiert, erscheint mir der zweite der weitaus weniger riskante Weg.

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