Sonntag, 19. Juli 2015

Lese-Tipp: "Der Club der Diebe"

Autor: James B. Stewart

Taschenbuch
Verlag: Ullstein
Auflage: 4 (1994)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548232078

Selbst Insider sahen nicht voraus, dass der große Wall-Street-Boom während der "wilden Achtziger" in einen Finanzskandal von gigantischem Ausmaß münden würde. James B. Steward, Pulitzerpreisträger und Redakteur des New Yorker "Wall Street Journals", erzählt die Geschichte eines der größten Börsenschwindels aller Zeiten und die seiner Akteure. Und darunter sind so illustre Namen wie der des Königs der Junk-Bonds, Michael Milken, des "Corporate Raides" Ivan Boesky und des Firmenjägers Carl Icahn. Aber auch Goldman Sachs und Drexel Burnham Lambert sind mit von der Partie.

Das Buch ist eine hervorragende Tatsachenschilderung über die Gier an der Wallstreet und den (fast) aussichtslosen Kampf der SEC und der Staatsanwaltschaft (unter dem späteren New Yorker Bürgermeister Rudolph Guiliani) gegen die Insider-Clique an der Wallstreet. Sozusagen die Fakten zu Oliver Stones Film Wallstreet mit Michael Douglas in der Rolle des Raiders Gordon Gekko (Filmzitat: "Die Gier ist gut, die Gier ist richtig, die Gier funktioniert, sie klärt die Dinge").

Für mich als eher wirtschafsliberal eingestellten Menschen findet sich hier ein hervorragendes Beispiel, warum der Markt nicht gänzlich sich selbst überlassen werden darf. Denn wenn einige gleicher sind als andere, dann muss der Staat die Regeln so vorgeben, dass alle die selben Chancen bekommen - und der Staat muss die Einhaltung dieser Regeln auch überwachen. Denn dass die Selbstreinigungskräfte des Marktes nicht funktionieren, zeigt die jüngste Finanzkrise auf, die genau nach dem gleichen Muster abläuft, wie die der achtziger Jahre. Der Unterschied ist allerdings, dass damals die US-Regierung die öffentlich-rechtlichen Sparkassen - die auch Opfer der Junk-Bond-Mania wurden - mit 2 Milliarden Dollar an Steuergeldern retten musste. Eine Summe, die heutzutage nur ein müdes Lächeln auslösen kann, wo doch ständig von hunderten von Milliarden die Rede ist und alleine schon das jährliche Defizit des US-Haushaltes mehr als eine Billion Dollar an zusätzlichen Schulden verursacht.

Was dieses Buch so auszeichnet ist, dass es die Geschichte immer aus Sicht einer der Akteure beleuchtet und es dem Autor gelingt, auch deren Seelenlage und die Atmosphäre so stimmig rüberzubringen, dass man meint, sich mitten im Strudel der Ereignisse zu befinden. Am Ende könnte eine Weisheit von Ullrich Wickert stehen: "Der Ehrliche ist der Dumme".

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