Freitag, 11. Januar 2019

Mein Lese-Tipp: "Der Club der Diebe" von James B. Stewart

Selbst Insider sahen nicht voraus, dass der große Wall-Street-Boom während der "wilden Achtziger" in einen Finanzskandal von gigantischem Ausmaß münden würde. James B. Steward, Pulitzerpreisträger und Redakteur des New Yorker "Wall Street Journals", erzählt die Geschichte eines der größten Börsenschwindels aller Zeiten und die seiner Akteure. Und darunter sind so illustre Namen wie der des Königs der Junk-Bonds, Michael Milken, des "Corporate Raides" Ivan Boesky und des Firmenjägers Carl Icahn. Aber auch Goldman Sachs und Drexel Burnham Lambert sind mit von der Partie. Und natürlich "Mr. Diamond".

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Wen die Fakten hinter Oliver Stones Film "Wall Street" mit Michael Douglas in der Rolle des Raiders Gordon Gekko interessieren (Filmzitat: "Die Gier ist gut, die Gier ist richtig, die Gier funktioniert, sie klärt die Dinge"), kommt mit diesem Buch voll auf seine Kosten. Denn "der wichtigste Gebrauchsgegenstand, den ich kenne, ist die Information" - auch dieses Zitat wurde Gekko in den Mund gelegt...


Das Buch ist eine hervorragende Tatsachenschilderung über die Gier an der Wallstreet und den (fast) aussichtslosen Kampf der SEC und der Staatsanwaltschaft (unter dem späteren New Yorker Bürgermeister Rudolph Guiliani) gegen die Insider-Clique an der Wallstreet.

Für mich als eher wirtschaftsliberal eingestellten Menschen findet sich hier ein hervorragendes Beispiel, warum der Markt nicht gänzlich sich selbst überlassen werden darf. Denn wenn einige gleicher sind als andere, dann muss der Staat die Regeln so vorgeben, dass alle die selben Chancen bekommen - und der Staat muss die Einhaltung dieser Regeln auch überwachen. Denn dass die Selbstreinigungskräfte des Marktes nicht funktionieren, zeigt die jüngste Finanzkrise auf, die genau nach dem gleichen Muster abläuft, wie die der achtziger Jahre. Der Unterschied ist allerdings, dass damals die US-Regierung die öffentlich-rechtlichen Sparkassen - die auch Opfer der Junk-Bond-Mania wurden - mit 2 Milliarden Dollar an Steuergeldern retten musste. Eine Summe, die heutzutage nur ein müdes Lächeln auslösen kann, wo doch ständig von hunderten von Milliarden die Rede ist und alleine schon das jährliche Defizit des US-Haushaltes mehr als eine Billion Dollar an zusätzlichen Schulden verursacht.

Was dieses Buch so auszeichnet ist, dass es die Geschichte immer aus Sicht einer der Akteure beleuchtet und es dem Autor gelingt, auch deren Seelenlage und die Atmosphäre so stimmig rüberzubringen, dass man meint, sich mitten im Strudel der Ereignisse zu befinden. Am Ende könnte eine Weisheit von Ullrich Wickert stehen: "Der Ehrliche ist der Dumme".

Titel: "Der Club der Diebe"
Autor: James B. Stewart
Verlag: Ullstein
Auflage: 4 (1994)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548232078

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