Montag, 1. April 2019

Bernard Baruch rät zum Focus Investing: Besser nur auf einige wenige Aktien setzen, die man gut im Blick behalten kann!

An der Frage, ob man auf einen breiten Strauß von Anlagen setzen sollte, oder eher auf einige wenige, sorgfältig ausgewählte Investments scheiden sich seit jeher die Geister. Schon der Volksmund rät bekanntlich, nicht alle Eier in einen Korb zu legen - also das Risiko zu streuen. Und das ist durchaus vernünftig, denn zuerst sollte man immer das Risiko im Blick haben, bevor man auf die möglichen Renditen schaut, das lehrte uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse.

Auf der anderen Seite nimmt einem eine zu breite Streuung auch Chancen, denn wenn man mal einen wirklichen Outperformer erwischt und dieser aufgrund der breiten Streuung nur gering im Depot gewichtet ist, verpufft der positive Effekt und zeigt kaum Auswirkungen. Es ist also eine Abwägungsentscheidung und wie Bernard Baruch hat sich Warren Buffett klar positioniert, in dem er zu einer starken Konzentration rät. Allerdings nicht jedem...


Argumente für eine breite Diversifikation

Eine breitere Streuung über mehrere Werte und Asset-Klassen (Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe, Immobilien) streut das Risiko, das allen Anlegen innewohnt. Es verteilt die Volatilität einzelner Anlagen, weil deren Ausschläge sich dann nicht so stark auswirken, als wenn man nur wenige Werte im Depot hat. Risikostreuung ist per se eine solide Basis bei Investitionsentscheidungen.

Allerdings stellt ein zu breit gestreutes Portfolio letztlich einen eigenen Fonds im Kleinen dar und führt damit das Stock Picking ad absurdum. Wenn man also nicht davon überzeugt ist, selbst die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld lieber in Investmentfonds oder ETFs anlegen. Dazu rät auch Warren Buffett dem Durchschnittsanleger, denn nur wenige Investoren schneiden langfristig besser ab als der Marktdurchschnitt.

Argumente für eine Konzentration auf wenige Werte

Die Gegenposition klingt schlüssig(er): Kaufe nur das Beste. Wenn man sich schon die Mühe macht, Unternehmen genau zu analysieren und sie nur bei einer vorliegenden Unterbewertung zu kaufen, dann sollte sich das auch lohnen. Wenn Value Investoren also die aussichtsreichsten Unternehmen herauszupicken in der Lage sind, dann sollten sie auch nur diese kaufen und nicht den zweit- oder drittbesten Wert.

Denn wenn man zu viele Durchschnittswerte ins Portfolio nimmt, verwässern diese die mögliche außergewöhnliche Performance, die man hätte, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Wert an der Börse entsprechend gestiegen ist. Ist dieser besonders erfolgreiche Wert im Depot nur einer von vielen, und damit entsprechend niedrig gewichtet, wirkt sich sein außergewöhnlicher Anstieg nicht großartig auf die Gesamtperformance des Portfolios aus. Und dann kann man sich das Stock Picking auch sparen, gleich ETFs kaufen und mit seiner zeit etwas anderes anfangen.

»Kaufen Sie nicht zu viele verschiedene Wertpapiere. Setzen Sie besser auf einige wenige Investitionen, die Sie im Blick behalten können.«
(Bernard Baruch)

Aber wir Value Investoren wollen uns ja gerade mit Aktienanlagen beschäftigen, wir sind der Überzeugung, durch unsere akribische Fundamentalanalyse die besten und aussichtsreichsten Unternehmen zu finden und kaufen auch nur deren Aktien.

Value-Ikone Warren Buffett praktiziert dieses sog. "Focus Investing" und rät, man solle nur die besten Unternehmen auswählen - und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen. Diese qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway hat er die fünf größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert. In seiner typisch launischen Art brachte er es einmal so auf den Punkt:

»Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.«
(Warren Buffett)

Für uns Value Investoren ist es ertragreicher, unsere Investments auf einige wenige zu konzentrieren. Wir beschäftigen uns intensiv mit unseren Anlagen bevor wir diese kaufen und wir halten sie dann langfristig und verfolgen ihren Geschäftsverlauf.

Fazit

Beide Investmentansätze haben ihre Vor- und Nachteile und es kommt entscheidend auf die Mentalität des Anlegers an, welche für ihn die richtige ist. Für Otto Normalanleger stellen ETFs wohl die beste Anlageform dar, weil er mit überschaubarem Risiko an der Entwicklung des Aktienmarktes teilnimmt und damit durchschnittlich zwischen 7 und 10 Prozent Rendite pro Jahr erzielen kann.

Wer als Hobbyanleger dennoch auf Einzelwerte setzen möchte, für den dürfte die Risikostreuung die sinnvolle Philosophie sein nach dem Grundsatz von Benjamin Graham, dass Sicherheit vor Rendite geht.

»Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Doch wer sich intensiv mit seinen Aktien beschäftigt, ihre Geschäftsberichte durcharbeitet und die Grundregeln des Value Investings beherzigt, und der somit bereits einen erheblichen Teil der Risikovermeidung bei der Investmentauswahl aktiv betreibt, für den dürfte die Fokussierung auf einige wenige Ankerinvestments aussichtsreicher sein, die dann um kleinere Positionen zur Depotbeimischung ergänzt werden können. Und diesem Investmentansatz folge ich.


Mein Lese-Tipp
▶ "Bernard M. Baruch. Der Weg einer Wall Street-Legende" von James Grant

Kommentare:

  1. Guten Tag,

    bei den Diversifikations-Jüngern, so möchte ich mal die "kaufe doch einfach den MSCI AW und gut ist"-Fraktion bezeichnen, wird sehr gerne vergessen, wie stark ein solcher Index mit den 10 größten Werten aus dem S&P500 korreliert ist. Wozu brauche ich dann eigentlich 2.500 verschiedene Unternehmen, wenn deren Kurse im Schnitt sowieso nur den "Few Big Fishes" folgen?! Könnte hier evtl. ein ganz klitzekleines Interesse der ETF-Branche vorliegen, gutes Geld mit den Gebühren zu verdienen?? Ach waaaas, nieeemals.... ;-)

    Da kaufe ich doch lieber gleich Blackrock als Einzwelwert, der massiv am ETF-Hype verdienen wird und Berkshire Hathaway als "Ersatz" für einen S&P-500-ETF! TER für beide Werte: 0,00 % ! :)

    Beste Grüße
    Patric

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  2. hmpf. Da mache ich wohl viel falsch nach Meinung der Altmeister.
    Zum einen setze ich als Otto-Normalo nicht auf ETFs, sondern auf Aktien.
    Und dann auch noch auf einige wenige, keine breite Diversifizierung.

    Warum? Mir fehlt schlicht die Zeit, so mehrere Werte im Blick zu halten inklusive dem Markt und dem politischem Umfeld. Fühle mich mit nur einem Land und einer Handvoll Werte schon gut ausgelastet.

    Bei ETFs und Fonds schreckt mich die Auswahl der Aktien ab. Manche davon würde ich nicht mal geschenkt haben wollen :)

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  3. Bei schwach diversifizierten Portfolios kann auch das passieren:

    https://www.wikifolio.com/de/de/w/wfitleader

    oder das hier:

    https://www.wikifolio.com/de/de/w/wffutmark1

    Man kann ja gern viel Geld in einem Unternehmen investieren. Ein Monat kann die Perfomance von zwei Jahren wegfressen. Es reicht nur wenn es in einem Unternehmen nicht so läuft wie man sich vorstellt. In den Portfolios waren eben NVIDIA und WIRECARD die Performance-Verderber. Das kann Amazon, Mastercard oder Microsoft auch treffen, keiner ist geschützt insb. wenn man die üppige Bewertung solcher Aktien betrachtet (die übrigens auch Buffett zurzeit nicht kauft - Qualität rechtfertigt nicht jeden Preis).

    Gruß
    Stefan

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    1. Mit einem DAX-ETF ist man ja nun nicht gerade gut gefahren die letzten Jahre - trotz 30 Werten und breiter Diversifikation. RWE, Eon, Deutsche Bank, Commerzbank, Wirecard, Bayer... schönes Gemisch. Es kommt eben entscheidend auf die Auswahl der richtigen Werte an - ob ich nun Einzelaktien kaufe oder einen Indexfonds/ETF. Wenn ich den blind kaufe, ohne mir zumindest die am höchsten gewichteten Aktienwerte darin genauer anzusehen, mache ich mir auch nur selbst etwas vor in Sachen Sicherheit...

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  4. "Schwach diversifiziert" ist hierbei aber ein hübsche Untertreibung... ;-)

    Nur Aktien aus einer Branche zu kaufen gleicht eher Harakiri, hier ist die Korrelation ja noch viel höher als zwischen der Index-Performance und darin den enthaltenen Aktien.

    Don't do that @ home! ;)

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    1. Nö, finde ich nicht. Auch das High Tech Portfolio von Stefan Waldhauser ist fast nur in der Softwarebranche tätig. Nutanix ging gleich mal 30% nach Süden im März, trotzdem sieht man in seinem Chart nicht mal die Delle :)

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  5. Das liegt daran, dass der NASDAQ-100 der MIT ABSTAND stärkste Index über die letzten 5 Jahre ist... aber lass da mal etwas Gewinnmitnahme/Bewertungsfantasie-Luft raus und wir sprechen noch einmal! ;-)

    Beste Grüße
    Patric

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    1. Die größten Werte sind aber nicht alleine im NASDAQ vertreten, sondern auch im S&P 500 und/oder Dow Jones. Wenn diese Werte deutlich im Kurs fallen, taumelt also nicht nur der NASDAQ-Index, sondern die anderen auch. Und dank der Vorreiterrolle der US-Börsen dann auch alle anderen Börsen weltweit. Der DAX oder FTSE100 oder der NIKKEI dürften dann also kein sicherer Hafen sein, sondern mindestens im gleichen Maße mit abschmieren.

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  6. Grundsätzlich Zustimmung. Aber das Argument, dass ein breit gestreutes Portfolio nur Marktperformance haben kann, kann so nicht stimmen. Denn Peter Lynch hatte im Magellan Fonds irgendwann über 1.000 Werte und hat regelmäßig trotzdem ca. 30% p.a. Wachstum rausgeholt?

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  7. Man fragt sich immer wieder warum der norw. Staatsfonds in über 8000 Einzeltitel investiert ? Ich verkaufe übrigens auch sofort wenn der NORWEGER verkauft ! Gruß an die Runde !

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  8. Ein weiterer Vorteil des diversifizierten Portfolios ggü. des ETFs ist, dass man immer einen Wert durch einen anderen ersetzen kann. Wie oben erwähnt ist ein stark diversifiziertes Portfolio keine Neuerfindung und man kann analog Peter Lynch ebenfalls erfolgreich sein. Die letzten 3 Jahre habe ich mit 30-40 Werten im Portfolio den S&P Index geschlagen und ich habe kein Problem damit viele tolle Unternehmen im Depot zu haben.

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    1. Hm... ich hatte eine Zeit lang mehr als 10 Beteiligungsgesellschaften in meinem Depot. Nach dem Motto, wenn die eine mal gerade nicht läuft, läuft eine andere. Aber bringt das wirklich eine bessere Performance? Und ein höheres maß an Sicherheit? Das ist doch die Frage. Wenn ich nur drei Beteiligungsgesellschaften im Depot habe, aber die auf Basis meiner Analyse/Bewertung aussichtsreichsten, und in diese drei so viel Geld investiere, wie ansonsten in die zehn, dann macht das erstmal keinen Unterschied, da ich ja gleich viel Geld eingesetzt habe. Zwischen relevanten Meldungen und Kurssprüngen vergeht mehr Zeit, es ist also weniger Action im Depot (weil man ja nur drei Werte covert, nicht zehn mit entsprechender Anzahl an News, Berichten, HVs etc.). Aber wenn man davon ausgeht, dass sich die zehn Aktien am Ende des Jahres alle um 15% nach oben entwickelt haben, dann hätte man die gleiche Erwartung, würde man nur eine (oder drei) davon kaufen. Gehe ich nun aber davon aus, dass ich in der Lage bin, die drei Unternehmen herauszufiltern, die etwas besser laufen werden als die anderen sieben (und damit meine ich die Unternehmensentwicklung, nicht den Kurs!), dann wäre es doch geradezu dumm, sich nicht auf diese drei vermeintlich besten zu konzentrieren, sondern alle zehn ins Depot zu legen, oder? Und genau aus dieser Überlegung heraus habe ich nicht mehr zehn Beteiligungsgesellschaften im Depot, sondern weniger. Dafür aber teilweise mehr Geld in den einzelnen Werten. Fokussiert(er) eben.

      Und noch ein Aspekt: wenn man auf die richtige Branche gesetzt hat, dann wirkt sich das natürlich besonders aus. Geht Software und man hat 20 Softwarefirmen im Depot, hat man vermutlich eine Outperformance ggü. dem breiten Markt. Gehen US-Banken, liegt Buffett vorne mit seinem bunten Strauß - den er allerdings vor allem deshalb hat/haben muss, weil er aus regulatorischen Gründen nicht mehr als 10% der Aktien einer einzelnen Bank besitzen darf (sonst würde Berkshire als systemrelevant eingestuft mit entsprechend negativen/kostspieligen Folgen für BH). Daher muss er auch ständig Wells Fargo-Aktien verkaufen, da sein Anteil wegen deren Aktienrückkäufen sonst immer wieder über diese 10%-Marke steigen würde).

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    2. Ich halte gerade 35 Unternehmen aus 16 nicht zyklischen oder weniger zyklischen Branchen, also 2-3 Unternehmen pro Branche im Durchschnitt mit 25% Cash. Meine Gesamtperformance seit Anfang des Jahres ist 16,5%. Mein Risiko ist breit gestreut, ich habe Turnarounds, stetige Werte, Dividendenaktien und Wachstumsaktien. Ich muss mir keine Sorgen machen, wenn eine Aktie um 20% einbricht. Und die Cashposition erlaubt mir Flexibilität in Seitwärtsphasen. Damit bin ich vollkommen zufrieden.

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  9. Verzeihen Sie die etwas bissige Frage, aber warum haben Sie dann ~79 Titel auf der Empfehlungsliste, wäre es hier nicht leicht eine noch deutlichere Überperformance zu erzielen?

    Danke, für den Mehrwert den Sie hier für uns Leser schaffen!

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    1. Meine Beobachtungsliste ist "nur" eine Übersicht über die Werte, die ich auf dem Schirm habe und über die ich hier im Blog vergleichsweise regelmäßig berichte. Wie ich seit Jahren immer wieder betone: sie ist nicht identisch mit meinem Depot. Allerdings finden sich die meisten meiner Depotwerte auch auf der Beobachtungsliste wider (aber eben nicht umgekehrt).

      Der Investmentprozess sollte ja so ablaufen, dass man sich erst viele Gedanken über ein Unternehmen macht und möglichst viel/alles darüber in Erfahrung bringt, bevor man dessen Aktien kauft. Dann reduziert sich im Anschluss an den kauf der Aufwand, weil man "nur" noch überwachen muss, ob der eigene Investmentcase intakt bleibt und das Unternehmen sich in den gewünschten und erwarteten Bahnen entwickelt. Und sollte sich etwas Schwerwiegendes ereignen, muss man dieses eben einbauen. Viele Anleger machen es aber genau anders herum: sie schnappen irgendeine Idee auf und kaufen dann sofort die Aktie aus Angst, irgendwas zu verpassen. Und dann "lesen sie sich mal ein". Also zwei, drei Artikel oder Kommentare zum Unternehmen. Geschäftsberichte eher nicht. Was dazu führt, dass sie bei jeder Meldung unsicher sind, wie sich die auf das Unternehmen auswirkt. Und ihre eigene Einschätzung dazu dann vom Verhalten des Marktes abhängig machen. Fällt der Kurs, war die Meldung wohl schlecht, Steigt er, war sie wohl gut. Dabei muss jedem halbwegs vernünftigen Anleger klar sein, dass diese Herangehensweise kaum erfolgversprechend ist und auf lange Sicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Underperformance führt, weil man immer nur den Kursen hinterher hechelt und sich nicht auf den Wert des Unternehmens fokussiert - ist natürlich auch schwieriger, eine Unternehmensentscheidung wirklich nachzuvollziehen und daraufhin abzuklopfen, wie sie sich wohl mittel- und langfristig auf das Unternehmen auswirkt. Vor allem, wenn man das Unternehmen gar nicht kennt bzw. nur eine halbe Seite in irgendeinem Börsenblatt darüber gelesen hat (oder einem Börsenblog).

      Und damit komme ich zur mir und diesem Blog: ich schreibe hier meine Meinung, meine Einschätzung. Und die begründe ich. Damit ist weder mein eigener Investmentprozess zu ende, noch sollte es der von meinen Lesern sein. Ich gebe nur Anregungen und dabei unterlaufen mir auch Fehler, ich gewichte Dinge falsch oder übersehe wichtige Aspekte. Nicht selten merke ich das dann durch das Leserfeedback und schaue mir die Sache nochmal genauer und ggf. unter einem anderen Blickwinkel an. Ist natürlich blöd, wenn ich dann nach kurzer Zeit öffentlich zurückrudern und meinen Irrtum eingestehen muss (passiert auch Buffett, der nach nur wenigen Wochen sein Milliardeninvestment in Oracle wieder abgestoßen hat mit den Worten "Ich habe mich geirrt"). Aber genau aus diesem Grund habe ich dieses Blog ins Leben gerufen, um Input, Feedback, Kritik, Anregungen zu erhalten. Und über die Jahre ändere ich auch meine grundlegende Einstellung zum Investieren bzw. zu einzelnen Aspekten davon. Das Quality Investing war nicht mein bevorzugter Anlagestil, als ich das Blog 2011 startete. Und momentan ringe ich mit meiner Überzeugung zum Sinn und Zweck einer Cash-Quote. Ein Empfinden dazu habe ich bereits, jetzt arbeite ich daran, das auszuformulieren. Das ist manchmal wirklich faszinierend: über einen Sachverhalt zu schreiben und ihn argumentativ nachvollziehbar zu formulieren, bringt bisweilen mit sich, dass ich während des Verfassens meine Meinung ändere bzw. hinterfrage. Weil ich über etwas stolpere, was nicht stimmig ist, was mein Analyseergebnis infrage stellt. Und gerade bei wichtigen Punkten, wo ich nach Jahren meine Meinung ändere, wird mir das natürlich eine Menge Kritik einbringen. Das ist für mich kein Grund, es zu lassen. Aber schon, mir besonders sicher zu sein.

      Okay, das war jetzt irgendwie nicht Deine Frage, aber ich war grad so schön im Fluss... ^^

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  10. Man darf nicht vergessen, dass Bernard Baruch von 1870-1965 lebte, also zu einer Zeit, in der der Zugang zu Informationen deutlich schwerer war als heute. Viele Unternehmensdaten waren damals schlichtweg nicht oder nur schwer zu bekommen. Dadurch war es damals sicher sinnvoller, sich auf wenige Anlagen zu konzentrieren, die man im Auge behalten konnte. Das ist heute sicher anders.

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    1. Darauf würde ich frei nach Buffett entgegnen: An Informationen zu gelangen ist heute sicherlich leichter, aber nicht einfacher. ;-) Klar, es gibt eine Unmenge an Informationen und dank Google können wir auf die meisten sehr schnell zugreifen. Aber genau das ist auch das Problem: es sind so viele unnütze Informationen dabei, dass man alleine wegen der Menge gar nicht mehr die wirklich wichtigen Infos mitbekommt. Oder einfach wahnsinnig viel zeit damit verschwendet, den ganzen Informationsballast auszusieben. Wer mal nach amerikanischen Unternehmen googelt und auf der Suche nach handfesten Infos ist (und ich meine jetzt nicht die Blue Chips), der stößt fast nur auf Bullshit, auch KI-generierte Pseudo-Nachrichten ohne Substanz. Und auch in Deutschland nimmt das langsam Überhand, was da an recyceltem Infomüll über uns ausgekippt wird. Meine Google Alerts bei den meisten deutschen Nebenwerten kannste inzwischen vergessen. Ständig Meldungen von Aktiencheck, wo es immer nur darum geht, dass sich der Kurs ein paar Cents bewegt hat und dann kommt da irgendein Pseudo-Bullshit hinterher, der mich Null interessiert und Null Relevanz hat für die Bewertung einer Aktie. Oder die ganzen gleichen Nachrichten, die von unterschiedlichen Medien verbreitet werden, wobei nur die Überschrift geändert wurde (4investors und Nebenwerte Magazin sind hier zu eher Hofberichterstattern ohne eigenen redaktionellen Input mutiert). Oder gleich die selben Inhalte nur von verschiedener Seite, wie z.B. Pröbstl mit seiner Value Depesche, dann in Börse Online, dann bei Euro am Sonntag und dann noch mal auf finanzen.net.

      Wenn man alleine investiert ohne Backoffice, wo andere die Kernerarbeit machen und einem dann nur die Summary vorgelegt wird zur Entscheidung, dann muss/sollte man sich auf einige wenige Werte konzentrieren. Ansonsten ist man nur oberflächlich dabei und kaum wirklich im Thema. Auf diesem Niveau macht dann die Geldanlage in Indexfonds und/oder ETFs wieder mehr Sinn aus meiner Sicht.

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  11. Das mit dem Sieben ist sicher richtig. Allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass die Novellierung des Aktiengesetzes erst 1965 erfolgte und die alten Fassung von 1937 doch in vielen Punkten nicht sehr Aktionärsfreundlich war. Heute gibt es z.B. §131, außerdem meist Quartalsberichte und eine deutlich präsentere Öffentlichkeit. Dadurch werden Fehlentwicklungen in Unternehmen zumeist früher sichtbar - außer natürlich bei Enron und ähnlichen Konsorten, aber da steckt dann ja auch eher kriminelle Energie dahinter :-)

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  12. Hi,

    ich finde das schon richtig was gesagt wird - für einen Gewissen Typus Investor ... jedoch finde ich wenn man auf den "Friedhof des Kapitals" schaut schon den ein oder anderen etablierten Profi dem das Fokusieren stark getroffen hat - wie soll da ein Privater mit ungelich weniger Research-Ressourcen sich sicher sein können. Da muss ich an Buffetts Rule 1 denken.

    Beispiele die mir spontan einfallen:
    Ackman (HLF short, Valeant long), Sequoia (Valeant), Einhorn, Bruce Berkowitz (Sears Fannie Freddy), Eddy Lampert (Sears), Welcher Guru hat sich an Horsehead/ZINC nochmal verbrannt...

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    1. Wenn man alles/viel auf eine Karte setzt, muss man natürlich auch wissen, wie man mit dem Risiko umgeht. Und die von Dir genannten "Gurus" haben genau dies vernachlässigt. Dabei hätten sie sich nur ein Beispiel an George Soros nehmen zu brauchen!

      "Es kommt nicht darauf an, ob man richtig liegt oder falsch. Entscheidend ist, wie viel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt. (...) Mein Ansatz funktioniert nicht, weil er zutreffende Prognosen macht, sondern weil er mir erlaubt, falsche Prognosen wieder zu korrigieren."
      (George Soros)

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    2. Was gibt es hier zu wissen? Ergebnis verfehlt, Aktie rauscht 20% nach Süden und zwei Wochen später noch weitere 10%. Portfolio mit 6-7 Aktien komplett ausgebombt noch bevor Du den Bericht geöffnet hast und die coolen Sprüche von Soros helfen auch nicht viel :D

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    3. Ach nicht zu vergessen Buffett mit Kraft Heinz :D

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  13. Hallo,
    ich bin seit ca.4-5 Jahren wieder im (Einzel)Aktiengeschäft, es ist auch ein Posten dabei, den ich noch mit DM bezahlt habe. Insgesamt habe ich 12 Titel im Depot, mehr will ich nicht haben, evtl. gehe ich runter auf 10. Ich werde aber mit Sicherheit 1-2 austauschen. Nicht alles ist "Value" aber hat sich doch teils ansehnlich entwickelt.

    Gruß
    Joe

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  14. Hallo Michael,
    habe diesen tollen Artikel auf meiner Webseite unter "Anlagestrategie" verlinkt.
    Schöne Grüße
    Uwe

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