Samstag, 8. Juli 2017

Konzentration statt Diversifikation

An der Frage, ob man eher auf wenige, sorgfältig ausgewählte Investments setzen sollte, oder eher auf einen breiten Strauß von Anlagen, scheiden sich seit jeher die Geister. Wenn man nicht davon überzeugt ist, selbst die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld lieber in Investmentfonds oder ETFs anlegen, anstatt in Einzelwerte zu investieren.

Pro Diversifikation
Eine breitere Streuung über mehrere Werte und Assetklassen (Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe, Immobilien) streut das Risiko, das allen Anlegen innewohnt. Es verteilt die Volatilität einzelner Anlagen, weil deren Ausschläge sich dann nicht so stark auswirken, als wenn man nur wenige Werte im Depot hat. Risikostreuung ist per se eine solide Basis bei Investitionsentscheidungen.

Ein zu breit gestreutes Portfolio, bei dem einzelne Werte jeweils max. 5 Prozent des Gesamtbestands ausmachen, ist letztlich ein eigener Fonds im Kleinen.

Pro Konzentration
Andererseits verwässern zu viele Werte auch die mögliche außergewöhnliche Performance, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Wert an der Börse entsprechend gestiegen ist. Ist er im Depot dann allerdings nur einer von vielen und damit entsprechend niedrig gewichtet, wirkt sich sein außergewöhnlicher Anstieg auch nicht großartig auf die Gesamtperformance des Portfolios aus.

»Kaufen Sie nicht zu viele verschiedene Wertpapiere. Setzen Sie besser auf einige wenige Investitionen, die Sie im Blick behalten können.«
(Bernard Baruch)

Wer sich intensiv mit seinen Anlagen beschäftigt, und zwar bevor er diese kauft, und diese dann langfristig hält und ihren Geschäftsverlauf verfolgt, für den dürfte es ertragreicher sein, seine Investments auf einige wenige zu konzentrieren. Value-Ikone Warren Buffett praktiziert dieses sog. "Focus Investing" und rät, man solle nur die besten Unternehmen auswählen - und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen. Diese qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway hat er die fünf größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert. In seiner typisch launischen Art brachte er es einmal so auf den Punkt:

»Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.«
(Warren Buffett)

Fazit
Beide Investmentansätze haben ihre Vor- und Nachteile und es kommt entscheidend auf die Mentalität des Anlegers an, welche für ihn die richtige ist. Für Otto Normalanleger, der auf Einzelwerte setzt, dürfte die Risikostreuung die sinnvolle Philosophie sein nach dem Grundsatz von Benjamin Graham, dass Sicherheit vor Rendite geht.

»Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Wer sich intensiv mit seinen Aktien beschäftigt, ihre Geschäftsberichte durcharbeitet und die Grundregeln des Value Investings beherzigt, und der somit bereits einen erheblichen Teil der Risikovermeidung bei der Investmentauswahl aktiv betreibt, für den dürfte die Fokussierung auf einige wenige Ankerinvestments aussichtsreicher sein, die dann um kleinere Positionen zur Depotbeimischung ergänzt werden können. Und diesem Investmentansatz folge auch ich.

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