Mittwoch, 11. April 2018

Bernard Baruch rät, besser nur auf einige wenige Aktien zu setzen, die man im Blick behalten kann

An der Frage, ob man eher auf wenige, sorgfältig ausgewählte Investments setzen sollte, oder eher auf einen breiten Strauß von Anlagen, scheiden sich seit jeher die Geister. Schon der Volksmund rät bekanntlich, nicht alle Eier in einen Korb zu legen - also das Risiko zu streuen. Und das ist durchaus vernünftig, denn zuerst sollte man immer das Risiko im Blick haben, bevor man auf die möglichen Renditen schaut, das lehrte uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse.

Auf der anderen Seite nimmt einem eine zu breite Streuung auch Chancen, denn wenn man mal einen wirklichen Outperformer erwischt und dieser aufgrund der breiten Streuung nur gering im Depot gewichtet ist, verpufft der positive Effekt und zeigt kaum Auswirkungen. Es ist also eine Abwägungsentscheidung und Warren Buffett hat sich klar positioniert, in dem er zu starker Konzentration rät. Allerdings nicht jedem...

Argumente für eine breite Diversifikation
Eine breitere Streuung über mehrere Werte und Assetklassen (Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe, Immobilien) streut das Risiko, das allen Anlegen innewohnt. Es verteilt die Volatilität einzelner Anlagen, weil deren Ausschläge sich dann nicht so stark auswirken, als wenn man nur wenige Werte im Depot hat. Risikostreuung ist per se eine solide Basis bei Investitionsentscheidungen.

Allerdings stellt ein zu breit gestreutes Portfolio letztlich einen eigenen Fonds im Kleinen dar und führt damit das Stock Picking ad absurdum. Wenn man also nicht davon überzeugt ist, selbst die besten Unternehmen auswählen zu können, sollte man sein Geld lieber in Investmentfonds oder ETFs anlegen. Dazu rät auch Warren Buffett dem Durchschnittsanleger, denn nur wenige Investoren schneiden langfristig besser ab als der Marktdurchschnitt.

Argumente für eine Konzentration auf wenige Werte
Die Gegenposition klingt schlüssig(er): Kaufe nur das Beste. Wenn man sich schon die Mühe macht, Unternehmen genau zu analysieren und sie nur bei einer vorliegenden Unterbewertung zu kaufen, dann sollte sich das auch lohnen. Wenn Value Investoren also die aussichtsreichsten Unternehmen herauszupicken in der Lage sind, dann sollten sie auch nur diese kaufen und nicht den zweit- oder drittbesten Wert.

Denn wenn man zu viele Durchschnittswerte ins Portfolio nimmt, verwässern diese die mögliche außergewöhnliche Performance, die man hätte, wenn man mit seiner Auswahl eigentlich genau das richtige Unternehmen gefunden hat und der Wert an der Börse entsprechend gestiegen ist. Ist dieser besonders erfolgreiche Wert im Depot nur einer von vielen, und damit entsprechend niedrig gewichtet, wirkt sich sein außergewöhnlicher Anstieg nicht großartig auf die Gesamtperformance des Portfolios aus. Und dann kann man sich das Stock Picking auch sparen, gleich ETFs kaufen und mit seiner zeit etwas anderes anfangen.

»Kaufen Sie nicht zu viele verschiedene Wertpapiere. Setzen Sie besser auf einige wenige Investitionen, die Sie im Blick behalten können.«
(Bernard Baruch)

Aber wir Value Investoren wollen uns ja gerade mit Aktienanlagen beschäftigen, wir sind der Überzeugung, durch unsere akribische Fundamentalanalyse die besten und aussichtsreichsten Unternehmen zu finden und kaufen auch nur deren Aktien.

Value-Ikone Warren Buffett praktiziert dieses sog. "Focus Investing" und rät, man solle nur die besten Unternehmen auswählen - und von diesen dann so viele Aktien wie möglich kaufen. Diese qualitative Selektion schließt eine zu große Streuung faktisch aus und im Portfolio seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway hat er die fünf größten Positionen mehr als 20 Jahre lang nicht verändert. In seiner typisch launischen Art brachte er es einmal so auf den Punkt:

»Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.«
(Warren Buffett)

Für uns Value Investoren ist es ertragreicher, unsere Investments auf einige wenige zu konzentrieren. Wir beschäftigen uns intensiv mit unseren Anlagen bevor wir diese kaufen und wir halten sie dann langfristig und verfolgen ihren Geschäftsverlauf.

Fazit
Beide Investmentansätze haben ihre Vor- und Nachteile und es kommt entscheidend auf die Mentalität des Anlegers an, welche für ihn die richtige ist. Für Otto Normalanleger stellen ETFs wohl die beste Anlageform dar, weil er mit überschaubarem Risiko an der Entwicklung des Aktienmarktes teilnimmt und damit durchschnittlich zwischen 7 und 10 Prozent Rendite pro Jahr erzielen kann.

Wer als Hobbyanleger dennoch auf Einzelwerte setzen möchte, für den dürfte die Risikostreuung die sinnvolle Philosophie sein nach dem Grundsatz von Benjamin Graham, dass Sicherheit vor Rendite geht.

»Das Ziel des Investierens ist, Situationen zu finden, wo es sicher ist, nicht zu diversifizieren.«
(Charlie Munger)

Doch wer sich intensiv mit seinen Aktien beschäftigt, ihre Geschäftsberichte durcharbeitet und die Grundregeln des Value Investings beherzigt, und der somit bereits einen erheblichen Teil der Risikovermeidung bei der Investmentauswahl aktiv betreibt, für den dürfte die Fokussierung auf einige wenige Ankerinvestments aussichtsreicher sein, die dann um kleinere Positionen zur Depotbeimischung ergänzt werden können. Und diesem Investmentansatz folge ich.

Kommentare:

  1. Wieder einmal wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich fühle mich mit meinen 10 Positionen sehr wohl und gut diversifiziert.

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  2. Wie viele Positionen besitzt du denn, Michael?

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    1. Bis zu 25. Allerdings sind darunter auch eine Reihe von kleineren Positionen und eben meine Kerninvestments. Die ich deutlich höher gewichtet habe und auch kaum verändere.

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