Sonntag, 29. April 2018

Weshalb ich auf Stock-Picking setze und nicht in Fonds oder ETFs investiere

Unter Stock-Picking versteht man das Investieren in einzelne Aktien (engl. Stocks) und es ist die Grundlage der Strategien sowohl von Value Investoren als auch von Quality Investoren.

Durch gezieltes Investieren in Aktien einer bestimmten Gesellschaft, eines bestimmten Marktes oder Sektors wird eine überdurchschnittliche Rendite erwartet. Dabei ist der Grundgedanke, dass anhand einer fundamentalen Analyse der Kennzahlen eines Unternehmens und des Marktes, in dem es sich bewegt, diejenigen herausgefiltert werden können, die sich langfristig besser entwickeln werden als der Gesamtmarkt bzw. ihr Vergleichsindex. Entweder aufgrund ihrer besonders attraktiven Bewertung oder wegen ihrer herausragenden Marktstellung ("Moat"). Oder beidem.

»Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten. Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cents dafür.«
(Warren Buffett)

Das Stock-Picking steht damit in Konfrontation zu der Erkenntnis, dass die meisten Anleger schlechter abschneiden als der Markt. Auch und vor allem die Profis! Allerdings gibt es eine Reihe von Investoren, die über lange Zeiträume bessere Ergebnisse abliefern, wie Bernard Baruch, Warren Buffet, Benjamin Graham, Philip A. Fisher, Peter Lynch, George Soros, Charlie Munger, Walter Schloss oder John Templeton. Es kann also als erwiesen gelten, dass Stock-Picking erfolgreich ist - wenn man es denn richtig macht.


»Wenn du alle Fakten zusammen hast, kann deine Entscheidung richtig sein; wenn du nicht alle Fakten zusammen hast, kann sie nicht richtig sein.«
(Bernard Baruch)

Und das bedeutet vor allem, sich vor dem Kauf einer Aktie intensiv mit dem Unternehmen, seinem Business, seinen Geschäftszahlen zu beschäftigen und und hierauf basierend eine Bewertung vorzunehmen.

Es liegt also am jeweiligen Investor selbst, ob er mit Stock-Picking Erfolg haben kann, aber es ist keine Strategie für den Feierabend-Anleger. Otto Normalanleger sollte sich jedoch nicht vom Investieren in Aktien abschrecken lassen, sondern ggf. in ETFs oder Indexfonds investieren, die als aussichtsreich und für ihn Risiko ärmer gelten können.

»Jeder kann Geld mit Aktien verdienen, wenn er nur seine Hausaufgaben macht.«
(Peter Lynch)

Deshalb bin ich ein Stock-Picker
Schon als Jugendlicher, seit meinem ersten Aktienkauf, hat mich die Faszination Börse gepackt und nie wieder losgelassen. Wenngleich es harte Zeiten gab, wie die Börsencrashs 1990, 2000-2003 oder 2008. Ich habe in meinen 30 Jahren an der Börse viele Fehler gemacht und es hat lange Zeit gedauert und viel Lehrgeld gekostet, bis ich meinen eigenen Investmentstil gefunden habe: Ich beherzige die Lehren Benjamin Grahams, Warren Buffets, Peter Lynchs und Philip A. Fishers - je nachdem, in welchem Segment ich mich bewege. Mal setze ich auf unterbewerte, vernachlässigte Nebenwerte, mal auf Turnaround-Spekulationen, mal auf Quality Investments mit breitem Burggraben - und bisweilen auf relativ Wachstumswerte.

Ich hatte die Chance, mein Hobby zum Beruf zu machen und ich habe diese Chance ergriffen. Ich beschäftige mich gerne mit Aktien, mit den ihnen zugrunde liegenden Unternehmen, und dem Versuch herauszuarbeiten, wo sich besondere Chancen verbergen. Sei es durch eine deutliche Unterbewertung oder aber durch noch nicht angemessen gewürdigte Potenziale. Und weil ich diese Herausforderung mag, kommen für mich Indexfonds oder ETF-Investments nicht infrage. Wenn ich mir ein Haus kaufe, will ich nicht irgendeines haben und auch bei einem Auto ist es mir nicht egal, was ich da bekomme. Ich suche mir genau das richtige für mich aus, das eine, das meinen Anforderungen entspricht, das mir gefällt, mit dem ich mich wohlfühle. Und für das ein angemessener Preis aufgerufen wird. Ich suche und kaufe selektiv. Und das mache ich auch bei Aktien, diesen ganz besonderen Unternehmensanteilen.

Ich bin Stock-Picker, weil es das ist, was ich mag, weil es das ist, was ich kann. Und weil es das ist, womit ich mein Geld verdiene.

Kommentare:

  1. Dieser Satz verdient zitiert und eigerückt zu werden, wie die Weisheiten von Buffet, Baruch und Lynch:

    Wenn ich mir ein Haus kaufe, will ich nicht irgendeines haben und auch bei einem Auto ist es mir nicht egal, was ich da bekomme. Ich suche mir genau das richtige für mich aus, das meinen Anforderungen entspricht, das mir gefällt, mit dem ich mich wohlfühle.
    (Michael C. Kissing)

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  2. Einer der besten Value-Investing Blogs im deutschsprachigen Raum. Es ist mir immer wieder eine Freude Deine Einschätzungen und Motivationen zu lesen. Für die Entwicklung des eigenen Investment-Stils, vor allem in Phasen des Zweifels, ist dieser Blog ein ausgezeichnetes Lehrbuch, um eigene Gedankengänge abzugleichen. Glückwunsch, dass Du Dein Hobby zum Beruf machen konntest und ich bin gespannt auf weitere tolle Beiträge!

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  3. Super Artikel und wieder einmal sehr inspirierend. An welcher Lehre deiner genannten Investoren orientierst du dich, wenn diese gegensätzliche Ansichten haben. Beispiel Zyklische Dividendenwerte. Ein Warren Buffet hält ja bspw. Energieversorger über Jahrzehnte, währen Lynch diese nach einem Kursanstieg wieder abstößt.

    Gruß Martin

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    1. Sind denn Energieversorger zyklische Aktien? Früher galten sie als Witwen- und Waisenpapiere, weil sie solide und beständig waren hinsichtlich der Kursentwicklung und hohe Dividenden ausschütteten. Das hat sich durch die erneuerbaren Energien, viel mehr jedoch durch die Energiewende verändert. Buffett meinte einmal, mit Energiewerten könnte man kein Vermögen machen, aber eines behalten. Er setzt ja auf Energieunternehmen, die vor allem die Netze kontrollieren. Und damit einen starken Burggraben aufweisen und vergleichsweise geringe Schwankungen bzgl. der Margen und Renditen. Und zuletzt eben auch auf regenerative Energien - wohl nicht nur aus Renditegesichtspunkten, sondern auch gesellschaftlich-ökologischem Verantwortungsgefühl heraus.

      Und gerade beim Vergleich zwischen Buffett und Lynch muss man eben auch sehen, dass Lynch als Fondsmanager Restriktionen unterlegen war bzgl. dem max. Anteil den einzelne Unternehmen und Branchen in seinem Fonds haben durften. Und natürlich der Performance des Fonds, die in der Öffentlichkeit und für das Marketing sehr wichtig waren. Buffett wiederum ist die Entwicklung der Aktien von Berkshire egal. Ich behaupte mal, dass er keine einzige Anlageentscheidung trifft unter dem Blickwinkel, ob sich diese positiv oder negativ auf den Aktienkurs von Berkshire Hathaway auswirkt. Er will einfach immer mehr Anteile an den besten Unternehmen der Welt haben und am besten das ganze Unternehmen. Die Kurssteigerung der Berkshire-Aktien ist quasi ein Kollateralerfolg seiner Investmentphilosophie...

      Konkret zu Deiner Frage, wie ich mich ggf. verhalte, wenn meine Vorbilder vermeintlich gegenteilige Positionen beziehen: es kommt drauf an. Ich stelle meinen Investmentcase auf und füge die Meinung des einen bei Pros und die des anderen bei den Contras hinzu. Und dann wäge ich ab. Am Ende komme ich zu meiner eigenen Einschätzung und die setze ich dann um.

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  4. Ja, Value Investing hat seine Berechtigung. Aber das mit dem Haus- oder Autokauf ist meiner Meinung nach ein wirklich schlechter Vergleich.

    "Wenn ich mir ein Haus kaufe, will ich nicht irgendeines haben und auch bei einem Auto ist es mir nicht egal, was ich da bekomme. Ich suche mir genau das richtige für mich aus, das meinen Anforderungen entspricht, das mir gefällt, mit dem ich mich wohlfühle."

    Das ist ja nicht mal ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen mehr :D Also bei einem Immobilieninvestment (Investment, keine Eigennutzung) kann ich zwar ein kleines bisschen zustimmen. Aber selbst da kann es ratsam sein, sich an hunderten Immobilien mit kleineren Beträgen zu beteiligen, statt sich auf eine Immobilie mit "vollem" (zumindest größerem) Einsatz zu beschränken. Natürlich kauft man nicht einfach "irgendetwas". Aber wenn mir ein ETF eine ordentliche Rendite bei minimalem Zeitaufwand beschert, soll mir das recht sein. Ein Auto wird NICHT nach Renditegesichtspunkten oder positiver erwarteter Wertentwicklung gekauft. Und ein breit gestreuter ETF entspricht den Bedürfnissen der meisten Anleger wesentlich besser.

    Und ja, damit hat auch Geldanlage in ETFs/Fonds ihre Berechtigung. Wobei das eigentlich ganz gut eingeräumt wurde im Artikel..

    Für mich gibt es einen entscheidenden Grund, kein Value Investing zu betreiben. Und das ist auch der Grund, weshalb ich es dem Großteil der Anleger nicht empfehlen würde. Es braucht Zeit! Dazu kommen Geduld und der Wille zu lernen. Das Verhältnis Ertrag/Aufwand ist für den normalen Anleger absolut ungeeignet. Lohnt sich nicht. Wenn es Spaß macht, eine Art Hobby ist und mit der Zeit erfolgreich praktiziert wird - gerne. Ansonsten - ungern.
    Vor allem für mich als Student macht Stock Picking nur sehr begrenzt Sinn. Musste gerade mal suchen, wann ich da einen Beitrag verfasst habe:

    https://depotstudent.de/darum-kaufe-ich-als-student-keine-aktien/

    Dabei geht es allerdings nicht nur um die Idee des Stock Picking, es geht genauso um das Investment in eine überschaubare Zahl an Einzelaktien. Zu wenig Kapital für ausreichende Diversifikation und nicht das Verlangen, durch extremen Zeitaufwand vielleicht nach einiger Zeit tatsächlich eine Überrendite zu erzielen. Eventuell ist sie nur marginal, vielleicht lohnt sich das Ganze tatsächlich.

    Ich bin jedenfalls dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe, in ETFs zu investieren und kein Stock Picking betreiben muss.

    Beste Grüße vom Depotstudent :)

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    1. Naja, wenn Du sagst, Du hat keine Zeit (und keine Lust?) Dich mit Einzelwerten und deren Geschäftsberichten zu beschäftigen und auch nicht genügend Geld, um in einzelne Aktien zu investieren, beschreibst Du Deine Situation ja genau als die, zu der ich ebenfalls rate, den "breiten Markt" zu kaufen. Also in Fonds und/oder ETFs zu investieren. Mach das, ist eine gute Entscheidung - für Dich.

      Ich habe die Zeit und die Lust und das Geld (leider noch immer zu wenig für meinen Geschmack), mich mit Aktien, Unternehmen, Geschäftsberichten zu beschäftigen. Und ich habe auch schon 30 Jahre Erfahrungen gesammelt. Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen Investments bessere Ergebnisse erziele als der Markt. Nicht in jedem Jahr, aber im Durchschnitt auf lange Sicht. Daher betreibe ich Stock-Picking. Und ich denke, dass es für Leute mit einer ähnlichen Leidenschaft und/oder Situation eine gute oder gar die bessere Variante ist. Aber nicht für die breite Masse (ich habe sie im Artikel als Otto Normalanleger bezeichnet).

      Und ich habe einen weiteren, entscheidenden Grund: es macht mir Spaß! Ich werde für's Spaß haben bezahlt. Ich kann den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen und muss gar nichts tun, wenn ich nicht will. Aber ich will ja. Ich kann mir die Zeit für meine Sporteinheit nehmen, wann immer ich will. Theoretisch müsste ich morgens nicht mal aufstehen und könnten den ganzen Tag im Bett bleiben und das die ganze Woche lang. Aber wie langweilig wäre das denn? Ich habe Freude an dem, was ich tue. Und ich kenne nur sehr wenige Leute, die einen Job haben, der sie ausfüllt, der sie begeistert, der ihnen Spaß macht. Und von dem sie gleichzeitig gut leben können. Was ich tue, tue ich gerne. auch deshalb stellt sich mir die Frage nach Fonds oder ETFs nicht. Und auch nicht nach Immobilieninvestments - das habe ich 20 Jahre lang gemacht, als Makler, als Verwalter, als Eigentümer und Vermieter. Danke, nie wieder. Wenn, dann kaufe ich Aktien von Immobilienfirmen. Aber freiwillig würde ich mir so etwas nie wieder ans Bein binden. Aber wenn es jemand tun will, soll er sein Geld in Immobilien investieren. Oder in Crowd Funding, oder in Cryptowährungen. Not my passion, not my business.

      Jeder soll nach seine Fasson (erfolg)reich werden. Über meine schreibe ich hier im Blog: Value Investing.

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    2. Freue mich über Deine ausführliche Antwort!

      Ich stelle Stock-Picking oder Value Investing nicht per se infrage. Dass mit dieser Art des Investierens Überrenditen möglich sind, möchte ich wirklich nicht in Abrede stellen.

      Außerdem finde ich es wirklich beeindruckend, dass Du Deine Passion mit großem Erfolg zum Beruf gemacht hast. Und es ist wirklich cool, dass Du fürs "Spaß haben" bezahlt wirst. Das ist nur jedem zu wünschen. :)

      Das mit den Immobilieninvestments wusste ich nicht, wirklich interessant. Das ist auch so ein Punkt, weshalb ich mir bereits zum momentanen Zeitpunkt relativ sicher bin, dass ich keine Immobilien (physisch) besitzen und vermieten möchte. Aber mal sehen, was da noch so kommt - oder eben auch nicht kommt. Und wer weiß, vielleicht packt mich nach einiger Zeit dann doch der "Ehrgeiz" und ich beginne mit Value Investing (und bleibe dabei).


      Viele Grüße

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  5. Hallo Michael,

    ich verfolge deinen Blog schon einige Jahre, mal weniger tief, zuletzt immer mehr. Man braucht als Anfänger halt auch seine Zeit um echte Qualität in der Menge der Informationen im Netz herauszufiltern.

    Meine konkrete Frage: gibt es eigentlich einen (älteren) Grundsatz-Artikel zu deinem Business, deinem Weg oder sogar zu "Privatem"??

    Ich fand den oben stehende Artikel mal wieder inspirierend. Mir fiel dabei nur auf, dass ich überhaupt nicht weiß, was du eigentlich beruflich konkret treibst. Also funktioniert dein Geschäft?? Wie verlief deine "Karriere"?? Im Impressum finden sich hierzu ja lediglich recht überschaubare Infos.

    Nochmal zur Verdeutlichung: ich möchte nocht unhöflich sein und auch nicht kritisch hinterfragen. Mich würde einfach interessieren wie dein Weg verlaufen ist und wie du konkret mit deinem Hobby dein Geld verdienst. Letztendlich würden wir das ja alles gern.

    Besten dank
    Beste Grüße
    JK

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    1. Unter dem Label "Interview" finden sich drei ältere Interviews von Finanzseiten/Blogbetreibern mit mir. Da finden sich einige Ausführungen zu meinem Werdegang an der Börse.

      Da mein Hobby das Investieren ist, verdiene ich jetzt mit diesem Hobby Geld: durch Investieren. Da fallen Dividenden an und auch (oft) Kursgewinne, wenn ich denn mal Positionen glattstelle. Des Weiteren schreibe ich eine Kolumne für das Aktien Magazin von Traderfox, auch hier befasse ich mich ja mit einem Hobby.

      Ich habe noch weitere Einkommensquellen, dafür wende ich aber inzwischen einen deutlich geringeren Teil meiner Zeit auf, als für Aktien/Investments. Daher betrachte ich das Investieren heute als meinen Beruf und weiterhin als mein Hobby - und damit verdiene ich mein Geld.

      P.S.: Mit diesem Blog verdiene ich übrigens auch ein bisschen was, aber das wiegt den Zeitaufwand nicht auf. Da ich das Blog aber ja zuerst für mich schreibe und quasi die Veröffentlichung der Artikel als "Kollateraleffekt" entsteht, stört mich das nicht. Letztlich war das Blog der Auslöser, weshalb ich auf die Möglichkeit einer eigenen Kolumne in dem Magazin angesprochen wurde. Indirekt verdiene ich also durch das Blog und/oder das Schreiben hier das Geld mit der Kolumne...

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