Samstag, 24. Juni 2017

Warren Buffett und der unterschätzte Mehrwert von Aktienrückkäufen

"Einfallslos und langweilig" sind die nicht selten zu vernehmenden Einschätzungen, wenn Unternehmen Aktienrückkaufprogramme verkünden. Der freie Cashflow solle doch lieber im eigenen Unternehmen investiert werden, in die Entwicklung neuer Produkte oder gezielt in Zukäufe. Und diese Sichtweise hat durchaus etwas für sich, sofern das Unternehmen etwas Sinnvolles mit dem Geld anstellt.

Nicht selten werden aber Zukäufe getätigt, die sich dann als Rohrkrepierer erweisen und unter dem Strich das Geld der Aktionäre vernichten. Oder so teuer sind, dass sie in absehbarer Zeit eigentlich keine Rendite einfahren können. Abschreckende Beispiele gibt es zuhauf, wie die Time Warner Übernahme durch AOL oder das Skype-Experiment von Ebay, die Pleite von Rupert Murdochs News Corp. mit MySpace oder die gescheiterte Rover-Übernahme durch BMW. Ganz zu schweigen von dem traurigen Einkaufsmix, den sich Yahoo über die Jahre zusammenschustert und der nie zu einer erfolgreichen Strategie geführt hat. Konsequenz ist, dass man sein Stammgeschäft nun an Verizon verkauft hat und dass Yahoo nur noch eine Holding für die Alibaba-Beteiligung und den Anteil an Yahoo Japan. Passend dazu ist neue Firmenname Altaba ist eine einfallslose Verquickung aus "alternatvie" und "Alibaba". Was für ein Trauerspiel für diesen Internet-Pionier, der die Internetsuche noch vor Google beherrschte - und sich dann die Butter vom Brot nehmen ließ, weil man sein Kerngeschäft zugunsten vermeintlicher Wunderideen vernachlässigte.

Wie man anhand dieser Beispiele sehen kann, fahren Aktionäre unter Umständen besser, wenn die liquiden Mittel des Unternehmens in die eigenen Aktien investiert werden, als irgendetwas Dummes mit dem Geld anzustellen. Doch auch Aktienrückkäufe sind kein Selbstgänger, die immer Mehrwert für Aktionäre schaffen. Es kommt eben drauf an...

Warren Buffett liebt Aktienrückkäufe - meistens
Value-Investor Warren Buffett ist ein großer Befürworter von Aktienrückkäufen, jedenfalls dann, wenn diese den gleichen Grundprinzipien folgen, die er bei seiner Anlagestrategie, dem Value Investing an den Tag legt.

»Keine andere Maßnahmen nützt Aktionären so viel Aktienrückkäufe. Sofern das Unternehmen über ausreichend Liquidität für das operative Geschäft verfügt und die Aktie mit einem nennenswerten Abschlag auf den inneren Wert notiert - konservativ gerechnet.«
(Warren Buffett)

Die Rückkäufe müssen also für die Aktionäre einen Mehrwert generieren und das tun sie wenn die Aktien eine höhere Rendite aufweisen, als es Investitionen ins operative Geschäft (oder eine Übernahme eines anderen Unternehmens) täte. Und sie dürfen natürlich keine Probleme im Unternehmen verursachen, sie müssen also aus dem freien Cashflow bestritten werden können.

»Was zu einem bestimmten Preis klug ist, ist zu einem anderen dumm.«
(Warren Buffett)

Mehrwert durch Aktienrückkäufe
Seinen großen Mehrwert entwickelt ein Aktienrückkauf dann auf zweierlei Art. Zunächst erzeugt das Unternehmen durch seine Käufe selbst zusätzliche Nachfrage nach seinen Aktien, was sich tendenziell kurssteigernd auswirkt. Und dann verringert sich durch den Aktienrückkauf die Anzahl der Anteile, auf die der Jahresüberschuss zu verteilen ist. Es steigt also der Gewinn je Aktie, auch wenn der Jahresüberschuss an sich gleich geblieben ist. Das wiederum erzeugt eine günstigere Bewertung hinsichtlich der wichtigen Kennzahlen, wie einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und einer höheren Dividendenrendite, und macht die Aktien für Investoren dadurch noch attraktiver.

Attraktive Alternative zu Dividendenausschüttungen
Ein dritter Aspekt macht Aktienrückkäufe für Anleger auch deshalb interessant, weil die Gewinnausschüttung über Dividenden grundsätzlich versteuert werden muss. In Deutschland zurzeit pauschal mit 25 Prozent, bei ausländischen Werten mindestens mit der dortigen Quellensteuer (die dann in Deutschland auf die Steuerlast angerechnet wird). Aktienrückkäufe durch das Unternehmen sind für den Aktionär hingegen  steuerfrei. Die führen in der Regel zu steigenden Aktienkursen durch die höhere Nachfrage nach den Aktien und die besseren Bewertungsrelationen, weil sich der Gewinn ja auf weniger Aktien verteilt. Und eine Besteuerung der Kursgewinne fällt hier erst beim Verkauf der Aktien an. Man hat so zumindest den Vorteil, dass man die Steuern nicht sofort, sondern ggf. erst viele Jahre später zahlen muss. Und in dieser ganzen Zeit können diese gesparten Steuern für einen arbeiten und sich vermehren. Stichwort hierbei ist der Zinseszinseffekt.

Aus diesen Gründen sind Aktienrückkäufe daher nicht nur in den USA sondern auch zunehmend in Deutschland als ein geschätztes Mittel zur Steigerung des Shareholder Values anerkannt. Und so führt oft alleine schon die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms zu steigenden Aktienkursen über einen Zeitraum von zwei Monaten bis hin zu zwei Jahren. Insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen ist dieser Effekt zu beobachten.

Was tun mit den zurückgekauften Aktien?
In Deutschland dürfen Unternehmen maximal 10 Prozent der eigenen Aktien erwerben und diese dann im Bestand behalten. Wenn sie diese dann offiziell einziehen, also das Grundkapital um diese eigenen Aktien herabsetzen, können sie wiederum weitere 10 Prozent des dann restlichen Grundkapitals erwerben. Das Einziehen ist nur eine Variante, was das Unternehmen mit seinen Aktien anstellen kann - und für Aktionäre die zumeist beste. Es kann die Aktien aber auch einfach im Bestand behalten, dann werden diese Aktien bei der Gewinnverteilung nicht berücksichtigt - der Gewinnanteil für die übrigen Aktionäre steigt dem entsprechend an. Oder sie werden als Akquisitionswährung eingesetzt, um einen Zukauf damit zu bezahlen, ohne neue Aktien ausgeben zu müssen. Auch dies kann eine sinnvolle Maßnahme sein, vor allem, wenn die Aktien zu niedrigeren Kursen zurückgekauft worden sind, als sie bei der Übernahme als Wert angesetzt werden. Des Weiteren können diese Aktien dazu verwendet werden, Mitarbeiter und/oder das Management mit Aktienoptionen zu bezahlen. Dies ist die vermutlich schlechteste und wertverzehrendste Variante für die Aktionäre, weil dies zumeist mit deutlichen Abschlägen zum aktuellen Aktienkurs angeboten wird. Und wenn das Unternehmen die Aktien gerade erst selbst zu diesen Kursen gekauft hat, wird so Aktionärsvermögen zulasten der Angestellten vernichtet. Hier sollte man also genauer hinsehen und sich nicht alleine wegen des Etiketts Aktienrückkauf an der falschen Stelle freuen.

»Regel Nummer eins lautet: niemals Geld verlieren. Regel Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins.«
(Warren Buffett)

Bei der Auswahl der richtigen Aktien für ein langfristiges Investment sollten Anleger neben einer günstigen Bewertung und einer attraktiven Dividendenrendite auch darauf achten, ob das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm betreibt oder plant. Die positiven Auswirkungen auf den Kurs kann man auch im Umkehrschluss betrachten: als zusätzliche Sicherheitsleine. Sollte es nämlich zu Kursturbulenzen an den Börsen kommen, sorgen die Aktienrückkäufe für ein stabilisierendes Element beim Aktienkurs. Und die Risiken sollte man bei jeder Anlage stets ganz fest im Blick haben. Oder wie Warren Buffett es ausdrückte: "Regel Nummer eins lautet: niemals Geld verlieren".

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen