Dienstag, 17. Juli 2018

Buy & Hold: Geh den Weg des Warren Buffett und investiere erfolgreich(er)

Warren Buffett liebt und lebt das Prinzip des Buy & Hold, des Kaufens und Behaltens. Seine bevorzugte Anlagedauer sei für immer, hat er öffentlich verkündet. Und wenn man sich die größten Positionen in dem Portfolio seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ansieht, so sind sie teilweise seit Jahren und Jahrzehnten unverändert: Wells Fargo, American Express, Coca Cola. Auch seine im lukrativen Duracell-Deal eingetauschten Procter & Gamble-Aktien hielt er weit mehr als 10 Jahre - sie resultierten aus seinem Einstieg bei Gillette, die dann später von P&G übernommen wurden.

Seine Einstellung zum langfristigen Investieren legt Buffett auch immer wieder in seinen Jahresberichten dar, die er den Berkshire-Aktionären und Anlegern weltweit zur Verfügung stellt. Zwei besonders bemerkenswerte Passagen aus Jahresberichten von Mitte der 1990er Jahre möchte ich heute mal aufgreifen und in Erinnerung rufen.


»Inaktivität erscheint uns als intelligentes Verhalten. Weder wir noch die meisten Business-Manager würden hoch profitable Tochtergesellschaften fieberhaft handeln, nur weil ein kleiner Schritt beim Zinssatz durch die Federal Reserve vorhergesagt wurde, oder weil irgendein Wall-Street-Experte seine Ansichten zum Markt geändert hätte. Warum also sollten wir uns anders verhalten bei unseren Minderheitsbeteiligungen an wunderbaren Unternehmen?«
(Warren Buffett)

Diese Sicht auf die Börse sollte sich jeder Anleger noch einmal vergegenwärtigen. Nur weil man Aktien jederzeit handeln kann, heißt das nicht, dass man das auch tun muss oder soll. Man sollte sich darauf besinnen, dass man sich an einem Unternehmen beteiligt, eine Partnerschaft mit den anderen Eigentümern eingeht, nicht bloß ein Lotterielos namens Aktie für ein Casino namens Börse kauft. Als würde man in eine GmbH einsteigen, dort Anteile erwerben. Die kann man nicht tagesaktuell kaufen oder verkaufen.


Da Aktienmärkte tendenziell steigen, trotz aller Schwankungen und zwischenzeitlicher Crashs, läuft man beim Markttiming Gefahr, die besten Tage zu verpassen und damit seine Jahresperformance erheblich zu verringern.

»Am wichtigsten ist, dass man die richtigen Aktien hat, wenn der Markt steigt. Der größte Teil der Investmenterträge fällt in kurzen Zeiträumen an und es ist so gut wie unmöglich, diese vorherzusagen und Aktienkäufe danach auszurichten.«
(Christopher H. Browne)

Betrachtet man den Dow Jones Index über 20 Jahre von 1996 bis 2016, so legte er in dieser Zeit um 338 Prozent zu. Verpasste man in dieser Zeit allerdings die 10 besten Tage, betrug die Performance nur noch 93 Prozent und war man an den 20 besten Tagen nicht investiert, erzielte man sogar nur 8 Prozent. Eine dramatisch niedrigere Wertentwicklung! Und beim S&P 500 Index ergeben sich keine grundsätzlich anderen Tendenzen. Anstelle von 440 Prozent hätte man ohne die besten 10 Tage 170 Prozent und ohne die besten 20 Tage 68 Prozent erzielt, hat die Privatbank Bellerive ermittelt.

Und schaut man sich die 20-Jahres-Performance von 338 bzw. 440 Prozent an, sollte einleuchten, dass der Versuch, die schlechtesten 10 oder gar 20 Tage zu vermeiden, keine erfolgversprechende Strategie gewesen wäre. Die Gefahr, die besten Tage zu verpassen, wäre einfach zu groß gewesen. Und daher sollte man lieber gleich die Finger vom Markttiming lassen.

»Die Kunst der erfolgreichen Investitionen in öffentliche Unternehmen ist kaum unterschiedlich zu der Kunst des erfolgreichen Erwerbs von Tochtergesellschaften. In beiden Fällen möchte man einfach zu einem vernünftigen Preis ein Unternehmen in ausgezeichneter wirtschaftlicher Verfassung und einem ehrlichen Management erwerben. Danach muss man nur überwachen, ob diese Eigenschaften beibehalten werden.«
(Warren Buffett)

Solange sich also die Rahmendaten für das Unternehmen nicht fundamental verändern und eine Neueinschätzung des Investments nötig machen, solange verändert Buffet auch seine Haltung gegenüber dieser Position nicht. Seiner Auffassung nach ist dafür das Management zuständig. Das soll das Unternehmen immer wieder an neue gesetzliche Regelungen und wirtschaftliche Herausforderungen anpassen und neu aufstellen. Das ist nicht die Aufgabe eines Aktionärs. Hier unterscheidet Buffett rigoros und deshalb ist ihm ein erfahrenes, kompetentes und ehrliches Management auch so wichtig.

Buffetts Qualitätskriterien
Er investiert daher in Unternehmen mit einem hervorragenden Business, das gegenüber seinen Konkurrenten unbezwingbare Wettbewerbsvorteile und damit eine Preissetzungsmacht hat. Beim Quality Investing wird neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt ("Moat"). Und wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dann fällt es einem Investor auch wesentlich leichter, sich zurückzulehnen und dem Management die Zügel zu überlassen, sich in Geduld zu üben, während sich das Unternehmen entwickelt. Und mit ihm der Aktienkurs. Wie uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse und Lehrer sowie Mentor Warren Buffetts lehrte: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Geduld bei unseren Investments und mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem täglichen "Blätterrauschen" der Börsenblättchen, Newsletter und Hot-Stock-Empfehlungen.

Kommentare:

  1. Buy & Hold auch in einem Bärenmarkt? Wie verhält man sich in einem Bärenmarkt richtig? Vielleicht kannst du dazu dein Wissen teilen, würde mich freuen. Grüße

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    1. Ich habe gerade eine ausführliche Antwort auf die Frage nach dem aus meiner Sicht "richtigen" bzw. besten Verhalten in einem Bärenmarkt an dieser Stelle gegeben. Bitte dort nachlesen, es sind wegen der Länge sogar zwei Kommentare geworden.

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    2. Ich würde ehr sagen in einem günstigeren Markt 😊
      Sollte sich bei deine gewählten Unternehmen nichts Fundamentales nichts geändert haben, dann würde ich mich über günstigere zukaufen nur freuen.

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  2. Ich hätte dazu nur die Idee oder Strategie in einem Bärenmarkt Nachkäufe zu tätigen.

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