Samstag, 8. Oktober 2016

Buy & Hold: Geh den Weg des Warren Buffett

Warren Buffett liebt und lebt das Prinzip des Buy & Hold, des Kaufens und Behaltens. Seine bevorzugte Anlagedauer sei für immer, hat er öffentlich verkündet. Und wenn man sich die größten Positionen in dem Portfolio seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ansieht, so sind sie teilweise seit Jahren und Jahrzehnten unverändert: Wells Fargo, American Express, Coca Cola. Auch seine im lukrativen Duracell-Deal eingetauschten Procter & Gamble-Aktien hielt er weit mehr als 10 Jahre - sie resultierten aus seinem Einstieg bei Gillette, die dann später von P&G übernommen wurden.

Seine Einstellung zum langfristigen Investieren legt Buffett auch immer wieder in seinen Jahresberichten dar, die er den Berkshire-Aktionären und Anlegern weltweit zur Verfügung stellt. Zwei besonders bemerkenswerte Passagen aus Jahresberichten von Mitte der 1990er Jahre möchte ich heute mal aufgreifen und in Erinnerung rufen.

»Inaktivität erscheint uns als intelligentes Verhalten. Weder wir noch die meisten Business-Manager würden hoch profitable Tochtergesellschaften fieberhaft handeln, nur weil ein kleiner Schritt beim Zinssatz durch die Federal Reserve vorhergesagt wurde, oder weil irgendein Wall-Street-Experte seine Ansichten zum Markt geändert hätte. Warum also sollten wir uns anders verhalten bei unseren Minderheitsbeteiligungen an wunderbaren Unternehmen?«

Diese Sicht auf die Börse sollte sich jeder Anleger noch einmal vergegenwärtigen. Nur weil man Aktien jederzeit handeln kann, heißt das nicht, dass man das auch tun muss oder soll. Man sollte sich darauf besinnen, dass man sich an einem Unternehmen beteiligt, eine Partnerschaft mit den anderen Eigentümern eingeht, nicht bloß ein Lotterielos namens Aktie für ein Casino namens Börse kauft. Als würde man in eine GmbH einsteigen, dort Anteile erwerben. Die kann man nicht tagesaktuell kaufen oder verkaufen.

»Die Kunst der erfolgreichen Investitionen in öffentliche Unternehmen ist kaum unterschiedlich zu der Kunst des erfolgreichen Erwerbs von Tochtergesellschaften. In beiden Fällen möchte man einfach zu einem vernünftigen Preis ein Unternehmen in ausgezeichneter wirtschaftlicher Verfassung und einem ehrlichen Management erwerben. Danach muss man nur überwachen, ob diese Eigenschaften beibehalten werden.«

Solange sich also die Rahmendaten für das Unternehmen nicht fundamental verändern und eine Neueinschätzung des Investments nötig machen, solange verändert Buffet auch seine Haltung gegenüber dieser Position nicht. Seiner Auffassung nach ist dafür das Management zuständig. Das soll das Unternehmen immer wieder an neue gesetzliche Regelungen und wirtschaftliche Herausforderungen anpassen und neu aufstellen. Das ist nicht die Aufgabe eines Aktionärs. Hier unterscheidet Buffett rigoros und deshalb ist ihm ein erfahrenes, kompetentes und ehrliches Management auch so wichtig.

Buffetts Qualitätskriterien
Er investiert daher in Unternehmen mit einem hervorragenden Business, das gegenüber seinen Konkurrenten unbezwingbare Wettbewerbsvorteile und damit eine Preissetzungsmacht hat. Beim Quality Investing wird neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt ("Moat"). Und wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dann fällt es einem Investor auch wesentlich leichter, sich zurückzulehnen und dem Management die Zügel zu überlassen, sich in Geduld zu üben, während sich das Unternehmen entwickelt. Und mit ihm der Aktienkurs. Wie uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse und Lehrer sowie Mentor Warren Buffetts lehrte: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Geduld bei unseren Investments und mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem täglichen "Blätterrauschen" der Börsenblättchen, Newsletter und Hot-Stock-Empfehlungen.

Kommentare:

  1. Prinzipiell leuchtet mir das alles ein, auf der einen Seite. Mehr handeln vermehrt auch die Fehlerquote, man lässt die Magie das Zinseszins sich nicht entfalten, Aktien steigen langfristig, man muss dem Markt Zeit geben... alles richtig. Was aber, wenn man von seinem Depot ganz oder teilweise leben will, im Ruhestand oder sonstwie? Warren Buffet kann das, klar, allein die Gebühren seines Fonds machen ihn täglich reicher, abgesehen von allen anderen Einnahmequellen. Doch als kleiner Investor muss man sich doch irgendwann die Frage stellen, wofür häufe ich an? Alles für meine Kinder, gut. Aber wenn ich davon leben will, muss das Depot schon ziemlich groß und gewagt sein, wenn es nur die Dividende machen soll. Ein paar gezielte Transaktionen im Jahr werden dann einfach nötig, oder nicht?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Lukas,
      Buy & Hold ist der Weg, um erfolgreich und relativ stressfrei zu Wohlstand und ggf. Reichtum zu kommen. Es geht um das Investieren, den Weg, wie man dieses Ziel auch wirklich erreichen kann. Wer andauernd hin- und hertradet, geht gleich eine Reihe von unnötigen Risiken ein.

      - Er häuft hohe Gebühren an.
      - Er erhöht die Zahl seiner Fehlgriffe.
      - Er verpasst die größten Kurszuwächse.

      Aktien steigen nicht immer wie an der Perlenschnur gezogen. Die meisten Aktien steigen an nur ganz wenigen Tagen im Jahr wirklich stark an. Ist man an diesen wenigen Tagen nicht in ihnen investiert, macht man kaum Rendite mit Aktien. Auf Market-Timing zu setzen, ist also doppelt kostspielig! Und daher sollte man es lassen (ausführlich habe ich das hier dargelegt).

      Es spricht aber ja nichts dagegen, sich auch solide Dividendenaktien ins Depot zu legen. Und in zunehmendem Alter auf eine Dividendenstrategie umzusteigen, um so einen stetigen Dividendenstrom als Einkommensquelle zu generieren. Aber auch dann gilt, dass man nicht ständig hin- und hertraden sollte, sondern sich gründlich mit den Unternehmen beschäftigt, bevor man sie kauft. Und dann liegenlässt und die Dividenden einstreicht.

      Wenn man ein Depotvolumen von €300.000 hat und das mit Dividendenzahlern bestückt, die im Durchschnitt 4% (vor Steuern) an Dividenden abwerfen, dann hat man am Jahresende €12.000 bzw. €1.000 im Monat. Das ist ein schönes Zubrot zu den Zahlungen aus der gesetzlichen Rente. Hinzu kommen natürlich noch die durchschnittlichen Kurszuwächse, die bei Aktien rund 7 bis 8 Prozent pro Jahr betragen. Ob man später dann Aktien verkaufen muss, hängt natürlich auch vom eigenen Lebensstil ab. Für das normale Leben, sollte es reichen. Will man sich 'ne Yacht kaufen oder ständig teuren Urlaub machen, wird es schwierig(er), dies alleine aus Dividendenzahlungen bestreiten zu können. Aber auch nicht unmöglich, der Zinseszins und die Anlagedauer spielen hier die entscheidende Rolle. Schau Dir bitte noch einmal die Grafik beim Zinseszinseffekt an, die belegt das ganz klar. Und Warren Buffetts Reichtum, er ist der viertreichste Mensch der Welt, hat sich fast genauso entwickelt. Am Anfang waren es eher moderate Steigerungen, in den späteren Jahren nahmen die stark zu. Den größten Teil seines 60-Milliarden-Reichtums hat er gemacht, als er älter als 60 Jahre war. Dank des Zinseszinseffekt und des ihm innewohnenden Hebels. Hier noch eine Grafik zur Entwicklung von Buffetts Reichtum über die Jahre.


      P.S.: Buffett führt keinen Fonds, bei dem er Gebühren einstreichen würde. Er ist größter Aktionär und CEO von Berkshire Hathaway. Dort bekommt er ein Jahresgehalt von $100.000, davon bestreitet er seinen Lebensunterhalt (und bis vor einigen Jahren waren es noch $50.000, wie seit seiner BH-Übernahme in den 1960ern).

      Löschen
    2. Hallo Michael,

      Deine Ausführungen zur Depot-Wert-Steigerung leuchten mir völlig ein, da gibt es nichts daran zu deuteln.
      Aber wenn ich auf das von Dir angeführte Beispiel Bezug nehmen darf: 300.000 im Depot, 4% Dividende, das sind vor Steuern 12.000€ im Jahr, nach Steuern 9375 (wenn man Kirchensteuer bezahlt). Da wird die Rendite schon ziemlich mickrig, und eine vermietete Immobilie, wenn man sie günstig erstanden hat, kann da mehr abwerfen - 3-3,5% können m.E. drin sein, und was Steuern angeht, hat man da viel mehr Möglichkeiten zum absetzen. Zugegeben, heutige Immobilienpreise machen 3,5% Rendite nicht so einfach zu erzielen, aber lassen wir das mal aussen vor. Ein Aktiendepot, so lese ich, verzeichnet im Durchschnitt ca. 10% Zuwachs im Jahr (auch bei keiner gezielt angewandten Strategie) - ist es da unangemessen, bei irgendwann angesparten 300.000€ etwa 5% davon als Einkommen zu erwarten? Sonst würde die Rendite, das heißt der Vorteil eines Depots, ja immer nur theoretisch bleiben.

      Übrigens, das Beispiel von Warren Buffet beeindruckt mich schon, nicht unbedingt wegen des bescheidenen Lebensstils an sich, sondern wie er den in seine Weltanschauungen insgesamt einbindet. Aber diese Wahl hat halt nicht jeder.

      Löschen
    3. Die Immobilie weist ggü. Aktieninvestments zwei ganz eklatante Nachteile auf. Zunächst kannste mit €300.000 nur eine kleine Immobilien erwerben und dann haste so gut wie keine Risikostreuung. Lachste Dir einen Mietnomaden an, sind die Mieteinnahmen futsch und es entstehen hohe Kosten. Und Kosten haste sowieso, denn die Immobilie verschlingt die ganze zeit über Geld, ständig geht was kaputt oder muss repariert werden. Dazu kommen weitere hohe laufende Kosten, Grundsteuer, Grunderwerbsteuer (beim An- und Verkauf), Versicherungen und sonstige Nebenkosten (nur einige sind davon über die Betriebskosten auf die Mieter umlegbar - und haste mal keinen Mieter, trägste die vollen Kosten selbst!). Das schmälert die Rendite zusätzlich, so dass langfristig Immobilien so gut wie keine Rendite abwerfen (wenn man auch noch die Inflation mit einrechnet). Sie sind eher ein Werterhalt, kein Renditebringer.

      Und nimmst Du die €300.000 als Eigenanteil und finanzierst nochmal so viel, um eine größere oder mehrere Immobilien (Eigentumswohnungen) zu erwerben, dann müsstest Du den gleichen Hebel auch bei den Wertpapieren ansetzen und kämst auf ein Portfolio von €600.000 und dem entsprechend €2.000 brutto pro Monat. Die Kreditkosten lasse ich mal außen vor, die würden ja in beiden Fällen die Rendite schmälern.

      Weitere Vorteile bei Aktien sind, dass sie zur Not schnell verkauft werden können - Immobilien nicht. Und sie werfen Kurssteigerungen ab, Immobilien nur begrenzt und meist nur über kurze Zeiträume. Aktuell haben wir seit vier, fünf Jahren einen Immobilien-Boom, aber schau Dir die langfristige Wertentwicklung an, dann kriegste das Heulen. In den 1970er und Anfang der 1980er Jahre war damit kein Geld zu machen, dann gab es eine kurze rasante Steigung Ende der 1980er, bevor nach kurzem Vereinigungsboom die Preise 20 Jahre lang stagnierten und sogar gefallen sind. Dann gab es das Platzen der Immobilienblase und die Preise stürzten ab! Wenn Du zu so einem Zeitpunkt an Dein Geld musst, haste verloren. Die hohen Kosten für Notar, Gericht, Grunderwerbsteuer etc. fallen dann zusätzlich an. Und... Du musst die Immobilie als Ganzes verkaufen. Bei Aktien kannste einen Teilverkauf vornehmen, wenn Du etwas Geld benötigst.

      Wenn man schon auf Immobilien setzen will, dann sollte man lieber Aktien von Immobilienunternehmen kaufen. Die sind Profis und betreuen ihre Immobilien ganz anders, als man das selbst kann. Und da sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Immobilien haben, streut sich so das Risiko, mit einer mal voll danebenzugreifen. Gerade in Deutschland haben wir ja nicht unbedingt zu wenig börsennotierte Immobiliengesellschaften, da ist für jeden was dabei...

      Löschen
    4. Persönlich finde ich eine Immobilie als Ergänzung zu einem Aktienportfolio wertvoll, da die Erträge einigermaßen prognostizierbar sind. Zudem eignen sich Immobilien besser zum Hebeln mit Fremdkapital. Bei Aktien auf Margin zu kaufen, traue ich mich nicht. Bei Immobilien ist das anders.

      Man muss ja auch nicht eine große Wohnung kaufen, sondern kann mit kleinen Wohnungen anfangen und so auch das Risiko streuen, indem man in verschiedenen Regionen kauft (kleine Wohnungen sind relativ teurer, bringen aber auch relativ mehr Ertrag, machen aber auch mehr Arbeit). Man kann 300.000 EUR Immobilienvolumen mit 60.000 EUR finanzieren - wenn man gut verdient oder andere Sicherheiten hat, auch mit weniger Eigenkapital.

      Erfolg haben wird man mit Immobilien aber nur, wenn der Kaufpreis stimmt. Da ist es wie bei Aktien auf: der Gewinn liegt im Einkauf. Wenn man beispielsweise als Kaufpreis für eine ordentliche, gut vermietbare Immobilie, den 20-fache Bruttojahresmiete zahlt, dann kann ist m.E. ein Verlustgeschäft vorprogrammiert: ich rechne mit 1% Zins, 2% erwarteter Abschreibung / erwarteten Reparaturen, mindestens 2% Kosten für Mieterwechsel und nicht erwartete Reparaturen und nicht umlegbare Betriebskosten wie z.B. Verwaltungskosten. D.h. bei 5% Bruttomietrendite bleibt m.E. bereits kein Vorsteuergewinn mehr übrig. Da müsste man schon künftig wesentlich die Mieten erhöhen können, aber ob das möglich ist und in Zeiten von Mietpreisbremsen legal bleibt, ist schwer prognostizierbar.

      Dummerweise gibt es heutzutage zu 20-facher Bruttojahresmiete keine brauchbaren Immobilien mehr zu kaufen. Ich suche seit Jahren danach, finde aber nichts (eine preiswerte Immobilie habe ich dann über private Kontakte gekauft, das war aber eine absolute Sondersituation). Im Immobilienmarkt gibt es m.E. eine massive Blase, und man sollte dringend die Finger von zu teuren Immobilien lassen. Das Risiko ist dabei aufgrund des Hebels durch das Fremdkapital einfach zu hoch.

      Löschen
  2. Ein Nachtrag noch: man kann die Frage ja auch anders stellen: wie groß muss ein Depot sein, um einigermaßen stabil und mit Sicherheitsmarge, sagen wir, 1000€ monatlich herauszuziehen, wie groß für 2000, und welche Strategien braucht es da? M.E. kann man da immer noch langfristig mit den Prinzipien des Value-Investing anlegen, man muss dann aber grundsätzlich den Faktor der Haltedauer mit in die langfristige Planung einkalkulieren und den Cash-Anteil des Depots immer unter diesem Gesichtspunkt im Auge behalten. Was hältst Du davon?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da sind wir nicht mehr beim klassischen Value Investing-Ansatz, sondern das geht ja in die Richtung DYI-Investing (Dividend-Yield-Investing), also Dividenden-Einkommen. Hierbei wird nicht auf unterbewertete Firmen geschaut, die möglichst günstig eingekauft werden, um dann bei Ansteigen des Kurses auf den fairen Wert einen Vermögenszuwachs zu erzielen, sondern es geht vor allem um das Erzielen von regelmäßigen Dividendenströmen.

      Hierbei ist zu beachten, dass einerseits die aktuelle Dividendenrendite eine Rolle spielt, dann natürlich die Sicherheit dieser Dividendenzahlungen (werden sie aus dem freien Cash-flow bezahlt oder aus den Rücklagen) und, fast am Wichtigsten, die potenzielle Dividendensteigerung in den nächsten Jahren.

      DYI-Investoren versuchen auch, günstig einzusteigen. Aber sie orientieren sich hierbei weniger am Buchwert oder am KGV, sondern an der historischen, durchschnittlichen Dividendenrendite. Liegt diese unterhalb der aktuellen, ist die Aktie ein Kauf, liegt sie darüber, eher nicht.

      So sehr ich solide Dividendentitel und regelmäßige Dividendeneinnahmen mag (daher habe ich ja auch BDCs wie Gladstone Capital, Main Street Capital oder Triangle Capital auf dem Empfehlungsliste), ist dies nicht meine Art des Investierens. Ich habe aber eine separate Blogroll für derart motivierte Blogs ("DIVIDENDEN-INVESTMENT-BLOGS"), da kann man schnell fündig werden.

      Löschen