Montag, 14. August 2017

Buy & Hold: Geh den Weg des Warren Buffett

Warren Buffett liebt und lebt das Prinzip des Buy & Hold, des Kaufens und Behaltens. Seine bevorzugte Anlagedauer sei für immer, hat er öffentlich verkündet. Und wenn man sich die größten Positionen in dem Portfolio seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ansieht, so sind sie teilweise seit Jahren und Jahrzehnten unverändert: Wells Fargo, American Express, Coca Cola. Auch seine im lukrativen Duracell-Deal eingetauschten Procter & Gamble-Aktien hielt er weit mehr als 10 Jahre - sie resultierten aus seinem Einstieg bei Gillette, die dann später von P&G übernommen wurden.

Seine Einstellung zum langfristigen Investieren legt Buffett auch immer wieder in seinen Jahresberichten dar, die er den Berkshire-Aktionären und Anlegern weltweit zur Verfügung stellt. Zwei besonders bemerkenswerte Passagen aus Jahresberichten von Mitte der 1990er Jahre möchte ich heute mal aufgreifen und in Erinnerung rufen.


»Inaktivität erscheint uns als intelligentes Verhalten. Weder wir noch die meisten Business-Manager würden hoch profitable Tochtergesellschaften fieberhaft handeln, nur weil ein kleiner Schritt beim Zinssatz durch die Federal Reserve vorhergesagt wurde, oder weil irgendein Wall-Street-Experte seine Ansichten zum Markt geändert hätte. Warum also sollten wir uns anders verhalten bei unseren Minderheitsbeteiligungen an wunderbaren Unternehmen?«
(Warren Buffett)

Diese Sicht auf die Börse sollte sich jeder Anleger noch einmal vergegenwärtigen. Nur weil man Aktien jederzeit handeln kann, heißt das nicht, dass man das auch tun muss oder soll. Man sollte sich darauf besinnen, dass man sich an einem Unternehmen beteiligt, eine Partnerschaft mit den anderen Eigentümern eingeht, nicht bloß ein Lotterielos namens Aktie für ein Casino namens Börse kauft. Als würde man in eine GmbH einsteigen, dort Anteile erwerben. Die kann man nicht tagesaktuell kaufen oder verkaufen.


Da Aktienmärkte tendenziell steigen, trotz aller Schwankungen und zwischenzeitlicher Crashs, läuft man beim Markttiming Gefahr, die besten Tage zu verpassen und damit seine Jahresperformance erheblich zu verringern.

»Am wichtigsten ist, dass man die richtigen Aktien hat, wenn der Markt steigt. Der größte Teil der Investmenterträge fällt in kurzen Zeiträumen an und es ist so gut wie unmöglich, diese vorherzusagen und Aktienkäufe danach auszurichten.«
(Christopher H. Browne)

Betrachtet man den Dow Jones Index über 20 Jahre von 1996 bis 2016, so legte er in dieser Zeit um 338 Prozent zu. Verpasste man in dieser Zeit allerdings die 10 besten Tage, betrug die Performance nur noch 93 Prozent und war man an den 20 besten Tagen nicht investiert, erzielte man sogar nur 8 Prozent. Eine dramatisch niedrigere Wertentwicklung! Und beim S&P 500 Index ergeben sich keine grundsätzlich anderen Tendenzen. Anstelle von 440 Prozent hätte man ohne die besten 10 Tage 170 Prozent und ohne die besten 20 Tage 68 Prozent erzielt, hat die Privatbank Bellerive ermittelt.

Und schaut man sich die 20-Jahres-Performance von 338 bzw. 440 Prozent an, sollte einleuchten, dass der Versuch, die schlechtesten 10 oder gar 20 Tage zu vermeiden, keine erfolgversprechende Strategie gewesen wäre. Die Gefahr, die besten Tage zu verpassen, wäre einfach zu groß gewesen. Und daher sollte man lieber gleich die Finger vom Markttiming lassen.

»Die Kunst der erfolgreichen Investitionen in öffentliche Unternehmen ist kaum unterschiedlich zu der Kunst des erfolgreichen Erwerbs von Tochtergesellschaften. In beiden Fällen möchte man einfach zu einem vernünftigen Preis ein Unternehmen in ausgezeichneter wirtschaftlicher Verfassung und einem ehrlichen Management erwerben. Danach muss man nur überwachen, ob diese Eigenschaften beibehalten werden.«
(Warren Buffett)

Solange sich also die Rahmendaten für das Unternehmen nicht fundamental verändern und eine Neueinschätzung des Investments nötig machen, solange verändert Buffet auch seine Haltung gegenüber dieser Position nicht. Seiner Auffassung nach ist dafür das Management zuständig. Das soll das Unternehmen immer wieder an neue gesetzliche Regelungen und wirtschaftliche Herausforderungen anpassen und neu aufstellen. Das ist nicht die Aufgabe eines Aktionärs. Hier unterscheidet Buffett rigoros und deshalb ist ihm ein erfahrenes, kompetentes und ehrliches Management auch so wichtig.

Buffetts Qualitätskriterien
Er investiert daher in Unternehmen mit einem hervorragenden Business, das gegenüber seinen Konkurrenten unbezwingbare Wettbewerbsvorteile und damit eine Preissetzungsmacht hat. Beim Quality Investing wird neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt ("Moat"). Und wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dann fällt es einem Investor auch wesentlich leichter, sich zurückzulehnen und dem Management die Zügel zu überlassen, sich in Geduld zu üben, während sich das Unternehmen entwickelt. Und mit ihm der Aktienkurs. Wie uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse und Lehrer sowie Mentor Warren Buffetts lehrte: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Geduld bei unseren Investments und mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem täglichen "Blätterrauschen" der Börsenblättchen, Newsletter und Hot-Stock-Empfehlungen.

Kommentare:

  1. Christian (watchingtheflood)14. August 2017 um 14:45

    Hallo,
    leider spielt einem die eigene Psyche hier oft einen Streich, wenn die eigenen als Langfristanlage gehaltenen Aktien alle schon stagnieren, während die gerade in den Börsenblättchen gehypten Werte raktenartig abheben. Das ist man schnell geneigt, dem schönen Schein des schnellen Geldes zu erliegen und die wohlüberlegte Langfristanlage über Bord zu werfen, um vielleicht bei der nächsten Kursrakte per definitionem aus den Redaktionsstuben mit dabei sein zu können. Vielleicht muss man sich da selber ein bisschen betrügen, indem man sich ein kleines Neben-Budget zulegt, um den Spieltrieb zu befriedigen. Dann lernt man auch nicht ganz so schmerzhaft, dass diese Sternschnuppen verglühen, nur um der nächsten Superempfehlung Platz zu machen.

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  2. Hallo Michael

    Die Vorteile des "Buy&Hold"-Ansatzes hast du immer mal wieder erwähnt und ich habe sie auch praktisch immer eingehalten. Nichtsdestotrotz frage ich mich manchmal, ob eine Umschichtung nicht Sinn machen würde. Bspw. hatte ich mit der Deutschen Rohstoff AG seit Jahresbeginn eher eine bescheidene Performance (nüchtern ausgedrückt), weshalb ich mir überlege, einen Teil meines Investments in eine andere Aktie zu investieren (bspw. Aufstockung meiner MBB-Aktien). Mir ist zwar bewusst, dass dies nicht dem "Buy&Hold"-Ansatz entspricht, doch soweit ich weiss, hattest du selbst bei der Deutsche Rohstoff AG deine Aktien gegen Anfang Jahr etwas reduziert!? Daher nun meine Frage: Inwiefern berücksichtigst du das Momentum? Oder von welchen Kriterien machst du solche Entscheidungen abhängig, wenn du grundsätzlich noch immer der Meinung bist, dass das Investment per se eigentlich gut ist (aber vom Markt noch nicht entsprechend erkannt wurde). Ich bin mir bewusst, dass die Frage zu einem gewissen Grad provokant ist, umso mehr, weil dann der eine oder andere Leser wieder mit der (meines Erachtens ungerechtigten) Kritik kommt, dass dies nichts mehr mit Value Investing zu tun habe, sondern reines Market Timing sei...

    Liebe Grüsse
    David

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    1. Wenn ich von einem Unternehmen nicht mehr überzeugt bin oder schlicht falsch gelegen habe, dann verkaufe ich rigoros. Manchmal bin ich von einer Position grundsätzlich mittel- und langfristig überzeugt, aber der Kurs spielt einfach nicht mit oder ich erachte andere Aktien kurzfristig für aussichtsreicher. Dann variiere ich bisweilen schon in den Positionsgrößen. So habe ich, wie Du schreibst, die DRAG-Position abgebaut, als der Kurs immer weiter abbröckelte. Aus einer großen Position wurde also durch den Kursrückgang und meine Teilverkäufe eine kleine Position, die ich dann ggf. wieder aufstocken wollte. Genau anders herum bin ich bei MBB, Blue Cap, Corestate oder der DBAG verfahren; hier habe ich die Positionen in Erwartung positiver Zahlen/Nachrichten deutlich ausgebaut, um nach Eintritt des erwarteten Kursanstiegs die Position wieder etwas zu verkleinern. Alle vier sind immer noch meine größten Positionen und ich bin schon sehr lange an Bord, nur die Positionsgröße schwankt ab und zu. Ich bemühe mich aber, dies nicht zu sehr ausufern zu lassen, ich will ja nicht traden, sondern investieren. Aber bisweilen kaufe ich eben eine bestimmte Anzahl von Aktien rein spekulativ zu, um sie dann kurze Zeit später wieder zu veräußern. Und ja, es ist grenzwertig, man kann hier traden und Investieren nicht wirklich scharf unterteilen. Und natürlich wird das von bestimmten Leuten wieder als Markttiming bezeichnet und angeprangert. Ich erhebe allerdings nicht den Anspruch, ein perfekter Investor zu sein. Ich könnte meine spekulative Ader natürlich auch verschweigen und so tun, als gäbe sie es nicht. Und nur über die Theorie schreiben. Dann würde ich weniger Kritik einstecken, aber es wäre auch weniger authentisch.

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  3. Hallo Michael,
    würden Sie nach den Halbjahreszahlen sowie dem schlechten Kursverlauf der Deutschen Rohstoff Ag ein paar Aktien der DRAG hinzukaufen?

    Schöne Grüße
    Jürgen

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  4. Eben, wenn das "inaktive" Warten "für immer" auf die "wunderbaren Unternehmen" dem Markttiming grundsätzlich überlegen ist, dann hat es keinen Sinn, auch nur zu 10% die Schätzchen zu verticken um auf Schnäppchenjagd und Crasheinsammeln zu gehen. Jedenfalls wenn man genug "wunderbare Unternehmen" findet für seinen Bedarf ...

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  5. Hallo, Herr Kissig, danke für Ihren lesenswerten Blog.
    Auch ich bin nach ungebrochenem Abwärtstrend an Ihrer aktuellen Einschätzung zu DRAG interessiert (Hatte in 02/17 450 Stk. gekauft und nach Aktie<€20 noch mal nachgekauft). Lassen Sie sich ruhig etwas Zeit. Ist DRAG zu klein? W. Buffets Aktien vertreten ja meist Weltfirmen, während ich doch erstaunt war, dass DRAG gerade mal 20 Mitarbeiter hat. Besteht noch Aussicht, dass die Metallfunde vermarktet werden können oder hängt man absehbar nur an (ausgerechnet) US-Öl & Gas? In 2016 war ja ein Ölpreis von 40-50 US$ bereits als ideales Szenario beschrieben worden, was eingetreten ist. Kann man weiter "aussitzen"? MfG Bernd W.

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    1. 3 Mio unrealisierte Währungsverluste in USD, d.h. es geht noch höher, wenn der USD sinkt dank Trump ...

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    2. Momentan steigt er gerade: https://www.boerse-stuttgart.de/de/boersenportal/nachrichten-und-videos/finanznachrichten/finanznachrichten/?newscode=5e7ab425efa4bfaf

      Und solange die Dollars nicht umgetauscht werden, ist das sowieso völlig irrelevant.

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    3. Dann kannst du ja auch den Kursverfall von DRAG völlig irrelevant finden, solange du nicht verkaufst ...

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  6. Ich vermute, der Kursverlauf hängt auch mit diesem ganzen E-Mobility-Hype zusammen. Shell geht auch runter, obwohl sie Top-Zahlen geliefert haben. Ist natürlich klar, dass man noch jahre- oder jahrzehntelang gut Geschäfte mit Öl machen kann, aber die Mehrheit sind einfach dumme Lemminge. Aber leider machen diese Lemminge die Kurse. Müssen wir uns halt mit der Dividende zufrieden geben. Werde aber bei Gelegenheit auch meine Position abbauen, DRAG ist eine meiner drei größten Positionen. Rechne persönlich schon damit, dass der Ölpreis in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder Richtung 55 bis 60 € steigen wird.

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