Samstag, 22. Februar 2020

Vermögenswirksame Leistungen: Aktiensparplan für Arbeitnehmer mit 20% Extrarendite

Börsenlegende Bernard Baruch brachte das Dilemma auf den Punkt: entweder wir arbeiten für Geld, oder unser Geld arbeitet für uns.

»Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns.«
(Bernard Baruch)

Dabei sind natürlich diejenigen gekniffen, die nicht groß geerbt haben oder üppig beschenkt wurden. Alle anderen können nicht einfach ihr Geld anlegen und damit relevante Einnahmen erzielen aus Zinsen oder Dividenden. Wer kaum Geld auf der hohen Kante hat, muss für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Und dabei verdienen sich die meisten kein großes Vermögen zusammen - aber ein kleines Vermögen kann schon drin sein und Vater Staat greift hierbei durchaus fürstlich unter die Arme. Wenn man es denn richtig anstellt.

Es geht um die sog. Vermögenswirksamen Leistungen, mit denen der Staat normal- und gering verdienenden Arbeitnehmern beim Vermögensaufbau helfen möchte. Und zwar durch die Arbeitnehmersparzulage, die bei der Anlage in Aktien oder ähnlichen Vermögenswerten 20% auf die Sparrate beträgt. Zusätzlich zu der Rendite, die man ohnehin mit den Aktien erzielt! Klingt jetzt nicht so schlecht, oder?

Ein paar Voraussetzungen muss man allerdings schon erfüllen, wenn man an die Zulage kommen will:
  1. Man muss Arbeitnehmer sein.
  2. Das zu versteuernde Einkommen in dem Kalenderjahr, für das man die Arbeitnehmersparzulage beantragt, darf 20.000 Euro nicht überschreiten (bei Verheirateten 40.000 Euro, wenn beide Arbeitnehmer sind).
  3. Das Geld muss durch den Arbeitgeber in förderfähige Aktien-Sparverträge eingezahlt werden.
  4. Es sind max. 400 Euro pro Jahr (rund 33,33 Euro im Monat) zulagebegünstigt.
    Achtung: bei anderen Anlageformen gelten andere Einkommensgrenzen und Zulageprozente!
Damit ist klar, das Instrument der Vermögenswirksamen Leistungen richtet sich vor allem an Auszubildende, Berufsanfänger und Niedrigverdiener. Also genau diejenigen, die zumeist der Überzeugung sind, sie könnten von ihrem geringen Einkommen kein Geld zurücklegen. Aber wer das wirklich will, der schafft das auch. Natürlich nicht ohne Einschränkungen, klar, aber genau deshalb setzt der Staat hier ja einen Extraanreiz. Um das unmöglich erscheinende doch möglich zu machen.
»Wer wirklich etwas will, findet einen Weg. Wer nicht wirklich will, findet Ausreden.«
(Willy Meurer)

Arbeitgeberanteil? Muss man sich schon selbst holen...

Es gibt sogar noch einen weiteren Punkt, der die Sache zusätzlich schmackhaft machen kann. Denn oftmals zahlt der Arbeitgeber zumindest einen Teil der Sparbeiträge! Dieser sog. Arbeitgeberanteil ist im jeweiligen Tarifvertrag festgeschrieben oder aber der Arbeitgeber zahlt ihn auf freiwilliger Basis.

Nachfragen bei Arbeitgeber lohnt, denn dieser ist nur dann zur Zahlung verpflichtet, wenn ihm der Arbeitnehmer einen VL-fähigen Sparvertrag vorlegt! Wer sich also nicht kümmert, verzichtet nicht nur auf die Arbeitnehmersparzulage, sondern sogar unter Umständen sogar auf ihm zustehendes Bruttoarbeitsentgelt! Und das wäre doch ganz schön blöd, oder?

Übrigens, wenn der Arbeitgeber weniger als die 33,33 Euro pro Monat übernimmt oder auch gar nichts, kann der Arbeitnehmer trotzdem die VL-Leistungen in Anspruch nehmen. Er kann nämlich die Differenz oder auch den ganzen Betrag von seinem Bruttogehalt eingehalten und vom Arbeitgeber in den VL-Vertrag einzahlen lassen. Dann entsteht ebenfalls der Anspruch auf die Sparzulage.

Arbeitnehmersparzulage

Damit der Sparvertrag förderfähig ist, muss er einige Voraussetzungen erfüllen. Die wichtigste ist, dass der Sparer vor Ablauf von sieben Jahren ab Vertragsbeginn nicht an das Geld heran kommt. Das ist deshalb so geregelt, weil der Zweck der staatlichen Förderung ja der Vermögensaufbau ist. Und der braucht eben etwas Zeit. Von den sieben Jahren Mindestlaufzeit werden sechs Jahre lang die Sparraten eingezahlt und ein Jahr lang ruht der Vertrag. Am Ende dieser sieben Jahre zahlt das Finanzamt auf einen Schlag alle in diesem Zeitraum erworbenen Ansprüche auf die Arbeitnehmersparzulage in den Vertrag ein - bei sechs Jahren und max. 80 Euro Sparzulage pro Jahr (20% auf 400 Euro) sind das immerhin 480 Euro geschenkt oben drauf!

Da der Vertrag nur sechs Jahre lang bespart wird, obwohl er sieben Jahre läuft, kann man bereits nach Ablauf der sechs Jahre einen Folgevertrag abschließen und in diesen die VL-Beiträge einzahlen lassen.

150.000 Euro bis zur Rente möglich!

80 Euro Arbeitnehmersparzulage im Jahr klingt nicht nach viel Geld. Aber es gibt ja noch den "Nebeneffekt", dass man kontinuierlich monatlich Geld anspart. Wenn man z.B. mit neunzehn Jahren beginnt und das VL-Sparen in Aktien konsequent durchzieht bis zur Rente mit 67 Jahren (das sind 8 VL-Verträge zu jeweils 6 Ansparjahren), spart ja monatlich konsequent 33,3 Euro in Aktien und Aktien bringen auf lange Sicht rund 7% Rendite pro Jahr. Lässt der VL-Sparer diese Gelder unangetastet in dem Vertrag liegen, kriegt er nicht nur am Ende jeweils hierein die 480 Euro Sparzulage gezahlt, sondern der Gesamtbetrag rentiert sich jedes Jahr mit zusätzlichen 7%. In Summe kommt man mit allen Beträgen nach diesen 48 Jahren auf knapp 150.000 Euro, die sich über die Zeit angesammelt haben. Auch dank des Zinseszinseffekts!

Wenn man auf den Faktor Zeit setzt, ist es auch für Geringverdiener möglich, mit kleinen Beiträgen ein stattliches Vermögen anzusparen und so im Alter eine schöne Zusatzversorgung zur staatlichen Rente zur Verfügung zu haben.

Fazit: Wer VL nicht nutzt, verschenkt bares Geld - und die Extra-Renditechancen des Aktienmarkts!


P.S.: Man kann auch in Bausparverträge VL-fähig sparen; dann gelten allerdings niedrigere Einkommensgrenzen und Förderhöhen (max. 470 Euro, 9% und 17.900/35.800 Euro).

Kommentare:

  1. Selbst wenn man keine Förderung kriegt und der Zuschuss vom Arbeitgeber so gering ist das sich Anlagen in Fonds nicht lohnen sollte man das Geld mitnehmen. Es gibt auch einfache Banksparpläne fürs VL-Sparen. Nach der Laufzeit von 7 Jahren kommen da ja auch ein paar hundert Euro zusammen.

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  2. Ich habe selbst so einen VL-Aktiensparvertrag laufen, auch wenn ich keine Arbeitnehmersparzulage (mehr) erhalte; zumindest für 2014 und 2015 konnte ich jeweils €80 abgreifen, die mir 2021 ins VL-Konto gutgeschrieben werden (umgerechnet also 4 "kostenlose" mtl. Sparraten). Hatte Anfang 2014 ein entsprechendes Konto bei ebase eröffnet (damals eine Tochter der Comdirectbank) und zahle seitdem jeden Monat €40 ein; bisher waren das in Summe €2.960. Hinzu kommen die wieder angelegten (thesaurierten) Ausschüttungen, ab gehen die jährl. Gebühren (€12 Jahresgebühren und 12x€0,08 für die 12 mtl. Kaufabrechnungen). Als Ertrag seit 1.1.2014 wird aktuell €1.684,89 ausgewiesen, also 57%. Alleine das hat sich schon gelohnt, den welche andere Sparform hätte in 6 Jahren und 2 Monaten eine solche Rendite eingebracht? Sparbuch/Tagesgeld jedenfalls mit Sicherheit nicht.

    Ach ja, es kommt bzgl. der Rendite natürlich auch darauf an, welchen Aktienfonds/ETF man sich aussucht. Ich habe mich damals für den iShares Dow Jones Global Titans 50 (DE) entschieden (ISIN: DE0006289382). Ziemlich gute Wahl aus heutiger Sicht. Und ich bleibe dabei, zahle dort weiterhin fleißig ein...

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  3. Sehr guter Artikel und ich kann auch nur jedem empfehlen, die VL zu nutzen ob nun mit oder ohne staatlichen Zuschuss. Alleine der Arbeitgeberzuschuss ist in Ordnung und man kann eine kleine Summe aufbauen.

    @Michael,
    ich frage mich wie deine Meinung zu Wasserstoffaktien ist und warum entsprechend noch keine in der Depotübersicht zu sehen sind?

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  4. Wenn ich das richtig sehe, geht es auch hier um eine sogenannte Brutto-Umwandlung. Hier sollte man dann auch noch durchrechnen, in wie weit das wiederum die normale Rente kürzt, denn die Umwandlung mindert die Berechnungsgrundlage für die Rente!
    Soweit habe ich das noch im Hinterkopf oder wurde hier in den letzten Jahren noch was verändert?

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    1. Ne, bei Vermögenswirksamen Leistungen geht es nicht um eine Gehaltsumwandlung. Es ist eine "freiwillige" Leistung des Arbeitgebers, die er seinen Angestellten aus eigenem Antrieb oder aufgrund tarifvertraglicher Regelungen anbietet. Grundlage ist das 5. Vermögensbildungsgesetz.

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  5. Ich glaube es geht darum, wenn der Arbeitgeber z.B. nur 25 Euro zahlt, dass man freiwillig auf 40 Euro aufstocken kann. Die paar Euro würde ich bezüglich Rente ignorieren. Wer jünger als 40 ist sollte sowieso nicht mehr fest mit einer Rente rechnen...

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