Sonntag, 27. Januar 2019

Vermögenswirksame Leistungen: Aktiensparplan für Arbeitnehmer mit 20% Extrarendite

Börsenlegende Bernard Baruch brachte das Dilemma auf den Punkt: entweder wir arbeiten für Geld, oder unser Geld arbeitet für uns.

»Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns.«
(Bernard Baruch)

Dabei sind natürlich diejenigen gekniffen, die nicht groß geerbt haben oder üppig beschenkt wurden. Alle anderen können nicht einfach ihr Geld anlegen und damit relevante Einnahmen erzielen aus Zinsen oder Dividenden. Wer kaum Geld auf der hohen Kante hat, muss für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Und dabei verdienen sich die meisten kein großes Vermögen zusammen - aber ein kleines Vermögen kann schon drin sein und Vater Staat greift hierbei durchaus fürstlich unter die Arme. Wenn man es denn richtig anstellt...


Es geht um die sog. Vermögenswirksamen Leistungen, mit denen der Staat normal- und geringverdienenden Arbeitnehmern beim Vermögensaufbau helfen möchte. Und zwar durch die Arbeitnehmersparzulage, die bei der Anlage in Aktien oder ähnlichen Vermögenswerten 20% auf die Sparrate beträgt. Zusätzlich zu der Rendite, die man ohnehin mit den Aktien erzielt!

Ein paar Voraussetzungen muss man schon erfüllen, wenn man an die Zulage kommen will:

  1. Man muss Arbeitnehmer sein.
  2. Das zu versteuernde Einkommen in dem Kalenderjahr, für das man die Arbeitnehmersparzulage beantragt, darf 20.000 Euro nicht überschreiten (bei Verheirateten 40.000 Euro, wenn beide Arbeitnehmer sind).
  3. Das Geld muss durch den Arbeitgeber in förderfähige Aktiensparverträge eingezahlt werden.
  4. Es sind max. 400 Euro pro Jahr (rund 33,33 Euro im Monat) zulagebegünstigt.
    Achtung: bei anderen Anlageformen gelten andere Einkommensgrenzen und Zulageprozente!

Damit ist klar, das Instrument der Vermögenswirksamen Leistungen richtet sich vor allem an Auszubildende, Berufsanfänger und Niedrigverdiener. Also genau diejenigen, die zumeist der Überzeugung sind, sie könnten von ihrem geringen Einkommen kein Geld zurücklegen. Aber wer das wirklich will, der schafft das auch. Natürlich nicht ohne Einschränkungen, klar, aber genau deshalb setzt der Staat hier ja einen Extraanreiz. Um das unmöglich erscheinende doch möglich zu machen.

»Wer wirklich etwas will, findet einen Weg. Wer nicht wirklich will, findet Ausreden.«
(Willy Meurer)

Arbeitgeberanteil? Muss man sich schon selbst holen...

Es gibt sogar noch einen weiteren Punkt, der die Sache zusätzlich schmackhaft machen kann. Denn oftmals zahlt der Arbeitgeber zumindest einen Teil der Sparbeiträge! Dieser sog. Arbeitgeberanteil ist im jeweiligen Tarifvertrag festgeschrieben oder aber der Arbeitgeber zahlt ihn auf freiwilliger Basis.

Nachfragen bei Arbeitgeber lohnt, denn dieser ist nur dann zur Zahlung verpflichtet, wenn ihm der Arbeitnehmer einen VL-fähigen Sparvertrag vorlegt! Wer sich also nicht kümmert, verzichtet nicht nur auf die Arbeitnehmersparzulage, sondern sogar unter Umständen sogar auf ihm zustehendes Bruttoarbeitsentgelt! Und das wäre doch ganz schön blöd, oder?

Übrigens, wenn der Arbeitgeber weniger als die 33,33 Euro pro Monat übernimmt oder auch gar nichts, kann der Arbeitnehmer trotzdem die VL-Leistungen in Anspruch nehmen. Er kann nämlich die Differenz oder auch den ganzen Betrag von seinem Bruttogehalt eingehalten und vom Arbeitgeber in den VL-Vertrag einzahlen lassen. Dann entsteht ebenfalls der Anspruch auf die Sparzulage.

Arbeitnehmersparzulage

Damit der Sparvertrag förderfähig ist, muss er einige Voraussetzungen erfüllen. Die wichtigste ist, dass der Sparer vor Ablauf von sieben Jahren ab Vertragsbeginn nicht an das Geld heran kommt. Das ist deshalb so geregelt, weil der Zweck der staatlichen Förderung ja der Vermögensaufbau ist. Und der braucht eben etwas Zeit. Von den sieben Jahren Mindestlaufzeit werden sechs Jahre lang die Sparraten eingezahlt und ein Jahr lang ruht der Vertrag. Am Ende dieser sieben Jahre zahlt das Finanzamt auf einen Schlag alle in diesem Zeitraum erworbenen Ansprüche auf die Arbeitnehmersparzulage in den Vertrag ein - bei sechs Jahren und max. 80 Euro Sparzulage pro Jahr (20% auf 400 Euro) sind das immerhin 480 Euro geschenkt oben drauf!

Da der Vertrag nur sechs Jahre lang bespart wird, obwohl er sieben Jahre lang läuft, kann man bereits nach Ablauf der sechs Jahre einen Folgevertrag abschließen und dann in diesen die VL-Beiträge einzahlen lassen.

150.000 Euro bis zur Rente möglich!

80 Euro Arbeitnehmersparzulage im Jahr klingt nicht nach viel Geld. Aber es gibt ja noch den "Nebeneffekt", dass man kontinuierlich monatlich Geld anspart. Wenn man z.B. mit neunzehn Jahren beginnt und das VL-Sparen in Aktien konsequent durchzieht bis zur Rente mit 67 Jahren (das sind 8 VL-Verträge zu jeweils 6 Ansparjahren), spart ja monatlich konsequent 33,3 Euro in Aktien und Aktien bringen auf lange Sicht rund 7% Rendite pro Jahr. Lässt der VL-Sparer diese Gelder unangetastet in dem Vertrag liegen, kriegt er nicht nur am Ende jeweils hierein die 480 Euro Sparzulage gezahlt, sondern der Gesamtbetrag rentiert sich jedes Jahr mit zusätzlichen 7%. In Summe kommt man mit allen Beträgen nach diesen 48 Jahren auf knapp 150.000 Euro, die sich über die Zeit angesammelt haben. Auch dank des Zinseszinseffekts!

Wenn man auf den Faktor Zeit setzt, ist es auch für Geringverdiener möglich, mit kleinen Beiträgen ein stattliches Vermögen anzusparen und so im Alter eine schöne Zusatzversorgung zur staatlichen Rente zur Verfügung zu haben.

Fazit: wer VL nicht nutzt, verschenkt bares Geld - und die Renditechancen des Aktienmarkts.


P.S.: Man kann auch in Bausparverträge VL-fähig sparen; dann gelten allerdings niedrigere Einkommensgrenzen und Förderhöhen (max. 470 Euro, 9% und 17.900/35.800 Euro).

Kommentare:

  1. kleiner Denkfehler? "kriegt er nicht nur am Ende jeweils hierein die 480 Euro Sparzulage gezahlt" der 19 jährige BeispielSparer wird wohl nicht immer unter 20.000 euro verdienen, deshalb fällt die Sparzulage recht schnell weg! sorry gruss thomas

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    1. Maßgeblich für die Arbeitnehmersparzulage ist das "zu versteuernde Einkommen". Dabei werden vom Gesamtbetrag der Einkünfte (z. B. aus selbständiger oder nichtselbständiger Arbeit, Mieteinnahmen usw.) Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen, individuelle Freibeträge und außergewöhnliche Belastungen abgezogen. Es liegt also zwischen Brutto- und Nettoeinkommen.

      Bei einem Single ohne Kinder dürften also gut 2.000 Euro monatliches Bruttoeinkommen anfallen können (also etwa 1.320 Euro Netto), um nicht den Grenzwert von 20.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen zu überschreiten. Bei Verheirateten jeweils doppelt so viel.

      Man sollte nicht vergessen, dass viele Leute nur Halbtags arbeiten oder weniger als 40 Stunden. Und wenn sie verheiratet sind, nicht immer beide Ehepartner voll berufstätig sind. Daher dürften es bei vielen durchaus längere Phasen geben, wo sie sparzulagenberechtigt sind.

      Und bitte nicht vergessen: die Arbeitnehmersparzulage ist zwar ein besonderer Anreiz, aber das meiste Geld kommt durch das monatliche Ansparen und den Zinseszinseffekt zusammen! Daher handelt es sich bei der Berechnung eher nicht um einen Denkfehler...

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  2. Guter Beitrag, Kleiner Schreibfehler im Text..."Nachfragen bei Arbeitgeber lohnt, denn dieser ist nur dann zur Zahlung verpflichtet, wenn ihm der Arbeitgeber einen VL-fähigen Sparvertrag vorlegt!" hier muss es lauten: Wenn ihm der ARBEITNEHMER einen...

    Viele Grüße und Danke für Ihre immer sehr informativen Beiträge...

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  3. Wenn man sich aber nun entschlossen hat, einen VL-Sparplan als Aktiensparplan zu nutzen, geht die Suche erst richtig los. Arbeitnehmersparzulage fällt bei mir leider - nee erfrreulicher Weise - weg. Mein Arbeitgeber (Staat) gönnt mir im Monat sagenhafte 6,65€ VL (Ich bitte um Mitleid). Den Betrag kann ich dann maximal auf 40 € aufstocken. Was nun? Fondsgesellschaft? - 5% Ausgabeaufschlag für einen Fond, den ich ohne Aufschlag im Direkthandel bekomme. Dazu kommen noch Depotgebühren. Selbst bei Direktbrokern (z.B. Consors oder Comdirect) zahle ich noch zusätzliche Depotgebühren auch dann, wenn ich schon ein Depot dort habe.
    Hat jemand eine bessere Lösung? Wäre sehr an Tipps interessiert.

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    1. Ich habe selbst einen solchen VL-Sparplan (da mein Vermögen größtenteils in meiner GmbH liegt, kann ich mein Einkommen recht gut steuern und nur so viel aus der GmbH herausnehmen, wie ich privat unbedingt benötige). Ich habe den Sparplan seinerzeit als Comdirectbank-Kunde eingerichtet; das musste man über die damalige Tochter ebase machen (die wurde zwischenzeitlich verkauft). Bei ebase zahle ich für meine 40 Euro im Monat 0,20 Euro Gebühr; und einmal jährlich 12 Euro Kontoführung. Es gehen letztlich von 40 Euro pro Monat 1,20 Euro ab oder 3%. Bezogen auf die Sparbeiträge, nicht auf das Depotvolumen! Den 3% Kosten stehen 20% Arbeitnehmersparzulage entgegen, also 17% Vorteil.

      Bei der Auswahl des Fonds/ETFs muss man natürlich schon genau(er) hinsehen. Ich habe wert darauf gelegt, einen internationalen thesaurierenden ETF zu nehmen mit einer möglichst geringen TER (Total Expanse Ratio). Also mit möglichst geringer Kostenbelastung. Die Ausschüttungen werden umgehend wieder in ETF-Anteile umgewandelt.

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    2. Bin mit meinem EM ETF bei Finvesto und wohl beim gleichen Arbeitgeber. Die Jahresgebühr beträgt bei Finvesto 10 Euro. Ich meine Finvesto gehört ebenfalls zu Ebase, zumindest war auf dem letzten Auszug auf dem Briefkopf auch ebase gestanden. Hatte mich damals für finvesto entschieden, da es über KWK noch 50 Euro gab und somit quasi die ersten 5 Jahresgebühren geschenkt und ich hatte die Hoffnung evtl noch den ein oder anderen Doktorrandenkollegen zu werben ;) (Aktion läuft glaube ich sogar noch)
      Ich weiß nicht, wie es bei ebase ist, aber bei finvesto kann man wohl die 10 Euro Jahresgebühr auch über das Verrechnungskonto bezahlen (laut Telefonhotline). Bin selbst erst 2 Monate dabei...

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