Freitag, 7. April 2017

American Water Works lässt Gewinne fließen

▸ Kissigs Kolumne vom 6. Februar 2017, Anlegermagazin 01/2017 

Wasser ist das Elixier des Lebens und der menschliche Körper besteht zu mehr als der Hälfte aus ihm – je jünger man ist, desto höher ist der Wasseranteil. Wir benötigen Wasser aber nicht nur zum Trinken, sondern auch für eine Vielzahl anderer Aktivitäten und in den Industriestaaten möchte kaum noch jemand die morgendliche Dusche missen.

Was für ein Glück, dass unsere Erde zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt ist, so dass unser Bedarf mehr als gedeckt ist. Oder sein sollte, denn das meiste dieses Wassers ist für uns nicht zu gebrauchen. Das liegt daran, dass von den Unmengen an Wasser auf unserem Planeten 97 Prozent Salzwasser ist, das weder Mensch, Tier noch Pflanze zu sich nehmen kann. Nur etwas weniger als 3 Prozent des Wassers ist Süßwasser, also mit einem äußerst geringen Salzgehalt. Auch diese Menge würde mehr als ausreichend sein für unsere Bedürfnisse, doch leider ist das meiste Süßwasser an den Erdpolen in Form von Packeis gebunden. Nur etwa ein Drittel ist frei verfügbar und das überwiegend als Grundwasser. Nur 0,01% fällt in Form von Niederschlägen, wie Regen oder Schnee, auf die Erde.

Wasser ist also nicht in großen Mengen verfügbar und schon gar nicht überall. Der Mensch hat es in Jahrhunderten geschafft, viele Landstriche zu verseuchen und das Grundwasser zu kontaminieren. Oder die Umwelt so zu belasten, dass der Grundwasserspiegel dramatisch abgesunken ist. Was dazu führt, dass sauberes Trinkwasser für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit ist, nicht nur in Dürregebieten in Afrika, im Nahen Osten oder Australien. Selbst bei uns im regen- und grundwasserreichen Nordeuropa gibt es inzwischen Gebiete, wo nicht ausreichend Wasser verfügbar ist, wo es also von anderen Orten hingebracht werden muss.

Für uns ist es ziemlich selbstverständlich, den Wasserhahn aufzudrehen und das Leitungswasser sprudeln zu lassen oder den Gartenschlauch zum Rasensprengen einsetzen zu können. Leitungswasser ist angenehm, es unterliegt mit den genauesten Nahrungsmittelkontrollen und es schmeckt zumeist recht gut. Variierend ist zumeist nur der Kalkgehalt, also der Härtegrad des Wassers, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lebensdauer unserer Waschmaschine oder der Kaffeemaschine. Darüber hinaus haben wir uns angewöhnt, für ein Vielfaches abgefülltes Wasser zu trinken, nicht nur als Mineralwasser, sondern auch als Tafelwasser. Hierfür benötigt man dann keine Wasserleitungen, sondern Flaschen, die Menschen im Laden selbst einkaufen und nach Hause schleppen.

In den USA ist es noch viel üblicher als bei uns, Regenwasser in großen Tanks aufzufangen und zu nutzen. Insbesondere in Manhattan finden sich auf vielen Wolkenkratzern solche Tanks auf dem Dach und liefern das nötige Wasser zum Trinken, Kochen, Waschen. Das ist dem Platzmangel geschuldet und dann gibt es natürlich noch die weiten Ebenen im mittleren Westen, wo niemand wirtschaftlich Wasserleitungen verlegen und betreiben könnte.

Und da sind wir beim zentralen Thema, der Verteilung des Wassers. Und zwar nicht nur des Brauchwassers, sondern auch des Abwassers. Denn egal, aus welcher Quelle das Wasser auch stammt, die meisten Menschen benutzen eine Toilette, um es wieder loszuwerden. Und diese ist ganz überwiegend an ein Leitungssystem angeschlossen, das dieses Abwasser zu einer Kläranlage transportiert. Nimmt man diese Faktoren zusammen, sind Wasserunternehmen sowohl im Bereich der Konsumgüter als auch der Infrastruktur tätig. Und damit als defensive Investments geeignet und auch Hoffnungsträger für die Infrastrukturinitiative des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Der Blick aus Deutschland über den Teich, also den Atlantik, angefüllt mit einer Unmenge an Salzwasser, führt uns zum größten dortigen Anbieter American Water Works (NYSE: AWK). Seit dem Börsengang im Jahr 2008 fuhr die Aktie rund 350 Prozent an Kursgewinnen für ihre Anleger ein und damit etwa das Vierfache der 91 Prozent, die der S&P 500 seitdem zulegen konnte.

Das liegt natürlich daran, dass Wasser immer benötigt wird und solange die Zukunftstechnologien aus Star Trek, wie die Schalldusche und der Replikator, nicht als alltagstaugliche Produkte den Weg in unser Leben gebahnt haben, solange werden wir auf Wasserlieferanten angewiesen sein. Und selbst dann wird man das Schmutzwasser noch entsorgen müssen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Art des Geschäfts, denn wie die großen Eisenbahnen haben Wasserversorger fast keine Konkurrenz. Niemand baut parallel eine zweite Wasserleitung, das wäre unbezahlbar. Konkurrenz besteht durch Wasser, das in Form von Tanklastern angeliefert wird, durch aufgefangenes Regenwasser, durch eigene Brunnen und durch Wasser in Flaschen. Ein alternativer Leitungswasserlieferant hingegen tritt kaum auf den Plan. Und wer mal auf seine heimische Wasserrechnung schaut entdeckt, dass Wasser an sich kaum etwas kostet. Die Kosten für das Leitungsnetz und das Reinigen des Abwassers, also die Kläranlagen, die verursachen die Kosten. Eine Deregulierung wie beim Strom oder Gas wird also kaum Kostensenkungen für den Verbraucher mit sich bringen, daher dürfte auch von staatlicher Seite an den quasi monopolistischen Strukturen festgehalten werden.

American Water Works ist also in einem abgeschotteten Markt ohne wirkliche Konkurrenz tätig. Und gegenüber seinen Wettbewerbern hat AWK einen entscheidenden Vorteil: man ist in 47 US-Bundesstaaten tätig und einer kanadischen Provinz, während der nächstgrößte Wettbewerber lediglich acht der 50 US-Bundesstaaten bedient. In 16 dieser 47 Staaten ist man als „regulated utility“ tätig, also ein privates Unternehmen, das den staatlichen Versorgungsauftrag erfüllt anstelle der eigentlich zuständigen staatlichen Stellen. So wie in Deutschland das Krankenhauswesen, das Aufgabe der Landkreise ist, aber inzwischen überwiegend für diese von privaten Anbietern wie Asklepios, Helios oder Sana wahrgenommen wird.

Was das Geschäftsgebiet angeht, liegt AWKs Schwerpunkt ganz klar im Nordosten der USA und in Kalifornien. New Jersey macht zur Zeit 26 Prozent der „regulierten Umsätze“ aus.

Wachstum über Zukäufe ist der große Treiber
Viele Städte in den USA unterhalten eigene Wasserwerke und die Investitionen in deren Infrastruktur ist kostspielig. Gerade die öffentliche Hand leidet unter knappen Kassen und es ist selten genug Geld für alle Ausgaben vorhanden, so dass bei der Infrastruktur und Bauunterhaltung gespart wird. Naja, gestrichen wird, wäre wohl eher korrekt. Denn Einsparungen ergeben sich auf lange Sicht nicht, da die zunehmenden Schäden aufgrund unterlassener Instandhaltung viel teurer werden als zeitnahe und stetige Behebung auftretender Beschädigungen.

Im Gegensatz zur öffentlichen Hand verfügt American Water Works über das nötige Geld und daher kann man immer wieder relativ günstig bei Übernahmen öffentlicher Wasserversorger zum Zug kommen.

AWKs großer Vorteil besteht darin, dass man relativ einfach weiter expandieren kann. Wann immer sich ein Zukauf anbietet, können die neuen Leitungen an das bestehende Leitungsnetz angeknüpft werden. Im Gegensatz zu seinen anderen überregional tätigen Mitbewerbern hat AWK hier viel mehr Anknüpfungspunkte und daher die Möglichkeit, schneller und stärker zu wachsen. American Water Works ist der Platzhirsch und der große Hecht im Karpfenteich. Und hieraus ergeben sich dann Synergieeffekte, die andere Anbieter nicht vorweisen können. AWK kann sich deshalb ggf. sogar etwas höhere Übernahmepreise leisten, weil man diese höheren Kosten dann über die Jahre über Einsparungen wieder rein holt. Die Größe macht das Wachstum einfacher.

Auch für Dividendenjäger ist die Aktie interessant, denn das Unternehmen schüttet zwischen 50 und 60 Prozent seiner Gewinne an die Aktionäre aus. Einerseits wachsen die Gewinne seit Jahren und auf der anderen Seite wäre auch eine höhere Ausschüttungsquote denkbar, wenn denn einmal nicht mehr weitergewachsen wird. Dieses Potenzial dürfte aber absehbar eher nicht zum Tragen kommen, da der Fokus zunächst auf weiterem Wachstum liegt. Die aktuelle Dividendenrendite liegt mit knapp 2,1 Prozent eher am unteren Ende des Branchenvergleichs, die Steigerung des Aktienkurses hingegen am anderen Ende des Spektrums.

Die vielen Vorteile und das sichere Geschäftsmodell haben natürlich ihren Preis und der Aktienkurs zeigt zumindest keine Unterbewertung an. Andererseits bietet American Water Works eine verlässliche Perspektive und die Aussicht auf weiter wachsende Umsätze und Gewinne und damit steigende Dividenden und Aktienkurse. Ein klassisches Buy-and-hold-Investment zu einem entsprechenden Preis.

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