Samstag, 30. September 2017

Investor-Update: Blue Cap, Burberry, Corestate Capital, Deutsche Telekom, Goldman Sachs BDC, Greiffenberger, Hypoport, Publity, Rocket Internet, Softship

In meinen Investor-Updates notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

September bezaubert mit Traumfinale
Wir haben den September überstanden und entgegen der allgemeinen und überall verkündeten Meinung, es würde zu einem Crash kommen, weil der September ja der schlechteste Börsenmonat überhaupt sei, rannten die Kurse weiter nach oben. Aktienkurse haben kein Gedächtnis und wenn alle Marktteilnehmer der gleichen Meinung sind, dann haben sie sich auch im Vorfeld bereits entsprechend positioniert. Folgerichtig ist das erwartete Ereignis ausgeblieben. Für die Pessimisten noch schlimmer: die Aktienmärkte schlossen den September nahe an ihren Allzeithochs ab.

»Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief.«
(André Kostolany)

So markierte der S&P 500 am Freitag ein neues Allzeithoch bei 2.518 Punkten, der Dow Jones bei 22.405 Punkten, der MDAX bei 26.012 Punkten und der DAX liegt nur knapp 40 Zähler unter seinem Allzeithoch von rund 22.880 Punkten. Und wir haben noch immer Niedrigst- und sogar Negativzinsen, so dass es gut möglich ist, dass das Geld der "schlauen" Investoren nun bald in die Aktienmärkte zurückkehrt und eine fette Herbstrallye auslöst. Jenseits aller Bedenken bzgl. der Bewertung der Aktienmärkte.


 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index steigt weiter an
Der Angst-und-Gier-Index von CNN Money ist innerhalb von nur vier Wochen aus dem Bereich extremer Angst bei einem Tiefststand von 16 Punkten in den Bereich extremer Gier bzw. 85 Punkte hoch gerast. Trotz der Kriegsängste bzgl. Nordkorea, des Terroranschlags in London oder der unsicheren Aussichten hinsichtlich der Regierungsfindung in Deutschland. Und auch die Ankündigung der FED sowie der EZB, sich nun langsam aus den Anleihekaufprogrammen zurückzuziehen und die Zinsen tendenziell anheben zu wollen, kann die Märkte aktuell nicht aufhalten. Die Konsequenzen aus diesen Ankündigungen werden erst in einiger Zeit zu spüren sein und auch nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden.

Da ich im September annähernd voll investiert war, hat sich die positive Entwicklung auch in meinem Depot niedergeschlagen. Mit einem Plus von fast 11% bin ich äußerst zufrieden. Und trotz der Kurssteigerungen habe ich noch so einige interessante Investmentideen, so dass ich für diese Käufe erstmal Geld auftreiben musste. Auch aus diesem Grund habe ich meine Empfehlungsliste und mein Depot einer kritischen Würdigung unterzogen und einige Titel heraus geschmissen. Überwiegend keine "Muss-man-verkaufen-Aktien", sondern eher aufgrund eingetrübter und/oder bescheidener Potenziale, jedenfalls verglichen mit den neuen Werten. Oder alten Bekannten, die ich aufgestockt habe.

Auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot hat sich daher in der letzten Woche einiges getan...

- Burberry Group PLC
Den Luxusartikelhersteller Burberry hatte ich Ende 2015 auf meine Empfehlungsliste genommen, als man sich in einer mittelschweren Krise befand. Der Kurs war entsprechend abgestürzt und ich setzte auf eine mittelfristig erfolgreiche Sanierung. Die geht recht gut vonstatten, wobei das schwache Pfund in der Folge des Brexit-Votums hier maßgeblichen Anteil hat. Oder eher hatte, denn inzwischen erholt sich das Pfund und das dürfte, gepaart mit eher verhaltenen Aussichten bzgl. der britischen Wirtschaft und der anziehenden Zinsen in Großbritannien eher für einigen Gegenwind sorgen. Nun bin ich langfristig weiter positiv gestimmt für den Bereiche der Luxusartikel und auch Burberry bewerte ich weiter aussichtsreich als Marke und Unternehmen. Auch als Übernahmeziel. Aber auf dem aktuellen Kursniveau scheint mir der Titel erstmal ausgereizt und daher habe ich ihn aus meinem Depot und von meiner Empfehlungsliste gestrichen. Inkl. der Dividenden verbleiben etwas mehr als 27% Rendite. Meine Burberry-Krawatten behalte ich allerdings und werde sie auch weiterhin gerne und regelmäßig tragen.

+ Corestate Capital
Den Immobilien-Asset Manager Corestate Capital hatte ich erst in der Vorwoche lobend erwähnt und die Konsolidierung zum Aufstocken meiner Position genutzt. Da meldet Corestate am Freitag die Übernahme des Hamburger Immobilienmanagers Atos Capital mit etwa 2 Mrd. Euro Assets under Management (AuM). Damit wächst das verwaltete Vermögen der Corestate-Gruppe auf mehr als 22 Mrd. Euro an. Und man gewinnt zwei ausgewiesene Experten hinzu, denn die beiden Atos-Gründer Udo Stocker und Dr. Michael Hermes werden die Gesamtleitung und Koordination des Asset Management der Corestate-Gruppe übernehmen.

Ganz hervorragende Neuigkeiten! Corestate spricht von einem "werterhöhenden Effekt mit solider Gewinnprognose" und wenn man bedenkt, dass die kürzlich für 2018 abgegebene Prognose ausschließlich auf den bisher in 2017 erfolgten Akquisitionen (HFS und HL) basiert, kündigt sich hier die nächste Anhebung an. Zumal man weitere Zukäufe in der Pipeline hat. Insofern besteht hier durchaus einiges an weiterem Upside-Potenzial und ich bewerte die Unternehmensentwicklung als sehr positiv! Wenn Corestate in dieser Art und Weise weiter macht, kann ich mir bis Ende 2018 durchaus dreistellige Kurse vorstellen. Folgerichtig habe ich meinen Bestand noch weiter aufgestockt und auch wenn ich innerhalb der Position aufgrund der höheren Volatilität ab und zu mal trade, ist Corestate nun deutlich meine größte Position. Und eine der aussichtsreichsten.

- Deutsche Telekom
Als ich die Telekom auf meine Empfehlungsliste nahm, hatte ich vor allem das abgeschriebene Kupferleitungsnetz im Auge und das dort schlummernde enorme Potenzial. Mein Investmentcase ist voll aufgegangen, Vectoring hat der Telekom eine wieder viel stärkere Marktstellung gebracht und befördert auch den vollständigen Glasfaserausbau. Des Weiteren hat sich die US-Tochter T-Mobile USA vom Sorgenkind zur Gewinnmaschine gewandelt und die Telekom steht besser da denn je. Umso unverständlicher, dass der Kurs nach seinem Zwischenhoch bei 18 Euro wieder den Rückwärtsgang angetreten hat und schlaff bei knapp über 15 Euro vor sich hin dümpelt. Nach etwas mehr als drei Jahren trenne ich mich daher von der Telekom und mache Kasse. Unter dem Strich stehen inkl. Dividenden mehr als 38% Rendite, so dass ich zufrieden bin. Woanders hätte man mehr verdienen können und dürfte auch künftig andernorts bessere Gewinne einfahren können. Das ist der Grund; ansonsten bleibt die Deutsche Telekom für Langfristanleger, die auf eine eher unterdurchschnittliche Volatilität und eine attraktive Dividendenrendite setzen, eine gute Wahl. Vor allem in den USA könnte eine Fusion mit Sprint enorme Kostensenkungspotenziale freilegen und so den Wert dieser Telekom-Tochter weiter erhöhen.

+ Goldman Sachs BDC
Auch in meinem Dividenden-Depot gab es Zuwachs und ich habe mich für eine extern gemanagte, aber sehr erfolgreiche BDC entschieden, die von Goldman Sachs. Ich werde auch diese BDC in naher Zukunft ausführlich vorstellen; aktuell bin ich ja mit einigen in Rückstand...

+ Greiffenberger
Die Industrieholding Greiffenberger ist ein alter Bekannter, denn ichhatte das Unternehmen vor vielen Jahren schon einmal mal auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Aber mit mäßigem Erfolg und als das Siechtum begann, doch noch bevor das Verhängnis seinen Lauf nahm, hatte ich entnervt die Reißleine gezogen. Jahre später folgte die Insolvenz und die Sanierung durch den Verkauf von zwei der drei Tochterunternehmen, dann Schuldenschnitt sowie Rekapitalisierung. Übrig blieb nur eine Tochter, die J.N. Eberle & Cie. GmbH, ein Premium-Hersteller von industriellen Bandsägen und anderen hochwertigen Bandstahl-Produkten. Und nun ist Blue Cap bei Greiffenberger eingestiegen und hat im Rahmen einer kleinen Kapitalerhöhung die 10% an jungen Aktien vollständig gezeichnet. Blue Cap ist Sanierungsspezialist und gibt sich eigentlich nicht mit Minderheitsbeteiligungen zufrieden. Daher glaube ich, dass man mittelfristig eine vollständige Übernahme der Greiffenberger AG anstrebt (50,7% stehen im Eigentum der Greiffenberger GmbH) und sich die hohen Verlustvorträge zunutze machen will. Die Greiffenberger AG wird momentan von den Vorständen der Töchter kommissarisch und erst einmal bis zum Jahresende mit geführt, so dass dem Unternehmen eine Führungspersönlichkeit wie Hannspeter Schubert gerade recht kommen dürfte. Wie das Ganze am Ende vonstatten gehen soll und wird, bleibt abzuwarten.

Ich bin ja bereits stark in Blue Cap investiert und halte das Unternehmen für deutlich unterbewertet. Ich habe mich jedoch entschieden, keine weiteren Blue Cap-Aktien zu erwerben, sondern stattdessen die beabsichtigte Summe direkt in die Greiffenberger AG zu investieren und auf den erfolgreichen Turnaround zu setzen.

+ Hypoport
Erst kürzlich hatte ich die beiden Fintech-Unternehmen JDC Group und FinTech Group auf meine Empfehlungsliste genommen, nachdem ich sie schon einige Zeit in meinem Depot hatte. Und nun habe ich auch meine Hypoport-Anteile weiter aufgestockt, denn Hypoport hat überzeugende Zahlen präsentiert und mit einem Zukauf die Versicherungssparte verstärkt. So übernahm die Hypoport-Tochter Smart InsurTech GmbH die IWM Software AG.

- Publity
Bei Publity hatte ich große Erwartungen und die haben sich nicht (alle) erfüllt. Ich bin zu hoch eingestiegen und auch wenn ich bei fallenden Kursen nachgekauft und fette Dividenden eingestrichen hatte, bin ich doch nicht mehr restlos überzeugt von meinem Investment. Ich habe daher mit sattem Gewinn verkauft. Bezogen auf meine Empfehlungsliste ergibt sich ein deutlich bescheidenerer Gewinn als in meinem Depot: inkl. Dividenden bleiben nach gut anderthalb Jahren knapp 11% Rendite übrig.

Dabei finde ich das Geschäftsmodell von Publity weiterhin interessant. Zuletzt häufen sich aber Entwicklungen, die mich nachdenklich stimmen. So hatte Publity-CEO und -Großaktionär Thomas Olek seine Immobilienfirma Consus zum Publity-Kunden gemacht. Das fand ich positiv. Doch dann feuerte man den Consus-Vorstand und übernahm kurze Zeit später einen um ein Vielfaches größeren Immobilienprojektentwickler. Der Fokus verschiebt sich also vom Bestandshalter hin zum Entwickler. Was für mich eher nach weniger Deals mit Publity klingt.

Des Weiteren musste Publity eingestehen, dass ihr aufgelegter NPL-Fonds für die investierten Anleger nicht gerade gut läuft. Die erwarteten Renditen werden deutlich unterschritten und Publity versucht nun, die NPF-Forderungen aus dem Fonds herauszukaufen, um diesem eine schwarze Null zu ermöglichen. Lobenswert! Andererseits stimmt mich das natürlich nachdenklich, denn Publity betreut ja inzwischen ein milliardenschweres NPL-Portfolio. Und wenn man dort geringere Renditen erzielt, als angenommen, betrifft das vermutlich auch Publity selbst.

Und dann laufen noch zwei gegenteilige Entwicklungen nicht positiv für Publity. Einerseits läuft der Immobilienmarkt immer heißer, auch für Gewerbeimmobilien, und Publity scheint immer weniger lukrative Assets einsammeln zu können - oder wenn, dann eben nur, weil man mehr bietet als alle anderen. Es scheint so, dass das Erfolgsrezept auch darauf basierte, dass man klein und wendig war und nun als Dickschiff nicht mehr unterhalb des Radars der anderen Haie hindurchtauchen kann.

Abschließend ist noch zu beobachten, dass Publity kaum mehr Erfolgsmeldungen verbreitet. Hatte man bis vor einigen Monaten noch jeden Ankauf, jeden Verkauf und sogar jede Vermietung als Ad-hoc in die Welt geschickt, herrscht nun absolute Funkstille. Entweder Publity hat seine PR-Masche verändert, oder man hat schlicht nichts mehr zu vermelden. Egal wie, auch hier fühle ich mich eher skeptisch.

In Summe all dieser Faktoren habe ich mich entschlossen, Publity aus meinem Depot und von meiner Empfehlungsliste zu streichen. Das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich eingetrübt und auch wenn Publity grundsätzlich interessant bleibt, nicht nur wegen der üppigen Dividendenrendite, sehe ich bei anderen Werten größere Chancen.

+ Rocket Internet
An den Samwers und ihrer Rocket Internet scheiden sich die Geister. Auch ich war lange skeptisch, ob das bloße Kopieren funktionierender Geschäftsmodelle, um diese dann irgendwann auf Gewinn zu trimmen und abzustoßen, ein echter Hit wird. Nach dem Börsengang ging es auch erstmal deutlich nach unten mit dem Kurs, obwohl man mit Zalando den inzwischen führenden europäischen Online-Modehändler als Erfolg vorzuweisen hatte. Nicht zu vergessen Alando, den Ebay-Clone, den man später an Ebay selbst verkaufte und der den Grundstein zum Samwer-Imperium legte. Über das folgende Klingelton-Abo-Unternehmen Jamba schweigen wir uns mal aus. Wirtschaftlich erfolgreich war es jedenfalls. Und extrem nervig. Der Verkauf an Verisign spülte dann noch einmal viel Geld in die Taschen der Samwers.

Nach dem Börsengang von Rocket Internet gab es zuletzt erheblichen Krach mit einem großen RI-Investor und Partner, der schwedischen Beteiligungsgesellschaft  Kinnevik, und man ging am Ende getrennte Wege. Im Gegenzug stieg Ralf Domermuths United Internet bei RI ein. Im Sommer belastete das missglückte IPO des Hello Fresh-Konkurrenten Blue Apron den Kurs von Rocket Internet und es gab Zweifel, ob man das IPO von Delivery Hero halbwegs erfolgreich über die Bühne bringen würde. Damals steig ich bei RI ein - allerdings mit viel weniger Geld und viel unbeachteter als Ralf Dommermuth. ;-)

Das IPO von Delivery Hero wurde ein großer Erfolg und inzwischen hat man auch noch die Hälfte der restlichen Beteiligung für 660 Mio. Euro an die südkoreanische Naspers verkauft, so dass RI noch 13% an DH (Pizza.de, Lieferheld, foodora, Foodpanda) hält.

Neben DH hält Rocket Internet weitere wesentliche Beteiligungen an HelloFresh, Global Fashion Group, Home24 oder Westwing. Diese haben sich  größtenteils weiter gut entwickelt. Besonders gut liefen die Geschäfte beim Kochboxen-Lieferant HelloFresh. Er konnte den Umsatz um die Hälfte auf 435 Millionen Euro steigern und die Verluste deutlich reduzieren. Unsicherheit herrscht allerdings, weil angeblich Amazon in diesen Bereich vordringen will und  bereits die Marke "Dinner for 2 in about 30 minutes" samt Kochlogo registriert hat. Auch die Global Fashion Group (GFG) konnte ihren Umsatz deutlich steigern und den Verlust reduzieren. In ihr sind internationale Online-Modeshops gebündelt, die vor allem in Russland, Lateinamerika und dem nahen Osten aktiv sind. In der GFG ist neben Rocket Internet auch noch Kinnevik beteiligt. Die Online-Möbelhändler Unternehmen Home24 und Westwing konnten im ersten Halbjahr dagegen beim Umsatz nur leicht zulegen, zudem waren die Geschäfte aber auch hier nicht mehr ganz so verlustträchtig.

Der Aktienkurs liegt trotz des jüngsten Anstiegs noch immer bei nur knapp der Hälfte dessen, was beim IPO aufgerufen wurde. Das ist natürlich kein Kaufargument. Allerdings kauft Rocket Internet inzwischen eigene Aktien zurück und hat gerade erst das Aktienrückkaufprogramm massiv ausgeweitet. Der Kurs ist also nach unten ziemlich gut abgesichert. Und damit können wir auf die Chancen blicken, die in den bestehenden Beteiligungen liegen und in den vielen neuen VC-Investments, die RI in letzter Zeit getätigt hat. Bis diese sich in gutem Geld auszahlen (und nur einige wenige werden zu großen Erfolgen), vergeht noch einige Zeit. Ein Grund, weshalb Venture Capital Gesellschaften eigentlich nicht selbst an die Börse gehören, weil dort der Rhythmus von Quartalsberichten bestimmt wird und nicht von Unternehmensentwicklungszyklen. Aber sei's drum, denn RI verfügt über reichlich Cash und daher muss einem nicht bei jeder Wasserstandsmeldung bange werden.

Die Gründe, weshalb ich bei RI eingestiegen bin, sind gleich mehrere. Zunächst hat man bewiesen, dass man mit seinen Beteiligungen richtig fett Geld verdienen kann. Und nun sitzt man auf einem großen Haufen Cash. Genauer gesagt, beläuft sich die „pro-forma“ Brutto-Cash-Position zum Ende des ersten Halbjahres auf 1,9 Mrd. Euro, zu der sich nach Vollzug die 660 Mio. Euro aus dem DH-Anteilsverkauf gesellen. In Summe liegen wir dann bei rund 2,55 Mrd. Euro, während die RI-Börsenkapitalisierung 3,58 Mrd. Euro beträgt. Und alleine die restliche Beteiligung an Delivery Hero ist (bei gleicher Bewertung wie beim aktuellen Verkauf an Naspers) 660 Mio. Euro wert, so dass alle weiteren Beteiligungen nur auf weitere 360 Mio. Euro taxiert werden von der Börse. Aus meiner Sicht viel zu wenig, selbst wenn man bedenkt, dass diese Beteiligungen Tag für Tag Geld verbrennen, da sie noch nicht profitabel sind! Aber wie schon Zalando oder Delivery Hero zeigten, kann sich das schnell ins Positive drehen, sobald das Wachstum etwas zurückgefahren und die hohen Werbeaufwendungen deutlich reduziert werden.

Apropos Zahlen... Im 1. Halbjahr wurde der aggregierte Umsatz der Rocket-Internet-Beteiligungen um 29% auf 1,24 Mrd. Euro gesteigert, während das bereinigte EBITDA um 44 Mio. Euro auf -161 Mio. Euro zulegte. Die bereinigte EBITDA-Marge betrug dem entsprechend -12,0% nach -19,6% im 1. Halbjahr 2016. Rocket Internet bzw. seine Beteiligungen macht also "operativ" weiter Verluste, auch wenn diese erheblich reduziert wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beteiligungen, die an oder über der Gewinnschwelle landen dann natürlich zu Exit-Kandidaten werden und das Portfolio verlassen (müssen) - und ggf. hohe Verkaufserträge erzielen. Wie Zalando oder Delivery Hero. Und damit die Cash-Position stärken.

Neben der Bewertung selbst gibt es den für mich entscheidenden Faktor: das Geschäftsmodell. Denn Rocket Internet ist kein Inkubator mehr. Man hat das Geschäftsmodell grundlegend verändert, was auch zum Bruch mit Kennevik geführt hat, mit denen man nun in direkter Konkurrenz steht. Denn anstatt ständig neue Internetfirmen zu gründen und hochzuziehen, ist Rocket Internet künftig ein Venture Capital-Unternehmen, ein Start-up-Investor. Das Portfolio weist rund 100 Statt-up-Engagements auf. Und damit ist Rocket Internet nun im Grunde eine Beteiligungsgesellschaft. Traraaaa! Ihr wisst, dass ich ein Faible für Beteiligungsgesellschaften habe und den erfolgreichen Machern gerne mein Geld zur Verfügung stelle, damit sie es für mich vermehren. Und mit RI habe ich nun das Spektrum meiner Beteiligungsgesellschaften erweitert.

- Softship
Softship hat das endgültige Delisting für den 30. November angekündigt und ich habe meinen Bestand nun über die Börse verkauft. Inkl. der Dividende bleibt nach weniger als anderthalb Jahren eine Gesamtrendite von 107% übrig und damit ist meine Turnaround-Spekulation bei Softship eine meiner erfolgreichsten Investmentscheidungen überhaupt.


Cashquote
Durch das Bereinigen meines Depots habe ich einiges an freien Mitteln gewonnen, die ich aber weitgehend wieder investiert habe. Meine Cash-Quote liegt aktuell bei aktuell 11%.

Meine größten Depotpositionen sind aktuell Corestate Capital, Deutsche Beteiligung, MBB, Blue Cap, JDC Group, Aurelius, Rocket Internet, mVISE, Steico, Datagroup, Hypoport. Nach meinen vier größten Positionen habe ich ein ziemlich breites und eng beieinander liegendes Mittelfeld, so dass sich die Kursveränderungen hier auch schnell man in der Platzierung auswirken. Wobei ich zugeben muss, meine Positionen bei Datagroup und mVISE ebenfalls ein wenig aufgestockt zu haben...

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    ich persönlich fahre eine reine Dividenden-Strategie mit einem relativ hohen Anteil an High Yields. Mein Portfolio umfasst BDCs, REITs, MLP-Offshore, MLP-ETF, Closed-End Funds, Schifffahrtsgesellschaften und Hoch-Dividenden-Aktien (z. B. Marine Harvest).
    Fast sämtliche High Yields reagieren allergisch auf steigende Zinsen. Dessen Risiko bin ich mir bewußt, allerdings kann ich mir aufgrund der weltweiten Schuldenproblematik langfristig nur homöopathische Zinserhöhungen vorstellen.
    Nun zu meinen Fragen:
    Warum stockst du in letzter Zeit deine BDC's so massiv auf ?
    Was hindert dich daran deine High Yields nicht mehr zu diversifizieren bzw. warum kaufst du keine REITs oder sonstige High Yields ?

    Ich habe über die ganzen Monate als stiller Mitleser deines Blogs sehr viel von dir lernen dürfen. Von daher bin ich schon auf deine Begründung gespannt.

    Danke und mach weiter so
    Andreas

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    1. Moin Andreas,
      mein Dividendendepot führe ich separat von meinem Investmentdepot. Letzteres ist ja Eigentum meiner Vermögensverwaltungs-GmbH, das Dividendendepot führe ich privat. Ab und zu kaufe ich da sogar mal auf Kredit (Wertpapierkredit) und lasse diesen durch die Dividenden abbezahlen. Die Comdirect hat da sehr attraktive Konditionen (3,9%). Vom Volumen her umfasst mein Dividendendepot weniger als 10% des Depotvolumens meiner GmbH; man könnte also sagen, mein High-Yield-Exposure beträgt weniger als 10%.

      Ich kaufe nur BDCs, weil ich sie mag. Ich mag das Geschäftsmodell, ich finde Unternehmensfinanzierungen toll. Ich diversifiziere also ausschließlich innerhalb des BDC-Sektors. Diversifikation findet also eher dadurch statt, dass ich weniger als 10% meines Vermögens in diesen Bereich stecke.

      BDCs sind von den von Dir genannten Anlageformen die wohl am wenigsten von steigenden Zinsen negativ betroffene. Die meisten BDCs in meinem Portfolio haben den ganz überwiegenden Teil ihrer Assets als variabel verzinste Darlehen ausgegeben. Bei steigenden Zinsen steigen also ihre Einnahmen an, während ihre eigenen Schulden zumeist mittel- und langfristige Darlehen und/oder Anleihen sind. Steigende Zinsen bedeuten also tendenziell steigende Margen und Gewinne für diese BDCs. Es sei denn, die Zinsen steigen dermaßen hoch, dass die Unternehmen ihre Zinslast nicht mehr schultern können. Dann führt dies zu Ausfällen im BDC-Portfolio und zu Abschreibungen beim NAV. Mithin zu Kursverlusten und/oder Dividendenkürzungen. Aber so weit möchte ich jetzt gar nicht denken, denn ich sehe es wie Du: es wird moderate Zinsanpassungen geben und das Zinsniveau wird sich leicht nach oben bewegen. Also genug Zeit für alle, sich anzupassen.

      Einen sehr ausführlichen Artikel zum Thema BDC habe ich hier verfasst: "Dividendeninvestoren setzen auf Business Development Companies". Darin geht es u.a. auch um das Zinsänderungsrisiko.

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  2. Endlich nochmal Investor Updates! Wollte ich schon bei den letzten Schreiben.
    Lesenswerter als jeder börsenbrief oder was sich sonst noch wo rum treibt!
    Weiter so

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    1. Danke für das nette Lob; ich habe mir Deine und eure Anmerkungen durchaus zu Herzen genommen und noch einmal einen Versuch gestartet. Mal sehen, wie es sich weiter entwickelt...

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    2. Moin Michael,
      Ich schließe mich dem Kommentar von "Ich einfach Ich" an! Und freue mich über weitere "Investor-Updates"!!!

      GSBD liegt seit Mitte letzter Woche auch in meinem Depot. Payout Ratio auf NII und EPS sehen seit Gründung sehr solide aus und auch der NAV ist sehr konstant. Was eine bisherige konstante Dividendenzahlung zufolge hat, ohne jemals auch nur in die Nähe von 100% Payout Ratio zu kommen. auch der "floating Anteil" sieht erfreuhlich aus. Ich habe das Gefühl, wenn TSLX und GSBD ihren Job weiterhin so gut machen, könnten diese BDCs die "neuen MAINs" werden.

      beste Grüße Hans-Jürgen

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    3. Danke Hans-Jürgen. Ich denke auch, dass GSBD und TSLX auf einem sehr guten Weg sind. Bei MAIN beträgt der Aufschlag auf den NAV jetzt bereits 76% und das ist schon eine Größenordnung, die einem echt zu denken gibt. Aufstocken würde ich da jetzt nicht mehr, Qualität hin oder her. Auch wenn die Payout-Ratio ja noch Luft nach oben lässt.

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    4. Ja, der Aufschlag zu MAIN ist schon eine Hausnummer. Leider "leidet" darunter die Dividendenrendite. Wenn der Kurs weiter schneller steigt, als die Dividende, dann kann man sich schon fast viel konservativere ins Depot legen.

      Hans-Jürgen

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  3. Patrizia entwickelt sich prächtig. Werde aber morgen einen Teilgewinnmitnahme durchführen, da ich Geld für ein anderes Investment benötige. Rendite gute 30 % in 9 Monaten.

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  4. Moin Michael,
    lohnt sich deiner Meinung nach noch ein Einstieg bei Blue Cap.Und falls ja warum?

    Schöne Grüße aus Hamburg

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    1. Ich hatte vor einigen Wochen auf die enorme Chance bei Blue Cap hingewiesen und als dann die Zahlen vorgelegt wurden, wurde ich voll bestätigt. Der Kurs hat sich deutlich in die Höhe geschwungen. Und das völlig zurecht, die Zahlen waren sogar noch besser, als von mir erwartet. Bei 18 Euro ist Blue Cap noch immer moderat bewertet, denn man wird rund die Hälfte der Cash-Reserven zur Ablösung der Kredite verwenden, so dass sich künftig das Finanzergebnis erheblich verbessern wird (und damit die Gewinne und das Ergebnis je Aktie). Zusätzlich werden die Immobilien in eine separate Tochter ausgegliedert, was den positiven Effekt auf die Zahlen hat, dass man künftig das originäre Beteiligungsgeschäft viel "purer" erkennen kann. Die Restschulden werden mit den Immobilien zusammengenommen und die bisher optisch hohe Verschuldung verschwindet als Malus. Der weitere Fokus wird auf neuen Engagements liegen und bisher hat Hannspeter Schubert ein sehr gutes Näschen bewiesen für tolle Gelegenheiten.

      Aus diesen Gründen ist Blue Cap bei mir im Depot so hoch gewichtet und denke, dass wir spätestens im nächsten Jahr die Marke von 20 Euro überwinden und Richtig 25 Euro streben werden.

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  5. Hallo Michael,

    still und heimlich trennst du dich von Publity, genau das gleiche habe ich vor kurzem auch getan. Die Meldungen bleiben aus, der Kurs kommt nicht voran und in Foren liest man zunehmend die Skepsis raus.

    Jetzt berichtest du endlich nach den Quartalszahlen ueber Rocket Internet, darauf habe ich jetzt schon ein paar Wochen gewartet. Hier schwankt die Stimmung ins positive und wird durch das Aktienrueckkaufprogramm gut abgesichert. Nehme an das du bald wegen der Hello Fresh Beteiligung noch einen schoenen Artikel verfassen kannst.

    Wie stehst du heute zur MPH (Health Care Holding), schliesslich magst du Beteiligungsgesellschaften und vor ueber 5 Jahre hast du dich mit MPH und Windsor (Haemato) beschaeftigt.
    Jetzt hat die MPH neben Haemato noch CR Capital Real Estate und vorallem die M1 Kliniken. Besonders die Schoenheitskliniken schaetze ich als starken Wachstumstreiber ein. Sie halten stetig Kontakt zu ihren Kunden vorallem ueber Instagram. Es werden in den naechsten Tagen die neuen Fachzentren dort bekannt gegeben und man sprach davon das die Klinik in Berlin ende dieses Jahres an ihren Grenzen stossen wird. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis die zweite Klinik in Essen eroeffnet wird und somit auch die Nachbarlaender Niederlande und Belgien interessante Expansionslaender werden.
    Nur die Haemato kann ich wieder nicht einschaetzen, die Zahlen springen hin und her. Es fand eine Kapitalerhoehung statt wo MPH Aktien kaufte zum Preis von 6,2Euro. Der Haemato Kurs stand zu der Zeit deutlich drueber und kurz danach bei nur noch 5 Euro... . Auch verliess hier der Vorstand seinen Posten, ich nehme an das hat mit den M1 Kliniken zu tun. Es werden jetzt auch Schoenheitsprodukte vertrieben, damit sollten beide Beteiligungen sich gut ergaenzen. So ein Zusammenspiel erwarte ich irgendwann auch mit der Immobilienbeteiligung.
    Wie auch immer. Zur Zeit steht die MPH bei 3,40Euro, bei gleichbleibender Div-Rendite: 3,5% und einen Inneren Wert von knapp ueber 5 Euro.
    Vielleicht beobachtest du Sie ja noch und kannst mir kurz deine Sicht zur MPH auessern. Darf gerne auch Negativ ausfallen, ich lerne gerne dazu.

    Danke fuer die Tollen Artikel, bis bald
    Dau7hy

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    1. Naja, ganz so "heimlich und still" habe ich mich ja nicht von Publity verabschiedet, sondern schon öffentlich. ;-)

      Was MPH/M1/Haemato/CRE angeht, bleiben die bei mir außen vor. Hinter allen steht die Magnum und die hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie auf das Wohl der Kleinaktionäre nur dann achtet, wenn es mit den eigenen Interessen übereinstimmt. Ansonsten gab es massive Assetverschiebungen zwischen den ganzen "Töchtern", Beteiligungstauschs usw. Das ist nichts für mich, da fühle ich mich zu sehr der Willkür ausgesetzt. Ich denke, es gibt zu viele andere Möglichkeiten, da muss ich mich nicht dort engagieren. Mag ein Fehler sein, aber ich fühle mich wohl dabei.

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    2. Hallo Michael,
      vielen Dank für deine Hinweise. Kannst du Quellen bzgl den NLP´s angeben. Ich habe dazu gegoogelt aber nichts gefunden. Dein Kommentar daß weniger Meldungen kommen ist ein Indiz aber es gab zu Publity hier im Blog auch Kommentare die sich darüber beschwert haben daß es zuviele Meldungen gäbe. Ich bin da unvoreingenommen, wenn mir eine Firma 2 Mal im Jahr berichtet, daß sie 9% Dividende ausschüttet, ist mir das egal. Überrascht war ich über die Reaktion der Aktie seit letztem Samstag, aber es gibt leider nicht sehr viele Analysten die über Publity berichten.
      VG Martin

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  6. Hallo Michael,
    bzgl. Publity hat Olek aber die erwarteten AUM bis Ende des Jahres auf 5,2Mrd. erhöht!
    Wenn er seine Prognosen nicht erreichen kann, oder es zumindest schwieriger wird, wieso sollte er dann auf 5,2Mrd. erhöhen?

    Die Probleme mit den NLPs und das Vorgehen bei Consus sehe ich auch kritisch!
    Ich warte daher noch etwas ab, hoffentlich behalte ich recht^^

    lg Alex

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    1. Richtig, Alex, die AuM steigen bei Publity. Nur zählt dazu auch Cash bzw. Mittelzusagen, da es sich ja um das "verwaltete Vermögen" handelt. Daraus müssen dann erst Provisionen und damit Gewinne erzielt werden. Und das scheint schwieriger zu werden bzw. zu haken in letzter Zeit. Das muss nicht bedeuten, dass Publity nicht weiterhin erfolgreich ist - ich habe den Wert von der Liste genommen, weil er verglichen mit vielen anderen aber weniger Potenzial aufweist. Und weil ich nicht mehr total überzeugt bin von der Story.

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    2. Da wäre es natürlich interessant, was Olek persönlich dazu zu sagen hat...
      Jedenfalls danke für die schnelle Antwort!
      lg Alex

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  7. Hallo Michael,

    ein sehr guter und informativer Blog! Großes Kompliment!
    Zum Thema Rocket Internet schreibst Du, dass United Internet statt Kinnevik eingstiegen ist. Wie meinst Du das? Haben die deren Anteile übernommen?
    Weil UI ist schon von Anfang an bei Rocket Internet dabei.

    Grüsse
    Thomas

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    1. Nein, es gab keinen Zusammenhang zwischen dem Ausstieg von Kinnevik (2017) und dem Einstieg von United Internet (2014).

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  8. Hallo Michael,

    eine Anmerkung zu Rocket Internet: Lt. Halbjahresbericht 2017 ist beläuft sich die Cash Position auf 1,6 Mrd. und nicht auf 1,9 Mrd. Zudem sollte man die langfr. Schulden i.H.v. 311 Mio € abziehen oder nicht ?(so habe ich das in dem Buch von Peter Lynch gelesen :)

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