Dienstag, 2. Januar 2018

2018 laufen die Börsen weiter. Soweit die Kurse tragen...

In meinem Jahresrückblick "2017 im Rückspiegel: Was trumpelt so laut durch Nacht und Wind..." habe ich mich mit den Entwicklungen des letzten Jahres befasst und dieser Jahresausblick auf 2018 schließt hier nahtlos an.

Nach einer Reihe von Allzeithochs bei weltweit führenden Aktienindizes wie Dow Jones, S&P 500, NASDAQ, DAX, MDAX, und vielen mehr dürfte auch 2018 eher positiv starten, denn die Haupttriebfeder der steigenden Aktienkurse sind niedrige Zinsen und die Aussicht auf höhere Unternehmensgewinne. Und gerade letztere schüren die Phantasie, denn Donald Trump hat nach mehr als einem Jahr im Amt seinen ersten großen Erfolg feiern können: die große und lang angekündigte Steuerreform.

Und die ändert einiges. Vor allem die Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 35% auf 21% wird sich sehr positiv auf die Gewinne der US-Unternehmen auswirken. Denn wenn die Steuerbelastung sinkt, steigt der Jahresgewinn  und entsprechend der Gewinn je Aktie. Ein höheres EPS erzeugt ein niedrigeres KGV und wenn die Unternehmensgewinne durchschnittlich zwischen 15% und 20% ansteigen, haben die Bewertungen der Aktien wieder mehr Luft nach oben. Also die Kurse.


Des Weiteren werden auch die Bürger steuerlich entlastet, jedenfalls die Reichen und wohl auch die Durchschnittsverdiener. Was zu zusätzlicher Binnennachfrage in den USA führen dürfte und somit zu steigenden Umsätzen und Gewinnen bei US-Unternehmen. Auch das erlaubt höhere Aktienbewertungen.

Die negative Begleiterscheinung der wohl deutlich anziehenden US-Konjunktur ist der damit einhergehende Preisauftrieb, der zu mehr Inflation führen wird. Und Inflation wird von den Notenbanken seit jeher vor allem mit einem Mittel bekämpft: steigenden Zinsen. 2018 könnte also durchaus ein Jahr mit zwei Gesichtern werden: im ersten Halbjahr mit steigenden Kursen aufgrund niedriger Zinsen und steigender Unternehmensgewinne, während im zweiten Halbjahr die anziehende Inflation und die Angst vor Zinsanhebungen in den Vordergrund treten. Wobei leicht ansteigende Zinsen kein Problem wären; erst ab einem Zinsniveau oberhalb von 4% werden Festgelder und Anleihen wieder zu einer ernsthaften Konkurrenz für Aktien und dürften zu nachhaltigen und steigenden Abflüssen aus dem Aktienmarkt sorgen. Und ich würde mich schon sehr wundern, wenn es bereits 2018 soweit wäre. Dieses Szenario sehe ich eher erst für 2019 oder noch später. Aber wir werden sehen. Und in der Eurozone sieht es ohnehin anders aus; hier stehen die nördlichen Staaten, allen voran Deutschland, wirtschaftlich blendend da, erzielen steigende Wirtschaftsleistungen und verzeichnen sinkende Arbeitslosenzahlen. In den südlichen Ländern bessert sich die Lage zwar auch spürbar, aber hier würden steigende Zinsen verheerende Wirkungen haben auf die Wirtschaftsleistung, die Beschäftigungszahlen und die Staatshaushalte. Die EZB wird also kaum in absehbarer Zeit der FED folgen und die Zinsen anheben. Die Eurozone insgesamt braucht niedrige Zinsen, auch wenn der Deutsche Michel als Sparweltmeister weiterhin massiv darunter leiden wird.

Für die Entwicklung des Dollars dürfte es eigentlich nur eine Richtung geben: nach oben. Und zwar aus mehreren Gründen. Potenziell steigende Zinsen in den USA ziehen ausländisches Geld an. Teil der Tax-Reform ist, dass US-Konzerne einen Teil-Erlass auf Gelder bekommen, die sie auf Auslandskonten liegen haben. Würden die in die USA transferiert, würden sie hoch besteuert. Nun winken hier erheblich ermäßigte Steuersätze, so dass die Konzerne hiervon regen Gebrauch machen dürften. Die Folge sind höhere Gewinne (aufgrund des reduzierten Steueraufwands) und viel freies Geld für Übernahmen, Dividenden, Aktienrückkäufe. Gerade auch das Ausweiten der Aktienrückkaufprogramme wird das EPS der US-Unternehmen weiter ansteigen lassen und das KGV sinken. Hinzu kommt die anziehende US-Konjunktur - alles Gründe für einen steigenden Greenback. Und somit aus deutscher Sicht für den Kauf von US-Aktien in  Euro.

Und was bedeutet das alles...?
Die Preise für Immobilien und die Mieten dürften weiter steigen, gerade auch in Deutschland. Nach wie vor gibt es zu wenig Wohnraum in den Metropolen und einen enormen Zuzug in diese Regionen. Insbesondere junge Menschen verzichten zunehmend auf ein eigenes Auto und möchten lieber urban leben und einen gut ausgebauten ÖPNV nutzen. Steigen die Zinsen, wird die Nachfrage schnell zusammenschrumpfen, denn momentan gibt es neben Aktien nur die Immobilie als vermeintlichen Renditebringer. Höhere Zinsen wären hier eine starke Konkurrenz. Und es würden auch viel weniger Leute sich überhaupt noch eine Immobilie leisten können. Ein doppelter Schlag für die Nachfrage.

Bei den Rohstoffen dürfte die weltweit anziehende Konjunktur weiter für steigende Preise sorgen. Vor allem der zunehmende Trend hin zu Elektromobilität treibt spezielle Rohstoffe an, wie Kupfer, Wolfram, Lithium. Öl hingegen ist kein Treibstoff der Zukunft mehr. Was nicht heißt, dass er morgen schon überflüssig wäre. Ich schätze, dass sich der Ölpreis 2018 im Mittel weiterhin zwischen 50 und 60 Dollar bewegen wird und damit den Öl-Unternehmen ein recht profitables Jahr ins Haus steht. Mit meiner Einschätzung eben dieser Spanne für 2017 lag ich jedenfalls ziemlich gut.

Gold hingegen wird auch 2018 nichts reißen. Als "sicherer Hafen in unsicheren Zeiten" hat es die letzten Jahre versagt und wer das globale Finanzsystem in Gefahr sieht, wendet sich eher Pseudo-Alternativen zu. Wie Bitcoins und anderen Kryptowährungen. Die sind zu reinen Spekulationsobjekten verkommen und erfüllen ihren eigentlichen Zweck, ein neues und besseres Zahlungsmittel zu sein, immer weniger. Diese Blase wird platzen und eine Reihe von Kryptowährungen in den Abgrund reißen. Zuvor dürften aber noch eine Reihe von Bitcoin-Börsen gehackt werden und/oder einfach ihre Kunden/Anleger abzocken und auch so für Ernüchterung sorgen. Vermutlich werden am Ende einige Kryptowährungen übrig bleiben und sich zu wirklichem digitalen Geld entwickeln. Dann sind allerdings auch die Zeiten der massiven Kurssprünge und -abstürze vorbei.

"Banking is necessary, Banks are not"
Ungeachtet dessen wird die den Kryptowährungen zugrunde liegenden Technologie, die Blockchain, immer weiter um sich greifen und ganze Industrien disruptieren. Nicht nur die Banken werden hier massiv in Mitleidenschaft bezogen werden und müssen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen, wollen sie nicht wie die Dinosaurier enden. Bill Gates Prophezeiung, schon 1994 geäußert, erfüllt sich nun: "Banking is necessary, Banks are not". Während also die Banken in der Defensive sind und um ihre Existenz(berechtigung) kämpfen, werden andere profitieren. Allen voran die Tech-Unternehmen, die die Blockchain in die Praxis umsetzen. Und das sind längst nicht mehr nur die großen US-Tech-Firmen, sondern weltweit agieren hier auch Mittelständler im Markt. Das wird allerdings nicht so bleiben, es werden sich - wie immer - einige große Player durchsetzen und ggf. kleine, innovative, Anbieter einfach verdrängen oder aufkaufen.

Und dann sind da noch Anleihen, die vor sehr schwierigen Zeiten stehen. Denn steigende Zinsen bedeuten fallende Anleihekurse. Und diese haben wiederum direkte Auswirkungen auf die Bilanzen: der EZB, die viele Staats- und Unternehmensanleihen angekauft hat und weiter kauft, und der Unternehmen, die Anleihen zur Kapitalanlage nutzen. Kursverluste bei Anleihen erzeugen Abwertungsbedarf in den Bilanzen dieser Unternehmen. Jedenfalls solange, bis die Anleihen zu pari (also 100%) zurückgezahlt werden. Insbesondere Banken und Versicherungen haben hier ein Problem. Die Versicherungen erzielen immer weniger Rendite und ihr Neugeschäft schrumpft entsprechend, während in der Bilanz Abwertungsdruck entsteht. Was die Überschüsse weiter schmälert. Versicherungen bleiben für mich daher weiter ein No-Go in der Geldanlage; sowohl als Kapital(lebens)versicherung als auch als Aktie. Da dieses Szenario seit einigen Jahren die Versicherungen belastet, wird es wohl zu weiteren Schieflagen kommen. Keine schöne Aussichten. Was auch weiterhin für die Bausparkassen gilt.

Eine ganze Reihe von 2017er Favoriten sollten auch in 2018 weiter für ansehnliche Renditen stehen. Dazu gehören der Finanzinvestor Aurelius, der Nebenwertespezialist Scherzer & Co., sowie meine Turnaroundspekulationen Funkwerk, SBF und UeT United Electronic Technology. Und auch die Deutsche Rohstoff AG, bei der nach einem enttäuschenden Jahr 2017 nun endlich die Ernste eingefahren werden dürfte, und die zusätzlich zu den großen Profiteuren von Trumps Steuerreform gehören sollte, da ihr Hauptbetätigungsfeld die drei US-Öl-Töchter sind.

Falls gleich jemand Vectron Systems vermisst, die habe ich bewusst nicht (wieder) als Jahresfavoriten benannt. Der Kassensystemhersteller musste seinen großen Hoffnungsbringer, die Kooperation mit Coca Cola, zeitlich nach hinten verschieben: GetHappy wird erst im zweiten Quartal 2018 an den Start gehen, so dass die hieraus erwarten Impulse erst im Jahresverlauf erkennbar werden. Sollte GetHappy auch nur annähernd so einschlagen, wie es zu erwarten ist, dann wird Vectron schnell wieder in deutlich höhere Kursregionen vorstoßen und dann sind auch mehr als 50% Kursplus drin. Wenn aber GetHappy, aus welchem Grund auch immer, kein Supererfolg wird, dann hätte Vectron sehr viel Geld verbraten und sein originäres Geschäft wäre bei einem Kurs von 20 Euro sehr ausreichend bezahlt. Denn richtig rund lief es dort zuletzt nicht mehr, die Erwartungen an das dritte und das vierte Quartal konnten nicht erfüllt werden. Vectron weist also ein deutlich erhöhtes Chance-Risiko-Verhältnis auf und im Extremfall ist 2018 von Kurshalbierung bis Kursverdopplung alles drin. Es hängt (fast ausschließlich) an GetHappy.

Meine Favoriten für 2018
Leider muss ich gleich die Spannung etwas raus nehmen, denn es wird keine Überraschungsfavoriten geben: ich setze ausschließlich auf Werte, die sich auch schon auf meiner Empfehlungsliste befinden. Die ist natürlich auch schon ziemlich umfangreich und bietet eine breit gefächerte Auswahl an aussichtsreichen Werten aus unterschiedlichen Bereichen...

Im Kern bleibt meine Botschaft: Aktien sind und bleiben alternativlos. Jedenfalls in nächster Zeit. Und gerade auch für Beteiligungsgesellschaften und Asset Manager dürften die guten Geschäfte noch eine Zeit lang anhalten. Dem entsprechend kommen einige Empfehlungen auch aus diesem Bereich.

So setze ich auch in 2018 auf Blue Cap, wo Neschen operativ über den Erwartungen liegt und wo es zu interessanten neuen Beteiligungen kommen dürfte. 25 Euro sollte das Minimum sein, was Blue Cap am Jahresende auf die Waagschale bringen sollte.

Ähnlich verhält es sich mit MBB. Hier ergibt der aktuelle SOTP-Bewertungsansatz einen fairen Wert von 110 Euro, der natürlich maßgeblich durch den Kursstand der größten Beteiligung, der Aumann AG bestimmt wird. Auch wenn Aumann schon hoch bewertet erscheint, dürften sich hier die großen Investitionen in 2018 beginnen auszuzahlen und sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich zulegen. Des Weiteren dürfte es weitere Zukäufe geben, für die man sich ja gerade erst frisches Eigenkapital besorgt hat. MBB selbst sitzt auf einen Berg an Cash und wird hier in mehreren Bereichen Add-On-Akquisitionen für bestehende Töchter einkaufen sowie ein oder zwei neue Beteiligungen übernehmen. Und schaut man auf den bisherigen Track-Record von Nesemeier & Co., können wir getrost davon ausgehen, dass nur Unternehmen zugekauft werden, die den MBB-Aktionären einen erheblichen Mehrwert einbringen.

Die KAP Beteiligungs AG konnte jüngst drei Unternehmenskäufe vollziehen und die Neuausrichtung als Deutschland-Basis für Mittelstandsinvestments des US-Finanzinvestors Carlye Group nimmt konkrete Formen an. Die Übernahmen sind margenstärker als das bestehende KAP-Portfolio und daher werden auch deshalb die Margen anziehen. Hier dürfte ein ganz neuer Player am Beteiligungsmarkt entstehen und mit Carlye im Rücken haben wir noch einiges zu erwarten.

Mein klarer Favorit bleibt jedoch die Navigator Equity Solutions. Die habe ich erst seit rund sechs Wochen auf der Empfehlungsliste und seitdem konnte der Kurs schon um mehr als 50% zulegen. Das dürfte allerdings erst der Anfang gewesen sein, denn mein Investmentcase basiert ja darauf, dass der Aktienkurs extrem unterhalb des Buchwerts notiert und dieser Bewertungsabschlag abgebaut wird. Das jüngste deutliche Ansteigen des Aktienkurses hätte diese Unterbewertung schon abbauen sollen, aber gleichzeitig haben auch Kurse der Beteiligungen der NES merklich angezogen. Allen voran der IT Competence Group, an der NES rund 75% hält. Aber auch die Kurse von Pech Property Group und PEH Wertpapier haben im letzten Halbjahr erfreuliche Kurszuwächse zu verzeichnen und Solvesta in den letzten Tagen. Das wird sich im Jahresergebnis von Navigator Equity deutlich positiv niederschlagen, die nach Dutch-GAAP erfolgt, wonach Assets zum Marktpreis anzusetzen sind und sich hieraus Gewinn- oder Verlustanteile für den Jahresabschluss ergeben. Hier sind aufgrund der starken Kursgewinne aller NES-Beteiligungen in 2017 erhebliche Zuschreibungen zu erwarten und dem entsprechend ein überaus erfreuliches Jahresergebnis. Zusammen mit der neuen IR-Offensive (naja, für Navigator-Verhältnisse) dürfte sich dies weiter positiv im NES-Aktienkurs abzeichnen. Und können die Beteiligungen ihre Pläne auch nur halbwegs umsetzen, sollten hier in 2018 weitere Kurssteigerungen angesagt sein. Und somit auch wieder bei Navigator selbst. Aktuell liegt der SOTP-Wert bei knapp 2,75 Euro und damit bietet Navigator Equity auf dem aktuellen Kursniveau von 1,60 Euro durch Aufholen des NAV-Abschlags alleine schon ein weiteres Kurspotenzial von annähernd 75%. Können die Beteiligungen dann auch noch wie geplant punkten, dürfte der faire Wert perspektivisch im Verlauf des Jahres 2018 auf über 3 Euro ansteigen. Und ich gehe davon aus, dass sich dieser hohe Abschlag zwischen Kurs und Wert sukzessive verringert, so dass Navigator Equity in 2018 eine Kurschance zwischen 50% und 100% bietet, während das Rückschlagpotenzial trotz des jüngsten Kursanstiegs eher begrenzt sein sollte. Die größte Gefahr besteht in der Marktenge, denn wenn zu viele Investoren gleichzeitig verkaufen wollten, würde der Kurs schon leiden. Kurzfristig jedenfalls, denn für alle andere böte ein solcher Rücksetzer eine (Nach-) Kaufchance.

Ein weiterer Top-Favorit ist m-u-t, die nur im weiteren Sinn eine Beteiligungsgesellschaft sind. Nachdem m-u-t zunehmend weniger als Turnaroundkandidat wahrgenommen wird, sondern (wieder) als wachstumsstarkes und gewinnabwerfendes Unternehmen, das in aussichtsreichen und zukunftsträchtigen Nischenmärkten hervorragend positioniert ist, wird sich auch der Blick der Börse auf diese Perle verändern. Die aktuelle Marktkapitalisierung von 80 Mio. Euro lässt m-u-t noch unterhalb des Radars der einschlägigen institutionellen Investoren - und potenziellen Aufkäufern - durch schlüpfen, aber mit der Übernahme von LayTec und ggf. einer weiteren Akquise in 2018 dürfte die hierfür maßgebliche Grenze von 100 Mio. Euro bald überwunden werden. Neben der positiven operativen Entwicklung gibt es oben drauf noch einen Hauch von Übernahmephantasie - in beide Richtungen.

Ein weiterer Substanz-Play, aber keinesfalls ein Nebenwert, ist der südafrikanische Medienkonzern Naspers, die ich erst kürzlich auf meine Empfehlungsliste genommen habe. Das Management hat es sich nun endlich auch zur Aufgabe gemacht, die erhebliche Differenz zwischen NAV (180 Mrd. Dollar bei einer SOTP-Bewertung) und der aktuellen Börsenbewertung von 115 Mrd. Dollar abzubauen. Die vor allem in dem riesigen Paket am chinesischen Internetunternehmen Tencent steckt.

Bei den Asset Managern bleibt Corestate Capital mein Top-Favorit. Nach der Kursverdopplung in 2017 stehen die Zeichen auf weiteren Wachstum, sowohl was die Assets under Management angeht, als auch den Gewinn. Nach einer längeren Konsolidierungsphase hat der Aktienkurs zuletzt wieder merklich angezogen und die Marke von 50 Euro wieder überschritten. Kann Corestate seine Wachstumsziele in 2018 erreichen, dürften hier weitere 50% Kurszuwachs drin sein. Einerseits ist Corestate sehr niedrig bewertet verglichen mit den Unternehmen seiner Peergroup und auch absolut betrachtet. Und auf der anderen Hand ist man sehr aktiv bei der Konsolidierung des stark zersplitterten Marktes der Asset Manager und konnte hier in der Vergangenheit attraktive und margensteigernde Unternehmen zukaufen. Und das dürfte 2018 genauso weiterlaufen...

Daneben stehen Ernst Russ und MPC Capital mit ihrer Ausrichtung auf Immobilien und Schifffahrt bei mir hoch im Kurs. Beide sind im Bereich der notleidenden Schifffahrtskredite unterwegs und kaufen hier vergleichsweise günstig Schiffe ein, die sie dann selbst bereedern. Hier kommen ihnen natürlich die Erholung der gesamten Schifffahrtsbranche samt steigender Frachtraten sehr entgegen. Und beide sind sehr erfolgreich mit ihren Töchtern im Immobilienbereich unterwegs. Wobei MPC Capital mit der niederländischen Tochter Cairn auch im Projektgeschäft tätig ist, das keine stetigen Erträge abwirft, sondern ab und zu hohe Einmalergebnisse. Wie zuletzt, als man ein Projekt in Amsterdam erfolgreich veräußern konnte. Übrigens an eine von der Hannover Leasing betreutes Portfolio, einer Tochter von Corestate Capital...

Und auch PEH Wertpapier sollte in 2018 glänzen können. Mit rund 10 Mrd. Euro AuM ist man kein ganz kleines Licht bei den Asset Managern. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Wachstumsdynamik in diesem Segment sollen die bestehenden PEH Beteiligungen an der Axxion S.A. (PEH-Anteil 50,01%) und der Oaklet GmbH in die capsensixx AG einzubringen und diese dann an die Börse zu bringen. Denn insbesondere im Kontext der sich beschleunigenden Digitalisierung von Geschäftsprozessen könnten sich künftig noch weitere Beteiligungsmöglichkeiten ergeben und diese neue Konstellation würde es PEH ermöglichen, ihre erfolgreichen operativen Geschäftsfelder zu ergänzen. Ggf. eben auch über frisches Kapital von außen in Form von Kapitalerhöhungen und/oder Sachkapitaleinbringungen in die capsenixx AG. Bei PEH dürfte es in nächster Zeit also auch um die neuen Strukturen gehen, während des originäre Geschäft zunehmend hohe Margen abwirft. Dazu dürfte auch die Übernahme der Verwaltung des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen der Shareholder Value Beteiligungen AG durch die PEH-Beteiligung Axxion beitragen. Der Grundstein für ein interessantes Jahr 2018 ist bei PEH Wertpapier jedenfalls gelegt.

In einer ganz anderen Branche ist die JDC Group zuhause: das Fintech-Unternehmen ist auf den Versicherungsbereich spezialisiert und bietet nicht nur Lösungen an, sondern kauft auch ganze Maklerbestände und zieht so stetige Provisionseinnahmen. Kürzlich gelang ein echter Coup, als man mit der Lufthansa einen Deal abschloss und künftig für diese die Versicherungslösungen managt und betreut. Das birgt ein Riesenpotenzial für die JDC Group und wenn man Marktgerüchten Glauben schenkt, bahnt sich ein weiterer Deal mit einem großen Konzern an. Der Markt für Versicherungen ist stark fragmentiert und jede bastelt an ihrer eigenen Fintech-Lösung. Wodurch sich alle behindern und gerade auch Versicherungsmakler unter den enormen bürokratischen last ächzen. Hier wird es zwangsweise zu Zusammenschlüssen und dem Fokussieren auf einige wenige Standardlösungen kommen. Hypoport, die ich ja auch schon länger auf meiner Empfehlungsliste habe und die sich weiter stark entwickeln, drängt hier mit Wucht in den Markt. Aber die JDC Group ist in diesem Bereich vielleicht sogar noch besser besser positioniert. Sowohl als alleinstehendes Unternehmen als auch als mögliches Übernahmeziel. Sowohl die JDC Group als auch Hypoport traue ich 2018 überdurchschnittliche Kurszuwächse zu aufgrund der zu erwartenden operativen Erfolge. Des Weiteren berichtet Börse Online über Gerüchte, wonach die JDC Group am Jahresanfang mit einem sog. Blockchain-Lab an den Start gehen möchte für ihre 16.000 Vermittler und rund 1,3 Mio. Kunden. Dies sollte eine gute Ergänzung zur Endkunden-App "allesmeins" und der Onlineplattform "geld.de" darstellen und könnte das Anziehen des JDC-Aktienkurses zum Jahresende erklären. Denn die noch frische Kooperation mit Smava dürfte dafür weniger verantwortlich sein...

Das Thema Elektromobilität wird ein Wachstums- und Kurstreiber bleiben. Neben der MBB-Beteiligung Aumann habe ich mit Technotrans einen weiteren großen Profiteur im Depot. Denn Technotrans, die bisher als Zulieferer für die Druckindustrie bekannt sind, hat inzwischen ein starkes und wachsendes Standbein im Bereich der Kühltechnik. Und Kühlung ist ein ganz wesentlicher Faktor bei Batterien und Speichertechnik für Elektroautos, aber auch zunehmend in der Gebäudetechnik. Technotrans wächst rasant durch Übernahmen, aber auch organisch versteht man es, die Margenpotenziale nachhaltig zu heben. Trotz der starken Kursperformance in 2017 und der nicht mehr ganz billigen Bewertung bleibt Technotrans eine der aussichtsreichen Aktien im Nebenwertebereich.

Auch mein 2017er Favorit mVISE bleibt weiter aussichtsreich und sollte in diesem Jahr die nächste Raketenstufe zünden können. Die Hochs aus dem Sommer bei 4,80 Euro dürften nur ein Vorgeschmack auf das gewesen sein, was mVISE zu bieten hat, wenn die Erwartungen nur ansatzweise erfüllt werden können. Und eine weitere lukrative Übernahme wäre dann noch das Sahnehäubchen oben drauf...

Verbleibt noch der Hinweis auf einen Langzeitfavoriten: Steico. Der Hersteller von Furnierschicht- und Holzfaserdämmstoffen hat massiv investiert in den letzten beiden Jahren und ab 2018 laufen die Anlagen unter Volllast. Die Umsätze und die Gewinne dürften daher deutlich anziehen, getragen auch durch die starke Baukonjunktur und die anhaltende Diskussion um die Risiken (Krebs- und Feuergefahr sowie Entsorgung als Sondermüll) von Styropor als Dämmstoff. Auch 2018 dürften mehr als 25% Kursplus drin sein und der Kurs die 25-Euro-Marke klar hinter sich lassen.

Zu guter Letzt dürfte der gesamte BDC-Sektor von der US-Steuerreform profitieren. Für Dividendeninvestoren bieten sich hier attraktive Einstiegsmöglichkeiten, nachdem der Sektor zuletzt konsolidiert hatte und man tendenziell von einem steigenden Dollar ausgehen sollte. Durch die gesenkten Steuersätze, das verminderte Kreditausfallrisiko, die anziehende Konjunktur und die Aussicht auf moderat steigende Zinsen in den USA könnte hier gewissermaßen eine BDC-Sonderkonjunktur ins Haus stehen. Ich denke, gut positionierte und solide BDCs sollten hier erste Wahl sein: AINV, GAIN, GSBD, NMFC, TSLX. Auch die hoch bewertete MAIN und vielleicht noch GLAD und ARCC.

Die meisten der genannten Werte befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und die viele auch in meinem Depot.


Bisherige Jahresausblicke:


Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    vielen Dank für diesen ausführlichen Ausblick!
    Ich werde deine Artikel auch in diesem Jahr gespannt verfolgen und wünsche dir viel Erfolg, vor allem jedoch Gesundheit für 2018.

    Kurze Anmerkung: Du hast Naspers von Südafrika nach Südamerika verschoben ;-)

    VG
    Philipp

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  2. Vielen Dank für den ausführlichen Ausblick und deine Zusammenfassung.
    Ganz starke Leistung!

    Gesundes Neues.

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  3. Hallo Michael,

    das Geschäftsmodell von JDC finde ich interessant, daher habe ich einen Blick in deren letzten Aktionärsbrief geworfen:
    - wohl verbesserte Ergebnisse im Laufe des Jahres dennoch EPS negativ über alle Quartale
    - hohe immaterielle Vermögensgegenstände rd. 45 Meur - Risiko Impairment bei neg. Ergebnissen
    - großer Posten andere Eigenkapitalbestandteile rd. minus 30 MEUR - was ist das?
    - engagierte Bewertung sowohl KGV als auch KBV

    Ich erachte den Titel für einen Wachstumswert mit hoher Risikoneigung (klassische Hockey-Stick Bewertung im DCF).
    Generell zeichnen sich Deine Empfehlungen für 2018 meines Erachtens durchwegs durch eine gewisse überdurchschnittliche Risikoneigung aus, sowohl was die Ertrags- aber auch die Finanzlage und die Bewertung betrifft. Ich weiß, dies ist ein sehr generelles Statement, aber exemplarisch siehe JDC.
    Ist dies beabsichtigt? (bewußt ist es Dir sicherlich bei Deinen Erfahrungen)

    Freue mich auf einen Kommentar
    lg und auf ein gesundes neues Jahr
    Marcus

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    1. Anbei eine Antwort:
      1. Eine positive EPS wird man noch in 2018 sehen. JDC fängt ja jetzt gerade an und die Firma wird aus meiner Sicht sehr stark in den nächsten Jahren wachsen.
      2. Ca. 40% sind Lizenzen/ Software die planmäßig abgeschrieben werden. Der Rest ist der Firmenwert der Firma und die dazugehörigen Gesellschaften, also Kundenstamm, Name etc.
      3. Eigene EK-Bestandteile = Verlustvortrag aus den Jahren
      4. Alle Wachstumsunternehmen sind hoch bewertet, wenn man sich das KGV anschaut, das ist aber völlig normal. Lieber PEG, Wachstumsraten, EV/Sales als Kennzahlen nehmen.

      Das Risiko ist wahrscheinlich höher als bei großen Aktien, dafür kann man aber auch überdurchschnittlich verdienen, wenn JDC alles richtig macht

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    2. Ich frage mich, ob es geplant war, dass JDC in den ersten 9M 2017 das komplette EBITDA iHv 2,3 Mio abschreibt? Auf Onvista stehen 9 Cent / Aktie als erwartetes EPS für 2017. Bisher sieht man davon noch nichts, das vierte Quartal müsste die dafür nötige Million einbringen. Was nicht unmöglich ist, denn das Q4 2016 hat allein 2 Mio EBITDA eingebracht. Wenn nur diese hohe Abschreibungen nicht wären... Weiß jemand, was da für das Q4 2017 zu erwarten ist?

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    3. Ziehe die Frage zurück. Nach den heutigen News zum Blockchain Lab wird es dem Markt wohl vorerst egal sein, ob das Unternehmen profitabel ist oder nicht ;-)

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  4. Wie stehst Du eigentlich zu Rückversicherern? Die müssten doch nachhaltiger planen und daher stabiler dastehen?

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    1. Rückversicherer halte ich von meinem Depot fern. Die niedrigen Zinsen und das Drängen von Investoren auch ins Rückversicherungsgeschäft lassen die Margen zusätzlich erodieren. Ich habe vor gut zwei Jahren mal einen ausführlichen Artikel dazu verfasst, der im Kern noch immer passt: "Value Trap Rückversicherungs-Aktien?".

      Schaut man auf die letzte Katastrophensaison, haben die Rückversicherer alle erheblich gelitten und die Schadendeckungsquoten sind ins Minus gerutscht. Und neulich habe ich gelesen, dass die Beiträge trotz der hohen Schäden nur geringfügig gestiegen sind - ein schlechtes Zeichen für die Branche, denn die starke und zunehmende Konkurrenz zwingt viele Rückversicherer dazu, negative Deckungsbeiträge zu akzeptieren. Wenn das kalkulierte Risiko dann eintritt, sind die Verluste garantiert.

      Und dann schütten die noch so üppige Dividenden aus, die sich zuvor nicht verdient haben. Also aus der Substanz. Da schrillen bei mir alle Alarmglocken. Und ich lasse die Finger davon...

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  5. Danke für die steten und ausführlichen Updates, Analysen etc.
    Ich warte aber noch auf den BDC-Earnings-Report, welchen Sie ja dankenswerterweise für sämtliche Werte in Ihrem Dividendendepot erstellt haben, für TPG Specialty Lendings. Der Wert ist, am Aktienkurs gemessen, eine Katastrophe. Da helfen auch schöne Dividenden nicht. Gibt es dort Neuigkeiten, Gründe etc., die begründen warum der Kurs seit Anfang Oktober nur eine Richtung kennt?
    Danke vorab und ein gesundes neues Jahr.

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    1. Unternehmensspezifische Gründe, weshalb TPG Specialty Lending (TSLX) in den letzten Wochen schlecht performt hat, kenne ich nicht. Insgesamt in der BDC-Sektor etwas unter Druck gewesen, so dass die Dividendenabschläge nicht wieder aufgeholt wurden bisher. Und auf Euro-Basis sieht es noch schlechter aus, da der Dollar ggü. dem Euro deutlich an Wert verloren hat, was in Summe rund 5% Minus verursachte. Dem stehen die Dividendenausschüttungen gegenüber, so dass absolut betrachtet nur ein leichtes Minus steht. Relativ jedoch, also verglichen mit dem Gesamtmarkt, hätte man woanders besser investiert. Mein Dividendendepot zielt jedoch nicht zuvorderst auf Kursgewinne, sondern auf stetige und steigende Dividendeneinnahmen. Ich habe hier sogar etwas Leverage drin, da ich einen kleinen Teil über einen Wertpapierkredit finanziere - zu 3,9% Zinsen, während die BDCs bei mir durchschnittliche 8,5% Rendite abwerfen. Die Dividendenzahlungen der letzten Wochen und die Kursrückgänge habe ich genutzt, um bei zwei BDCs aufzustocken: bei Apollo Investment (AINV) und bei Gladstone Capital (GLAD). TSLX wäre die nächste BDC auf meiner Aufstockliste. Denn ich gehe ja davon aus, dass BDCs insgesamt von der US-Steuerreform stark profitieren werden und das wird sich in den Kursen bald auch wiederfinden.

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    2. Finde ich gut, dass du für deine BDCs einen Wertpapierkredit in Anspruch nimmst. Wie hoch ist das Darlehensvolumen? Ich wäre dafür ein bisschen zu risikoscheu glaube ich :-/

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    3. TSLX ist von Mai 2016 bis Mai 2017 in Dollar um ca. 30% gestiegen und mit aktuell 1,25 NAV eine der teuersten BDCs. Wenn sie dann mal 5% sinkt, ist das aus meiner Sicht kein Grund zur Sorge, sondern eher eine kleine Konsolidierung.

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    4. Aufgrund der beiden letzten Zukäufe beläuft sich das Volumen auf knapp 20% der Größe des Dividendendepots. Damit fühle ich mich ganz wohl, da so das Risiko eines Margin Calls überschaubar ist - sofern es nicht zu einem Crash kommt, bei dem die Aktienkurse (die ja als Sicherheit dienen) total abstürzen.

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  6. Hallo Michael,
    zu:
    "Die Dividendenzahlungen der letzten Wochen und die Kursrückgänge habe ich genutzt, um bei zwei BDCs aufzustocken: bei Apollo Investment (AINV) und bei Gladstone Capital (GLAD)."
    würde mich interessieren, warum Du GLAD gegenüber GAIN bevorzugt hast?
    Maria

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    1. Moin Maria,
      die Auswahl meiner BDC-Käufe lag alleine in meiner Depotarithmetik begründet. GAIN war meine mit Abstand größte Position in meinem Dividendendepot, die hatte ich Anfang Dezember erst aufgestockt. Seit dem Zukauf bei AINV liegt GAIN nun knapp auf Platz 2. Alle anderen Werte sind/waren deutlich niedriger gewichtet. Bei GLAD habe ich den starken Kursverfall der letzten Woche genutzt und deshalb meine Position etwas aufgestockt. GAIN und AINV sind noch rund ein Drittel größer als GLAD; GLAD liegt nun auf dem dritten Platz vor GSBD, TSLX und NMFC, die alle etwa gleich gewichtet sind.

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  7. Hallo Michael, ändert sich an Deiner Einschätzung zu Technotrans etwas nach den Veränderungen im Vorstand? Wenn nein, dann kann man sie zur Zeit günstig einsammeln :)

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    1. Bedauerlich ist der Abgang des CEO allemal, Herr Brickenkamp ist der Erschaffer der neuen Technotrans und ich hätte ihn gerne weiter an der Unternehmensspitze gesehen. Sein Weggang schmerzt, bietet aber für ttr auch neue Chancen. Gerade weil man nicht mehr im Krisenmodus ist, sondern sich breit(er) aufgestellt hat und absolute Zukunftsfelder bedient. Das Unternehmen wird also den Weggang verkraften und Herr Brickenkamp wird auch dafür Sorge tragen, dass es einen geeigneten Nachfolger geben wird für "sein Lebenswerk". Am gegenwärtigen und künftigen Erfolg von ttr dürfte das nichts ändern. Ich halte den aktuellen Sell-off für übertrieben und deshalb habe ich gestern die Ausverkaufskurse zum Aufstocken meiner Position genutzt.

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    2. Super, ich habe gestern auch aufgestockt :-) vielen Dank für die Bestätigung

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