Dienstag, 1. Januar 2013

2013 wird das Jahr der Aktien

"Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen". Diese weisen Worte Mark Twains gelten natürlich auch für meinen Ausblick auf das neue Jahr, denn wenn man eine Aussage für die nächsten Monate machen soll, ist es am leichtesten, einfach die Entwicklung der letzten Monate fortzuschreiben. Das klingt in den Ohren der Zuhörer jedenfalls plausibel und nicht per se unmöglich. Aber dann bräuchte ich nichts zu schreiben, was über "alles bleibt wie es ist" hinausgeht - und wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann sich alles stets verändert. Auch und gerade an der Börse. Oder wie es Börsenaltmeister André Kostolany ausdrückte: "An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil".

Also, wagen wir einen groben Blick auf das Jetzt und Hier und auf das, was uns bevorsteht. Das "Fiscal-Cliff" in den USA wurde - zunächst einmal - überwunden und die USA rutschen nicht unmittelbar in eine schwere Rezession ab. Ansonsten hat der alte und neue Präsident eine Reihe von Herkulesaufgaben vor sich, denn das jährliche Staatsdefizit von annähernd 1 Billion USD ist natürlich nicht zukunftsfähig. Dazu gesellen sich eine hohe Arbeitslosigkeit und die Verelendung breiter Schichten der amerikanischen Gesellschaft, während die (Super)Reichen gar nicht mehr wissen, wohin mit ihrem niedrigstbesteuerten Geld. Diese Schieflage und die noch immer darbende US-Konjunktur lasten auf den Börsen wie ein Mühlstein. Allerdings lassen sich erste Anzeichen für Erholungstendenzen absehen, wie z.B. bei den Verkaufszahlen für Automobile oder das langsame Wiedererstarken des US-Immobilienmarktes. Und eine anziehende US-Konjunktur war schon immer ein Wegweiser zu steigenden Börsenkursen.

In Europa ist weiterhin die Eurokrise nicht gelöst, auch wenn sich die Dramatik deutlich verflacht hat. Die Rettungsmechanismen greifen und die Märkte haben die Lust verloren, gegen den Euro zu wetten. Gleichzeitig sorgen die Milliarden, die FED und EZB in die Märkte pumpen, weiterhin für große Inflationsängste, so dass Sachwerte weiterhin gefragt bleiben dürften. Und während in Südeuropa die Immobilienpreise taumeln, sind sie in den deutschen Ballungszentren geradezu Gipfelstürmer. Nach 20 siechen Jahren holt der Immobiliensektor hier gerade alles in wenigen Jahren nach - mit entsprechenden Überhitzungstendenzen. Und doch wird die Nachfrage nach Wohneigentum nicht nachlassen, denn zu den Inflationssorgen kommen das niedrige Zinsniveau (gut für Bauherrn und Käufer, schlecht für Sparer) hinzu wie auch die Kapitalflucht der reichen Griechen, Spanier und Italiener, die ihr Erspartes bevorzugt in Deutschland vor dem Zugriff immer neuer Steuerschrauben in ihrer Heimat in Sicherheit bringen wollen. Doch die rasant steigenden Preise haben auch eine Kehrseite: die Mieten ziehen ebenfalls deutlich an und immer weniger Leute können sich die hohen Mieten noch leisten. Ein Ende des Preisansteigs und vielleicht sogar eine Umkehr des Trends ist absehbar. Denn der Zustrom aus den Krisenländern wird abnehmen, sobald sich die wirtschaftliche Lage dort zu stabilisieren beginnt und die demographische Entwicklung wird die deutsche Bevölkerung bereits in Kürze schrumpfen lassen.

Doch wenn Wohnimmobilien schon nicht (mehr) erste Wahl als Geldanlage sind, so sind Gewerbeimmobilien noch kritischer zu betrachten, Denn auch wenn hier in Deutschland die letzten Jahre deutliche Wertzuwächse gebracht haben, steigen die Leerstandquoten doch bereits wieder deutlich an - ein Frühindikator für stagnierende oder gar sinkende Preise. Und das hohe Niveau des Wachstums der deutschen Wirtschaft hat sich merklich abgekühlt, so dass Immobilien per se ihre besten Tage als Anlageform gesehen haben sollten. Sie werden weiterhin gute Renditen abwerfen, aber der Boom der letzten beiden Jahre dürfte erst einmal vorbei sein.

Und dann das Gold... jeder will es haben, jeder hat irgendwo Gold im Haus versteckt. Aber es bringt keine Zinsen und der große Ansturm ist auch bereits vorbei. Es gilt als Krisenwährung, aber es ist nicht wirklich praktikabel als Währung einzusetzen. Es wiegt einfach viel zu viel und sein Preis ist zu hoch, als dass man damit sinnvoll bezahlen könnte. Dann kann man schon eher auf Silber setzen, auch wenn Silber deutlich schwankungsanfälliger ist als Gold. Doch mehr als einen kleinen Bestand an Edelmetallen sollte man sich nicht ans Bein binden. Das gilt auch für andere Rohstoffe, wie Öl oder Getreide, die man physikalisch auch nicht gebrauchen kann. Hier ist man auf Finanzderivate angewiesen und um die muss man sich ständig kümmern.

Doch auch Unternehmensbeteiligungen sind Sachwerte. Aktiengesellschaften bieten ja nicht nur die Ideen und die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter, sondern auch Grundstücke, Maschinen, Warenbestände. Dennoch sind Aktien leicht zu handeln über die Börse und bieten einen hervorragenden Inflationsschutz. Denn selbst wenn das Geld massiv an Wert verliert, verlieren Sachwerte nicht an Wert. Ihr Wert in Geld steigt entsprechend mit, auch bei einer Währungsreform. Hat Deutschland ja schon mitgemacht, mehrfach.

Alternativen zu Aktien können noch Anleihen darstellen oder Sparanlagen. Doch bei diesem Niedrigst-Zinsniveau gleichen die Micker-Zinsen nicht einmal den Wertverlust durch die Inflation aus. Daher kann man Tages- oder Termingeldkonten eigentlich nur für die Cash-Reserve empfehlen, aber nicht als Anlageform. Und bei Anleihen beteiligt man sich wie bei Aktien am Risiko eines Unternehmens (oder eines Staates). Man ist Gläubiger und damit im Insolvenzfall besser gestellt als ein Aktionär - was sich allerdings nur auswirkt, wenn es noch etwas zu holen gibt. Andererseits sind die Chancen auch begrenzt, weil Anleihen eine feste Verzinsung bieten bei einer festen Laufzeit. Mehr gibt es nur, wenn man Anleihe über die Börse kauft und zwar zu Kursen unterhalb von Pari (100%) und dann zu den Zinsen noch Kursgewinne einstreichen kann. Ansonsten bieten Aktien höhere Kurschancen und auch die Aussicht auf eine Teilhabe am Unternehmenserfolg in Form von Dividendenausschüttungen. Und gerade diese Aussicht sollte für Langfristanleger den Ausschlag geben. So bekommt der Zinseszinseffekt die Chance, seine Wirkung voll zu entfalten.

Fazit: Inflationsangst, Zentralbankgeldspritzen, Konjunkturerholungstendenzen, das sind die Schmierstoffe für die Börse und daher sollten die Aktienkurse auch in 2013 deutlich zulegen. Nicht wie am Schnürchen, es wird auch in diesem Jahr volatil zugehen, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie 2012. Aber trotz der zu erwartenden Schwankungen werden die Kurse am Jahresende höher stehen, als zu Jahresbeginn. Und wer daran teilhaben will, sollte dennoch nicht die Auswahl der richtigen Aktien vernachlässigen: niedrig bewertet, umsatz- und ertragsstark, attraktive Dividendenrendite, seriöses und erfolgreiches Management und gute Perspektiven. Das sind die Unternehmen, an denen man sich beteiligen muss, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen. Denn "reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten, als sie wert sind", sagt Warren Buffett.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Beitrag, allein aus dem Grund der mangelnden Alternativen ist es schon möglich, dass die Aktien in 2013 weiter zulegen. Das schöne ist jedoch: Je länger der Anlagehorizont, desto unwichtiger wird die Performance eines einzelnen Jahres. Ich denke langfritig sind Aktien immer noch die beste Anlagemöglichkeit. Es ist viel mehr eine Persönlichkeitssache, inwiefern man die Volatilität ertragen kann.

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    1. Mir sind die Börsenzeitschriften fast zu einig daß es ein Börsenjahr wird. Auch die Kursziele der Analysten sind positiver als im letzten Jahr.
      Ich bin daher eher skeptisch
      johnny

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    2. Jan, wenn es alleine wegen der fehlenden Alternativen zu steigenden Aktienkursen käme, würde dies einerseits die Bewertung (KGV) hochtreiben und andererseits die gefahr einer Blasenbildung bedeuten. Das Risiko würde also mitsteigen. Allerdings glaube ich, dass wir in der zweiten Jahreshälfte erste Erholungstendenzen sehen werden bzgl. Weltkonjunktur und Euro-Krisenländer, so dass nicht die EZB-Geldspritzen und die Alternativlosigkeit die Aktienkurse beflügeln sollten, sondern eben auch die Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne.

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  2. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Hier meine Gedanken dazu: Man braucht sich nur die Zahlen der Silberverwendung ansehen und schnell wird man feststellen, dass Silber als Anlagegut wieder beliebt geworden ist. Vor allem bei den Privatinvestoren! Die Nachfrage nach Silber hat sich im physischen Bereich (Silbermünzen, Silberbarren) sowie im ETF Bereich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht. Bei der aktuellen Notenbankenpolitik und der “Ungewissheit” kann sich meiner Meinung das gleiche in den nächsten zehn Jahren wiederholen. Die Auswirkungen einer nochmaligen Verzehnfachung der Silbernachfrage aus dem privaten Sektor auf den Silberpreis kann sich heutzutage wohl niemand vorstellen!

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    1. Schöne Website, Martin!

      Das Problem mit Edelmetallen ist, dass es nur auf Angebot und Nachfrage ankommt. Nur dann ist eine Werthaltigkeit gegeben. Eine Verzinsung gibt es nicht, keine Erträge jenseits eines Kursanstiegs. Und wenn der ausbleibt, verliert das Edelmetall an Wert, weil die Inflation das Geld entwertet. Bei Aktien kommen ergänzende Faktoren hinzu: man beteiligt sich an einem Unternehmen und kann dessen Entwicklung anhand der Geschäftsberichte nachvollziehen. Und man ist an etwas Werthaltigem jenseits des Aktienkurses beteiligt, denn selbst wenn die Börse in eine Baisse rauscht, verliert nur die Aktie an Wert, weil ihr Preis sinkt, nicht aber der erworbene Unternehmensanteil selbst. Das Geschäft läuft weiter, die Gewinne werden weiter ezielt, ob der Aktienkurs nun bei 1 oder 100 Dollar steht. Und es gibt eine Dividende oder der einbehaltene Gewinne steigert den Wert des Unternehmens. Und was die Inflation angeht... Unternehmen haben die Möglichkeit, steigende Preise an die Kunden weiterzugeben. Letztlich bedeutet Inflation ja genau das: man muss für die Dinge mehr bezahlen (an die Unternehmen).

      Aus diesen Gründen würde ich eben nur einen begrenzten Teil meines Geldes in Edelmetalle stecken. Silber ist dabei "handlicher", weil es wesentlich weniger Wert ist als Gold. Allerdings schwankt sein Kurs auch bedeutend stärker.

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  3. Noch nie war es so einfach und sinnvoll in Rohstoffe zu investieren. Dank ausgeklügelten Finanzprodukten (Zertifikate …) kann man in Güter investieren, wo solch ein Investment vor 20 oder 30 Jahren noch unmöglich ist. Beschränkt man die Sichtweise der Rohstoffe auf die physischen Anlagen – so wird man auf die Edelmetalle (Gold, Silber oder Platin) setzen. Es ist immer noch unverständlich warum Edelmetalle zu den alternativen Geldanlagen zählen. Grundsätzlich stellen diese eigentlich die herkömmlichste, ursprüngliche und am längsten anzutreffende Geldanlage in der Geschichte dar. Papierwährungen ohne Deckelung (z.B. Goldstandard) sind ökonomisch anhand des Zinseffektes einfach zum Scheitern verurteilt – bei einer sinnvollen Geldpolitik kann so etwas sehr sehr lange hinausgezögert werden. Doch meist bedarf es lediglich eines natürlichen Wirtschaftsabschwunges, sodass die sinnvolle Geldpolitik aufgegeben wird. Edelmetalle hingegen haben immer ihren inneren Wert. Die Höhe des Wertes ist hierbei von den Erwartungen der Menschen abhängig. Je nach Wirtschaftslage (Inflation, Deflation, Unsicherheit) passt sich dieser Preis an. Edelmetalle werden in Zukunft immer bedeutender werden. Jeder sollte zumindest einen Teil seines Vermögens in Edelmetallen anlegen. Ob man dies als Krisenschutz oder lediglich zur Risikodiversifizierung macht ist jedem selbst überlassen.

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