Sonntag, 16. September 2018

Die Amazon-Offensive. Oder... was ist Disruption?

Als Disruption bezeichnet man einen Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst bzw. zerschlagen wird; Produkte, Dienstleistungen oder Technologien werden also ganz oder teilweise verdrängt.

Der Unterschied zu normalen, in allen Branchen alltäglichen, Innovationen liegt in der Art und Weise der Veränderung. Während eine Innovation eine Fortentwicklung, eine Anpassung ist, bezeichnet die Disruption einen totalen Um- oder Zusammenbruch des bestehenden Modells.

Die Idee disruptiver Innovation in der Wirtschaft lässt sich auf den österreichischen Nationalökonom und Politiker Joseph Schumpeter zurückführen, der sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Der Harvard-Absolvent Clayton Christensen führte 1997 aus, dass jedes noch so erfolgreiche und etablierte Unternehmen eines Tages von einer solchen Existenz beraubenden Revolution bedroht wird. Christensen beschreibt diesen disruptiven Prozess dennoch als notwendig für eine funktionierende Weiterentwicklung des Marktes.

Verlierer sind in diesem Fall zumeist große Unternehmen, die ihrerseits selbst mit einer radikalen Innovation ins Geschäft eingestiegen sind. Denn für etablierte Unternehmen sei es geradezu unmöglich, ihr Geschäftsmodell von Grund auf zu verändern. Ausschließlich Neugründer, die wenig zu verlieren und viel zu gewinnen hätten, seien in der Lage, derartige Risiken einzugehen.

Vor allem im Bereich des Internets und der neuen, digitalen Medienwelt wird häufiger von Disruption gesprochen, aber auch in der Startup-Szene gilt es als Zauberwort für Finanzierungszusagen. Doch nicht alles, was irgendwie neu und quer gedacht erscheint, ist auch disruptiv...

»Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste; es ist diejenige, die sich dem Wandel am besten anpassen kann.«
(Charles Darwin)

Ein paar Beispiele für Disruption

Kodak war der Platzhirsch bei der Fotografie, man stellte die besten Farbfilme her. Und man entwickelte als erster die Digitalkamera - um sie im Tresor verschwinden zu lassen. Inzwischen hat die Digitalkamera Kodak den Todesstoß versetzt. Das Aufkommen digitaler Fotografie hat den Markt für herkömmliche Fotoapparate und Filme vollständig zusammenbrechen lassen. Und den Digitalkameras droht das gleiche Schicksal, denn aufgrund er heutigen Smartphone-Fähigkeiten braucht kaum noch jemand eine eigenständige Kamera.

Der Einzelhandel kämpft ums Überleben, was nicht nur dem eigenen ruinösen Wettbewerbsdruck geschuldet ist, sondern der immer stärker nachgefragten Online-Konkurrenz von Amazon & Co. Obwohl Amazon auch "nur" Waren verkauft, wurde durch das Online-Shopping der Markt für kleine Einzelhändler zunehmend ausgedünnt und sie mussten aufgeben. Ein Trend, der inzwischen auch vor den größeren Supermarktketten und Einzelhandelsketten nicht halt macht.

Zeitungen verlieren immer mehr Leser an Online-Angebote. Der Markt hat sich gewandelt und klassische Printmedien geraten immer mehr aufs Abstellgleis. Sie verlieren Leser und damit Reichweite und damit Anzeigenkunden. Diese investieren lieber in Online-Werbung, weil sie dort immer mehr Menschen erreichen. Und aufgrund des Kostendrucks dünnen die Verlage ihre Redaktionen immer mehr aus, um Kosten zu sparen, und daher werden die Zeitungen immer weniger lesenswert. Und verlieren so weitere Leser und Anzeigenkunden.

Der Walkman war eine revolutionäre Entwicklung, machte er doch das Musikhören mobil. Und Sony zu einer Elektronik-Weltmacht. Doch kaum zwanzig Jahre später kam Apples Ipod auf den Markt und damit das Ende der Kassettengeräte. Und Apple hat noch andere Märkte zerstört. Ganz am Anfang den von Xerox und IBM, die Welt der Großrechner, als Steve Jobs den Personal Computer samt grafischer Benutzeroberfläche massentauglich auf den Markt brachte (etwa zeitgleich mit Microsoft und dessen Windows-Desktop-Programm, woraus sich eine krude Räuberballade entwickelte, wer was wann von wem gestohlen habe). Und später killte er die Handys und damit den Weltmarktführer Nokia, als er mit dem Iphone das erste Smartphone auf den Markt brachte, das über eine Touchscreen verfügte und über Wisch-Gesten bedient wurde. Auch BlackBerry, der damalige Smartphone-Riese, ging unter, weil man den Trend hin zum Touchscreen und weg von der haptischen Tastatur ignorierte.

Gefahren der Disruption für Anleger

Die heutigen Platzhirsche müssen auf der Hut sein und disruptive Entwicklungen selbst aufnehmen, sonst werden sie von ihnen überholt. Wir sehen derartige Tendenzen im Bereich des Automobilsektors, wo Verbrennungsmotoren ausgemustert werden zugunsten von Elektromotoren. Die neue Kernkompetenz heißt nicht mehr Motor, sondern Batterie. Und darüber hinaus geht die Entwicklung weiter, hin zum autonomen Fahren. Dies hat weniger disruptive Einflüsse auf die Autohersteller, sondern viel mehr auf die Autoversicherer. Wenn es keine Fahrer mehr gibt, sondern die Autos Software gesteuert selbst entscheiden und fahren, wer braucht dann als Person noch eine Kfz-Haftpflichtversicherung? Oder bei Filialbanken, die wie Relikte aus einer anderen Zeit anmuten, während Online-Banking und Online-Beratung - auch schon durch virtuelle Berater - zunehmend an Boden gewinnen.

Für Investoren gilt es weniger die neuen Technologieführer ausfindig zu machen, als vielmehr im Blick zu haben, ob sie in Unternehmen investiert sind, deren Geschäftsmodell durch Disruption bedroht ist. Diese eignen sich dann nicht (mehr) für Buy & Hold-Investments.

Und der Burggraben?

Und noch einen Aspekt gilt es zu bedenken: die früher dominanten Burggräben (Moats) beständiger Geschäftsmodelle haben heute auch immer kürzerer Halbwertszeiten. Denn durch den immer schneller voranschreitenden technologischen Wandel geraten alte erfolgreiche Geschäftsmodelle schneller unter Druck von jungen, innovativen Unternehmen. Und so haben Burggaben-Geschäftsmodelle immer öfter auch nur dann noch eine Überlebenschance, wenn sie sich nicht nur auf die Defensive verlassen, sondern selbst wieder agiler werden und sich an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Gegen Amazon kann man nur bestehen, wenn man (mehr) wie Amazon wird. Walmart ist so ein Beispiel. Der Einzelhandelsgigant hat den Kampf aufgenommen und setzt verstärkt auf Onlinehandel und kopiert das Amazons Erfolgsmodell - von der anderen Seite der Entwicklung kommend, vom stationären Laden aus. Während Amazon mit der Übernahme der Whole Foods-Läden seine Präsenz ausbaut und diese Läden als Anlaufstellen und Abholstationen benutzt, geht Walmart genau den umgekehrten Weg. Und nähert sich damit Amazon an. Auch deshalb steht Walmart besser da als viele andere Einzelhändler.

Disclaier
Ich habe Amazon auf meiner Beobachtungsliste und als eine der größten Positionen in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael

    Da du Batterien schon erwähnst, was hältst du von einer Batterieproduktion in Deutschland?

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    1. Deutsche Automobilhersteller sind weltweit Spitze. Das liegt an den beiden überragenden Kernkompetenzen Design und Motor. Bei Elektroautos fällt der Motor weg, bei den E-Motoren gibt es kaum gravierende Unterschiede. Damit wird die neue zweite Kernkompetenz die Batterietechnik. Sie entscheidet über Lebensdauer, Leistung, Reichweite - und damit Akzeptanz beim Kunden und Verkaufserfolg. Daher ist mir unbegreiflich, dass die deutschen Autohersteller die Entwicklung hier völlig verpennen und sich bei der Batterietechnik von den Asiaten ausstechen lassen. Kurzsichtig, dumm und vielleicht sogar der Anfang von Untergang der deutsche Autodominanz. So, als würden die heute alle bei Toyota ihre Motoren ordern anstatt eigene zu entwickeln und zu bauen. Eigentlich kann man gar nicht so dumm sein. Aber Zetsche und Co. können das offensichtlich doch...

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    2. Das beste hast du dabei noch vergessen: Die teuren Batteriefabriken sollen laut VW Chef Müller doch bitte die Zulieferer bauen.

      Abgesehen davon, hältst du es für sinnvoll, noch in die bestehende Technik einzusteigen?

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    3. Das kann ich nicht beurteilen, ich bin zu wenig Techniker. Aus meiner Sicht sind die heutigen Akkus nicht leistungsfähig genug, aber es gibt noch keine Alternative. Weil immer mehr Autohersteller massiv auf E-Modelle setzen und diese in den nächsten Jahren in den Markt drücken, werden die Absatzzahlen massiv hochschnellen. Das bedeutet, dass einerseits viel mehr E-Ladestationen errichtet werden (müssen), und andererseits die Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Akkus steigt. Wo es steigende Nachfrage gibt, finden sich auch mehr Leute, die nach neuen innovativen Möglichkeiten suchen. Und da gibt es durchaus interessante Ansätze. Ich kann mir gut vorstellen, dass es schon in wenigen Jahren ganz neue Speichermöglichkeiten gibt, die dann auch schon auf den Markt drängen (funktionierende Technik und marktreifes Produkt und daran anschließende Produktionskapazitäten sind ja unterschiedliche Aspekte). Der Punkt ist doch folgender: es geht nicht nur Akkus für E-Autos, sondern neue Speichertechnologien können/müssen auch her für die regenerativen Energien (bisher ist das Stromnetz der Speicher, das funktioniert aber nicht mehr) und auch in der Gebäudetechnik werden neue, bessere Speichermethoden nötig. Es forschen also viele Leute aus unterschiedlichen Branchen und von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus an der grundsätzlich gleichen Sache. Mit erheblichem finanziellen Background aus mehreren Industriezweigen. Weltweit. Daher wird da auch relativ schnell irgend etwas gefunden werden.

      Das birgt aus meiner Sicht bei Batterieherstellern einige Risiken; es ist aus meiner Sicht schlichtweg nicht möglich, hier den Markt einzuschätzen. Über die nächsten 5 Jahre hinaus, da wird es sicher (fast) ausschließlich um die aktuelle Speichertechnologie gehen.

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  2. Sind die E-Autos eine disruptive Entwicklung, oder eine (peinliche) Modeerscheinung? Wenn ich mit niedrigem Drehzahlbereich mit ca. 180km/h die Teslas überhole, die versuchen im Windschatten der LKWs von einer Ladestation zur nächsten zu kommen, bin ich noch nicht überzeugt vom Erfolg der E-Autos. Ich denke, egal ob Gas, Wasserstoff oder Kuhmistantrieb, für den Kunden ist alles besser als E-Auto, bei dem in wenigen Jahren der Akku schlapp macht. Da dieser teuerer ist als der Rest des Fahrzeuges, kann dann das Ganze sicher verschrottet werden. Das ist natürlich großartig für die Umwelt (-> das einzige Verkaufsargument für die E-Autos).
    Buy and Hold darf man natürlich nicht in Branchen betreiben, die im Wachstum sind (siehe Peter Lynch) lieber Zigaretten oder Öl. Oder Fischzucht, etc. Es muss halt langweilig und nicht verlockend für neue Marktteilnehmer sein... da hat sich in den letzten 100 Jahren nichts verändert.

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    1. E-Autos werden keine Modeerscheinung sein, sondern sich durchsetzen. Die großen Hersteller setzen massiv auf diese neue Technologie (naja, vor 100 Jahren war das ja schon mal State of the art, bevor Benzin billig und schier unbegrenzt verfügbar wurde) und auch die Ladeinfrastruktur wird massiv ausgebaut. Das Henne-Ei-Problem löst sich daher auf, weil von beiden Seiten am Problem gearbeitet wird und nicht der eine erstmal auf den anderen wartet. Und, nicht zu vergessen, es dreht sich um hoch kapitalisierte Unternehmen, die hier am Start sind. Die können sich das leisten, massiv zu investieren. Auch deshalb sind die Erfolgsaussichten sehr hoch.

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    2. Ich bin auch davon überzeugt, dass sich E-Autos durchsetzten werden. Sie sind 2,5 x effizienter. In anderen Ländern ist der Strom sogar noch billiger. Elekroautos sind auch nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt (>200 km/h). Bringt im Alltag eh nicht viel. Bei einem auf Sportlichkeit ausgelegten E-Auto wie Rimac sieht die Sache wieder anders aus.
      Die Akkus halten beim Tesla deutlich länger, als ein paar Jahre, da sie aktiv gekühlt werden. Beim Handy ist das nicht der Fall, deshalb geht auch der Akku schneller kaputt, dass er beim Laden heiß wird.
      Verschrottet werden die Akkus aus E-Autos auch nicht, dafür ist die Technik zu wertvoll. Die werden dann zu PowerWalls weiterverabeitet bzw. recycled.

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    3. Kühlung? Macht Technotrans. Sieht man dem Aktienkurs bisher aber nicht an :-|
      https://www.technotrans.de/de/produkte/batteriekuehlung-ladekabelkuehlung.html

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  3. E-Autos werden sich nur durchsetzen, wenn der Kaufpreis und die Laufzeit akzeptabel sind und die Ladeinfrastruktur vorhanden ist. Im Moment passiert da in DE nicht viel. Das Pseudoauto von Mercedes ist ein schlechter Witz. Ca. 70.000 EUR für so eine Leistung und dann gibt es nichtmal Bestrebungen eine Ladeinfrastruktur aufzubauen. Die Frage ist, wer soll die aufbauen, wenn nicht die Autobauer. Das nächste Problem sehe ich in meiner Umgebung. Mehrfamilienhäuser mit je 12 Parteien zum Beispiel. Wo sollen die Autos alles ihren Strom tanken. Das funktioniert doch nur bei einem Einfamielhaus, wo man die Säule mit einplant.
    Ist also noch ein weiter Weg, der gegangen werden muss.

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    1. Die neue Schnellladevariante, bei der man nur 20 Minuten für 'nen vollen Akku benötigt, wird hier den Durchbruch bringen. Denn jeder Supermarkt, jedes Fachmarktzentrum, jedes Einkaufszentrum und die Innenstädte werden alles mit solchen Ladesäulen zupflastern - und die Kunden werden es lieben und ihre Autos während des Einkaufens auftanken. Dann braucht nicht jeder 'ne eigene Ladestation zuhause (Tiefgaragen dürften auch relativ schnell damit ausgerüstet werden. Der Haupthemmschuh ist noch, dass sich die unterschiedlichen Anbieter auf ein einheitliches Abrechnungssystem einigen müssen. Dann kann jeder sein E-Auto an jeder Ladesäule auftanken.

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  4. Das Problem ist wohl einfach, so lange es Benzin geben wird, wird es auch benutzt werden...
    Volltanken in 2 Minuten an allen Ecken und Enden ist halt schon etwas wert.

    Sein Auto 4 oder mehr Stunden irgendwo weit entfernt zum Laden hinstellen (und dann der Fairness halber natürlich nach dem Laden wegfahren, wobei man danach keinen Parkplatz vor der Haustüre mehr bekommt) ist wenig akzeptabel, solange es die Benzin-Alternative gibt.

    Es gäbe aber eine Lösung: Akkutausch an der Tankstelle. "Tanken" würde blitzschnell gehen.

    Das wird die Zukunft, würde ich sagen.

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    1. Die Ladezeit mit einem Tesla-Supercharger (120 KW) beträgt 20 Minuten. Damit ist die Ladesäule am Supermarkt, Fachmarktzentrum, Einkaufszentrum ideal platziert, weil man während des Einkaufs für den täglichen Bedarf mal eben so nebenbei das E-Auto wieder aufladen kann. Da muss keine "Batterietausch-Infrastruktur" aufgebaut werden, was sowieso nur mit einheitlichen/genormten Batterien funktionieren würde. Und da E-Autobatterien mit zunehmendem Alter bzw. höherer Anzahl an Ladezyklen immer mehr Leistung verlieren, wie sollte dabei geregelt werden, dass ich für meine leere, aber nagelneue Batterie, dann nicht eine volle, aber alte, leistungsschwache eingesetzt bekomme? Die Batterie ist bei E-Autos doch das Kernelement, vergleichbar mit dem heutigen Motor. Und einer der höchsten Kostenfaktoren. Das wird nicht laufen mit dem Batterietausch an der Tankstelle.

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  5. Damit das klappt mit dem "Tanken beim Supermarkt", müsste aber jeder Supermarkt-Parkplatz mit einer Lade-Infrastruktur ausgerüstet werden (?)

    Wir bräuchten auf jeden Fall ein Netz an Ladestationen, das es an Leistungsfähigkeit mit unserem vorhandenen Tankstellennetz aufnehmen kann.

    Auch ein bisschen Komfort wäre gut: wenn Freitag Nachmittag, wo man sowieso noch kaum einen Parkplatz zum Einkaufen findet, auch noch alle gleich ihr Auto aufladen wollen (?)

    Es wäre nicht so toll, wenn man ständig Ärger damit hätte, sein Auto wieder volltanken zu können.

    Nicht falsch verstehen: ich finde E-Autos super, von der Technik, vom Fahren, und der Umwelt (Smog) her... aber es gilt da einige Probleme zu lösen, bis die Akzeptanz und Praxistauglichkeit in größerem Stil erreicht werden kann.

    Endlich mal weniger Gestank in der (Groß-)Stadt... das wär' schon was...

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    1. Chris, da sehe ich kaum Probleme. Es müssen ja nicht sofort an jedem Supermarkt 20 Schnelladestationen bereit stehen, sondern das kann sukzessive mit der Anzahl der E-Autos ausgebaut werden. Sobald die Menschen sich daran gewöhnen, dass sie ihr E-Auto "unterwegs" beim Einkaufen aufladen können, wird es für Supermärkte/Fachmarktzentren zum Qualitätsmerkmal und Standortvorteile, wenn sie ausreichend Ladestationen anbieten. Das entwickelt schnell eine ganz eigene Dynamik. Ob sich die Ketten (Edeka, Aldi, Lidl, REWE, famila) dann selbst an den Ausbau machen oder aber eher auf Partner setzen (z.B. Shell, RWE, Stadtwerke), wird man sehen. Auch beim Verbrennungsmotoren gab es nicht zuerst ein gut ausgebautes Tankstellennetz, sondern man musste sich sein Benzin in der Apotheke kaufen... ;-)

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  6. Richtig ;-) Die Frage ist, wie durchdringt die neue Technik den gewohnten Alltag der Menschen, wo es eben Stand heute ein gutes Tankstellennetz und ein komfortables/problemloses Tanken gibt.

    Zum Supermarkt: dann müssten die Benziner aber die Parkplätze für die E-Autos freihalten... das klappt in der Rush Hour schon kaum mit den wenigen Behinderten-Parkplätzen.

    Egal... auf jeden Fall ein spannendes Thema. Relativ schnell gelöst wäre das Ganze, wenn eine Stadt binnen 6 Jahren "verbrennungsmotorfrei" werden müsste per Gesetz.

    Dann gäbe es weniger Akzeptanzprobleme - und auch kein Risiko für Investoren, die das ganze dann technisch umsetzen.

    Aber da gilt "Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind", wird so etwas wohl noch länger dauern.

    Ich persönlich fände es gar nicht so schlecht, wenn das Auto den Nimbus des "Statussymbols" (dicke SUV's etc.) verlieren, und mehr zum reinen Individual-Transportmittel werden würde.

    Aber da werden genau diejenigen, die sich jedes Auto leisten können und wollen (und die die Entscheider in Politik und Wirtschaft sind) wohl kaum mitmachen ;-)

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  7. Vielleicht noch etwas zu Amazon... ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, mir die Aktie dieser Tage zuzulegen. Abgehalten hat mich hauptsächlich das enorm hohe KGV, das sich immerhin von astronomischen 600 bis auf aktuell immer noch hohe 80 reduziert hat über die Zeit. Es liegt trotzdem noch mehr als dreifach so hoch wie das KGV durchschnittlicher Amerika-Aktien. Das ist es, was mich bei Amazon etwas nervös macht - ich denke, endlos lang kann es nicht gutgehen, wenn ein Unternehmen stark überbewertet ist. Irgendwann kommt wohl die Korrektur... (?)

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    1. Chris, das KGV bzw. der Jahresüberschuss wird überschätzt bei der Aktienanalyse. Der Gewinn ist die am leichtesten zu manipulierende Größe und vor allem bei Wachstumsunternehmen verpasst man die besten Chancen, wenn man sklavisch auf den Gewinn als Bewertungsmaßstab fixiert ist. Amazon ist innerhalb von 20 Jahren zum wertvollsten Konzern der Welt aufgestiegen - ohne Gewinne! Weil jeder Cent sofort in weiteres Wachstum investiert wurde. Das konnte man nur erkennen, wenn man sich auf den Cashflow konzentriert hat! Amazon kann ganz leicht Gewinne ausweisen, indem sie einfach mal ein Quartal (oder Jahr) nicht weiter investieren in Wachstum. Aber das wird Jeff Bezos nicht un, zum Glück!, weil es so viele Wachtumsmöglichkeiten gibt. Sieh Dir AWS an, den mit großem Abstand Weltmarktführer bei Cloudangeboten. Der wurde aus dem Cashflow von Amazon bezahlt. Hätte Amazon erst auf Gewinne gewartet, um nur diese zu investieren, wäre man heute wohl Kunde bei Microsoft/Azure.

      Also, vergiss (nicht nur) bei Amazon das KGV, schau Dir das Business an, die Wachstumsraten und die Cashflows.

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  8. Hallo Michael. Also Amazon ging nach einem stark überhitzten Wachstum dann ein ganzes Jahr lang nur noch seitwärts, während solide Aktien unbeirrt wuchsen. Man hätte am Anfang spekulativ einsteigen sollen, die größten Gewinne mitnehmen, und dann in Qualitätsaktien mit soliden fundamentalen Zahlen, Geschäftsmodell und einem sauberen historischen Wachstum über viele Jahre stecken sollen. Aber damals hatte ich Aktien leider nicht auf dem Radar... Immerhin hat die Februar-Hausse gezeigt, dass Amazon nach wie vor herdentriebartig gekauft wird. Im so wichtigen Cloudgeschäft hat Amazon schon erhebliche Anteile an Microsoft verloren. "Prime" kostet Amazon eine Menge - und sollte Amazon auf die Idee kommen, die Gebühren dafür zu erhöhen, weil's im Cloud-Geschäft nicht mehr ganz so läuft (Konkurrenz drückt bekanntlich die Preise - und dann hilft Investieren auch nichts mehr), dann werde ich es gleich mal kündigen ;-) Und was man davon hält, dass ein Unternehmen die Anteilseigner mit 0 % Dividende am Unternehmensgewinn beteiligt, darüber kann man natürlich auch geteilter Meinung sein. Zum Einsteigen bei Amazon ist es m.E. allein deshalb ein schlechter Zeitpunkt, weil es keinen Corona-Bonus gibt. Ich habe nach dem Crash nach echten Blue-Chip-Qualitätsaktien gesucht, die die Leute in schierer Panik auf die Strasse geschmissen haben, und mit zwei von den dreien fahre ich akutell sehr gut. Horizont: Wochen bis ein Jahr, notfalls maximal zwei Jahre. Wenn nicht wieder eine große Wirtschafts/Finanz/Staatenkrise dazwischenfunkt (und ich hoffe, die Welt hat langsam ihre Lektionen gelernt - das passiert offenbar immer auf die harte Tour!!) dann wird diese Rechnung mit großer Sicherheit wohl auch aufgehen.

    Wohin es mit Amazon geht, ist wie immer sehr einfach zu beantworten. Wenn viele Leute die Aktie haben wollen, wird sie hochgehen, so wie jede andere. Mir ist das Papier insgesamt zu heiss. Es gibt m.E., wie gesagt, sehr solide und zuverlässige Alternativen.

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    1. Chris, Du argumentierst mit dem Kursverlauf, das ist nicht zielführend, nicht nur bei Amazon nicht. Amazon war deutlich gestiegen, weil Investoren es honorierten, dass Amazon auch unterm Strich deutlich steigende Gewinne ausgewiesen hat. Und dann kam der Schwenk bei Amazon, weil man Gewinne für Wachstum geopfert hat: man hat eine massive Investitionsinitiative gestartet, um die eigene Logistik zu erweitern und die 1-Tages-Belieferung von Prime-Kunden möglich zu machen. Der Gewinn sank wegen der Investitionen wieder, aber bald schon zeigte sich, dass dieser Schritt der richtige war, weil man viele neue Prime-Kunden gewinne und ein signifikant stärkeres Wachstum aufweisen konnte. Prime-Mitglieder bestellen dreimal so viel bei Amazon wie "normale" Kunden und je mehr Leute die Amazon-Website nutzen, umso attraktiver werden die Werbeanzeigen (Ad-Business). Und im Bereich eigener Logistik baut Amazon nicht nur seine Flugzeugflotte massiv aus, sondern auch den eigenen Zustelldienst - immerhin sind die Transportkosten für Amazon nach den Personalkosten die zweitgrößte Ausgabeposition. Die möchte man lieber "intern" verarbeiten, als die FedEX, UPS und DHL zu überlassen (und das bei relativ schlechtem Service).

      Aber ich will die Amazon nicht schönquatschen. Wenn Du keinen Zugang dazu findest und/oder Dir andere Unternehmen eher liegen und Du Dich da wohler fühlst, dann investiere lieber dort. Es gibt ja auch jenseits von Amazon interessante Investitionsmöglichkeiten...

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  9. Hallo Michael, ich möchte auch keine Aktie "schlechtreden". Mir geht's eher darum, zu lernen, und alles zu verstehen. Bin noch relativ neu in diesem Business...
    Um ein Unternehmen fundamental gut einschätzen zu können, muss man wohl eine Menge wissen (zwei Dutzend Begriffe aus BWL, die Marktpositionierung, Innovationskraft usw). Dem gegenüber steht ein wenig das Technische, und sogar ein wenig "Chartanalyse": ich schaue darauf, ob eine Aktie in den letzten 10, 20 Jahren sich gut entwickelt, und das Vertrauen der Käufer gefunden hat. Dann setze ich ein wenig darauf, dass das auch weiterhin der Fall sein wird. Man kann halt leider Gottes fast nichts über Aktien vorhersagen... nachdem sie aber über Jahrzehnte überdurchschnittlich performt haben (auch viel besser als Immobilien), glaube ich nicht, dass dieser Megatrend so ohne weiteres einfach bald gebrochen werden wird.

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    1. Ich habe nicht das Gefühl, dass Du Amazon "schlechtreden" möchtest, Chris, keine Sorge. Die von Dir vorgebrachten Argumente kommen ja seit vielen Jahren von vielen Anlegern und die haben die tolle Entwicklung des Unternehmens und des Kurses dann verpasst. Wie ich bis Anfang 2016 oder Warren Buffet bis Ende 2018. Gerade das Thema, dass Amazon heutige Gewinne opfert für künftige noch größere Gewinne habe ich mehrfach hier im Blog behandelt, zuletzt hier: "Kosten steigen, Gewinne sinken: Amazon-Aktionäre sollten gerade deshalb jubeln! und zuvor Anfang 2019 bereits hier: Amazon: Starke Zahlen, starker Ausblick. Oder etwa nicht?. Da habe ich mich zweimal intensiv damit befasst, weshalb die Strategie von Amazon Sinn macht und warum die Kursrücksetzer aus meiner Sicht Kaufchancen darstellen - und dass die höheren Gewinne schon bald folgen werden (was dann ja Ende 2019 auch so eintrat).

      Den umfassendsten Überblick über das Businessmodell von Amazon kannste Dir mit diesem Artikel verschaffen: "XAmazon einfach gedacht: Weshalb die Aktie (fast) zu jedem Kurs ein Kauf sein könnte - treffenderweise habe ich den mit diesem Titel Ende Oktober 2018 verfasst, also kurz vor dem zweiten heftigen Kurseinbruch, der 2018 zu so einem schlechten Aktienjahr machte. ;-) Verglichen mit dem aktuellen Crash war das natürlich ein Kindergeburtstag; bezogen auf den Gesamtmarkt, nicht auf Amazon.

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