Freitag, 15. Februar 2019

Benjamin Graham rät: Mit Spin-offs relativ einfach Extrarenditen einfahren

Als Spin-off bezeichnet man die Abspaltung eines Unternehmensteils. Eine Gesellschaft möchte sich einer Sparte entledigen und verkauft diese nicht, sondern formt aus ihr ein eigenständiges Unternehmen in Form einer Aktiengesellschaft und "verschenkt" diese Aktien an ihre Aktionäre. Die Aktionäre der Alt-AG bekommen also entweder die Aktien des neuen Unternehmens einfach in ihr Depot übertragen und sind dann an beiden Unternehmen beteiligt. Oder sie erhalten zumindest ein Bezugsrecht für die Aktien der Spinoff-AG. Und hieraus ergeben sich durchaus Chancen. Für alle Beteiligten...


Bereits Benjamin Graham, der Urvater des Value Investings und Lehrmeister von Warren Buffett, lehrte uns, dass Spin-offs oft zu Sondersituationen führen, bei man Unternehmensanteile unter Wert einsammeln kann. Das liegt daran, dass ein Spin-off kein normaler Börsengang ist, bei dem sich Anleger aktiv um die neuen Aktien bemühen, sondern bei einem Spin-off bekommen Aktionäre des abgebenden Konzerns die Aktien der abgespaltenen Unternehmenseinheit einfach in ihre Depots eingebucht. Und haben nun also Anteile an einem Unternehmen, das sie vielleicht gar nicht haben wollen. Da diese Situation bei allen Anlegern zur gleichen Zeit auftritt, handeln auch vielleicht entsprechend und verkaufen ihre neuen Aktien umgehend - oder werfen ggf. ihre Bezugsrechte billigst auf den Markt. Es kommt also kurzfristig zu einem Angebotsüberhang an Aktien und das drückt auf den Kurs.

Und auch in der Folgezeit hat es das neue Unternehmen zunächst schwer, sich die nötige und vielleicht verdiente Beachtung zu sichern. Denn es ist am Markt unbekannt, der neue Name ist nicht geläufig und es gibt vergleichsweise wenig Informationen zu dem Unternehmen, da die Historie seiner Unternehmenszahlen noch kurz ist und es nur wenige Analysten gibt, die sich bereits mit dem Unternehmen befassen. Doch nach dieser vorübergehenden Schnäppchenkurs-Phase beruhigt sich die Lage und es rücken zunehmend die fundamentalen Daten in den Vordergrund.

»Man kann einen Haufen Geld verdienen, indem man in Spin-offs investiert. Die Fakten sind überwältigend. Aktien von Spin-off-Unternehmen übertreffen die Marktdurchschnittswerte signifikant und konstant.«
(Joel Greenblatt)

Eine Studie von Deloitte zeigt für den Zeitraum zwischen 2000 und 2014 dann auch, dass sowohl die Spin-offs als auch die Mutterkonzerne ein Jahr nach der Abspaltung deutlich überdurchschnittliche Kurszuwächse aufweisen. Besonders gut haben sich dabei die Spin-offs entwickelt, die ihre Benchmark um durchschnittlich 21 Prozent schlagen konnten. Und es gibt natürlich handfeste Gründe dafür, dass 90 Prozent der Spin-offs positiv verlaufen für die Anleger. Denn die neu geschaffenen Unternehmen sind agiler als sie es zuvor als Konzernsparte waren, sie haben flachere Hierarchien und schnellere Entscheidungswege. Sie können daher viel besser auf Chancen und Risiken in ihrem Geschäftsfeld reagieren und müssen sich nicht zuwiderlaufenden übergeordneten Konzerninteressen beugen, sondern sind Herr ihrer eigenen Entscheidungen.

»Spin-offs stellen oft herausragende Gelegenheiten für Value Investoren dar.«
(Seth Klarman)

Wenn ein Unternehmen also ankündigt, Teilbereiche abzuspalten, sollten Anleger hellhörig werden. Denn es bieten sich zumeist lukrative Chancen. Sowohl das abgebende Unternehmen, als auch insbesondere die junge Firma entwickeln sich nach dem Spin-off besser als der Marktdurchschnitt. Wermutstropfen ist, dass in Deutschland die steuerliche Behandlung von Spin-offs nach wie vor abenteuerlich ist. So werden sie von der Finanzverwaltung nicht selten wie eine Dividendenausschüttung behandelt, was zu einer Steuerbelastung führt. Und das ist ärgerlich, da aus einer Aktie im Depot einfach zwei werden, man aber dann bar Steuern auf das Einbuchen der zweiten Aktie abführen muss. Und zwar die volle Abgeltungssteuer.

Das kann man natürlich vermeiden, in dem man die Aktien der Unternehmen erst unmittelbar nach dem erfolgten Spin-off kauft. Denn in diese "Irritationsphase" hinein bekommt man sie oftmals zu Schnäppchenpreisen, umgeht aber die steuerliche Problematik. Von der wahrscheinlichen Outperformance in den nächsten Monaten und Jahren profitiert man so trotzdem...

▶ Anlage: Zusammenfassung der Deloitte-Studie von Dezember 2014 (PDF)

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Kissig,
    Ihr Artikel ist wieder sehr gelungen.
    Ich habe Frage zur Irritationsphase, beginnt diese direkt nach dem Spin-off oder sollte man 1 bis 2 Wochen warten ?
    Gibt es hierbei eine allgemeine Regel?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So pauschal kann ich das nicht beantworten. Die Kursentwicklung hängt ja vor allem auch davon ab, wie begehrt das abgespaltene Unternehmen und in welcher Branche es aktiv ist. Die "Irritationsphase" entsteht ja dadurch, dass Anleger die von ihnen gar nicht gewollten Aktien aus dem Depot werfen, ohne Vorstellung über das Unternehmen selbst und daher oft auch ohne Limit. Hieraus entsteht ein vorübergehender Angebotsüberhang, der den Kurs fallen lässt - unabhängig von der allgemeinen Börsenstimmung und den separaten Aussichten des abgespaltenen Unternehmens.

      Da nicht alle Anleger täglich ihr Depot checken, werden auch nicht alle Abgabewilligen gleich am ersten Tag die Aktien verkaufen. Ein paar Tage sollte man daher schon Zeit haben, die Aktien günstig(er) einsammeln zu können. Da sind dann ein paar Extraprozentpunkte Rendite drin für Langfristanleger. Statistiken, die auch für Trader relevant wären, um beim Spin-off kurzfristige Kursschwankungen auszunutzen, kenne ich allerdings nicht.

      Löschen
  2. Eine Frage: Ich glaube diese Strategie haben bereits viele erkannt und es ist mittlerweile nicht so einfach Geld mit Spinoffs zu verdienen. Gibt es aktuelle Statistiken über die Performance von Spinoffs z.b. in den letzten 4-5 Jahren?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du spielst auf den kurzfristigen Tradingerfolg an, also das schnelle Abstauben und dann bald schon im Plus liegen? Das dürfte schwieriger geworden sein, weil viele Anleger den Effekt kennen und daher auf solche Gelegenheiten warten. Grahams Spin-off-Strategie zielt aber ja auf den positiven Effekt, der sich über einen längeren Zeitraum einstellt, da sind die ersten paar Prozente dann nur eine Randerscheinung.

      Löschen
    2. Ich habe das Buch von Joel Greenblatt "You can be a stock market genius" gelesen. Eine Aktie ein Jahr lang zu halten, um dann das Effekt des SpinOffs mitzunehmen ist denke ich kein kurzfristiger Tradingerfolg, sondern ein klassischer Spinoff Erfolg. Wenn Du eine Aktie 5 Jahre lange halten möchtest - dann ist die Entwicklung des Unternehmmens ausschlaggebend und hat mit dem SpinOff vor 5 Jahren eigentlich nichts mehr zu tun. Die Frage bleibt mit einer leichten Korrektur: Gibt es aktuelle Statistiken über die 1- bis 2-Jahres Performance von Spinoffs für die letzten 4-5 Jahren?

      Löschen
  3. Vlt. mit einer kleinen Erweiterung: Werden Spinoffs/ Bezugsrechte wie im Artikel beschrieben immer noch für billiges Geld aus dem Depot herausgeschmissen? Oder wissen mittlerweile alle, dass dies ein schlechttes Geschäft ist :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Glaube Michael hatte das schon beantwortet: Nein, Spinoffs werden nicht mehr so wie früher gedankenlos aus dem Depot geschmissen. Kurzfristig ist da also nicht mehr so viel zu holen wie früher. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass Spinoffs sich aufgrund der Unabhängigkeit von einem behäbigen Großunternehmen, das nur einengt und bremst, auf längere Zeit wie z.B. 4-5 Jahre besser entwickeln als der Durchschnitt. Also ja, doch, die bessere Entwicklung auf 5 Jahre hat ursächlich mit dem Spinoff zu tun.

      Löschen
    2. Erstaunlich ist ja, dass zumindest auf Sicht von einem Jahr, auch die Mutterkonzerne bei Spin-offs besser abschneiden als der Gesamtmarkt...

      Löschen