Freitag, 19. Januar 2018

Mit Spin-offs einfach Extrarenditen einfahren

Als Spin-off bezeichnet man die Abspaltung eines Unternehmensteils. Eine Gesellschaft möchte sich einer Sparte entledigen und verkauft diese nicht, sondern formt aus ihr ein eigenständiges Unternehmen in Form einer Aktiengesellschaft und "verschenkt" diese Aktien an ihre Aktionäre. Die Aktionäre der Alt-AG bekommen also entweder die Aktien des neuen Unternehmens einfach in ihr Depot übertragen und sind dann an beiden Unternehmen beteiligt. Oder sie erhalten zumindest ein Bezugsrecht für die Aktien der Neu-AG. Und hieraus ergeben sich durchaus Chancen. Für alle Beteiligten...

Bereits Benjamin Graham, der Urvater des Value Investings und Lehrmeister von Warren Buffett, lehrte uns, dass Spin-Offs oft zu Sondersituationen führen, bei man Unternehmensanteile unter Wert einsammeln kann. Das liegt daran, dass ein Spin-off kein normaler Börsengang ist, bei dem sich Anleger aktiv um die neuen Aktien bemühen, sondern bei einem Spin-off bekommen Aktionäre des abgebenden Konzerns die Aktien der abgespaltenen Unternehmenseinheit einfach in ihre Depots eingebucht. Und haben nun also Anteile an einem Unternehmen, das sie vielleicht gar nicht haben wollen. Da diese Situation bei allen Anlegern zur gleichen Zeit auftritt, handeln auch vielleicht entsprechend und verkaufen ihre neuen Aktien umgehend - oder werfen ggf. ihre Bezugsrechte billigst auf den Markt. Es kommt also kurzfristig zu einem Angebotsüberhang an Aktien und das drückt auf den Kurs.

Und auch in der Folgezeit hat es das neue Unternehmen zunächst schwer, sich die nötige und vielleicht verdiente Beachtung zu sichern. Denn es ist am Markt unbekannt, der neue Name ist nicht geläufig und es gibt vergleichsweise wenig Informationen zu dem Unternehmen, da die Historie seiner Unternehmenszahlen noch kurz ist und es nur wenige Analysten gibt, die sich bereits mit dem Unternehmen befassen. Doch nach dieser vorübergehenden Schnäppchenkursphase beruhigt sich die Lage und es rücken zunehmend die fundamentalen Daten in den Vordergrund.


Eine Studie von Deloitte zeigt für den Zeitraum zwischen 2000 und 2014 dann auch, dass sowohl die Spin-Offs als auch die Mutterkonzerne ein Jahr nach der Abspaltung deutlich überdurchschnittliche Kurszuwächse aufweisen. Besonders gut haben sich dabei die Spin-Offs entwickelt, die ihre Benchmark um durchschnittlich 21 Prozent schlagen konnten. Und es gibt natürlich handfeste Gründe dafür, dass 90 Prozent der Spin-offs positiv verlaufen für die Anleger. Denn die neu geschaffenen Unternehmen sind agiler als sie es zuvor als Konzernsparte waren, sie haben flachere Hierarchien und schnellere Entscheidungswege. Sie können daher viel besser auf Chancen und Risiken in ihrem Geschäftsfeld reagieren und müssen sich nicht zuwiderlaufenden übergeordneten Konzerninteressen beugen, sondern sind Herr ihrer eigenen Entscheidungen.

Wenn ein Unternehmen also ankündigt, Teilbereiche abzuspalten, sollten Anleger hellhörig werden. Denn es bieten sich zumeist lukrative Chancen. Sowohl das abgebende Unternehmen, als auch insbesondere die junge Firma entwickeln sich nach dem Spin-off besser als der Marktdurchschnitt. Wermutstropfen ist, dass in Deutschland die steuerliche Behandlung von Spin-offs nach wie vor abenteuerlich ist. So werden sie von der Finanzverwaltung nicht selten wie eine Dividendenausschüttung behandelt, was zu einer Steuerbelastung führt. Und das ist ärgerlich, da aus einer Aktie im Depot einfach zwei werden, man aber dann bar Steuern auf das Einbuchen der zweiten Aktie abführen muss. Und zwar die volle Abgeltungssteuer.

Das kann man natürlich vermeiden, in dem man die Aktien der Unternehmen erst unmittelbar nach dem erfolgten Spin-off kauft. Denn in diese "Irritationsphase" hinein bekommt man sie oftmals zu Schnäppchenpreisen, umgeht aber die steuerliche Problematik. Von der wahrscheinlichen Outperformance in den nächsten Monaten und Jahren profitiert man so trotzdem...

Kommentare:

  1. Hallo Michael, danke - guter Hinweis! Hast Du denn konkrete Spin-Off Kandidaten auf dem Schirm?
    Viele Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Hi Michael,
    hast du vielleicht den Link zu der Studie von Deloitte?
    Beste Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hier hab ich zumindest mal eine Zusammenfassung gefunden:
      https://s3.amazonaws.com/assets.hvst.com/uploads/attachment/file/1437/Exec_Summary_-_The_Edge_Deloitte_Global_Spinoff_Study_-_Dec_2014.pdf

      Löschen
  3. In nächster Zeit wird die Öl- und Gastochter der BASF, Wintershall, mit der DEA verschmelzen und einen deutschen Öl- und Gasriesen schmieden. Das wird eine sehr interessante Gelegenheit werden.:)

    Djerun

    AntwortenLöschen
  4. Da werf ich mal spontan Siemens mit der geplanten IPO von Healthineers in den Raum. Die Frage ist, ob es sich lohnt, Siemens zu kaufen, nur um sich Aktien der Medizinsparte zu sichern.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. IPO ist nicht gleich SpinOff! Die Vorteile von SpinOffs gelten für IPOs dieser Form leider nicht und die Value-Effekte bleiben daher außen vor. Grund ist, dass Spinoffs "zwangsweise" den bisherigen Anteilseignern zugeführt werden und diese die teilweise nicht wollen oder nicht halten dürfen. Bei IPOs kommen alle freiwillig ins Boot und daher gibt es eine bedeutend effizientere Preisfindung und damit wenig "Value".
      Cheers!

      Löschen
  5. Der Ansatz hört sich interessant an, ich kaufe also beim SpinOff beide Unternehmen und erwarte eine bessere Entwicklung als der breite Markt. Das ist einfach, die entscheidende Frage ist aber: Wann verkaufe ich? Charttechnisch, wenn der Aufwärtstrend bricht? Oder wenn die Outperformance gegenüber zurück geht, oder wenn sich fundamental was ändert?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Charttechnische Signale sind beim Value Investing eigentlich nebenrangig. geht ja eigentlich nie um Charts, sondern um den fairen Wert des Unternehmens. Die Kurse sind ja nur die aktuellen Preise und die Charts sozusagen das Schaufenster der Preise.
      Charttechnik einfach streichen. ;)

      Generell ist das aber die grundsätzliche Frage beim Value Investing - WANN verkaufe ich? Wann verkaufe ich meinen Value-Wert, den ich möglichst unterhalb des fairen Wertes erworben habe und nun bemerke, dass sich der Marktwert diesem inneren Wert angeglichen hat?

      Und ich denke, dass es jetzt hier auf die weiteren Perspektiven des Unternehmens (nicht des Kurses/der Charts) und der Branche des Unternehmens und auf die zu erwartenden Fähigkeiten des Management ankommt.
      Soll heißen, der innere Wert ist erreicht -> der Value Investor schaut nun auf Unternehmensaussichten, sein Zutrauen in das Management und auf die Aussichten der Branche des Unternehmens... -> und dann wird entweder gehalten oder eben der gehobene Buchgewinn realisiert.
      Gilt wie gesagt nicht nur für IPOs sondern für alle Value-Werte.

      Michael, so habe ich zumindest nach fleißigem Lesen in deinem Blog hier, das für mich zusammengereimt. :)

      Grüße
      Jan

      Löschen
    2. Meinte ntürlich Spin-Offs nicht IPOs.

      Grüße
      Jan

      Löschen
  6. General Electric würde mir da spontan einfallen.GE will einige Sparten abspalten bzw.verkaufen.Zudem ist der Kurs momentan richtig runter gekommen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eben, dachte ich auch, als ich - gestern? - die Meldung las, dass der GE-Boss wohl im Frühjahr mal seine Vorstellungen äußern bzw. sich entscheiden wolle. Auf die Aufspaltung eines solchen Dickschiffs aus dem Dow Jones zu setzen, müsste doch schon einige Kursfantasien befeuern oder? Zumal der Kurs seit Jahren lahmt u. wegen GE Capital nochmal ziemlich runtergeprügelt wurde ... Könnte mir schon vorstellen, dass die einzelnen GE-Sparten deutlich höher bewertet würden als das Ganze. Andererseits wäre solch eine Aufspaltung mit Sicherheit eine teure u. langwierige Angelegenheit. Wäre interessant, Herr Kissigs Meinung bezüglich GE zu hören. Danke übrigens für dieses exzellente Blog!

      Löschen
  7. In einem aktuellen BB wird darauf hingewiesen,dass GE Capital für die nächsten sieben Jahre 15 Mrd USD für Deckungsrückstellungen benötigt.Ich kann die Belastung schlecht einschätzen.
    Für GE allgemein gilt dort: Kaufen wird bis 15,15€ empfohlen der IW mit mit 21,64€ angegeben.Beim aktuellen Kurs wären das ja schon 35%,wenn man das als Sicherheit betrachtet und die Phantasie des Spin offen dann dazunimmt....

    AntwortenLöschen
  8. Hallo Michael,
    wie würdest Du zur Zeit die Aktie von Facebook bewerten?- auch das sich der Dollar dem Euro in Zukunft wieder nähert bzw. es wieder zur logischerweisen Parität kommt.
    Würde gern mein halbes Vermögen in dieses Unternehmen investieren (mittel bis langfristig)
    Viele Grüße von Deinem täglichem Leser
    Nick

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Nick,
      dass es "logischerweise" zur Parität kommt, ist nicht ausgemacht. Aktuell neigt der Dollar weiter zur Schwäche. Und sollte es international wirklich dazu kommen, dass zB die Saudis den chinesischen Yuan als Zahlungsmittel akzeptieren, entfiele hier eine stete Nachfragequelle nach Dollars. (Alleine) auf den Dollar würde ich also nicht setzen.

      Und ich kann auch nicht dazu raten, den Großteil seines Vermögens in nur eine Aktie zu stecken, egal für wie aussichtsreich man diese hält. Konzentration auf einige wenige Werte? Okay. Aber nur ein Wert? Den Chancen stehen enorme Risiken gegenüber, das sollte man nicht machen.

      Facebook selbst hat zur Zeit etwas zu kämpfen und investiert massiv in zusätzliches Personal. Das wird die Gewinne dauerhaft belasten. Auf der anderen Seite haben sie noch enormes Wachstumspotenzial im Bereich der Werbung und auch bei der Monetarisierung von WhatsApp. Auf mittlere und lange Sicht halte ich Facebook daher weiter für sehr aussichtsreich - ganz unabhängig von der Dollarentwicklung.

      Löschen