Freitag, 23. Februar 2018

Aumann und Delignit mit starken Zahlen - zündet MBB bald wieder die Rakete?

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB SE war zuletzt etwas aus dem Fokus der Anleger verschwunden, nachdem der Kurs im letzten geradezu explodiert war. Und das lag vor allem an der börsennotierten Beteiligung Aumann AG, an der MBB knapp 50% der Anteile hält. Aumann ist aus dem Zusammenschluss der MBB Fertigungstechnik mit der Aumann GmbH hervorgegangen und wurde im Anschluss von MBB als eigenständiges Unternehmen an die Börse geführt. Mit den frischen Mitteln aus dem Börsengang expandiert Aumann seitdem stark. Denn man ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie

Doch im vergangenen Herbst kam die Ernüchterung: Aumann musste kleinere Brötchen backen, was den Gewinn angeht. Denn aufgrund der starken Nachfrage arbeitete man unter Vollauslastung und sah sich gezwungen, die Kapazitäten schnell zu erweitern. Was natürlich zunächst einmal Kosten verursachte für Investitionen und zusätzliches personal. Und da Aumann bei der MBB in der Bilanz konsolidiert wird, führte dies auch bei MBB zu einer Umsatz- und Gewinnwarnung. Und einem empfindlichen Kursrücksetzer.

Doch dieses Ungemach scheint vergessen. Aumann legte seine vorläufigen Zahlen für 2017 vor und die wussten zu überzeugen:


"Aumann AG wächst 2017 um 35 % und plant 2018 mindestens 43 % Wachstum
Die Aumann AG ist nach vorläufigen Zahlen 2017 um 34,8% gewachsen und erreichte einen erneuten Rekordumsatz in Höhe von 210,4 Mio. Euro. Der Umsatzanteil des E-Mobility Segments betrug 28,9%. Im vierten Quartal 2017 erreichte der Umsatz 70,0 Mio. Euro und lag damit 63,3% über dem Vorjahresquartal.
Der Auftragseingang im Gesamtjahr konnte um 48,5% auf 282,3 Mio. Euro gesteigert werden, wovon 36,2% auf das E-Mobility Segment entfielen. Mit 147,0 Mio. Euro im vierten Quartal lag der Auftragseingang auf sehr hohem Niveau. Im Auftragseingang enthalten sind 43,0 Mio. Euro Auftragsbestand der im Oktober 2017 erstmals konsolidierten USK. Zum Jahresende 2017 lag der Auftragsbestand mit 204,2 Mio. Euro um 54,4% höher als im Vorjahr. Der E-Mobility Anteil des Auftragsbestandes betrug 34,6%.
Das bereinigte EBIT im Gesamtjahr erreichte 21,0 Mio. Euro , was einer EBIT-Marge von 10,0% entspricht. Nachdem das EBIT im dritten Quartal 2017 auf Grund von Kapazitätsengpässen 2,8 Mio. Euro betrug, konnte es bereits im vierten Quartal wieder auf 5,9 Mio. Euro gesteigert werden. Bereinigt wurden 0,9 Mio. Euro PPA und Akquisitionskosten. Insbesondere im Segment E-Mobility konnte im vierten Quartal mit einem EBIT von 1,8 Mio. Euro die Profitabilität wieder spürbar verbessert werden.
Im Geschäftsjahr 2018 plant Aumann den Umsatz auf mehr als 300 Mio. Euro zu steigern, was einem Wachstum von mindestens 42,6% entspricht. In Anbetracht des anhaltend dynamischen Wachstums und der fortschreitenden Integration von USK wird das bereinigte EBIT auf 28 bis 31 Mio. Euro prognostiziert. Dem starken Marktwachstum plant Aumann weiterhin mit organischen und anorganischen Kapazitätserweiterungen zu begegnen. Hierfür stehen dem Unternehmen 106,7 Mio. Euro liquide Mittel bei einer Eigenkapitalquote von 55,5% zum Jahresende 2017 zur Verfügung."

> zur Meldung
Auch bei der zweiten börsennotierten Beteiligung, der Delignit AG, lief es 2017 rund.

"Delignit AG mit deutlichem Umsatz- und Ergebnisanstieg 2017
- Vorläufige Zahlen bestätigen positive Geschäftsentwicklung
- EBITDA steigt um 31 Prozent auf 4,9 Mio. Euro
- Neuer Umsatzrekord von 52,7 Mio. Euro
Die Delignit AG, führender Hersteller ökologischer laubholzbasierter Produkte und Systemlösungen, hat 2017 bei Umsatz und Ergebnis deutliche Steigerungen verzeichnet. Nach vorläufigen, ungeprüften Zahlen verbesserte sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, EBITDA, um 31% auf gut 4,9 Mio. Euro nach 3,7 Mio. Euro im Vorjahr. Dies entspricht einer EBITDA-Marge von 9,2% nach 7,5% im Vorjahr, womit die Erwartung des Vorstands übertroffen wurde. Das Konzernergebnis stieg um 33,1% auf 1,9 Mio. Euro nach 1,4 Mio. Euro 2016. Das Ergebnis pro Aktie lag damit bei 0,24 Euro nach 0,18 Euro im Vorjahr.
Der Umsatz verbesserte sich 2017 um 8,5% auf 52,7 Mio. Euro nach 48,6 Mio. Euro 2016. Dies entspricht einem neuen Rekord in der Unternehmensgeschichte. Treiber der positiven Geschäftsentwicklung waren beide Marktbereiche. Im Bereich Automotive profitierte die Delignit AG weiter von den Produktinnovationen der vergangenen Jahre bei Laderaumschutz und Ladungssicherung von leichten Nutzfahrzeugen. Im Bereich Technological Applications, der u.a. auch Böden für Produktionsstätten sowie Brand- und Schallschutzausstattungen anbietet, konnte abermals eine sehr erfreuliche Entwicklung im Bereich Schienenverkehrsanwendungen verzeichnet werden.
Da sich die Auftragseingänge unverändert positiv entwickeln, investiert die Delignit AG weiter in den Ausbau der Produktionskapazitäten und in die Optimierung der Produktionsabläufe. Positive Effekte werden auch von der im vergangenen Jahr gegründeten Tochtergesellschaft Delignit North America Inc. erwartet, die Wachstumschancen im NAFTA-Raum bei leichten Nutzfahrzeugen nutzen soll.
Der Vorstand geht auch im Geschäftsjahr 2018 von einer Fortsetzung des Wachstums (bei Umsatz und Ergebnis) aus."
> zur Meldung
Und das führt uns zur Mutter MBB. Die vorläufigen Zahlen für 2017 haben die zuvor reduzierten Erwartungen übertroffen. MBB erzielte bei einem Umsatz von 403 Mio. Euro (+17,6%) ein EBITDA von 38 Mio. Euro (+20,1%), was auf einen Gewinn je Aktie von 2,06 Euro hinaus läuft. Avisiert hatte MBB zuletzt einen Umsatz von 390 Mio. Euro und ein Ergebnis je Aktie von 2,00 Euro.

 MBB SE (Quelle: wallstreet-online.de
Die Konzernliquidität liegt per 31.12.2017 bei 279 Mio. Euro (2016: 77,4 Mio.) und die Nettoliquidität bei 222 Mio. Euro (2016: 22,2 Mio.). Davon entfallen 161,2 Mio. Euro auf die MBB selbst. Und diese hohe Liquidität im Konzern ist ein wesentlicher Treiber für die Zukunft. MBB ist seit dem Börsengang im Jahr 2006 um jährlich mehr als 20% gewachsen und will hieran anknüpfen. Neben einem durch starke Auftragseingänge in allen Gesellschaften getriebenen organischen Wachstum, will MBB auch durch weitere erfolgreiche Akquisitionen wachsen. Nachdem im Oktober 2017 mit der USK erneut ein sehr erfolgreiches mittelständisches Unternehmen aus Familienhand erworben wurde (für die Aumann AG), erwartet MBB für 2018 einen Umsatz von mehr als 500 Mio. Euro und ein Ergebnis je Aktie (vor PPA) in der Bandbreite von 2,60 bis 2,80 Euro. Bisher hatte MBB für 2022 ein Umsatzvolumen von 750 Mio. Euro geplant, doch "vor dem Hintergrund der ausgezeichneten Rahmenbedingungen für Akquisitionen strebt das Management eine stärkere Diversifikation und bereits für 2020 einen Umsatz von 750 Mio. Euro an". Und das bedeutet, dass MBB kurz davor steht, mehrere Akquisitionen zu tätigen.

Meine Einschätzung
Nach einem kurzen Verschnaufer aufgrund des überbordenden Wachstums bei Aumann und damit einhergehender Kapazitätsengpässe hat MBB zurück in die Spur gefunden.

Aumann läuft wieder rund und auch die übrigen MBB-Töchter laufen alle voll im Plan. MBB hatte Ende letzten Jahres auf Investorenkonferenzen Zukaufoptionen für mehrere Töchter angedeutet, aber auch mehrere ganz neue Investments. Hierfür spricht auch, dass MBB eine breitere Diversifikation des Konzerns anstrebt.

Ich habe Aumann, Delignit und MBB auf meiner Empfehlungsliste. Alle drei Unternehmen sind aussichtsreich positioniert und kaufenswert. Mein Favorit bleibt jedoch die Mutter MBB, da man hier zum 76% am Erfolg der Delignit partizipiert und annähernd zu 50% an Aumann. Daneben sitzt MBB auf einem großen Berg an Cash und alles deutet darauf hin, dass hier bald erste Zukauferfolge zu vermelden sein dürften. Nachdem sich der MBB-Kurs von seiner Konsolidierung verabschiedet hat und wieder in Richtung der 100-Euro-Marke unterwegs ist, ist die Position wieder die größte in meinem Depot. Und es wird immer wahrscheinlicher, dass mein mittelfristiges Kursziel von 125 Euro bald wieder in greifbare Nähe rücken wird. Erfolgen lukrative Zukäufe im Jahresverlauf 2018, könnte auch noch mehr drin sein...

Kommentare:

  1. Hallo Michael, danke für deine guten, zumeist treffsicheren Analysen. Bei MBB und Delignit bin ich schon seit Jahren inwestiert und natürlich zufrieden. Auch bei Aumann bin ich dabei. Hinsichtlich Aumann meine ich, dass Aumann keine Spulen für Elektromotoren herstellt sondern die Maschinen hierfür. Dies halte ich sogar für erfolfversprechender als die Motorenkomponenten herzustellen. Motoren kann jeder herstellen (mit den entsprechenden Maschinen) aber die komplizierten Maschinen nicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Okay, Du hast Recht. Ich habe mal meine nicht ganz korrekte Kurzbeschreibung durch die offizielle Selbstdarstellung von Aumann ersetzt, damit sollte es passen...

      Löschen
  2. Wie stehen Sie zu der aktuellen Bewertung der MBB? Bei dem aktuellen Kursniveau ergibt sich ein 2018er KGV von ca. 40. Sie halten die Aktie dennoch auch auf aktuellem Niveau für Kaufenswert, sehen Sie somit stille Reserven die weitere Kurssteigerungen rechtfertigen?
    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ne, das 2017er- KGV von MBB liegt bei 40. Nimmt man den Mittelwert der frischen 2018er- Prognose von 2,70 € je Aktie, läge das KGV bei 30. Auch nicht billigt, aber eben auch bezogen ausschließlich auf das operative Wachstum. Der Kick liegt ja im hohen Cash-Bestand und dessen Investition in weitere lukrative Beteiligungen. Und schaut man sich den Track-Record von MBB seit dem Börsengang 2006 an, haben sie fast ausnahmslos sehr preiswert sehr gute Unternehmen zugekauft. Eine Wertsteigerung von über 20% pro Jahr ist schon außergewöhnlich gut. Und ich setze auf die Fortsetzung dieser Erfolgsserie. Daher sehe ich ein KGV von 30 nicht als übermäßig hoch an, zumal MBB plant, alleine operativ schon mit 20% p.a. zu wachsen...

      Löschen
    2. Hallo Michael

      Ich habe kurz eine Verständnisfrage (und ich hoffe, du nimmst mir diese doofe Frage nicht übel): In der Pressemitteilung vom 22.02.2018 stand u.a. "Das dynamische Wachstum der MBB von mehr als 20 % p.a. seit Börsengang 2006 soll sich auch im Jahr 2018 fortsetzen." Und auch du schreibst, dass in der Vergangenheit eine Wertsteigerung von 20% erfolgt ist. Von welchem Wachstum wird hier denn genau gesprochen? Es handelt sich ja nicht um das Gewinnwachstum, oder?

      Danke im Voraus und liebe Grüsse
      David

      Löschen
    3. Hallo David. MBB ist beim Umsatz seit 2005 um 22% p.a. gewachsen und das Ergebnis legte in diesem Zeitraum um 19% p.a. zu. Weitere Infos dazu findest Du in der Präsentation vom EK-Forum 2017, die es in der Investor-Relations-Rubrik auf der MBB-Homepage gibt.

      Löschen
    4. Perfekt, herzlichen Dank! :)

      Löschen
  3. Hallo Michael,

    wie findest Di Entscheidung von MBB weitere Anteile von Aumann abzugeben? Ich finde die Desinvestition schon kritisch. Aumann ist ein sehr sehr gutes Unternehmen, ich würde keine Aktie davon abgeben...Und ob man solche gute Neuzukäufe wieder findet, ist natürlich wieder ein neues Risiko. Klar die Erreichung von 750 Mio. bis 2020 ist dann einfacher, doch ein Großteil des konsolidierten Umsatzes gehört dann zu Aumann - ist das richtig?

    Beste Grüße
    Moritz

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Moritz,
      ich bewerte die Anteilsreduzierung seitens MBB bei Aumann nicht so skeptisch - weil ich davon überzeugt bin, dass MBB bereits konkrete neue Übernahmeziele im Blick hat.

      MBB werden künftig 38% von Aumann gehören und Aumann wird damit auch weiter in der MBB-Bilanz voll konsolidiert. Ich finde die Entscheidung von MBB zur ANteilsreduzierung auch deshalb richtig, weil Aumann rasant wächst und auch über weitere Zukäufe. Aus Sicht von MBB wird/würde dies zunehmend zum Klumpenrisiko und egal, was sie an sonstigen Beteiligungen noch einsammeln könnten, die würden alle zusammen kaum mehr als 50% an Gesamtportfolio ausmachen. MBB macht nun also zu einem schön hohen Kurs bei AUmann nochmals Kasse, bleibt aber weiter stark in Aumann investiert und profitiert weiterhin an deren Erfolgen. Und... Nesemeier würde dies niemals zum jetzigen Zeitpunkt machen, nur um Cash anzusammeln. Daran hat MBB aktuell ja keinen Mangel. Also hat er mehrere konkrete Targets vor Augen und wir werden wohl in den nächsten Wochen/Monaten mehrere Zukäufe bei MBB sehen. Einfach mal die letzte Investorenpräsentation anschauen, da sind diverse "Kästchen" eingemalt, wo man zukaufen will. Add-Ons bei bestehenden Beteiligungen und bis zu drei ganz neue Beteiligungen. Bisher liegt mein MBB-Kurziel/Einschätzung zum fairen Wert bei 125 Euro. Je nachdem, welche neuen Investments es geben wird, könnte das perspektivisch zum Jahresende hin Richtung 150 Euro steigen...

      Aspekt am Rande: MBB könnte bald in Richtung SDAX tendieren, Aumann ebenso (und natürlich in den TecDAX aufrücken). Der erhöhte Streubesitz hilft Aumann hier weiter.

      Löschen
  4. MBB gibt Aumann für 61,00 ab, zum Zeitpunkzt der Veröffentlichung 6,- unter dem Marktpreis. Was ist da los? Schlechtes Timing?

    AntwortenLöschen