Mittwoch, 16. Januar 2019

Eskalation bei der mic AG eher ein dreckiges Spiel über Bande beim Streit zwischen Blue Cap und PartnerFonds?

Inzwischen dürfte jedermann klar sein, dass sich Hannspeter Schubert beim Verkauf seines 44-prozentigen Aktienpakets an der Blue Cap AG [WKN: A0JM2M] mächtig verzockt hat. Denn die PartnerFonds AG hat seine Aktien eingesackt und Schubert wurde im Gegenzug zum größten Aktionär bei der Partner Fonds AG. Doch aus dem geplanten einvernehmlichen Zusammenwachsen der beiden Unternehmen ist bekanntlich nichts geworden, denn die PartnerFonds AG hat das Verlangen zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung vor den Latz geknallt mit dem Ziel, den Aufsichtsrat auszutauschen und mit PartnerFonds-Leuten zu besetzen, sowie dem Blue Cap-CEO Dr. Schubert das Vertrauen zu entziehen - was der eigentliche Grund des Ansinnens ist. Blue Cap hat das Verlangen abgelehnt, PartnerFonds geht dagegen gerichtlich vor.

Die PartnerFonds AG und ihre Macher, also Vorstand Oliver Kolbe und sein Aufsichtsrat, sind selbst im eigenen Haus nicht unumstritten. So hat die PartnerFonds-Hauptversammlung Oliver Kolbe die Entlastung verweigert. In der Replik der Blue Cap wurde geäußert, man habe sich über die Bewertung von Beteiligungen nicht einigen können, die die PartnerFonds in die Blue Cap einbringen wollte - zu überhöhten Preisen und damit zum Schaden der Aktionäre, wie Blue Cap und Dr. Schubert meinten.

Der Ausgang dieser Streits ist völlig offen; ich hatte vor einigen Wochen gemutmaßt, dass sich Dr. Schubert nicht kampflos fügen wird. Und nachdem er vor einiger Tagen einen Packen Blue Cap-Aktien gekauft hat, poppte soeben eine Meldung hoch, die ins Bild passen könnte. Doch sie kommt nicht von der PartnerFonds AG und auch nicht von der Blue Cap AG, sondern von der mic AG, dem ehemaligen Arbeitgeber von Oliver Kolbe, wo dieser 2016 fristlos vor die Tür gesetzt worden war. Und da fliegt nun gerade der Deckel vom Schietkübel, aber mit so richtig Schmackes...


Zunächst ein paar Worte zur Vorgeschichte. Die mic AG hat Vorstandsmitglied Oliver Kolbe im September 2016 fristlos vor die Tür gesetzt und dieser hat sich dagegen zur Wehr gesetzt. Mitte 2018 wurde alle drei Klagverfahren entschieden und zwar zugunsten der mic AG. Das ist nicht nur eine Klatsche für Kolbe, sondern wirft auf auch ein bezeichnend schlechtes Licht auf ihn als Vorstand.

Und gestern Abend blitze folgende Meldung der mic AG über den Ticker:

Veröffentlichung von Insiderinformationen gemäß Artikel 17 MAR 
mic AG: Änderung Jahresabschluss für 2015 wegen Fehlerhaftigkeit und Folgeänderungen in den Jahresabschlüssen für 2016 und 2017

  • Änderung des Jahresabschlusses der mic AG für 2015 und (Folge-) Änderung der Jahresabschlüsse der mic AG für 2016 und 2017 aufgrund Fehlerhaftigkeit des Jahresabschlusses für 2015
  • Vorstand der mic AG wird den Jahresabschluss für 2015 und hierdurch veranlasst die Jahresabschlüsse für 2016 und 2017 ändern, die geänderten Jahresabschlüsse dem Aufsichtsrat vorlegen und der Aufsichtsrat wird den Jahresabschlussprüfer mit der Durchführung einer Nachtragsprüfung gemäß § 316 Abs. 3 HGB beauftragen
  • Schadensersatzansprüche gegen Ex-Management in Zusammenhang mit der Fehlerhaftigkeit des Jahresabschlusses für 2015 werden geprüft

Der Vorstand der mic AG hat heute den Aufsichtsrat der mic AG informiert, dass er sich veranlasst sieht, den Jahresabschluss der mic AG für 2015 zu ändern und in den Jahresabschlüssen für 2016 und 2017 hierdurch notwendige (Folge-) Änderungen vorzunehmen. Der Aufsichtsrat der mic AG hat diesen Vorschlag des Vorstands in der heute stattgefundenen gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat nach vorhergehender eingehender Beratung und Prüfung zustimmend zur Kenntnis genommen. 
Dem Vorstand liegen seit kurzer Zeit belastbare Informationen und Unterlagen vor, die Vorstand und Aufsichtsrat zu der Feststellung veranlasst haben, dass der Jahresabschluss der mic AG für 2015 fehlerhaft ist und konsequenterweise geändert werden muss. Die Gründe für die Fehlerhaftigkeit des Jahresabschlusses sind im Wesentlichen die Folgenden:

  1. Ein vormaliges Mitglied des Vorstands der mic AG hat nach seinem Ausscheiden aus den Diensten der mic AG gegenüber Dritten unter Mitteilung der Gründe angegeben, dass ihm bei Aufstellung des Jahresabschlusses für 2015 aus einer Reihe von Gründen bekannt war, dass die Liquidität der mic AG im Jahr 2016 nicht gesichert war.

  2. Die dem Jahresabschluss für 2015 zugrundeliegende Cashflow-Planung wurde von dem vormaligen Vorstand der mic AG wider besseren Wissens aufgestellt. Zudem wurden dem Jahresabschluss für 2015 nicht begründbare Bewertungsansätze für Tochtergesellschaften zugrunde gelegt.

  3. Die von dem Vorstand der mic AG gegenüber dem Jahresabschlussprüfer für den Jahresabschluss abgegebene Vollständigkeitserklärung ist aus verschiedenen Gründen falsch. Aufgrund der vorliegenden Informationen und Unterlagen ist davon auszugehen, dass der Jahresabschlussprüfer von dem vormaligen Vorstand der mic AG über für den Jahresabschluss der mic AG für 2015 relevante Ereignisse unvollständig bzw. nicht informiert wurde. 

Der amtierende Vorstand der mic AG wird den Jahresabschluss der mic AG für 2015 korrigieren und in den Jahresabschlüssen für 2016 und 2017 etwaig notwendige (Folge-) Änderungen vornehmen. Die geänderten Jahresabschlüsse werden sodann dem Aufsichtsrat zur Prüfung vorgelegt. Der Aufsichtsrat wird den Jahresabschlussprüfer, die RSM GmbH, mit einer Nachtragsprüfung gemäß § 316 Abs. 3 HGB beauftragen. 
Der amtierende Vorstand der mic AG geht nach einer vorläufigen Prüfung davon aus, dass in dem geänderten Jahresabschluss für 2015 zusätzliche Wertberichtigungen in Höhe von rund EUR 24,7 Mio. vorgenommen werden müssen, bei denen es sich im Wesentlichen um Wertberichtigungen, die im Jahresabschluss für 2016 bereits ausgewiesen sind, handelt. Zusätzlicher Abschreibungsbedarf besteht aufgrund der vorliegenden Informationen und Unterlagen in der Größenordnung von EUR 4,3 Mio. Die vorzunehmenden Korrekturen werden sich mithin in Summe auf rund EUR 29 Mio. belaufen. 
Wegen der dem Vorstand und dem Aufsichtsrat vorliegenden Informationen und Unterlagen wurde beschlossen, die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen gegen die für den Jahresabschluss 2015 zuständigen Vorstände und den vormaligen Vorsitzenden des Aufsichtsrats der mic AG zu prüfen. In diesem Zusammenhang soll auch dem Verdacht nachgegangen werden, ob sich diese strafbar gemacht haben könnten. 
Aufgrund der vorliegenden Informationen und Unterlagen besteht der begründete Verdacht, dass der vormalige Vorsitzende des Aufsichtsrats der mic AG Kenntnis von den die Fehlerhaftigkeit des Jahresabschlusses für 2015 begründenden Tatsachen hatte.

Das ist mal 'ne echte Breitseite! Und jetzt kann man mit ein wenig Fantasie zu folgender Deutung kommen: als die mic AG am 26. Juni 2018 die dreifache juristische Niederlage von Oliver Kolbe bekannt gab, schob sie in derselben Erklärung noch folgende Ausführungen nach: "Derweil hat der Aufsichtsrat der mic AG frühere Geschäfte des Vorstands juristisch zu prüfen begonnen. „Wir prüfen sehr genau, ob Ansprüche gegen Ex-Organe der mic AG geltend gemacht werden können. Sich ergebende Verdachtsmomente für pflichtwidriges Verhalten werden konsequent überprüft und aufgearbeitet”, so Jürgen Gromer, Aufsichtsratsvorsitzender der mic AG."

Die heutige Meldung dürfte also das Ergebnis dieser Überprüfungen sein und damit ist klar, dass sich Oliver Kolbe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Auge des Tsunamis befindet, der hier gerade losbricht.

Wir entnehmen der Meldung aber auch, dass der mic AG relevante Informationen von einem Dritten zugeflossen sind, denn es ist von Aussagen "eines ehemaligen mic-Vorstands gegenüber Dritten" die Rede. Ein Whistleblower also. Und wenn man die menschliche Natur mal nicht völlig außer Acht lässt, dann könnte hierbei Eigennutz durchaus ein Motiv gewesen sein.

 Blue Cap (Quelle: wallstreet-online.de)
Aus dem Peter Ustinov-Klassiker "Nero" habe ich nur eine Szene in Erinnerung behalten und da fragte Ustinov/Nero: "Qui bono?". Wer profitiert. Die klassische Suche nach dem Motiv. Und diese Motivsuche führt mich und mein schlichtes Gemüt zurück zum Konflikt PartnerFonds vs. Blue Cap bzw. Kolbe und sein Aufsichtsrat gegen Dr. Schubert. Ob nun auf einer ordentlichen Hauptversammlung oder auf einem vorgezogenen Extratermin, es wird bei der nächsten Aktionärsversammlung der Blue Cap AG ums Eingemachte gehen. Und einer der Hauptakteure, der sich und seine Vorstellungen dort zu Markte tragen wird, ist Oliver Kolbe. Jener Ex-Vorstand der mic, gegen den diese (wohl) nun straf- und zivilrechtlich schwerstes Geschütz auffährt. So ist jedenfalls meine Interpretation der Meldungen und Vorgänge auf Basis der mir vorliegenden Informationen.

Daraus folgere ich zweierlei: erstens dürfte es Oliver Kolbe und die von ihm vertretene PartnerFonds AG jetzt erheblich schwerer haben, weitere Blue Cap-Aktionäre von sich und ihrer Position zu überzeugen. Und zweitens könnte und müsste (!) das Verfahren bei der mic AG mit den erheblichen Anschuldigungen gegen den ex-Vorstand der mic AG auch bei der PartnerFonds AG alle Alarmglocken zum Dauersturmläuten bringen. Derartige Verfehlungen und ggf. sogar vorsätzliche Täuschungen wären natürlich ein absolutes KO-Kriterium für jegliche Vorstandstätigkeit, egal in welchem Unternehmen. Sofern, und das muss ich betonen, sie sich als haltbar erweisen. Denn in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung und zwar bis zum Beweis der Schuld (durch ein Gericht). Dieser Beweis steht noch aus, das Verfahren kommt ja gerade erst ins Rollen.

Nochmal zur Klarstellung: weder ist zweifelsfrei belegt, dass es sich bei dem ex-Vorstand, um den sich die mic-Meldung dreht, um Oliver Kolbe handelt, noch ob die Vorwürfe der mic AG gegen die betreffende/n Person/en überhaupt stichhaltig sind. Aber ich lese das zwischen den Zeilen so raus. Und als Aktionär der Blue Cap mache ich mir so meine Gedanken - die ich hier mit euch teile.

Meine Einschätzung

Der Streit nimmt jetzt richtig Fahrt auf und scheint mit aller Härte auch über Bande gespielt zu werden. Rücksichtslos. Das ist nicht schön anzusehen und könnte zu einer üblen Schlammschlacht ausarten, bei der am Ende viele Verlierer zurückbleiben könnten. Dr. Schubert hat sich und den Blue Cap-Aktionären keinen Gefallen getan, als er seine Aktien an die PartnerFonds AG verkauft hat. Meine anfängliche vorsichtig optimistische Einschätzung hat sich jedenfalls weitgehend gelegt!

Und man muss sagen, dass das operative Geschäft der Blue Cap erheblich unter diesem Disput leidet, ebenso das Vertrauen in die Gesellschaft und das Urteilsvermögen ihres Vorstands Dr. Schubert. In barer Münze ausgedrückt, braucht man sich über ein baldiges Erreichen des NAV von rund 30 Euro erstmal keine Gedanken/Hoffnungen mehr zu machen. Ein Abschlag von 10 Euro scheint angesichts der Entwicklungen durchaus gerechtfertigt - solange sich die Situation nicht klärt und es einen klaren Sieger (und ein Ende der Schlammschlacht) gibt und damit wieder eine klare Perspektive für das Unternehmen Blue Cap. Ein Kauf ist die Aktie von Blue Cap für mich momentan jedenfalls bei 16,50 Euro nicht (mehr), auch nicht mit einem Discount von mehr als 40% auf den NAV. Dieser Abschlag ist leider aus meiner Sicht momentan redlich verdient.

Disclaimer
Blue Cap befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot. Und falls jemand fragt: ja, ich habe meine Position reduziert. Die Gründe habe ich ja genannt...

Kommentare:

  1. Krasse Kehrtwende Herr Kissig...

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    1. Krasse Vorgänge...

      Man muss die Chancen gegen das Risiko abwägen und bei Blue Cap gibt es aufgrund der operativen Fortschritte bei den Töchtern und des hohen Abschlags auf den NAV große Chancen. Aber momentan eben auch erhebliche Unsicherheiten und Risiken, die sich aus dem PartnerFonds-Desaster ergeben. Die entscheidende Frage lautet doch: würde ich jetzt Blue Cap-Aktien kaufen, wenn ich nicht bereits Aktionär wäre? Wie sieht der Investmentcase aus für den Fall, dass sich PartnerFonds/Kolbe durchsetzt? Wie geht es weiter, sollte Hannspeter Schubert CEO von Blue Cap bleiben, PartnerFonds aber Großaktionär? Und wenn dort dann Vorstand und ggf. auch der (noch recht frische) Aufsichtsrat rausgekegelt werden? Wie sicher ist es, darauf zu setzen, dass ggf. Hannspeter Schubert Kolbe bei PartnerFonds ersetzt und damit sich die üble Gemengelage ein Stück weit in Rauch auflöst? Handelt es sich bei diesen vielen offenen Fragen um eine Investition oder doch eher um eine Wette/Spekulation? Und am Ende eben auch: gibt es Alternativen mit einem attraktiveren Chance-Risiko-Verhältnis auf mittlere Sicht?

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    2. Finde ich auch, eine krasse Kehrtwende vom Kissig.... vom Schubertjünger zum ehemaligen Schubertjünger

      Was hat sich denn großartig geändert mit der gestrigen Presseaussendung der Mic AG, insbesondere gegenüber der Presseaussendung der Mic AG vom Dezember 2018:

      München (11.12.2018/08:00) – Der Vorstand der mic AG informiert nach Abschluss mehrerer Sitzungen mit dem Aufsichtsrat über neue Erkenntnisse, die im Zuge laufender Gerichtsverfahren gewonnen wurden.

      Altlasten und Rechtsstreitigkeiten mit dem Ex-Management belasten Gesellschaft
      Zahlreiche Klagen gegen Ex-Management eingereicht
      Weitere Recherchen wegen Pflichtverstößen im Gange
      Hauptversammlung 2017 am 20.03.2019

      Die Sanierung der mic AG dauert länger als vom aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat ursprünglich angenommen. Grund hierfür sind verschiedene, in den Verantwortungsbereich des Ex-Managements fallende operative Themen, die derzeit einer eingehenden juristischen Prüfung unterzogen werden.

      Für die mic AG und die Business-Units der mic AG wurden bereits Klagen mit erheblichen finanziellen Forderungen gegen den vormaligen Vorstand der mic AG, Herrn Claus-Georg Müller, und die ihm zurechenbaren Gesellschaften eingereicht. Darüber hinaus sind Rechtsstreitigkeiten mit dem vormaligen Mitglied des Vorstands, Herrn Oliver Kolbe, und dem vormaligen Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Herrn Reiner Fischer, anhängig. Gerichtsverfahren mit Dritten auf Ebene der Beteiligungen der mic AG betreffen u. a. den „PiMON / Beltron-Komplex“.

      Geprüft wird derzeit, welche Konsequenzen aus den aktuell in Prüfung befindlichen Angelegenheiten im Hinblick auf das Ex-Management von der mic AG gezogen werden müssen und ob und ggf. welche Auswirkungen sich auf die von der ordentlichen Hauptversammlung der mic AG für das Geschäftsjahr 2017 zu beschließenden Gegenstände ergeben. Aufgrund der Fülle und der Komplexität der derzeit in Prüfung befindlichen Vorgänge konnte die ordentliche Hauptversammlung nicht mehr im Jahr 2018 abgehalten werden. Zur Vermeidung weiterer Verzögerungen haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, zu der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2017 nunmehr auf den 20. März 2019 einzuladen. Die Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger ist eingeleitet. Die mic AG wird über Ergebnisse der derzeit laufenden Prüfungen jeweils zeitnah informieren.

      „Der aktuelle Vorstand und Aufsichtsrat der mic AG sind fest davon überzeugt, dass durch die leider notwendigen juristischen Aufräumarbeiten der Weg für eine bessere operative Zukunft der Gesellschaft geebnet wird. Nun gilt es, den geplanten Strategiewechsel von einem Technologieentwickler mit Venture-Fokus hin zu einer Industrieholding mit eigenen fertigen Produkten im digitalen Umfeld erfolgreich zu vollziehen“, so Andreas Empl, Vorstand der mic AG.

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  2. Wahnsinn...habe mich soeben von meinem gesamten BlueCap Bestand getrennt. Neulich hat es ein anderer Leser hier auf diesem Blog bereits geschrieben, dem schließe ich mich an: Ich bin mir wirklich nicht mehr sicher, ob Nebenwerte für mich weiterhin attraktiv sind. Selbst nachdem man eines Unternehmen prüft und zu einer positiven Schlussfolgerung gelangt, gibt es noch immer die riesen Themen Insidertrading, Bilanzfälschung etc.

    Natürlich gibt es diese Risiken auch bei Blue Chips, allerdings subjektiv gefühlt seltener.

    Ich werde mir Gedanken machen, welche Lehren ich aus der Geschichte ziehe...

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  3. Hallo Michael,
    was gedenkst Du auf dieser Basis mit Deinen BC-anteilen zu tun? Halten oder verkaufen?

    VG Stefan

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    1. Ich habe es unter dem Artikel ja bereits vermerkt: ich habe gestern Abend kurz nach Kenntnisnahme der Meldung meinen Blue-Cap-Bestand reduziert.

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  4. Investments in kleinen Unternehmen sind sehr riskant. Es wird viel betrogen, viel vertuscht, leere Versprechungen, vieles läuft unter dem Tisch. Ich kann unzählige Beispiele nennen, wo es schief gelaufen ist - MK Kliniken, Publity, Mutares, Pantaflix, jetzt auch Blue Cap...Auch bei Corestate habe ich so meine Zweifel, wenn der Vorstand so häufig wechselt...Der geplatzte Deal bei Fintech Group...Die leeren Versprechungen von JDC Group und ihre Kryptos. Es ist berechtigt, dass solche small Caps unter Wert gehandelt werden. Man sieht ja auch das Wikifolio von Junolyst, ein Trauerspiel. Beteiligungs- und Immobilienunternehmen mit Immobilienfonds sind dabei besonders betroffen, das Risiko ist immens.

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    1. Ich kaufe mir dann lieber Airbus, die 7500 Flugzeugbestellungen abzufertigen haben, ein sicherer Auftragsbestand bis 2025. Sicherer geht es nicht. Klar es gibt immer wieder Produktionsprobleme und ein bisschen Korruption dahinter, aber der Staat steht dahinter. So sind meine 20% pro Jahr aber relativ sicher, solange der Markt mitmacht.

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    2. Nanana, man muss ja jetzt nicht gleich dramatisieren. Unternehmen werden von Menschen geführt und diese Menschen haben die gleichen Stärken und Schwächen wie alle anderen. Darunter gibt es auch schwarze Schafe, was aber nicht auf kleine Unternehmen beschränkt ist. Auch sollte man nicht vergessen, dass alle großen Unternehmen und heutigen Blue Chips mal als kleine Unternehmen angefangen haben.

      Was die Bilanzierung und Bewertung angeht, gibt es zwar objektive Rahmenbedingungen, aber wie auch bei allen Gesetzen ist vieles Auslegungssache und eine Frage der Prioritäten. Kauft jemand eine Eigentumswohnung, muss ja jemand anderes verkaufen. Das kann für beide ein gutes Geschäft sein, bei dem jeder meint, er habe den größeren Gewinn auf seiner Seite. Das ist möglich, weil z.B. der eine vor allem auf den Preis schielt, während der andere darauf wert legt, wie sich die Immobilie in den nächsten Jahren entwickeln wird. Und so ist es auch bei Unternehmen, Unternehmenskäufen und Bilanzen. Hier gibt es reichlich Spielraum und das zu Recht. Kritisch wird es an dem Punkt, wo Menschen dann die Grenzen überschreiten und aus einer Bewertung/Auslegung eine vorsätzliche Täuschung/Manipulation wird. Das kann man kaum vorher absehen, dass Vorstände oder andere Verantwortliche sich dazu hinreißen lassen, und das kommt in kleinen wie großen Unternehmen vor. Der Skandal um die zigtausendfach gefakten Konten bei Wells Fargo, einer der größten US-Banken und Schwergewicht im Portfolio von Warren Buffett betraf ja nun keine kleine Klitsche. Man muss seine Investments im Blick behalten und sich gründlich mit ihnen auseinandersetzen. So reduziert man die Gefahren, aber ganz ausschließen kann man sie nicht. Nirgendwo im Leben gibt es gefahren- oder risikofreie Zonen!

      Ach ja, dass im Geschäftsleben nicht immer alle Pläne funktionieren, ist normal. Das liegt nicht unbedingt am Unvermögen der Entscheider/Macher, sondern in der Natur der Sache. Man trifft Annahmen und dann prallen diese auf die Realität. Manches kann man anpassen, manchmal funktioniert es einfach nicht. Daimler und Chrysler, AOL und Time Warner, Microsoft und Nokia - das gehört zum Geschäft und zum Leben dazu. Jeder von uns hatte mal Pläne, die nicht funktioniert haben. Ob nun ein Urlaub völlig schief ging, oder eine Renovierung oder das geliebte Auto in Eigenregiereparaturen eher nicht wirklich ins Laufen kommt. Ist eben so. Muss man mit leben und entsprechend einkalkulieren. Und ggf. eben anpassen. Wie John Maynard Keynes sagte: "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung".

      P.S.: Gerade bei Airbus läuft ja fast immer was schief, google nur mal Airbus A400M... ;-)

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    3. Den A400 M kenne ich, Du kannst aber gern googlen die Anzahl der Bestellungen und Lieferungen und dann kannst Du das hochrechnen und deine Rendite bei einer Standard-KGV von 19 bis 2025 berechnen. Probleme gibt es bei Airbus, klar, das Hauptgeschäft läuft aber prima. Also "fast immer was schief" ist komplett überzogen.
      Anders als bei Blue Cap, wo es so wesentliche Änderungen in der Aktionärstruktur gibt und wo man sich Aktien hin und herschiebt wie man will. Am Ende ist der Kleininvestor, der es zahlen muss. Bei Airbus wirst Du solche Spielchen nicht erleben, darauf wette ich. Auch bei Apple nicht und auch bei Microsoft nicht.
      Und klar, auch bei großen Unternehmen läuft was schief (Bsp. Wells Fargo oder Steinhoff). Doch viel seltener als bei kleineren.
      Außerdem ist die Kommunikation ggü. Investoren ist bei Blue Chips viel besser. Du weißt was los ist. Oder weiß Du vielleicht, warum der Corestate Vorstand von heute auf morgen weg ist? Oder warum die Fintech Group den Deal mit der Ösi-Post nicht geschafft hat? Publity will ich gar nicht erwähnen, da hat man wie ein Blinder das Geld in der Firma investiert. Null Transparenz. Die armen Investoren sage ich dazu...50% der Small Caps sind am Ende nur noch Value-Traps gewesen. Das ist, denke ich, auch deine Erfahrung, wenn man so sieht, wie häufig Werte aus der Liste herausgeschmissen werden. 20 Nebenwerte (< 1.Mrd. Marktkapitaliserung) hast Du letztes Jahr (bestimmt nicht umsonst!) aus der Beobachtungsliste gestrichen und bestimmt 20 neue aufgenommen. Von den internationalen und großen Unternehmen gab es nur wenige dagegen (Facebook, Apple raus, Apple rein, das wars eigentlich). Also was scheint sicherer zu sein?

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    4. Die Leute verwechseln immer ein gutes Unternehmen mit einem guten Investment. Geld mancht man, wenn man Diskripanzen zw. Preis und Wert erkennt.

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    5. Ja das ist auch ein Problem bei Small Caps - es gibt ein Paar wenige Investoren, die den Preis für das Unternehmen so drehen wie sie möchten. Es kann sein, dass das Unternehmen den "wahren" Wert vom Preis her nie erreicht oder extremst überschreitet (siehe Pantaflix oder Corestate). Investments in Unternehmen unter 1 Mrd. € Marktkapitaliserung bewerte ich sehr kritisch und unter 0,5 Mrd. ein No-Go. Das ist dann rein Lotterie und Manipulation und der Aktienkurs hat häufig nichts mit dem Unternehmen zu tun.

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    6. Na ja, was Nebenwerte angeht: Herdentrieb? Im letzten Jahr sind ja wirklich sehr viele Nebenwerte total eingebrochen, darunter auch so solide Werte wie Dr. Hoenle, Leifheit, Villeroy & Boch. Das war schon ein allgemeiner Absturz, und so sieht jetzt halt jeder nur noch Katastrophen. Aber das geschah eben im Rahmen einer ziemlich globalen Korrektur, und DB, Bayer und Daimler sind ja auch nicht gerade der Hit gewesen (und wie gluecklich sind die wohl, die bei Steinhoff investiert waren?).
      Dr. Hoenle und Villerroy werde ich mal fuer einen eventuellen (Wieder)einstieg beobachten.
      Fuer Deutsche Beteiligung oder so was ist mir das Marktumfeld zur Zeit zu volatil, obgleich die Bewertung guenstig ist. MBB habe ich behalten, aber auch da habe ich meine Erwartungen etwas eingedampft. Der Dax kann ja morgen oder in drei Monaten gut wieder in den Keller gehen, ich glaube nicht, dass jetzt dauerhaft die Sonne scheinen wird.
      So was wie bei Blue Cap kann immer passieren. Meine Konklusio: nich halten, bis alle Kursziele ausgereizt sind, sondern verkaufen, wenn man einen guten Schnitt gemacht hat.

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    7. "Verkaufen, wenn man einen guten Schnitt gemacht hat" - das halte ich für einen falschen Ansatz, denn damit spielste nur die Kurskarte. Beim erfolgreichen Investieren kommt es aber vor allem auf die Wertentwicklung eines Unternehmens an! Sonst wirste schnell zu einem Typen wie Ronald Wayne, dem dritten Apple-Gründer, der 1976 seine 10% an Apple für 800 Dollar verkauft hat (an seine Partner Steve Jobs und Steve Wozniak. Nicht etwa je Aktie, sondern die ganzen 10% zusammen! Sah für ihn damals nach einem guten Deal aus, ein schneller Gewinn, wären heute aber knapp 75 Milliarden Dollar. Vermutlich der verlustreichste Gewinn aller Zeiten.

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    8. Und wenn der Preis den Wert über ein vielfaches übersteigt, dann ist das Beste zu verkaufen. Heute sind 80% der Aktien überbewertet. Was heißt z.B. ein KGV von 18? In 18 Jahren bekomme ich mein Geld zurück, nicht abgezinst! Ja, wer weiß was in 18 Jahren ist, wenn häufig nicht mal die Jahresprognose stimmt? Man kann nicht einmal die Richtung für die nächsten drei Jahre richtig bestimmen. Oder wann hat Warren Buffett ein Unternehmen mit einem KGV über 15 gekauft?

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    9. Der erste Teil Deiner Aussage stimmt: wenn der Preis/Kurs den Wert einer Aktie deutlich ("um ein Vielfaches") übersteigt, sollte man die Aktie verkaufen.

      Deine Aussage zu Buffett allerdings stimmt nicht. Warren Buffett hat z.B. größere Aktienpakete an MasterCard und VISA und ich bin wirklich gespannt, wann die jemals ein KGV deutlich unter 20 aufgewiesen hätten (vielleicht 2008/09). Oder schau auf die KGVs von Sirius XM oder Liberty Gobal, beide mit KGVs deutlich jenseits der 20. Ich stimme Dir aber zu, dass Buffett in der Regelfall auf niedrigere KGVs setzt, auch wenn dies nicht seine bevorzugte Bewertungskennzahl ist (vorsichtig ausgedrückt).

      Des Weiteren haste in Deiner Aussage zum KGV einen Denkfehler bzw. übersiehst einen ganz wesentlichen Aspekt. Ein KGV von 18 bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass man 18 Jahre benötigt, um aus diesem Gewinn seinen Einstandskurs zurückzuerhalten. Dies würde nur dann stimmen, wenn der Gewinn 18 Jahre lang stagniert! Steigt er aber künftig an, verkürzt sich auch die Zeit, bis wann die angefallenen Gewinne das Ursprungsinvest "abbezahlt" haben. Deshalb sollte man das KGV auch nicht isoliert betrachten, sondern am besten im Zusammenhang mit dem Gewinnwachstum; also das PEG (Price-Earnings-Growth)-Ratio. Es macht nämlich einen erheblichen Unterschied, ob ein Unternehmen mit KGV 30 seine Gewinne in den nächsten Jahren nur um 3% steigern wird oder um 20%.

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  5. Super Artikel !
    Für Neulinge wie alte Hasen interessant, selbst wenn man gar nicht in diesem Wert investiert ist.
    Mehr davon !
    Besten Dank!

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  6. Hallo Michael,

    Danke Dir wieder einmal ein super Artikel.
    Eine Frage zu deiner Aussage, dass das operative Geschäft der Blue Cap erheblich unter diesem Disput leidet, ist dies eine Vermutung oder gibt es dazu nähere Informationen?

    Danke

    Christian

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    1. Da muss man differenzieren. Ich meinte nicht, dass das operative Geschäft der Tochterunternehmen leidet, sondern das der Blue Cap AG, also der Holding/Mutter. In einer Meldung hatte Dr. Schubert noch einen Zukauf bis Ende 2018 angekündigt - der erfolgte offensichtlich nicht mehr. Des Weiteren dürften potenzielle Kaufkandidaten aufgrund der aktuellen unsicheren Lage kaum unter das Dach der Blue Cap ziehen wollen. Ich erinnere daran, dass man bei Knauer/Uniplast von den Gläubigern damals genau deshalb den Zuschlag bekam, weil Blue Cap/Dr. Schubert einen so herausragenden Ruf als Sanierer hat(te). Dieser Ruf ist nun - erstmal - ramponiert und es ist ja auch nicht klar, ob ein Kaufkandidat nachher nicht von Kolbe/PartnerFonds geführt würde. Diese Aussicht dürfte kaum Begeisterung auslösen - was auch für das operative Geschäft bei PartnerFonds selbst gilt. Auch die sind als Käufer am Markt ja momentan keine "gute" Adresse dank der Vorgänge bei Blue Cap - und der bei der mic AG.

      Bisher gibt es nur Verlierer bei dieser Aktion... :(

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  7. Absolut nichts neues Heute. Aber dieser Artikel, der doch einige Spekulationen beinhaltet, bringt der Aktie heute einen -10% Tag ein. Mich wundert, dass sich doch wohl immer noch so viele zittrige Hände in dem Wert befinden, schade eigentlich...

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    1. Nun, wenn für Dich nichts Neues zu Blue Cap dabei ist, dann sollte der heutige Kursrücksetzer für Dich ja eine hervorragende Kaufgelegenheit darstellen.

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  8. Ja, ich war heute bei ca. 15€ auf der Käuferseite, somit Danke für diesen kritischen Artikel :)

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  9. nach den News heute ist doch die Wahrscheinlich eher gestiegen das Dr. Hannspeter Schubert weiterhin Vorstand bei Blue Cap sein wird, wer sollte denn jetzt noch für Herr Kolbe stimmen?

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    1. Naja, die PartnerFonds AG hält 44% an Blue Cap. Und Oliver Kolbe ist (noch?) der Vorstand der PartnerFonds AG. Es wird also auf die Mehrheitsverhältnisse bzw. die Anzahl der anwesenden Stimmrechte bei der HV ankommen, ob die Aufsichtsratsmitglieder der Blue Cap AG abberufen werden, um durch PF-Getreue ersetzt zu werden. Der AR bestellt und entlässt den Vorstand...

      2018 lag der HV-Termin von PF genau einen Tag vor dem von Blue Cap. Mal sehen, wie das in diesem Jahr sein wird. Je später der BC-HV-Termin ist, desto größer ist/wird der Druck auf PF und Kolbe.

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  10. Ich sehe die News auch eher positiv, denn sie sind schlecht für Kolbe, gut für Schubert und damit gut für mich als Blue Cap - Aktionär.
    Natürlich ist es nicht schön, dass die Beiden sich so zoffen, aber das wissen wir spätestens seit dem Kolbe-Tiefschlag mit der AO-Hauptversammlung, um Schubert abzusetzen. Wenn man diesen Streit nicht ertragen kann oder möchte, hätte man damals aussteigen müssen. Die Nachricht heute hat die Lage jedenfalls nicht verschlechtert.
    Der Drops ist damit aber noch nicht gelutscht, denn 44% Stimmrechtsanteile der PartnerFonds an Blue Cap ist schon 'ne Menge. Weiß nicht ob es realistisch ist, dagegen eine Mehrheit zu organisieren.

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    1. Ich schätze Schubert charakterlich nicht so sehr als Defensivkünstler an, sondern viel mehr als aggressiv-offensiven Player. Dem entsprechend denke ich, dass er bei Blue Cap eher auf Ergebnis halten spielt, während er auf dem anderen Spielfeld, der PartnerFonds AG, voll auf Sieg setzt. Wenn er dort die Mehrheit der Anteile/Stimmrechte hinter sich versammeln kann gegen Vorstand Kolbe und ggf. auch den Aufsichtsrat, könnte er mit diesem Zug auch deren Druck auf Blue Cap lösen.

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  11. Danke! Guter Artikel. Aber mal eine andere Frage: was mich bei der ganzen Schlammschlacht wundert, ist dass wir Kleinaktionäre es unangebracht finden, dass PF in den Aufsichtsrat einzieht. Ich hätte doch eher erwartet, dass ganz zeitnah zum Verkauf des Aktienpaketes von HPS der neue Mehrheitsaktionär auch Mitwirkungsrechte erhält. Und dass HPS immer noch verklärt wird - letztlich hat er uns Kleinaktionäre doch mit seinem Deal in diese Wirren gestürzt. (Hab auch einen Großteil verkauft, bin mal für 8 EUR eingestiegen, trotzdem schmerzhaft - ich glaube, Small Caps sind wohl doch nichts für mich)

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    1. Nene, es geht doch darum, wie der neue Großaktionär von Blue Cap versucht, in de Aufsichtsrat einzuziehen - und warum. Normalerweise hätte man beim Vorstand/AR Ansprüche angemeldet und dann die nächste HV abgewartet. Im Einvernehmen hätte dann der eine oder andere AR seinen Posten geräumt und man hätte durch die HV nachbesetzt. Aber PartnerFonds ging ja einen anderen Weg und verlangte eine außerordentliche HV mit dem Ziel, die amtierenden und für mehrere Jahre gewählten (!) Aufsichtsräte abzuwählen, also vor die Tür zu setzen. Und zwar (nur) zu dem Zweck, um den CEO Dr. Schubert dann von diesem neuen Aufsichtsrat feuern zu lassen. Das ist kein normaler Vorgang...

      Wie die Sache ausgeht bei Blue Cap, bleibt abzuwarten. Insbesondere durch die erheblichen Vorwürfe gegen Kolbe, den Vorstand der PF, seitens seines ehemaligen Arbeitgebers mic AG, könnte die PF erheblich ins Straucheln geraten. Und dort, als Erinnerung, ist größter Aktionär inzwischen... Hannspeter Schubert. Egal, ob er noch weitere Anteile einsammeln konnte von abgabewilligen Aktionären, oder ggf. "nur" Stimmrechte auf sich vereinen konnte, für die nächste HV der PF AG dürfte er einige Vorschläge zu Tagesordnungspunkten haben. Oder auch andere Aktionäre. Denn die haben dem Vorstand Oliver Kolbe bereits 2018 die Entlastung verweigert und dessen Standing dürfte sich nun kaum verbessert haben - auch der Aufsichtsrat der PF AG ist von der HV gewählt und kann von den Aktionären ggf. abberufen und dann neu besetzt werden. Kaum vorstellbar, dass die sich ins sinkenden Schiff mit Kolbe setzen. Vielleicht gibt es hinter den Kulissen auch Gespräche zwischen Hannspeter Schubert und dem AR der PF AG? Über eine Konsenslösung ohne Kolbe bzw. an ihm vorbei? Denn die PF Ag dürfte mit einem CEO Hannspeter Schubert deutlich besser fahren als mit eine Oliver Kolbe unter Dauerbeschuss von PF-Aktionären, Ex-Arbeitgeber, Staatsanwaltschaft und Gerichten.

      Deine Schlussfolgerung, wegen dieser Vorgänge per se auf Investments in Nebenwerte zu verzichten, halte ich für verfrüht. Jedenfalls als alleinigen Grund.

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    2. Hallo Michael, besten Dank für Deine Einschätzung und Erläuterungen. Und nein, ich werde nicht ganz auf Nebenwerte verzichten - und ich bin auch weiter geduldig und habe ca. 40% meiner Position in BC behalten. Es scheint bei Nebenwerten halt häufiger hoch her zu gehen - die Governance scheint mir bei großen Unternehmen besser. Das ist dann auch eine Frage, wieviel Zeit man für Aktien erübrigen kann, bei Nebenwerten muss man halt auch aktiv am Geschehen sein. Insofern bleibe ich in Nebenwerten, aber nicht mehr so stark wie bisher.

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  12. PF hält 44% an BC. auf der BC hv müssten dann fast alle stimmberechtigten aktionäre gegen die anträge der PF stimmen. wie wahrscheinlich ist es, dass 100% stimmrechte anwesend sind? die antwort kann sich jeder selbst geben. PF wird alle seine anträge auf der hv von BC durchbekommen.
    es sei denn, es passiert noch was gravierendes vor der hv der BC. ist ja nicht ausgeschlossen...

    gruss hopy

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  13. ich will mein voriges posting etwas präzisieren:
    es müssten auf der hv der BC über 88% der stimmrechte anwesend sein. und alle müssten geschlossen gegen die anträge der PF stimmen. halte ich für ein schwieriges unterfangen.
    habe auf die schnelle keine verlässlichen zahlen zum freefloat der BC gefunden, vielleicht weiss das jemand von euch. der stimmberechtigte freefloat wirds wohl entscheiden und das zünglein an der waage sein.


    gruss hopy

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    1. aber nur, wenn man von normalen Mehrheitsverhältnissen ausgeht. Bei der Abberufung von Aufsichtsräten muss aber eine Zweidrittelmehrheit (der anwesenden Stimmen) zustimmen, sofern die Satzung nichts anderes regelt. Und die scheint bei der Blue Cap dies bezüglich "interpretierbar" zu sein. Daher dürften beide Seiten hierzu rechtliche Bewertungen zu ihren Gunsten vorlegen (können). Die juristische Ebene wird hier ein großen Wörtchen mitreden. Es sei denn, es kommt vor der HV bei Blue Cap zu einer grundlegend neuen Situation bei PartnerFonds - weil die sich besinnen und/oder ihren Vorstand Kolbe rauswerfen (müssen). Ob mit oder ohne Machtübernahme Schuberts bei PF. Alles offen, alles möglich...

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  14. Hallo Michi,

    ich finde die ganzen Emotionen und den "Kampf" in der Sache sehr interessant, weshalb ich in meinem aktuellen Blog auf das Thema BlueCap und Gefühle eingegangen bin, dabei habe ich als informative Quelle deinen Blog aufgeführt, ich hoffe, es macht Dir nichts aus :) Wenn Du Dir meinen Artikel lesen und eventuell auch einen Kommentar dazu schreiben würdest, wäre ich Dir sehr sehr dankbar!

    https://dennisdurmas.blogspot.com/ <<<---- Ich danke Dir herzlichst!

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  15. Für uns Kleinaktionäre der Blue Cap stellt sich doch nur eine Frage: Gibt es hier eine einvernehmliche Lösung (hinter den Kulissen)? Wenn ja, würde sich der Kurs wohl deutlich erholen. Ist aber aus meiner Sicht kaum anzunehmen. Die Fronten sind verhärtet.
    Also lange andauernde Unsicherheit, abbröckelnder Kurs, Sand im operativen Getriebe und möglicherweise teure rechtliche Scharmützel.

    Wir können eben nur darüber spekulieren, was da hinter den Kulissen ablief und abläuft. Wir stochern im Nebel und setzen auf Schuberts Sieg. Ab dem Moment, wo das Scharmützel beginnt, durchschaut man halt auch die ganzen personellen Verflechtungen und (u.U. gegensätzlichen) Absichten der Akteure nicht mehr.
    Wir gehen doch davon aus, dass die Rollen klar verteilt sind oder? Hier Dr. Schubert, der edle Ritter in der blauen Robe; und dort der Bösewicht mit seinen finsteren Machenschaften, also der schurkische Part ist klar besetzt. Aber was, wenn's nicht so einfach ist oder sogar genau umgekehrt? Hat sich H.P. Schubert wirklich nur verzockt? Wirklich nur mangelndes Urteilsvermögen bezüglich PF/Kolbe, oder lief da noch eine andere Nummer?
    Ebenso möglich, dass BC/Schubert scheitert und als Borgward der Beteiligungsbranche endet.

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    1. Sicher ist nur eines bei Blue Cap: hinterher wird es viele Leute geben, die dann behaupten, genau das Ende wäre ja absehbar und eigentlich immer schon klar gewesen. ;-)

      Ich glaube nicht, dass Blue Cap als "Borgward der Beteiligungsbranche" enden wird; eher als BMW. Die waren Anfang der 1970er auch pleite und Daimler wollte die kaufen; wurde kartellrechtlich nicht zugelassen und BMW musste sich aus eigener Kraft berappeln. Zum Glück für alle BMW-Aktionäre!

      Sollte PartnerFonds den Zugriff auf den CEO-Posten bei Blue Cap bekommen und dort Beteiligungen der PF einbringen, wird es mit Sicherheit Klagen der übrigen Aktionäre geben zur Überprüfung, ob die Preise gerechtfertigt waren (auch Hannspeter Schubert ist ja Aktionär der Blue Cap). Genauso, wenn PartnerFonds Beteiligungen aus der Blue Cap herauskaufen würde. Und sollte sich herausstellen, dass der neue Vorstand hier keine vertretbaren Preise erzielt hat, dann ist er dem Unternehmen (also den Aktionären) gegenüber schadensersatzpflichtig und hat sich strafrechtlich wohl auch der Untreue schuldig gemacht. "Kurioserweise" sind genau das die Vorwürfe, die die mic AG gegen Kolbe und seine ehemaligen Mitvorstände erhebt...

      Der schlechteste Szenario für Blue Cap wäre, wenn das Unternehmen in den nächsten Jahren operativ nicht wirklich aktiv wäre (beim Kauf- und Verkauf von Beteiligungen) und sich nur mit endlosen Gerichtsverfahren befassen müsste. Das würde nicht nur unnötig Geld kosten, sondern eben auch Zeit. Und dann wären wir beim Thema Opportunitätskosten, das Warren Buffett ja immer ins Feld führt. Als Anleger muss ich mir ja nicht nur überlegen, eine Aktie günstig zu kaufen, sondern auch, dass sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums Rendite bringt. Denn tut sie das nicht, habe ich nicht nur nichts verdient, sondern eigentlich Geld verloren. Nämlich die Erträge, die ich woanders hätte verdienen können. Buffett zieht hierfür immer die 10-jährige US-Schatzanweisung zu Rate, wenn ich mich recht erinnere, weil sie so gut wie kein Risiko birgt, aber eben sicher Zinsen abwirft. Bringt eine Aktie also über einen bestimmten Zeitraum Null Euro Ertrag, ist es dennoch ein Verlustgeschäft, da man ja über 2% Zinsen hätte bekommen können. Es ist also nicht egal, ob man 30% in einem Jahr oder in fünf Jahren verdient als Anlagerendite.

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  16. ah, das mit der zweidrittelmehrheit wusste ich nicht. interessant. schuberts chancen, ceo bei BC zu bleiben, samt aufsichtsrat, würden mit 2/3 natürlich deutlich steigen.
    hatte so einen fall noch nie in meinem depot, und das ist das schöne an börse, jeder fall und jede AG is anders.
    bin gespannt, was die juristen draus machen. es dürfte ein hauen und stechen werden...


    hopy

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    1. Als Vorstand und Hauptaktionär einer kleinen, nicht-börsennotierten (aber mit ISIN) Schweizer AG verfolge ich seit Jahren diese Diskussionen. M.E. kommen im deutschsprachigen Raum zwei ungünstige Positionen stets zusammen: Kleinanleger, die eine sichere und kurzfristige Höchstrendite suchen, für die der graue Kapitalmarkt erfunden wurde, und Private Equity, die nur Restrukturierung von Pleiteunternehmen bzw. Zerschlagung echter Unternehmen betreiben.
      Da hat man als Eigentümer einer soliden, seit 2010 bestehenden AG keine Lust, auch nur mit einer dieser beiden Gruppen ins Geschäft zu kommen.

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