Sonntag, 6. Januar 2019

Main Street Capital will die Sonderdividenden streichen. Anleger dürfen sich freuen...

Main Street Capital [WKN: A0X8Y3] ist die qualitativ hochwertigste und wohl am erfolgreichsten operierende Business Development Company (BDC). Sie notiert daher mit entsprechend hohem Aufschlag auf ihren NAV (Buchwert).

Betrachtet man den Kursverlauf der letzten Wochen, sollte man vom Schlimmsten ausgehen. Doch operativ läuft es bei MAIN weiterhin sehr gut; die aufkeimende Sorge vor einer Konjunkturabkühlung und Schwierigkeiten bei der US-Schiefergas-Industrie dürften ziemlich übertrieben sein, zumal MAIN seinen NAV weiter steigern konnte und von dem erhöhten Zinsniveau in den USA profitiert. So steigt das NII (Net Investment Income) weiter an und man erhöht sukzessive den eigenen Verschuldungsgrad, um so die neuen Möglichkeiten zu nutzen, die die regulatorischen Erleichterungen beim Dodd-Frank-Act bieten.

Qualität hat ihren Preis und daher zahlt man, trotz des Kurseinbruchs, ein Premium auf den NAV von rund 41% - historisch eher ein niedriger Wert bei MAIN. Entsprechend gering ist die Dividendenrendite, die bei für BDC-Verhältnisse unterdurchschnittlichen 6,5% p.a. liegt. Allerdings schüttet MAIN neben den monatlichen Dividendenzahlungen zusätzlich einmal pro Halbjahr eine stattliche Sonderdividende aus, die die Dividendenrendite damit über die 8-Prozent-Marke hievt. Doch damit soll bald Schluss sein, denn MAIN will den Sonderdividenden an den Kragen. Und das sind für Anleger keine schlechten Nachrichten...


Im August hatte MAIN angekündigt, seine reguläre monatliche Dividende auf $0,195 anzuheben von zuvor $0,190. Das klingt nicht spektakulär, sind aber immerhin 2,6% Anhebung gewesen. Hinzu kommt die halbjährliche Sonderdividende von $0,275 je Aktie. Aufs Jahr gerechnet kommen somit $2,34 und $0,55 zusammen, also insgesamt $2,89.

MAIN ändert die Dividendenpolitik

Beim Conference-Call im November erklärte CEO Vince Foster allerdings, dass MAIN seine Dividendenpolitik ändern werde. Die reguläre Monatsdividende speist sich aus den stetigen Einnahmen aus MAINs Business, während sich die Sonderdividenden aus unregelmäßigen Erträgen zusammensetzen. MAIN ist dabei, dies zu ändern.

"Wir sind jetzt in der Lage, aufgrund der Größe und des Wandels unseres Geschäftsmodells mit der Umstellung unserer Zusatzdividenden und der regulären Monatsdividenden zu beginnen. 
Wir wollen diesen Übergang in den nächsten fünf Jahren so gestalten, dass unsere monatlichen Ausschüttungen am Ende der Übergangszeit mindestens 0,05 $ pro Monat über der aktuellen Ausschüttung oder mindestens bei 0,60 $ pro Jahr liegt. Währenddessen wird unsere Sonderdividende von $0,55 pro Jahr schrittweise reduziert und vollständig in unseren monatlichen Dividenden aufgehen."

MAIN will also schrittweise und über fünf Jahre hinweg seine Sonderdividenden absenken und parallel dazu die regulären monatlichen Dividenden anheben. Des Weiteren will MAIN nach Aussage von CEO Foster darüber hinaus die Dividenden mindestens in dem Rahmen steigern, wie dies über die letzten Jahre erfolgt ist.

Und das hat bereits in einigen Monaten konkrete Auswirkungen für die Aktionäre. Denn im April soll die monatliche Dividende um $0,005 auf dann $0,20 je Aktie angehoben werden, während die Sonderdividende am Halbjahresende auf $0,25 sinkt (bisher $0,275).

In absoluten Beträgen verändert sich erst einmal nichts für die Aktionäre: die Sonderdividende wird um 5 Cents sinken, wenn wir unterstellen, dass es bei zwei gleich hohe Ausschüttungen bleibt, während die regulären Monatsdividenden auf Jahresbasis 6 Cents höher ausfallen. Da die Regelung erst im April greift, liegen die Beträge für 2019 also fast exakt gleich auf. Nehmen wir CEO Foster nun beim Wort, dass die Monatsdividenden genauso ansteigen sollen wie in den letzten Jahren, sollten wir für September 2019 eine weitere Anhebung um $0,005 auf dann $0,205 pro Monat erwarten dürfen. Das wäre dann das achte Jahr in Folge mit einer Dividendenanhebung.

Meine Einschätzung

Main Street Capital (Quelle: wallstreet-online.de)
MAIN wird unterm Strich nicht mehr ausschütten als bisher. Daher kann man schon die Frage stellen, weshalb die Änderungen überhaupt vorgenommen werden und was den Aktionären bringen soll. Ich denke, MAIN will mit dem sukzessiven Abbauen der Sonderausschüttungen seinen Wandel im Geschäftsmodell unterstreichen und die noch größere Verlässlichkeit seiner Einnahmeströme dokumentieren. Das lässt auf eine große Zuversichtlichkeit hinsichtlich der eigenen Geschäfte schließen.

Darüber hinaus spart man am Ende Kosten, denn 12 Zahlungen kosten weniger als 14. Und eine vielleicht nicht ganz unwesentliche Begleiterscheinung ist, dass in vielen Vergleichsportalen immer nur die regulären Dividenden angegeben werden, während die Sonderausschüttungen unter den Tisch fallen. Hier dürfte MAIN also künftig besser (und korrekter) dargestellt werden mit höheren Dividenden und einer entsprechend höheren Dividendenrendite. Was für Anleger, vor allem natürlich Dividendenjäger, ein nicht unwesentlicher Entscheidungsgrund ist.

Die Änderung in der Dividendenpolitik ist für Aktionäre kein Nachteil und kann im Gegenzug die Attraktivität MAINs erhöhen. Auf dem deutlich reduzierten Kursniveau dürfte sich ein Investment in MAIN auf lange Sicht auszahlen.

Disclaimer
Main Street Capital befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Dividendendepot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    vielen Dank für den wieder einmal sehr informativen Artikel. Wie siehst Du GLAD und GAIN dieser Tage?
    VG, Holger

    AntwortenLöschen
  2. Danke Michael.

    So bald MAIN unter die 30€ Marke fällt, schlage ich mit einer ersten Positon zu.

    AntwortenLöschen
  3. Danke Michael für deine Analyse. Ich mag konstanten Cashflow und denke auch, daß MAIN dadurch noch attraktiver wird.
    Ich hab bisher leider noch nicht investiert weil ich die steuerliche Behandlung nicht verstehe. Bin Deutscher und habe bei Interactive Brokers mein Depot.
    Gibt es da Erfahrungswerte?
    LG Christian

    AntwortenLöschen
  4. Nach meinem Verständnis kannst du bei IB die US-Quellensteuer auf 15% reduzieren lassen. Diese wird dann beim Lohnsteuerjahresausgleich auf die Kapitalertragssteuer angerechnet. IB behält keine Abgeltungssteuer ein, also musst du das alles entsprechend angeben.

    AntwortenLöschen
  5. Danke für deine schnelle Antwort.
    Ja, das geht problemlos, zumindest bei normalen Aktien und normalen Dividenden.
    Bei MAIN werden die Dividenden aber aus unversteuerten Einnahmen bezahlt, so dass hier die Versteuerung beim Aktionär anders sein könnte.
    Vielleicht kauf ich einfach ein paar Anteile und schau was passiert.
    LG Christian

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, genauso wie bei CEFs, REITs, körperschaftssteuerbefreiten ETFs und eigentlich allen pass through entities ist die Besteuerung ohne Besonderheiten, also 15% anrechenbare Quellensteuer und normale Abgeltungssteuer.

      Löschen