Sonntag, 24. Februar 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 08/2019 im Rückspiegel mit Berkshire Hathaway, Corestate Capital, Kraft Heinz, The Trade Desk

Momentan herrscht (politische) Ruhe an den Börsen. Vielleicht ist es auch nur eine trügerische Ruhe, aber man ist gewillt, extremes Agieren zu unterlassen.

Das gilt für die Großwetterlage, bei einzelnen Unternehmen fallen die Kursausschläge durchaus noch extrem aus, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen. Oder übererfüllen, auch das geschieht durchaus.

Wenn zum Beispiel The Tradedesk einen Raketenstart von 30% hinlegt, weil die sowieso schon hohen Erwartungen geradezu vaporisiert wurden, dann ist das schon extrem, egal in welcher Börsenphase. Und auch ich habe meine Freude an dem Kurssprung, denn obwohl der Wert nicht auf meiner Beobachtungsliste steht, habe ich ihn doch im Depot - indirekt über Stefan Waldhausers High Tech Stock-Picking-Wiki, in dem ich investiert bin, denn dort ist es die größte Position.

Auf der anderen Seite hat Warren Buffetts Berkshire Hathaway enttäuschende Zahlen vorgelegt. Jedenfalls auf den ersten Blick. Und das hat nicht nur mit dem miesen Ergebnis von Kraft Heinz Co. zu tun, einer seiner größten Beteiligungen. Er hatte aber auch zuvor schon deutlich nachgegeben. Es trennt sich weiterhin die Spreu vom Weizen und man kann durchaus erkennen, dass es in einigen Sektoren weiterhin ausgezeichnet läuft, während andere ihren Absturz fortsetzen. Zu diesen gehören die Automobilwerte und ihre Zulieferer oder auch die Modebranche. Gerade hier häufen sich Verluste und Insolvenzen und die vermeintlichen Schnäppchen werden schnell zur finanziellen Todesfalle.

Auch bei den Turnaroundwerten muss man aufpassen und sollte stets Warren Buffetts weise Worte im Hinterkopf behalten: "Turnarounds seldom turn". Und während meine Turnaroundwetten wie Teva Pharmaceuticals oder Bausch Health in der letzten Woche auch keine Freunde bereiteten, geben die US-Technologiewerte weiterhin den Ton an und ziehen die Märkte - und mein Depot - wieder nach oben...


Das Trumpelstielzchen sorgt weiter für Aufregung. Dies Woche verlängerten die USA und China die Frist, innerhalb derer sie bei ihren Handelskrieg-Gesprächen zu einer Einigung kommen wollen. Trump kommentierte dies (via Twitter), er wolle keine Einigung, bevor er nicht mit "seinem lieben Freund" Xi persönlich zusammen getroffen sei. Die Märkte interpretierten dies so, dass die Wahrscheinlichkeit auf eine gütliche Beilegung des Handelskriegs gestiegen ist.

Und auch ansonsten wird dem politischen Störfeuer weniger Bedeutung beigemessen, so dass sich die Märkte wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren, auf die Unternehmen und ihre Entwicklung. Dabei zeigt sich, dass es durchaus Eintrübungen gegeben hat, vor allem im vierten Quartal. Und dass die überwiegend zurückhaltenden Prognosen der Unternehmen ihre Berechtigung hatten und haben. Andererseits geht bisher nur das Wachstum etwas zurück, daher gibt es auch keinen Grund für nachhaltigen Pessimismus. Und so wird die Auswahl der richtigen Sektoren und Branchen noch wichtiger, weil in einer breiten Hausse alles steigt, selbst die Fehlgriffe.

Die letzte Börsenwoche

Einen schlechten Wochenausklang hatte Warren Buffett. Erst musste eine seiner größten Beteiligungen, Kraft Heinz Co., einen Milliardenverlust vermelden mit einem rund zwanzig prozentigen Kurseinbruch, dann folgte Berkshire Hathaway mit einem herben Gewinneinbruch dank eines kolossalen Milliardenverlusts im vierten Quartal. Allerdings sollten Anleger dabei nicht übersehen, dass im letzten Jahr die Bilanzvorschriften verändert wurden, so dass Buchverluste bei Beteiligungen nun voll ergebniswirksam bilanziert werden müssen - Buffett selbst hatte schon vor einem Jahr kritisiert, dass dies künftig die Ergebnisse von Berkshire erheblich schwanken lassen wird. Und so musste Berkshire im vierten Quartal dank des Börseneinbruchs seine Beteiligungen entsprechen abwerten und das hat knapp 40 Milliarden des Gewinns aufgezehrt. Am Ende blieben magere 4 Milliarden für 2018 übrig. Andererseits... wir haben die Erholungsrallye in den ersten sieben Wochen dieses Jahres erlebt und würde Buffett mit heutigem Stand sein Quartalsergebnis melden müssen, dürfte er einen satten zweistelligen Milliardengewinn ausweisen. Auch wenn er diesen nicht realisiert hat. Tja, "schöne neue Bilanzierungswelt"... So dürften Anleger jedenfalls kaum entspannter werden bei der Aktienanlage!

Corestate Capital: In Hamburg sagt man tschüß...

Bei Corestate Capital habe ich nun die Reißleine gezogen. Die vom Manager Magazin veröffentlichten Aspekte waren für mich der letzte entscheidende Faktor: Ralph Winter hat Corestate groß gemacht, doch sein Rückzug aus dem operativen Geschäft scheint nicht wirklich erfolgt zu sein. Seine Beratertätigkeit wird extrem hoch vergütet und als Großaktionär scheint er weiter maßgeblichen Einfluss auf die Gremien (AR und Geschäftsführung) zu nehmen - und das anscheinend vor allem zum eigenen Nutzen und nicht zu dem der (Mit-) Aktionäre. Das erinnert irgendwie an die früher offenkundige Selbstbedienungsmentalität bei Vertriebsfirmen wie MPC oder HCI und das kann einem das Dabeibleiben schon verleiden. Darüber hinaus ist das Geschäft der Tochter HFS mit den Mezzanie-Finanzierungen besonders Konjunktur sensibel und da es maßgeblichen Anteil am Corestate-Ergebnis hat, könnte hier für einen Konjunkturabschwung und/oder einen Rücksetzer im Immobilienbereich ein besonders starker Hebel sitzen.

»Hat man eine schlaflose Nacht wegen eines Börsenengagements, soll man es sofort auflösen.«
(André Kostolany)

Ich habe kein gutes Gefühl mehr meinem Investment und folge Kostolany; dem entsprechend streiche  ich Corestate Capital daher von meiner Beobachtungsliste. Nach knapp 2 Jahren verbleiben inkl. Dividende 29,7% bzw. 14,7% Rendite p.a. Ein sehr gutes Ergebnis, gerade angesichts des Börsenverlaufs im letzten Jahr. Aber es war natürlich schon mal deutlich mehr drin, da Corestate ja bereits mehr als 55 Euro gekostet hatte Mitte 2017 und nochmals Anfang 2018...

Mein Net Worth erholt sich weiter, auch wenn er noch rund 5% unter dem Allzeit-Höchststand von Ende September 2018 liegt. Die Jahresverluste des Vorjahres habe ich jedenfalls schon deutlich überkompensiert.

Angst und Gier

Der Fear & Greed Index von CNN Money hat sich nach seiner Verschnaufpause in der fünften Kalenderwoche zuletzt wieder Richtung Norden entwickelt und sich bei der Marke von 69 Punkten eingependelt. Anstelle extremer Angst, wie zum Jahresanfang mit einem Wert von 2, liegt er also inzwischen wieder im deutlich grünen Bereich, womit er sich im "Entspannt-Modus" bewegt und die große Aufgeregtheit erstmal hinter sich gelassen zu haben scheint. Mit Näherrücken des Brexit-Tages am 29. März dürfte die Nervosität in Europa deutlich zunehmen, während die Amis es sich vermutlich mit Popcorn auf der Couch gemütlich machen und einfach zusehen. Für sie, aber auch uns, sind die Ergebnisse der US-China-Gespräche wegweisend!

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    ich bin etwas erstaunt über deinen Ausstieg bei Corestate. Die Folgen hat man heute im Kurs gesehen. Du gibtst dich doch selbst als Value-Investor, der Investitionsentscheidungen aufgrund von Fundamentaldaten trifft. Geben die Fundamentaldaten von Corestate denn Anlass zur Sorge?

    Beste Grüße
    Hans

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    1. Als Aktionär bin ich Miteigentümer, Partner. Da muss ich mich wohl fühlen und muss Vertrauen in die anderen Mitaktionäre haben - zumindest in die maßgeblichen Großaktionäre und in die Aktivposten, also Vorstand und Aufsichtsrat. Das ist der entscheidende Part, wenn der nicht gegeben ist, muss ich mir um die Bewertung des Unternehmens keine weiteren Gedanken mehr machen; sie ist dann schlicht für mich nicht mehr relevant.

      Und bei Corestate fühle ich mich nicht mehr wohl. Die große Anzahl an Aktien, die seit mehr als einem Jahr über die Börse in den Markt gedrückt wird, erzeugt kein gutes Gefühl. Der offizielle Abgang von Winter, der aber trotzdem im Hintergrund die Fäden weiter zieht und dann der schnelle Wiederabgang des neuen CEOs ohne richtige Erklärung, haben mein Vertrauen jedenfalls nicht erhöht. Und die jüngsten Enthüllungen bzgl. der hoch dotierten Beraterverträge und der Ungereimtheiten beim Bütter-Abschied haben jetzt das Maß für mich voll gemacht. Ich möchte bei Corestate nicht mehr Aktionär sein.

      Den heutigen Kursrutsch an mir festzumachen, halte ich für ziemlich übertrieben. Corestate ist ja kein Microcap und die Artikel im Manager Magazin sind seit Freitag in aller Munde. Meinen Ausstieg habe ich in meinem Wochenrückblick am Sonntag veröffentlicht (auf meiner Transaktionsliste hatte ich das sogar bereits am Freitag vermerkt) und heute morgen zum Xetra-Start lag der Corestate-Kurs sogar im Plus. Der ist erst im Lauf des Tages immer weiter abgerutscht. Also wohl kaum eine Nachwirkung meines Ausstiegs...

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    2. Hallo Michael,
      sehe die Corestate Streichung erst jetzt, ziemlich überraschend, Zahlen OK, letzte Woche noch von dir bestätigt und jetzt auf einmal die Gefühlsentscheidung.
      Wir werden sehen.

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    3. Hallo Michael,

      wenn Ungereimtheiten und große Provisions- bzw. Gehaltszahlungen an (Alt-)Gesellschafter ein Problem für dich darstellen, hättest Du doch bei Aurelius auch schon längst die Reißleine ziehen müssen. Die stehen aber, wenn ich das richtig sehe, nachwievor auf Deiner Beobachtungsliste. Offensichtlich triffst auch Du Deine Entscheidungen nicht immer rein rational und nach festgelegten Kriterien.

      VG

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    4. Du hast Corestate verkauft, ich habe nachgekauft. Danke für die Aktien die Du mir zu einem Ramschpreis verkauft hast!Vielen Dank!

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    5. Freut mich für Dich, dass Du meine Corestate für knapp 31 Euro gekauft hast. Ist ja ein schöner Kurssprung heute, Glückwunsch und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Investment!

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  2. Ist TradeDesk ein momentaner Hype? Wird ziemlich gepusht zur Zeit, ''The TradeDesk'' ist die neue ich mach euch alle reich Aktie. Warten wir mal ab wie die Geschichte endet.

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    1. The Trade Desk ist sehr erfolgreich als Unternehmen und daher bin ich froh, zumindest indirekt investiert zu sein. Nach dem Kurssprung um 30% sollte man den Kursen aber nicht hinterherlaufen, trotz aller positiven Aussichten. Auch hervorragende Unternehmen sind nicht zu jedem Kurs ein gutes Investment...

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    2. Was interessiert die Bewertung der Aktien, da schaut doch bei High Tech keiner darauf, alles läuft super, egal welche Firma :D Kauf 15 HighTechs vor Earnings, 50-60% machen, verkaufen, Schwächephase abwarten, kaufen, 50-60% machen, verkaufen. Seit Anfang des Jahres 23%, letztes Jahr 26% im Plus :D
      Value Investing ist out, KGV, Cash Flow, alles lalala :D

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    3. Heute bei Teladoc, Alteryx knallen wir die Korken, morgen geht es weiter mit Nutanix, dann Baozun, Zuora, Sailpoint, Cloudera, Weibo alles geht richtig ab :D

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  3. Leute, die so ein Schwachsinn anonym von sich geben und nicht die Eier haben mit persönlichen Namen zu schreiben, werden kaum Eier haben Geld an der Börse zu machen!

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    1. Schau Dir die Kurse an, dann reden wir weiter.

      Gruß
      ANTON

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    2. Nachdem ich mir den Kurs von Nutanix angeschaut habe, können wir nun gerne weiterreden :-P Aber sei nicht traurig Anton, so eine Erfahrung muss an der Börse fast jeder einmal machen. D.h einmal, wenn Du draus lernst, sonst auch durchaus des Öfteren.

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  4. Eine gute oder schlechte Performance über eine Dauer von circa drei Jahren sagt absolut nichts aus. erst ab circa fünf Jahren trennt sich die Spreu vom Weizen... darunter ist alles nur pures Glück. Ich hatte dieses Jahr eine Performance von über 100 % und? Dafür hatte ich letztes Jahr von September bis Weihnachten eine Performance von -50 %

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  5. Von Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt.

    Hi Sirmike,

    ich verfolge jetzt etwas länger deine Blogeinträge mit großen Interesse. Es macht Spaß deine Texte zu lessen. Es verwundert doch etwas wie schnell du deine Entscheidungen triffst und wie sehr offensichtlich "Gefühle" dabei ein Rolle spielen.

    Du vertritts ja recht offensiv die Meinung von Graham und Buffet. Hier scheint aber ein kurzer Artikel zu genügen und du änderst sprunghaft deine Meinung. Habe nix dagegen, ist ja dein Bier. Ich frage mich aber, ob dies mit Value Investing zusammenpasst und inzwischen denke ich eher nicht. Man sieht ja immer wieder, dass ETFs besser als Stock Picker abschneiden.
    Graham und Buffet betonen beide die Bedeutung von Diversifikation und welch hohes Risiko bei Anlagen in eine Aktie enstehen. IMHO scheint aber dieses Risiko in deinen Artikeln keine Rolle zu spielen. Just my two cents.

    Trotzdem schön, dass du so transparent bist und wünsche viel Erfolg in 2019.

    Grüße Felix

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    1. Moin Felix,
      Buffett ist kein Freund breiter Diversifikation; vielmehr meint er, man solle sich auf die besten Unternehmen konzentrieren und nur die kaufen, in die man auch 10% seines Vermögens zu stecken bereit wäre.

      Bei Corestate habe ich mich natürlich nicht wegen des Artikels verabschiedet. Die Berichterstattung war nur der letzte Punkt in einer längeren Reihe, die mich meinen Investmentcase haben überdenken und letztlich verwerfen lassen. Es war weder eine spontane noch eine gefühlsdominierte Entscheidung. Investieren basiert auf Wahrscheinlichkeiten, nicht auf Hoffnungen. Und ich sehe bei Corestate ein verschlechtertes Chance-Risiko-Verhältnis und wenn ich das ignorieren würde, wäre ich nur noch investiert, weil ich die Hoffnung hätte, der Kurs würde wieder steigen. Aber das ist auf keinen Fall eine solide Basis für ein Investment.

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    2. Um mich nicht beeinflussen zu lassen, lese ich keine Börsenzeitschriften und keine Kommentare über Aktien. Ich schaue mir nur die Quartalsberichte an und das war's. Auch treffe ich keine Vorhersagen über die Zukunft. Häufig gehe ich rein statistisch vor.
      Ein aktuelles Beispiel ist Sequential Brands Group. Habe die im Oktober für knapp 1,2$ gekauft, weil die einfach billig waren. PE von 1, EV/EBIT unter 3, PB unter 0,3 und die Insider haben gekauft. Zwischenzeitig hat der Kurs sich halbiert und gerade sind die am Explodieren und werden gehypt, weil die mit Canopy Growth Corp. in die Cannabisbranche einsteigen.
      Woher wusste ich das vorher? Gar nicht!!!! Die waren einfach billig und illiquide und keiner wollte die anfassen...

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    3. Woher beziehst du denn die Informationen, dh. geeignete Kandidaten? Die Buden muss man ja erstmal kennen die halb pleite sind.;)

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    4. Erstmal sind die nicht pleite sondern billig... wenn man verstanden hat, dass Preis und Wert heufig nichts miteinander zu tun haben, dann lebts sich einfacher.
      Wer sucht der findet... Je mehr Steine ich umdrehe, desto mehr Käfer finde ich...
      Wenn man gefunden hat, dann sollte man aber auch die Eier haben und kaufen.
      Ich könnte hier ein paar meiner aktueller Lieblinge posten und die wenigsten, würden sich trauen, diese zu kaufen...

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    5. Wieso machst du das nicht einfach? Mehr Information tut ja keinem weh und macht dich auch nicht ärmer. ;) Es geht um den Meinungsaustausch und davon lebt eigentlich so ein Blog.

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