Donnerstag, 10. Dezember 2020

Kissigs Aktien Report: Makleraktien, führt mich zum Schotter!? Was geht ab bei Deutsche Börse, Lang & Schwarz und Tradegate?

Im Rahmen meiner Kooperation mit dem "Aktien Report" von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tagen später darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen.

Aktien Report Nr. 25 vom 04.12.2020

Makleraktien: Führ mich zum Schotter!?

Die Börsenkurse steigen, obwohl um uns herum die Wirtschaft leidet. Das zieht auch in Deutschland immer mehr Privatanleger an. Zumeist junge Menschen setzen Geld auf Aktien, Kryptowährungen, Rohstoffe und haben wenig Angst vor großen Verlusten. Das ist neu, das ist anders.

Anders als vor 20 Jahren. Damals war die "Volksaktie" Deutsche Telekom an die Börse gekommen. Verkäufer war die Bundesrepublik Deutschland und die damals wohl beliebtesten Tatort-Kommissare machten Werbung für die Aktien des Staatskonzerns. Während die erste und die zweite Emission den Erstzeichnern nach dem Börsengang noch Kursgewinne bescherte, kam die letzte Tranche auf dem Hochpunkt der Börsenblase auf den Markt, zu über 100 DM. Beinahe vom ersten Tag an brachen die Kurse massiv ein und die Neuaktionäre mussten fassungslos zusehen, wie sich ihr Traum vom schnellen und einfachen Reichtum nicht nur in Luft auflöste, sondern ihr investiertes Vermögen gleich mit. Zumal nicht wenige aufgrund der beiden zuvor erfolgreich verlaufenen Börsenemissionen der Telekomaktien beim dritten Anlauf auf Kredit spekulierten. Und daher nicht nur ihren Einsatz verloren, sondern auch noch auf einem Schuldenberg sitzen blieben.

Tja, selber schuld, kann man sagen. Jeder ist für seine Geldanlage selbst verantwortlich. Das ist nicht falsch und doch etwas zu einseitig – in diesem Fall. Denn Verkäufer der Aktien war der Staat, daher erwarteten die Neuaktionäre eine wirkliche "Volksaktie". Und die Tatort-Kommissare aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen machten dafür auch noch die Werbung.

Der Effekt, den das Telekom-Desaster letztlich verursachte, waren nicht nur Depots mit blutroten Verlustpositionen, sondern es wurde einer ganze Generation von neuen Anlegern die Lust auf die Börse gründlich verdorben. Zwanzig Jahre lang war in Deutschland mit Aktien nichts zu wollen, die Deutschen „investierten“ lieber in Sparbücher, Riester-Renten oder Lebensversicherungen. Die großen Gewinne, die mit Immobilien und vor allem Aktien zu machen waren in dieser Zeit, die machten andere.

Doch nun weht ein neuer Wind, es ist eine neue Generation herangewachsen, für die die Internetblase, der Neue Markt und großangelegte Bilanzbetrügereien (man denke an Enron) Dinge sind, die man im Geschichtsbuch findet – zwischen Napoleon und Bismarck.

Diese neue Generation hat keine Angst vor Aktien, sie ist mit Twitter und Facebook aufgewachsen, mit Smartphones, Tablets, sie "lebt" ständige Erreichbarkeit und ständige Verfügbarkeit von Informationen.

Kaufe, was du kennst!?

Der beste Fondsmanager der 1980er Jahre, Peter Lynch, hat mehr als ein Jahrzehnt lang durchschnittlich knapp 30% Rendite eingefahren – pro Jahr. Und zwar mit seinem Motto "kaufe, was du kennst". Er setzte als einer der ersten auf Gilette, als die den revolutionären Einwegrasierer auf den Markt brachten, und für die atemberaubenden Kurserfolge prägte er den Begriff "Tenbagger", Verzehnfacher.

Auch die junge Generation kauft, was sie kennt. Nur sind das immer seltener Produkte, wie Rasierer, Zahnbürsten oder Fertignahrung, sondern es sind immer öfter Dienstleitungen, App-Anbieter. Die neuen Aktionäre scheuen sich nicht davor, auf schnelllebige Trends, auf Momentum zu setzen und schnell in Aktien rein und wieder raus zu springen. Gleichzeitig sind sie, wie ihre Eltern, voll auf "Geiz ist geil" getrimmt und wollen als besonders clever dastehen. Der Trieb ist sogar noch stärker ausgeprägt als in früheren Generationen, denn da ja alles sofort öffentlich gemacht wird über Facebook, Instagram, Snapchat, kriegen es ja auch alle sofort mit. Da will man nicht wie ein Loser dastehen.

Die Profiteure

Diese Gemengelage bringt eine Reihe von Profiteuren hervor. Und auch eine Branche gehört dazu, die von vielen schon abgeschrieben worden war. Es geht um Makler, genauer gesagt um Broker, um Wertpapierdienstleister.

Früher gab es keinen Computerhandel, keinen Internetzugang oder eine App, über die man Orders platzieren konnte. Man traf sich vor Ort, im Börsenhandelsraum, und schloss dort seine Aktiengeschäfte persönlich ab. Das übernahmen später Broker, denen man per Post oder per Telefon seine Order aufgab und diese leiteten sie an ihren "Mann an der Börse" weiter, der dann zum entsprechenden Schalter ging, wo diese Aktien vom Marketmaker betreut wurden.

Heute läuft das alles über Glasfaserleitungen und ohne persönlichen Kontakt ab. Doch einiges ist gleichgeblieben: so gibt es noch immer einen organisierten Marktplatz für Wertpapiere, die Börse. Und es gibt auch immer noch Marketmaker, die sich um den Handel mit bestimmten Wertpapieren kümmern. Insbesondere bei Nebenwerten kommt manchmal überhaupt nur deshalb ein Börsenhandel zustande, weil der Marketmaker mal die Rolle des Käufers oder die des Verkäufers übernimmt. Ansonsten blieben viele Orders tagelang offen und unbedient.

Diese Dienstleistungen müssen natürlich bezahlt werden und vom Grundsatz gilt, dass mehr Umsatz mehr Verdienst bringt. Und so profitieren einige Unternehmen von der neuen Börsenlust der Deutschen.

Deutsche Börse Group

Die Deutsche Börse war früher nur die Frankfurter Wertpapierbörse. Sicher, Frankfurt ist Deutschlands Finanzzentrum, Sitz der EZB und hinter London der wichtigste Finanzplatz Europas, aber die Frankfurter Börse ist nur eine von vielen Regionalbörsen in Deutschland. Auch München, Berlin, Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf leisten sich eigene Börsen und früher gab es noch einige mehr.

Heute ist die Deutsche Börse eine Unternehmensgruppe und bietet mehr als lediglich einen Marktplatz. Ihre Geschäftsfelder reichen vom Vorhandel (Pre-Trading), also der Berechnung von Indizes und der Bereitstellung von Marktdaten, über den Handel und das Clearing (die Verrechnung) von Anlageinstrumenten bis hin zum Nachhandel (Post-Trading), also die Verwahrung von Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten wie auch Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement. Sie beschäftigt weltweit mehr als 6.000 Mitarbeiter.

Zu ihren wichtigsten und bekanntesten Beteiligungen gehören die Eurex, Clearstream, Qontigo (die Verwalter der Börsenindizes, wie der DAX-Gruppe) – und Tradegate, einem "alternativen" Börsenplatz zu XETRA und Frankfurt.

Die Börse lebt davon, dass Wertpapiere gehandelt werden. Sie nimmt dafür eine Provision. Je mehr Orders sie bedient, desto höher sind ihre Provisionseinnahmen. Dabei ist es ihr relativ egal, ob die Käufer und Verkäufer mit ihrem Geschäft am Ende Gewinn oder Verlust machen, Hauptsache, sie ordern möglichst bald wieder.

Die Deutsche Börse Group ist ein Fullservice-Anbieter, der "Blue Chip", und baut ihr Geschäft auch durch Übernahmen immer weiter aus. Ob Aktien, Rohstoffe, Zertifikate, Energie, sie hat die richtigen Börsenhandelsplätze hierfür im Angebot. Und sie übernimmt bereitwillig die Abwicklung im Hintergrund, zum Beispiel durch Clearstream. Bis 2023 will das Unternehmen seine Nettoerlöse im Schnitt um 10% pro Jahr auf dann etwa €4,3 Mrd. steigern, wobei die eine Hälfte aus organischem Wachstum und die andere aus Übernahmen generiert werden soll.

Der DAX-Wert weist seit Jahren ein stetiges profitables Wachstum auf und sein Aktienkurs klettert – abgesehen vom Corona-Einbruch im März – wie an der Perlenschnur nach oben.

Tradegate AG Wertpapierhandelsbank

Ist von Tradegate die Rede, ist zumeist die Börse Tradegate Exchange gemeint. Dabei gibt es noch die börsennotierte Tradegate AG Wertpapierhandelsbank, die zwar Betreiber der Börse ist, aber an ihr nur (noch) Minderheitsgesellschafterin. Die Börse Tragegate wird von der Tradegate Exchange GmbH betrieben und diese gehört zu 59,98% der Deutsche Börse AG, dem Verein Berliner Börse e.V. zu 20,02% und der Tradegate AG Wertpapierhandelsbank GmbH zu 19,99%.

Diese Tradegate AG Wertpapierhandelsbank wiederum gehört zu 56,2% der Berliner Effektengesellschaft, zu 19,62% der BNP Paribas, weitere 19,99% gehören der Deutsche Börse AG und nur 4,18% der Aktien befinden sich im Streubesitz.

Die Tradegate AG Wertpapierhandelsbank ist als Skontroführer an der Frankfurter Wertpapierbörse sowie der Börse Berlin tätig und hat weitere Börsenzulassungen in München, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und Hannover. Sie ist ein Market Maker, der fortlaufend in rund 10.000 Wertpapiergattungen, überwiegend Aktien, An- und Verkaufspreise stellt. Und da hierfür keinerlei Gebühren oder Provisionen anfallen, anders als auf XETRA oder an der Frankfurter Börse, erfreut sich Tradegate als Handelsplatz immer größerer Beliebtheit. Und schaut man auf den Aktienkurs, so hat sich dieser in den letzten vier Jahren mehr als verfünffacht.

Für November gab es eindrucksvolle Zahlen zu vermelden: nach elf Monaten des laufenden Geschäftsjahres wurden bereits 48,84 Mio. Transaktionen abgewickelt (Gesamtjahr 2019: 18,07 Mio.) mit einem Volumen von €291,6 Mrd. (Gesamtjahr 2019: €122,3 Mrd.). Was für ein Wachstum! Und auch die Ende August vorgelegten Halbjahreszahlen waren rasant: das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Steuern stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 564,8% auf €83,168 Mio. und der Jahresüberschuss nach Steuern kletterte um 562,1% auf €57,916 Mio. an.

Zeit, um stutzig zu werden…

Wie kann Tradegate (so viel) Geld verdienen, wenn sie keine Ordergebühren verlangen? Tja… hier sind wir wieder beim Thema "Geiz ist geil" und der Erkenntnis, dass man die Rechnung trotzdem irgendwann bezahlen muss, so oder so.

Tradegate nimmt keine Provisionen für die Orderabwicklung, aber Tradegate ist ein Marktplatz und betreibt Skontros. Tradegate stellt also Kurse und nimmt aktiv am Handelsgeschehen teil. Der Kunde weiß nicht ob er seine Aktien an Herrn Müller verkauft oder an Tradegate. Ist ihm auch egal. Und es ist ihm auch einerlei, ob er von Tradegate oder Frau Schmidt seine Aktien kauft. Ihm kommt es auf den Kurs für sein Wertpapiergeschäft an. Und diese Kurse stellt Tradegate. Beide, den An- und den Verkaufskurs. Und zwischen beiden liegt eine Handelsspanne, der sogenannte Spread. Und genau an diesem verdient Tradegate. Herr Müller verkauft seine Aktien nämlich nicht unbedingt direkt an Frau Schmidt, sondern bei beiden Geschäften ist Tradgate dazwischengeschaltet und lässt die Aktien durch ihre Bücher fließen. Tradegate kauft die Aktien also billiger ein und verkauft sie im gleichen Moment teurer weiter. Sie verdient an dem Spread. Und zwar viel mehr, als wenn sie ein paar Euro an Ordergebühren verlangen würde.

Aber gerade weil man keine Ordergebühren verlangt, wird Tradegate als Handelsplatz immer attraktiver. Dank der Geiz ist geil-Mentalität der Wertpapierkunden. Sie sehen ihren Vorteil, aber nicht den etwas schlechteren An- oder Verkaufskurs, mit dem sie letztlich mehr bezahlen, als über die Ordergebühren.
Exkurs
Besonders heftig ist dies bei Kostenlosbrokern wie SmartBroker, Robin Hood oder Trade Republik. Hier liegen die Spreads sehr viel weiter auseinander und der Kunde zahlt ordentlich drauf.

Ein Beispiel
Wenn der übliche An- und Verkaufskurs bei €100,20 zu €100,30 liegt und man 10 Aktien ordert, bezahlt man €1.003,00  und vielleicht €3,90  Ordergebühren oben drauf. Also €1.006,90.

Nimmt der "Kostenlos-Broker" keine Gebühren, aber der Spread liegt bei €100,10 zu €100,40 kostet die Order €1.004,00. Also €2,90 gespart. Clever.

Aber… ordert man nicht nur 10 Aktien, sondern 100, ergeben sich folgende Kontobelastungen: €10.033,90 zu €10.040,00. Ups, gar nicht mehr so clever, denn die "kostenlose" Order kostet mehr, als wenn man die klassische Variante inklusive der Gebührenbelastung gewählt hätte.

Und genau dies ist das Geschäftsmodell der Kostenlos-Broker: durch einen größeren Spread, also eine größere Differenz zwischen An- und Verkaufskurs erzielen sie Handelsgewinne, die weit über den Einnahmen liegen, die sie über Orderprovisionen einstreichen könnten. Weshalb sonst hätten wohl die führenden US-Broker Charles Schwab oder Ameritrade ihr bis dahin extrem lukratives Geschäftsmodell ebenfalls auf "kostenlose" Order- und Depotführung umstellen sollen? Bestimmt nicht, weil sie zu Samaritern geworden sind!

Lang & Schwarz

Eine besondere Rolle in der Brokerlandschaft nimmt Lang & Schwarz ein. Und das nicht nur, weil sich der Aktienkurs seit dem Jahresstart mehr als vervierfacht hat.

Die Lang & Schwarz TradeCenter AG & Co. KG betreibt eine Handelsplattform für außerbörslichen Handel in Deutschland mit den längsten Handelszeiten. Kunden von über rund 20 Partnerbanken wird der Handel mit in- und ausländischen Aktien, Fonds, Bonds und ETFs, sowie mit derivativen Produkten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft angeboten. Sie ist Market Maker an der LS Exchange, dem elektronischen Handelssystem der Börse Hamburg, auf Xetra, an der Wiener Börse und an der BX Swiss. Die Lang & Schwarz Broker GmbH bietet klassisches Brokerage, Market Making, sowie Beratung beim Going Public, inklusive IPO- und Corporate-Finance-Beratung an.

Soweit so klassisch. Das Geschäftsmodell läuft ähnlich wie bei Tradegate, nur dass der außerbörsliche Handel hinzukommt, also vor und nach den Börsenschlusszeiten und am Wochenende.

Der besondere Clou bei L&S ist Wikifolio. Diese Social-Trading-Plattform startete L&S 2016 2012 und sie boomt ungemein; seit 2013 ist L&S an der Wikifolio-Betreiberin wikifolio Financial Technologies AG beteiligt. Praktisch jedermann kann ein eigenes Wikifolio anlegen und mit Wertpapieren bestücken. Nachdem er seine Handelsidee beschrieben hat, kann er es publizieren und später auch für Anlegergelder freischalten lassen. Anleger können dann in dieses Wikifolio Geld investieren und nehmen an dessen Entwicklung direkt teil. Wie ein Fonds, nur ohne Fondsgesellschaft und von einer Privatperson betrieben.

Für Lang & Schwarz ist das ein glänzendes Geschäft, denn alle Transaktionen der Wikifolios werden ausschließlich über die L&S Exchange abgewickelt – und da sind wir wieder beim Thema Spreads. Wer immer ein Wertpapier in sein Wikifolio kaufen oder es daraus verkaufen will, muss diesen Handel mit L&S abschließen. L&S stellt den Kurs und die Spreads sind dabei nicht immer klein. Teilweise wird eine prozentual zweistellige Spanne aufgerufen. Und L&S verdient, weil sie diese Orders in Echtzeit an anderen, externen Börsenplätzen platziert und so ihren Gewinn aus dem Spread einstreicht.

Der Boom an neuen Privatanlegern und der Boom bei neuen Wikifolios sind aber nur zwei Gründe, weshalb die Aktie von Lang & Schwarz in diesem Jahr so raketengleich abgeht. Ein weiterer, aber sehr gewichtiger, Grunde ist steuerlicher Nature. L&S hatte für mehrere Vorjahre Steuerrückstellungen bilden müssen für seine Wikifolio-Aktivitäten, die unterm Strich den Jahresgewinn weitgehend aufgefressen hätten. Inzwischen ist klar, dass diese Problematik L&S nicht trifft und so können nicht nur die Rückstellungen ergebniswirksam aufgelöst werden, sondern der Wikifolio-Boom kommt auch in der Gewinn- und Verlustrechnung bei L&S an. Und das ist kein kleiner Unterschied!

Mein Fazit

Mit Börsendienstleistern ist viel Geld zu machen. Der Run der (neuen) Privatanleger auf die Börse ist bisher ungebrochen und legt sogar weiter zu. Selbst die Turbulenzen mit den zweimaligen starken Einbrüchen in 2018 sowie der heftige Corona-Börsencrash im Frühjahr haben keinen bleibenden Schaden verursacht. Bisher. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich die Kurse relativ schnell wieder erholt haben und die hohe Volatilität suggeriert immer neue und noch größere Chancen.

Das Problem ist, dass Bullenmärkte fast jeden clever aussehen lassen, weil sich sogar viele von den schlechten Investmentideen auszahlen, wenn die Börse insgesamt nach oben strebt. Wie nachhaltig die Lust der neuen Aktienliebhaber auf Aktien wirklich ist, wird sich spätestens dann zeigen, wenn man über einen längeren Zeitraum die Börsenkurse abrutschen und sich in den Depots die Minuszeichen festgebissen haben. So wie nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000, als die Börsenerholung jäh gestoppt wurde durch die Terroranschläge des 11. September 2001 – und der sich anschließenden zweiten Welle des Wirtschaftsschocks, der bis 2003 anhielt. Und auch in der Finanzkrise 2008/09 wurde viele Anleger mit großen Verlusten aus dem Markt gespült.

In solchen Phasen laufen die Geschäfte der Broker und der Börsen zunächst weiterhin gut, weil auch massenhafte Verkaufsorders Umsätze bringen – und Gewinne. Nur wenn anschließend die Akteure nicht wieder in den Markt zurückkehren, dann trocknet dieser mit der Zeit aus. Und somit auch das Geschäft der Broker.

Bisher sieht es nicht danach aus und das befeuert auch die Aktienkurse der Brokerhäuser und Börsenbetreiber. Entsprechend viel Euphorie ist in den Kursen enthalten und die aktuell starke Entwicklung wird wohl für mehrere Jahre einfach in die Zukunft fortgeschrieben, um diese hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Doch die Börsengeschichte lehrt uns auch, dass nichts so beständig ist wie der Wandel. Vor allem was den Börsentrends angeht. Der Gewinn liegt im Einkauf, auch bei Aktien…

Disclaimer: Habe Lang & Schwarz auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

13 Kommentare:

  1. Ich bin begeisterter Leser Ihres Blogs und kann aus den Artikeln oft viel lernen. Bei diesem Artikel fällt mir dies jedoch schwer! Ein Aktienkauf bei einem typischen Online Broker z.B. ING kostet aktuell für 10000€: 0,25% + 4,90€ = 14,90€, wenn die Order an eine reguläre Börse geht zusätzlich eine Handelplatzgebühr + Makler-Gebühr. Beim Handel über L&S bei Smarbroker nur 1€ ohne weiter Kosten. Bei Online Brokern wie ING, DKB und Smartbroker erhalte ich leider keine Realtimekurse. Aber ich kann 10min verzögerte Geld/Briefkurse an unterschiedlichen Handelsplätzen vor Order-Aufgabe vergleichen. Oft bieten dabei L&S oder Tradegate die besten Kurse. Darum erkenne ich nicht den Nachteil, trotz des bekannten Geschäftsmodells. Ein weiteres Problem beim Handel an den regulären Börsenplätzen bleibt die Gefahr der Teilausführung bei Marktengen Aktien und den damit verbundenen weiteren Gebühren. Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.

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    1. Habe ebenfalls ein "altes" Depot inklusive Girokonto bei der ING.
      Ein zusätzliches Depot habe ich bei der TradeRepublic angelegt.
      Die TR-App ist um Welten besser als die App der ING. Und die Kosten sind DEUTLICH geringer. Die 15€ aus deiner Rehcnung musst du noch x2 nehmen wegen einem Verkauf. Oder x4 bei Teilkauf/Verkauf. Gegenüber 2/4€ bei TR. Für Kleinanleger so viel besser.

      Ein nachteil bei beiden Apps ist, dass nicht zu allen Unternehmen News angezeigt werden.
      Ein Nachteil beim Handel über LSX per TR-App sind die teils absurden Spreads im zweistelligen Prozentbereich. Auch zu regulären handelszeiten. Und die teils höheren Kurse im Vergleich zu anderen Börsen. Aber die Kombi LSX und TR ist ja noch jung - das wird sich vermutlich noch bessern. Allein die bessere App und die deutlich geringeren Kosten sind Grund genug, bei TR zu bleiben. Als Kleinanleger mMn die beste Wahl.

      Meine LUS Aktien habe ich dennoch verkauft, die Gewinnentstehung ist intransparent und die Kommunikation der IR ist eine Katastrophe.

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    2. Joshua, ich habe mich nicht gegen den Handel an Börsenplätzen wie LS Exchange oder Tradegate ausgesprochen, da hättest Du mich missverstanden. Ich habe leidlich erläutert, dass die "Kostenlos-Broker" eben auch ihr Geld verdienen und das teilweise zulasten der Kunden. Man sollte also genauer hinsehen und nicht einfach den vermeintlich "billigsten" auswählen.

      Der rote Faden meines Artikels dreht sich um unterschiedliche Unternehmen/Aktien und die hochgeschossenen Bewertungen. Und daran anschließend die Frage, ob diese steilen Kursanstiege nur ein Hype sind, eine Blase, die unvermeidlich platzen wird (wenn die Umsatz- und Gewinnexplosionen nur einmaliger Natur sind), oder ob es eine Veränderung der Rahmenbedingungen gegeben hat und somit die Umsätze und Gewinne dauerhaft erzielt werden können (weil der Michel vom Sparbuchliebhaber zum Aktienliebhaber mutiert und zwar zu einem äußerst aktiven). Dann sind die hohen Bewertungen gar nicht so hoch und die Aktien vielleicht auch auf diesem Niveau noch attraktiv als Investment.

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    3. Dazu noch kurz zu den Kosten (leicht Off-Topic): Wenn man ein großes Depot hat, lohnt eventuell ein Wechsel zu Interactive Brokers (oder dessen Resellern wie Lynx). Ordergebühren dort sind minimal - tw. nur wenige USD. Dafür kosten dort Kursdaten aber eine monatliche Gebühr (es sei denn man akzeptiert zeitverzögerte Daten, die kostet nichts), außerdem stellen die keine hier in Deutschland nutzbaren Steuerformulare aus. Großer Vorteil dort: man bekommt über das Smart Order Routing immer die besten Preise - nach meiner Erfahrung / meinem subjektivem Eindruck bekomme ich dort viel bessere Order-Ausführungen als bei irgendeinem deutschen Broker. Da verdient dann halt Tradegate nichts.

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  2. Von mir auch gerne eine Anmerkung: Ich möchte vorwegnehmen, dass ich Ihre Artikel sehr gerne lese und auch schätze. Im vorliegenden Fall gerade bezogen auf LuS kann ich Ihre Ausführungen nicht nachvollziehen. Thema "Kostenlos-Broker" verdienen zulasten Ihrer Kunden wie Sie ausführen ist äußerst fragwürdig und nicht von Ihnen belegbar. Ihr drittletzter Satz "hohe Bewertungen" ist nicht nachvollziehbar, den selbst wenn die Gewinnexplosionen bei z.B. LuS einmaliger Natur wäre, ergebe sich im Worst Case immer noch ein Basisertrag von etwa 1,30 EUR pro Quartal. KGV 21 von etwa 12, Sie geben im Geldanlage Report ein 21 KGV von über 100 an... nicht nachvollziehbar..

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    1. Der Text des Artikels stammt von mir. Weder auf die Charts, noch die dazu gehörige Kommentierung und auch nicht auf die verlinkten/eingebundenen Finanzdaten habe ich einen Einfluss. Das heißt, dass ich keinerlei Angaben zum KGV gemacht habe und auch nicht weiß, woher diese Daten stammen. In meinem Fazit positioniere ich mich ja so, dass ich von einer dauerhaften Entwicklung ausgehe und daher kaum einen starken Einbruch der Umsätze/Gewinne bei Tradegate oder LuS im nächsten Jahr und darüber hinaus ausgehe.

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  3. Hallo,
    das ist ein sehr interessanter und augenöffnender Artikel, den ich auch Bekannten weiterleiten werde.
    Letztlich kommt es aber auch auf den Anleger an, wie oft er welche Summen tradet oder?
    Als Value Investor im weitesten Sinne kaufe ich und lasse die Aktie 5, 10 oder noch länger liegen, sollte man das nicht berücksichtigen?

    VG aus Bayern
    Joe

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    1. Grundsätzlich gilt immer: wer viel tradet, zahlt drauf. Die Gebühren und die Spreads laufen gegen ihn, während jemand, der sich seine Aktien sehr genau aussucht und nach dem Kauf lange hält, hiervon natürlich nicht/kaum belastet wird. Solche Buy & Hold-Anleger sind natürlich für die Broker als Kunden nicht interessant, denn an denen verdienen sie ja nichts...

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  4. Hallo Joe,
    bitte berücksichtige, dass der Artikel teilweise falsch und irreführend ist. Nicht zum Weiterleiten geeignet, da dadurch z.b. Trade Republic in ein "falsches Licht" gestellt wird.

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    1. Welches "falsche Licht" meinst du denn? Ich bin nicht nicht negativ gegenüber irgendeneinem Brokerage eingestellt aber ich denke ich habe den Artikel verstanden....

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  5. Hallo Michael,
    interssant finde ich L&S, insbesondere auch wegen des wikifolio-Geschäftes. Du schreibst "Diese Social-Trading-Plattform startete L&S 2016". Der webseite von wikifolio entnehme ich, dass wikifolio von der "wikifolio Financial Technologies AG" betrieben wird, die von Andreas Kern gegründet wurde. L&S wird dort als Partnerunternehmen aufgeführt, aber nicht als (substantieller) Anteilseigener. Kannst Du beurteilen wie stabil das Geschäft für L&S ist, oder könnten sie von wikifolio leicht durch ein anderes Unternehmen ausgetauscht werden? Fragt & grüßt Jan

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    1. Moin Jan, da habe ich falsch formuliert. Wikifolio startete 2012, L&S war Mitinitiator und ist seit 2013 an der Wikifolio-Betreibergesellschaft beteiligt. 2016 starte die LS Exchange. Habe ich im Artikel berichtigt.

      Zu Deiner Frage: L&S ist einerseits beteiligt und stellt andererseits wesentliche Dienstleistungen zur Verfügung für Wikifolio. U.A. ist man Emittent der Wikifolio-Zertifikate. Mache ich gerade mit meinen Wikis selbst durch: wenn sie den Status "investierbar" erhalten sollen, muss hierfür ein eigenes Zertifikat mit einer ISIN aufgelegt werden - unter der kann man dann das Wiki ordern. Nun kann ja nicht jeder einfach Zertifikate emittieren, sondern dafür benötigt man eine Banklizenz und vieles mehr. Gilt auch für Investmentfonds. Da gibt es dann spezielle Gesellschaften, die sich hierfür als Dienstleister zur Verfügung stellen (sog. "Haftungsdach") und auch die rechtlichen u.ä. Dinge übernehmen. Axxion macht sowas, aber auch Union Investment. Und für Wikifolio übernimmt das Lang & Schwarz.

      Theoretisch könnte sich Wikifolio also von L&S trenne, aber in der Praxis würde das erhebliche Trennungsschmerzen auslösen. Ist also ziemlich unwahrscheinlich und keinesfalls so leicht zu erledigen, wie den Frisör zu wechseln. Für L&S also durchaus keine unkomfortable Symbiose.

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  6. Hallo Michael,
    Dein Beispiel zum Geld verdienen bei Tradegate leuchtet erstmal ein. Aber meinst Du ernsthaft, die Menschen sind so dumm? Bei Trade Republic hat man ja keine andere Wahl. Aber bei Smartbroker wird doch sicherlich jeder Kunde die Gesamtkosten zusammenrechnen und nicht blind da kaufen, wo es keine oder nur geringe Gebühren gibt.
    Mir ist auch noch nicht aufgefallen, dass der Spread bei Smartbroker höher ist. Habe es mit Comdirect mehrmals verglichen. Die Kurse / Spreads sind identisch.

    LG
    Martin

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