Montag, 5. Juli 2021

Kissigs Investor-Update Q2/21 mit Funkwerk, Energiekontor, MBB, Apollo Global Management, Mutares, KKR, SBF, Hypoport, Nynomic, Softbank Group

Investor-Update zum Ende des 2. Quartals 2021

In meinen Investor-Updates blicke ich jeweils zum Ende des Quartals auf die vergangenen Monate zurück und berichte, was sich auf meiner Beobachtungsliste getan hat und stelle die TOP-Werte in meinem Investmentdepot vor. Des Weiteren beschäftige ich mich ggf. auch mal mit Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Das zweite Quartal liegt hinter uns und die bestimmenden Themen waren (1.) der Fortschritt bei der Impfkampagne und damit einhergehend weitere Lockerungen, die jedoch im Wettstreit mit wieder ansteigenden Infizierungszahlen durch die Delta-Variante stehen, sowie (2.) zunehmende Probleme bei den Lieferketten, steigende Preise bei Roh- und Baustoffen, die Inflations- und Zinsängste befeuern und (3.) die mögliche Änderung der Notenbankpolitik, wo die FED früher als bisher gedacht an der Zinsschraube drehen und/oder die milliardenschweren Anleihekaufprogramme reduzieren könnte.

Das billionenschwere Infrastrukturpaket von US-Präsident Joe Biden wird nun wohl deutlich abgespeckt, um einen breite(re)n Kompromiss mit den Republikanern zu ermöglichen, aber immer noch deutlich über einer Billion Dollar liegen. Insbesondere Infrastruktur und GreenTech werden hiervon profitieren.

Die ganz großen Umwälzungen gab es nicht, denn mit meinen Depotschwergewichten fühlte und fühle ich mich grundsätzlich wohl. Dennoch trage auch ich der sich verändernden Situation Rechnung und habe Technologiewerte inzwischen weniger stark gewichtet als noch vor einem halben Jahr. Ende Juni waren die größten Positionen in meinem Investmentdepot Funkwerk, Energiekontor, MBB, Apollo Global Management, Mutares, KKR, SBF, Hypoport, Nynomic, Softbank Group. Damit haben es gleich 5 Werte neu in die Top 10 geschafft, wobei die meisten von ihnen "alte Bekannte" sind...


▶ "Investor-Update reloaded" - Ausgabe 12

Meine Investor-Updates zum Quartalsende machen mir jedes Mal viel Arbeit, aber auch eine Menge Spaß, wie ich gerne zugebe. Und sie sind für mich auch immer ein willkommener Anlass, die letzten drei Monate Revue passieren zu lassen.

Ich fahre ja einen gemischten Bottom-up-Top-down-Ansatz, bei dem ich einerseits auf Makroökonomische Trends setze, andererseits mir innerhalb dieser Trends dann die am besten positionierten und/oder bewerteten Unternehmen herauspicke.

Tendenzielle mittel- und langfristige Krisenprofiteure sind Unternehmen aus den Bereichen Cloud-Computing, Green Energy/ Dekarbonisierung, Digital Payments/ Fintech, Software-as-a-Service (SaaS), (Netz-) Infrastruktur, Cyber-Security, Medizintechnik und dort liegt auch der grundsätzliche Schwerpunkt meiner Depotausrichtung. Sowohl bei meinen Top 10-Werten, die alle einen oder mehrere dieser Megatrends bedienen, aber auch bei meinen kleineren Positionen mit weniger als 2% Gewichtung. Hinzu kommen Alternative Asset Manager, für die die aktuellen Rahmenbedingungen (Niedrigzinsumfeld, viele notleidende Firmen, Wirtschaftliche Erholung) nahezu perfekt sind.

Ich bin ja gerne voll investiert, weil nach meiner Erfahrung sich eine hohe Cashquote nur in der Theorie auszahlt (für günstige Nachkäufe), in der Praxis aber auf lange Sicht Rendite kostet (weil man die Nachkaufchancen dann doch nicht nutzt und somit Geld unnötig unrentierlich auf dem Konto verschimmelt). Dem entsprechend habe ich den Absturz, aber auch die anschließende Erholungsrallye voll mitgemacht. Und dank meiner Aktienauswahl auch überwiegend Gewinneraktien im Depot.

»Ich halte niemals Barmittel, denn Barmittel aufzubauen würde bedeuten, aus dem Markt auszusteigen. Meine Vorstellung ist es, für immer im Markt zu bleiben und Aktien abhängig von der fundamentalen Lage umzuschichten.«
(Peter Lynch)


▶ Zur Marktlage

Auch dieses Investor-Update steht noch einmal maßgeblich unter dem Einfluss der Corona-Pandemie, die uns alle, die Bürger, die Unternehmen und die Börsen vor große Herausforderungen stellt. Corona wird uns das ganze Jahr 2021 hindurch begleiten und unser Leben beeinflussen. Hoffnungen und Enttäuschungen werden dabei sein und auch die Börsenkurse treiben. Die Hoffnungen ruhen auf Impferfolgen, Tests und einer zunehmenden Herdenimmunität, was uns eine weitgehende Rückkehr zu unserem "normalen" Leben ermöglichen wird.

Die Notenbanken und Regierungen werden weiterhin viel Liquidität ins System pumpen und die "Inflation der Vermögenswerte" wird weitergehen. Für die Börsen sind das positive Aussichten und wir werden uns auf absehbare Zeit daran gewöhnen müssen, dass es eine größere Kluft zwischen realwirtschaftlicher Entwicklung und Börsenkursen geben wird - auch wenn die Konjunktur in 2021 und vor allem 2020 deutliche Zuwachsraten aufweisen dürfte. Es ist so viel Geld im Markt, das kaum Zinsrenditen findet, dass jeder Markteinbruch schnell wieder hochgekauft werden dürfte.

Ich erinnere zum wiederholten Mal an Stanley Druckenmillers weisen Rat:
»Nicht die Unternehmensgewinne beeinflussen den Gesamtmarkt, es sind die Notenbanken. Und deshalb konzentriere ich mich auf die Zentralbanken und auf die Entwicklung der Liquidität, während die meisten Leute auf die Gewinne und konventionelle Kennzahlen blicken. Aber es ist die Liquidität, die die Märkte bewegt.«
(Stanley Druckenmiller)
Die zuletzt aufflammenden Inflationssorgen halte ich für übertrieben. Denn die Inflation ist (1.) hausgemacht, da die deutliche staatliche Verteuerung der Verschmutzungszertifikate Energie teurer macht und (2.) Inflationsraten von 2% nun wahrlich kein "Oha-Erlebnis" sind. Zumal die Notenbanken auf einen mittelfristigen Inflationskorridor umgeschwenkt sind und nun von "durchschnittlich 2% Inflation" ausgehen als Steuerungselement. Nach Jahren mit weniger Inflation könnte diese also auch auf 3%, 4% oder gar 5% hochschnellen, ohne dass die Notenbanken (FED, EZB) sich hier im Handlungsnotstand sehen. Die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise, vor allem beim Öl, treiben die Inflationsrate zusätzlich in die Höhe, aber sofern der Ölpreis sich nun dauerhaft auf einem Niveau um die $75 einpendeln sollte, wäre der Effekt auf die Inflationsrate ab 2020... null. Die Preissteigerung war 2021, die Inflationsrate daher hoch. Einen weiteren Zuwachs würde es aber für 2020 ff. nicht geben. Und somit auch keinen Druck auf die Notenbanken, die Inflation (durch steigende Zinsen) zu bekämpfen.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Inflationsraten um die 2% wichtig sind für eine gesunde Wirtschaft. Sie entwertet das Geld nicht zu sehr, verhindert aber Deflation - also die Todesspirale, die aus sinkenden Preisen und damit einhergehender Kaufzurückhaltung und hieraus folgenden weiteren Preissenkungen herrührt.

Nun befinden wir uns in der zweiten Jahreshälfte und bald werden die Stimmen laut(er), die zum Verkauf von Aktien und vor einem Crash warnen. Die Saisonalität würde auf einen Börseneinbruch im September oder Oktober schließen lassen. Bullshit! Dieses Saisonmuster ist durch einige ganz wenige Ereignisse negativ geprägt, die zufällig in dieser Zeit stattgefunden haben. 1929, 1989 2008. Die große Crash als Auslöser der Weltwirtschaftskrise, der Zusammenbruch des Junk Bond-Marktes und dann die - von der US-Regierung bewusst in Kauf genommene - Lehman-Pleite. Ja, die haben jeweils im September/Oktober stattgefunden und das zieht diese Monate stark runter. Klammert man die Extrempunkte aber aus, wie es uns Carl Gauss mit seiner Normalverteilungskurve gelehrt hat, schneiden diese Monate auch nicht viel schlechter ab als andere. Unterm Strich machen Anleger auch hier ein Plus, aber ein kleineres als in anderen Monaten.

Erklärlich ist dies, weil die Unternehmen in den ersten beiden Quartalen zumeist positive Geschäftszahlen präsentieren können und das Übererfüllen der Prognosen zu Anhebung der Prognosen der Analysten führt. Und diese werden dann seltenen übererfüllt, was im dritten Quartal zu einer gewissen Ernüchterung und der Befürchtung führt, das Ende des Aufschwungs sei nun gekommen. Zum Jahresende hin blickt man dann bereits auf das nächste Jahr und erhofft sich wieder bessere Zahlen, so dass die Börse nicht selten eine Jahresendrallye sieht.

Man kann versuchen, diese Saisonalität zu timen, also zum richtigen Zeitpunkt aus- und wieder einzusteigen. Aus meiner Erfahrung klappt aber das selten bis gar nicht - man läuft eher den Kursen hinterher, weil man eben auch die falschen Werte verkauft. Also sollte man sich lieber auf die unternehmen konzentrieren, nicht auf ihren Aktienkurs oder gar den Gesamtmarkt. Oder wie Warren Buffett es ausdrückte: man sollte lieber auf das Spielfeld achten und nicht so sehr auf die Anzeigentafel.

Ich will damit nicht sagen, dass es im Spätherbst nicht zu einer Korrektur oder einem Crash an den Börsen kommen kann. Das weiß ich nicht und kann es nicht vorhersagen. Aber ich weiß, dass es nicht zwangsläufig so kommen muss, nur weil sich der September nähert und einige Anleger nervös werden. Crashs passieren vor allem dann, wenn Anleger sorglos sind und fast alle auf steigende Kurse setzen, ohne die Risiken im Blick zu haben. Wenn alle bzw. viele von einer Korrektur ausgehen, dann haben sie längst ihre Aktienquote runtergefahren oder sind ausgestiegen. Die Euphorie fehlt dem entsprechend und begrenzt damit das Rückschlagpotenzial. Und geben die Kurse dann doch mal stärker nach, stehen diese Anleger für Käufe bereit, was sich die Kurse meist schnell wieder erholen lässt. Also nicht ins Bockshonr jagen lassen und nicht vergessen: Crash-Propheten haben zehn der letzten drei Crashs korrekt vorhergesagt. ツ


▶ Mein Investmentdepot

Investmentdepot inkl. Cash per 30.06.2021
Ich setze vor allem auf ausgesuchte Qualitätsunternehmen mit breitem ökonomischen Burggraben und das führt zu soliden und meistens überdurchschnittlichen Ergebnissen. Wenngleich mit den "heißen Wetten" natürlich größere Kursgewinne eingefahren werden können, jedenfalls für eine gewisse Zeit und durch ein viel höheres Risiko erkauft. Daher nehmen solche spekulativeren Werte nur kleine Positionen in meinem Depot ein; dazu zählen Turnaround-Spekulationen wie auch potenzielle Tenbagger - für beide braucht man viel Geduld.

Neben den Quality Investments liegt mein Interessenschwerpunkt weiterhin auf Deutschen Nebenwerten und abgerundet wird das Ganze mit einigen aussichtsreichen Turnaround-Spekulationen; diese stehen allerdings nun unter besonderer Beobachtung, denn gerade bei ihnen hat sich der finanzielle Stress merklich erhöht! Darüber hinaus habe ich mich dazu entschieden, mir einige ausgesuchte deutsche Fintech-Hoffnungen ins Depot zu legen; diese haben das Zeug zu Tenbaggern zu werden, bergen aber gleichzeitig das Risiko, dass sie scheitern. Daher habe ich jeweils nur rund 1% meines Depotvolumens in die einzelnen Werte gesteckt (aifinyo, DEWB, Lloyd Fonds, Rubean). Bei weiter fortgeschrittenen Sektorwerten bin ich jedoch auch höher engagiert (Hypoport, Netfonds, JDC Group).

Angesichts der Corona-Pandemie und der sich immer schneller verändernden Welt muss man natürlich seine früher einmal gesetzten Prämissen überprüfen, weil die Krise auch die Rahmenbedingungen für viele Geschäftsmodelle prüft und teilweise infrage stellt. Und erkennt man, dass man nicht (mehr) richtig liegt mit seinen langfristigen Annahmen, dann muss man ggf. eben auch seine Positionierung korrigieren.

Ich folge dem Ansatz des Focus Investing und setze nur auf die besten Unternehmen. Des Weiteren halte ich eine signifikante Cash-Quote für renditevernichtend und bin damit stets zu mehr als 95% investiert (bezogen auf mein Investmentkapital).

Nun aber konkret zu den wesentlichen Veränderungen in meinem Investmentportfolio:



Die Gewichtung meiner Top 10-Werte hat sich von 58% auf fast 60% erhöht, bei den Top 5-Werten sind es 33% gegenüber zuvor 38%.

(Nur) fünf von zehn Werten blieben der TOP 10 erhalten; rausgefallen, aber allesamt weiterhin in meinem Depot enthalten, sind Coscto, Danaher, ABO Wind, 3U Holding, Deutsche Beteiligung.

Neuer Spitzenreiter ist Funkwerk, die ich im Frühjahr nochmals aufgestockt hatte und die dann ordentlich zugelegt haben. Dahinter folgen die vormaligen Spitzenwerte Energiekontor und MBB, die erneut die Plätze getauscht haben. Bei MBB habe ich ein paar Aktien verkauft zur Refinanzierung meiner neuen Apollo Global-Position.

Apollo Global Management und KKR
Die beiden Alternativen Asset Manager Apollo Global Management und KKR sind neu unter meinen Topwerten. Während KKR ein alter Bekannter ist, den ich "nur" aufgestockt habe, ist Apollo Global relativ frisch an Bord. Gerade als ich mit dem Gedanken spielte, KKR weiter aufzustocken, lief mir Apollo über den Weg. Denn auch Apollo verleibt sich gerade einen Rentenversicherer ein (Athene), was KKR vor einigen Monaten bereits getan hat (Global Atlantic), und das wird für beide zu einem "Game Changer". Ich habe das ausführlich hier (KKR) und hier (APO) dargelegt. Bei APO gibt es allerdings noch zwei zusätzliche Trigger: neben der Komplettübernahme von Athene führt man Anfang 2020 die drei unterschiedlichen Aktiengattungen zu einer zusammen und dadurch wird man S&P 500-Anwärter. Und zwar im Mittelfeld, so dass eine Aufnahme mehr als wahrscheinlich ist. Mit entsprechender Nachfrage nach APO-Aktien seitens Indexfonds und institutioneller Anleger. Zudem hatte APO zuletzt mit Querelen rund um Gründer und (nun Ex-) CEO Leon Black zu kämpfen, doch der hat sich aus dem Unternehmen zurückgezogen - und die Vorwürfe sind inzwischen auch entkräftet worden. Im Peergroup-Vergleich blieb APO aber im letzten Jahr deutlich zurück und aus dieser Gemengelage heraus habe ich anstelle KKR aufzustocken dann APO zusätzlich gekauft. Und relativ schnell auf die gleiche Positionsgröße wie KKR aufgestockt. Seitdem hat der Kurs sich besser entwickelt als der von KKR und daher rangiert APO nun weiter oben in meiner TOP 10. Ach so... APO wird auch bei der Dividendenpolitik KKR folgen und von den üppigen, aber schwankenden Quartalsdividenden auf vierteljährlich niedrigere, aber konstante Ausschüttungen umstellen. Was mir sehr entgegen kommt, denn die sollen ihr Geld lieber in neue lukrative Deals investieren.

Mutares hat nach der üppigen Dividendenausschüttung Federn lassen müssen. Operativ läuft es weiter hervorragend und man will durchschnittlich einen Deal pro Monat abschließen. Das gegenwärtige Wirtschaftsklima bietet Mutares beste Chancen und daher habe ich den Wert so hoch gewichtet. Ich sehe hier noch deutliches Wert- und Kurssteigerungspotenzial auf mittlere Sicht.

SBF ist wieder zurück in meiner Top 10. Meine frühere Turnaroundspekulation ist operativ weiter voll in der Spur. Der Aktienkurs war allerdings etwas enteilt und dann lastete monatelang die Spekulation über eine mögliche Kapitalerhöhung auf dem Kurs. Ich hatte aus beiden genannten Gründen rund die Hälfte meines Aktienbestand veräußert und als dann die Kapitalerhöhung erfolgte, meinen Bestand wieder aufgestockt. Auf dem KE-Niveau verharrt die Aktie seit einigen Wochen, aber das bereitet mir keine Sorgen. Das ist oft so nach Kapitalerhöhungen mit Bezugsrecht, bis dann die frischen Gelder sinnvoll investiert werden und damit auch der Kurs wieder ins Laufen kommt. Spätestens gegen Ende des Jahre sollte hier wieder die Luzie abgehen...

Green Energy: ABO Wind vs. Deutsche Rohstoff
Energiekontor bleibt mein Sektor-Top Pick. Dennoch habe ich hier, wie auch bei ABO Wind, einen Teil meiner Position verkauft und in Aktien der Deutsche Rohstoff AG getauscht. Das viele Geld, das in den GreenTech-Sektor fließt, während die großen Öl-Multis ihre Investitionen in neue Förderstätten drastisch reduzieren, obwohl die Nachfrage nach Öl (und Gas) noch für viele Jahren steigen bzw. hoch bleiben wird, dürfte den Ölpreis tendenziell eher nördlich von $75 halten als darunter. Die Deutsche Rohstoff AG (gehört im weiteren Sinne ja auch zu meinen "Lieblingen", den Beteiligungsgesellschaften) sollte hiervon mittelfristig deutlich profitieren und auch von ihrem großen Wolfram-Engagement (Almonty). Ich hatte kürzlich meinen Investmentcase hier ausführlicher dargelegt.

Nynomic
Nachdem sich der Photonics-Spezialist Nynomic im November frisches Kapital besorgt hatte, kaufte man inzwischen zu und hat 51 Prozent der Anteile der Image Engineering GmbH & Co. KG übernommen. Damit bekommt man einen Fuß in den wachstumsstarken Markt der Kalibriertechnik für Multisensorsysteme. Die Akquisition stellt eine sinnvolle Erweiterung von Nynomics Produktpalette dar und bietet Synergien innerhalb des Konzerns sowie vielversprechende Wachstumsperspektiven in neuen Segmenten.

Darüber hinaus hat Nynomic kürzlich mit Novartis, einem global führenden Pharmaunternehmen aus der Schweiz, eine langjährige Partnerschaft geschlossen, um die Aufdeckung und Meldung von gefälschten Medikamenten weltweit zu beschleunigen. Die gemeinsam erstellte Lösung ermöglicht erstmals die weltweite und mobile Analyse von Tabletten von Novartis bei Verdachtsfällen in der gesamten Liefer- und Abgabekette. Mit dem Handheld-Gerät -NIRONE- von Nynomic und den für jede Tablette in der Cloud gespeicherten Datenmodellen können nun entsprechende Authentifizierungen vor Ort in kürzester Zeit und ohne direkte Prozesskosten durchgeführt werden. Nynomic liefert die dafür notwendigen Handscanner, die App und die Cloud-Infrastruktur und unterstützt bei der Erstellung der Datenmodelle. Darüber hinaus wird Nynomic zukünftig die Pflege und Wartung der Infrastruktur und die kontinuierliche Erweiterung und Aktualisierung der Datenmodelle als Dienstleistung übernehmen.

Umsatz und Ergebnis legten deutlich zu und die Prognosen dürften in der zweiten Jahreshälfte angepasst werden (müssen). Die Rolandstädter aus meiner Heimstadt Wedel (auch eine Beteiligungsgesellschaft!) bedienen mehre Zukunftstrends und erschließen sich über strategisch sinnvolle Akquisitionen weitere Zukunftsmärkte. Ich habe daher meinen Bestand zwischenzeitlich weiter aufgestockt und zusammen mit dem Ausbruch auf neue Allzeithochs spülte dies Nynomic - verdientermaßen - in meine Top 10.

Softbank Group
Nachdem Softbank Group für 2020/21 mit $37,8 Mrd. den höchsten Jahresgewinn ausgewiesen hat, den jemals ein japanisches Unternehmen verzeichnete (Artikel hier), war erstmal die Luft raus und der Kurs gab um über 25% ab. Das hat gleich mehrere Gründe: (1.) sackte der Kurs der größten Beteiligung Alibaba (26%) deutlich ab, nachdem in China immer stärkere regulatorische Würgegriffe angewendet werden, und (2.) sorgte die heftige Korrektur bei Wachstumswerten für eine negative Einschätzung des Marktes in Bezug auf das Portfolio an Startups in Softbanks Vision Funds für Abgabedruck sowie die Pleite der Greensill Bank, bei der Softbank Group zu den Finanziers gehörte.

Ich habe meinen Bestand nach dem Kurseinbruch aufgestockt. Der Kurs notiert bei nur rund der Hälfte seines NAV. Softbank Group hat ordentlich Cash in der Tasche, reduziert seine Verschuldung signifikant und investiert fleißig in neue Ventures/Startups (über seinen SB Vision Funds 2) mit Schwerpunkt KI. Auf der Hauptversammlung sagte Gründer und CEO Masayoshi Son, Softbank sein kein Ventures Capitalist, sondern ein Vision Capitalist. Das trifft es ziemlich genau. Man investiert viel Geld in aufstrebende Startups (wie 2000 in Alibaba) und führt diese auch dadurch zum Erfolg. Dabei ist es nur normal, dass einige dieser Ventures scheitern und das Geld verloren ist. Aber diejenigen, die sich durchsetzen, bringen eine sehr viel höhere Rendite ein, als die wenigen Verlustbringer kosten.

Beim aktuellen IPO- und SPAC-Boom ist Softbank Group voll mit am Start. Wer möchte, kann ja mal googeln: Doordash (SBVF1: 18,7%), Coupang (SBVF1: 36,5%), Didi (SB und SBVF1: 21,5%), Dingdong, Full Track Alliance (SBVF1: 20%, für $1 Mrd. eingekauft), aber auch Grab und Uber (SBVF1: 9,84%). Des Weiteren war der Softbank Vision Funds 1 beteiligt an Auto1, Opendoor, Slack.

Mit WeWork hat man ordentlich Geld versenkt, aber auch dieses Unternehmen scheint einen erfolgreichen Turnaround hinzulegen und an die Börse zu streben.

Besser liefe es mit Boston Dynamics, wo Softbank ebenfalls einen fetten Gewinn eingefahren hat. Hyundai kaufte 80% bei einer Bewertung von $1,1 Mrd, während Softbank vor vier Jahren für 100% lediglich $100 Mio. an Alphabet zahlte.

Softbank Group hält darüber hinaus 8,52% an T-Mobile US, 25% am SB Vision Funds 1, 100% am SB Vision Funds 2, 40% an Softbank Corp (Japan. Telekomanbieter), 32,65% an Z Holdings (früher Yahoo Japan + Line Corp.) - und natürlich 26% an Alibaba Group.

Des Weiteren einigte sich Softbank Group bereits vor einigen Monaten mit Nvidia über die Übernahme von Softbanks Tochter ARM. Der Kaufpreis liegt bei $40 Mrd., welche in Nvidia Aktien zu einem Preis von $485 bezahlt werden. Aufgrund der Prüfung der Wettbewerbshüter zieht sich diese Übernahme allerdings nun schon etwas hin und der Nvidia-Kurs liegt inzwischen bei rund $820, so dass Softbank bald Aktien von Nvidia im Wert von $67 Mrd. erhalten könnte!

Auch Softbanks Investment in die TikTok-Mutter Bytedance dürfte sich stark auszahlen. Ende 2018 war man bei einer Bewertung von $75 Mrd. eingestiegen und nach Ende der Tech-Korrektur dürfte deren Bewertung inzwischen eher bei $500 Mrd. liegen.

Der Gewinnausweis von Softbank hängt an der Börsenentwicklung, weil dort die Kurs-/Wertveränderungen voll in die GuV einfließen (müssen); der ist aber nicht entscheidend. Wie bei Beteiligungsgesellschaften üblich, sollte man sich auf den Wert des Beteiligungsportfolios konzentrieren. Und der ist etwa doppelt so hoch wie der Kurs der Aktien. Zumal Softbank die früher hohe Verschuldung signifikant reduziert hat. Einerseits durch Schuldentilgung und dann auch durch die (Teil-) Verkäufe von Beteiligungen, die früher voll in Softbanks eigener Bilanz konsolidiert wurden. Besonders Sprint (an T-Mobile US verkauft) und Softbank Corp. schlugen hier mit hohen Schulden zubuche, die nun aus der Softbank-Bilanz verschwunden sind. Gleichzeitig fließt viel Geld zurück ins Unternehmen durch die Verkäufe und IPOs. Die erfolgreichen Exits pimpen den Wert des/der Vision Funds, aus denen Softbank Management- und Performance-Fees erhält.

Wer davon überzeugt ist, dass unsere Zukunft von Künstlicher Intelligenz geprägt ist, von autonomen Fahren, Onlinehandel, Digital Payments und dass diese Märkte noch nicht vollständig verteilt sind, sondern sich hier agile Startups ihren Platz erobern können, der muss sollte die Softbank Group als Investment ins Auge fassen.

Der Kurs hat auch darunter gelitten, dass Softbank seine massiven Aktienrückkäufe zuletzt ausgesetzt hatte. Ich denke aber, dass sich dies bald wieder ändern wird. Denn die Aktien sind einfach zu günstig und durch die Aktienrückkäufe könnte ein großer Mehrwert für die Aktionäre geschaffen werden. Zumal das Unternehmen auch über ordentlich Cash verfügt, um neue aussichtsreiche Investments in Startups/Ventures zu tätigen.


▶ Meine Wikifolios

Seit dem 19. Dezember 2020 kann in meine beiden Wikifolios "Kissigs Quality Investments" und "Kissigs Nebenwerte Champions" investiert werden und ich widme mich ihnen in meinem noch relativ neuen Format "Performance-Update", in dem ich künftig immer zum Monatsende die Entwicklung der Börsenindizes, meiner Wikis und meines Net Worth berichten werde.

Sehr erfreulich: Beide Wikis notieren aktuell auf ihrem Allzeithöchststand und haben damit für die Anleger Rendite erwirtschaftet.

Bei Interesse an meinen Wikis einfach hier mal hier reinschauen: Mein Wikifolio-Profil.


▶ Meine Cash-Quote

Wie ich vor einiger Zeit ausführlich erläutert habe, bin ich inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass eine hohe Cash-Quote langfristig mehr Rendite kostet, als wenn man annähernd voll investiert ist und dann auch bei Kursstürzen voll aufs Brett kriegt. Man muss dann eben "nur" die Ruhe bewahren. Meine Cash-Quote lag Ende des 2. Quartals wieder bei lediglich knapp 1%.


▶ Mein Net Worth

Entscheidend ist am Ende natürlich immer, "was hinten raus kommt", wie Altkanzler Helmut Kohl es mal formulierte. Nachdem mein operativer Net Worth (YTD) Mitte Februar bereits mit 17% im Plus gelegen hatte (und damit sogar noch stärker zugelegt hatte als in 2020 bis zu diesem Zeitpunkt), stürzte er bis Ende März ab. Auch das ist eine Parallele zum Vorjahr, allerdings gab es keinen Einbruch auf -16%, sondern lediglich auf +5,9% (YTD). Damit haben die Parallelen noch kein Ende, denn das zweite Quartal brachte eine deutliche Erholung, wie schon 2020. Doch während ich in 2020 Ende Juni 8,5% Plus zu verzeichnen hatte, sind es in diesem Jahr sogar 14,5% (YTD).

Sollte sich dies über die nächsten beiden Quartale fortsetzen, wäre ich sehr zufrieden, denn meine angepeilte durchschnittliche Jahresperformance liegt ja bei 15%. Dabei kann ein Ausnahmeergebnis wie die 37,37% aus 2020 natürlich nicht in jedem Jahr eingefahren werden, das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Ansonsten würde man hier einem dummen Fehler aufsitzen, einem sog. Ankereffekt. Wegen der dann viel zu hohen Erwartungen, die fast zwangsläufig enttäuscht werden müssen, steigt der Druck, sich auf höhere Risiken einzulassen, um die Performance zu pushen. Was meistens in Verlusten endet, weil Chancen und Risiko keine Waisen sind, sondern Zwillinge und immer im Doppelpack auftauchen. Und nur, weil man den einen mal eine Zeit lang nicht wahrnimmt, heißt das nicht, dass er nicht doch da ist und sich irgendwann Geltung verschafft.

Also lieber einen vergleichsweise langweiligen, aber steigen Wertzuwachs als zu schnelles Auf und Ab mit größeren Abstürzen, oder...? ツ

Disclaimer: Die meisten der genannten Werte befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.

8 Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    ist der Einstieg in der Apollo Global Management nicht über die Athene Aktie günstiger, oder übersehe ich andere Risiken?
    Gruß
    Konstantin

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    1. Richtig, wenn man sich Athene-Aktien ins Depot legt, bekommt man (vermutlich im Januar 2022) 1,149 Apollo Global-Aktien ins Depot. Daraus ergibt sich eine Arbitragechance von etwas über 5%. Das Risiko dabei ist, dass der Deal natürlich erst dann zu 100% sicher ist, wenn er vollzogen wurde. Bis dahin kann auf dem Weg theoretisch noch etwas schief gehen und das preist der Markt mit der Differenz ein. Muss man sich als Anleger überlegen, wie man das Chance-Risiko-Verhältnis einstuft für diese zusätzlichen 5% Rendite (bzw. bei einer erwarteten Dauer von 6 Monaten bis Vollzug wären es ja auf ein ganzes Jahr gerechnet sogar 10% Zusatzrendite).

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    2. Ich bin das Risiko eingegangen, schließlich ist Athene aktuell(auch im Vergleich zu anderen Versicherungen) auch unabhängig von Apollo mMn weiterhin sehr günstig bewertet.

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  2. Hallo Michael,
    Wo stehen denn Deine Investments in Amazon, Adobe, Microsoft, Apple, DIC Asset, Mastercard und Lang u Schwarz ? Hast Du die alle jeweils deutlich reduziert um die Top 10 stärker zu Gewichten? So viel an „Rest Depotanteil“ bleibt ja nicht mehr übrig 😉
    Danke für Deinen Einblick!
    Gruß
    Martin

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    1. Moin Martin,
      die von Dir genannten Werte sind bei mir weniger stark gewichtet als früher. Ich habe eine ganze Reihe mit Gewichtungen von 2,5% bis 3% im Depot.

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  3. Matthias Herrmann09.07.21, 11:42

    Hallo Michael, ich verfolge lange Zeit deinen tollen Blog. Zu Hypoport habe ich eine gute Analyse gefunden und hoffe du stellst sie mit ein. Gruß Matthias

    https://www.aktieninvestor.net/post/hypoport-aktie-kursziel-analyse

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  4. Hi Michael,

    wo würdest Du heute nachkaufen wenn Du zwischen Energiekontor und Dt. Rohstoff entscheiden müsstest?

    Beste Grüße,
    Tom

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    1. Energiekontor würde ich der DRAG vorziehen und habe sie auch viel stärker gewichtet in meinem Depot. Die DRAG sehe ich als interessante, aber auch Rohstoffzyklus getriebene, Beimischung; Energiekontor als mittel- und langfristigen Megatrendprofiteur.

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