Samstag, 11. September 2021

Howard Marks warnt vor Bottom-Fishing, denn es verhindert erfolgreiches Investieren

Das sog. Bottom-Fishing ("den Grund abfischen") ist eine Auswahlmethode für Wertpapiere, bei der besonders stark abgestürzte Wertpapiere auf die Anzeichen einer Bodenbildung hin abgeklopft werden, um dann einzusteigen und den erwarteten Wiederanstieg mitzunehmen. Bottom-Fishing basiert auf der Annahme, dass die Kurserholung der wirtschaftlichen Erholung des zugrunde liegenden Unternehmens voraus läuft und sich deshalb am Boden günstige Einstiegschancen finden. Doch wann der Boden wirklich erreicht ist, lässt sich immer erst in der Rückschau erkennen, weshalb Star-Investor Howard Stanley Marks Anlegern dringend vom Bottom-Fishing abrät - jedenfalls wenn sie erfolgreich investieren wollen...

»Der Tiefstpunkt ist an dem Tag erreicht, bevor der Kurs anfängt zu steigen. Aber woher weiß man das? Der Tiefstpunkt ist nur im Nachhinein zu erkennen. Man weiß, wann man ganz unten ist; aber man habt möglicherweise das Gefühl, dass etwas billig ist, und wenn es billig ist, sollten man es kaufen. Wenn es noch weiter sinkt, dann war das nicht der Tiefstpunkt, dann kauft man etwas mehr und behält die Nerven.«
(Howard Stanley Marks)
Der Versuch, den günstigsten Kurs abzupassen und ausschließlich dann zu kaufen, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Die Kurse sind Emotionen, ein Gradmesser für die vorherrschende Stimmungslage, aber kein verlässlicher Indikator. Und wenn es doch einmal gelingt, beim Einstieg wirklich den tiefsten Punkt zu erwischen, ist es eher Glück als Können. Kein Wunder also, dass  Howard Marks nichts von Bottom-Fishing hält.
»Das alte Sprichwort lautet: 'Das Vollkommene ist der Feind des Guten'. Das Warten auf den Tiefstpunkt kann Anleger davon abhalten, gute Käufe zu tätigen. Das Ziel des Anlegers sollte sein, eine große Anzahl guter Käufe zu tätigen, nicht nur einige wenige perfekte. (...) Es wäre lähmend, darauf zu bestehen, nur zum Tiefstkurs zu kaufen und nur zum Höchstkurs zu verkaufen. (...) Ich bin der Meinung, dass Bottom-Fishing Torheit ist.«
(Howard Stanley Marks)
Marks setzt stattdessen lieber auf günstige Einstiegskurse. Und die finden sich nicht nur am tiefsten Punkt, sondern immer dann, wenn der Wert eines Assets über dem seines Preises liegt - Value Investing basiert genau auf diesem Prinzip. Es kommt eben nicht darauf an, unbedingt den tiefsten Kurs zu erwischen, sondern einen attraktiven, einen günstigen.
»Was sollten also dann die Kriterien des Anlegers sein? Die Antwort ist einfach: Wenn etwas billig ist - basierend auf dem Verhältnis zwischen Preis und innerem Wert - sollte man kaufen, und wenn es noch billiger wird, sollten man mehr kaufen.«
(Howard Stanley Marks)
Diese Erkenntnisse gleichen einem anderen Erfolgskonzept, dem Pareto-Prinzip. Es ist benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923) und wird auch 80-20-Regel genannt. Es besagt, dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Gesamtaufwandes erreicht werden und die verbleibenden 20% der Ergebnisse erfordern 80% des Gesamtaufwands. Die logische Schlussfolgerung hieraus ist, dass man sich auf das Wesentliche, das Erfolgversprechendste konzentrieren sollte! Mit möglichst wenig Aufwand viel erreichen und sich nicht verzetteln, indem man enorme Kraftanstrengungen auf die letzten 20% verschwendet!

Angewandt auf das Value Investing bedeutet es, nicht auf die perfekte Gelegenheit zu warten, weil man dabei (zu) viele hervorragende Chancen verpasst, sondern man sollte bei diesen herausragenden Gelegenheiten zugreifen. Verzichte auf die letzten 20% auf dem Weg zur Perfektion, um mit den 80% die große Rendite einzufahren. Einfach clever(er)...!

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