Freitag, 10. April 2020

Howard Marks warnt vor Bottom-Fishing, denn es verhindert erfolgreiches Investieren

Bottom-Fishing ("den Grund abfischen") ist eine Auswahlmethode für Wertpapiere, bei der besonders stark abgestürzte Wertpapiere auf die Anzeichen einer Bodenbildung hin abgeklopft werden, um dann einzusteigen und den erwarteten Wiederanstieg mitzunehmen. Bottom-Fishing basiert auf der Annahme, dass die Kurserholung der wirtschaftlichen Erholung des zugrunde liegenden Unternehmens voraus läuft und sich deshalb am Boden günstige Einstiegschancen finden. Doch wann der Boden wirklich erreicht ist, lässt sich immer erst in der Rückschau erkennen, weshalb Star-Investor Howard Stanley Marks Anlegern dringend vom Bottom-Fishing abrät - jedenfalls wenn sie erfolgreich investieren wollen...

»Der Tiefstpunkt ist an dem Tag erreicht, bevor der Kurs anfängt zu steigen. Aber woher weiß man das? Der Tiefstpunkt ist nur im Nachhinein zu erkennen. Man weiß, wann man ganz unten ist; aber man habt möglicherweise das Gefühl, dass etwas billig ist, und wenn es billig ist, sollten man es kaufen. Wenn es noch weiter sinkt, dann war das nicht der Tiefstpunkt, dann kauft man etwas mehr und behält die Nerven.«
(Howard Stanley Marks)
Der Versuch, den günstigsten Kurs abzupassen und ausschließlich dann zu kaufen, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Die Kurse sind Emotionen, ein Gradmesser für die vorherrschende Stimmungslage, aber kein verlässlicher Indikator. Und wenn es doch einmal gelingt, beim Einstieg wirklich den tiefsten Punkt zu erwischen, ist es eher Glück als Können. Kein Wunder also, dass  Howard Marks nichts von Bottom-Fishing hält.
»Das alte Sprichwort lautet: 'Das Vollkommene ist der Feind des Guten'. Das Warten auf den Tiefstpunkt kann Anleger davon abhalten, gute Käufe zu tätigen. Das Ziel des Anlegers sollte sein, eine große Anzahl guter Käufe zu tätigen, nicht nur einige wenige perfekte. (...) Es wäre lähmend, darauf zu bestehen, nur zum Tiefstkurs zu kaufen und nur zum Höchstkurs zu verkaufen. (...) Ich bin der Meinung, dass Bottom-Fishing Torheit ist.«
(Howard Stanley Marks)
Marks setzt stattdessen lieber auf günstige Einstiegskurse. Und die finden sich nicht nur am tiefsten Punkt, sondern immer dann, wenn der Wert eines Assets über dem seines Preises liegt - Value Investing basiert genau auf diesem Prinzip. Es kommt eben nicht darauf an, unbedingt den tiefsten Kurs zu erwischen, sondern einen attraktiven, einen günstigen.
»Was sollten also dann die Kriterien des Anlegers sein? Die Antwort ist einfach: Wenn etwas billig ist - basierend auf dem Verhältnis zwischen Preis und innerem Wert - sollte man kaufen, und wenn es noch billiger wird, sollten man mehr kaufen.«
(Howard Stanley Marks)
Diese Erkenntnisse gleichen einem anderen Erfolgskonzept, dem Pareto-Prinzip. Es ist benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923) und wird auch 80-20-Regel genannt. Es besagt, dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Gesamtaufwandes erreicht werden und die verbleibenden 20% der Ergebnisse erfordern 80% des Gesamtaufwands. Die logische Schlussfolgerung hieraus ist, dass man sich auf das Wesentliche, das Erfolgversprechendste konzentrieren sollte! Mit möglichst wenig Aufwand viel erreichen und sich nicht verzetteln, indem man enorme Kraftanstrengungen auf die letzten 20% verschwendet!

Angewandt auf das Value Investing bedeutet es, nicht auf die perfekte Gelegenheit zu warten, weil man dabei (zu) viele hervorragende Chancen verpasst, sondern man sollte bei diesen herausragenden Gelegenheiten zugreifen. Verzichte auf die letzten 20% auf dem Weg zur Perfektion, um mit den 80% die große Rendite einzufahren. Einfach clever(er)...!

Kommentare:

  1. Hallo Michael, toller Artikel. Wie schätzt du nach den gestrigen News die neue Situation für BDC´s ein das Geld wird ja nun förmlich von allen zu Ihnen hin getragen damit sie es dem Mittelstand zur Verfügung stellen....https://seekingalpha.com/news/3559659-sec-gives-bdcs-temporary-relief-in-making-smb-investments. Die Entscheidung der Fed noch mehr Geld dem Mittelstand zur Verfügung zu stellen tut doch ihr übriges...Hier noch eine weitere News..https://seekingalpha.com/news/3556670-ares-capital-upsizes-revolving-credit-facility-to-3_6b. Schöne Feiertage und Herzliche Grüße. Bleibt Gesund !

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    1. Diese neuen Förder- bzw. Kreditprogramme erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Small Businesses die Krise überleben. Dennoch werden viele auf der Strecke bleiben; wer vorher schon nur knapp über die Runden kam, ist trotzdem am Ende. Und das wird sich auch in den Bilanzen und Ergebnissen der BDCs niederschlagen, massiv. Viele Unternehmen werden eine Umstrukturierung benötigen und das geht nunmal mit Verlusten für die Gläubiger und/oder die Anteilseingner einher. Kleine und mittlere Unternehmen sind in Krisen immer diejenigen, die es am härtesten trifft und die am längsten brauchen, um sich wieder zu erholen. Und wir befinden uns gerade mal in Woche vier der Krise (in den USA). Ich denke, dass das Ausmaß noch gar nicht abzusehen ist, auch für die BDCs nicht. Daher kann man keine seriöse Einschätzung vornehmen und/oder einen validen Investmentcase aufbauen. Wenn die Erholung - irgendwann - in der breiten Wirtschaft ankommt, dann werden BDCs wieder sehr interessant...

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  2. In Zeiten wie diesen scheint es mir vor allem wichtig, auf gesunde Unternehmen zu setzen mit hohem free Cashflow und überschaubarer Verschuldung. Im schlimmsten Fall geht ein Unternehmen insolvent, und damit der Invest.
    Soll (für mich) heissen, dass man mit den gängigen Dickschiffen wie Mastercard VISA Apple Amazon kaum falsch liegen kann, und auf lange Sicht eh nicht. Sind grad eher günstige Kaufkurse gewesen und kein Weltuntergang.

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    1. Ist auch meine Einschätzung. Natürlich trifft es MasterCard/VISA, wenn keine Reisen gebucht werden, keine Hotels gezahlt werden und wenn viele Leute arbeitslos werden. Aber es zerstört nicht das Geschäftsmodell, es reduziert aber vernichtet nicht die Cashflows. Auch Amazon wird Einbußen hinnehmen müssen, aber in anderen Bereichen legt man zu und unterm Strich profitieren MA/V und Amazon/Microsoft, weil insgesamt mehr Geschäftsvolumen Richtung Digital Payment, Cloud, Software, Onlinehandel fließt. Und auch Apple wird heftige Einbrüche erleben bei den Geräteverkäufen, weil die Shops geschlossen sind, aber im Bereich der Services wird sich der Umsatz deutlich erhöhen. Das wird auch so bleiben, während sich die Verkaufszahlen wieder erholen werden, sobald der Lockdown zurückgefahren wird. Die Frage ist, wie viel negativer Erwartungen bereits eingepreist ist in den aktuellen Kursen - das wissen wir erst im Nachhinein. Daher ist es nicht sinnvoll, auf den Tiefstkurs zu warten, sondern lieber darauf zu setzen, die Aktien zu einem sehr günstigen Kurs einzusammeln. Und dann abzuwarten, bis sie ihren Wachstumspfad wieder aufnehmen.

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