Montag, 23. November 2015

Aurelius übernimmt (sich nicht)

Bei der Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius geht es Schlag auf Schlag: nachdem kürzlich erst ein zweiter Verkauf einer Hotelimmobilie mit einem zweistelligen Ergebnisbeitrag vermeldet werden konnte, wurden innerhalb weniger Tage gleich drei neue Übernahmen bekanntgegeben.

Zum Ersten: Kauf der Sparte "Trade" der Schweizer Valora Group
Aurelius erwarb die Valora Trade Sparte der Valora Holding AG, einem europaweit agierenden unabhängigen Handelsunternehmen aus Basel. Valora Trade (VTR) ist ein exklusiver Distributor für Fast Moving Consumer Goods (FMCG) im großflächigen Einzelhandel und zählt rund 300 namhafte Food- und Non-Food-Markenartikel zu seinen Kunden. Als langfristiger Partner öffne VTR seinen Kunden und Geschäftspartnern einen regionalen Marktzugang für FMCG Produkte und bietet zusätzlich umfassende maßgeschneiderte Serviceleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette - von Marktforschung und Großkundenmanagement über Handelsmarketing und Spartenmanagement bis hin zu Einkauf, Logistik, Lagerhaltung und Point-of-Sale Serviceleistungen. Für das Unternehmensportfolio von AURELIUS im Bereich Konsumgüter / Food & Beverage sei Valora Trade eine attraktive Ergänzung. Mit seinen neun Niederlassungen in sieben europäischen Ländern hat VTR Zugang zu mehr als 120 Millionen Verbrauchern.

Zum Zweiten: Kauf des Cloud-Geschäfts von Colt
Aurelius übernahm das Cloud-Geschäft CMC (Colt Managed Cloud) der Colt Group S.A. Nach Abschluss der Transaktion wird Aurelius CMC in seine ICT-Servicetochter Getronics integrieren, um deren europäisches Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Darüber hinaus wurde eine langfristige strategische Partnerschaft zwischen Getronics und Colt vereinbart, durch die Getronics seine Cloud-Dienste auch Kunden von Colt anbieten sowie das Rechenzentrum und Netzwerk von Colt nutzen kann. CMC ist ein europaweit führender Anbieter von Cloud- und Hosting-Serviceleistungen. Das Unternehmen hat eine solide Basis langfristiger Kundenverträge mit etwa 600 renommierten Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie Finanzdienstleistungen und Medien. CMC plant für das laufende Geschäftsjahr 2015 einen Gesamtumsatz von rund 77 Mio. Euro und unterhält Rechenzentren und Support-Einrichtungen in zehn Ländern: Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Spanien, Italien, den Niederlanden, der Schweiz, Rumänien und Indien

Zum Dritten: Kauf der Reuss-Seifert & Hammerl Gruppe
Aurelius erwirbt die Geschäftsaktivitäten der Reuss-Seifert & Hammerl Gruppe, einem führenden europäischen Hersteller von Abstandhaltern aus Kunststoff, Stahl und Beton und Baufolien sowie anderen Verbrauchsmaterialien für die Beton verarbeitende Industrie. Mit seinen mehr als 300 hochqualifizierten Mitarbeitern erwirtschaftete Reuss-Seifert & Hammerl im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Reuss-Seifert hat seinen Sitz im nordrhein-westfälischen Sprockhövel und Hammerl in Gemmrigheim bei Stuttgart. Die Gruppe verfügt über insgesamt sechs Produktionsstandorte (fünf davon in Deutschland und einer in Polen) sowie zwei weitere Standorte in Deutschland und Tschechien. Der Großteil der Umsätze wird mit Kunden innerhalb Deutschlands, den Benelux-Staaten, Skandinavien, Frankreich, Österreich und der Schweiz erzielt. Als Anbieter von Verbrauchsmaterialien und Zubehörteilen im Bereich Betonbau stellt die Reuss-Seifert & Hammerl Gruppe eine attraktive Plattform dar, um mit neuen Produkten sowohl bestehende Märkte weiter zu durchdringen als auch neue zu erschließen.

 Aurelius (Quelle: comdirect.de)
Meine Einschätzung
Bei Vorlage der Halbjahreszahlen war bereits absehbar, dass Aurelius auf ein weiteres Rekordergebnis zusteuern würde und die jüngste Vorlage der 9-Monatszahlen untermauerte diese Ambitionen eindrucksvoll. So konnte den Konzern-Gesamtumsatz in den ersten neun Monaten 2015 um 22 Prozent auf 1.440,6 Mio. EUR erhöht werden (Q1-Q3 2014: 1.177,7 Mio. EUR) und auf annualisierter Basis wurde ein noch deutlicheres Umsatzplus von 29 Prozent auf 2.165,2 Mio. EUR erzielt (Q1-Q3 2014: 1.680,0 Mio. EUR). Der operative Ergebnisbeitrag der Aurelius-Konzernunternehmen lag mit 95,4 Mio. EUR um 23 Prozent über dem Vorjahreszeitraum (Q1-Q3 2014: 77,5 Mio. EUR).

Der Net Asset Value der Konzernunternehmen konnte im Vergleich zum Geschäftsjahresende 2014 um 6,8 Prozent auf 1.228,8 Mio. EUR gesteigert werden (31. Dezember 2014: 1.150,6 Mio. EUR). Dabei gehen vier Portfolio-Unternehmen noch mit ihrem ursprünglichen Kaufpreis in den NAV ein, da diese erst in den letzten sechs Monaten erworben wurden. Auf Grund der erfolgreich angelaufenen operativen Neuausrichtung dürfte es hier zu Aufwertungen bei der nächsten Bewertung zum Jahresende kommen.

Die weiteren Zukäufe dürften den positiven Trend noch verstärken, denn der Gewinn liegt bei dem Aurelius-Geschäftsmodell oft bereits im Einkauf. Und zwar wörtlich, denn durch die "Bargain Purchases" bekommt Aurelius bereits bei Übernahme neuer Töchter des Öfteren eine schöne Mitgift, die sich in den Gewinnen desselben Jahres sofort widerspiegelt. Der zweite, größere Gewinn wird dann nach durchschnittlich 5 Jahren erzielt, wenn Aurelius die umstrukturierten und neu positionierten Töchter wieder an den Mann bringt und hier hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital einfährt. Und damit ist man seit Jahren äußerst erfolgreich und konnte bisher das eingesetzte Kapital im Durchschnitt verneunfachen.

Der Aktienkurs notiert nahe seinen Allzeithochs (wenn man die Dividendenausschüttung von 2 Euro im Sommer berücksichtigt) und das hat auch gute Gründe. Aurelius befindet sich weiterhin auf meiner Empfehlungsliste und als zweitgrößte Position in meinem Portfolio. Ich hatte jüngst meinen Aktienbestand weiter aufgestockt und auch Aurelius selbst kauft weiter fleißig eigene Aktien zurück. Einem weiteren Anstieg des Unternehmenswertes und damit korrespondierend des Aktienkurses sollte nichts im Wege stehen.

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