Montag, 23. November 2015

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2015?

Warren Buffett, der gerne auch "Orakel von Omaha" genannte Value Investor musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von 100 Mio. USD ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 3. Quartal 2015
Auch im dritten Quartal gab es nur wenige Veränderungen an Buffetts Positionen, allerdings hat es eine Veränderung in sich und bringt es aus dem Stand heraus auf Platz 2 seiner größten Beteiligungen: The Kraft Heinz Co. Und die Übernahme von Kraft Foods durch Buffetts Beteiligung Heinz Ketchup hat zusätzlich positive steuerliche Auswirkungen, die Buffett einen Rekord-Quartalsgewinn von 9,43 Mrd. USD beschert hatten. Doch der Reihe nach...

Als erstes fällt auf, dass er zwei größere Beteiligungen reduziert hat, Walmart und Goldman Sachs. In einem Interview erläuterte Buffett, dies habe als Grund ausschließlich, dass er für die kürzlich angekündigte 37-Milliarden-Übernahme von Precision Castparts liquide Mittel benötigen würde. So veräußerte er 13 Prozent seiner 12,6 Mio. Aktien umfassenden Goldman Sachs-Beteiligung und 7 Prozent seiner 60,4 Mio. Walmart-Aktien. Er sei aber von den beiden Unternehmen weiterhin voll überzeugt. Ganz verkauft hat Buffett seine 5,6 Mio. Anteile an Viacom.

Darüber hinaus hat er, wie angekündigt, weitere Aktien von IBM gekauft. Durch die zusätzlichen 1,5 Mio. Aktien ist sein Bestand nun auf rund 81 Mio. Anteile angewachsen und Buffett ist inzwischen der größte Aktionär von IBM. Und überzeugt, dass dieses Investment sich für Berkshire Hathaway noch sehr auszahlen wird, auch wenn die Aktie seit Jahren nur einen Weg kennt, analog zu den seit 14 Quartalen fallenden Umsätzen: nach unten.


Bei General Motors hat Buffett aufgestockt und die zusätzlichen 9 Mio. Anteile erhöhen seine Position auf jetzt 50 Mio. Aktien. Bei Liberty Media hat er seine Beteiligung auf 23,2 Mio. Anteile annähernd verdoppelt und bei Twenty First Century Fox immerhin um ein Drittel auf nun 9 Mio. Aktien. Ganz frisch im Depot sind 59 Mio. AT&T-Aktien, die Buffett aufgrund der Fusion mit DirecTV erhielt und beim kanadischen Ölsandwäscher Suncor Energy hat er seine Position um gleich ein Drittel massiv ausgeweitet. Dessen Förderkosten von 20 USD machen den Wert auch bei niedrigen Ölpreisen attraktiv und Marktbeobachter gehen davon aus, dass Suncor die Chance nutzen wird, ins Straucheln geratene Mitbewerber günstig aufzukaufen.

Eine Volte hatte Buffett bei Phillips 66 hingelegt. Hatte er im letzten 13F noch einen Komplettverkauf vermeldet, deckte er wenige Tage später seinen großen Bluff auf, denn in Wahrheit hatte Buffett bei dem Raffinerie- und Tankstellenbetreiber massiv aufgestockt und hält nun mehr als 10 Prozent an dem Unternehmen.

Bei vielen von Buffetts größten Positionen gab es keinerlei Veränderungen, so bei Wells FargoCoca ColaAmerican ExpressProcter & GambleUS Bancorp, Davita Healthcare PartnersMoody's sowie Deere & Co. Procter & Gamble wird allerdings demnächst komplett aus dem Portfolio verschwinden, da Buffett diese gegen Duracell eintauschen wird.


Wichtigste Käufe                 Marktwert 30.09.    Anzahl 30.09.    Anzahl 30.06.          Veränderung
The Kraft Heinz Co.     22.988.305.000 $      325.634.818             192.666   +     325.442.152
IBM     11.747.419.000 $        81.033.450        79.565.115   +         1.468.335
Charter Communications       1.808.020.000 $        10.281.603          8.514.678   +         1.766.925
General Motors       1.501.000.000 $        50.000.000        41.000.000   +         9.000.000
Suncor Energy          801.600.000 $        30.000.000        22.352.294   +         7.647.706


Wichtigste Verkäufe            Marktwert 30.09.    Anzahl 30.09.    Anzahl 30.06.        Veränderung
Walmart        3.643.055.000 $        56.185.293        60.385.293   -        4.200.000
Goldman Sachs        1.904.326.000 $        10.959.519        12.631.531   -        1.672.012
Viacom                              0 $                         0          5.646.721   -        5.646.721


Buffett ist kein Freund des Diversifizierens
Bemerkenswert ist die Konzentration Buffetts auf einige wenige große Beteiligungen. So machen seine beiden größten Positionen Wells Fargo und Kraft Heinz jeweils schon gute 18 Prozent aus und die fünf größten Positionen stehen für zusammen 67 Prozent seines Portfolios. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich dieser Anteil massiv erhöhen wird, wenn Precision Castparts (PCC) in der Liste auftaucht.

Was das 13F-Formular nicht zeigt...
In Buffetts Portfolio befinden sich ja auch eine Menge an nicht-börsennotierten Unternehmen und es enthält darüber hinaus sog. "Preferred Stocks" (nicht mit den deutschen Vorzugsaktien zu verwechseln). Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der allgemeinen Aktien hinausgehen, und werden daher eher als Hybrid Instrumente angesehen, denn als Aktien.

An Preferred Stocks hält Buffett einige große Pakete, die wahre Schätze verbergen.

  • Bank of America (BoA)
    2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für 5 Mrd. USD kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für 5 Mrd. USD BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 7,14 USD je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen.

    Am 30.09. notierten die BoA-Aktien bei 15,58 USD, Buffetts Buchgewinn bei Ausübung der Optionen läge also bei 5,91 Mrd. USD. Und in der Zwischenzeit erhielt er zusätzlich noch 300 Mio. USD jährlich an Zinsen, also bisher 1,2 Mrd. USD.

    In seinem 2014er Geschäftsbericht schrieb Buffett, er wolle die Optionen kurz vor Ende der Laufzeit wandeln und daher sei BoA objektiv betrachtet die sechsttgrößte Position in Berkshires Portfolio (bei Berücksichtigung von PCC).
     
  • Dow Chemical
    2008 stellte Buffett Dow Chemical 3 Mrd. USD für die Übernahme der Spezialchemiefirma Rohm & Haas Co. zur Verfügung und erhielt im Gegenzug Preferred Stocks, die eine jährliche Dividende von 8,5% ausschütten, oder 255 Mio. USD. Dabei hat Dow Chemical das Recht, die Preferred Stcokks in ganz normale Aktien umzuwandeln, wenn ihr Aktienpreis für 20 Tage innerhalb einer Periode von 30 Tagen oberhalb von 53,72 USD schließt. Dabei würde Buffett 62,6 Mio. Stammaktien erhalten zu einem festgelegten Bezugspreis von 41,32 USD. Was ihn zu einem der größten Aktionäre von Dow Chemical machen würde.
     
  • Goldman Sachs
    2008 bereits griff Buffett Goldman Sachs unter die Arme durch eine ebensolche in zwei Teile strukturierte Transaktion, die später auch als Blaupause für den BoA-Deal diente. Für 5 Mrd. USD kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks" und "Warrants", die es ihm erlaubten, für 5 Mrd. USD Goldman Sachs-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 115 USD je Aktie.

    Doch fünf Jahre später stand die Aktie bereits bei 160 USD und beide Seiten einigten sich auf eine Lösung, die die Aktienzahl nicht zu sehr in die Höhe treiben und somit die Anteile der übrigen Aktionäre zu stark verwässern würde. Anstatt dass Buffett 43,5 Mio. Aktien zu 115 USD kaufte, übertrug ihm Goldman Sachs 13,1 Mio. Aktien - und zwar unentgeltlich. Netto lief das damals auf dasselbe Ergebnis hinaus.

    Die inzwischen nochmals auf rund 11 Mio. Aktien reduzierte Position in Buffetts Portfolio hat ihn also unter dem Strich keinen Penny gekostet!
     
Was ansonsten noch geschah...
Wie Buffett in dem Fernsehinterview noch verriet, verkauft er weiterhin die Aktien der beiden weltgrößten Rückversicherungsunternehmen Munich Re und Swiss Re. Das habe nichts mit den jüngsten Anschlägen, betonte Buffett ausdrücklich und ich glaube ihm. Die Branche muss immer schwerere Herausforderungen meistern, während ihre Einnahmen erodieren; sie wird mehr und mehr zu einer klassischen Value Trap. Die Reduzierungen in diesem Bereich halte ich ja seit längerem schon für dringend geboten.

Einschätzung
Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Allerdings seit einiger Zeit nur noch als Halteposition, weil die starke Abhängigkeit vom Versicherungsgeschäft meines Erachtens immer größere Risiken birgt. Und über diese Sparte sagte Buffet kürzlich selbst, dass sie in den nächsten Zehn Jahren "nicht mehr so gut laufen werde wie in den letzten 30 Jahren". Ich bewerte es daher positiv, dass Buffett sein Engagement in diesem Bereich reduziert und im Gegenzug seine Konsumgüter- und Industriebeteiligungen erheblich ausbaut.

Berkshire Hathaways Portfolio (Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com)

Kommentare:

  1. Bei IBM zeigen sich in Bezug auf Buffett mehrere Dinge: erstens, wie sehr im der allgemeine Marktkonsens wurscht ist. Zweitens, wie weit er in die Zukunft denkt. Sein Mindestzeithorizont sind zehn Jahre und da ist auch bei IBM noch nicht mal die Hälfte davon vergangen. Er wird damit keinen Ver-x-facher hinlegen, wie es mit Coca Cola oder Washington Post der Fall war. Aber selbst wenn sich die Aktie alle 10 Jahre verdoppelt (also von jetzt weg beispielsweise erst in sechs Jahren), wird er inklusive der Dividenden wahrscheinlich besser gefahren sein, als mit dem breiten Markt. Im Prinzip ist diesbezüglich ja nur genau das eingetreten, wovon er in seinem damaligen Brief an die Aktionäre geschrieben hat, nämlich dass man sich als Aktionär von IBM wünschen muss, dass der Aktienkurs fällt.

    Das dritte, was sich bei IBM und Buffett deutlich zeigt, ist die Tiefe und die Breite des Einblicks, die er durch seine zahllosen Beteiligungen in die Bedürfnisse und die Funktionsweise der amerikanischen Wirtschaft erhält. Er sieht, wie Wells Fargo funktioniert und erkennt, dass IBM deren größter Zulieferer ist. Er sieht, wie sehr Watson in der Versicherungsbranche einschlägt. Und so weiter, und so fort. Buffett sitzt direkt am Puls der Realwirtschaft.

    Daraus lassen sich auch die Gründe ableiten, wieso er hier scheinbar mit einem extrem eng mit ihm assoziierten Mantra bricht und ein "Technologieunternehmen" kauft, was ihm nie einer zugetraut hätte. Der Moat von IBM ist nicht ein supertoller technologischer Fortschritt, sondern das Kundennetzwerk und üppige switching costs. Auch der Moat, der sich rund um das Watson Ecosystem aufbaut, beruht nicht auf der Technologie von Watson, sondern dass viele verschiedene Branchen das Ding einsetzen und sich darauf festlegen. Darum hat Munger auch mal in einem Interview über das IBM-engagement gesagt: "It`s a very Buffett-like play".

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    1. Moin Daniel,
      ich gebe Dir in vielen Belangen recht, bis zur Investmentthese sogar in allem.

      Der entscheidende Unterschied zwischen Buffett und allen anderen Investoren ist doch, dass Buffett die ganze Firma haben will. Er will IBM vollständig haben und zwar genau aus den von Dir genannten Gründen. Weil IBM das IT-Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft ist, jedenfalls der großen Konzerne. Weil diese Konzerne IBM in ihre DNA aufgenommen haben und die gar nicht wieder loswerden, selbst wenn sie wollten; diese Symbiose ist das, was Buffett als Burggraben versteht, Du hast sehr gut beschrieben. Und die anderen Randbereiche stößt IBM ab, auch das ist für Buffetts "Vision" konsequent und richtig.

      Aber...
      alle anderen Anleger haben IBM nicht aus diesem Grund in ihren Depots, sondern als Kapitalanlage. Wir alle investieren unser Geld, weil wir auf steigende Aktienkurse aus sind, weil wir Dividenden kassieren und vermögend(er) werden wollen durch unser Investment. Unsere Motivation unterscheidet sich - zumindest beim IBM-Investment - grundlegend von der des Warren Buffett. Er freut sich über sinkenden Aktienkurse bei IBM, weil er dann noch mehr Aktien kaufen kann vor diesem 120-Milliarden-Giganten. Und in der Zwischenzeit bekommt er für sein Geld mehr Zinsen, als wenn er es als Festgeld irgendwo rumliegen lassen würde. Doch wir anderen wollen mit unserem Investment Geld verdienen und zwar nicht erst in 5 oder 10 Jahren. Und genau das unterscheidet und unsere von Buffetts IBM-Interessen.

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  2. Nein. Buffett will ein Unternehmen das weniger kostet als es wert ist. Das ist exakt das was ich auch will.

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    1. Dabei übersiehst Du die zeitliche Komponente. Buffett kauft nicht (mehr nur) Unternehmen, die heute weniger kosten als sie Wert sind, sondern er kauft seit Jahren schon Unternehmen, die fair bewertet sind oder sogar mehr kosten als ihrem aktuellen Wert entspricht. Weil er davon ausgeht, dass diese Unternehmen in der Zukunft wesentlich mehr wert sein werden. Und da er vor hat noch viele Millionen IBM-Aktien zu kaufen, freut er sich natürlich, dass in dieser Phase der Aktienkurs nicht steigt. Verständlich. Aber weder Du noch ich kaufen derartige Mengen an Aktien und daher sind hier schon Unterschiede, ob ich 2001 in IBM investiere und seitdem Kursverluste eingefahren habe (in eine der größten Aktienhaussen), oder ob ich dies viele Jahre später tue, wenn die Strategie Erfolge aufweist und der Aktienkurs dann auch ins Laufen kommt.

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    2. Michael, Du verdrehst Preis und Wert. Ein Unternehmen, das große Chancen bietet, dass sich in Zukunft höhere Cashflows einstellen, deren Barwert heute noch nicht voll im Kurs dargestellt sind, sind per definitionem unterbewertet in dem Sinn, dass sie sich in Zukunft risikoadjustiert besser entwickeln werden als die Alternativanlagen (der "Markt"). Buffett macht das auch heute noch. Vom Grundkonzept hat sich nichts geändert. Er kauft Dinge, die weniger kosten, als sie wert sind. Wo sich in seiner Strategie etwas geändert hat ist, dass er angesichts seiner schieren Größe eine geringere Margin of Safety akzeptiert (sprich die Überrendite zum Markt kleiner wird), oder dass er teilweise spezielle Deals machen kann. Letzteres kann ich natürlich nicht, aber IBM fällt nicht in die Kategorie "special deal".

      Zu dem Argument mit dem Nachkaufen: wo ist der Unterschied, wenn er die Dividenden reinvestiert und ich auch? Es sind die absoluten Beträge anders, aber das Konzept ist dasselbe.

      Das Beispiel mit IBM in 2001 ist ein völlig hypothetisches. Weder ich noch Buffett haben 2001 IBM gekauft. Aber wäre es so gewesen, hätten wir bis dato prozentuell exakt dieselbe Entwicklung genommen. Wenn ich die Aktie gleich lang halte wie er, habe ich auch in Zukunft prozentuell exakt dieselbe Entwicklung. Der einzige Unterschied, falls er proportional mehr Aktien kauft als ich, ist dass er absolut betrachtet mehr Geld verdient hat. Er hat aber auch mehr Geld hineingesteckt.

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    3. Ich meinte natürlich 2011, nicht 2001. ;-)

      Die Frage ist doch, weshalb ich als "normalsterblicher" Anleger heute schon IBM kaufen sollte bzw. bereits 2011, wenn doch der Unternehmensumbau so lange Zeit in Anspruch nimmt und so viel kostet. Gerade werden wieder 3.000 Stellen in Deutschland gestrichen. Ich kann IBM auch zu einem späteren Zeitpunkt kaufen, wenn die Erfolge der Neuausrichtung auch wirklich mal sichtbar werden.

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    4. Naja, weiß bzw wusste man 2011 a) wie lange der Umbau dauern wird und b) wie der Markt während der Zeitspanne das Unternehmen bepreist? Wenn Du beide Punkte hinreichend genau im Vorhinein beantworten kannst, gibt es keinen Grund gleich zu Beginn zu kaufen.

      Da ich insbesondere im Hinblick auf b) niemanden kenne, weder persönlich noch virtuell, dem ich das zutraue, bleibt mir nichts anderes übrig als zu kaufen, wenn ich eine Unterbewertung zu erkennen glaube und zu warten.

      Das Problem ist doch Folgendes: selbst wenn ich wüsste, dass der Umbau noch 10 Jahre dauern wird, sich operativ danach aber auszahlt, muss ich heute zumindest zu kaufen beginnen (wenn ich das Unternehmen überhaupt haben will), weil ich nicht weiß, wie lange der Markt noch anders denkt als ich. Zuzuwarten, weil der Preis noch ein Jahr lang fallen könnte, ordne ich dem Reich der Spekulation zu. Aber da denkt freilich jeder anders und dass ist das gute Recht eines jeden einzelnen.

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  3. Ihr beide könnt das Thema IBM nicht lassen, oder ;-)

    Irgendwie habt ihr beide Recht: Daniel, weil es mit langfristigem Anlagehorizont nicht ganz so wichtig ist, wenn der Kurs momentan nicht steigt (wenn man eh nicht verkaufen möchte). Michael deswegen, weil wir Normalsterblichen nicht das Buffett-Problem haben, dauernd 'zu viel' Geld zu haben.

    C'est la vie...

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  4. @Tom: Nein, ich verstehe das Argument in der kurzen Sicht von Michael nicht. Was für einen Unterschied macht es für einen selbst bezogen auf den urspünglichen Einstieg, ob man danach noch mehr nachkaufen kann oder nicht? Angenommen zum Zeitpunkt t0 kaufen Buffett und ich ein Unternehmen zu je 100. Sofort danach fällt der Kurs auf 80 und neun Jahre lang tut sich danach kursmäßig an der Börse gar nichts (t1 bis t9). Am Ende von t10 steigt der Kurs auf 200, keine Dividenden. Wir haben beide 7% p.a. verdient. Wenn Buffett jetzt während t1 bis t9 jeweils nachkauft, hat er sowohl absolut als auch prozentuell mehr verdient. Klar, aber er hat auch danach andere Handlungen gesetzt als ich. Vergleichen kann man aber nur das ursprüngliche Engagement zu t0. Alles andere wäre ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Denn angenommen, es stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Aktie zu t0 nur 70 "wert" war, wir also überbewertet eingestiegen sind, haben wir beide einen Fehler gemacht und der wird nicht dadurch korrigiert, dass einer danach noch nachkaufen kann.

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    1. Ich verstehe schon, denke ich. Es ist halt alles im Leben relativ ist. Vor allem beim Investieren. Michael sieht die Sache eben anders als du, Punkt.

      Er geht davon aus, dass das noch eine ganze Weile dauern kann bei IBM (Opportunitätskosten), und ist prinzipiell eher skeptisch (stimmt dem Markt zu). Du gehst davon aus, dass die meisten Leute (der Markt) bei IBM falsch liegen. Du hast deine Meinung, die ist sicher gut recherchiert, du hast Buffett auf deiner Seite usw. Passt. Aber wenn du gegen den Markt gehst (und das tut man als Value Investor eigentlich immer), dann musst du auch akzeptieren, dass es andere Meinungen gibt, und du eventuell selbst falsch liegen könntest (es gibt meistens einen 'blind spot'). Das macht den Markt aus, und erzeugt in Wirklichkeit erst diese Chancen. Es bringt aber nichts, andere Meinungen nicht zu akzeptieren. Die Zeit wird zeigen, wer richtig liegt/lag. Es gibt diesbezüglich ein schönes Zitat von Ben Graham, das hier auf diesem Blog, glaube ich, schon veröffentlicht wurde.

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    2. Bitte versteh mich nicht falsch: ich will niemanden von meiner Meinung überzeugen, weder hier, noch bei Bargain. Weder zu IBM, noch zu einem anderen Unternehmen. Ich hätte ja auch nichts davon.

      Ich schwafle hier so viel, weil ich gerne schwafle und weil ich so außerdem ganz gut über meine eigenen Einschätzungen nachdenken kann (und eben vielleicht um diesen Blind Spot zu finden, den ich selbst übersehe). Dass ich mich hier gerade zu IBM so einbringe hat nichts damit zu tun dass ich Michaels Meinung nicht akzeptiere. Ganz im Gegenteil. Ich profitiere doch viel mehr von einer Diskussion, wo der andere eine andere Sichtweise hat als ich, und zwar nicht dadurch, dass ich hoffe, ihn umzustimmen, sondern weil es mich freut, dass er immer wieder mit neuen Facetten daherkommt, die mich selbst (auch wenn es zum tausendsten Mal IBM ist) zum Nachdenken anregen.

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  5. By the way: Worüber soll ich sonst reden, wenn nicht über die Unternehmen, die mich beschäftigen und wo ich der Meinung bin, dass ich weiß, wovon ich rede (viele Unternehmen gibts diesbezüglich nicht)?

    Wie Carl Icahn mal gesagt hat: "What else do I have to do?" :-)

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  6. IBM hat einen enormen Free Cash Flow. Das Servicegeschäft bindet wenig Kapital und bei Software gibt es hier ja auch einen unheimlichen Markt.

    Earnings sind hier ja wirklich verfügbarer Cash. Bei einer Eisenbahngesellschaft oder Wal-Mart sind Earnings eben nicht frei verfügbarer Cash, da das Schienennetz oder die vielen Gebäude gewartet werden müssen. Bin ich also Investor, der vom Geschäft überzeugt ist und das Geld nicht kurz/mittelfristig (das ist bei jedem etwas anders) braucht, der kann sich also freuen, dass an jedem Tag der niedrigen Kurse IBM den langfristigen Wert durch die Rückkäufe steigert.

    Dies ist ja beim Kaufen einer Aktie unter Buchwert auch so, dass man glaubt, dass dieser Wert mindestens erhalten bleibt und irgendwann der Tax X kommt.
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    Zum Thema Cloud (da werden ja oft andere als Sieger gesehen, wenns hier überhaupt je einen End-Sieger gibt). Die Regulatoren rund um den Globus werden und sind sehr streng beim Auslagern von Daten bei Banken und Versicherungen.

    Da kann es sein, dass die zuständige Regulierungsbehörde aus Texas schon meckert, wenn die Daten in Oklahoma liegen und nicht im Lone Star State und gerade in heutiger Zeit werden Firmen weiterhin sensible Daten in eigenen Rechenzentren haben wollen.

    Denke also der Mainframe in seiner geschlossenen Form wird noch sehr lange erhalten bleiben. Nicht nur durch seine hervorragende Leistung beim Bearbeiten von Input/Output Daten, sonder auch weil er ein abgeschlossenes System ist.

    Das schlimmste was einer Bank passieren kann ist doch wenn das System ausfällt, das ist der Supergau und da seh ich kein StartUp rankommen. Dieses Paket aus Mainframe, spezifischer Software und Security Angebot, Finanzierung und Wartung kann doch kein anderes Unternehmen so leisten.

    Allein das IBM Finanzierungen in enormer Größe anbieten kann ist ein großer Vorteil.

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  7. Und in ein paar Monaten kommt dann das Apple-Car, powered by Watson :-)

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